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Diskutiere im Thema Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ?? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #21
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 51

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Das ist mal ein interessantes Thema, habe bei mir festgestellt das ich eigendlich ein unverfälschtes ICH entwickelt habe.
    Weil ich kaum für mich akzeptable Vorbilder hatte in meiner persöhnlichen entwicklung.
    Ich beschreib es mal so: Anfangs bin ich zurückhaltend, danach kann es vorkommen das ich sehr stürmisch sein kann.
    Kommt immer drauf an wer mir gerade gegenüber steht.
    Sind meine Eltern zu besuch schränke ich mein verhalten ein, weil da viel hochkommen kann, was sich als Streit entwickeln könnte.
    Gespräche mit meinen Eltern sind meist sehr oberflächlich, smal talk eben. Gibt aber auch Situationen wo ich mich ihnen gegenüber bremsen muss da es in Interessen Gebiete geht die schon sehr ausgefallen sind.
    Meine eigene persöhnlichkeit ist schon auffällig da ich nicht mit der Masse mitschwimme.
    Hab ja meine eigenen interessen und geschmacksrichtungen in Sachen Musik, Essen etc.
    Was Familie angeht verhalte ich mich angepasst.
    Bei gleichgesinnten und da gibt es nicht viele, die da existieren sind alles neue Bekantschaften, verhalte ich mich für meine verhältnisse normal.
    Für meine verhältnisse soll heißen: das ich eher auffällig bin, in meinem verhalten, was nicht negative zu deuten ist.
    Wohl aber auf viel unverständniss stoße, da Normalos, so nenne ich Menschen, die kein AD(H)S haben, mich und mein verhalten nicht verstehen.
    Kann ja nicht jedem eine Erklärung aufzwängen wenn ich merke, da hat mich jemand nicht verstanden, zudem muss nicht jeder wissen das ich ein ADHS Patient bin.
    Genauer erklärt, ist mein verhalten immer der Umgebung angepasst, habe in einem vorherigen Beitrag was von Chamäleons gelesen das trifft es eigendlich fasst genau.
    Die Emotionalen reaktionen sind bei mir auch von der Umgebung abhängig.
    Bin ich alleine mit irgendwelchen Dingen beschäftigt, dann kann mein Impuls sehr heftig zum Ausdruck kommen, auch gegenüber Geschwistern, Eltern je nach Situation welches dann aber eher die Ausnahme ist.
    Anders verhält es sich wenn jemand bei mir ist die oder den ich noch nicht so lange kenne, oder ich mich in einer Gruppe befinde, da habe ich mich mehr unter konntrolle, es sei denn ich bin vertieft mit einer Sache beschäftigt und vergesse meine Umgebung was leider auch vorkommt, dann verhalte ich mich als sei ich alleine, da Umgebung nicht bewusst.
    In einer Umgebung in der ich mich wohl fühle bin ich so wie ich bin, uneingeschränkt, locker und spontan.
    Irgendwie immer angepasst, lieb und net, bin ich aber immer besonders Nachts wenn ich schlafe :-).
    LG terra

  2. #22
    moonstone

    Gast

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Ich bin dann wirklich "Ich", wenn ich von Leuten umgeben bin, die mich mit allen Facetten so akzeptieren, wie ich bin, weil alle anderen meine manchmal alberne Art bzw. meine Begeisterung für dies oder das nicht verstehen würden. Und wenn mir jemand auch noch gezielt sagt, WAS ihn an mir stört, sehe ich natürlich zu, dieses Verhalten in seiner Gegenwart zu unterdrücken, um ihn oder sie nicht zu nerven.

  3. #23
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 172

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Wow also das ist ein Thema.

    Ich würd mal über mich behaupten ich bin ein richtiger Rollenspieler. Ok hier wird über Masken geschrieben, nur Masken oder Rolle ist das nicht das selbe?

    Für mich schon. Habe genau verstanden was Threat Ersteller meint und ja da kann ich nur beipflichten ist bei mir genau so.

