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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    Verschmelzungswunsch

    Hallo zusammen,

    mir ist nun besonders bewusst geworden, dass ich ohne funktionierende Partnerschaft nicht funktionstüchtig bin. Es ist, als ob ein Teil von mir fehlt.
    Ich leide täglich seit meiner ersten Beziehung darunter, die ich erst gar nicht wollte. Habe da sehr intensive Gefühle kennengelernt und Sehnsucht nach diesen.
    Es ist nicht so, dass ich eine Person benötige, die mir Struktur gibt, grundlegend komme alleine gut klar. In einer Partnerschaft kann ich auch mal eine Weile alleine sein, brauche sogar ein wenig Zeit für mich. Ich kann mich dann um meine Projekte kümmern und bin motiviert und sehe wieder Sinn in meinem Leben. Ohne Partnerschaft macht für mich alles keinen Sinn und ich bin extrem unmotiviert. Ich kenne diesen Aspekt von Borderline, bin mir aber eigentlich sicher, dass ich es nicht habe. Ich kenne weder Gefühle der Leere oder Gefühlslosigkeit, verletze mich nicht selbst und habe auch kein Bedürfnis danach. Ich weiß sehr gut wer ich bin und hasse mich auch nicht. Ich würde zwar nicht sagen, dass ich mich selbst lieben würde, aber das ist eher aus dem Grund, dass ich den Gebrauch von 'Liebe' etwas inflationär wahrnehme. Ich mag mich, ja, so würde ich es ausdrücken. Auch 'suche ich nicht meine Mutter' oder bin manchmal Kind, was nicht heißt, dass ich mich als Erwachsener betrachte (bemühe mich aber auch nicht erwachsen herüberzukommen). Die Selbstwahrnehmung bei AD(H)Slern soll ja nicht so optimal sein, weshalb ich jetzt mal nicht absolut ausschließe, dass ich solche Gefühle nicht haben kann (vielleicht habe ich auch nur Probleme damit diese in Worten auszudrücken - glaube ich aber nicht). Süchte hm.. ev. Masturbation, hilft mir besonders in stressigen Situationen, um mich zu entspannen.

    Ich habe zwei sehr interessante Texte gestern gelesen, mit denen ich mich teilweise identifizieren kann und mich ein wenig nachdenklich machen:

    Der erste ist über Ursachen von Borderline: Borderline: Ursachen - Umweltfaktoren oder psychosoziale Komponenten
    Bei 40% soll die Ursache Vernachlässigung sein, was bei mir gut hinkommen kann. Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass ich emotionale Defizite in meiner Kindheit hatte.
    Liebe gab es zwischen meinen Eltern nicht, es wurde sich höchstens angeschrien - kaum vorstellbar, dass die beiden mal Sex miteinander hatten. Ich soll mich wohl als Kind oft wegen deren Streitereien beschwert haben. Geborgenheit und Lob gab es eigentlich nicht wirklich, was meine Schwester ebenso empfindet. Als ich 7 Jahre alt war habe ich mir eine Hundeleine gebastelt und mich unter dem Schreibtisch angeleint - heute weiß ich, dass es eine sehr intelligente Art und Weise war, Geborgenheit und Nähe zu simulieren.

    Der zweite Text handelt von der Symbiose: Borderline Symbiose ein Leben durch andere! - Grenzwandler
    In dem Text kann ich einiges unterschreiben - z.B. die folgenden Sätze:
    "Nur in Symbiose spüre ich Glück, Frieden, Geborgenheit oder Freude ..."
    "In Symbiose habe ich Lebensfreude und entwickel das Interesse für mich wichtige Ziele zu setzen. ..."
    Wobei ich schon Ziele habe, aber mir die Motivation und der Sinn fehlt, diese umzusetzen.

    "Sollte man nun den Wunsch nach Symbiose unterdrücken um nicht in Abhängigkeit zu geraten? – Meine persönliche Meinung ist sich nicht dagegen zu wehren und zu akzeptieren, dass man diese Verbundenheit braucht." Entspricht voll meiner Erfahrung und so sehe ich es auch. Ratschläge, die man von Freunden bekommt, wie z.B.: "Man muss lernen, auch alleine glücklich zu werden", halte ich für mich nicht durchführbar, habe ich oft genug versucht. Ich kann mich zwar ablenken, aber die Gedanken kommen immer wieder hoch und sind im Unterbewusstsein präsent. Verdrängen ist unmöglich. Die einzig sinnvolle Art damit umzugehen ist für mich die Akzeptanz.

