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Diskutiere im Thema Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #161
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Ich kann mich schon vorstellen... In eine Gesellschaft wo Planung und Organisation wenig wichtig ist... Wo Reizüberflutung kein Problem ist... Wo Strukturen von aussen klar sind... Wo Entscheid auf der Moment, intuitiv, spontan zum Vorteil sind (da sind ADSler nicht weniger gut als nicht ADSler)... Wo mehr Bewegung gibt als lange stillsitzen...

    Wenn noch der Umfeld ein ADSler auffängt, mit ihm fähig ist zu schauen was er gut macht und sich darauf freut und ihm eine Rahmen gibt...

    Dann kann es sein dass es seltener zu Problem wird als bei uns... Dass nur schwer Betroffenen wirklich anecken...

    Auffallen tuen sie sicher überall, aber je nach Umfeld, je nach Umständen kann es mehr oder weniger problematisch werden...

    Aber eben, wo ich lebe ist es halt nicht so... Stadt ist laut, Planung und Zeitmanagement sehr wichtig und stillsitzen können mal auch.

  2. #162
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    maofatale schreibt:
    FRAGE:

    ADHS: in einer Welt, in der es andere äußerliche Anforderungen gäbe, würde man sich krank fühlen? Bräuchte man dort MPH?
    Klare Antwort: Es kommt drauf an
    Ich weiß worauf das hinaus laufen soll ...
    Aber es ist wie gesagt nicht die Gesellschaft, welche uns krank macht.
    ADS wurde bereits 1722 beschrieben und es gab sie auch schon früher, da können wir uns wohl sicher sein.

    Aber die Frage nach der Medikation ist eine andere.
    Zugegeben ist das ein Punkt, an dem der Vergleich zur Diabetes hinkt, aber das macht die anderen Vergleiche ja nicht gleich zunichte oder sagt aus, dass sie nicht zutreffen.
    Der Vergleich hinkt, klar.

    Aber wie schon geschrieben:
    Ist ein Farbenblinder auch im Kohlenkeller farbenblind?
    Antwort: Ja.
    Seine Beeinträchtigungen wirken sich dort nur nicht aus.
    Sobald er aber den Keller verlässt und in einer Welt der Farben steht, ist er auf Hilfe von außen angewiesen, denn es kann tödlich sein, unreife Früchte zu essen, was er aber nicht erkennt .



    maofatale schreibt:
    aufgeführtes Beispiel DIABETES: in einer Welt, in der es andere äußerliche Anforderungen gäbe, wäre man dort krank? Bräuchte man Insulin?
    Klar, und wie gesagt behauptet ja auch keiner, dass der Vergleich ADS-> Diabetes nicht hinkt, ... das tut er, ... und wie.
    Aber er hat auch passable Parallelen, welche uns einiges besser und mit Abstand vor Augen führen können.

    maofatale schreibt:
    ich für meinen teil habe vor dieser Welt schlussendlich kapituliert und nehme nun MPH. ja. weil ich weiß, die Welt (anderes wort für Gesellschaft, denn ich denke dass "im Busch leben" natürlich auch zur Welt dazu gehört und es dort womöglich weitaus einfacher wäre, also nicht dauernd diese grenzen da wären) eben so IST. es ist für mich eine "anpassungshilfe" die ich -- > brauche - um nicht noch depressiver zu werden.
    Nun müssen wir aber auch zugeben, dass 95% der Welt/ Gesellschaft mit dieser Entwicklung keine Probleme haben.
    Das ist so ein bisschen so wie der Gang des Farbenblinden aus dem Kohlenkeller .
    Auch der Vergleich hinkt natürlich, aber er ist auch so schön anschaulich .
    Abgesehen davon, dass ich davon überzeugt bin, dass ADS'ler auch schon in der Steinzeit und in allen Zeiten danach, äußere Hilfe/ Strukturierungen benötigten, so mag es ja sein, dass in anderen Gesellschaften/ zu anderen Zeiten unsere Beeinträchtigungen einfach kein Thema sind oder waren, weil sie einfach nicht aufgefallen sind.

    Aber es gab und gibt auch Nischen, in denen wir sein können, was und wie wir sind.
    Sie werden allerdings immer kleiner, das ist wahr und mehr als traurig.
    Aber diese Nischen bedeuten nicht, dass die Beeinträchtigungen nicht vorhanden waren.
    Und können wir wirklich 95% der Gesellschaft die Schuld dafür geben, dass sie sich so entwickelt hat, dass etwa 5% der Menschen Probleme mit dieser Entwicklung haben?

