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Diskutiere im Thema Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #201
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Drowe schreibt:
    Das wäre eine mögliche Definition, aber sie hat Schwachstellen. Sie ermöglicht es auch etwas als Krankheit zu bezeichnen was definitiv keine ist, während bestimmte Krankheiten nicht mit einbegriffen sind.

    Beispiel 1: Dem weiblichen Geschlecht anzugehören könnte laut dieser Definition als Krankheit eingestuft werden, obwohl das natürlich Schwachsinn ist.
    Beispiel 2: Eine leichte Erkältung ist keine deutliche Beeinträchtigung, erschwert die Teilhabe am täglichen Leben kaum und verursacht kaum Leid.
    Nicht schlecht
    Aber ersteres erfüllt ja nicht die Voraussetzungen für ein derart schweres Leid und derart deutliche Beeinträchtigungen, das mit die teilhabe am Leben deutlich erschwert oder gar unmöglich gemacht wird.
    Zweiteres Beispiel hatte ich ja auch schon genannt, denn eine leichte Erkältung hat keinen Krankheitswert, da sie ja nur kaum Leid und Beeinträchtigungen bewirkt.
    Bezogen auf die Wikipedia Beschreibung allerdings, zeigt sich wie kompliziert dieser Begriff sein kann, weil die eigene und sehr subjektive Befindlichkeit den Grad des Leidens beeinflust, wie auch die Umgebung.
    Denn wie gesagt hat eine leichte Erkältung für zum Beispiel einen Piloten einen Krankheitswert, da in dessen Umfeld die ansonsten geringen Beeinträchtigungen zu sehr erheblichen Beeinträchtigungen führen, eben dann wenn es zu Druckunterschieden im Steig- und Sinkflug geht, welche durch die verstopften Nebenhöhlen nicht ausgeglichen werden können.
    Das führt zu unerträglichen Schmerzen, die einen komplett handlungsunfähig, sogar bewusstlos werden lassen können.
    Das sind dann schon schwerste Beeinträchtigungen und erhebliches Leiden.
    Beeinträchtigungen und Leiden, das den Krankheitsbegriff ausmachen, sind also immer auch in Zusammenhang mit dem eigenen Befinden und dem Umfelt zu betrachten.
    Das machts ja leider so richtig kompliziert.

    Drowe schreibt:
    Darüber kann man lange streiten, ich bin da anderer Ansicht. Ich denke es wäre für uns nicht einmal vorstellbar wie sich eine solche Gesellschaft entwickelt hätte, ich kann mir genauso gut vorstellen, dass wir nie über die Steinzeit hinaus gekommen wären, wie eine hochtechnisierte Gesellschaft, die uns um Jahrhunderte voraus ist. Ich bin mir nur über eines sicher, diese Welt wäre völlig anders als das was wir kennen.
    Das gewiss....

    Ich habe da immer so ein Steinzeitszenario vor Augen:
    Steinzeit-Fliegerlein sitzt in seiner höhle und kümmert sich um tausend Sachen gleichzeitig und die Zeit verrinnt, während er eigentlich auf die jagd gehen sollte, solange es noch hell ist.
    Frau Steinzeit-Fliegerlein, eine der wenigen Nicht-ADS'ler in dieser Welt, mahnt mich mehrfach an, endlich auf die Jagd zu gehen.
    Viel zu spät und nach der Tausendsten Mahnung trolle ich dann los und noch im Höhlenausgang ruft sie mir hinterher:
    "Und nimm auch Deinen Speer und die Keule mit Du Nase!!"
    Gesagt getan, gehe ich also raus zur Nachbarhöhle, denn man jagt nicht gern allein.
    Der kumpel dort muss mir erstmal seine neuesten Keulen und Fischgrätensammlung zeigen und so zieht wieder Zeit ins land, es ist schon langsam spät und es dämmert und wir stapfen endlich los.
    Während wir so dahintrollen kommen wir an diesem bach vorbei, in dem ich neulich dieses glitzernde Zeugs gesehen habe, das war toll und ich erzähle davon und schon sitzen wir am Bachlauf und suchen danach, finden na klar auch was und ach, was ist die Freude groß und dann ist da auch noch diese Stelle mit den lkustigen Steinen, aus denen das wasser sprudelt und apropos Steine, da hinten, da hat der Kumpel doch auch noch was gesehen ... Dummdidumm der Tag geht zur Neige und wir kommen mit leeren händen und knurrendem magen nach Hause und hungern erstmal 'ne Runde...