    AD(H)S an sich hat ja schon ein paar Gemeinsamkeiten mit Borderline, aber ich denke, dass ich ev. ein paar mehr habe und daher eine gewisse emotionale Nähe zu Borderlinern wahrnehme.

    Ich vermute, dass es bei mir eine Komorbidität ist, die nicht mit AD(H)S im Zusammenhang steht und auch nicht auf Borderline hindeutet, sondern ev. dazu hätte führen können, wozu es aber nicht ganz gereicht hat. Wie denkt Ihr darüber? Bin auf Eure Meinungen gespannt und wie ihr selbst diesen Aspekt an Euch erlebt.
    Geändert von Maulbeere (14.02.2014 um 12:08 Uhr)

  2. #2
    salamander

    Gast

    AW: Verschmelzungswunsch

    Ich weiß jetzt ganz ehrlich nicht, was an was du beschreibst ungedingt boderline sein muß.


    menschen sind sozial agierende wesen, das heißt, so ziemlich alle brauchen ein gegenüber.
    der zusammenhalt einer beziehung ist ein anderer als innerhalb freundschaften, von daher
    halte ich die sehnsucht nach bindung für etwas zutiefst menschliches, ebenso wie, dass es einen
    gehörig durcheinander wirbeln kann, wenn dieser zusammenhalt nicht gegeben ist. was einem
    menschen fehlt nimmt er intensiver wahr als was er hat.


    ich würde in dem zusammenhang auch das ad(h)s und die oft erwähnte etwas unterschied-
    liche wahrnehmung der gegenheiten ausklammern.


    zum thema persönlichkeitsstörung, die dimension dessen was ist, macht erst die störung. alle
    menschen - egal ob ad(h)s oder nicht - haben von allem etwas, jeder trägt von allem einen
    anteil in sich. die differenzierung findet über den ausgleich statt, und macht erst eine ps. also
    gleichen die anderen persönlichkeitsanteile es aus?


    und defakto fehlt dir ja ein teil deiner, wenn du als single lebst. also der teil deiner, der gerne
    in einer gemeinschaft/partnerschaft lebt, kann nicht ausgelebt werden. dafür fehlt der raum.
    das mußt du zwangsläufig so wahrnehmen, weil es den tatsachen entspricht. die frage ist
    dabei, ob es ein konitinuierlicher zustand ist, den du an 7 tagen die wochen, 24 stunden, über
    365 tage im jahr so empfindest, oder ob du genauso zeiten erlebst, in denen du alleine ein-
    fach glücklich und zufrieden sein kannst, also dein erleben auch genießt und erfahrungen
    machst, wo du bemerkst, hey, genauso wie es jetzt war, so wie ich war, wie mein leben ist,
    wie ich es erlebt habe, so war es gut. alles andere wäre zuviel gewesen, so war es gut, so
    hat es gepaßt. das kann die funktion einer ausbalancierten waage haben. aber du mußt
    dir dessen auch bewußt werden können, also es herein lassen, dass es das ebenso in
    deinem leben gibt. genauso wie das andere.


    das andere thema, herkunftfamilien und familiensysteme, sicher kann das eine rolle spielen,
    für das spätere leben, oft tut es das auch, aber es ist nicht zwangsläufig so.


    symbiose, wie definierst du das? es ist ein anders erlebens, wenn du mit jemandem gemeinsam
    ein schönes erleben teilst, und dich mit der person daran erinnerst, als wenn du alleine etwas
    sehr schönes erlebst. Es gibt dann niemanden, mit dem dich dieses erleben verbindet, es ist
    einzig und alleine deines, wenn du es vergißt ist es weg. wenn du es mit jemandem gemeinsam
    erlebt hast, wird es immer etwas sein, was euch verbindet. ihr werdet euch gegenseitig daran
    erinnern, damit bleibt es, auch wenn es vergangen ist.


    ich finde das sind dinge, derer man sich bewußt werden sollte. weil sie das leben ausmachen.