    Ist es denn nicht vielmehr eine Anerkennung uns gegenüber, wenn man sich nicht einfach sagt "Pech gehabt, dann könnt Ihr eben nicht mithalten, ..." sondern man schaut, wie man uns helfen kann, den Anschluss zu behalten oder hilft uns sogar, wenn wir das nicht können?
    Man macht sich die Mühe zu schauen, warum diese 5% der Menschen plötzlich Probleme haben und versucht ihnen zu helfen.
    Das ist doch eine große Anerkennung oder?
    Wir sind es den anderen wert, mitgenommen zu werden.

    Man erkennt doch damit an, dass wir eben nichts dafür können, dass wir diese Beeinträchtigungen haben, so wie aber auch die Gesellschaft nichts dafür kann, dass sie sich so entwickelt hat, wie sie es nun mal hat.
    Das hat ja niemand wissentlich oder willentlich entschieden.
    Das ist entstanden ... ganz von selbst im Laufe der Jahrhunderte und das war schon immer so und wird sich auch weiter entwickeln ... ob zum Guten oder Schlechten ... na das lassen wir lieber .

    Aber wir sollten nicht kapitulieren.
    Anpassung ist ein wichtiges Wort und der Mensch dürfte wohl das anpassungsfähigste Wesen auf diesem Planeten sein.
    Durch Anpassung überlebt jede Spezies auf dieser Kugel.

    Anpassung ist nichts Negatives.

    Ist es nicht eine Wertschätzung uns gegenüber, dass man uns dabei hilft?

    Klar, ... ich hätt auch gern lieber eine Welt, in der ich einfach sein dürfte wie ich bin ... immerhin wird das immer besser und zum größten Teil kann und darf ich das auch.
    Aber es ist auch super, dass ich diese Anpassunghilfe habe.
    Denn da hat nur eine natürliche Entwicklung stattgefunden.
    Geändert von Fliegerlein (16.07.2014 um 13:14 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  3. #163
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Abgesehen davon, dass ich davon überzeugt bin, dass auch schon in der Steinzeit und in allen Zeiten danach, ADS'ler äußere Hilfe/ Strukturierungen benötigten, so mag es ja sein, dass in anderen Gesellschaften/ zu anderen Zeiten unsere Beeinträchtigungen einfach kein Thema waren, weil sie einfach nicht aufgefallen sind.

    Aber es gab und gibt auch Nischen, in denen wir sein können, was und wie wir sind.
    Sie werden allerdings immer kleiner, das ist wahr und mehr als traurig.
    Aber diese Nischen bedeuten nicht, dass die Beeinträchtigungen nicht vorhanden waren.
    Und können wir wirklich 95% der Gesellschaft die Schuld dafür geben, dass sie sich so entwickelt hat, dass etwa 5% der Menschen Probleme mit dieser Entwicklung haben?
    Da stimme ich dich zu, obwohl ich finde, zu meinen, in ein andere Gesellschaft könnte es einfacher ist und in unsere ist es schwer, ist es noch nicht die Gesellschaft der Schuld geben... Es hat sich einfach so entwicklet...

    Ist es denn nicht vielmehr eine Anerkennung uns gegenüber, wenn man sich nicht einfach sagt "Pech gehabt, dann könnt Ihr eben nicht mithalten, ..." sondern man schaut, wie man uns helfen kann, den Anschluss zu behalten oder hilft uns sogar, wenn wir das nicht können?
    Man macht sich die Mühe zu schauen, warum diese 5% der Menschen plötzlich Probleme haben und versucht ihnen zu helfen.
    Das ist doch eine große Anerkennung oder?
    Wir sind es den anderen wert, mitgenommen zu werden.
    Ich finde, mal zu denken "Hui, pech gehabt" nicht mal negativ... Irgendwann ist es nötig seine Grenzen zu spüren und auch etwa loszulassen... Es war bei mich eine Phase und es war wichtig mal meine eigene Hilflosigkeit, verzweifelung überhaupt zuzulassen. Dann kommt sicher der Lust daraus das beste zu machen.

    "Pech gehabt" ist für mich auch eine Art zu sagen "Niemand ist schuld, aber einfach ist es nicht und es liegt weder an mich noch an die Gesellschaft, es ist so"

    Wegen Anpassung: Je der Mensch ist anpassungfähig und Anpassungsfähigkeit ist überhaupt wichtig um zu überleben... Tieren tuen es auch... Dann in eine Gesellschaft, weil wir eben eine Sozialwesensind, geht die Anpassung von beide Seiten, sonst geht es auch nicht... Die Gesellschaft hat auch etwas davon, wenn sie uns hilft daran teilzuhaben und unsere Fähigkeiten entfalten zu können. Es kommt auch was zurück. Da denke ich, können wir auch etwas tun, dass wir unsere Umfeld mitteilen was wir brauchen um uns wohl zu fühlen und auch etwas zu leisten.

