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Diskutiere im Thema Kreativität und ADHS Was uns die Wissenschaft sagt ... im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    Kreativität und ADHS Was uns die Wissenschaft sagt ...

    Hallo und Moin Moin

    Wie in diesem Thread versprochen, möchte ich hier ein wenig etwas über die Studienlage in bezug auf Kreativität und ADHS schreiben.

    Um eines gleich vorweg zu nehmen:
    Dies soll keine Diskussion in dem Sinne auslösen, wie sie u. a. auch in oben genannten Thread geführt wird, sondern lediglich eine Beschreibung sein, was man bislang im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen und Studien feststellen konnte.

    Natürlich darf hier gerne diskutiert werden, keine Frage, aber es soll hier nicht um die immer wiederkehrende Grundsatzsdiskussion gehen, ob es meine Absicht ist, ADHS schlechtzureden etc.

    Was man von dem, das ich hier zusammentrage für sich annimmt, bleibt jedem selbst überlassen.
    Was ich hier erreichen will ist, dass Informationen bereitgestellt werden, die auch mit Mythen aufräumen und zumindest als verfügbares Wissen vorhanden sind, auf die jeder gerne zugreifen kann.


    Die Frage im genannten Thread lautete, nachdem ich und einige andere immer wieder schreiben, dass es keinerlei Studien gibt, welche darauf hinweisen, dass mit ADHS tatsächlich auch Stärken oder bestimmte positive Eigenschaften verbunden sind, ob ich dazu Studien nennen kann.

    Speziell bezog sich die Frage auf den Bezug zur Kreativität in Verbindung mit einer ADHS.

    Auch wenn ich versuche, eine Kurzfassung zu schreiben, so brauchts hier doch einiges mehr an Erklärungen für ein Gesamtverständnis.
    Ich teile daher diesen Beitrag in mehrere Postings, die inhaltlich eigene Themen behandeln, so dass jeder selbst schauen kann, wie viel er liest und wo er anfängt und vielleicht anschließend noch ein anderes "Kapitel" dazu liest.

    Hier findet Ihr Links um direkt zu den Beiträgen zu springen:

    Kreativität, was ist das? Definition und ein Beispiel


    Studien über ADHS und Kreativität und Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus den Studien
    Hat die Software zusammengefasst und ich habs nicht bemerkt, ... bleibt jetzt zusammen, bin zu müde dafür...
    Wenn ein Admin mag, darf er das gerne teilen, die Postings sollten untereinander bleiben ... hab mir das einfacher vorgestellt ...

    Die Studie von Farah et al.

    Ein Beispiel von mir in bezug auf divergentes Denken und mein Erleben.



    Thread ist fertig ... ich auch
    Geändert von Fliegerlein (15.07.2013 um 13:35 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    Was ist Kreativität?

    Was ist Kreativität überhaupt?

    Um zu wissen, was man untersucht, muss man es auch definieren und da fängt schon nicht selten das Missverständnis an.

    Oftmals ist der erste Gedanke zur Kreativität "Künstler und künstlerisches Schaffen".
    Das ist aber nur ein Aspekt der Kreativität.

    Was sagt das Wörterbuch, z.B. der Duden als Definition?
    "Schöpferische Kraft, kreatives Vermögen"
    und
    "Mit der sprachlichen Kompetenz verbundene Fähigkeit, neue, nie gehörte Sätze zu bilden und zu verstehen"

    Ahsoo .... hilft uns auch nicht weiter

    Zusammengefasst aus mehreren Definitionen, Guilford vorangenommen, ist Kreativität der Prozess einer Problemlösung.
    Dieser Prozess bedingt Originalität, Flexibilität und Ideenflüssigkeit und er muss zeitnah zu einer Lösung führen.

    Was bedeutet das?
    Originalität bedeutet, dass etwas bislang von anderen so nicht nicht gedacht wurde und es diese Art der Lösung bislang noch nicht gab.
    Man nennt das auch "Querdenken" "Um die Ecke denken" oder in englisch "thinking outside the box"
    In der Fachsprache nennt man diesen Prozess auch "divergentes Denken" (engl. Ideator Style = "Ideenbasierter Stil")

    Es gibt noch eine zweite Art, die sich konvergentes Denken nennt.
    Damit beschreibt man eine Art des Denkens, die (systematische) Abklärung und Entwicklung von Ideen beschreibt (engl. Developer Style = "Entwickelnder Stil").


