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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 192

    AW: Zeit des Erwachens ...

    Liebe Esme

    womit hast Du eigentlich ein Problem...das ich mich nicht krank fühle oder ist es Dein Problem, dass ich eine andere Meinung dazu habe...

    Ich habe mir selbst die Diagnose nicht verpasst...das war ein wissenschaftlich orientierter Arzt...der eine ausführliche Anamese und Tests gemacht hat....mit dem Ergebniss, dass ich eindeutig ADHS habe...

    Ich habe gelernt mit meinem Chaos zu leben...

    und ich bin von Natur aus neugierig...was mich dazu veranlasst hat, mich mit dem Aufbau des Gehirns zu beschäftigen.. mit der Arbeitsweise der Körperzellen/Botenstoffen und mit der DNA. Nur so war konnte ich mir meine eigene Meinung bilden.

    Ja, ich akzeptiere es eine genetisch bedingte Störung zu haben...aber ich weiß auch, das es an mir liegt, wie ich damit umgehe.

    Ich akzeptiere auch, dass meine Neurotransmitter Karussell mit mir fahren. Damit habe ich gelernt zu leben.

    Das war ein langer Lernprozeß, der mich oft an den Rand des Wahnsinns gebracht hat und mich manchmal immer noch bringt. Allein hätte ich das nie geschafft und nur mit der Begleitung von Menschen, die mich so angenommen haben, wie ich bin, bin ich soweit gekommen.

    Gesund ist der, der es lernt mit seiner Krankheit einigermaßen zu leben ist meine Philosophie..aus diesem Grund fühle ich mich trotz der Diagnose nicht wirklich krank.

    Dabei ist mir klar, dass sich jeder Mensch subjektiv aus seiner Lebensgeschichte heraus empfindet... du empfindest die Diagnose ADHS anders als ich ....das ist okay...

    nur unterstelle mir nicht im gleichen Moment, dass ich mich hier unter falschen Vorraussetzungen eingeloggt habe.

    Ich wäre trotz allem gern nur ein bißchen schwanger, bin aber doch hochschwanger....was oft genug sehr anstrengend ist....

    Es ist nicht einfach, andere Wege zu gehen, als gemeinhin üblich vor allen Dingen dann nicht, wenn die Gesellschaft zusätzlich noch Stolpersteine legt.. diese zusätzlichen Stolpersteine erschweren den Lebensweg ...darum ist es umso wichtiger, dass solche Artikel geschrieben werden...
    l. G
    amanda

  2. #12
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 346

    AW: Zeit des Erwachens ...

    nur unterstelle mir nicht im gleichen Moment, dass ich mich hier unter falschen Vorraussetzungen eingeloggt habe.
    hab ich nicht unterstellt - ich habe mir nur erlaubt, auf eine gewisse Ungereimtheit in deiner Argumentationskette hinzuweisen.
    Es hat nämlich wenig Sinn, über den Nutzen des STERN-Artikels zu diskutieren, solange nicht klar ist, auf welcher Grundlage wir dies tun.

    Wir sprechen also jetzt über eine genetische Disposition, die sich in meinem, deinem Leben und leider sehr vielen Fällen zu einer behindernden Krankheit auswächst.

    Kommen wir doch nun wieder auf den Artikel zurück.

    Das Projekt "Via Nova", von dem hier die Rede ist, wird ja seit längerem im Internet vorgestellt auf den entsprechenden Webseiten "Sinn Stiftung" bzw. "win-future".

    Es ist auch schon in manchen Selbsthilfe-Foren entsprechend diskutiert worden.

    Auffällig ist, dass sowohl Prof. Hüther selbst wie auch die verlinkten Seiten der genannten Homepages, auf denen das Projekt vorgestellt wird, eben entgegen dem aktuellen Forschungsstand davon ausgehen, dass es ADHS eigentlich nicht gibt, dass es eine Erfindung von z.B. Pharmafirmen, Ärzten, genervten Eltern oder Lehrern sei, um störende Kinder "ruhig zu stellen", statt sich mit ihren wirklichen Bedürfnissen zu beschäftigen usw...

