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Diskutiere im Thema Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #221
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 86

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    mj71 schreibt:
    Selber rede ich von mich gerne als "ADSlerin", weil mein ADS wirklich zu mich gehört... Ich bin damit geboren, lebe damit, ist in mich und lebe damit... Er hat auch so viel Wirkung auf mein Leben, ob es mich passt oder nicht...

    Wenn ich mnich irgendwie abgetrennt sehen würde von mein ADS, hätte ich der Eindruck, ich tue nicht wirklich es annehmen... Aber es geht mich besser, wenn ich mit was zu mich gehört, auch mal Freundschaft schliesse... über Freunden kann ich mich auch mal ärgern, aber nehme sie so wie sie sind...

    Der gedanken wie es wäre, wenn wir der Norm wäre, finde ich interessant...

    Ich hatte schon mehrmals erlebt mit andere Chaoten zu sein, sogar einmal 2 Tagen... Und es ist gut gegangen! Die Stimmung war super und wir haben auch gut zu uns geschaut, sind auch einkaufen gegangen (Mit andere Chaoten im Supermarkt ist wirklich eine schöne Erlebnis, alles sind gleich schnell verwirrt!) und gekocht... Also, es ist wirklich gegangen, und gut!

    Da hatte ich nie der Eindruck ich sei oder jemand anders sei krank... Wir hatten zwar einiges vergessen, oder zu viel eingekauft, waren emotional, aber es ging doch gut... Alles war auch nach unsere Art eingerichtet... Es war auch Chaos in die Räumen, aber es war kein Problem...

    Also, wir haben uns wirklich als lebentauglich gezeigt, nur einiges ging anders...

    Ich bin sicher, in eine artgerechten Haltung, fallen wir viel weniger auf und leiden auch weniger... Jeden kann sich so für sich finden wie er dazu kommt...
    Herrlich, mj71 ,
    die Anekdote gefällt mir sooo gut!
    Vielen Dank, sowas zu lesen tut echt gut.
    Vieles, was ich bis jetzt lese, tut echt gut....nee, alles. Ich finde den Thread klasse, danke euch
    Lg, c
    Irgendwann schreib ich auch mal was, bin zur Zeit etwas müde, und die Augen tun weh beim ewigen Tablet glotzen

  2. #222
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    @ Maofatale: Ich habe auch Momenten in mein Leben wo ich froh bin so zu sein wie ich bin... Wenn es ich gut geht, wenn ich gerade spüre war ich gut kann... Ab und zu ist es so und ich finde, es darf auch! Das leben ist nicht nur schwarz oder weiss... Momenten wo ich mühsam und anstregend finde ADS zu haben, gibt es wirklich vielen...

    @ Fliegerlein: Ich mag auch dass diese mal das gespräch friedlich geht, obwohl wir nicht alle gleiche Meinung sind. Aber argumentieren, nachdenken finde ich interessant... Dabei nehme ich auch meine eigene Empfinden zu mein ADS und ich finde es interessant für mich.

  3. #223
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Guten Morgen Ihr Lieben,

    wie nicht anders zu erwarten war, hat mich das nicht losgelasen und ich habe ein wenig weiter über die Steinzeitszenarien und den Blick auf die reizoffenheit in der Tierwelt nachgedacht .... und die Ergebnisse sind vielleicht gar nicht mal so uninteressant

    Fliegerlein schreibt:
    I
    Hmm ... ok ... Beats me
    Das kann ich mir so vorstellen.

    Meiner Natur entsprechend natürlich nicht ohne Zweifel ... ich überlege, ... es kann gut sein, dass zu einer bestimmten Zeit diese Eigenschaften von Vorteil waren.
    Seit einiger Zeit ist das nicht mehr so ... aber es stimmt, das könnte sich auch so zugetragen haben.
    Wenn ich in die Tierwelt schaue, und da können wir ja davon ausgehen, dass in deren Welt sich die Reize nicht gravierend verändert haben, dann finde ich dort sowohl Spezies, die auf jeden kleinsten Reiz reagieren, auf wirklich alles.
    Aber ich finde auch Jene, bei denen das nicht so ist, sondern die im Gegenteil sehr fokussiert sind und alles um sie herum ausblenden und nur ein konkretes Ziel verfolgen oder andere Reize einfach nicht als Gefahr betrachten.