    Egal wo ich bin - inbesonderes wenns um eine fremde Gruppe Leute geht oder Arbeit oder sonst was wichtiges dann spiel ich halt ne Rolle.

    Bin ruhig, beobachte und versuch mein Mund zu halten (oh und das fällt mir schwer) vor allen Dingen wenn da Leute sind mit denen ich gut kann..
    Kommt aber sehr selten vor....mit wem kann ich schon? *lol*

    Ich kann leider nicht genau schildern wie ich bin wenn ich ICH bin. ....ich denke eher wenn ich alleine bin und so für mich hin chill, also Musik höre, nachdenken, spielen oder TV gucken sofern das mal klappt und was für mich Interessantes läuft..

    Ansonsten kann ich mich allen anderen nur anschließen. Sind Menschen um mich herum wo ich merke das die mich nicht leiden können dann bin ich ruhiger, beobachte genau und denk mir ....boahr ...bin ich froh das ich da gleich weg bin... ;-)

    Zu Hause bin ich, ich. Bin ich bei den Stinos dann muss ich Rollen spielen, es geht nicht anders.
    So zum Selbstschutz ist das effektiv.

    Menschen sind schwierig, insbesondere die Menschen die man verdammt schlecht einschätzen kann....

  4. #24
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 1.197

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    das stimmt, in fremden Gruppen zieh ich mich auch lieber zurück. Wenn ich merke die sind ok und sprechen mich auch mal an, ich lasse andere meistens auch oft ansprechen weil ich manchmal sehr unsicher bin ob die mich mögen oder nicht. Natürlich hab ich auch schon jemand angesprochen aber halt selten. Ich kann auch genau sagen, welche Person mich mag und welche nicht. wir hatten eine, da war ich grad mal eine Woche da und fragte mich, wie lang ich noch da bin. Für mich bedeutet sowas wie "hau endlich ab". Von da an war ich sehr vorsichtig mit erzählen, hab nur das nötigste erzählt. Die hatte auch so ne richtige Schauspielerische Art an sich gehabt und die hat viel diskutiert was mich gar nicht interessiert hat

    die erzählte mir: "ja meine Freundinnen die wurden von einer anderen Gruppe geschlagen, das waren welche die Arbeitslos waren..............was soll man dazu noch sagen .......Harz 4 Empfänger halt" ich dachte auch so meinen Teil, dann war ich wohl auch ein Schläger Bei manchen Leuten kann man nur den Kopf schütteln da frag ich mich auch, ohne Grund werden die wohl nicht angegriffen haben. Und wenn sie so erzählte mit den ganzen Alk usw ist mir das kein Wunder.

  5. #25
    TTS


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 235

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Tja, ich bin immer wie ich bin. Verstellen bringt nichts. Bei Vorstellungsgesprächen halte ich mich zurück, aber sonst nicht.
    Ich kann es auch nicht lange unterdrücken. Ohne Rithalin schon mal garnicht. Das ist dann wie ein innerer Druck der unbedingt raus muss...
    Ich habe für mich festgestellt, das es besser ist es sofort abzubauen als es zurück zu halten. Denn dann kann es passieren das ich verbal ausraste.

    Es gibt allerdigs ein paar Reizthemen die mich sofort an die Decke gehen lassen.
    Das hängt dann aber auch mit negativen Erfahrungen zusammen.

    Meine Mutter schafft es auch mich innerhalb von 5 min. voll aufzudrehen.

  6. #26
    Lysander

    Gast

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Wann bin ich ich? Ich bin immer ich. Wenn nicht ich jetzt hier schreibe, wer denn dann? Selbst mit Maske bin ich ich. Wenn mein Ich sich ins Ich verkriecht, ist es wie ein Strumpf im Kleiderschrank. Klein und aufgerollt.

  7. #27
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 51

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Ich sehe es wie bergforelle: Ich bin ich. Punkt.
    Wer mich mag, der mag mich so wie ich bin und zwar mit all meinen Facetten - den "Netten und den "weniger Netten"...