    (Aus diesem Grund werde ich persönlich allmählich mehr als hellhörig, wenn in einem Selbsthilfeforum für Erwachsene Anklänge in dieser Richtung auftauchen und frage lieber genau nach!
    In der Hinsicht nehme ich nun für mich in Anspruch, skeptisch zu sein...von daher bin ich dir sehr dankbar für die aufrichtige Schilderung deines Hintergrunds!)

    Neben vielen anderen Ungereimtheiten berücksichtigt dieser von Hüther weiterhin vertretene Ansatz nicht, dass es durchaus viele betroffene Kinder gibt, die scheinbar unauffällig (weil nicht hyperaktiv) mit größten inneren Schwierigkeiten die Schule erleiden und auch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück bleiben, da sie zum vorwiegend unaufmerksam-unstrukturierten Typ gehören - oder auch, weil sie durch ein unterstüztendes Zuhause eben nicht verhaltensauffällig sind und ihre Impulsivität sich vielleicht "konstruktiver" äußert.
    Wie ausgeprägt die Beeinträchtigungen wegen eines nicht funktionierenden Reizfilters, eines defekten Belohnungssystems und einer gestörten Signalverarbeitung sind, lässt sich auf den ersten Blick ja gar nicht ermessen, und das Kind kann dies natürlich auch nicht zum Ausdruck bringen!

    Durch die STERN-Berichterstattung wird der falsche Eindruck erweckt, dass die betroffenen Kinder mit etwas gutem Willen von allen Beteiligten und unter "Kontrollierten optimierten Bedingungen" eigentlich generell keine Medikamente bräuchten.
    Allein die immer wieder benutze Formulierung, die Kinder würden durch das Medikament "ruhig gestellt", kann mich da auf die höchste Palme bringen!
    MPH ist ein Psychostimulans - damit kann man keinen "normalen" Menschen "ruhig stellen"!
    Wenn dies also (eigentlich wider Erwarten!) doch passiert, dass ein verhaltensauffällig hyperaktives Kind plötzlich aufmerksam und fokussiert auf seinem Platz sitzen bleibt und sich am Unterricht beteiligt oder seine Hausaufgaben auf einmal zügig und konzentriert erledigt, dann ist dies nur möglich wegen einer neurobiologisch "anderen" Ausgangslage.
    Dies kann auch Herr Hüther nicht ernsthaft abstreiten...

    Ziel einer wirksamen Hilfe für ADHSler kann doch nur sein, ihnen möglichst umfassend, d.h. eben multimodal zu helfen!
    Dazu wird in vielen Fällen eine medikamentöse Behandlung gehören - allein schon, um das "Greifen" anderer Hilfen zu ermöglichen,was ohne MPH oft ein exterm mühevolles Unterfangen darstellt - nicht vergleichbar mit der Ausbildung einer "normalen Anstrengungsbereitschaft"!

    Wenn aber leider - wie auch hier geschehen - die medikamentöse Behandlung in Zweifel und in Misskredit gezogen wird, dann hilft dies den betroffenen Familien überhaupt nicht.
    Es wird vielmehr der Eindruck erweckt, die Eltern würden es sich eben doch zu leicht machen bzw. Ziel sei wohl, "angepasste" Kinder zu bekommen oder was auch immer.

    Weil dies in der öfentlichen Darstellung wider besseren Wissens dennoch immer wieder geschieht, kann ich mich als betroffener Mensch nicht scharf genug dagegen abgrenzen!

    Esme

  3. #13
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 192

    AW: Zeit des Erwachens ...

    Liebe Esme

    es gibt ADHS...und es gab ADHS sicher auch vor unserer Zeit...

    Albert Einstein, Herrmann Hesse sollen betroffen gewesen sein. Es geht mir letztendlich nicht darum, ob ADHS eine Krankheit ist oder nicht, sondern was man tun kann, damit es den betroffenen Menschen gut geht und sie mitsamt ihren Fähigkeiten angenommen werden.....

    dazu ist eine umfassende ganzheitliche Betrachtung und Behandlung erforderlich. Da stimme ich Dir zu.