    Ersteres sind üblicherweise Beutetiere, Zweiteres die Raubtiere.
    Das finde ich schon sehr interessant und nachvollziehbar, denn während den Räubern eher weniger Gefahren drohten (soll nicht heißen, dass sie keine Gefahren kannten, aber eben deutlch weniger), mussten die Gejagten ständig und immer auf der Hut sein.
    Das ist ja auch im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig.

    Alelrdings hat die Sache einen Haken:
    Jene, die gejagt werden befinden sich in einer permanenten Anspannung, ständigen Alarmbereitschaft und das zehrt an den Kräften, kostet Unmengen an Energie.
    Und das ist es ja auch, was man oft von ADS'lern liest, sie sind in einer Art ständiger Alarmbereitschaft und wenn von Außen nichts kommt, dann müssen sie sich selbst stimulieren und infolgedessen sind sie auch permanent angespannt, wie ein Beutetier, ständig auf Flucht gebürstet .. sinnbildlich gesprochen natürlich.
    Und in der Tat hat man ja mit Hilfe von FMRT's schon nachweisen können, dass bei uns viel zu viel über die Amygdala läuft, welche u.a. das Angstzentrum beinhaltet.
    Die Jäger haben die Ruhe weg ... schaut man sich Löwen in der Wildnis an ... die interessiert nichts um sie herum ... warum auch?
    Während andere Tiere, Antilopen & Co ständig ihre Ohren gespitzt halten müssen und permanent im Wahrsten Wortsinne auf dem Sprung stehen.

    In der Vergangeheit war der Mensch beides ... sowohl Jäger, als auch Gejagter.
    Bei einer solchen Spezies ist es von Vorteil, wenn beide zustände erreicht werden, sowohl eine gewisse Reizoffenheit, aber auch eine gute Filterfunktion, um nicht unnötig Energie zu verschwenden, denn letztlich waren sie nicht in gleicher Weise gefährdet wie Beutetiere in der Tierwelt.
    Bei Menschen mit ADHS ist bis heute diese Alarmbereitschaft = Reizoffenheit vorhanden (wobei wir hier arg simplifizieren und ja nur von EINEM Symptom einer ganzen Sammlung von Symptomen des Syndroms sprechen), aber sie ist nicht mehr notwendig.
    Also mus sie sich Ventile suchen und zudem kostet sie Kraft und Energie und das ohne daraus einen Nutzen zu ziehen.

    Dennoch könnte es sehr gut sein, dass zwar einerseits in der damaligen Zeit bereits eine gesunde Balance aus Reizoffenheit und -filterung entstanden ist, aber eben auch jene mit einer erhöhten oder hohen Reizoffenheit von entscheidender Bedeutung waren.
    Wenn nämlich in einer Gruppe von Jägern einer dabei war, der so reizoffen war, während die anderen sich gezielt fokussieren konnten, dann wäre das eine ideale Kombination.
    Der Reizoffene nimmt sowohl Beute, als auch Gefahren wahr, während der Rest der Gruppe sich ganz auf die eigentliche Aufgaben konzentrieren kann.
    Das würde möglicherweise zumindest erklären, warum die Prävalenz relativ konstant ist, denn das wäre sozusagen eine "gesunde Mischung".

    Gut, ... das passt jetzt nicht mehr in die Frage nach dem Krankheitsbegriff, ist aber doch auch irgendwie daraus entstanden und damit verbunden, denn heute können wir wohl davon ausgehen, dass diese Reizoffenheit nicht mehr von Vorteil ist.

    Was übrigens die Vorratshaltung angeht, so ist diese ja nicht generell von einer Haltbarmachung der Lebensmittel abhängig, denn es gibt in der Tierwelt unzählige vorratshaltende Spezies.
    Sowohl unter den Vögeln, wie auch den Insekten und Säugetieren.
    Nager sammeln Getreide, Eichhörnchen Nüsse, einige Vogelarten ebenfalls Nüsse und Bienen produzieren Honig (und der ist Jahrtausende haltbar, da hat man schon in einem ägyptischen Pharaonengrab einen Behälter mit Honig gefunden und der war noch genießbar ... irre oder?).