    Ich muss allerdings einschränkend sagen, dass ich fast 45 Jahre lang mehr oder weniger gut über die Runden gekommen bin. Klar hatte ich die "typischen" Probleme: In der Schule, in der Ausbildung, teilweise im Beruf, in Beziehungen. Aber damit bin ich klar gekommen. Eines habe ich aber trotzdem völlig unbewusst gemacht: Ich habe in all diesen Jahren meine innerste Seele mit einer Unzahl von "Schutzwällen" gekonnt vor den neugierigen Blicken Anderer geschützt und mich damit auch vor allzu schmerzlichen Erlebnissen bewahrt. Das ist das, was einige hier als "Masken" bezeichnen... das angepasste Äußere Ich... selbst wenn jemand eine dieser Mauern durchbrochen hat und dachte, er sieht den "Kern", konnte ich entspannt sein, denn der Kern war nichts als eine weitere Mauer... sah halt nur anders aus... und die meisten Mauern stehen noch

    Mein engster Kreis weiß seit meiner Diagnose, dass ich ADS habe und den Leuten, die mir am Herzen liegen konnte ich vieles erklären, was bislang unerklärlich war. Man reagiert jetzt deutlich lockerer, wenn ich mal wieder anders agiere, als die Meisten... allerdings hat dieser Kreis mich mit allen "Macken" auch vor der Diagnose schon so angenommen, wie ich nunmal bin. Und so habe ich zwar nur wenige, aber dafür echte Freunde.

    Und im Ernst: Wer mich nicht akzeptiert wie ich bin, der hat ein sehr viel größeres Problem, als ich....

  8. #28


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 59
    Forum-Beiträge: 6.172

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Früher habe ich auch oft Rollen gespielt oder eine Maske aufgesetzt.

    Heute verstelle ich mich kaum noch. Wer mich nicht so mag wir ich bin, mit dem mag ich auch nicht zusammen sein.

    Aber am leichtesten fällt es mir ich zu sein, wenn ich unter ADHS-Chaoten bin. Das ist mir beim letzten Forumstreffen wieder mal so richtig bewusst geworden.

    Aber ich habe auch mal ein Gedicht dazu geschrieben:
    Ich bin Ich – Doch wer ist Ich?

    „Du bist so kreativ“ sagen die Anderen -
    Ich bin doch so chaotisch
    „Du bist so zuverlässig“ sagen die Anderen -
    Ich schaffe es nicht mal einen Brief auf die Post zu bringen
    „Du hast so viel Energie“ sagen die andern -
    Ich bin so müde und kann doch nicht schlafen
    „Du kannst andere so gut mitreissen“ sagen die Anderen -
    Ich komme nicht vom Fleck
    Du bis so mitfühlend sagen die Anderen -
    Ich fühle mich oft so leer
    „Du kannst gut zuhören“ sagen die Anderen -
    Ich habe ein Chaos im Kopf
    „Du hast so viele Ideen“ sagen die Anderen -
    Ich bringe kaum etwas fertig

    Wer bin ich denn nun?

    Liebe Grüsse
    Pucki

  9. #29
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 382

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Grüßt Euch!

    Finde eure Beiträge sehr interessant. Hätte nie gedacht, dass AD(H)S dazu in der Lage sind.........

    Der Welt eine Maske von sich zu zeigen,
    eine Rolle zu spielen.

    Und wie geht das?

    Stellt ihr euch vor, wie "man" in Gesellschaft, in der Interaktion, in Begegnungen zu sein hat
    und ihr könnt dann dieser Vorstellung für eine bestimmte Zeit entsprechen, damit ihr nicht
    abgelehnt und zurückgeweisen werdet
    oder vielleicht sogar anerkannt und wertgeschätzt?

    Oder damit ihr einfach nicht auffallt, untertauchen könnt?

    Ich habe erst seit vier Jahren meine Diagnose und Cornelia Neuhaus hat mir viel erklärt:
    Warum ich bin, wie ich bin.
    Und ja, ich habe mir oft gewünscht, nicht "so", sondern anders zu sein.