    Gegen oder für Medikamente muss ein jeder selbst für sich entscheiden...wenn es ohne geht, umso besser.

    Wenn ein solches Projekt, das in der Stern vorgestellt wurde, ein Stück vom Kuchen sind, gibt es noch viele andere Stücke, damit wir ein ganzheitliches Behandlungsprogramm oder eine Torte haben.

    Bewegung, Ernährung, Zuwendung und vor allen Dingen Ehrlichkeit erscheinen mir persönlich auch sehr wichtig im Umgang mit den betroffenen Kindern zu sein.

    Das meine Argumentationskette manchmal eine Lücke aufweist oder ich mich manchmal widerspreche...sorry, dass ist, weil ich meine Gedankensprünge nicht immer unter Kontrolle habe...in einem persönlichen Gespräch sind solche Mißverständnisse natürlich leichter zu korrigieren...

    Auch wenn wir nicht sicher nicht in allen der gleichen Meinung sind, haben wir es doch geschafft, an diesem Punkt anzukommen.

    l.g
    amanda

  4. #14
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 258

    AW: Zeit des Erwachens ...

    Also,

    ich sehe das wie Esme ...

    ADHS ist in vielen Fällen NICHT durch eine wie im Stern geschilderte Therapie in den Griff zu bekommen. Dass unsere schnelllebige Zeit und intolerante Gesellschaft für ADHSler noch problematischer ist als für Nicht-ADHSler ist wohl unstrittig.

    Die Probleme, die aus einem unbehandelten ADHS in der Kindheit entstehen, kann man hier überall nachlesen .... die Spätschäden sind enorm ----

    Kein Mensch würde einem Kind mit einer Zuckerkrankheit das notwendige Medikament vorenthalten ("kannst ja Diät machen") ....
    Und wenn eben im Gehirn bestimmte Stoffe fehlen sollte man die ersetzen.

    Was ja weder beim Kind mit der Zuckerkrankheit noch beim Kind mit ADHS bedeutet, dass nicht weitere Therapie notwendig ist ....

    Gruß pingpong

  5. #15
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 346

    AW: Zeit des Erwachens ...

    Wenn ein solches Projekt, das in der Stern vorgestellt wurde, ein Stück vom Kuchen sind, gibt es noch viele andere Stücke, damit wir ein ganzheitliches Behandlungsprogramm oder eine Torte haben.
    Wenn der STERN das auch genau so rüber bringen würde und nicht schon auf der Titelseite unter dem Stichwort "Ritalin" ganz andere Assoziazionen weckte, dann könnte ich dies mit einigen Einschränkungen zumindest als Projekt-Idee akzeptieren.

    Leider lässt die Art der Berichterstattung andre Schlüsse nahe liegender erscheinen, und dies nicht zum ersten Mal...

    Und mal ehrlich: wenn man dies Geschreibsel mal auf den Netto-Informationsgehalt reduziert, dann ist die "Idee" ja so neu nun auch wieder nicht!

    Thom Hartmann bietet in USA eine "Hunter School" an - ohne deshalb die genetische Komponente und den veränderten Neurotransmitter-Haushalt irgendwie in Frage zu stellen.

    TOKOL und Fred Freese bieten Kinderfreizeiten für ADHS-Kinder an.
    Aber nicht mit dem Anspruch, die Medikation dadurch unnötig zu machen!!

    Keiner würde, glaube ich, auf die Idee kommen, Outdoor- und Erlebnispädagogik als hilfreiche Ergänzung in Frage zu stellen!
    Gleiches gilt mit Sicherheit für asiatische Sportarten, Tischtennis, Percussion-Workshops oder Theaterpädagogik usw.

