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Diskutiere im Thema AD(H)S ohne Schusseligkeit/Konzentrationsprobleme? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 122

    AD(H)S ohne Schusseligkeit/Konzentrationsprobleme?

    Wenn ich in manchen Threads hier lese, dann kommen mir immer wieder Zweifel an meiner Diagnose- da ich nicht schreddern will, würde ich das hier gerne mal separat aufgreifen.

    Ich habe und hatte nämlich keine Probleme mit Sachen verlieren, Dinge vergessen, Gesprächen folgen, längere Texte verfassen, usw....
    Ich war/bin nur dünnhäutig, sehr emotional und in dieser Kombi leicht überreizt und erschöpft, dadurch wiederum antriebslos, depressiv und überfordert, wenn sich all das über eine längere Zeit angesammelt hat. Ich habe aber auch ein recht stressiges Leben und sehr viel um die Ohren. Vielleicht würde das viele andere auch an ihre Grenzen bringen? Ich neige auch zu einem gewissen Maß an Chaos, aber finde mich darin eigentlich ganz gut zurecht. Termine habe ich meistens im Kopf und wenn es wirklich wichtig ist, dann kann ich meine Zeit auch gut managen.
    Einkaufslisten schreibe ich auch nie und sofern ich nicht wegen einer Sache gezielt losfahre, klappt das auch gut. In dem ausgenommenen Fall passiert es allerdings oft, dass ich mit 20 anderen Sachen zurück komme und genau dieses eine Ding vergessen habe...^^

    Früher war ich sehr impulsiv, rebellisch und hatte den Hang alles zu probieren und viele Grenzen zu überschreiten. Als ich damit aufgehört habe, kam die Erschöpfung. Depressionen sind die Belohnung für's brav sein, habe ich mal gelesen... Schlafstörungen (vor allem die Unfähigkeit morgens aufzuwachen), habe ich, seit ich denken kann. Klar habe ich das alltagskompatibel im Griff, aber hart ist es trotzdem.

    Ich war auch immer schon sehr leicht aus der Ruhe zu bringen- einmal angestoßen, ging das Gedankenkarussel los und hat mich manchmal tagelang absorbiert.
    Wenn ich ein Thema für mich entdecke, dann muss ich es verfolgen und vertiefen. Mein Interesse wird so stark, dass es mich völlig einnimmt.
    Eine Alternative dazu habe ich aber auch irgendwann gefunden- gar nichts denken- so eine Mischung aus Meditation und Dissoziation.
    Nur zwischen diesen beiden Geisteszuständen gibt es eigentlich nichts, das von langer Dauer wäre und damit einher geht entweder Überdrehtheit oder Antriebslosigkeit.

    Was hat MPH geändert?
    Ich bin geduldiger, ausgeglichener, emotional stabiler, selbstsicherer, fitter. Meine Wohnung ist im Mittel tatsächlich aufgeräumter (aber Ordner hasse ich immer noch- ich habe Schubladen für meine Unterlagen angelegt...), meine Tage sind ausgefüllter und dennoch habe ich das Gefühl, mehr Zeit übrig zu haben.
    Ich bin gleichmäßiger getaktet, vorhersehbarer.
    Aber woher weiß ich denn, dass ich nicht einfach meine Überlastung mit Amphetaminen ausgleiche?
    Vielleicht ist es unter dem Strich ja auch egal, warum es einem besser geht, wenn es das tut. Die Einteilung ist hier eh sehr willkürlich- wenn ich einen Kaffee trinke, anstatt zu schlafen, dann mache ich im Prinzip auch nichts anderes. Nur dass Tschibo (noch) keine Medikamente verkauft und die Substanz als Arznei- und nicht als Genussmittel deklariert ist.

    Dennoch würde mich sehr interessieren, ob ich mit meiner Variante von AD(H)S hier allein auf weiter Flur stehe? Gibt es außer mir noch andere, die sich in meiner Schilderung wiederfinden können?