    Flexibilität bedeutet, dass die Lösung zeitnah erfolgt.
    Ideenflüssigkeit ist ein Begriff dafür, dass Jemand mehrere Möglichkeiten der Problemlösung finden und in Erwägung ziehen kann.

    Kurz gesagt:
    JEDER Mensch, der ein Problem löst, auf eine Art wie sie es bislang noch nicht gab, mit Mitteln die bislang nicht in Erwägung gezogen wurden und die vielleicht sogar ungewöhnlich sind, ist kreativ.

    Das trifft also nicht nur auf Künstler zu.

    Ein Techniker, Laborant, Büromitarbeiter, eine Reinigungskraft, alle können durchaus kreative Menschen sein, wenn sie in ihrem alltäglichen Leben immer wieder Probleme lösen.

    Wenn eine Reinigungskraft eine Socke über das Staubsaugerrohr stülpt, weil ein Mitarbeiter ein kleines, kaum erkennbares Teil an einer unerreichbaren Stelle verloren hat und sie es damit ansaugt und anschließend absammeln kann, und dies vorher entweder noch nie gemacht wurde oder sie das bis dato selber nicht anderweitig schon kannte, dann war das ein höchst kreativer Prozess, denn eine Socke ist für diesen Zweck nicht gemacht und auf die Idee, diese beiden Mittel in dieser Weise zusammen zu nutzen, um ein gänzlich anderes Problem zu lösen, ... das ist schon etwas sehr Besonderes und äußerst kreativ.

    Ok, ...
    Fassen wir also zusammen:
    Kreativität bedeutet die Fähigkeit zur Problemlösung.
    Um kreativ sein zu können, muss man:
    - Ideen haben,
    - Probleme analysieren können,
    - Wege zur Lösung finden,
    - diese zeitnah umsetzen können, so dass das Problem am Ende auch tatsächlich gelöst wird/ werden kann,
    - und das Ganze zielgerichtet bis zum Abschluss des gesamten Prozesses verfolgen können.
    Geändert von Fliegerlein (15.07.2013 um 13:36 Uhr)

  3. #3
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.858

    AW: Kreativität und ADHS -> Was uns die Wissenschaft sagt ... (ein Kurzroman

    Ich habe dem Admin gebeten, diesen Kommentar zu löschen.

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    Studien über ADHS und Kreativität

    Studien über ADHS und Kreativität
    (Das wird jetzt nicht so kurz, wie ich es mir erhofft habe )

    Es gibt eine ganze Menge von Studien zu diesem Thema, daher kann ich hier nur auf einige wenige verweisen, aber immerhin, auf die kann ich verwesien .
    Nicht alle sind im Netz verfügbar und ich möchte jetzt nicht auch noch zeitaufwändig danach suchen und sie verlinken, ich hoffe, dass Ihr Verständnis dafür habt, dass ich das dann im Bedarfsfall an Euch weitergebe .


    Im Folgenden verweise ich auf diese Studien, die ich natürlich nicht alle in vollem Umfang gelesen habe (Hallo ... auch ich hab ADS ), sondern mich auch oftmals mit den Zusammenfassungen in entsprechenden Fachartikeln informiert habe.

    Da wären also:

    Barkley et al. 1996, eine Studie mit einer kleinen Gruppe von erwachsenen ADHS-Betroffenen mit mehreren Tests zur Kreatitivät, hauptsächlich Ideenflüssigkeit/ Ideengewandheit (Fluency).

    Murphy et al. (2001) mehrere verschiedene Messungen zur Kreativität bei ADHS Betroffenen Erwachsenen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe

    Rapport et al. (2001) mehrere verschiedene Messungen zur Kreativität bei ADHS Betroffenen Erwachsenen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe

    Abrahams et al. (2006) Eine Studie mit einmal einer Gruppe von Jugendlichen Heranwachsenden mit ADHS, eine Gruppe von Jugendlichen Heranwachsenden mit Verhaltensstörungen (conduct disorder) aber kein ADHS und natürlich einer Kontrollgruppe.

    White and Shah (2006) eine Studie mit ADHS-Betroffenen und mehreren verschiedenen Messungen zur Kreativität

    White and Shah (2011) eine weitere Studie mit einr Gruppe von Studenten mit ADHS Diagnose, ebenfalls diverse Messungen/ Tests zur Kreativität.