    Aus eigener erzieherischer Erfahrung weiß ich, dass es auch gut begabten ADHS-Kindern schwer fällt, ohne greifbares Ziel über Jahre die Schulbank zu drücken.
    Stattdessen fahren sie mit einer beruflichen Ausbildung und anschließender gezielter Weiterqualifizierung oft besser.
    Hier bildet sich ja auch der Gedanke ab, früh in die Eigenverantwortung unter praktischer Anleitung zu führen.
    Persönlich denke ich auch, dass Mentoring eine sehr wichtige Komponente ist:
    für einen Menschen, der an einen glaubt, wächst jedes ADHS-Kind und jeder Erwachsene über sich hinaus!

    Und dennoch weiß ich:
    alle diese stabilisierenden und ergänzenden Faktoren haben oft eine deutlich bessere Wirkung, wenn zumindest eine Zeitlang, oft länger, eine begleitende medikamentöse Behandlung erfolgt, die hilft, neue "Lernbahnen" neuronal zu knüpfen und zu stabilisieren.


    So lange dies in der Darstellung der Medien nicht auch immer wieder deutlich erklärt wird (und Missverständnisse bzw. Vorurteile bis hin zu Ängsten gegenüber MPH gibts ja nun mehr als genug...), ordne ich dies nicht unter "unabhängige und aufklärende Berichterstattung" ein, sondern verbuche es unter "tendenziöse Meinungsmache" - mit der berechtigten Frage:

    "Wem nützt es??!!"

    Uns Betroffenen jedenfalls nicht!

    Esme

  6. #16
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 192

    AW: Zeit des Erwachens ...

    in diesem Zusammenhang sollte sich ein jeder jedoch ausführlich informieren, wie Medikamente wirken und Neurotransmitter bzw. Botenstoffe arbeiten.

    Das erachte ich persönlich als sehr wichtig!!!!

    ...eindeutig ist, dass Medikamente als Dauerlösung nicht geeignet sind...als vorübergehende Erleichterung, damit andere Therapieformen greifen sind sie jedoch aus meiner subjektiven Sicht okay...wobei ich jedoch eine Zuckerkrankheit nicht mit ADHS gleichsetzen kann.

  7. #17
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 346

    AW: Zeit des Erwachens ...

    eindeutig ist, dass Medikamente als Dauerlösung nicht geeignet sind.
    Klingt irgendwie ein bisschen pausbäckig...
    das wünscht sich wohl keiner, ein Medikament ein Leben lang nehmen zu müssen, und ich hoffe auch, dass es in den meisten Fällen nicht auf Dauer nötig sein wird!

    Vor allem, wenn z.B. ein Verhaltenstraining oder Coaching zu besseren Alltagsstrategien verhilft - so wäre es jedenfalls wünschenswert.
    Allerdings weiß man, glaube ich, noch zu wenig darüber, wie sich ADHS z.B. in höherem Lebensalter äußert.
    Ob da die Coping-Strategien noch weiter tragfähig sind?
    Ob die eine oder andere Form von Demenz womöglich gar ein unbehandeltes ADHS ist oder dadurch verstärkt wird?
    Es gibt paradoxe Medikamentenwirkungen, die man bisher einer Alters-Veränderung zugeschrieben hat. Womöglich hätten diese Menschen solche paradoxen Medikamentenwirkungen schon in jüngeren Lebensjahren gehabt...?!


    wobei ich jedoch eine Zuckerkrankheit nicht mit ADHS gleichsetzen kann
    Ich finde den Vergleich gar nicht so unpassend.

    Immerhin gibt es grundsätzlich 2 Formen von Diabetes.
    Die eine, "mildere" lässt sich grundsätzlich recht gut durch veränderte Lebensgewohnheiten in Schach halten, setzt aber eine disziplinierte Lebensveränderung voraus.

    Die zweite Form zeichnet sich dadurch aus,dass zu viel Insulin produzierendes Gewebe zerstört ist.
    Eine externe Zufuhr ist entscheidend und wird unterstützt durch flankierende "Verhaltens-Maßnahmen".