    Naja ... nur so ein paar Gedanken ...
    Ich fands interessant und es zeigt aber möglicherweise auch, dass etwas, das früher tatsächlich mal von Nutzen war, heute eher ein Nachteil ist, man aber letztlich nicht der Entwicklung = Evolution die Schuld daran geben kann, dass es so gekommen ist, es ist einfach so gekommen.

  4. #224
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Wenn ich in die Tierwelt schaue, und da können wir ja davon ausgehen, dass in deren Welt sich die Reize nicht gravierend verändert haben, dann finde ich dort sowohl Spezies, die auf jeden kleinsten Reiz reagieren, auf wirklich alles.
    Aber ich finde auch Jene, bei denen das nicht so ist, sondern die im Gegenteil sehr fokussiert sind und alles um sie herum ausblenden und nur ein konkretes Ziel verfolgen oder andere Reize einfach nicht als Gefahr betrachten.

    Ersteres sind üblicherweise Beutetiere, Zweiteres die Raubtiere.
    .
    zufällig bin ich als adhslerin ja LÖWE

  5. #225
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    so gesehen sind wir quasi die Verteidiger der Menschheit? die Abwehr der menschlichen Fußball-11? die Aufpasser, damit wir durchkommen? also die Retter, damit wir nicht aussterben oder angegriffen werden?

    während andere (also stinos) dafür sorgten, dass wir nicht verhungern etc?

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    interessanter Gedanke und Ansatzpunkt!

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    und da wir ja auch sehr oft die "Zweifler" sind und alles durchleuchten, sind wir vllt wichtiger für das fortbestehen und weiterkommen unsrer Gattung? da wir nicht alles so hinnehmen, wie es uns präsentiert wird?

  6. #226
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Hallo Fliegerlein,

    Ich finde es alles sehr interessanten Gedanken! Ja, Reizoffenheit kann auch mal ein Vorteil sein! Eigentlich, da ich ehe reizoffen bin und mich zu viel energie kostet es zu verändern und einfacher ist, damit eine Weg zu finden, merke ich dass es auch heute, nicht immer zu Nachteil ist... Natürlich kann ich deswegen an viele Orten gar nicht arbeiten... Reizoffenheit macht mich langsam und sehr ablenkbar. Aber bin ich in eine ruhige Ort, erlebe ich es nicht mehr als störend... Ich bin immer wieder abgelenkt und komme dann immer wieder zu mein Thema... Ich nehme deswegen auch einiges wahr. An meine Arbeit ist es zum Vorteil, Sachen zu merken, wie wenn ein Tier krank ist.

    Wegen Reizoffenheit ist mich auch gestern so ein Bild im Kopf gekommen.... Ich denke, Steinzeitmenschen haben nicht immer eine beute gefunden... Wenn ich mich vorstelle, da geht einer gruppe... Jetzt übertreibe ich es, weil es sicher nicht so war, sonst hätten sie nicht überlebt, aber ich fand es lustig:
    Nicht ADSler sind auf ihre Ziel fixiert, sie suchen eine Beute... Erdbeeren sind doch nicht wichtig... Sie werde ausgeblendet...
    Der ADSler kann die Erdbeeren nicht ausblendet, nascht einigen und dann läuft etwa schneller zu Gruppe... Ach dann sieht er wieder etwas lecker zu essen, rasch mal naschen und weiter... Nun, am Abend hat die Gruppe keine Beute gefunden... Aber wer hat doch der Bauch voll und sich unterwegs satt gegessen?

    Ich kann mich ehe vorstellen, da es zum überleben günstiger ist, dass die Menschen damals auf Jagd gingen, wenn sie eine heisse Spur hatten, oder wussten, nicht weit weg gibt es etwas... Oder wenn es saisonal (winter) ehe wenig gab zu essen sonst... Auch im Mittelalter haben Menschen mehr Fleisch gegessen im Winter... Weil es nicht vieles anders gab (ausser Getreiden, aber nicht immer genug)). Es braucht auch Reizoffenheit um es zu merken... Und sonst, gab es immer was zu naschen, und wenn es zu wenig war, ist die ganze Gruppe gewandert... So leben auch wilde Tieren...

