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Diskutiere im Thema Grenzen (an)erkennen im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    Grenzen (an)erkennen

    Hallo Leute,

    Ich hab's ja schon in einem anderen Thread angedeutet, aber es beschäftigt mich wirklich sehr.

    Heute habe ich mich körperlich verausgabt; ich wollte das, habe mich richtig danach gesehnt.
    Aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich plötzlich gemerkt habe: Mein Körper macht nicht mehr mit. Irgendwann hört er einfach auf zu funktionieren, und dann ist wirklich für einige Stunden Schluss.
    Es passiert mir oft, weil ich einfach nicht vorher aufhören kann. Und selbst, wenn ich dann an diesem Punkt angelangt bin, will ich das nicht akzeptieren. Ich habe immer das Gefühl, objektiv gesehen sei diese oder jene Anstrengung doch eigentlich harmlos - wieso sollte es bei mir nicht funktionieren? Wieiviel ich gegessen oder getrunken oder geschlafen habe etc. - kurz: die Bedingungen - klammere ich aus.. Wenn ich Schmerzen habe, kann ich das nicht einfach so annehmen, sondern fasse es als persönliche Niederlage auf ... Ich sollte weniger empfindlich sein.

    Am schlimmsten ist es also, wenn ich mich über-, oder die Situation unterschätze. Wenn der Körper dann nicht mehr mitmacht, setzt er mir eine Grenze. Damit habe ich sehr zu kämpfen. Mein schlechtes Gewissen macht mich rasend, und ich kann nichts anderes mehr denken, als mir morgen zu beweisen, dass ich mein eigenes Limit ausdehnen kann.

    Versteht jemand, was ich meine?

  2. #2
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 111

    AW: Grenzen (an)erkennen

    Ich glaub ich weiss was du meinst, ich hab sowas zwar bei anderen Dingen wie bei Sport, doch ich denk in manchen Sachen ähnlich, und es ist verdammt schwer zu akzeptieren das man nicht immer nochmehr und nochmehr kann, doch der "Dickkopf" will es einfach immer als Schwäche sehen, ist ein ätzender Teufelskreis, doch wenn man sich mal darüber gedanken macht ist es ein Urinstinkt, immermehr können bzw. machen zu wollen und dan frustriert drüber zu sein wenns nit klappt.

    Hilft nix schätz ich ausser zu Akzeptieren, das man nicht immer über gewisse Dinge hinaus alles haben kann was der kopf gern hät, hilfreich find ich es in so momenten, über Sachen nachzudenken zur ablenkung, über die man sich freut, das man sie hat,auf Sachen wo man stolz drauf sein kann sie erreicht zu haben, gebe zu ist ein schwerer Gedankenswitsch, aber bei mir schwächt er das Gefühl, dan zumind Zeitweise, oder auch manchmal was einfacher ist einfach der Gedanke, das es verdammt viele garnit erst soweit hinbekommen hätten, weil, ihnen der Wille fehlte.

    Einmal ein Kampf mit sich selbst schätz ich.

  3. #3
    Mega-Wusel

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 2.452

    AW: Grenzen (an)erkennen

    Hallo jetztaber,

    ich verstehe auch, was Du schreibst... So ging es mir eine ganze Weile mal, wenn ich Sport gemacht habe. Schmerzen am Anfang sah ich auch als Niederlage, Zeichen meiner nicht vorhandenen Fitness.. Irgendwann hat aber dieser Schmerz angespornt, immer weiter zu machen. Man hat sich wahr genommen... das war für mich in dem Moment ein tolles Gefühl.. Spür ich was, bin ich da.. Vor allem, wenn es mir schlecht ging war das irgendwie ein gutes Ventil.. Sich verausgaben, den Kopf frei zu bekommen, und dann wieder was zu fühlen... Klingt blöd, ist aber so.

    Jedoch zog sich das auch ins Berufliche.. Man will immer mehr. Ziele, die man erreichte und die damit verbundene Freude hielt nicht lange an.. Man wollte noch mehr, brauchte noch mehr Energie. Aber irgendwann macht der Körper schlapp. Man übergeht gewisse Signale (Schmerzen, Schlafstörungen) und irgendwann schafft man es nicht mehr, was man sich vorgenommen hat und das zieht runter.