    Übertragen auf ADHS kann man eigentlich bisher nur sagen, dass die veränderte Neurotransmitter-Situation mit einer "externen" Medikation in vielen Fällen überraschend gut beeinflussbar ist.
    Natürlich verhält sich das komplexe Neurotransmitter-System dabei nicht statisch (Hier ist der Unterschied zu Diabetes).
    MPH-Gaben verringern nachweislich die Dopamin-Transporter-Dichte.
    Ob dieser Effekt allerdings ab einem bestimmten Zeitpunkt "stabil" ist, ist meines Wissens unbekannt.
    Eins von Herrn Hüthers beliebten Argumenten war ja, dass das MPH das Dopaminsystem seiner Einschätzung nach dauerhaft "herunter fährt" (er drückt sich da nicht viel präziser aus als ich, leider...)
    Dies ist nicht der Fall.
    Was er auch indirekt zugibt, indem er - widersprüchlich zu sich selbst - oft argumentiert, die medikamentöse Behandlung sei deshalb abzulehnen, weil sie eben nicht dauerhaft wirkt...
    Also wird das Dopaminsystem eben nicht auf Dauer durch MPH so einfach runter reguliert.

    in diesem Zusammenhang sollte sich ein jeder jedoch ausführlich informieren, wie Medikamente wirken und Neurotransmitter bzw. Botenstoffe arbeiten.
    Schwieriges Unterfangen, sogar für Fachleute

    Ein grundsätzliches Verständnis ist sicher gut, für viele Laien aber wohl hauptsächlich verwirrend!
    Die Botenstoffe wirken ja in den unterschiedlichen Netzwerken, je nachdem, welche "Schaltung" man gerade betrachtet, unterschiedlich und spielen auf sehr komplexe Weise zusammen.
    Man ist gerade erst dabei, mit Hilfe der Bild gebenden Verfahren und unter Berücksichtigung der vergleichenden genetischen Parameter die verschiedenen "Subtypen" von ADHS genauer anzuschauen.
    Daraus leitet sich die Hoffnung ab, künftig vielleicht noch spezifischer behandeln zu können, je nachdem, welches System stärker betroffen ist.
    Dazu kannst du in der neuen Ausgabe von Krause & Krause zur Diagnostik und Therapie des Erwachsenen-ADHS viel Interessantes lesen.

    Jedenfalls kann man nicht einfach das bis dato vorhandene Lehrbuch-Wissen über die Funktion der Neurotransmitter, wie sie "im Normalfall" wirken, 1:1 auf ADHS übertragen!
    Hier liegt ja gerade der Denkfehler auch mancher schätzenswerter Experten...

    LG, Esme

  8. #18
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 192

    AW: Zeit des Erwachens ...

    Jedes Medikament hat Nebenwirkungen...das kann jeder sicher aus eigenen Erfahrungen bestätigen...

    Nebenwirkungen können auf Dauer ein neues Behandlungsprogramm erforderlich machen. Das bedeutet, dass man durch eine dauernde Medikamentengabe andere Störungen hervorrufen kann....

    Trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse ist es bisher nicht gelungen, Krankheiten wirklich zu heilen. Symptome können zwar für einen gewissen Zeitraum unterdrückt werden, treten in den meisten Fällen an anderen Stellen wieder auf. Das nennt man Symptomverschiebung.

    Das psychosomatische Netzwerk eines Menschen wird in der vorgeburtlichen Phase und in den ersten drei Jahren seines Lebens aufgebaut. Das Fundament ist das mitgegebene genetische Programm der Eltern, weitere Programm werden durch die ersten Erfahrungen aufgebaut.

    Das bedeutet, das jeder Mensch zwei Leben hat...eins als Kind und eins als Erwachsener, wobei das erste das zweite bestimmt.

    Die Hirnforschung bestätigt, dass das Gehirn sich ständig umbaut und lernfähig ist. Ebenso erneuern sich laufend die Körperzellen.

    Das Körpersystem ist nicht determiniert, sondern fließend. Die Epigenetik, ein neuer Wissenschaftszweig spricht da von Methylierungen, anstatt von Mutationen.