    Farah et al. (2009) eine Studie, die ein anderes Ziel verfolge, nämlich zu messen, inwiefern die ADHS-Medikation die Kreatitivät bei ADHS'lern beeinflusst, die aber in diesem Kontext sicherlich auch sehr interessant sein dürfte und daher mit genannt wird.


    Zusätzlich habe ich natürlich auch Fachliteratur konsumiert und dazu gehören nicht die üblichen "Tradebooks" (ich vergesse immer wieder den deutschen Begriff ... eben Bücher für den allgemeinen Markt wie Selbsthilfebücher etc).
    Allen voran steht hier "ADHD in Adults, what the science says" (Barkley. Murphy Fisher 2010) welches zum einen die wissenschaftliche Publikation von zwei großen Studien zur ADHS bei Erwachsenen der UMASS und Milwaukee-Studien ist, und zum anderen auch auf über 300 weitere Studien zum Thema verweist, bzw. deren Ergebnisse zusammenfasst.

    Dazu kommen Vorträge, Fachartikel und auch Gespräche und persönliche Anfragen.
    Die letzte Anfrage ging gerade am Tag vor Erstellung dieses Threads an Dr. Barkley und hatte auch dieses Thema zum Inhalt, so dass ich darauf auch zurückkomme.


    Was haben die Studien ergeben?

    Um es zusammengefasst vorweg zu nehmen:
    Es gibt wie gesagt weitaus mehr Studien, als die 6 von mir genannten und ALLE, mit einer einzigen Ausnahme, auf die ich eingehen werde, haben ergeben, dass keine Verbindungen gefunden wurden zwischen ADHS und Kreativität.


    Die zusamengefassten Ergebnisse im Einzelnen in Kurzfassung:

    Die Studie von Barkley et. al. (1996) (25 Betroffene mit ADHS, Kontrollgruppe N=23) ergab nach verschiedenen Tests zur Kreativität keine Unterschiede zwischen der ADHS- und der Kontrollgruppe.

    Zum gleichen Ergebnis kamen die folgenden Studien von Muprhy et al. (2001) und Rapport et atl. (2001), wobei Rapports Studien ergaben, dass die ADHS-Gruppe "more perseverative and nonperseverative errors on their design fluency task", also mehr Fehler sowohl bei Beständigkeit als auch Unbeständigkeit in einem Bereich den man "Design Fluency" nennt und der in der Psychologie als (frei von mir aus dem englischen übersetzt) "Einschätzen von Planung, kognitiver Flexibilität und Gewandheit/ Flüsigkeit in der Generierung von bildhaften Modellen" bezeichnet wird.

    Ansonsten konnten keine Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden.

    Abrahams et al. (2006) fand heraus, dass die ADHS-Gruppe eine höhere Rate im Bereich des Denkens "outside the box" hatten, also durchaus besser im Querdenken waren, jedoch Probleme damit haben, eine Entwicklung/(Erfindung) aus einer bildhaften/ imaginären Aufgabenstellung heraus zu entwickeln.
    Die Ideen konnten also sozusagen nicht verwirklicht werden.
    (Eigene Beschreibung: Sie sind zwar im Kopf und meist auch bildhaft, aber sie können nicht verbalisiert werden und verlassen den Kopf sozusagen nicht.)

    Ähnliche Ergebnisse zeigten White and Shah (2006) und hatten ebenfalls das Ergebnis, dass die ADHS-Gruppe bessere Ergebnisse im divergenten Denken hatten, also wieder "Querdenken" "Thinking outside the box", "Um die Ecke denken" "ungewöhnliche Ideen haben".
    Auch hier zeigte sich aber, dass die Ergebnisse im konvergenten Denken (man könnte es auch formulieren als "Die korrekte Antwort auf eine Testfrage geben") schlechter abschnitten.
    Es gibt also viele Ideen, aber mit der Folge, wie wir sie alle schon oft gehört gehört haben "Thema verfehlt, setzen".
    Die Ideen sind bunt, aber für die Lösung des Problemes nicht von Nutzen.

    In einer späteren Studie von White and Shah (2011) fand man heraus, dass ADHS'ler bevorzugt im Ideator-Style denken, also Ideen generieren, während die Kontrollgruppe eher in konvergenten Denken blieb, also den "Developer-Style" anwandte und ein Problem abklärte und Ideen (systematischer) entwickelte.