  4. #164
    Rettich

    Gast

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Aber es gab und gibt auch Nischen, in denen wir sein können, was und wie wir sind.
    Sie werden allerdings immer kleiner, das ist wahr und mehr als traurig.
    Aber diese Nischen bedeuten nicht, dass die Beeinträchtigungen nicht vorhanden waren.
    Und können wir wirklich 95% der Gesellschaft die Schuld dafür geben, dass sie sich so entwickelt hat, dass etwa 5% der Menschen Probleme mit dieser Entwicklung haben?

    Ich denke ja eher, dass nicht nur die Nischen für ADHS Betroffene immer kleiner werden sondern das generell die Anforderungen immer weiter gestiegen sind, sodass auch heute auch Menschen ohne ADHS ganz massive Probleme bekommen, wenn sie nicht bereit sind, ihr Leben ihrem Job unterzuordnen. Man muss sich nur mal die Statistiken ansehen, wie viel Menschen im Vergleich zu früher heute Nachts und an Wochenenden arbeiten müssen. Ständige Verfügbarkeit ist auch so ein Thema.

    Das ADHS Betroffene es da schwieriger haben, leuchtet ein.

  5. #165
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Ich finde auch dass die Gesellschaft sich in eine Richtung entwicklet dass für niemand wirklich gut ist, oder nur für einigen...Alle leiden daran....

    Sonst auch eine Gedanken über die heutige gesellschaft: Wir artgerecht ist sie, eigentlich? Wir leben heute mit der Genpol (mit wenig Aenderungen) von Steinzeit... Wir sind programmiert um uns für Nahrungsuche zu bewegen, kmlange pro Tag laufen... Programmiert um mit unregelmässigen Nahrungangebot klar zu kommen, es heisst, sich vollfressen, wenn es genug gibt, damit wir genug Speck haben, wenn nötig wird (besonders bei Frauen macht es Sinn). Aber der dauernd Nahrungsüberfluss überfordert mehr als einer.... Wir sind auch programmiert um das zu essen was wächst, rennt oder fliegt, und nicht was aus Fabriken kommt... Wir sind auch programmiert um in eine ruhige Umfeld, wie es sich in Natur gibt zu leben, und nicht um mit so viele Reizen wie es heute gibt...

    Es gibt nun einiges die damit mehr Mühe haben als anderen... Aber ich denke, die meistens leiden ehe daran... Dabei leben wir länger, aber nicht umbedingt gesünder (früher sind schwächen ehe rasch gestorben, heute kann man mehr kranken Menschen in Leben erhalten).

  6. #166
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Rettich schreibt:
    Das kommt darauf an, wie du die äußeren Anforderungen setzt. Als Eremit würdest du vermutlich nicht viel merken. Allerdings könntest du die dann auch schon die Frage stellen, wie es zu dem Eremitentum gekommen ist, da das eine Extremform ist.
    In jeder Konstellation, die andere Menschen beinhaltet und so was wie Kultur würden sich die Defizite mehr oder weniger stark bemerkbar machen, denke ich, je nachdem wie ausgeprägt das ADHS ist.

    Der Vergleich mit dem Insulin hinkt. Das ist eine physische Krankheit, die zwar durch gesunde Ernährung gestoppt werden kann aber nicht in allen Fällen. Da gäbe es dann keine andern äußeren Faktoren, die dir dann das Überleben gestatten würden.

    Ich denke, MPH ist nicht die Allzweckwaffe, die alles ermöglicht. Klar kann man ohne auskommen. Je nach Schweregrad der Beeinträchtigungen. Ich denke, Fliegerlein hat hier auch schon beschrieben, dass viele Menschen mit ADHS sich Berufe oder Tätigkeiten suchen, wo das ADHS nicht so reinspielt.

    Ich denke, die Kunst besteht darin, sich sein Leben so zu gestalten, dass man nicht zu oft mit seinen Defiziten anstößt. Das bedeutet für mich, zu schauen, dass ich einen Job mache, bei dem ich mich nicht überanstrenge, da ich so viel kompensieren muss, von gewissen Leuten Abstand halten die mir nicht gut tun und eine gewisse Struktur aufzubauen, mit der ich gut klarkomme.
    genau das sag ich ja im Endeffekt

  7. #167
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    wisst ihr, was ich mich oft frage?

    fünf Prozent.


    woher kommen die 5% ? sind es 5%, die zur Diagnose gehen? Wer kennt nicht zig Menschen im Umfeld, wo es einfach fast schon "klar wie Kloßbrühe" ist, dass sie auch betroffen sind, aber halt eben nicht zum Arzt gehen deswegen.


