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Diskutiere im Thema Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 1

    Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    Hallo Community

    Schreibe erst jetzt in dieses Forum weil mein Leidensdruck vorher offenbar nicht groß genug war.

    Ich bin jetzt 30 Jahre alt und Student. Ich habe mich wie mir leider erst jetzt bewusst wird in eine Lage gebracht, wo ich nicht mehr wirklich weiß was ich tun soll.
    Mein Hauptproblem ist, dass ich wohl schon sehr lange an den Nachteilen von ADHS leide, es aber mir erst jetzt wirklich bewusst wurde, wie sehr ich die Erkrankung wohl verdrängt habe(teilweise wirklich aus Ahnungslosigkeit)

    Kurze Lebensgeschichte: Ich verbrachte meine Jugend in vielen psychosomatischen Kliniken wobei ich nicht wirklich verstand warum ich dort war. Das einzige was ich und meine Eltern wussten, war eben das ich hyperaktiv war. Ich wurde eine kurze Zeit mit 8 Jahren mit Ritalin behandelt, welches aber nach kurzer Zeit wieder abgesetzt wurde, da meine Mutter und einige Lehrer der Ansicht waren, dass ich unter dem Einfluss des Medikaments praktisch nicht mehr anwesend war d.h. komplett teilnahmslos und apathisch. Es folgten viele Gesprächstherapien, wobei mir immer noch keiner sagte was denn eigentlich mein Problem ist und ich in meinem damaligen Zustand auch nicht wirklich zuhören wollte/konnte.

    In der Schule hatte ich in den ersten 4 Klassen absolut keine Probleme(hatte fast nur Bestnoten), aber ab der 7 Klasse (Schulwechsel in einer Gesamtschule) fingen die Probleme an. In einigen Fächern war ich extrem gut in anderen sehr schlecht und konnte es mir teilweise selber nicht erklären. Habe aber einfach so weitergemacht und zumindest der Realschulabschluss erworben.
    Habe dann mit den genannten Problemen(Unkonzentriertheit, extreme innere Unruhe, starke Stimmungswechsel) das Fachabitur erworben und durch Bekannte meiner Mutter kam ich zu einer Ausbildung welche ich mit 23 Jahren begann.

    Ungefähr ab da hätte es mit eigentlich klar werden müssen, dass ich Probleme habe die mich ständig davon abhalten, Dinge zu tun wie ich sie machen will. Da ich sah, dass ich irgendwie anders bin hatte ich eine sehr starke Unsicherheit entwickelt, und nur Aufgaben erledigt die mir direkt zugeteilt wurden und selten etwas Eigenes/Neues ausprobiert. Ich erkannte auch nicht wie sich diese Verhaltensweise auch komplett auf mein restliches Leben ausgeweitet hat und ich in vielen Dingen stagnierte und das ich eigentlich sehr unselbständig war.

    Ich hatte dann auf Eigene Faust mir einige Therapeuten gesucht, mit welchen ich nichts anfangen konnte(da ich auch immer noch nicht wusste was denn mein Problem ist) und habe dann einfach keinen weiteren mehr gesucht. Ich verzweifelte langsam, da ich nicht mal eine Freundin finden konnte obwohl es genügend Chancen gab, aber es letztendlich immer an meiner Unsicherheit bzw. Unerfahrenheit und den dadurch erzeugten Stress scheiterte.

    Das seltsame war, dass ich dachte, dass ein Teil meines Lebens eigentlich gut funktionierte. Ich hatte einige sehr gute Freunde mit denen ich etwas unternehmen konnte. Wenn ich mal irgendwo war kam ich auch gut mit Menschen in Kontakt. Konnte sehr witzig sein und Kreativ und dachte, dass mein Leben ja gar nicht so schlimm sei(Leider eine komplette Fehleinschätzung).

    Was ich aber eben überhaupt nicht mehr erkannte ist, wie sehr ich mich doch schon längst aus allem (sozialen) Leben zurückgezogen habe und wie viele persönliche Ziele ich nicht verwirklichte.

