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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 192

    Die Kunst ein Egoist zu sein....

    ich habe mich jahrelang bemüht, mich anzupassen. Leider hat es nicht funktioniert...ich bin so wie ich bin und so werde ich bleiben. Eben hoffnungslos ADHS.

    Heute mit 52 Jahren sage ich mir, dass ich okay bin. Mittlerweile kann ich mit mir leben und die anderen können mich ertragen. Der Weg dahin war schwer und voller Stolpersteine. Panikattacken und Depressionen, Beziehungschaos und ständige Zweifel. Und immer wieder ein Gewitterchaos im Kopf.

    Ich bin ein Egoist geworden. Das heißt nun nicht, dass ich andere manipuliere und ausnutze. Ich nehme mir Freiheiten, die ich auch anderen zugestehen kann. Dabei sehe ich nicht kritiklos etwas als wahr an, nur weil es andere als richtig befinden.

    In der Gesellschaft wird das getan, was getan werden muss. Belohnung gibt es nur für ein angepasstes Leben. Bewunderung für erbrachte Leistungen und Anerkennung für die Opfer, die man für andere bringt. Die eigenen Wünsche und Sehnsüchte bleiben dabei unberücksichtigt.

    Der Preis ist Sicherheit in einer Schublade, in der man sich kaum bewegen kann. Und wehe, jemand fragt nach dem Sinn oder Zweck seines Dasein.

    Die Gemeinschaft ist alles, der einzelne zählt nicht allzuviel. Das ist eine Erfindung von Menschen, die andere für ihre eigenen Interessen gefügig machen wollen.

    Der Mensch soll Rücksicht nehmen, ohne an sich selbst zu denken, damit er unglücklich bleibt und leichter zu manipulieren ist. Er soll nachgiebig sein, damit er weiter ausgebeutet werden kann.

    Und diejenigen, die auffällig sind, zu viel denken sind eben neurotisch gestört...weil sie unbequeme Fragen stellen.

    Neurotransmitter im Ungleichgewicht heißt es wissenschaftlich. Einsamkeit bedeutet es für den Betroffenen. Traurigkeit, Angst und Schuldgefühle sind das Ergebnis mit dem krampfhaften Bemühen normal zu wirken.

    Sorry, da spiel ich nicht mit. Ich bin normal ADHS...und das ist gut so. Ich bin zum Egoisten geworden...und das ist auch gut so.

    Liebe deinen Nächsten wie dich selbst bedeutet doch, dass man zuallererst sich selbst annehmen muss, bevor man sich dem anderen zuwenden kann. Altruismus kann eben erst duch das eigene Wohl erlangt werden.

    Ich schreibe diesen Text als Denkanstoß...

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 47

    AW: Die Kunst ein Egoist zu sein....

    "Kannst Du nicht allen gefallen durch Deine That und Dein Kunstwerk, mach es wenigen recht.
    Allen gefallen ist schlimm."
    [Friedrich Schiller].

    Ich versuche mal, eine Antwort hinzukriegen - hoffentlich wird sie nicht all zu durcheinander

    Zunächst mal vielen Dank für deine Gedanken, sie haben mich sehr zum Nachdenken angeregt.
    Beginnen möchte ich damit, was ist egoistisches Handeln? Wie stellt sich ein Egoist dar? Das Ziel egoistischen Handelns ist doch der, im Mittelpunkt zu stehen, immer auf Kosten anderer und ohne Rücksicht auf andere. Entweder fällt der Mensch dann nach unten durch (und beginnt erneut mit seinem "Kampf") oder aber er steigt auf und wird berühmt etc. (siehe Bill Gates oder auch Putin). Und wird dann in gewisser Form belohnt. Dein beschriebenes Handeln ist keinesfalls Egoismus. Du übernimmst einfach nur volle Verantwortung für dein Handeln, sorgst dafür, dass es dir gut geht - und das machst du nicht auf Kosten anderer, sondern durch eine Form der Abgrenzung. Sei stolz auf dich - du kannst es nämlich sein!

    Gibt es reinen Altruismus?? Meiner Meinung nach nicht. Selbst Mutter Teresa, die die meisten als Reinform altruistischen Handelns hinstellen, hat eben nicht nur aus edlen Gründen so gehandelt. Auch sie war ein Mensch und der Mensch funktioniert immer durch das Muster "Belohnung" oder "Bestrafung". Tust du was Gutes, wirst du dafür belohnt, wenn nicht, folgt Strafe. Auch Mutter Teresa wusste, dass sie Gutes tut und das wiederum hat ihr Belohnun in Form von Anerkennung, Lob udgl. eingebracht. Und mir kann niemand erzählen, dass ihr das nicht klar war (und wenn nur unbewusst). Somit war ihr Handeln auch ein egoistisches.

    Auch ich hab oft darüber nachgedacht, ob es egoistisch ist, wenn ich mich nicht in die sogenannte "Gemeinschaft" auf Arbeit einfüge, weil ich dieses verlogene Getue auf den Tod nicht abkann und mir diese Lügereien mehr weh tun, als wenn mir einer direkt sagen würde, dass er mich nicht leiden kann. Somit verzichte ich auf diese "Feiern", aufs gemeinsame "Kaffeetrinken" etc., weil eh nur Mist gelabert wird und jeder versucht, dem anderen zu gefallen. Nein - darauf kann ich verzichten. Somit entziehe ich mich der Gemeinschaft mit dem Preis der Einsamkeit (was auch nicht immer schön ist - denn auch ich bin ein Mensch und der wiederum ist ein "Herdentier"). Andererseits sage ich mir dann immer, lieber einsam sein, als dass es weh tut. Ich hielt das auch lange Zeit für Egoismus - musste aber erkennen, dass das keiner ist.