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: AD(H)S ohne Schusseligkeit/Konzentrationsprobleme?

    Entropie schreibt:
    Ich habe und hatte nämlich keine Probleme mit Sachen verlieren, Dinge vergessen, Gesprächen folgen, längere Texte verfassen, usw....
    Also einiges davon kann man ja mit Übung/Erziehung/Terminkalender/etc. gut kompensieren. Ich verliere auch selten was, kann mir Termine merken und lange Texte verfassen - für manche Lehrer zu wirr, manche hingegen (meist die, die selber etwas chaotisch waren) fanden meinen Schreibstil sogar gut (habe aber auch immer gerne geschrieben, vllt. liegt es auch daran, Motivation und so).
    Was hingegen nicht kompensierbar ist für mich: Gesprächen folgen. Außer natürlich, das Theme ist hochinteressant. Aber generell: ganz schwierig.

    Entropie schreibt:
    Ich war/bin nur dünnhäutig, sehr emotional und in dieser Kombi leicht überreizt und erschöpft, dadurch wiederum antriebslos, depressiv und überfordert, wenn sich all das über eine längere Zeit angesammelt hat. Ich habe aber auch ein recht stressiges Leben und sehr viel um die Ohren. Vielleicht würde das viele andere auch an ihre Grenzen bringen?
    Das hört sich eher nach Burn-Out an, ist aber kein Ausschlusskriterium für ADHS, im Gegenteil, gerade ADHSler neigen ja zu Burn-Outs. Aber man muss differenzieren, da eben Burn-Out natürlich auch ohne ADHS im Hintergrund auftritt und zu ähnlichen Symptomen führt. Ich denke aber, dass das bei deiner Diagnose beachtet wurde.

    Entropie schreibt:
    Ich neige auch zu einem gewissen Maß an Chaos, aber finde mich darin eigentlich ganz gut zurecht. Termine habe ich meistens im Kopf und wenn es wirklich wichtig ist, dann kann ich meine Zeit auch gut managen.
    Einkaufslisten schreibe ich auch nie und sofern ich nicht wegen einer Sache gezielt losfahre, klappt das auch gut. In dem ausgenommenen Fall passiert es allerdings oft, dass ich mit 20 anderen Sachen zurück komme und genau dieses eine Ding vergessen habe...^^
    Ja, so geht es mir auch, von Extremsituationen (Prüfungsphasen z.B.) mal abgesehen, da hänge ich komplett in der Luft.
    Einkaufen ist auch weniger ein Managmentproblem sondern eher ein generelles Problem der Reizüberflutung und führt oft unweigerlich zu Disso-Zuständen, aber ich schaffe es trotzdem irgendwie das wichtigste einzukaufen. Nun gut, es ist eigentlich auch immer dasselbe und Großeinkauf mache ich nur mit Partner.