    die nächste punkt: abhängigkeit. indem augenblick in dem du mit jemanden zusammen bist,
    bist du zwangsläufig in der abhängigkeit. es läßt sich gar nicht vermeiden. egal ob eine ps
    oder keine ps. jeder mensch - egal wie sicher und ausgeglichen - empfindet es so. der andere
    wird zum teil des eigenen lebens, damit wird er auch zu einem teil deiner, er gehört dazu, da-
    mit kommen abhängigkeiten, wenn man es denn so nennen möchte, ich würde es nicht tun,
    es liegt in der natur aller bindungen, dass es so ist. darum trauern menschen, bei trennungen,
    verlust und tod. es macht das wesen von bindungen aus. also ist es keine abhängigkeit sondern
    verbundenheit miteinander, wenn diese geht, oder selbes droht, holt es viele ängste hervor.


    ich wär da mal sehr vorsichtig mit allen persönlichkeitsstörungen die es gibt. klar kann es eine
    tendenz dahin geben, ausschließen kann das niemand für sich. aber die ps werden auch sehr
    inflationär gehandelt, ohne sich darüber klar zu sein, was da alles zusammen spielt und zusam-
    men spielen muß.


    lg
    salamander

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 65

    AW: Verschmelzungswunsch

    Als ich mal bei einer Freundin im Laden dort ein Gummihaarband schnallte am Handgelenk, kam ich vor Schmerzen fast um am ganzen Körpr. Ich hatte keine Ahnung, wer sich da mit mir Verschmelzt hatte, bis vor kurzem, ich hab den Eindruck, derjenige denkt, das ich narzisstisch bin. Derjenige und ich trainierten mal zusammen und er hat kurze Bewegungen mit der Hand am Metall gemacht. Der Vorteil, ich konnte ihn mit Gewichten genauso "anleinen", wie er mich mit Metall. Das ist eine ganz besondere Liebe zwischen uns.


    Wenn Du Verschmelzungen magst, vorsicht, es kann unwahrscheinlich schmerzhaft sein!

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    AW: Verschmelzungswunsch

    Hallo Salamander,

    danke für Deine sehr ausführliche Antwort :-)

    Ich gebe Dir recht, dass man bei PSen vorsichtig sein muss und das es auf die Ausprägungen der Merkmale und dessen Summe ankommt.
    Ich denke auch nicht, dass ich eine habe, aber das dieses Merkmal bei mir schon viel deutlicher als 'normal' ausgeprägt ist.
    Ich denke auch nicht, dass dieses Merkmal bei mir durch andere ausgeglichen werden kann.
    Ich gehe davon aus, dass ich in meiner Kinderzeit ein emotionales Defizit erlebt habe,
    nie Liebe und Lob richtig kennengelernt habe durch meine Eltern.

    Es ist bei mir ein kontinuierlicher Zustand, den ich im Grunde besonders ausgeprägt ab meinem 23./24. Lebensjahr empfinde.
    Es ist der Zeitpunkt meiner ersten Partnerschaft, in der ich zuvor nie dargewesene, sehr intensive positive Gefühle wahrgenommen habe.
    Aber das Gefühl der Geborgenheit, Nähe und Zuneigung muss ich schon viel früher vermisst haben, sonst würde ich wahrscheinlich nicht mit 7 auf die Idee gekommen sein, mich anzuleinen.
    Bis vor wenigen Jahren, immer außerhalb einer Partnerschaft, habe ich häufig an einer Leine geschlafen, um mir gedanklich mit Hilfe der Vorstellungskraft diese zu simulieren.
    Ich habe mir auch ernsthaft vorgestellt, wie es wohl ist, jemandes Heimtier zu sein und an der Umsetzung mehr oder weniger gearbeitet.
    Ich habe mir öfters vorgestellt, wenn ich glückliche Hunde mit einem netten Frauchen im Wald gesehen habe, wie es wohl wäre ihr Heimtier zu sein,
    denn wenn ich mich als Hund betrachte, kann ich Verantwortung abgeben, kann Geborgenheit, Nähe und Zuneigung empfinden.