    Als Erwachsene habe ich mir oft gewünscht und wünsche es mir immer noch, anders zu sein,
    um wertgeschätzt, anerkannt, letztlich geliebt zu werden.

    Als Kind wünschte ich mir sogar, ein Junge zu sein, damit ich sein durfte wie ich war.
    Die Rolle des lieben Mädchens fiel mir so unendlich schwer.

    Auch wenn ich versucht habe, anders zu sein, mich den Verhaltensnormen,
    Vorstellungen, Erwartungen anzupassen,
    von denen ich meistens nicht einmal wusste und auch heute noch nicht immer weiss,
    welche genau das waren/sind oder gerade erwartet wurden/werden,
    dann gelingt/gelang es mir nicht.

    Ich "kann" nicht anders sein als ich bin.
    Ich bin wie ich bin.

    Und das führt(e) dazu, dass ich irgendwann abgelehnt wurde/werde,
    zurückgewiesen wurde/werde.

    Denn irgendwann bin ich einfach zuviel, hält "man" es nicht mehr mit mir aus.
    Bin ich ZUVIEL.
    Brauchen die anderen eine Pause von mir.

    Und manchmal brauche auch ich selbst eine Pause von mir.

    Rollen oder Masken scheinen mir verzweifelte Versuche zu sein,
    auf die Büchse der Pandora den Deckel drauf zu halten.
    Aber der Druck steigt und irgendwann springt er ab.
    Der Druck sucht sich dann entweder nach innen oder nach außen seinen Weg.
    Wie ein schwelendes Feuer, das dann doch mit einem


    ausbricht.

    Und am besten spiele ich Theater vor mir selbst.
    Weiss ich wirklich, wer ich bin ?
    Oder habe ich nur eine Vorstellung von mir?
    Erwartungen an mich?


    Ich wünsche mir Verständnis und Mitgefühl von anderen,
    aber vor allem habe ich mir immer gewünscht,
    dass andere mich so sehen, wie ich mich selbst sehe.

    Lange Zeit habe ich nicht verstanden, warum es so viele Missverständnisse gab/gibt.
    ICH bin doch gar nicht "so".
    Aber es fällt / fiel mir schwer, mich zu sehen, wie ich bin.
    Wie andere mich sehen/sahen
    oder wie sie sich selbst wahrnehmen.

    Mein Sohn ist mein Spiegel:

    Irgendwann ist es so weit,
    dann ist er mir zuviel,
    dann halte ich es nicht mehr aus,
    dass er ist, wie er ist.

    Bzw. ich halte es nicht mehr aus, dass ich meine Vorstellungen
    vom "richtigen" Verhalten nicht durchsetzen kann.
    Ich möchte doch so gern, dass er anders ist,
    nicht als Mensch natürlich,
    sondern was bestimmte Verhaltensweisen betrifft.

    Ich verstehe, warum er sich verhält, wie er sich verhält
    und ich glaube zu wissen, was geschehen wird,
    wenn er sein Verhalten nicht ändert,
    will ihn beschützen
    und wiederhole die Erziehungs- und Verhaltensmuster,
    mit denen ich als Kind konfrontiert wurde
    und von denen ich ja weiss, dass sie erfolglos waren.

    Aber da ist noch mehr:
    Meine Wahrnehmungsstruktur ließ und lässt mich,
    Menschen, Verhaltensweisen, Situationen auf eine Weise beurteilen,
    die nicht der "Wahrheit" entsprechen muss.
    Abgesehen davon, dass es keine objektive Wahrheit gibt.....
    immer nur eine persönliche
    und doch ist meine Wahrnehmung noch mal etwas anders als die der Mehrheit.

    Auch mein Sohn hat seine Wahrnehmung von den Menschen/Dingen,
    die egal was ich tue oder sage
    "so" ist......
    und daran orientiert sich sein Verhalten, seine Reaktionen!
    War bei mir auch nicht anders!!!!!!!!!!!

    Mein Hausarzt sagt, dass AD(H)S weniger ein neurophysiologisches denn ein soziales "Problem" sei.
    Ich denke, so ganz unrecht hat er nicht.