    Entropie schreibt:
    Früher war ich sehr impulsiv, rebellisch und hatte den Hang alles zu probieren und viele Grenzen zu überschreiten. Als ich damit aufgehört habe, kam die Erschöpfung. Depressionen sind die Belohnung für's brav sein, habe ich mal gelesen... Schlafstörungen (vor allem die Unfähigkeit morgens aufzuwachen), habe ich, seit ich denken kann. Klar habe ich das alltagskompatibel im Griff, aber hart ist es trotzdem.
    Impulsiv und rebellisch sind wohl erstmal viele Jugendlichen/jungen Menschen, soweit erstmal nichts ADHS-spezifisches.
    Meinst du mit "dann kam die Erschöpfung", das die Erschöpfung eine Folge des Aufhörens war? Also, das es schwierig für dich ist, nicht mehr rebellisch und impulsiv zu sein?
    Damit wären wir dann beim ADHS angelangt, denn die Pubertät geht meistens irgendwann vorbei und darunter leidet eigentlich niemand, also am "vorbeigehen".
    Diese Schlafstörungen kenne ich auch so, abends nicht einschlafen, morgens nicht aus dem Bett kommen. Schon immer, auch als kleines Kind. Man hat einiges versucht, Entspannungsübungen und so, aber geholfen hat es nichts, zumindest bin ich nicht eingeschlafen.
    Typischer Alltag sah so aus: 7 Uhr Weckerklingeln, depressive Stimmung, an ganz schlimmen Tagen sogar suizidale Gedanken, 7:30 Uhr aufstehen, duschen, frühstücken, Schule um 8 Uhr. Dann war ich so für ne Stunde recht fit (klar, Sport und Stress am frühen morgen wirkt erstmal wachmachend), dann kam das erste tief, kurz danach das zweite tief. Davon habe ich mich dann bis zum Schulschluss auch nicht erholt. Nach Hause, essen, SI und Hobbies nachgehen, nachmittags/abends Sport. So gegen 20/21 Uhr wurde ich dann fit und wenns dann ins Bett ging konnte ich zum verrecken nicht einschlafen. 1-2h wachliegen bis man endlich einschläft un 6h später klingelt dann wieder der Wecker.
    Dieses "wenn du früh aufstehen musst wirst du abends auch rechtzeitig müde" ist schlichtweg eine GROSSE Lüge!
    Der ADHS-Nachwuchs in meiner Familie ist übrigens genauso. Abends nicht ins Bett, morgens nicht ausm Bett zu kriegen.

    Entropie schreibt:
    Ich war auch immer schon sehr leicht aus der Ruhe zu bringen- einmal angestoßen, ging das Gedankenkarussel los und hat mich manchmal tagelang absorbiert.
    Wenn ich ein Thema für mich entdecke, dann muss ich es verfolgen und vertiefen. Mein Interesse wird so stark, dass es mich völlig einnimmt.
    Eine Alternative dazu habe ich aber auch irgendwann gefunden- gar nichts denken- so eine Mischung aus Meditation und Dissoziation.
    Nur zwischen diesen beiden Geisteszuständen gibt es eigentlich nichts, das von langer Dauer wäre und damit einher geht entweder Überdrehtheit oder Antriebslosigkeit.
    Oh, diese Meditation würde ich gerne lernen! Kenne leider nur den einen Geisteszustand. Auch bei Antriebslosigkeit ist zumindest mein Kopf durchgehend in Action. So sehr, das ich mich zu nichts anderem mehr aufraffen kann außer rumliegen und an dieses fesselnde Thema zu denken. Das einzige, was mich dann "wach" kriegt ist der Gedanke, mich nun mit diesem Thema auseinandersetzen zu können. Und schon sitze im am PC und recherchiere oder suche nach Büchern oder... mache nur nicht das, was ich tuen soll (z.B. für eine Prüfung lernen*hust*)

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 122

    AW: AD(H)S ohne Schusseligkeit/Konzentrationsprobleme?

    Das hört sich eher nach Burn-Out an, ist aber kein Ausschlusskriterium für ADHS, im Gegenteil, gerade ADHSler neigen ja zu Burn-Outs. Aber man muss differenzieren, da eben Burn-Out natürlich auch ohne ADHS im Hintergrund auftritt und zu ähnlichen Symptomen führt. Ich denke aber, dass das bei deiner Diagnose beachtet wurde.
    Ja, das wurde beachtet und zunächst wurde auch die (Erschöpfungs-) Depression behandelt. Aber diese speziellen Probleme sind so dauerhaft vorhanden- wenn auch manchmal nur als "Hintergrundprogramm" ohne Krankheitswert, dass man weniger sagen kann, dass das Burnout sie hervorbringt, sondern eher, dass sie in diesen Phasen stärker hervortreten, da ich sie dann nicht mehr so gut kompensieren kann. Also genau umgekehrt eigentlich.

