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Diskutiere im Thema Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    Ich habe mal wieder ein Problem im zwischenmenschlichen Umgang. Es geht um einen Festivalbekannten, den ich Anfang 2011 auf einem Konzert kennengelernt habe. Er studiert in Süddeutschland, stammt ursprünglich aber aus einem anderen Land in Westeuropa. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, aber auf beiden Seiten war nie "mehr" im Spiel. Er ist über 14 Jahre jünger und hatte zum Zeitpunkt unseres Kennenlernens eine feste Freundin. Im Frühjahr 2012 wurde unser Kontakt intensiver. Ich schrieb ihm eine kurze Mail, weil ich eine Info brauchte und erhielt eine längere Antwort. Da ging es mit unserem Schreibkontakt los. Seitdem schrieben wir uns 1-2 längere Mails im Monat und fuhren häufiger zusammen auf Gigs.

    Im September 2012 verließ er wegen eines Auslandsaufenthaltes seinen Wohnort für eine ganze Weile und kehrte im Mai dieses Jahres zurück. Wir erzählten uns eine Menge Geschichten aus unserem Alltag und ich freute mich, endlich mal wieder jemanden getroffen zu haben, der sich (auf platonischer Basis) ernsthaft für mich interessierte. Trotz Auslandsaufenthalt wurde unser Kontakt immer enger und zwar auch dann, als er wieder eine neue Freundin gefunden hatte. Als ich vor über einem Jahr erfuhr, dass er über die Feiertage 4 1/2 Wochen in Deutschland sein würde, fragte ich ihn ca. einen Monat vorher nach einem Treffen. Danach brauchte er zum ersten Mal etwas länger für die Antwort, die leider negativ ausfiel. Er schrieb, dass er die ganzen 4,5 Wochen total verplant war mit Besuch von Familie und anderen Freunden in ganz Deutschland. Ich war schon ein wenig traurig, dass er sehr viele Leute besuchen wollte, aber mich nicht, dachte mir aber: "Nun gut, dann eben ein anderes Mal" und machte kein Theater deswegen.

    Anschließend blieb unser Kontakt weiterhin so schön wie zuvor. Das änderte sich mit seiner Rückkehr im Mai 2013. Da schrieb er mir überraschenderweise, dass er an Depressionen erkrankt sei. Dies sei bereits im Ausland passiert. Er hätte es eine Weile auf die fremde Umgebung geschoben, aber die Rückkehr nach Deutschland hätte nichts verändert. Ich ging auf ihn ein und war für ihn da. Schließlich bezeichnete er unser Verhältnis mittlerweile als richtige Freundschaft, und ich finde es normal, dass Freunde füreinander da sind. Ich machte ihm das Angebot, mich gemeinsam mit seiner Freundin mal am Wochenende zu besuchen, weil ich ihn auf andere Gedanken bringen wollte.

    Leider meldete er sich nach dieser Mail über 4 Monate (bis September) nicht bei mir. Er reagierte erst, nachdem ich ihm eine SMS geschrieben hatte, weil ich mir ernsthaft Sorgen machte. Er meinte, ihm wäre die Szene und das ganze Drumherum momentan etwas zu viel und er würde sich derzeit eher auf andere Sachen konzentrieren. Aber er würde auf jeden Fall im November ein bestimmtes Festival besuchen. Im Oktober schrieb ich ihm zurück und fragte ihn wie es mit dem Festival aussah, damit wir evtl. gemeinsam die Fahrt planen konnten. Irgendwann war es soweit. Ich war auf dem Festival, er war weder anwesend noch hatte er mir auf meine letzte Mail geantwortet. Der Mann war vorher immer extrem zuverlässig gewesen und beschwerte sich häufig über irgendwelche Leute, die monatelang oder gar nicht auf seine Mails antworteten.

    Samstag war es soweit, wir sahen uns das erste Mal seit seinem Flug ins Ausland Mitte letzten Jahres wieder. Ich wusste davon vorher, auch wenn er sich nicht gemeldet hatte… er hatte meinen besten Freund nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt, sich dann aber letztendlich umentschieden und mit einem Bekannten eine Übernachtung in einem Hotel gebucht. Obwohl wir uns soooo lange nicht gesehen hatten, schien er nicht wirklich erfreut, mich zu treffen. Als er mir die Hand gab, schaute er mich kaum an und redete gleich wieder mit einem anderen Bekannten (früher nahm er mich zur Begrüßung immer in den Arm). Er suchte den ganzen Abend nicht ein einziges Mal das Gespräch mit mir. Wir redeten nur einmal kurz oberflächlich, als ich ihn ansprach. Er war total kühl und reserviert. Dabei war er immer derjenige, der sich über die Stimmungsschwankungen anderer Menschen aufregte und dieses Verhalten permanent kritisierte. Zur Verabschiedung rief er mir nur kurz "Tschüß" entgegen und lief schnell davon.

