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Diskutiere im Thema Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #181
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.422

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Was ich mich auch immer wieder denke... Die Menschheit besteht seit 4 Mio jahren, hat sehr vieles schwierigen Zeiten erlebt und viele verschiedenen Kulturen und trotztdem hatten doch immer einigen geschafft ihre ADS-Genen weiter zu geben... Klar, dazu braucht es auch nicht sehr vieles...

    Für mich ein Hinweis, dass es sicher Zeiten gab wo es für uns nicht viel schlimmer war als für nicht-betroffenen... Viele herausforderungen die früher gab sind für ADSler nicht schwieriger als für nicht-betroffenen. Dabei denke ich an Sachen wie körperliche Arbeiten und Nahrungknapheit ,die wirklich immer sehr üblich war (und um die Welt heute auch die meistens Menschen betriff) und die wir nicht schlechter bewähltigen...

    Aber ich sehe in der moderne Welt vieles dass für uns besonders schwierig ist. Besonders die Reizüberflutung, aber auch Nahrungsüberfluss (Unsere Instinkt stammt noch aus der Steinzeit, wo es vielleicht nicht jeden Tag zu essen gab, also, war sich vollessen gut!), die Bewegungsarmut...

    In der Natur habe ich mit mein ADS kein Problem... Ich lasse mich von reifen Himbeeren gerne ablenken... Alles was essbar ist, ist besonders spannend... Lausche die Vögel und es beruhigt mich, mich zu bewegen... In der Stadt bin ich rasch überfordert...

  2. #182
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Drowe schreibt:
    Ich finde es ist schwierig eindeutig zu sagen, ob ADHS eine Krankheit ist oder nicht. Ich denke es kommt ganz auf den Blickwinkel und die äußeren Bedingungen an. Mir spukt gerade ein "Was wäre wenn"-Szenario dazu im Kopf herum. Was wäre wenn 95% der Menschheit ADHS hätten und 5% "normal" wären. Hätte die "normale" Minderheit einen Vorteil gegenüber ihren Mitmenschen oder würden sie unter dieser Situation leiden, schließlich wäre die Welt ja viel mehr an die Bedürfnisse der Mehrheit angepasst. Wäre unter diesen Umständen "normalsein" als Krankheit eingestuft oder wären diese Menschen im Vorteil? Ich tendiere dazu anzunehmen, dass die Minderheit daran leiden würde und ähnliche Schwierigkeiten wie wir damit hätten in einer Welt zurecht zukommen, die sich in erster Linie nicht ihren Bedürfnissen angepasst hat.

    Da sehe ich auch den großen Unterschied zu Diabetes, wenn Diabetes normal wäre und es nicht zu haben die Ausnahme, dann hätten gesunde Menschen einen Vorteil. Das gleiche gilt für Farbenblindheit. Bei ADHS ist die Sache aber nicht ganz so eindeutig. Ich vermute, dass viele (nicht alle) unserer Schwierigkeiten nur deshalb welche sind, weil es nicht als "normal" wahrgenommen wird. Das zeigt sich meiner Meinung nach recht deutlich, wenn wir unter uns sind. Unsere Schusseligkeit, Unpünktlichkeit, usw. nehmen wir untereinander zur Kenntnis aber finden das normal, wir sind halt so. Enge Freunde ohne ADHS können sich auch daran gewöhnen, wenn es bei uns mal etwas chaotischer zugeht, sie kennen das von uns nicht anders. Aber bei Fremden wird es schwierig, Unpünktlichkeit und Vergesslichkeit ist für die meiste Menschen eben nicht normal sondern bestenfalls ärgerlich und wir bekommen das zu spüren.

    Uns bleibt nur die Möglichkeit zu versuchen uns an eine Welt anzupassen, in die wir nicht so richtig passen, oder eine Nische zu finden in der wir sein können wie wir sind. Dem einen gelingt das besser, dem anderen weniger gut. Die einen brauchen Medikamente um das zu erreichen, andere nicht.

    Ist ADHS nun eine Krankheit oder sind wir einfach nur anders? Ich habe für mich noch keine zufriedenstellende Antwort darauf gefunden.