    Ich versuchte alles was geht nur zu Hause zu erledigen( Sport, Unterhaltung, Treffen mit Freunden) und dachte mir nichts “schlechtes“ dabei.
    In dieser Zeit waren meine Eltern auch keine große Hilfe, da das Verhältnis zu ihnen nicht besonders gut war und sie mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hatten.
    Mit 26 bekam ich dann Schlafstörungen, welche ich ebenfalls einfach so hinnahm, bzw. mit Tabletten verschrieben von einem Neurologen zu bekämpfen versucht hatte. Die Schlafstörung hält bis heute an.

    Fing dann mit 27 ein Studium an, welches bis heute noch nicht beendet habe und welches auch noch etwas dauern wird.
    Habe dann etwa mit 29 Jahren angefangen mich in die ADHS Problematik einzulesen und war komplett erschlagen von den geschilderten Problemen und wie sehr diese Probleme auf mich zutrafen. Etwa 1 Semester lang war ich in einen kompletten Schockzustand (saß nur zu Hause), da ich erkannte wie schwierig ich mir mein Leben bisher gemacht habe und mich nicht früher über das Thema informierte. Konnte mir in dem Zustand auch keinen Nebenjob suchen/finden und werde zurzeit komplett von meinen Eltern finanziert, was ansich schon ein unhaltbarer Zustand ist...

    Was mich am meisten frustriert ist, dass ich es ja irgendwie wusste das ich wohl ein ADHSler bin aber irgendwie nicht wusste das meine Probleme direkt damit zusammenhängen. Das war schon ein Problem meine ganzen bisherigen Lebens: Ich wusste sehr viele Dinge einfach nicht und es kam mir auch nicht in den Sinn danach zu fragen, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass viele Dinge komplett anderes hätten verlaufen können.
    Diese Erkenntnis(und einige sehr negative Erlebnisse in den letzten 4 Monaten), haben nun meine Probleme extrem verschärft und ich befinde mich gerade in einem Zustand (Depression, teilweise soziale Phobie, Angstzustände) in welchem ich kaum handlungsfähig bin.
    Je mehr ich mich mit dem Thema ADHS beschäftige, desto mehr Angst bekomme ich und kann gerade kaum einen klaren Gedanken fassen.

    Ironischerweise ist das einzige was mich gerade noch am Leben hält eben die Vorteile von ADHS:
    Ich bin sehr kommunikativ und gesellig. Komme sehr schnell mit Menschen ins Gespräch. Meine Kreativität kenn keine Grenzen. Ich bin sehr witzig und eigentlich finden mich alle sympatisch. Hab einen sehr guten Blick fürs Wesentliche und kann mich schnell in neue Themen reinarbeiten. Nur kann ich gerade diese Vorteile wegen meinem Zustand nicht wirklich nutzen...

    Ich bin gerade auf der Suche nach einem Therapeuten welcher auf ADHS spezialisiert ist aber ich weiß nicht ob das ausreicht oder ob das zurzeit der richtige Weg ist.

    Es haben sich einfach so viele Probleme angesammelt, dass ich gerade nicht weiß wo ich anfangen soll.

    Ich bräuchte jetzt irgendwie eine Reihenfolge die ich abarbeiten kann.

    Sollte ich mir zuerst einen Therapeuten suchen welcher auf ADHS spezialisiert ist?
    Wo lass ich mich am besten diagnostizieren?
    Oder sollte ich direkt in eine spezialisierte Klinik?
    Was kann ich selbst tun?
    Was muss ein Arzt tun?
    Welchen Sinn, macht es ein einer ADHS Studie teilzunehmen?

    Ich weiß, dass es in diesem Forum sehr viele nützliche Information vergraben sind aber ich werde gerade von allen Threads erschlagen und weiß einfach nicht wo ich anfangen soll und entschuldigt die etwas panische Schreibweise...

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 31
    Forum-Beiträge: 75

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    keine Ahnung obs dir hilft, aber bei mir läufts derzeit so:

    1. psychologische Beratungsstelle angerufen und gefragt, wer sich damit auskennt und was es noch so für möglichkeiten mit ähnlichen Symptomen gibt
    2. Arzt gesucht, der "Breitband-Diagnosen" macht, also auf alles mögliche testet (da bin ich momentan noch in Untersuchung), von dem hab ich aber direkt ne Überweisung zur Verhaltenstherapie gekriegt was mich zu Punkt 3 führt, der Verhaltenstherapie. (Das ganze gesuche und gemache und Theater hat 7 Wochen gedauert...dann noch Theater mit der Krankenkasse gehabt usw...)