    Ich denke, und das hat mir in meiner Therapie sehr viel weiter geholfen, dass man sich bewusst werden muss, wieviel man leistet (egal ob Sport oder Beruf oder privat). Ist das Ausmaß der Leistung angemessen? Wenn ich meine 200% geben zu müssen, liegt das daran weil es andere von mir erwarten oder erwarte ich es nur von mir selbst? Wieso reichen keine 100%? Das hat lange bei mir gedauert, bis ich das begriffen habe. Ich kann es immer noch nicht vollkommen umsetzen, aber ich sage mir immer öfter: Das was ich jetzt gerade tue, MUSS reichen. Nicht, dass ich schludere jetzt oder nachlässig werde, nein.. Vielleicht brauch ich länger, um ein Ziel zu erreichen, aber ich mach mich auf Dauer nicht kaputt.. Sicher stresst mich mein Job noch tierisch.. ABER ich gehe pünktlich und komme morgens pünktlich und nehme keine Arbeit mit nach Hause... für mich schon ein drastisches Herunterfahren an Initiative, die ich an mich immer gestellt habe.. und glaubte, die man von mir erwartete..

    LG Schnubb

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    AW: Grenzen (an)erkennen

    Danke für eure Antworten.

    Nein, es ist bei mir auch nicht nur im Sport; sagen wir eher, es macht auch beim Sport nicht halt - obwohl ich nie eine Sportskanone war..
    Es ist so, wie Schnubbel sagt; ich möchte immer mehr und kann mich nur für kurze Zeit mit einem Status quo zufrieden geben - egal in welchem Bereich.

    Aber bei mir geht es nicht darum, dass ich das Gefühl habe, den Erwartungen anderer gerecht werden zu müssen. Viemehr will ich mich einfach selbst übertreffen. Den Druck soziaer Konventionen spüre ich auch, weil ich da einfach nicht reinpasse - aber ich mache dennoch immer mein eigenes Ding, auch wenn es mir manchmal Nachteile bringt; mich wirklich anzupassen muss ich noch lernen, denn dafür ist mein Kopf zu stur. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass ich den Erwartungen anderer an mich nachzeifern versuche. Es ist ein Kampf gegen mich selbst.

    Es stimmt, der Moment, in dem ich meine eigenen Grenzen ausdehne, gibt mir ein Hochgefühl; weshalb ich es auch nicht missen möchte. Was unangenehm ist, ist nur das schlechte Gewissen, das Gefühl des Scheiterns.

  5. #5
    Mega-Wusel

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 2.452

    AW: Grenzen (an)erkennen

    Liebe jetztaber,

    gerade Deinen letzten Satz kann ich mehr als gut nachvollziehen. Ging mir auch schon oft genug so.

    Du solltest aber auch sehen, dass Deine Ansprüche an Dich immer höher werden. Dein Kopf nimmt die Erfolge wahr und ist kurzfristig euphorisch. Was ihm aber nicht reicht, also strebt er nach noch höherem. Was ansich nicht schlimm ist, weil ja ein gewisser Antrieb dahinter steht. Nur wird der Körper hinten an gestellt. Der Kopf will seine Erfolge, über die Grenzen des körperlichen Leistungsvermögens hinaus. Das muss nicht nur beim Sport der Fall sein. Gerade auf Arbeit ist das verbreitet. Man stellt die elementaren Bedürfnisse zurück, nur um Erfolg zu spüren. Und irgendwann laufen der Wille des Geists nicht mehr auf einem Level mit der Kraft des Körpers und du kommst an den Punkt, wo Du Dich als gescheitert fühlst. Im Prinzip hast Du aber sicherlich bereits mehr geleistet, als vielleicht andere.

    Ich denke, diese Erfolgsfreude wandelt sich schnell in eine Erfolgsgier.. Man will sich belohnen. Glaube das ist so ziemlich typisch für ADHSler, dass man mehr Bestätigung oder Belohnung braucht, um sich erstmal selbst wertschätzen zu können. Von diesem Zug abszuspringen ist mehr als schwer.

    Bei mir hat's ewig gedauert und permanent stellte sich wieder die Burnoutsymptomatik ein, weil man einfach nicht mehr kann. Und wenn die Erfolge ausbleiben, dann verfällt man in depressive Phasen und dann beginnt ein Teufelskreis. Man will auf biegen und brechen und merkt aber, dass es nicht geht.. bzw. irgendwann nicht mehr gehen kann..

    Ich weiß, ich bin genauso.. ich lerne aber immer noch und konnte mittlerweile schon umsetzen, dass man eben nicht immer über das normale Maß hinaus "abliefern" muss. Das ist kein Schritt zurück, auch wenns Dir erst so erscheinen mag. Es müssen nicht 200% oder mehr sein... Es reichen auch 150 oder nur 100%... Und die Welt wird sich weiter drehen. Dein Körper bekommt wieder Kraft und die Erfolge stellen sich ein... bzw. bleiben erhalten, weil Du Dein Level konstant hältst und halten kannst. Dann siehst Du auch die kleinen Erfolge wieder.