    Wenn ich meinem Sohn und mir mit mehr Mitgefühl und Verständnis begegnete.
    mehr neugierig auf seine Wahrnehmung wäre,
    ihn weniger beurteilte,
    weniger Angst um ihn und mehr Mut für ihn,
    mehr Vertrauen zu ihm und weniger Zweifel an ihn hätte,
    dann....

    Wenn alle Menschen einander mit mehr Mitgefühl und Verständnis begegneten,
    weniger be- und ver-urteilten und mehr neugierig auf einander wären,
    weniger Angst vor sich selbst oder Verletzungen hätten und
    mehr Mut, sich selbst zu begegnen
    im anderen,

    dann könnten wir alle sein, wie wir sind
    und hätten die Chance, uns im anderen zu erkennen.

    Der Vorhang fällt und es ist Zeit für Begegnung!
    Geändert von 'Michi ( 3.09.2013 um 09:16 Uhr)

  10. #30
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 51

    AW: Wann seid ihr wirklich "Ich" - wann seid ihr wie ihr seid ??

    Hallo Michi - Dein Beitrag hat mich bewegt - weil Du mir in so vielen Dingen aus der Seele sprichst. Ich versuche mal, auf ein paar Sachen einzugehen, ohne dass es zuviel Text wird...

    'Michi schreibt:
    Grüßt Euch! Finde eure Beiträge sehr interessant. Hätte nie gedacht, dass AD(H)S dazu in der Lage sind.........
    Wozu "in der Lage"? Solche Texte zu verfassen, oder "Masken" aufzuziehen? Wenn sich Dein Satz auf die Beiträge bezieht, dann sei so lieb und lies Deinen Beitrag nochmal durch. Denn der ist - wie oben schon gesagt - ebenfalls beeindruckend...

    'Michi schreibt:
    Der Welt eine Maske von uns zu zeigen, eine Rolle zu spielen. Und wie geht das?
    Stellt ihr euch vor, wie "man" in Gesellschaft, in der Interaktion, in Begegnungen zu sein hat und ihr könnt dann dieser Vorstellung für eine bestimmte Zeit entsprechen, damit ihr nicht abgelehnt und zurückgeweisen werdet oder vielleicht sogar anerkannt und wertgeschätzt?

    Oder damit ihr einfach nicht auffallt, untertauchen könnt?
    Ich kann hier nur für mich sprechen. Ich zeige der Welt nicht bewußt eine Maske, sondern die Welt (die Gesellschaft) hat mir eine Maske "verpasst" (wobei ich den Begriff "Maske" eher irreführend finde). Unsere Gesellschaft ist (leider) durch und durch normiert. Ich bin ein "Kind der 70er" - also groß geworden in einer Zeit, in der es wenige dafür aber feste & strenge Regeln gab. Das und die Tatsache, dass ich ein hypoaktiver ADSler bin und mein ADS offenbar nicht sehr stark ausgeprägt ist, haben es mir ermöglicht einigermaßen durch Schule und Ausbildung zu kommen. Insoweit hat es "die Gesellschaft" geschafft, mich anzupassen oder besser gesagt: Ich hatte die Möglichkeit mich anzupassen. Das fällt dem Einen etwas leichter, dem Anderen wieder nicht. Ich spiele also keine Rolle - ich schaffe es eben "nur" ganz gut, mich einzufügen. Ich würde es auch gar nicht einsehen, eine Rolle zu spielen, um anerkannt oder wertgeschätzt zu werden - ich bin ein Mensch wie jeder andere und wer mich mag, der soll mich nehmen wie ich bin. Ein Problem mit jedwedem "anders sein" hat die Gesellschaft - nicht der, der "anders" ist...

    'Michi schreibt:
    Ich "kann" nicht anders sein als ich bin. Ich bin wie ich bin.