    Impulsiv und rebellisch sind wohl erstmal viele Jugendlichen/jungen Menschen, soweit erstmal nichts ADHS-spezifisches.
    Meinst du mit "dann kam die Erschöpfung", das die Erschöpfung eine Folge des Aufhörens war? Also, das es schwierig für dich ist, nicht mehr rebellisch und impulsiv zu sein?
    Ich fürchte ja...^^ Und ich neige heute noch dazu, mich immer wieder in neue Situationen zu schmeißen, völlig konträre Rollen im Leben durchzuprobieren und alles, was ich für mich gefunden zu haben glaubte, über Bord zu werfen, wenn ein neues Abenteuer (kann auch Socken stricken lernen sein...) lockt!
    Nur ist das mittlerweile möglich, ohne weitere Items aus Kapitel 5 des ICD 10 einzusammeln und eigentlich geht es mir auch gut damit, da ich es akzeptieren und konstruktiv einsetzen kann. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass ich dabei tatsächlich irgendwie in mir ankomme und eine Art Konstante entdecke, vor allem seit ich mit der Medikation begonnen habe.

    Aber ich hatte eine Phase, in der ich normal werden wollte. Ich habe mich mit den langweiligsten Leuten angefreundet, die ich finden konnte und versucht, deren Lebensstil zu erlernen. Ich dachte, das hätte meine Mutter einfach nur versäumt und ich könnte es locker nachlernen. Und ja, das hat mich erschöpft. Als hätte man mit einer Nadel in einen Luftballon gestochen...
    Vielleicht kam aber auch dazu, dass ich im Zuge dieser "Entwicklung" das Rauchen aufgegeben habe- vermutlich hat das meinen Dopaminhaushalt zusätzlich aus dem Ruder laufen lassen.

    Das mit den Schlafstörungen läuft bei mir haargenau so, wie bei dir. Ich kann den ganzen Tag hundemüde sein, aber sobald es 21.00 Uhr ist, bin ich wach und kann dann nicht mehr abschalten. Das geht die ganze Woche so und bei mir regelt sich die Müdigkeit am nächsten Tag auch nicht nach, ich kann nur am Wochenende Schlaf nachholen und das muss ich auch...

    Die "Kopfmeditation" habe ich übrigens in in meiner Yoga-Phase gelernt- ich war in einem furchtbar anstrengenden Kurs und während ich quasi gezwungen war, lange in diesen kraftaufwendigen Haltungen zu verharren, wurde mir erstmal bewusst, dass mir permanent Gedanken durch den Kopf schießen- kreuz und quer in einem atemberaubenden Tempo und das verstärkte das unangenehme körperliche Gefühl. Aber ich habe mich gezwungen, das auszuhalten und weiter zu machen und irgendwann, nach der 8. Stunde oder so, war plötzlich Ruhe!
    Und das lässt sich auch im Alltag erzeugen, aber eben mit der Nebenwirkung, dass ich nicht mehr richtig auf Touren komme, wenn es ich es spontan möchte.
    Aber wenn ich ein Thema gefunden habe, dann geht es mir genau wie dir und ich gerate in eine Überdrehtheit, die sich dann aber auch auf die körperliche Ebene auswirkt.

    Ich weiß auch nicht... wahrscheinlich bin ich ADHSler mit einer Inselbegabung in Konzentration und Asperger mit dem Spezialinteresse Social Skills.
    Oder halt einfach nur völlig durchgeknallt mit irgendeinem nicht näher spezifizierten Problem im dopaminergen System, das sich ganz gut medikamentös behandeln lässt.

    Aber dennoch hat mich das Antworten auf deine Fragen wieder ein wenig mit der aktuellen Diagnose versöhnt und mir wurde klar, dass es nicht nur viele Dinge gibt, die nicht dazu passen, sondern auch sehr viele, bei denen dieser Ansatz voll ins Schwarze trifft! Danke dafür!

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