    Vielleicht schaffen wir es auch auf den letzten Drücker wenigstens noch ein Kaninchen oder sowas zu erwischen, aber das reicht gerade mal für heute abend und das neue fell, dass uns im Winter wärmen soll bietet das auch nicht.

    So schaffen wir es vielleicht uns von einem Tag in den anderen zu retten, aber spätestens im Winter holt uns dieses "Leben im Moment" auch in der Steinzeit ein.
    Überleben wird, wer sich Vorräte angelegt und weit genug in die Zukunft geplant hat.

    Und wenn ich mich frage, ob ich das hinbekommen hätte ....
    Wenn ich ganz ehrlich mit mir selbst bin:
    Ich hätte das nicht geschafft.
    Über kurz oder lang wäre das schief gegangen, wenn ich, der ach so reizoffene ADS'ler, nicht sogar einem Raubtier zum Opfer gefallen wäre, welches sich mir unbemerkt hat nähern können, weil ich so vertieft in dieses Glitzerzeugs am Bach gewesen bin und die eigentliche Gefahr nicht erkannt/ wahrgenommen habe.

    Das ist natürlich nur EIN Szenario und es mag vielleicht amüsant klingen (soll es ja auch ).
    Aber es ist ja durchaus ernst gemeint und ich kann mir einfach keines vorstellen, in dem es wirklich funktionieren könnte, egal welches Zeitalter ich nehme.

  2. #202
    ...das war mal..

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 265

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Ich denke nicht, dass eine Gesellschaft, welche zu 95% aus ADS'lern besteht, je funktionieren könnte, ich halte das für unmöglich.
    Wäre das der Fall, wären wir niemals dort, wo wir jetzt sind.
    Wir stünden haufenweise vor halbfertigen Häusern, unerfundenen Maschinen, leeren Vorratssilos usw. usw.
    ADS'ler leben im Moment und können nicht vorausschauend in die Zukunft planen und unser Handeln darauf ausrichten.
    Ich denke, die gesellschaft hätte sich ganz anders entwickelt und auch organisiert.
    Der Mensch würde in einer anderen Gesellschaftsform leben als wir es heute tun.
    Gezwungenermaßen sozusagen.

    Manche nennen das dann auch Evolution.

    Trotz allem bleibt das alles Spekulation und ist müßig zu dikutieren.

  3. #203
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    keineAhnung schreibt:
    Schwarze werden heute noch in den USA diskriminiert und verfolgt.

    Hier werden ADHSler diskriminiert, indem ihnen keine normale Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht wird.
    uiii ... das ist echt krass, ... krasser als krass sogar .... ADS mit Rassendiskriminierung der übelsten Sorte zu vergleichen .... Hossa ...

    Schon mal auf den Gedanken gekommen, die Perspektive zu wechseln?

    Könnte es nicht genauso sein, dass die Definition einer ADS als Krankheit keine Diskriminierung, sondern eine Anerkennung ist?
    Dass man versucht damit zum Ausdruck zu bringen:
    "Hey, wir sehen, dass Du anders bist als die meisten, aber Du kannst nichts dafür und wir können nichts dafür, es ist halt so.
    Aber die Dinge haben sich nun mal so entwickelt und daher werden wir gerne versuchen, Dir soweit es möglich ist, ein gutes und zufriedenes Leben zu ermöglichen
    "

    Die Gesellschaft könnte auch sagen "Pfeif drauf, dann haste eben Pech gehabt, sie zu wie Du zurecht kommst, alles hat sich so entwickelt, friss oder stirb..."