    White and Shah haben ebenfalls bezug darauf genommen, dass in den bisherigen Studien keine Verbindung zwischen ADHS und Kreativität gefudnen wurde, während diese Studie zeige, dass ADHS'ler besser als die Kontrollgruppe in der Originalität bei den verbalen Kreativtests zur divergenten Denkweise abschnitten.
    Die Mehrheit der Kreativtests ist nonverbal.
    Aufgrund dieses Ergebnis schreiben sie, dass es den Anschein haben könne, dass ADHS'ler in diesem einen Punkt! besser anbschnitten, als Nichtbetroffene.

    Diese Studie ist die EINZIGE, welche diese Vermutung zuließ und verweist auch darauf, dass darüber weitere Studien folgen sollten.

    Auch ist diese Studie insofern eine besondere Ausnahme, als die ADHS-Gruppe aus Studenten bestand, während die meisten ADHS'ler es zumeist nicht auf die Uni schaffen, bzw. wenn, diese oftmals nicht abschließen.
    Zudem schrieb Barkley mir zur dieser Studie:
    "Moreover, their paper was a study of undergraduates with ADHD and most people with ADHD do not attend college and even more fail to finish it, so this is a rather select group of intelligent students having ADHD yet still being in a college environment."

    Zu Deutsch:
    "Dies war eine Studie mit Studenten mit ADHS und die meisten ADHS'ler schaffen es nicht bis zum College oder schaffen es nicht, es zu beenden, so dass diese Gruppe eine Auwahl an sehr intelligenten Studenten mit ADHS war, die sich zudem aktuell in einem Hochschulumfeld befanden"

    erschreibt dazu, dass er diese Studie daher eher als ein "Ausreißer, bzw. Sonderfall" der sonstigen Literatur sieht, welche durchgehend "did not find any link between ADHS and creativity", also keine Verbindung zwischen ADHS und Kreativität fanden.


    Weiter schreibt er, dass es, wie ich auch schon oft schrieb, eben nicht bedeutet, dass wenn eine Person gut oder besonders gut im divergenten Denken ist, dass sie diesen Ideen dann auch folgen und mit hoher Wahrscheinlichkeit das Problem lösen, für welches die Kreatitivät verwendet eingesetzt werden sollte.

    Die Kunst in der Kreatitivät liegt also nicht nur darin, dass einem Ideen in den Kopf schießen, sondern darin, dass diese deen auch den Kopf verlassen können, verbalisiert weren, die Ideen im Rahmen des Entwicklungsprozesses weiter verfolgt und am Ende zeitnah verwirklicht werden.
    Geändert von Fliegerlein (15.07.2013 um 13:46 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
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    Farah et al.

    Die Studie von Farah et al. 2009

    Diese Studie ist eine besondere insofern, als sie nicht die Unterschiede in der Kreativität zwischen ADHS'lern und einer Kontrollgruppe untersuchte, sondern die Wirkung der ADHS-Medikation und einen möglichen Einfluss auf die Kreativität.

    Um es ganz kurz zu fassen:
    Entgegen der landläufigen Meinung zeigte sich, dass die Medikation KEINEN Einfluss auf die kreativen Leistungen der Teilnehmer hatten.

    Dies war eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie.

    Auch das ist ja recht interessant würde ich sagen gerade für uns, die wir die Medikamente einnehmen und gerne "wir selbst" bleiben möchten.
    Geändert von Fliegerlein (15.07.2013 um 13:23 Uhr)

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
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    Forum-Beiträge: 3.798

    Mein Schlusswort

    Wenn ich abschließend ein weiteres Beispiel von mir berichten darf:
    Noch bevor ich meine ADHS-Diagnose hatte und wegen Burnout und Depressionen in Behandlung war, habe ich meinen Therapeuten mal folgendes in bezug auf meine Tätigkeit als Filmemacher gesagt:

    "Ich habe Tausende von Ideen im Kopf ... Immer und überall.
    Wenn ich Auto fahre, spazieren gehe, Fern sehe ... ich sehe Bilder, Bildsequenzen und -Kompositionen ... alles Bilder, die ich mir in einem schönen Film vorstellen kann, den ich gerne machen möchte.
    Aber ich bekomme niemals diesen Film zusammen.
    Die Bilder stecken in meinem Kopf fest, ich bekomme sie nicht verbalisiert, noch schaffe ich es irgendwie, sie so zu sortieren, dass ich sie auch annähernd mal in die Tat umsetzen kann.
    Diese Tausende von Bildern bleiben auf ewig in meinem Kopf eingesperrt und ich werde sie nie zu einem schönen Film umsetzen können.