    Und das führt dazu, dass ich irgendwann abgelehnt wurde/werde. Zurückgewiesen wurde/werde. Denn irgendwann bin ich einfach zuviel, hält "man" es nicht mehr mit mir aus.
    Bin ich ZUVIEL. Brauchen die anderen eine Pause von mir. Und manchmal brauche auch ich selbst eine Pause von mir.
    Du musst nicht anders sein, als Du bist. Jeder Mensch ist gut, so wie er ist... Ich weiß, dass Zurückweisung und Ablehnung sehr schmerzhafte und schwer zu verarbeitende Erfahrungen sind. Aber frag´ Dich doch bitte mal, warum jemand der abgelehnt wird, weniger "wert" sein soll... Ist es in Wirklichkeit nicht so, dass diejenigen, die ablehnen, die nicht verstehen wollen, es nicht wert sind, dass man ihnen seine Zeit opfert?
    Eine Pause von mir braucht mein Umfeld manchmal auch - so wie ich eine Pause von ihm brauche. Und wenn es so ist, dann gönne ich mir eine Pause oder verschaffe meiner Umgebung eine Auszeit...

    'Michi schreibt:
    Rollen oder Masken scheinen mir verzweifelte Versuche zu sein, auf die Büchse der Pandora den Deckel drauf zu halten. Aber der Druck steigt und irgendwann springt er ab. Und der Druck sucht sich dann entweder nach innen oder nach außen seinen Weg. Wie ein schwelendes Feuer, das dann doch mit einem ausbricht.
    Es gibt sehr viele Wege, diesen Druck abzulassen. Mir persönlich hilft z. B. Sport sehr gut. Oder einfach mal rauszugehen. Ich schnapp´ mir meine Kamera, gehe spazieren und schaue mir die Welt ganz genau an... das lenkt mich ab und zeigt mir, dass es so viele tolle Dinge gibt, die schön sind. Ergotherapie hat mich vieles lernen lassen, mit dem ich Stress und Druck abbauen kann. Eine gewisse "Lässigkeit" in Bezug auf sich und auch in Bezug auf die Umwelt wirkt wahre Wunder...

    'Michi schreibt:
    Lange Zeit habe ich nicht verstanden, warum es so viele Missverständnisse gab/gibt. ICH bin doch gar nicht so. Aber es fällt / fiel mir schwer, mich zu sehen, wie ich bin. Mein Sohn ist mein Spiegel:
    Ein Spiegel... genau wie bei mir. Und oft hilft mir genau diese Erkenntnis, mich besser zu verstehen und vor allem mich so anzunehmen wie ich bin und es hilft mir oft auch im Umgang mit ihm... und das ist gut so. Ich merke - wahrscheinlich ähnlich wie Du - dass es oft einfacher ist, aus dem Fenster zu sehen, als in den Spiegel. Sich selbst(kritisch) zu betrachten und dann auch anzunehmen fällt nicht leicht. Ich bin froh, dass mein Sohn mich immer wieder daran erinnert...

    'Michi schreibt:
    Immer wieder geschieht es... irgendwann ist es so weit, dann ist er mir zuviel, dann halte ich es nicht mehr aus, dass er ist, wie er ist. Bzw. ich halte es nicht mehr aus, dass ich meine Vorstellungen von seinem "richtigen" Verhalten nicht durchsetzen kann.
    Sind es wirklich Deine Vorstellungen von "richtigem" Verhalten, oder sind es nicht in Wirklichkeit die Vorstellungen/Normen, die die Gesellschaft schon unseren Kindern "aufzwingt"?

    'Michi schreibt:
    Ich möchte doch so gern, dass er anders ist, nicht als Mensch natürlich, sondern was bestimmte Verhaltensweisen betrifft.