    An meine Arbeit beobachte ich ja die Tieren... Alle Tieren sind reizoffen, da... Alle reagieren irgendwie auf äussere Reiz... Auch wenn es nur drum geht, die Ohren zu bewegen, rasch schnüffeln... Kopfdrehen passiert nicht immer... Kühen finde Menschen besonders interessant, wenn sie Hunger haben... Als Heuspender... Da ist die Reaktion auch eindeutig: anschauen, nachlaufen, muhen... Sonst wird nur angeschaut und geschnüffelt und vielleicht, wenn sie sehr zutraulich sind, geleckt... Ja, sie sind auch verschmust!

    Auch Katzen reagieren auch alles... Eine Vögel, eine summende Bienen... Vor allem alles was sich bewegt... Auto werden als Gefahr bewertet.

    Auch eine Katze bei jadgen, vor der Mäuseloch, nimmt sein Umgebung wahr... Sie ist zwar konzentriert, aber sollte weiter Gefahren wahrnehmen oder eine andere Nahrungquelle, als alternativ... Ich sehe, wie sie manchmal kurz der Kopf heben und dann wieder zu Mäuseloch, oder nur die Ohren bewegen.

    Hühner sind kleine Beutetieren und reagieren auf alles und sind eigentlich rasch ängstlich... Zu überleben ist es wichtig... Aber interessant ist auch dass sie sich sonst auch gut wehren können. Katzen haben Angst von ihnen... Der Fuchs leider nicht...

    Mal zurück zu Reizoffenheit: Im Steinzeit war es sicher gut und ich denke, auch eine nicht ADSler kann sehr vieles von sein Umgebung wahrnehmen... Da der Mensch sein Verhalten auch anpassenb kann, dann haben sie vielleicht viel weniger geübt, sich an eine Sache zu konzentrieren, weil es schlicht ungünstig war. Wer das nicht konnte, hatte keine grosse Nachteil wie heute...

    Irgendwann ist der mensch auf die idee gekommen, seine Nahrung selber zu erstellen und hat angefangen Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Ich denke, der übergang war fliessend... Es hat sicher zuerst angefangen mit ein kleine Garten und einige Tieren in ein Zaun und nebenbei immer noch sammeln und jadgen (was in kleine Umfang bis heute noch auf die Welt gibt, überall, auch wenn es sehr wenig ist). Da ist klar dass langfristig planen wichtig ist! Es geht einige Monaten bis was man säht gross genug wird zu essen, es muss gepflegt werden und von tierische Konkurrenzen geschützt werden. Auch Tieren müssen gefüttert werden... Da haben auch die menschen sicher sich von raubtieren geschützt, mit Zäumen und einiges anders... Da war Konzentration auf die Arbeit mehr möglich, obwohl Gefahren nicht ausgeschlossen werden... Ein Bär kann noch im Dorf kommen... Vielleicht waren da einige reizoffene Menschen die Gefahren früh merken zum Vorteil...

    Heute, sind in unsere Westliche Welt gefahren wirklich niedriger geworden und auch ganz anders... Es ist nicht mehr der Raubtiere der hinten der Busch lauert oder Feuer (obwohl heute doch ein Thema sein kann), es sind mehr langfristigen Sachen, die man nicht direkt sieht... Umweltverschmutzung... Wirtschaftkrise... Da ist Reizoffenheit irgendwie weniger wichtig geworden... Dafür ist günstig langfristig zu planen.

    Wobei, es gibt noch viele Teilen der Welt wo Gefahr überall lauert: Im Krieggebieten. Da kann rasch reagieren wieder wichtig werden...

    lg

  7. #227
    Lysander

    Gast

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Wir sind die Highlander ;-)

  8. #228
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    maofatale schreibt:
    ..., sind wir vllt wichtiger für das fortbestehen und weiterkommen unsrer Gattung? da wir nicht alles so hinnehmen, wie es uns präsentiert wird?
    Wer weiß ... vielleicht ja, ... vielleicht sind wir aber nur Relikte aus der Vergangenheit und die Eigenschaften, die vormals wichtig waren, sind es heute nicht mehr, sondern stellen vielmehr eine Beeinträchtigung dar.