    Das beschreibt sehr schön dieses konvergente Denken, eben die zahllosen Ideen, die aber nicht zu einer Verwirklichung kommen, weil der gesamte Prozess nicht durchlaufen werden kann.


    Wenn Interesse besteht, kann ich gerne etwas mehr über dieses divergente Denken schreiben.
    Dabei geht es auf neuronaler Ebene um die sogenannte "Laterale Hemmung".

    Auch das ist sehr interessant und erklärt recht gut, wie "quergedachte" Ideen entstehen (eben "lateral") und welche Voraussetzungen dafür auf neuronaler Ebene nötig sind.


    So, ... das war jetzt meine Kurzfassung

    Wie immer bitte ich um kritische Betrachtung meiner Texte, fragt, verbessert und korrigiert mich.
    Ich bin ADS'ler wie wir alle, mache Fehler, verstehe Dinge falsch, übersehe Dinge ...

    Nun bin ich etwas durch den Wind und geschlaucht, erkenne kaum noch Buchstaben und brauche eine Pause...


    Viele Grüße
    Marcus

    Das war das Abschlussposting
    Jetzt kann geantwortet werden

  7. #7
    Lysander

    Gast

    AW: Kreativität und ADHS Was uns die Wissenschaft sagt ...

    Vielen lieben Dank für Deine Mühe!!!! Wirklich toll!

    Winkler sagte in einem Vortrag sinngemäß, die (meisten,viele?) ADSler wären Synästhetiker, verfügten über ein Denken in Bildern, das u.U. mit anderen Sinnen kombiniert auftritt. Kreativität auf Problemlösung zu reduzieren passt mir nicht oder reicht mir nicht. Ein Klavier spielt man um des Klavierspielens willen. Kreativität erfüllt ebenfalls einen Selbstzweck. Ich kenne sehr viele ADSler, die sich kreativ ausprobieren, sei es Malerei, Fotografie, Musik, Installationen, Skulpturen erschaffen etc. Ich meine zwar nicht, dass ich eine statistische Erhebung gemacht habe, aber so ganz kann ich mich nicht mit den Studien anfreunden. Wenn ich male, löse ich doch kein Problem, jedoch erschaffe ich etwas Neues (mal abgesehen von der Qualität). Kreatitivität ist Schaffenskraft, schöpferisches Handeln, natürlich ebenfalls "Problemlösung auf unkonventionellem Wege". Wobei analytisches/logisches Denken Problemlösungen dient. Ob letzteres wirklich Kreativität ist, sei dahin gestellt.

    Ich glaube, dass jeder Mensch kreativ sein kann. Eine Untersuchungsgruppe, gleich mit oder ohne ADS, der man Aufgaben stellt, die man auf unkonventionellem Wege lösen kann, wird sich in der Versuchssituation ähnlich viel Mühe geben, wie die Kontrollgruppe. Ich bin da skeptisch, ob es zu einem objektiven Ergebnis führt. Es besteht vielleicht sogar die Möglichkeit, dass ADSler häufiger kreativ sind und zwar aus eigenem Antrieb als Nicht-ADSler. Damit sind sie, wenn man den einzelnen kreativen Prozess betrachtet, zwar nicht kreativer als andere, aber sie sind es dafür eben öfter.

  8. #8
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.858

    AW: Kreativität und ADHS Was uns die Wissenschaft sagt ...

    Vielen Dank, lieber Fliegerlein, für Deine "kurze" Abhandlung zum Thema Kreativität bei manifestiertem ADHS. Ich möchte jetzt eine Idee aufschreiben, die mir bei schnellem Überfliegen (nicht, dass ich alle Fliegerleins Texte überfliege) Deines Textes in den Sinn kam.