    Das ist eben keine Diskriminierung, es ist eine Anerkennung.
    Offensichtlich sind wir der Gesellschaft nicht egal, sondern es ihr wert, dass auch wir dazu gehören.

    Klar, vielleicht wollen wir das auch nicht und selbst dann lässt man uns nicht einfach fallen, sondern billigt uns sogar auch sowas wie Erwerbsminderungsrenten zu, womit man anerkennt, dass es eben einfach nicht hinhaut.

    Ja ich weiß, da gibt es auch genug Diskriminierung und Abwertung uns gegenüber, nicht wenig sogar und all diese hilfe zu bekommen ist ach nicht immer leicht und manchmal auch ein extrem harter Kampf, ich kann ein Lied davon singen.
    Aber es ist ja ein Umdenken zu erkennen, eine Zuwendung uns gegenüber.
    Und gerade diese Begriffsdefinition ist gewiss nicht als Diskriminierung oder Abwertung gemeint, sondern als die Anerkennung des Umstandes, dass die Evolution uns nun mal dahin geführt hat, wo wir jetzt sind und man uns dennoch für wertvolle Teile derselben betrachtet.

    Manchmal hilft einfach auch ein Perspektivwechsel und dann sehen die Dinge schon etwas anders und versöhnlicher aus.

    Aber ich weiß auch, dass unsere täglichen Erfahrungen und die der Vergangenheit eine andere Sprachen sprechen.


    keineAhnung schreibt:
    Ich denke, die gesellschaft hätte sich ganz anders entwickelt und auch organisiert.
    ein hübsches Paradoxon
    Wie soll sich etwas organiserien, dass sich gar nicht organisieren kann?

    keineAhnung schreibt:
    Der Mensch würde in einer anderen Gesellschaftsform leben als wir es heute tun.
    Gezwungenermaßen sozusagen.

    Manche nennen das dann auch Evolution.
    Und genau die hat uns zu dem geführt, was wir heute sehen und ich denke mal, dass alle ihre Chance hatten.
    Auch die Neandertaler hatten ihre Chance und sie haben sehr lange durchgehalten und sich behauptet, aber letztlich ist ihr Konzept nicht aufgegangen und hat nicht gereicht um weiter bestehen zu bleiben .
    Und vielleicht mag es (für Dich) müßig sein, darüber zu diskutieren, für Andere mag es ja sehr interessant sein.
    Und was, wenn man den Gedanken einfach mal in eine mögliche Zukunft richtet, in eine Gesellschaft, in der ADS'lern nicht geholfen wird .... wären wir ADS'ler dann in einigen Hundert oder Tausend Jahren noch da oder würde wir das Schicksal der Neandertaler und etlicher anderer Spezies teilen?

  4. #204
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Nicht schlecht
    Aber ersteres erfüllt ja nicht die Voraussetzungen für ein derart schweres Leid und derart deutliche Beeinträchtigungen, das mit die teilhabe am Leben deutlich erschwert oder gar unmöglich gemacht wird.
    Doch und genau das war mein Kritikpunkt an der Definition. Sie lässt es zu, dass eine Person, die aufgrund irgendeines Merkmals, gesellschaftlich benachteiligt wird oder ist (erschwerte Teilhabe am Alltag) und darunter leidet, als krank einzustufen und dieses Merkmal als Krankheit zu definieren. Das Beispiel Frauen ist da sehr treffend, aber kann im Prinzip auf jede Gruppe, die aufgrund eines beliebigen Merkmals benachteiligt wird oder ist angewandt werden.