    Grüße Drowe
    du sprichst mir haargenau aus dem herzen

  3. #183
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 2.091

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    summerset schreibt:
    Hm, ja… ich finde es nur ziemlich ätzend, dass auch in medizinischer Literatur da keine Ausnahme gemacht wird.

    Diabetiker ist ein gebräuchlicher Begriff, das stimmt. Niemand würde allerdings auf die Idee kommen, von einem "Lymphomiker" oder einem "Krebsler" zu sprechen. Das sind dann Krebs-Patienten oder Lymphom-Patienten. Wieso man nicht das Wort Diabetes-Patient zumindest in der Fachliteratur flächendeckend benutzen kann, will mir persönlich nicht in den Kopf.

    Aber gibt schon komische Begriffe. Das Wort "Aneurysmaträger" empfinde ich auch als irgendwie befremdlich.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -


    Ich wollte damit niemanden beleidigen.

    ich fühle mich auch nicht beleidigt - sie waren bzw sind wirklich nenneswert

  4. #184
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 499

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Drowe schreibt:
    Uns bleibt nur die Möglichkeit zu versuchen uns an eine Welt anzupassen, in die wir nicht so richtig passen, oder eine Nische zu finden in der wir sein können wie wir sind. Dem einen gelingt das besser, dem anderen weniger gut. Die einen brauchen Medikamente um das zu erreichen, andere nicht.
    Und das ist eben das Problem: die Welt wird sich nicht (von heute auf morgen) ändern und sich unseren Bedürfnissen anpassen, deshalb empfinde ich persönlich (wie gesagt ich persönlich) ADHS als Behinderung, die mir das Leben schwerer macht als anderen, da ich für viele Dinge mehr Aufwand und Kraft brauche als "Normalos".

    Das sieht doch für einen Rollstuhlfahrer in manchen Dingen ähnlich aus. Er kann viele, viele Dinge tun, die die "Normalen" auch tun können, aber es braucht Hilfsmittel, z. B. kann der Rollstuhlfahrer Autofahren, aber die Karre muss entsprechend umgerüstet werden. Wären jetzt 95% der Menschen Rollstuhlfahrer, wären die Autos von vornherein so eingerichtet, dass sie eben ohne den Einsatz der Beine gefahren werden können. Da das aber nicht so ist, ist der Rollstuhlfahrer i. B. auf das Autofahren behindert, da es erst aufwändig umgerüstet werden muss. Er kann Autofahren, aber er muss mehr Aufwand betreiben.

    Ob etwas als Krankheit oder Behinderung angesehen wird, ist halt oft vom jeweiligen Umfeld abhängig. "Normal" wird über die Mehrheit definiert.

  5. #185
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    summerset schreibt:
    Genes load the gun, environment pulls the trigger.
    Das trifft zu, wenn die Gene "lediglich" eine Prädisposition bewirken, also eine Veranlagung.
    Ähnlich wie bei Krebs oder Depressionen.
    Dort bewirken die Gene eine Veranlagung, es bedarf aber zum Ausbruch der Erkrankung eines Auslösers, engl. Trigger.
    Fehlt der, bricht die Krankheit nicht aus.

    Bei ADS ist die vorherrschende Meinung jedoch, dass die Betroffenen mit der Störung bereits zur Welt kommen.
    Wirkliche Sicherheit besteht darin aber meines Wissens nach nicht.

    Allerdings gibt es genug Fälle, auch in vorigen Generationen, die eher darauf schließen lassen, dass ADS bereits angeboren ist und nicht nur eine genetische Veranlagung besteht.