    Es gibt Krankheiten, die ein Kind mit ins Leben bringt, Die sind wie beispielsweise eine Zuckerkrankheit nur medikamentös einstellbar...Insulin muss zugeführt werden, weil die Zelle der Bauchspeicheldrüse nicht in der Lage sind, selbst Insulin zu produzieren...es herrscht kein Ungleichgewicht, sondern ein Stoff ist von vornherein nicht vorhanden.

    Botenstoffe, die vorhanden sind, aber im Ungleichgewicht, können jedoch durch körperliche Aktivität, Ernährung, Berührung und einen ausgeglichenen Biorhytmus nachhaltig beeinflusst werden....

    In einem Symptom steckt aus meiner persönlichen Sicht auf immer gleichzeitig eine Botschaft, die man bearbeiten sollte. Hinschauen kann man aber nicht, wenn man das Symptom mit Medikamenten lediglich an eine andere Stelle verschiebt.

    Ich arbeite seit 17 Jahren in der Altenpflege und habe sowohl in meiner Ausbildung als auch bei meiner Arbeit mit Medikamenten zu tun.

    Mit nur einer Tablette kann ein Teufelskreis beginnen, der immer mehr chemische Stoffe nach sich zieht und wobei logischerweise auch einige Körpersystem ihre Arbeit reduzieren....auch das Dopaminsystem.

  9. #19
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: Zeit des Erwachens ...

    Ich denke mal, es besteht Einigkeit darin, dass es eine starke erbliche Komponente gibt, die durch diverse Umweltfaktoren so beeinflusst werden kann, dass es zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen von ADHS kommt.

    Wie und in welchem Umfang dies zu einer "Krankheit" führt, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Je länger jedoch krankmachende Faktoren einwirken, desto länger dauert auch eine Umkonditionierung....

    Und da sind wir m.E. bei einem wesentlchen Faktor: Zeit

    Zeit spielt in allen Lebensphasen eine wesentliche Rolle, gerade bei der Behandlung. Ein Kindergartenkind, das mit ADHS diagnostiziert würde, ließe sich sicherlich leichter ohne medikamentöse "Methoden" behandeln (wird ja auch fast nicht gemacht, leider erfolgt oft auch keine Diagnose).*

    Bereits während der Schulzeit steigt jedoch der Leistungsdruck und somit auch der Zeitdruck. Treten hier massive Probleme auf, hat man selten Zeit, den Erfolg von langfristig anglegten Therapien abzuwarten.**

    Steht man im Studium oder Ausbildung und geht es um Prüfungen, die bestanden werden müssen, ist der Druck ebenso groß.

    Auch wenn man Familie hat und gewisse finanzielle Abhängigkeiten bestehen, sind schnell wirksame Mittel gefragt.***

    Bei einer bakteriellen Infektion gibt man auch Antibiotika um hier schnell wirksam die Beschwerden zu lindern, obwohl es auch hier durchaus ernst zu nehmende Nebenwirkungen gibt. Aber wer hat heute schon Zeit, eine (echte) Krankheit richtig auszukurrieren?

    Medikation ist m.E. immer eine Sofortmaßnahme, um größeren Schaden zu vermeiden. (bezieht sich jetzt nicht auf Diabetis etc., da brauchen wir denk ich nicht drüber diskutieren) Wie lange eine Gabe notwendig ist, hängt davon ab, wieviel Zeit benötigt wird, die anderen krank machenden Faktoren nachhaltig zu beeinflussen. Geht das nicht bzw. nicht ausreichend, dann kann es durchaus erforderlich sein, eine Medikation über einen sehr langen Zeitraum aufrecht zu erhalten - trotz Nebenwirkungen.

    Abgesehen von dem provokativen Titel der Geschichte "Der stern zeitgt: Es geht auch anders" ist das eben auch das Problem der Kinder, die an dem Experiment teilgenommen haben, der Zeitfaktor. 8 Wochen werden kaum langen, um hier dauerhaft alle Probleme zu eliminieren.