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.650

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    Hallo,

    was mir geholfen hat war damals:

    1. Eine Ambulanz/Klinik suchen, die dich diagnostiziert und dich auf ein ADHS-spez. Medikament einstellt (du kannst hier nach einer Klinik in der Nähe suchen, im Forum, oder googeln, einige Klinik haben eine spez. ADHS-Sprechstunde; Vorteil: Muss man in der Regel nicht selbst bezahlen,läuft über Kasse.
    2. Zusätzlich einen Therapeuten suchen, der sich mit ADHS auskennt und mit der/dem die Chemie stimmt- das ist nicht so einfach, da braucht man Geduld. Verhaltenstherapeutische Richtung ist günstig.

    Die Kombi Therapie und Medikament ist auf jeden Fall sehr günstig.

    In Mannheim wird eine Studie angeboten, s.thread oben, da würdest auch diagnostiziert, das könnte auch ein guter Anfang sein.
    Ich würde mit der Diagnose anfangen,Medikamente sind wichtig-aber parallel auch schon mit der Therapeutensuche beginnen, weil das dauert.

  4. #4
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.859

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    Hey, langsam! Klinik, Therapie, Studie. So weit sind wir noch nicht.

    WarmesChaos ist durch den Wind. Das müssen wir ihm erst mal nehmen.

    Aber zu aller erst: Du schreibst im falschen Forumsteil. Das ist Deine Vorstellung und die sollte auch in den Vorstellungsbereich.

    Also:

    Maßnahme 1. Vorstellung im Vorstellungsthread.

    Du hast nun ADHS. Das hattest Du auch schon vorher und das wirst Du auch immer haben. ADHS ist wie eine Warze auf der Nase. Du bekommst das nicht mehr weg. Und: hat sich Dein Leben nun verändert? Du hast eine Info bekommen, mehr nicht. Du bist nicht jetzt erst krank geworden. Du warst vorher schon krank, hast es nur nicht gewusst.

    und von Krankheit würde ich persönlich, also ich, Steintor, (noch) nicht redden wollen. Aber da hat jeder wohl seine eigene Meinung, denn ADHS mag im Extremfall eine Krankheit sein. Aber das kann nur ein Arzt entscheiden.

    Du kannst jetzt noch nicht von Krankheit sprechen. es ist eine INFO und noch keine Diagnose.

    Maßnahme 2: lebe weiter, wie bisher. Es hat sich nichts verändert.

    Nun zu deinem Text.


    WarmesChaos schreibt:
    Kurze Lebensgeschichte: Ich verbrachte meine Jugend...
    Schlimm, was Du in Deine Jugend erlebt hast. Aber damals wollte man von ADHS nichts wissen. Tragisch ist, dass man damals schon so dicht dran war.

    WarmesChaos schreibt:
    Habe dann etwa mit 29 Jahren angefangen mich in die ADHS Problematik einzulesen und war komplett erschlagen von den geschilderten Problemen und wie sehr diese Probleme auf mich zutrafen. Etwa 1 Semester lang war ich in einen kompletten Schockzustand (saß nur zu Hause),
    Moment, Du hast Dich selbst mit dem Thema ADHS befasst und hast Dich in den Schilderungen wieder gefunden. Du bist aber nicht zu einem Arzt gegangen, ein Jahr lang.

    Irgendwo hast Du geschrieben, dass Deine Frustration, eventuell ADHS zu haben, sehr groß ist und Dich nur noch die positiven Eigenschaften dessen, am Leben erfreuen. Ich frage mich heute, warum Du so lange gezögert hast, zum Arzt zu gehen?

    WarmesChaos schreibt:
    (Depression, teilweise soziale Phobie, Angstzustände) in welchem ich kaum handlungsfähig bin.
    Je mehr ich mich mit dem Thema ADHS beschäftige, desto mehr Angst bekomme ich und kann gerade kaum einen klaren Gedanken fassen.,
    Du hast die Info, vielleicht ADHS zu haben. Was jetzt? Erst mal zum Arzt gehen. mehr nicht, Keine Klinik, keine Studie. In die Klinik kommst Du ohnehin erst dann, wenn Dich der Arzt dorthin überweist.