    Fliegerlein schreibt:
    [...]Ich habe da immer so ein Steinzeitszenario vor Augen[...]
    Ist ein plausibles Szenario, aber die Darstellung und der Schluss den du ziehst halte ich für unzutreffend. Wenn das wirklich so wäre, dann hätten sich Steinzeitmenschen mit ADHS nicht am Leben erhalten können, über kurz oder lang wäre ADHS ausgestorben. Dazu kommt, dass Vorräte anlegen in dieser Zeit mangels der Möglichkeit Nahrungsmittel haltbar zu machen nur begrenzt möglich war. Viel wahrscheinlicher wäre es, dass man überhaupt nicht sesshaft geworden wäre und immer dorthin gezogen wäre wo es Nahrung gab. Und das ist für lange Zeit historisch auch so gewesen. Die Reizoffenheit und die Impulsivität wären unter diesen Umständen sogar eher ein Vorteil als ein Nachteil, denn es erlaubt Dinge wahrzunehmen und darauf zu reagieren, die jemand ohne ADHS erst etwas später bemerkt.

    Die Frage ist nur, ob wir über diese Entwicklungsstufe hinausgekommen wären. Denn mit diesen Methoden zur Nahrungsbeschaffung wäre es nicht möglich eine größere Bevölkerung zu versorgen, wir wären an unser natürliches Limit gestoßen und für immer dort verharrt. Historisch wurde ein effizienterer Weg der Nahrungsbeschaffung gefunden, die Landwirtschaft, ob wir als ADHSler dazu in der Lage gewesen wären...vielleicht aber vielleicht auch nicht. Ob und wie die Entwicklung weiter gehen könnte, kann sich jeder selbst ausmalen, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass auch wir nicht alle gleich sind. Es gibt hier sicher ein paar Chaoten, die gerne einen Garten pflegen und durchaus in der Lage wären dies in einem Maßstab zu tun, dass eine größere Anzahl von Menschen damit versorgt werden könnten.

  5. #205
    Lysander

    Gast

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Andere genetische Defekte sind ebenfalls nicht ausgestorben. Es gibt viele Erbkrankheiten, die so alt sind wie die Menschheit.

  6. #206
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    ein hübsches Paradoxon
    Wie soll sich etwas organiserien, dass sich gar nicht organisieren kann?
    Oh ich würde nicht so weit gehen uns die Fähigkeit zur Organisation abzusprechen, wir sind nicht unfähig zu planen oder zu organisieren. Wir haben andere Systeme nach denen wir organisieren, wir können unsere Pläne nicht immer so umsetzen wie wir gerne würden, aber das ist bei anderen Menschen auch oft der Fall.

    Lysander schreibt:
    Andere genetische Defekte sind ebenfalls nicht ausgestorben. Es gibt viele Erbkrankheiten, die so alt sind wie die Menschheit.
    Stimmt, aber eine Verbreitung von 1 aus 20 ist extrem hoch im Vergleich zu anderen Erbkrankheiten.

  7. #207
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Drowe schreibt:
    Doch und genau das war mein Kritikpunkt an der Definition. Sie lässt es zu, dass eine Person, die aufgrund irgendeines Merkmals, gesellschaftlich benachteiligt wird oder ist (erschwerte Teilhabe am Alltag) und darunter leidet, als krank einzustufen und dieses Merkmal als Krankheit zu definieren. Das Beispiel Frauen ist da sehr treffend, aber kann im Prinzip auf jede Gruppe, die aufgrund eines beliebigen Merkmals benachteiligt wird oder ist angewandt werden.
    Dann muss ich zugeben, dieses Beispiel nicht zu verstehen.
    Ich kann den Rückschluss nicht finden, in dem die Teilhabe am leben beeinträchtigt ist, es sei denn wir reden von Gesellschaften in denen z.B. religiöse Extremansichten gelten, ... das wäre dann aber eine andere Sache oder?
    Aber wie gesagt, da stoße ich an meine Grenzen.