    Von unserer Freundschaft ist nichts mehr übrig. Es ist nichts vorgefallen. Ich kann es noch verstehen, wenn er emotionalen Abstand von gewissen Dingen braucht und gerade nicht unbedingt über persönlichere Themen reden möchte. Deshalb habe ich die letzten Mails eher Small Talk-mäßig gestaltet. Aber der Mann antwortet nicht mal mehr, wenn ich einen Mitfahrer fürs Bahnticket suche. Mit den anderen Leuten bei uns tauscht er sich auch nicht intensiv aus, aber antwortet ihnen relativ flott und schreibt sie an zwecks Fahrgemeinschaften. Nur mich schließt er komplett aus seinem Leben aus, obwohl zwischen uns absolut nichts vorgefallen ist. Er meinte auch immer, dass Leute mit Nähe-Distanz-Problem super anstrengend seien und er total froh wäre, mich getroffen zu haben. Und jetzt verhält er sich auch distanziert, obwohl ich ihm nie zu nah gekommen bin (wie gesagt, Liebe und Sex waren zwischen uns nie ein Thema).

    Mich macht das Ganze sehr traurig. Das hat mich am Samstag echt runtergezogen, obwohl der Abend sonst total schön war. Wir waren uns freundschaftlich sehr nah… da kann ich nicht auf einmal so tun, als ob wir uns kaum kennen und fast nichts voneinander wissen. Es ärgert mich, dass oberflächliche Menschen, die sich wenig bis null um das Wohlergehen der anderen scheren, mehr in deren Leben einbezogen werden als ich, die sich immer für den Menschen an sich interessiert. Würdet Ihr an meiner Stelle das Gespräch mit ihm suchen? Wenn jemand so sehr auf Distanz geht und ich seine Gründe nicht kenne, macht mich das innerlich echt fertig. Ich möchte wissen, was das soll. Sonst kann ich mich auf nichts mehr konzentrieren und bin nur noch total down. Ich kann das nicht einfach so hinnehmen, sonst raste ich eines Tages noch aus .
    Geändert von WeißeRose (16.12.2013 um 07:09 Uhr)

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    1. Freundschaften laufen manchmal einfach aus. Ist schade aber ist so. Interessen ändern sich, Menschen entwickeln sich.

    2. Klarer Fall von: Hör auf den Bauch. Raten kann ich dir nicht konkret aber mach was dir richtig erscheint. Und sei nicht zu getroffen - siehe Punkt 1.


    ---
    Gesendet von meinem Telefon ... was die heute können ...

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3.179

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    Ich kann gut verstehen, dass dich sein Verhalten verletzt. Hat vielleicht seine neue Freundin von ihm verlangt, sich zu distanzieren? Oder hat seine Depression etwas damit zu tun?

    Oder hat er trotz allem Angst, dass du mehr als nur eine platonische Freundschaft anstrebst?

    An deiner Stelle würde ich ihm schreiben, dass du irritiert bist und gerne den Grund für seinen "Rückzug" kennen würdest. Möglichst sachlich und ohne Vorwürfe.

    Vielleicht könnt ihr so ein Missverständnis klären, oder du weisst, dass du die Freundschaft "abhaken" musst, auch wenn es weh tut.

    Aber ich denke, eine Klärung wäre wichtig.

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    @Wildfang: Sowohl er als auch ich haben immer noch dieselben Interessen wie früher. Als er mir im Mai von seinen Depressionen erzählte, meinte er auch, dass er sich verändert hätte. Ich habe ihn nicht gefragt, was er damit meinte und hoffte, er würde mir das im Laufe der Zeit von sich aus erzählen. Das war für mich aber kein Zeichen für das Ende unserer Freundschaft, während er mit anderen Leuten aus der Szene immer noch lockeren Kontakt pflegt.