    Einen passablen Arzt zu finden ist nun ein großes Problem. Das ist aber ein rein logistisches Problem, weil, es gibt nämlich kaum gute Ärzte. da ich nicht weiß, aus welcher Region Du kommst, kann ich Dir da leider nicht weiter helfen. Natürlich ist Mannheim ideal, aber falls Du in Flensburg wohnen solltest, wäre Mannheim zu weit (immerhin musst Du ja alle drei Monate zum Arzt).
    Geändert von Steintor ( 5.08.2013 um 13:39 Uhr)

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.650

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    @Steintor,das sehe ich etwas anders-welcher Arzt kennt sich schon mit ADHS aus??
    War bei mir zumindest absolute Fehlanzeige.

    Vielleicht ist das auch je nach Klinik unterschiedlich,aber ich konnte ohne eine Überweisung zum Erstgespräch und ich würde für eine Klinik,die sich mit ADHS auskennt auch weiter anreisen (wenn diese Patienten aus der Umgebung auch akzeptieren,muss man sich halt erkundigen).Letztendlich spart man dadurch viel Zeit und Frust ein.Und inzwischen gibt es ja einige Ambulanzen. Würde mich da frühzeitig melden,da ja meistens Wartezeiten bestehen. Sonst verliert man nur Zeit.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 731

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    Huhu vorneweg; bei mir lief es ähnlich und doch anders. Ähnliche Extreme aber 9 Jahre vorher aufgerafft und (oder weil) schlimme Familienverhältnisse.

    Dann noch folgendes, was ich seeeehr wichtig finde, "falls" du hypersensibel bist und so ähnlich wie ich auf solche Dinge reagierst (im Unwissen): Das hier sind nur Tipps, Empfehlungen, ich wage es nicht dir ins Leben zu pfuschen, tu das, was du für richtig empfindest (Ausser das eine, böse da, dass man nicht tun sollte). Du verstehst ... hoffentlich. Ansonsten frage ich dich keine Fragen, sondern beantworte deine ohne dich zu was bewegen zu wollen. Ich antworte einfach so, wie ich es tat. So, wie ich persönlich subjektiv empfinde.

    Sollte ich mir zuerst einen Therapeuten suchen welcher auf ADHS spezialisiert ist?

    Hatte mir ADS "selbst diagnostiziert" (Private Geschichte) und ging dann entsprechend zu einem Therapeuten, der auf Abklärung spezialisiert ist. Das Ergebnis war ziemlich einleuchtend ... (bei mir).

    Wo lass ich mich am besten diagnostizieren?
    Naja, bei einem Psychiater - meine persönliche Meinung: Meide Psychologen... die können gar nichts, haben nicht einmal Medizin studiert. Eventuell nötige (temporäre) Medikamente können sie dir auch nicht verschreiben. Scharlatane in my humble opinion.

    Oder sollte ich direkt in eine spezialisierte Klinik?
    Würde ich ... ja, wie oben gesagt. Also generell; Hilfe beanspruchen schadet nicht!

    Was kann ich selbst tun?
    ADS und eventuelle Auswüchse wie ein visuell-räumliches Denken sind soooo kompliziert wenn man endlich begreift, was einen von allen anderen unterscheidet ... ich hatte die letzten 10 Monate reihenweise kognitive Dissonanzen also ... "was selbst zu tun" ist schwer. Jemand der weiss mit was er es zu tun hat (Spezialisierter Psychiater/Therapeut) kann wirklich nicht schaden.

    Was muss ein Arzt tun?
    So viel ich weiss, kann ein "Arzt" nicht sonderlich viel tun? Sorry, bin überfragt.

    Welchen Sinn, macht es ein einer ADHS Studie teilzunehmen?