    Mittlerweile gelingt mir das halbwegs. Wenn ich merke, dass ich meine Erwartungen an mich zu hoch gesteckt habe, dann versuch ich zu sehen ob mein gestecktes Ziel realistisch ist, bzw. was passieren würde, wenn ich es doch nicht so schnell erreiche. Ob daran schwerwiegende Konsequenzen geknüpft sind.. ist dies nicht der Fall (Geschirr bleibt eben mal stehen oder irgendwas ist nicht so perfekt, aber trotzdem absolut ok), dann kann ich es akzeptieren.

    Wo mir das nicht gelingt ist Druck, der mir von außen auferlegt wird. Siehe Arbeit. Natürlich hab ich da auch einiges anders gemacht, als vorher. Ich komme und gehe pünktlich und nehme nichts zum Arbeiten mit nach Hause. Aber unter der Arbeitszeit merke ich gerade bei meinem neuen Chef, dass er genauso erfolgshungrig ist. Er ist mit mir sehr zufrieden und deshalb lädt er mir immer mehr auf. Es gibt zwar Lob, aber die Zeitfenster für gewisse Dinge, werden kleiner, die geschäftlichen Ziele immer höher gesteckt.. Ob diese erreichbar sind, weiß ich nicht. Irgendwann passieren Fehler..

    Bist Du in Therapie?

    LG Schnubb
    Geändert von Schnubbel (18.12.2013 um 07:30 Uhr)

  6. #6
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.457

    AW: Grenzen (an)erkennen

    Hallo Jetztaber,

    Es kommt mich irgendwie bekannt vor. Wenn ich jünger war, war es auch oft so bei mich. Wir leben halt in eine Leistungsgesellschaft und wer viel leistet ist auch viel wert... So was bekommt man rasch zu spüren und verinnerlich es auch.

    Ich habe auch nicht früh gelernt meine Grenzen zu spüren... Sie waren ehe "falsch" laut anderen...

    Ich musste echt zusammenbrechen um zu lernen, mehr auf mich zu achten... Es ist zwar gut wenn man vorher lernt und wenn es bei dich auch vorher geht so was zu lernen ist gut, aber vielen müssen zuerst mal recht eine Weile flachlegen um zu begreifen... Bei mich war es so... Ich war da echt stur!
    Ich dachte auch, meine Grenzen kann ich doch ausdehnen. Aber mein Körper hat mich dann sehr sehr deutlich gezeigt, dass er seine Grenzen hat, sie sind wo sie sind, ob es mich passt oder nicht. Sie sind nicht ausdehnbar.

    Es ist langsam gekommen, mit die Jahren, dass ich merken kann, wenn es zu viel ist. Immer wieder mich beobachten, mich bremsen wenn ich merke, es ist zu viel. Mit der Zeit merke ich immer schneller. Da ich ehe zu weit gegangen bin, bin ich auch weniger belastbar geworden und merke es auch rascher wenn ich wieder übertreibe.

    lg

  7. #7
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 395

    AW: Grenzen (an)erkennen

    Hallo jetztaber und die andern

    Ich kenn das von mir auch dass ich nicht wirklich meine Grenzen sehe...
    Wenn ich etwas tue was getan werden muss dann ist es genau wie bei dir vollkommen egal wie mies es mir geht oder ob ich seit Tagen nicht geschlafen oder gegessen habe, andere schaffen das auch also muss ich das wohl auch können, und merke dann erst wenn xyz beendet ist wie mein Körper in sich zusammensackt und ich vollkommen überfordert bin...

    Dadurch bin ich auch schon öfter im Krankenhaus gelandet, da mein Körper einfach schlapp gemacht hat, bzw mir irgendwelche Probleme aufgedrängt hat die mich gezwungen haben aufzuhören...

    Meine Probleme, Ängste, Lärm- und Lichtempfindlichkeit etcpp sind für mich zwar unglaublich nervenzerreibend, aber ich tue einfach so als wären sie nicht da als hätte ich wie eine ''normale'' Person keine Probleme in der Richtung, als Begründung vor mir wieso ich dies oder jenes können muss, aber da sind sie ja trotzdem noch

    Mir wurd schon so oft gesagt ich soll mal kürzer treten und mich nich immer hierzu und dazu zwingen, vorallem von Ärzten...

    Aber dann denk ich mir es kann doch nicht sein dass die einfachsten und normalsten Sachen so Unmengen an Kraft rauben...

    Mittlerweile geht es ein bisschen besser weil ich versuche mir das einfach einzugestehen dass ich nunmal einfach nicht kann...

    Aber es ist trotzdem noch ziemlich schwer...

    Lg Cat

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