    @Carla: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er vermutet, ich würde evtl. doch mehr wollen. Er kennt nämlich meine Geschichte mit dem besagten Mann aus meinem Thread in – und auswendig und weiß sehr genau, wem mein Herz während unserer Kontaktphase gehörte. Außerdem ist der Altersunterschied zwischen uns doch sehr groß. Das hat uns nie gestört. Er hat mehrere platonische Freundinnen, und eine davon ist noch älter als ich. Der Mann gehört nicht zu den Typen, die nur mit Frauen Kontakt haben, von denen sie sich „mehr“ erhoffen.

    Ich habe mir auch schon überlegt, ob seine neue Freundin etwas damit zu tun haben könnte. Aber ich weiß nicht einmal, ob er überhaupt noch mit ihr zusammen ist. Er hat sie schon ewig nicht mehr in meiner Gegenwart erwähnt. Um ehrlich zu sein kann ich mir das auch nicht wirklich vorstellen. Er hat mir sehr ausführlich von seiner Ex-Freundin erzählt, von welcher er sich im Sommer 2011 getrennt hatte. Sie war eine alte Schulfreundin aus seinem Heimatland. Als er wegen des Studiums nach Deutschland zog, führten die Beiden monatelang eine Fernbeziehung über ca. 600 km Distanz. Das Mädel klammerte total und war rasend eifersüchtig. Sie wollte ihn trotz Entfernung jedes Wochenende sehen. Er musste trotz Geldproblemen und nicht vorhandenem Auto jede Woche mit der Bahn die weite Fahrt auf sich nehmen, weil sie keine Lust hatte ihn in seinem Studienort zu besuchen. Unter der Woche konnte er auch nur wenig lernen, weil sie dauernd telefonieren und schreiben wollte. Wenn er mal was für die Uni machen oder Freunde treffen wollte, machte sie ihm jedes Mal eine Szene und drohte mit Selbstmord. Eines Tages wurde es ihm zu anstrengend, und er machte Schluss.

    Als er seine neue Freundin kennenlernte, war er glücklich, weil sie im Gegensatz zu seiner Ex total unkompliziert war. Er betonte immer, dass ihm seine Freiheit sehr wichtig sei und er auch als gebundener Mann seine Hobbys pflegen und regelmäßigen Kontakt mit seinen Freunden pflegen wollte. Ich fände es sehr merkwürdig, wenn sie der Grund für sein Verhalten wäre. Sie hat mich noch nie gesehen und kann sich logischerweise auch kein Urteil über mich bilden. Ob er mit seinen anderen platonischen Freundinnen noch Kontakt hat, weiß ich nicht. Ich kenne diese Frauen nicht persönlich, sie stammen aus einem anderen Umfeld.

    In seiner letzten Mail schrieb er mir, dass er gerade zur ganzen Szene auf Abstand geht. Zwar liebt er die Musik heiß und innig wie eh und je (das hat man Samstag auch gemerkt), aber das ganze Drumherum strengt ihn gerade etwas an. Er meldet sich nur noch selten in den ganzen Musikforen. Ich finde es aber seltsam, dass er immer mal wieder diverse Bekannte zwecks Bildung von Fahrgemeinschaften kontaktiert, aber mich überhaupt nicht mehr in seine Planung berücksichtigt und einfach nicht reagiert, wenn ich ihn zwecks Mitfahrgelegenheit frage. Bis vor ca. einem halben Jahr hätte er so eine Aktion niemals gebracht.

    Ich glaube eher, dass es mit seiner Depression zu tun hat. Vielleicht ist es ihm unangenehm, dass er mir davon erzählt hat? Ich bin mir sicher, dass die anderen Bekannten nichts darüber wissen. Vermutlich kann er – wie die meisten Männer, die ich kenne – das nicht wertschätzen, wenn jemand auch in schlechten Zeiten für ihn da ist und ihn jederzeit mit Respekt behandelt. Ich habe diesen Mann lange als sehr selbstbewusst eingeschätzt und war erstaunt, als er mir irgendwann erzählte, er hätte ein total niedriges Selbstwertgefühl und würde sich für einen Versager halten.