    Das weiss ich auch nicht. ^^
    Kopf hoch, ich sagte mir an dem Punkt damals ständig "Schlimmer kann's nicht mehr werden, nur besser"

    LG,
    Theonar.

    p.s. Klingt doch nach einem Anreiz, die negativen Seiten auszumerzen und mit den positiven weiterzuleben, oder?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Aufmer...s_Normvariante
    Geändert von Theonar ( 5.08.2013 um 17:59 Uhr)

  7. #7
    Holdibaldi

    Gast

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    Hallo WarmesChaos (netter Nickname übrigens! )

    bevor ich versuche, deine Fragen zu beantworten: Ich finde mich in deinen Schilderungen in vielen Teilen wieder, lass dir also einfach gesagt sein, dass es vielen anderen Betroffenen genau so geht, zum Teil sogar noch drastischer. Ich hänge seit 2 Jahren mit dem Studium durch und habe erst letztes Semester langsam angefangen zu kapieren, was mit mir los ist. Die Angst und Panik sowie Depressivität (hängt ja alles miteinander zusammen) habe ich zum Glück hinter mir gelassen, denn so lange man in dieser Phase ist, kommt man ohnehin nicht wirklich vorwärts. Ging mir jedenfalls so.

    Also: Erstmal durchatmen und dran denken, dass du mit deinem Problem nicht alleine bist, dass du nichts dafür kannst und die Chancen echt gut sind, die Sache mit der Zeit in den Griff zu bekommen. Vielleicht hilft das, die momentane Panik etwas zu mildern - ich hoffe es!

    Nun zu den Fragen:

    WarmesChaos schreibt:
    Sollte ich mir zuerst einen Therapeuten suchen welcher auf ADHS spezialisiert ist?
    Wo lass ich mich am besten diagnostizieren?
    Oder sollte ich direkt in eine spezialisierte Klinik?
    Was kann ich selbst tun?
    Was muss ein Arzt tun?
    Welchen Sinn, macht es ein einer ADHS Studie teilzunehmen?
    Ich habe zuerst eine Verhaltenstherapie gemacht (wegen der Probleme im Studium, Prokrastination etc.), die mir zwar insofern geholfen hat, dass ich überhaupt jemandem mein Herz ausschütten konnte, aber letztlich ergebnislos verlief, meine extrem ausgeprägte Prokrastination bekam ich dadurch nicht in den Griff. Durch Zufall informierte ich mich über ADHS (mit Hyperaktivität) und stieß dabei auf die hypoaktive Ausprägung, von der ich nie zuvor gehört hatte. Das war mit Faustschlägen vergleichbar, die mir in die Magengrube fahren, so erschütterte es mich, all meine Eigenheiten in der Beschreibung vorzufinden.
    Daraufhin war ich beim Hausarzt und äußerte meinen Verdacht. Er hat mich dann zu einem Neurologen weitergeleitet, wo die Diagnose überprüft und bestätigt wurde. Momentan besuche ich zwei Selbsthilfegruppen (beide derzeit Sommerpause) und suche einen geeigneten Ergotherapeuten.

    Ich nehme zur Zeit je nach Bedarf Medikinet adult und habe es mit Hilfe jenes Präparats seit langer Zeit erstmals wieder vermocht, über mehrere Stunden hinweg ohne Unterbrechung an Pflichtaufgaben zu arbeiten. Optimal ist das Ergebnis noch nicht, aber ich hoffe, dass ich durch eine Ernährungsumstellung (Grüntee ist beispielsweise besser als Kaffee, wirkt länger und hat einen interessanten und konzentrationsfördernden Effekt) kombiniert mit Anti-Prokrastinationsstrategien (Stichwort: Ergotherapie) und zumindest übergangsweise Medikinet (dauerhaft möchte ich es nach Möglichkeit nicht nehmen müssen, aber wenn es nicht anders gehen sollte, dann nähme ich das in Kauf) letztlich in der Lage sein werde, mein Studium als normaler Student und nicht als vertrotteltes Gelegenheitsgenie weiterzuführen.

    Um konkret auf deine Fragen einzugehen: Ich würde mir an deiner Stelle gezielt einen Psychologen/Psychologin oder Neurologen/Neurologin suchen, die Erfahrung in der Behandlung von ADHS haben. So ersparst du dir unliebsame Begegnungen mit Leuten, die keine Ahnung haben, dass sie keine Ahnung haben.