    Ich für meine Person empfinde es als letzteres.
    Diese Reizoffenheit kostet mich mehr Energie, als ich aufbringen kann, sie ist allgegenwärtig und ich kann nie wirklich abschalten, habe niemals wirklich Ruhe.
    Selbst wenn ich nachts auf dem Balkon sitze, habe ich keine Ruhe, sogar das Ticken der Uhr in unserem Wohnzimmer (die wird demnächst gegen eine nichttickende ersetzt) kann ich nicht ausblenden, die kleinsten Geräusche aus der Ferne ... wir wohnen in einer ruhigen Gegend, die nächste Hauptstraße ist sehr weit entfernt, aber ich höre das, auch in der Nacht.
    Es ist mir unmöglich, bei offenem Fenster zu schlafen und ich höre selbst bei geschlossenem Fenster jeden Pieps aus der Nachbarschaft, nicht weil die so laut sind, sondern weil ich so empfindlich bin.
    Es ist eine stete Qual, kein Segen und kein Vorteil, es macht mich wahnsinnig, niemals ist Ruhe um mich herum, niemals ... geschweige denn in mir...

    Ich höre das "Singen der Gläser" ... dieses ganz feine Klingen und Pingen von kleinsten Luftbläschen, die in einem mit z.B. Cola gefüllten Glas aufsteigen und platzen ... andere hören das nicht mal und ich nehme es deutlicher wahr, als den laufenden Film im Fernseher und das kann einen wahnsinnig machen.
    Für mich persönlich sehe ich keinen Vorteil darin, was habe ich oder die Menschheit davon?
    elbst wenn es in der Vergangenheit vielleicht mal ein Vorteil gewesen sein mag, war es das auch in einem solchen Ausmaß?
    Das ist alles einfach viel zu viel des Guten und wie so oft ist es die Menge und die Balance, die zwischen Fluch und Segen entscheidet ...

    Eine gut gewürzte Suppe ist ein Genuss, eine nicht gewürzte ist fad und schmeckt nicht und eine zu stark gewürzte Suppe ist ebenfalls nicht mehr genießbar.
    Ich denke, das ist es auch, was auf ADS zutrifft ... die Dosierung macht es zu einer Krankheit ... ich fühle mich der Analogie folgend, was das "Gewürz Reizoffenheit" und einige andere angeht, schlicht überwürzt... das ist zu viel des Guten und damit nicht mehr gut.

    Deshalb empfinde ich die ADS als Krankheit, denn sie ist es, die dieses unsägliche Leid verursacht.

    Aber das ist eben auch ganz klar meine persönliche Empfindung und das muss keineswegs für Andere gelten.

    Threads wie diese dienen nicht dazu, andere zu überzeugen dass es so oder so sein muss und dass es nur diese eine Wahrheit gibt und alles andere falsch ist.
    Vielmehr sehe ich sie als eine Hilfe auch andere Sichtweisen kennenzulernen und damit auch eine andere Art im Umgang damit und der Akzeptanz zu lernen.
    Threads wie diese mit ihrer Vielfalt an Ansichten und Erfahrungen und Meinungen helfen mir dabei, den berühmten Werkzeugkasten zu füllen und geben mir überhaupt eine Möglichkeit, ein Werkzeug zu wählen.

    So interesant ich die Gedanken auch finde, so sehr empfinde ich für mich die ADS mehr als Fluch, statt als Segen, aber dank solcher Diskussionen auch durchaus mal als Segen .


    Das ist schon manchmal echt verdammt schwer....
    Geändert von Fliegerlein (19.07.2014 um 14:03 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  9. #229
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    [...]Wenn ich in die Tierwelt schaue, und da können wir ja davon ausgehen, dass in deren Welt sich die Reize nicht gravierend verändert haben, dann finde ich dort sowohl Spezies, die auf jeden kleinsten Reiz reagieren, auf wirklich alles.
    Aber ich finde auch Jene, bei denen das nicht so ist, sondern die im Gegenteil sehr fokussiert sind und alles um sie herum ausblenden und nur ein konkretes Ziel verfolgen oder andere Reize einfach nicht als Gefahr betrachten.