    Mir fällt auf, dass der Großteil meiner männlichen Bekannten absolut nicht mit Lob, Komplimenten und anderen Nettigkeiten meinerseits umgehen kann. Meinem besten Freund ist das auch schon aufgefallen. Ich habe schon mehrere Personen ein wenig auf die Probe gestellt. Und zwar nicht, weil ich Spielchen mag, im Gegenteil… ich wollte einfach nur schauen, wie die Leute auf mich reagieren, wenn ich mich anders benehme. Wenn ich immer nett bin (weil es keinen Grund für Zoff gibt), gehen sie auf Distanz, bringen unverschämte Aktionen und verlieren den Respekt. Ich habe einige Male als Test völlig grundlos dumme Aktionen gebracht: E-Mails und SMS nicht beantwortet, bin anderen voller Absicht ins Wort gefallen, hab´ zwischendurch pampig „Jetzt halt doch mal die Klappe!“ oder so ähnliche Sprüche von mir gegeben, 2 Verabredungen zugesagt und bin dann ohne abzusagen einfach nicht erschienen, habe mich später auch nicht dafür entschuldigt oder sonstwie erklärt und manche Leute in Unterhaltungen innerhalb einer Gruppe ohne ersichtlichen Grund mit gehässigen Bemerkungen abgewertet.

    Diese Verhaltensweisen entsprechen normalerweise absolut nicht meiner Persönlichkeit. Eigentlich werde ich nur dann richtig böse, wenn mir jemand Schlechtes tut und ich mich wehre. Ich behandle niemanden grundlos schlecht, das waren alles nur Tests. Aber was glaubt Ihr, haben sich diese Leute nach den Tests von mir zurückgezogen oder mich auch nur ansatzweise ihre Wut spüren lassen? Nein, ganz im Gegenteil! Alle waren total lieb, obwohl ich ohne Grund dermaßen fies zu ihnen war und ihnen weh getan habe. Ich werde auf den Gigs auch fast gar nicht mehr von Betrunkenen angemacht, seit ich mich mit Ohrfeigen, Tritten und Faustschlägen wehre. Früher habe ich die Leute nur kurz beschimpft und von mir geschoben, damals wurde ich belächelt.

    Das ist doch krank! Ich werde das niemals verstehen. Ich habe einen besten Freund und eine beste Freundin, die mich IMMER respektieren und in deren Gegenwart ich nicht die Böse spielen muss. Echt traurig, dass manche Leute so schräg drauf sind. Mich kostet das sehr viel Kraft, wenn ich böser tun muss als ich eigentlich bin. Eine Bekannte meinte das wäre Durchsetzungskraft. Die meisten Leute würden auf ein aggressives „Jetzt halt´ doch mal die Klappe!“ eher hören als auf ein höfliches „Entschuldigung, darf ich auch etwas zum Thema beisteuern?“, wenn eine Person lange am Stück reden und man selbst auch mal zu Wort kommen möchte.

    Ich bin noch am Überlegen, was ich in Bezug auf diesen Mann mache. Vielleicht warte ich bis zum nächsten zufälligen Treffen ab, ich weiß es noch nicht... Auf viele wirkt so eine Mail ziemlich anbiedernd. Mit Höflichkeit bin ich meistens nicht sonderlich weit gekommen.

  5. #5
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 750

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    Hallöchen,

    kommt mir sehr bekannt vor was du schilderst. ich habe viele freunde losgelassen in meinem leben.
    stell dir vor was passiert ist: einige sind zurück gekommen und haben mir hinterher erklärt, dass sie
    mich in der zeit nicht verletzen wollten und deshalb auf Distanz gehen mussten.

    Du bist verletzlicher als andere (genau wie ich) deshalb hast du schlechte Erfahrungen machen müssen.
    Wenn man nett ist, bekommt man meist nen A....tritt.
    Du hast ja selbst gesehn wie die Leute auf dich reagiert haben als du fies warst.
    Denen macht das nix aus weil die selbst so sind.
    es gibt solche und solche.

    du kannst nie wissen was in den Köpfen der Andern vorgeht und solltest versuchen es nicht so persönlich nehmen.

    Es liegt sicher nicht an dir!!!

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 86

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    Mit Depressionen kenne ich mich (leider) ein bisschen aus.
    Ich glaube, ich habe mich manches Mal schon wie dein Freund verhalten, selbst gegenüber Menschen, die "in meinem Herzen wohnen".

    Es kann tatsächlich sein, dass er wegen dieser Krankheit so "unzuverlässig" und anders wurde und nun solch ein schlimmes schlechtes Gewissen hat, dass er davon ausgeht, dass du nichts mit ihm zu tun haben willst, auch wenn du ihm etwas anderes signalisierst.

    Ich kann das unheimlich schwer beschreiben und erklären, und doch ist mir das so vertraut, weil ich es von mir, aber auch von Menschen in meinem Umfeld, die unter Depressionen leiden, kenne.