    Leider ist es wohl so, dass es wirklich gute Spezialisten nur wenige gibt, ich habe bislang noch keinen getroffen. Da war zwar ein Psychologe, der selbst betroffen ist und ADHS behandelt, aber der Weisheit letzter Schuss war das leider nicht.

    Selbst kann man sehr viel tun. Man muss dabei jedoch aufpassen, dass man nicht anfängt, sich um sich selbst zu drehen. Ich möchte beispielsweise - nachdem ich die letzten 2-3 Monate damit verbrachte, mir sehr viel zum Thema anzulesen und Wege überlegte, das Problem langfristig in den Griff zu bekommen - jetzt mehr und mehr dazu übergehen, einen halbwegs normalen Alltag zu führen. Also ADS als Teil meiner Selbst zu akzeptieren.

    Vielleicht nehme ich irgendwann nochmal an einer richtig tiefgreifenden Diagnostik teil, aber diesbezüglich habe ich es nicht eilig. Ist ohnehin gerade überfüllt.

    Ich hoffe, dass ich dir einige Anhaltspunkte geben konnte, obgleich jeder seinen eigenen Weg finden muss - ist ja klar.

    Alles Gute!

    Holdi
    Geändert von Holdibaldi ( 5.08.2013 um 18:26 Uhr)

  8. #8
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    Hi,

    ich habe nur das Ende deines Posts gelesen (weil mich die Länge überfordert). Möchte auf einige deiner abschließenden Fragen eingehen.

    Ein Therapeut, also ein Psychologe, ist meiner Meinung nach eine falsche Anlaufstelle, wenn du eine Diagnose bekommen möchtest. Das gehört in die Hände eines Psychiaters oder Neurologen. Ist ja schließlich auch eine neurologische Störung. Psychologen verschreiben auch keine Medikamente!

    Du kannst nun also die Liste aller Psychiater in deinem Wohnort abtelefonieren und fragen, ob sie eine ADHS Diagnose bei Erwachsenen stellen (davon dürfte es nicht so viele geben).
    Oder, so habe ich es gemacht: Gib "ADHS Erwachsene" und deinen Wohnort (oder die nächste größere Stadt) in eine bekannte Suchmaschine ein. Also wenn du in Bonn wohnst, dann "ADHS Erwachsene Bonn".

    So kam ich direkt auf eine psychiatrische Institutsambulaz ganz in meiner Nähe. Die kennen sich mit ADHS aus. Das ist auch wichtig für eine medikamentöse Behandlung.

  9. #9
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.859

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    hypie1 schreibt:
    @Steintor,das sehe ich etwas anders-welcher Arzt kennt sich schon mit ADHS aus??
    War bei mir zumindest absolute Fehlanzeige.
    Das ist wahr. In den ADHS-Zentren Mannheim, Neunkirchen und Hannover findet man aber einige Ärzte.

    hypie1 schreibt:
    Vielleicht ist das auch je nach Klinik unterschiedlich,aber ich konnte ohne eine Überweisung zum Erstgespräch und ich würde für eine Klinik,die sich mit ADHS auskennt auch weiter anreisen
    Ich werde mal in DÜW anrufen, ob die ambulant diagnostizieren.

    Ansonsten habe ich noch mal im web nachgeguckt, was bei der von uns am meisten favorisierten Klinik steht:

    Krankenhauseinweisung des Arztes
    steht da.

    Es steht natürlich auch da:

    Die Schön Klinik Bad Bramstedt bietet ihren Privatpatienten eine eigene Privatklinik.
    Das erklärt freilich alles. Natürlich braucht man keine Überweisung...wenn man alles selbst bezahlt. Ich habe mal nach gefragt: 7000,- Euro für eine Woche (das war aber nicht Bad Bramstedt)

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.650

    AW: Unbehandelter ADHSler. Wie komme ich da raus?

    7000 € ?!

    Ich hab damals die 10 € Praxisgebühr bezahlt weil es mir viel zu peinlich gewesen wäre meinen Internisten um eine Überweisung in eine psychiatr.Ambulanz zu bitten (mittlerweile wäre mir das egal...), und das war`s dann aber auch mit dem bezahlen.

    Es gibt zum Glück Kliniken die die Diagnose normal über Kasse abrechnen...

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