    Drowe schreibt:
    Die Reizoffenheit und die Impulsivität wären unter diesen Umständen sogar eher ein Vorteil als ein Nachteil, denn es erlaubt Dinge wahrzunehmen und darauf zu reagieren, die jemand ohne ADHS erst etwas später bemerkt.
    Genau da würde ich einen Denkfehker sehen, denn es geht auch darum, die richtigen und wichtigen Dinge wahrzunehmen.
    Die Evolution hat dazu geführt, dass Menschen eben nicht auf alles mögliche reagieren, sondern instinktiv in der Lage sind zu unterscheiden und zu bewerten.
    Wenn einen alle Reize auf einmal überfluten und alle absolut gleichwertig sind, und das ist ja gerade bei ADS der Fall, dann kann das auch in der damaligen Zeit nicdht von Vorteil gewesen sein.
    Vielmehr hat sich die Natur bzw, der Mensch so entwickelt, dass eine unbewusste Selektierung und Filterung stattfindet und das Konzept hat sich bewährt und damit hat die Spezies überlebt.

    Wäre es von Vorteil gewesen wirklich alle Reize wahrzunehmen, hätte sich das durchgesetzt und diese komplexen und höchst beeindruckenden Filterfunktionen, was eine Gefahr und was unwichtig ist, hätten sich nicht entwickeln müssen.

    Es ist ja auch der Umkehrschluss wahrscheinlich, dass unter all den möglichen Reizen im Umfeld der eigentlich wichtige untergeht.
    Ist ja prima, wenn der Steinzeitmensch den Marienkäfer wahrnimmt, dabei aber die eigentliche Gefahr direkt dahinter nicht erkennt.
    Diese Filtermechanismen im Gehirn sind ja nicht ohne Grund entstanden, sie erfüllen einen Zweck.

    Das erinnert mich gerne auch ein bisschen an den Neid, den Menschen gegenüber z.B. Savants haben, die ganze Streckenpläne von S-Bahnen oder Telefonbüchern auswendig kennen, jene die für jedes Datum der Vergangenheit den Wochentag und spezielle Ereignisse nennen können, wandelnde Datenbanken mit unglaublichen Mengen an Daten darin.
    Das ist aber keine beneidenswerte Fähigkeit, denn diese Menschen sind mitunter schwerst beeinträchtigt.
    Wäre ein solches "Datenbankprinzip" für das tägliche Leben von Nutzen, hätte es sich durchgesetzt.
    Es gibt gute Gründe dafür, dass es das nicht tat (dazu habe ich mal eine guten Vortrag von Manfred Spitzer gesehen, der das recht gut erläutert hat).

    Diese Filterung von wichtig und unwichtig und die balance zwischen Aufmerksamkeit und Reizwahrnehmung war auch damals schon überlebenswichtig.
    Bei ADS'lern ist diese Balance jedoch aus den Fugen geraten.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    Drowe schreibt:
    Oh ich würde nicht so weit gehen uns die Fähigkeit zur Organisation abzusprechen, wir sind nicht unfähig zu planen oder zu organisieren. Wir haben andere Systeme nach denen wir organisieren, wir können unsere Pläne nicht immer so umsetzen wie wir gerne würden, aber das ist bei anderen Menschen auch oft der Fall..
    Stimmt schon, deshalb stehen da ja auch zwei Smileys hinter dem Satz .
    Aber es geht auch um komplexeres Organisieren, vor allem in bezug auf eine in der Ferne liegende Zukunft und da hapert es bei uns doch ganz heftig

  8. #208
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 186

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    @Gretchen:

    Irgendwie muss ich bei dir an den Postillon denken...
    Ich weiß, ist es jetzt eigentlich nicht das Thema, aber ich werde den Gedanken partout nicht los.

  9. #209
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Dann muss ich zugeben, dieses Beispiel nicht zu verstehen.
    Ich kann den Rückschluss nicht finden, in dem die Teilhabe am leben beeinträchtigt ist, es sei denn wir reden von Gesellschaften in denen z.B. religiöse Extremansichten gelten, ... das wäre dann aber eine andere Sache oder?
    Aber wie gesagt, da stoße ich an meine Grenzen.
    Nun, wenn wir etwas über 100 Jahre in unsere Vergangenheit blicken, dann war dieser Zustand auch bei uns noch deutlicher, heute gleicht es sich mehr an. Aber ja im Grunde kann man sagen, dass diese Definition es zulässt, Leid durch systematische, gesellschaftliche Diskriminierung als Krankheit zu definieren. Und das kann unter Umständen sehr unschöne Züge annehmen. Besonders dann wenn es ein Stigma ist als krank angesehen zu werden. Deswegen sehe ich diese Definition eben als problematisch, sie lässt zu viel Raum für Auslegungen.