    Dass das für dich ganz schlimm ist, weiß ich.
    Wenn es zu sehr schmerzt, geh auf Distanz, selbst wenn es für ein Jahr sein sollte.
    Aber gib dir keine Schuld!
    Ich weiß, das ist sehr schwer, aber wenn jemand anderes an Depressionen leidet, darfst du den Grund für sein seltsames Verhalten nicht bei dir suchen! Niemals!

    Es tut mir leid, ich klinge total wirr, oder?
    Ich leide gerade richtig mit dir mit, und doch fehlen mir die Worte, um dich etwas zu beruhigen.

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    @Angel A: Was du schreibst, erinnert mich an das Verhalten meiner Mutter, die mich schon öfters angelogen hat um mich vor seelischen Verletzungen zu schützen. Da fühle ich mich immer wie ein Kleinkind behandelt. Ja, ich bin ein sehr sensibler Mensch. Wenn auch nicht überempfindlich und schon gar nicht nachtragend. Ich werde wohl nie begreifen können, warum so viele Menschen eher Leute respektieren, die alles andere als nett zu ihnen sind. Mir ist es auch schleierhaft, warum manche mit dem Satz "Du bist mir zu nett" als Partner abgelehnt werden. Ich habe mich immer nach Harmonie in einer Partnerschaft und guten Freundschaften gesehnt, weil die Streitkultur in meinem Elternhaus für mich ziemlich anstrengend war.

    @Florentine: Ich hatte bis vor einigen Monaten auch Depressionen, hauptsächlich aus Liebeskummer. Allerdings schaffe ich es immer, mich regelmäßig bei Familie und Freunden zu melden - ganz egal wie schlecht es mir geht. Bei mir fragt sich niemand, warum ich auf einmal so anders bin bzw. gehe ich niemals zu anderen Leuten auf Distanz, ohne sie vorher über die Gründe aufzuklären. Ich bin recht gut durchschaubar, weil ich noch nie ein widersprüchlicher Mensch war.

    Habe mir übrigens mal wieder die letzten paar Mails von ihm durchgelesen. Da gibt es nichts, was auf Zoff schließen lässt. Er klang nach wie vor sehr interessiert an meinem Alltag und überhaupt nicht sauer oder so. Nur wurden halt die Abstände zwischen den Mails immer größer, und meine letzte Nachricht hat er noch gar nicht beantwortet. Wir haben uns so lange nicht gesehen. Er schrieb immer wieder von seiner Vorfreude auf das erste Wiedersehen nach dem Auslandsaufenthalt. Jetzt ist er schon 7 Monate wieder in Deutschland, wollte über ein halbes Jahr lang niemanden sehen und war am Samstag so komisch zu mir. Aber eben hauptsächlich zu mir, und das wurmt mich schon ziemlich.

  8. #8
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 750

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    guten morgen,

    ich kann deine Worte sehr gut nachempfinden.
    Ich bin jetzt 36 Jahre jung und habe Anfang diesen Jahres meinen Freund kennengelernt.
    Er ist genau der "zu nette" oder "treudoofe" Typ, aber genau deshalb habe ich mich für ihn entschieden.

    Endlich habe ich den Richtigen!

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    Das freut mich sehr für dich . Ich habe schon viele Männer kennengelernt (freundschaftlich, aber auch für "mehr"), die sich darüber beschwert haben, dass Frauen sie "zu nett" finden und deshalb nicht wollen. Einige dieser Männer habe ich lieb gewonnen und ihnen freundschaftlich oder beziehungstechnisch eine Chance gegeben. Tja.... im Umgang mit mir waren sie aber definitiv nicht "zu nett", sondern das Gegenteil. Nur mein bester Freund, der prinzipiell keine Beziehung will, ist wirklich zu allen Leuten immer nett und fair (und wurde auch schon öfters schlecht behandelt).

    Am WE meinte ich zu ihm, ich wünschte ich wäre kühler und oberflächlicher. Dann würde mir so manche Erfahrung erspart bleiben. Er möchte, dass ich bleibe wie ich bin. Irgendwie lerne ich überwiegend Leute kennen, die hauptsächlich oberflächliche Kontakte pflegen - egal in welchem Umfeld ich mich bewege. Freunde/Bekannte trifft man, wenn man zusammen etwas unternehmen will. Viele Leute fühlen sich unwohl, wenn sie alleine in der Öffentlichkeit unterwegs sind und haben Angst um ihren Ruf. Außerdem geht es ihnen um das Teilen von Sprit-, Bahn- und Hotelkosten.