    Uff ........ ich hoffe, ich habs rübergebracht, was ich meine

    LG vom Adlermädchen Bille

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 192

    AW: Die Kunst ein Egoist zu sein....

    Liebe Bille

    Du hast es sehr gut rübergebracht und ich habe auch begriffen, was Du damit ausdrücken möchtest. Natürlich gibt keinen reinen Altruismus...ebenso wie es keinen reinen Egoismus geben kann. Die Dynamik zwischen beiden macht lebendig.

    Mein persönlicher Egoismus schwankt zwischen meinen eigenen Wohl und dem Mitgefühl den anderen gegenüber.

    Ebenso wie Du es handhabst, habe ich mich früher ausgeschlossen, weil ich das verlogene Getue nicht leiden kann. Ich habe kaum privaten Kontakt zu meinen Arbeitskollegen gehabt, weil sie mich mit ihren Gehässigkeiten, die sie unter freundlichem Grinsen verborgen haben, genervt und geärgert haben.

    Ich hab regelrecht Bauchschmerzen bekommen, wenn ich an irgendwelchen Dienstbesprechungen dann doch teilnehmen musste. Das wollte und konnte ich mir nicht antun, dachte ich. Außerdem wusste ich ja, was sie hinter meinen Rücken über mich redeten. Chaosberta wurde ich in meinen schlimmsten Zeiten genannt.

    Da hockte ich nun in meiner selbstgewählten Isolation, war einsam und fühlte mich total allein. Wollte jemand jedoch etwas von mir, bekam er es. Hatte jemand Probleme hörte ich ihm zu. Immer hatte ich Zeit, immer war ich gefällig, immer sagte ich ja,

    Ulrike, du bist ein Mensch, sagte mal ein Kollege zu mir, weil ich mich für ihn eingesetzt hatte. Keiner bemerkte jedoch, dass ich ein total trauriger Mensch war, der Beachtung suchte.

    Ich hatte gestrichen die Nase voll....keiner wollte mich und ich wollte dann auch keinen mehr...Panik und Depression waren das Ergebnis.

    In dieser Phase fragte ich mich, wer bin ich und was will ich überhaupt. Weiter überleben oder endlich mit dem Leben beginnen. Ich entschied mich dafür mit dem Leben zu beginnen und ging zu den Feiern meiner Kollegen, lud sie zu mir nach Hause ein.....hörte zu, beobachtete und wurde direkt. Stellte Fragen, begann mir meine Zeit zu suchen, sagte auch mal nein und befreite mich langsam aus meiner Opferrolle.

    Je mehr ich meine eigenen Belange wichtig wurden, desto mehr konnte ich Stellung beziehen....und würde beachtet.

    Mein Chaos, der immer noch regierte, wurde dabei kaum noch wahrgenommen. Ich war auf einmal nicht mehr ausgeschlossen und wurde ernstgenommen. Hinter meinem Rücken hörte ich zwar oft den Satz, dass ich nicht auf dieser Welt lebe, aber das war eher positiv gemeint, als abwertend.

    Aus dieser eigenen Erfahrung habe ich den Beitrag geschrieben. Egoismus kann gesund sein. Gesunder Egoismus irritiert andere, aber hilft den eigenen Sinn und Zweck seines Daseins zu finden.

    Ich habe drei Kinder von drei verschiedenen Männern. Es hat nie in den Beziehungen funktioniert. ..keiner von ihnen kam mit mir klar. Ich war ihnen zu unberechenbar, habe zuviel geredet und war ihnen zu chaotisch. Sie wollten mich in eine Schablone pressen, in der ich keine Luft mehr bekam.

    Ich hatte Alkoholprobleme, Depressionen und Angstattacken, wollte mich zeitweise freiwillig aus dem Leben schubsen und ich kann mich kaum erinnern, mich wohlgefühlt zu haben. Erst heute komme ich mir selbst nahe...und den anderen Menschen näher. Ich habe einen langen Weg hinter mir....zwei Drittel meines Lebens liegen bereits hinter mir.

    Mit dem Leben beginnen, bedeutet nicht, sich in einem bequemen Sessel zurückzulehnen, sondern immer wieder neu, die Herausforderung annehmen.... mit oder ohne ADS/ADHS ist dabei für mich nicht mehr von Bedeutung...wie ich geschrieben habe. "Ich bin normal ADHS, und das ist gut so:"

  4. #4
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 767

    AW: Die Kunst ein Egoist zu sein....

    Nun ja, der Kirschner hat ein dickes Buch mit dem Titel geschrieben um auszudrücken, was eben nicht Egoismus ist, aber von vielen Leuten gerne als Egoismus gesehen wird.
    Wenn dir wohl ist und dem anderen nicht ist es noch lange nicht Egoismus.
    Du musst funktionieren! Lass dir da nur nicht Egoismus einreden!

    Es ist übrigens ganz einfach: sagt jemand du bist egoistisch, dann ist er selber zu 90% ein Egoist und will dich nur manipulieren. Nichtegoisten sagen so etwas nicht.

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