    Wenn ich den letzten Abschnitt so lese, kommen mir da leichte Zweifel, ob ich wirklich keine PS habe ^^

    Meine Sehnsucht nach Verschmelzung/Symbiose ist denke ich schon intensiver als bei anderen Menschen, die scheinbar ohne auch klarkommen.
    Auch wenn diese sich vielleicht nach einer Beziehung sehnen. Ich dagegen bin fast handlungsunfähig, sehe den Sinn meines Lebens nicht, wenn ich mich einsam fühle
    und bin in diesem Dauerzustand absolut unmotiviert. Jede Tätigkeit in Einsamkeit ist für mich sehr anstrengend und ich muss mich sehr motivieren und mir einreden,
    dass ich bald jemanden finden werde. Die Hoffnung auf die Zukunft ist das, woran ich mich klammer. Ich denke mehrmals täglich, 365 Tage im Jahr
    und seit mindestens meinem 23./24. Lebensjahr an meine Einsamkeit, die es zu beheben gilt. Mein Gefühl der Einsamkeit kann nur durch eine
    funktionierende Partnerschaft verschwinden. Ich fühle mich auch unter Freunden einsam und wenn ich nicht alleine bin.

    Wie definiere ich Symbiose/Verschmelzung?

    Es gibt einem das Gefühl, gefunden zu haben, was das Leben lebenswert macht und diesem den Sinn gibt. Es schafft das Gefühl von Zuhause, Geborgenheit, Nähe und Zuneigung.
    Es macht glücklich und zufrieden. Nur in ihr kann ich echte Zufriedenheit erlangen. Etwas sehr wichtiges, was mir fehlte, fehlt nicht mehr.

  5. #5
    salamander

    Gast

    AW: Verschmelzungswunsch

    okay, bei dem was du beschreibst, welche sehnsucht du in dir trägst, vielleicht wäre es hilfreich,
    wenn du dir einen therapeuten suchst, mit dem du deine themen durcharbeiten kannst, und der
    dir hilft ursachen und lösungen zu finden.



    das geht tiefer bei dir. ich glaube nicht, das "wir hier", dir da helfen können. da denke ich, braucht
    es jemanden mit großem einfühlungsvermögen und professioneller distanz, der dir hilft dich zu
    spüren und zu finden, was und wonach du suchst und dich sehnst.



    ich habe auch schon therapie gemacht. ich möchte diese erfahrung um nichts in der welt missen.
    darum empfehle ich es.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    AW: Verschmelzungswunsch

    Hallo Baileye-19,

    schmerzhaft ist es für mich auch ohne Verschmelzung schon sehr und eine andere Wahl habe ich nicht wirklich.
    Die Verschmelzung muss halt passen, denke ich, dann kann es eine sehr intensive und leidenschaftliche Beziehung werden.
    Ich finde es eine sehr schöne Vorstellung, sich gegenseitig zu vervollständigen, eins zu werden, zueinander zu stehen und
    für einander da zu sein. Eine Trennung kann natürlich dann sehr schmerzhaftz sein.
    Intensives Glück empfinden zu können impliziert auch,
    dass man intensiv leidet, wenn es auseinandergeht.

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    AW: Verschmelzungswunsch

    Ich habe auch schon eine Therapie gemacht - Grund war aber ein anderes Thema.
    Auf einen Umweg hat sie zu meiner ADS-Diagnose (ev. mit nem kleinen 'h') geführt, mit der ich mir fast alles erklären kann.

    Hilfe benötige ich keine, denke ich. Diese Empfindungen lassen sich ja auch ganz gut durch emotionale Vernachlässigung in der (frühen) Kindheit erklären.
    Verschwinden werden diese nicht, aber akzeptieren kann ich diese. Ich selbst habe mit der Akzeptanz keine Schwierigkeiten, doch scheint es für andere schwer akzeptierbar zu sein. Es sind halt nicht alle Menschen gleich, was die Empfindungen angeht - welche Gründe dafür auch verantwortlich sein mögen.
    Ich kann versuchen mit meinen Empfindungen glücklich zu werden, darin besteht die Lösung für mich.
    Auch weiß ich, wonach ich suche, muss nur noch finden :-)

    Mit meiner Selbstanalyse fühle ich mich allgemein nun auch eher am Ziel angekommen.

    Hilfe zu bekommen, war nicht mein Grund zu posten, sondern mich interessiert eher, wie oder wo Ihr diesen Aspekt einordnen würdet und ob Ihr ähnliche Empfinungen habt/kennt.

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