    Nehmen wir gerade mal als Beispiel meine beiden alten Theaterkolleginnen. Heute treffen wir uns mal wieder. Wir gehen kurz auf den Weihnachtsmarkt, trinken eine Tasse Glühwein, gehen danach ins Kino, reden dann 2-3 Minuten über den Film, und dann gehen die Beiden nach Hause, während ich noch 45-60 Minuten auf meine Bahn warten muss. Zwischen den Treffen (im Schnitt so alle 4-8 Wochen) gibt es kaum Kontakt. Telefonate mögen sie nicht, wir schreiben nur kurze Mails um das nächste Treffen auszumachen. Wenn gerade kein Weihnachtsmarkt ist, treffen wir uns vor der Veranstaltung (meistens Kino oder Theater) im Café auf ein Getränk. Unsere Gespräche beschränken sich also fast nur auf diese kurzen Treffen vor Beginn der Vorstellungen.

    Mein bester Freund meinte, das klingt als ob es den Frauen nur darum geht, nicht alleine in die Vorstellungen zu gehen und Begleitpersonen zu haben und nicht um den Menschen an sich. Dieses Gefühl habe ich auch. Das Verhältnis zu meiner besten Freundin ist im Vergleich dazu ganz anders. Wir haben nicht so viele gemeinsame Interessen, aber auch schon einiges gemeinsam unternommen... 2x Urlaub, Restaurant, Kino, Café, Minigolf, Zoo, alles mögliche. Aber meine beste Freundin und ich besuchen uns sporadisch auch gegenseitig zu Hause und treffen uns nur zum Reden. Oder wir führen längere Telefongespräche und unterhalten uns über alltägliche Dinge wie Arbeit, Familie, Beziehungen, etc. Wir sehen uns selten und telefonieren auch nicht oft, aber wenn wir Kontakt haben, dann ist auf beiden Seiten das Interesse am Menschen vorhanden.

    Am Alter liegt es sicher nicht, wir kennen uns über 16 Jahre. Unsere Freundschaft war auch in jüngeren Jahren so intensiv wie heute. Aber Menschen sind verschieden, und viele Leute haben Angst vor echter Nähe. Der Freundeskreis meiner Freundin war auch schon mal größer als heute. Ihr aktueller Partner ist ihr erster Mann überhaupt, die Beiden sind seit 3 Jahren ein Paar. Sie musste 35 Jahre alt werden, um ihre ersten Erfahrungen zu machen... weil sie eben auch noch nie ein oberflächlicher Mensch war und so manche damit nicht zurecht kamen.

    Es ist komisch, aber meistens distanzieren sich die Leute genau dann, wenn es besonders schön ist und der Kontakt aus meiner Sicht intensiver wird. Ich bin echt nicht der Typ Mensch, der ständig Kontakt mit einer bestimmten Person haben will, auf regelmäßige Treffen und Telefonate besteht, etc. Heutzutage ist es aber kaum noch möglich, einen Menschen überhaupt mal etwas näher kennenzulernen. Verabredungen gibt es fast nur noch, "wenn was ist". D. h. wenn ein interessantes Konzert stattfindet, wenn ein neuer Kinofilm anläuft, usw. Wenn ich nach einem Treffen frage, weil ich einfach nur Zeit mit einer bestimmten Person verbringen möchte, lautet die Antwort - mit Ausnahme meiner besten Freundin und meines besten Freundes - grundsätzlich "Nein".

    Ich kann auch niemanden mehr anrufen oder anschreiben, "wenn nichts ansteht". Wenn ich anrufe oder schreibe, weil ich einfach nur kommunizieren will, fühlen sich fast alle Leute irgendwie belästigt und würgen mich schnell ab. Deshalb melde ich mich seit geraumer Zeit nur noch, wenn es triftige Gründe gibt.

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 241

    AW: Guter Freund geht auf Distanz - macht ein Gespräch Sinn?

    Aber Menschen sind verschieden,
    Die Aussage sollte man sich immer wieder vor Augen führen, da man sehr schnell geneigt ist, sein eigenes Wertesystem auf andere zu übertragen ...

    Allerdings schaffe ich es immer, mich regelmäßig bei Familie und Freunden zu melden - ganz egal wie schlecht es mir geht.
    Das ist toll, dass Du dazu in der Lage bist. Aber es kann halt nicht jeder und muss auch nicht jeder.

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