    Ersteres sind üblicherweise Beutetiere, Zweiteres die Raubtiere.
    [...]

    Alelrdings hat die Sache einen Haken:
    Jene, die gejagt werden befinden sich in einer permanenten Anspannung, ständigen Alarmbereitschaft und das zehrt an den Kräften, kostet Unmengen an Energie.
    Und das ist es ja auch, was man oft von ADS'lern liest, sie sind in einer Art ständiger Alarmbereitschaft und wenn von Außen nichts kommt, dann müssen sie sich selbst stimulieren und infolgedessen sind sie auch permanent angespannt, wie ein Beutetier, ständig auf Flucht gebürstet .. sinnbildlich gesprochen natürlich.
    [...]

    In der Vergangeheit war der Mensch beides ... sowohl Jäger, als auch Gejagter.
    Bei einer solchen Spezies ist es von Vorteil, wenn beide zustände erreicht werden, sowohl eine gewisse Reizoffenheit, aber auch eine gute Filterfunktion, um nicht unnötig Energie zu verschwenden, denn letztlich waren sie nicht in gleicher Weise gefährdet wie Beutetiere in der Tierwelt.
    [...]

    Dennoch könnte es sehr gut sein, dass zwar einerseits in der damaligen Zeit bereits eine gesunde Balance aus Reizoffenheit und -filterung entstanden ist, aber eben auch jene mit einer erhöhten oder hohen Reizoffenheit von entscheidender Bedeutung waren.
    Wenn nämlich in einer Gruppe von Jägern einer dabei war, der so reizoffen war, während die anderen sich gezielt fokussieren konnten, dann wäre das eine ideale Kombination.
    Der Reizoffene nimmt sowohl Beute, als auch Gefahren wahr, während der Rest der Gruppe sich ganz auf die eigentliche Aufgaben konzentrieren kann.
    Das würde möglicherweise zumindest erklären, warum die Prävalenz relativ konstant ist, denn das wäre sozusagen eine "gesunde Mischung".
    Ich kürze das Zitat mal ein bisschen

    Guter Einwand, aber du übersiehst ein Detail, das bei ADHS ebenfalls auftritt und dieses Schema etwas durcheinander bringt.

    Das witzige dabei ist, dass ADHSler ja gleichzeitig an beiden Enden des Spektrums der Reizoffenheit stehen. Der Normalzustand ist meiner Einschätzung nach das reizoffene Ende des Spektrums (Alarmbereitschaft). Aber unter bestimmten Umständen, springen wir übergangslos von unserem reizoffenen Normalzustand in den Hyperfokus (Krisenmanagement, Jagd). Wir können also beides, und wir können beides besser als jemand ohne ADHS. Aber dafür haben wir große Schwierigkeiten damit unsere Reizoffenheit zu steuern und können nicht oder nur eine Zwischenstufe zwischen Fokussiert und Reizoffen erreichen und halten. Wenn wir kontrollieren könnten wie reizoffen wir gerade sind, hätten wir deutlich weniger Probleme. Und ehrlich gesagt, ich vermute dass es Menschen gibt bei denen das der Fall ist, in denen die Vorteile von ADHS mit der sonst üblichen (oder zumindest mehr als bei ADHSlern üblichen) Kontrolle kombiniert sind. Aber solche Menschen hätten wohl nie eine ADHS Diagnose, da sie ja dadurch keine Probleme hätten.

    Fliegerlein schreibt:
    Gut, ... das passt jetzt nicht mehr in die Frage nach dem Krankheitsbegriff, ist aber doch auch irgendwie daraus entstanden und damit verbunden, denn heute können wir wohl davon ausgehen, dass diese Reizoffenheit nicht mehr von Vorteil ist.
    Dem würde ich widersprechen, die Aussage wie sie da steht ist zu undifferenziert und pauschal. Eine erhöhte Reizoffenheit hat auch heute noch Vorteile, z.B. weil man etwas wahrgenommen und sich gemerkt hat, das erst zu einem späteren Zeitpunkt nützlich ist, aber auch weil wir plötzliche Gefahrensituationen früher erkennen. Aber die Relevanz der Vorteile hat teilweise abgenommen. Gleichzeitig haben die Nachteile zugenommen weil mehr Reizquellen vorhanden sind und haben teilweise an Relevanz zugenommen.