    summerset schreibt:
    Die Frage ist, ob jemand mit ADHS eine (nennenswerte) Ausprägung der Symptome hätte, wenn es eine Reizüberflutung wie in unserer Kultur üblich, nicht gäbe. Ich find's schon interessant, darüber mal nachzudenken.
    Das ist es auch, auf jeden Fall.
    Aber wenn ich da auf meinen Vater blicke, sein erstes Zeugnis vor 71 Jahren auf dem Land ... da war nichts, was der heutigen Reizüberflutung auch nur annähernd gleich käme.
    Und Ellwirwarr's familiäre Geschichte, die bis ins Jahr 1872 zurückreicht...
    Oder die Beschreibung der Aufmerksamkeitsstörung des deutschen Arztes Melchior Adam Weikart aus dem Jahre 1772.
    Das alles deutet eher darauf hin, dass ADS nicht kulturell bedingt ist und auch schon zu Zeiten zu Problemen führte, in denen die Umfelder bei weitem nicht so hektisch, Reizüberlastet und anstrengend waren, wie es heute der Fall ist.
    Dazu kommt, dass die Prävalenzen von ADS europaweit gleich sind, es sie also auch in etwas "ruhigeren und besonneren südlichen Gefilden" gleichermaßen gibt und Beeinträchtigungen verursacht.


    Drowe schreibt:
    Mir spukt gerade ein "Was wäre wenn"-Szenario dazu im Kopf herum. Was wäre wenn 95% der Menschheit ADHS hätten und 5% "normal" wären. Hätte die "normale" Minderheit einen Vorteil gegenüber ihren Mitmenschen oder würden sie unter dieser Situation leiden, schließlich wäre die Welt ja viel mehr an die Bedürfnisse der Mehrheit angepasst. Wäre unter diesen Umständen "normalsein" als Krankheit eingestuft oder wären diese Menschen im Vorteil? Ich tendiere dazu anzunehmen, dass die Minderheit daran leiden würde und ähnliche Schwierigkeiten wie wir damit hätten in einer Welt zurecht zukommen, die sich in erster Linie nicht ihren Bedürfnissen angepasst hat.
    Das ist ein ser sehr interessantes und spannendes Szenario .
    Und auch ich glaube, dass in einem solchen Fall dann wohl eher jene 5% die Leidenden wären.
    An diesem Szenario erkennt man aber auch sehr gut, dass Normalität eben nichts anderes ist als das, was am Häufigsten ist.
    "Normal" ist keine Bewertung, sondern einfach nur eine Bezifferung.
    Häufiges passiert öfter als Seltenes.
    Und dank Gevatter Gauss, welcher uns das nach ihm benannte Verteilungsnormal beschert hat, lässt sich das auch prima darstellen und verstehen.
    Es ist halt einfach nur eine Definition für das, was üblicherweise, in den meisten Fällen oder eben normalerweise eintritt/ stattfindet/ passiert oder zu beobachten ist.

    Allerdings möchte ich mir andererseits ein Szenario, in welchem 95% der Menschen ADS'ler sind, lieber nicht vorstellen ....




    mj71 schreibt:
    Was ich mich auch immer wieder denke... Die Menschheit besteht seit 4 Mio jahren, hat sehr vieles schwierigen Zeiten erlebt und viele verschiedenen Kulturen und trotztdem hatten doch immer einigen geschafft ihre ADS-Genen weiter zu geben...
    Da könnte man jetzt auch gegenhalten und fragen, ob es nicht genauso auch sein kann, dass die Natur es in all den Jahren nicht geschafft hat, dieses Manko aussterben zu lassen .

    Aber ernsthaft:
    Auch wenn ADS eine Störung ist, welche bei den Betroffenen für Beeinträchtigungen und Leid führt, egal in welchem Umfeld und in welcher Zeit sie sich befinden, es ist ja sehr gut möglich, dass sich die Natur tatsächlich etwas dabei gedacht hat, dass es uns gibt .

    Einer meiner Lieblingswissenschaftler, Stephen Hawking, hat mal gesagt, dass unser Universum und somit auch wir nur entstehen konnten, weil es kleine Fehler und Unregelmäßigkeiten gab und gibt und es eben nicht perfekt ist.
    Wäre das Universum perfekt, hätte sich nach dem Urknall jedes Teilchen in exakt gleichem Abstand zu seinen Nachbarteilchen befunden und das ganze Universum wäre ein festes, unbewegliches, starres Gitternetz in dem nichts passieren kann.
    Aber kleine und große Unperfektionismen, = Fehler, haben dazu geführt, dass es zu dem wurde, was es heute ist.