    Ich verstehe, warum er sich verhält, wie er sich verhält und ich glaube zu wissen, was geschehen wird, wenn er sein Verhalten nicht ändert, will ihn beschützen und wiederhole die Erziehungs- und Verhaltensmuster, mit denen ich als Kind konfrontiert wurde und die alles nur noch verstärken denn "besser" machen.
    Du glaubst gar nicht, wie sehr Du mir aus dem Herzen sprichst: Mein Sohn wurde spät (mit 17) diagnostiziert und ich hätte vor der Diagnose und auch noch einige Zeit danach alles dafür gegeben, dass er sich "anders" verhalten würde. Es ist aber nun mal so, wie es ist: Unsere Kinder sind halt anders. Blöd ist nur, dass die Gesellschaft dieses Anderssein als "nicht normal" abstempelt. Aber hey! Unsere Kinder sind sowas von normal - sie sind sogar was Besonderes. Ich behaupte bewußt provokativ, dass ein großer Teil der scheinbar "normalen" Kinder sehr viel unnormaler sind, als Kinder mit AD(H)S... vor allem unnatürlicher...

    Wenn es Dich ein wenig tröstet: Ich mache die gleichen "Fehler" hinsichtlich Erziehungs- und Verhaltensmuster in Bezug auf meinen Sohn, wie Du auch. Und wie fast jedes Elternteil mit einem Kind, das ADS hat... das pegelt sich alles ein. Und es ist völlig normal, sein Kind beschützen zu wollen. Das will ich sogar jetzt noch, obwohl mein Sohn schon 20 ist. Ich habe aber auch gelernt, dass andauerndes "pampern" ihm nichts bringt... es ist schmerzhaft, aber es ist so: unsere Kinder müssen lernen alleine zurecht zu kommen... und glaub´ mir: Die schaffen das...

    'Michi schreibt:
    Aber da ist noch mehr:
    Meine Wahrnehmungsstruktur ließ und lässt mich, Menschen, Verhaltensweisen, Situationen auf eine Weise beurteilen, die nicht der "Wahrheit" entsprechen muss.
    Abgesehen davon, dass es keine objektive Wahrheit gibt..... immer nur eine persönliche und doch ist meine Wahrnehmung noch mal etwas anders als die der Mehrheit.
    Wer bitteschön definiert, was "Wahrheit" ist??? Wir nehmen vieles anders wahr - das stimmt. Wir nehmen aber so viel mehr wahr, als jemand ohne ADS! Wenn ich alleine daran denke, dass ich in der Lage bin, winzig kleine Stimmungsschwankungen zu erkennen. Oder einfach intuitiv zu "wissen", wie sich jemand fühlt... das kann von den "Holzklötzen" da draußen kaum jemand so gut, wie wir. Wir können Details erfassen, die andere einfach nicht sehen. Wir erkennen Dinge, die für andere unsichtbar sind...
    Okay - wir übersehen dafür manchmal den vollen Mülleimer oder so... aber was soll´s?

    'Michi schreibt:
    Mein Hausarzt sagte, dass AD(H)S weniger ein neurophysiologisches denn ein soziales "Problem" ist. Ich denke, so ganz unrecht hat er nicht.Wenn alle Menschen einander mit mehr Mitgefühl und Verständnis begegneten, weniger be-urteilten und mehr neugierig auf einander wären auf IHRE Wahrnehmung weniger Angst vor sich selbst und den eigenen Verletzungen hätten und mehr Mut, sich selbst zu begegnen im anderen, dann könnten wir alle sein, wie wir sind und uns im anderen erkennen.
    Yep! Ist zumindest auch ein soziales Problem. Aber wie schon gesagt, bin ich der Meinung, dass nicht wir das Problem sind, sondern die, die uns einfach nicht so nehmen wie wir sind... da hilft nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung... oder eine Partei bzw. einen eigenen Staat gründen...
    Im Übrigen würde es allen Menschen helfen, wenn sie sich wieder mehr aufeinander einlassen würden, neugierig aufeinander wären, ohne Vorurteile aufeinander zugehen würden... und da schließe ich mich selbst nicht von aus... Vielleicht muss man einfach den ersten Schritt machen - immer und immer wieder, anstatt zu warten, bis der Andere sich bewegt...?

    'Michi schreibt:
    Wenn der Vorhang fällt, ist es Zeit für Begegnung!

    Mit weniger Angst und mehr Mut ?
    Mit mehr Vertrauen und weniger Zweifel ?
    Das lass´ ich jetzt als sehr schönes Schlusswort so stehen...

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