    Hinzu kommt, dass vollkommen außer Acht gelassen wird, dass Ritalin auf die Kernsymptome (Aufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität) wirkt. Diese lassen sich nicht so einfach durch eine Therapie der Kinder verändern, hier muss sich auch das System verändern, die Gesellschaft.

    LG
    Erika


    P.S.
    Die Aussagen oben habe ich bewusst mit Fußnoten versehen, weil sie sehr einseitig sind. Beide, * und **, gehören eigentlich in den Bereich für Eltern...
    (*)
    Gerade was den Umgang mit kleinen Kindern anbelangt, da wäre viel Aufklärung seitens des Kindergartenpersonals sowie der Eltern (und deren u.U. notwendige Behandlung) so wichtig, damit eben all die Probleme nicht oder zumindest in abgeschwächter Form auftreten. Denn Umweltfaktor Nr. 1 sind halt nun mal zuerst die Eltern und dann später die Einrichtungen zur Kinderbetreung in den ersten Lebensjahren.

    Es genügt eben nicht und da sind sich die Fachleute ja einig, mal eben eine Tablette einzuwerfen, sondern erfordert eine multimodale Therapie... Nur wird hier therapiert, damit die Kinder mit der so anderen Umwelt umgehen lernen... m. E. wäre es wichtig, sie so zu akzeptieren wie sie sind, sie anzunehmen als etwas Besonderes. Therapie sollte nur eine Übersetzungshilfe sein, keine Umerziehung.

    (**)
    Der Leistungsdruck, der sowohl bei Kindern wie Eltern bereits in der Grundschule entsteht, lässt kaum Raum für individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Ein Eingehen auf ein anders Lerntempo oder eine ander Art des Lernens ist selten wirklich möglich. Hinzu kommen hier bereits Ängste, dass ein Lebensweg durch einen verpassten Übertritt bereits festgeschrieben wird.

    Der Druck der dadurch auf den Kindern lastet ist enorm. Dass sich hier empfindsame Kinder noch schwerer tun, braucht niemanden zu wundern. Gerade Kinder, die sich anders empfinden, die Stimmungen und Ängste sehr genau wahrnehmen, lassen sich da noch mehr irritieren und verunsichern. Jeglicher Druck wirkt sich da negativ aus, führt zu Verweigerungshaltung (ob bewusst, unbewusst, nach außen oder nach innen gerichtet).
    Auch hier wird der Faktor Zeit wieder zur Falle. Oftmals später eingeschult, fehlt nun ein Jahr, um mit einer Therapie sich Zeit zu lassen, ein Jahr zu wiederholen...

    (***)
    Dergleichen trifft auch auf Erwachsene zu. Um im Studium und Beruf bestehen zu können, wird oftmals schnelle Hilfe benötigt. Dass eine Umstellung der Lebensweise auf seine indivituellen Bedürfnisse notwendig ist, das wird schnell mal verdrängt und ist auch nicht immer so leicht möglich. Ein Beruf aus Berufung, der Erfüllung gibt und somit ein Gleichgewicht schaffen kann, das haben leider immer weniger. Irgendwann sendet dann der Körper sehr eindeutige Signale..... Und dann nimmt er sich die Zeit... wenn wir die Warnungen bewusst annehmen und was verändern, haben wir u.U. dann auch die Möglichkeit, langfristig mit weniger bzw. ohne Medikamente auszukommen.
    Geändert von 1411erika ( 3.11.2009 um 11:48 Uhr)

  10. #20
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3.120

    AW: Zeit des Erwachens ...

    mit nur einer Tablette kann ein Teufelskreis beginnen ... ...... also ich weiß nicht ,die Diskussion nimmt Formen an , wo es für mich rüber kommt es gibt nur ein richtig und ein falsch .....


    HTML-Code:
    eindeutig ist,dass Medikamente als Dauerlösung nicht geeignet sind.
    ??????? eindeutig, woher weißt du das???????

    LG Dori

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