    Kleine Unregelmäßigen und eben das nicht perfekt sein ist durchaus im Sinne der Natur.

    Und wenn jemand uns als "gestört" oder ähnliches bewertet, dann können wir ihm sagen, dass selbst unser Universum und diese Kugel und das Leben auf ihr nur entstehen konnte, weil es eben nicht perfekt ist.
    Gerade diese Unregelmäßigkeiten waren und sind es, die überhaupt zu Leben geführt haben .

    Ich weiß den genauen Satz von Hawking nicht mehr, aber sinngemäß hat er es so formuliert.
    Selbst solche kleinen Störungen können also einen Sinn haben .

    Aber Nichtsdestotrotz ist die Population der ADS-Betroffenen über die Generationen/ Jahrunderte auch nicht größer geworden ...

    Und wenn man jetzt noch einen kleinen Seitenblick wagt:
    Die Neandertaler sind auch ausgestorben.
    Nicht weil sie eine Fehlplanung waren oder ausgerottet wurden.
    Sie waren über eine lange Zeit hinweg grandios an ihre Umgebung angepasst, aber irgendwann kam der Punkt, an dem das nicht mehr der Fall war, sondern Homo Sapiens auf der Bildfläche erschien, welcher sich den geänderten Bedingungen besser anpassen konnte.
    Neue Gegebenheiten erforderten neue Anpassungsstrategien und mitunter bedeutet das dann auch solch deutliche Veränderungen.
    Aber der Neandertaler lebt auch heute noch ... indirekt.
    Man weiß heute, dass Neandertaler und Homo Sapiens untereinander Familien gebildet haben und somit beide Gene verbunden sind.
    So kann's gehen .

    Hmm .... und ich merke gerade, dass ich nicht mehr unter der Wirkung des Medikamentes stehe und bereits kilometerweit weg vom Thema bin ... 'Tschuldigung

    Ich schalt dann mal ab
    Liebe Grüße und Gut Nacht
    Geändert von Fliegerlein (17.07.2014 um 23:36 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  6. #186
    Rettich

    Gast

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Drowe schreibt:
    ... Was wäre wenn 95% der Menschheit ADHS hätten und 5% "normal" wären. Hätte die "normale" Minderheit einen Vorteil gegenüber ihren Mitmenschen oder würden sie unter dieser Situation leiden, schließlich wäre die Welt ja viel mehr an die Bedürfnisse der Mehrheit angepasst. Wäre unter diesen Umständen "normalsein" als Krankheit eingestuft oder wären diese Menschen im Vorteil? Ich tendiere dazu anzunehmen, dass die Minderheit daran leiden würde und ähnliche Schwierigkeiten wie wir damit hätten in einer Welt zurecht zukommen, die sich in erster Linie nicht ihren Bedürfnissen angepasst hat.
    Genau umgekehrt wird ein Schuh draus. Die 5% wären diejenigen, die beneidet würden. Die würden nichts so leicht vergessen, weniger Fehler machen, könnten sich viel länger konzentrieren und so weiter. Die könnten sich viel leichter anpassen als umgekehrt.
    Stell dir einen Klaviervirtuosen vor. Dem würde es leicht fallen, so auf der Tastatur rumzuhämmern, als könne er nicht spielen. Jemand, der kein Klavier spielen kann wird es im umgekehrten Fall aber niemals gelingen, so zu tun, als wäre er ein toller Klavierspieler...