    Fliegerlein schreibt:
    Ich fands interessant und es zeigt aber möglicherweise auch, dass etwas, das früher tatsächlich mal von Nutzen war, heute eher ein Nachteil ist, man aber letztlich nicht der Entwicklung = Evolution die Schuld daran geben kann, dass es so gekommen ist, es ist einfach so gekommen.
    Ja, da stimme ich vollkommen zu, die Entwicklung ist wie sie ist. Wir können nur das Beste aus dieser Situation machen.

    maofatale schreibt:
    so gesehen sind wir quasi die Verteidiger der Menschheit? die Abwehr der menschlichen Fußball-11? die Aufpasser, damit wir durchkommen? also die Retter, damit wir nicht aussterben oder angegriffen werden?

    während andere (also stinos) dafür sorgten, dass wir nicht verhungern etc?

    interessanter Gedanke und Ansatzpunkt!

    und da wir ja auch sehr oft die "Zweifler" sind und alles durchleuchten, sind wir vllt wichtiger für das fortbestehen und weiterkommen unsrer Gattung? da wir nicht alles so hinnehmen, wie es uns präsentiert wird?
    Das finde ich eine wunderbare Sichtweise auf unsere Rolle in der Welt

    Ich mach mir mal ein paar Gedanken dazu.

  10. #230
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Noch etwas anders dass zu Reizoffenheit gehört und dich ich bei mich und bei euch (weil ich es auch merke) schätze: Wir sind nicht nur Reizoffen gegenüber Aussen, aber auch gegenüber innen. Es heisst, was in uns los ist, nehmen wir auch wahr, filtrieren es weniger. Da gibt es gefèhlen, bildern, errinerungen, gedanken... Es wird in mein Kopf auch einiges verknüpft, manchmal nach Zufallprinzip.

    Ich verbringe viel Zeit um Erlebnissen zu verarbeiten. Es passiert viel in mein Kopf und ich brauche dafür zeit. Aber was daraus kommt, finde ich auch gut.

    Ich erlebe in diese Thread wie auf der ganze Forum und auch wenn ich direkt mit Chaoten bin: Wir denken zwar komplex, aber was wir sagen kann sehr überlegt sein, weil wir wirklich viel nachgedacht hatten... Was da zu lesen ist, ist wirklich überlegt, nicht oberflächlich. Ich mag die Beiträgen von Fliegerlein, der sich sonst als sehr reizoffen sagt, aber das Thema wird wirklich gründlich durchgedacht und besprochen. Bei anderen ist es auch so... Dabei hat jeden seine Assoziation und es gibt für mich so eine spannende innere Reise...

    Ich komme darauf, weil ich mal wütend bin, dass wieder mich jemand gesagt hatte, ich denke zu viel, obwohl es wirklich bei mich spontan kommt! Allerdings, finde ich der Mensch der mich so was sagt ehe oberflächlich... Intelligent ist sie zwar, aber bei denken, wird vieles mal ausgeblendet und was übrig bleibt finde ich weniger bunt, vielschichtig als was ich bei ADS sehe und schätze.

    Deswegen finde ich dass mein Hirn auch gut arbeitet... Er braucht zwar Zeit und Ruhe dafür, aber gibt mich vieles gute Ideen, Einsichten und tolles Kopfkino.

    So etwas finde ich heute immer als wertvoll... Natürlich kann gut sein dass wir dazu neigen einiges im Frage zu stellen, die Welt ändern wollen und deswegen anecken, aber die Menschheit hat sich auch deswegen, wegen solche Menschen auch entwicklet... Besonders wenn es um Gerechtigkeit geht, ist es nicht ohne Unruhe gekommen... Dabei hat es angefangen mit fühlen, wahrnehmung und nachdenken...

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