    Früher gabs ganz wenig Linkshänder. Das war exotisch. Inzwischen ist es nicht mehr verpönt, Linkshänder zu sein. Verschiedene Forscher halten sogar einen Anteil von 50% für realistisch.
    STATISTIK

    ich rätsle immer wieder...5%... also 5% offenkundige. wieviele undiagnostizierte es wohl gibt? und ist diese andrere stoffwechselgeschichte am ende viel normaler als wir meinen? so wie der Linkshänder einfach nur die andre hirnhälfte nutzt und nicht eine seltsame?
    Geändert von maofatale (16.07.2014 um 14:00 Uhr)

  8. #168
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    ich gebe übrigens nicht der Gesellschaft "schuld", stelle nur fest, dass wir "dort" einfach an unsre grenzen stoßen.

    in einer anderen Struktur würde vielleicht der nicht-adhsler an seine grenzen stoßen. wäre er dann der "kranke"?


    ich mach mir halt so meine Gedanken

  9. #169
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Rettich schreibt:
    Ich denke ja eher, dass nicht nur die Nischen für ADHS Betroffene immer kleiner werden sondern das generell die Anforderungen immer weiter gestiegen sind, sodass auch heute auch Menschen ohne ADHS ganz massive Probleme bekommen, wenn sie nicht bereit sind, ihr Leben ihrem Job unterzuordnen. Man muss sich nur mal die Statistiken ansehen, wie viel Menschen im Vergleich zu früher heute Nachts und an Wochenenden arbeiten müssen. Ständige Verfügbarkeit ist auch so ein Thema.
    Sehe ich auch so ....
    Ich denke nicht, dass die Gesellschaft sich zum Guten entwickelt ...
    Wenn ich sehe, wie überall nur Gewinnmaximierung zählt (ein völliges Paradox meiner Meinung nach, nichts kann ewig besser werden, irgendwann hat alles einen Endpunkt erreicht und wenn man den überschreitet, zahlt man über kurz oder lang einen Preis dafür), und wie allenortens die Prozessoptimierer mit der Stoppuhr hinter den Arbeitern stehen, um auch das letzte Quentchen an Zeit rauszuschinden und wie überall über Konkurrenzdenken, Wettbewerb und Angst die Leistung angekurbelt wird ... dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass diese Gesellschaft krank ist.
    Die stetig steigende Anzahl der psychischen Erkrankungen und der Erwerbsunfähigkeiten aufgrund dieser Erkrankungen spricht eine deutliche Sprache.

    Aber ich denke dass es wichtig ist, das Eine vom Anderen getrennt zu betrachten.

    Sicher ... mein Vater, der mit Sicherheit auch ADHS'ler war (ich habe sein Grundschulzeugnis aus der ersten Klasse aus dem Jahre 1942/43 hier, er lebte damals auf dem land und schon dort stand der Satz: "Fliegerlein sen. ist zu unruhig" ... das war vor 71 Jahren ..., hatte es bei seiner Arbeit in den 60igern bis 80igern noch besser.
    Er konnte auch mal seine Schaltpläne mit nach Hause nehmen und in der Küche arbeiten, wo er Ruhe hatte.
    Theoretische und praktische Arbeit wechselten sich ab und Montageaufträge in allen möglichen Ländern sorgten für viel Abwechslung.
    Im Büro kannten die Kollegen seine Macken wie Zerstreutheit und Vergesslichkeit, haben ihn aber unterstützt statt ihn zu mobben.
    Man hat sich gegenseitig geholfen.
    Das findet man immer weniger.
    Heute werden Schwächen bei Anderen gesucht und dank Konkurrenzdruck und Existenzangst wird gemobbt was das Zeug hält ...