  7. #187
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 186

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Ich habe ADHS nie für eine "Störung" oder gar Behinderung gehalten, bzw. halte sie auch nach wie vor nicht dafür. Mehr für eine Charakterausprägung, so wie jeder Mensch eben einen bestimmten Charakter hat. Mein Eindruck war und ist, dass die Menschen, denen man die "Störung" andichtet, lediglich sehr sensible, empfindliche, aber auch enegiegeladene Menschen sind. Eine gefährliche Kombination, da bereits kleine negative Dinge im Umfeld nachhaltiger prägen und auf die extremer reagiert wird. Bedenkt man, wie wenig es braucht, um auch bei weniger sensiblen Babys ganz schöne Schäden im Kopf anzurichten... na ja... mir scheint die "Störung" ist nicht das, was man ADHS nennt und angeblich oder vielleicht vererbt wird, sondern mehr die Folge eines Umfeldes, dass nicht mit der nötigen Sensibilität auf ein sehr sensibles Baby reagiert und dadurch erst tatsächliche Störungen auslöst. Sensibel zu sein, viel Kraft und Energie zu haben ist keine Krankheit, sondern eigentlich eine Stärke.

    Das ist zumindest meine Theorie.

    Zu der Einstellung haben mich mehrere Beobachtungen gebracht. Zum Beispiel würde meiner lieben Mutter, sollte sie sich denn jemals testen lassen, wahrscheinlich ebenfalls ADHS diagnostiziert werden. Die Frau ist chaotisch, vergesslich, steht immer unter Strom, ist unfähig sich zu entspannen, bzw. wenn sie meint sich zu entspannen, bekommt das ihre ganze Umgebung auf ziemlich unentspannte Art und Weise mit ("ich bin ja sooo entspannt! und das ist ja alles soo toll! Und guck mal hier wie schön das ist! Jetzt komm doch mal her und guckl! Ach ist das herrlich, ich fühl mich ja so entspannt!"), Schulnoten waren mäßig (mehr weiß ich über ihre Kindheit allerdings nicht), sie ist wie ein Teenager, füllt den ganzen Raum mit ihren Launen, bricht auch schon mal in Tränen aus, wenn sie angespannt ist, probiert ständig irgendwelche neuen Sachen aus usw. usf. Das ist zwar ziemlich anstrengend für ihre Umgebung, es gibt aber Leute, die kommen damit zu recht. Insbesondere fühlt sie sich aber selber nicht krank und sie macht beruflich das, was sie liebt und ist entsprechend engagiert, respektiert und einfach gut. Kann man da von einer Krankheit oder Störung sprechen?

    Die zweite Beobachtung betrifft meine eigene Erfahrung, wird aber durch das, was ich hier im Forum gelesen habe bestätigt. Selbstwertprobleme, Depressionen, Suchtschwierigkeiten, Ängste, permanentes gefühltes oder echtes Versagen, zwischenmenschliche Schwierigkeiten etc. verursachen erst einen Leidensdruck. Es wird aber niemand mit Selbstwertproblemen, Süchten oder Depressionen geboren. Das sind Störungen, die entstehen und die man eigentlich verhindern kann.

    Außerdem wird offenbar bevorzugt Kindern aus schwierigen Verhältnissen ADHS diagnostiziert, was meine Theorie bestätigt.

    Ich ärgere mich ab und zu darüber, wenn gesagt wird "das Kind hat halt ADHS" und ist halt schwierig und da kann man ja nichts machen und natürlich sind die Eltern nicht schuld, das Kind hat ja ADHS. Blödsinn! Natürlich sind die Eltern mit verantwortlich für die Entwicklung ihres Kindes! Ist aber natürlich bequem, alles auf eine Krankheit schieben zu können. Ich bin mir sicher, viele hier im Forum haben so einige mehr oder weniger traumatische Erinnerungen aus der Kindheit.

    Eigentlich ist es aber egal, wie man was nun nennt. Wer sehr leidet und wem die Medikamente gegen ADHS helfen, sollte sie nehmen dürfen.

    So, tut mir leid, wenn der Text etwas zu lang geworden ist.