    Fliegerlein schreibt:
    Genau da würde ich einen Denkfehker sehen, denn es geht auch darum, die richtigen und wichtigen Dinge wahrzunehmen.
    Die Evolution hat dazu geführt, dass Menschen eben nicht auf alles mögliche reagieren, sondern instinktiv in der Lage sind zu unterscheiden und zu bewerten.
    Wenn einen alle Reize auf einmal überfluten und alle absolut gleichwertig sind, und das ist ja gerade bei ADS der Fall, dann kann das auch in der damaligen Zeit nicdht von Vorteil gewesen sein.
    Vielmehr hat sich die Natur bzw, der Mensch so entwickelt, dass eine unbewusste Selektierung und Filterung stattfindet und das Konzept hat sich bewährt und damit hat die Spezies überlebt.

    Wäre es von Vorteil gewesen wirklich alle Reize wahrzunehmen, hätte sich das durchgesetzt und diese komplexen und höchst beeindruckenden Filterfunktionen, was eine Gefahr und was unwichtig ist, hätten sich nicht entwickeln müssen.
    Da sehe ich bei dir einen Denkfehler, die Fähigkeit Reize zu filtern hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Je mehr Reizen man ausgesetzt ist, desto wichtiger wird sie jedoch. Aber in einer steinzeitlichen Welt sind viel weniger Reize vorhanden, die gefiltert werden müssten. Unter diesen Bedingungen hat man einen Vorteil wenn mehr Reize ins Bewusstsein vordringen. Da ist dieses Phänomen, dass wir uns allen möglichen Unsinn merken können. In der Steinzeit ließe sich das so übersetzen, dass wir uns etwa merken, dass wir vor kurzem das Plätschern eines Baches gehört haben und ein Vogelnest gesehen haben. Beides nützlich aber hat nicht unmittelbar etwas mit der Jagd zu tun. Dafür gibt es dann heute Abend auch noch Eier und nach der erfolgreichen Jagd finden wir schnell etwas Wasser zum trinken. Und was ist wenn ein Reiz untergehen würde der von einem Raubtier stammt? Vielleicht würde das eine oder andere Tier uns durch die Lappen gehen weil wir in einem ungünstigen Moment abgelenkt sind, aber als Vorteil würde ich die Reizoffenheit in dieser Umgebung trotzdem einstufen.

  10. #210
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    @Fliegerlein, prominente Vorbilder mit ADHS haben oft ihre PartnerInnen, die ihnen den Rücken frei hielten, grausamst terrorisiert mit ihrem Chaos und ihren Stimmungsschwankungen und Labilität, Unzuverlässigkeit. Lies mal "Hermann Hesse und seine Frauen", dann weißt du Bescheid. Und wie mein Vater sich, krankheitsbedingt, raushielt aus unserem Familienleben und aus allem, was Arbeit und Verantwortung bedeutete, dabei sich selber aber ein wunderbares ewiges Partyleben veranstaltete, das spricht auch Bände.

    Es war für mich unendlich schwer, es nicht ganz genauso zu machen in meiner eigenen Familie später, denn die Selbstmedikation durch Rauchen und Alkohol war viel einfacher und das Rumflippen im Alltag. Das Studium verschlimmerte schon meine Depressionen erheblich. Richtig an meine Grenzen stieß ich aber erst im Beruf und später mit der Familiengründung, weil soviel Überreizung und Anforderung an schnelle Reaktionen einfach nicht mehr zu machen waren.

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