    Aber dennoch hat ihm und uns, seiner Familie das nicht wirklich geholfen.
    Die Impulsivitität, der Drang fremd zu gehen, der unbändige Jähzorn und die seelische und körperliche Gewalt gegenüber seiner Famile, sowohl seiner Frau und meinem Bruder und mir, trotz der an sich guten Verhältnisse bei der Arbeit der Narzissmus, das Runtermachen aller anderen einschließlich uns, bis das letzte Bisschen Selbstwertgefühl in den Boden getreten war.....
    Das alles war NICHT die Gesellschaft ... das war die ADHS und nur die.
    Und es war auch die Saat für so einige Komorbiditäten...
    Wir wissen, dass ein einziger ADS'ler in der Familie die ganze Familie zerrütten kann und da ADS vererblich ist, hat man eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass ADS-Kinder auch mindestens einen ADS-Elternteil haben.
    Das alles ist unabhängig von der Gesellschaft und sorgt genauso für Leidensdruck.
    Und es ist übrigens auch so, dass für die Erfüllung der Definitionskriterien für eine Krankheit auch das Leiden anderer zählt.
    Gerade z.B. bei narzisstischen Menschen leiden ja mehr die Anderen, als der Betroffene selbst.


    Wie man liest, stehe ich noch immer sehr zwischen den Stühlen.
    Die ADS wird niemals mein Freund sein, ....
    Anfangs habe ich sie gehasst, abgrundtief.
    Auch heute noch passiert mir das immer wieder.
    Aber immer wieder und immer mehr kann ich sie auch akzeptieren und meinen Frieden mit ihr machen.

    Bei vielen Postern hier lese ich ähnliches ... Traurigkeit, Verbitterung, Verzweiflung, Hass, Wut, Trauer ...

    Vielleicht helfen Threads wie diese dabei, all das ein wenig aufzuräumen, zu sortieren, ein wenig das eigene Selbstwertgefühl anzuheben, Klarheit zu bekommen oder auch einfach nur Antworten auf die eine oder andere Frage zu bekommen, Denkanstöße ... auf diesem Weg zum Frieden mit sich selbst und der Akzeptanz.

  10. #170
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Wegen die 5%... Eigentlich finde ich die Abgrenzung, wo ADS anfängt problemen zu machen und wo es nur einige karaktereingenschaften sind die nicht so eine Hindernis sind schwierig...

    Es gibt stark ausgeprägte ADSler die sehr auffällig sind und wahrscheinlich überall anecken, es gibt auch Menschen die nichts, aber wirklich nichts davon haben und genau das Gegenteil sind und es gibt alles dazwischen... Die Mehrheit ist vor allem dazwischen, ehe in der Mitte...

    Ich denke, es wird geschätzte dass 5% von die Bevölkerung an ADS leidet, also, solchen die deswegen Hilfe brauchen. Die Grenze ist dort gesetzt, wo es Leidendruck gibt.

    @ Fliegerlein: Ich finde die geschichte dein Vaters sehr interessant... Beruflich ging es ihm nicht schlecht, aber privat war es nicht so toll...

    Nun, in meine Familie ist es anders... Meine Oma scheint davon was zu haben... Sie hatte beruflich ihre Nische gefunden, dann hatte eine Familie gegründet und hat im Betrieb ihre ehemann (garten, was ADSler entgegenkommt) gearbeitet. Ich habe nicht der Eindruck, sie hätte wirklich viel schwieriger als anderen... Irgendwie hat sie kompensiert, sie hat sich auch durchgesetzt, abgegrenzt. So wie ich sie in errinerung hatte, scheinte mich nicht mehr oder weniger angeschlagen zu sein als andere alte Frauen. Irgendwie anders war sie immer... Ehekonflikten gab es auch, aber wer hat da keiner?
    Ihr Biographie scheint ehe "normal" und unauffällig zu sein...

    Mein Vater: Mich ist klar dass ich von ihm diese ADS bekommen habe... Beruflich hat er auch seine Nische gefunden, es wird nun in der 90 jahren schwieriger, aber es war für alle schwierig. Wechseln gab es bei mich oft, aber er hat immer geschaft eine 5-Köpfigen Familie zu ernähren... Meine Mutter kann mit ihm sehr gut umgehen und sie sind seit über 40 Jahren glücklich zusammen. Ja, er träumt oft, ist sehr reizbar und es war für uns, Kindern auch nicht immer einfach... Sehr konsequent war er auch nicht, ehe launisch in der Erziehung und straffen...

    So wohl mein Oma als mein Vater können und konnten es gut kompensieren... Viele Kompensationstrategien habe ich so einfach übernommen... Aber bei mich ging es echt anders... Meine Eltern sagen dann sofort dass die Wirtschaft viel schwieriger geworden ist...

    In meine Familie ist klar dass frühere Generation damit besser hatten und weniger aufgefallen sind als ich... Auch wenn ich nur dass äussere nehme, wie Beruf und Familieleben...

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