  8. #188
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Rettich schreibt:
    Genau umgekehrt wird ein Schuh draus. Die 5% wären diejenigen, die beneidet würden. Die würden nichts so leicht vergessen, weniger Fehler machen, könnten sich viel länger konzentrieren und so weiter. Die könnten sich viel leichter anpassen als umgekehrt.
    Stell dir einen Klaviervirtuosen vor. Dem würde es leicht fallen, so auf der Tastatur rumzuhämmern, als könne er nicht spielen. Jemand, der kein Klavier spielen kann wird es im umgekehrten Fall aber niemals gelingen, so zu tun, als wäre er ein toller Klavierspieler...
    Das würde ich so nicht unterschreiben, jemand ohne ADHS ist deswegen noch lange nicht besser als jemand mit ADHS. Wir sind diejenigen, die anders sind, die andere Bedürfnisse haben, andere Stärken und Schwächen. Nur ist nicht alles was wir als Schwäche erleben wirklich eine Schwäche, oft ist es nur deshalb eine Schwäche, weil es nicht der Norm entspricht.

    Das Beispiel mit dem Klaviervirtuosen ist gut. Ich übernehm das jetzt einfach mal um zu verdeutlichen warum die 5% normale eben nicht beneidenswert wären. Denn in diesem Fall wäre der Klaviervirtuose in einer Welt voller Menschen ohne Tongehör geboren, er kann noch so schön auf dem Klavier spielen, kaum jemand könnte damit etwas anfangen, seine Fähigkeit wäre wertlos, weil niemand sie wertschätzen kann.

    Ein anderes Beispiel wäre Zeitgefühl, ADHSler haben große Probleme Zeit richtig einzuteilen, aber wir müssen uns eben nach der Mehrheit richten. Wären wir jedoch die Mehrheit, hätte Zeit eine völlig andere Bedeutung. Deadlines gäbe es wahrscheinlich gar nicht, auch kein Verständnis von Pünktlichkeit, wir wüssten gar nicht was das ist. Jemand der sich Zeit einteilen kann, würde daraus keinen Vorteil ziehen, weil schlicht und einfach keine Notwendigkeit dafür besteht.

    Dafür wäre der Hyperfokus etwas, das als selbstverständlich angesehen wird. Das ist etwas, was ein "Normaler" einfach nicht leisten kann. Man mag dazu stehen wie man will, aber er hat sein Vorteile. Wenn jemand nicht dazu in der Lage ist zu hyperfokussieren, während die meisten anderen es können, dann hat er einen Nachteil, vielleicht nicht dauernd, aber in kritischen Situationen auf jeden Fall.

  9. #189
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.392

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    @ Ja, nee

    Es gibt auch Kinder, die erst als Erwachsene diagnostiziert werden aus geordneten Verhältnissen, die in einem liebevollen Umfeld großgeworden sind und mit ihren Eltern engen Kontakt haben.

    Und trotzdem existieren massive Schwierigkeiten als Erwachsene.

    Es hat nichts mit Erziehung zu tun, das kommt dann vielleicht als weiterer Faktor unter Umständen dazu und macht manches noch schlimmer. Es ist erwiesen, dass ADS vererbt ist und hierzu wird an einzelnen Unikliniken momentan noch Grundlagenforschung betrieben, um die einzelnen Gene genauer zu entschlüsseln. Für ein laufendes Forschungsprojekt wurde mir nach der Diagnose deshalb Blut abgenommen.

    Ich finde es problematisch, bei ADS primär von Erziehung auszugehen, das belastet noch mehr, lenkt ab von den eigentlichen Ursachen und führt zu weiteren Schuldzuweisungen. Die genetische Kompontente ist zweifelsfrei wissenschaftlich nachgewiesen, da gibt es nichts dran zu rütteln.

    Dass da noch Folgeprobleme dazu kommen können u.U., ist wieder ein anderes Thema.

  10. #190
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 186

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    "Ich finde es problematisch, bei ADS primär von Erziehung auszugehen"

    Ich gehe nicht davon aus, dass ADS primär Resultat einer schlechten Erziehung ist. Ich gehe aber davon aus, dass ADS an und für sich keine Krankheit ist, sondern vielleicht nur die, möglicherweise vererbte, Charaktereigenschaft sehr empfindlich, sensibel und energiegeladen zu sein, was eigentlich nichts schlimmes ist, aber sehr schnell zu einer Krankheit führen kann, zum Beispiel Depressionen, weil negative äußere Impulse eine stärkere Wirkung haben.

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