    Fliegerlein schreibt:
    Die Kunst in der Kreatitivät liegt also nicht nur darin, dass einem Ideen in den Kopf schießen, sondern darin, dass diese deen auch den Kopf verlassen können, verbalisiert weren, die Ideen im Rahmen des Entwicklungsprozesses weiter verfolgt und am Ende zeitnah verwirklicht werden.
    Die "Gabe" zum Querdenken ist vielen ADSler eigen. Bis heute hat diese mich leider nur behindert, denn Chefs im Dienstleistungssektor dieser Gesellschaft mögen Querdenker nicht; da gilt die DIN EN ISO 9001 und die besagt, dass das, was der Kunde möchte, Gesetz ist. Eigene Gedanken sind kontraproduktiv im Sinne des Geschäftserfolgs und das Denken des Arbeiters muss sich nach den jeweiligen Dienstvorschriften richten.

    So habe ich gelebt.

    Versucht zu leben.

    Ging aber nicht.

    Ein Relikt aus der Zeit des genormten Denkens ist eine tief sitzende Unsicherheit, was mein eigenes, hoffentlich kreatives Denken betrifft: ich habe jetzt Angst quer zu denken. Noch immer wähne ich das Damoklesschwert des Dienstleisters über mir, das mir selbstständiges Querdenken verbietet. Erst seit Oktober letzten Jahres nehme ich mir das Recht heraus, auf mein Denken stolz zu sein (und werde promt als aggressiv bezeichnet, weil ich nicht mehr zu allem "ja" sage).

    Was ich sagen will: Querdenken mag und eigen sein, aber wir wurden leider auch sanktioniert, wenn wir das taten. da versuche ich gerade anzusetzen, dass ich Mut finde, weiter zu machen (selbst meine Betreuerin beim Jobcenter sagte unlängst, ich solle ein Buch schreiben, denn ich hätte das Talent dazu).

  9. #9
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Kreativität und ADHS Was uns die Wissenschaft sagt ...

    Lysander schreibt:
    Kreativität auf Problemlösung zu reduzieren passt mir nicht oder reicht mir nicht. Ein Klavier spielt man um des Klavierspielens willen. Kreativität erfüllt ebenfalls einen Selbstzweck.
    Das ist das, was ich mit Missverständnissen in bezug auf die Definition meine.
    Es geht dabei nicht um die reine Kunst und künstlerisches Schaffen.

    Der Begriff "Problemlösung" ist sehr pragmatisch gewählt beinhaltet aber genauso auch die Schaffung von Kunstwerken.
    Soll heißen:
    Jemand der z.B. eine Skulptur erschaffen möchte.
    Das mag nicht wie ein Problem wie wir es üblicherweise im negativen Kontext kennen, erscheinen.

    Auch da schaut man am besten auf die eigentliche Wortbedeutung und die lautet für "Problem" ganz schlicht:
    Aufgabenstellung/ Fragestellung.

    Die (selbstgestellte) Aufgabe des Künstlers ist nun also, diese Skulptur zu erschaffen und dazu benötigt er eine Menge Ideen, Originalität und auch Flexibilität etc. denn die Aufgabe besteht darin, das Bild, welches er vielleicht gerade vor Augen hat, mit seinen Mitteln zu verwirklichen.
    Also macht er sich Gedanken darüber, wie er aus einem Stück Stein oder was auch sonst er als Basismaterial hat, sein Werk erschaffen kann.
    Und damit ist er im Prozess der Problemlösung, also der Beantwortung der Fragen, wie er die Aufgabe löst.

    Lysander schreibt:
    Wenn ich male, löse ich doch kein Problem, jedoch erschaffe ich etwas Neues (mal abgesehen von der Qualität).
    Da genau liegt das Missverständnis.
    Basierend auf der eigentlich Wortbedeutung stelle ich mir eine Aufgabe, nämlich ein Bild zu malen.
    Und wenn das etwas sein soll, das bislang noch nie jemand so gemacht hat, dann muss ich mir Gedanken darüber machen, wie das gehen soll und das ist der Prozess der Aufgabenlösung.
    Das ist pragmatisch betrachtet das gleiche wie eine Aufgabe im technischen Bereich zu lösen.
    Wir sind nur leider so gestrickt, dass wir Kreativität immer nur mit künstlerischem Schaffen verbinden, aber die besagte Socke vor dem Staubsaugerrohr ist nicht minder ein kreativer Prozess.

    Lysander schreibt:
    Kreatitivität ist Schaffenskraft, schöpferisches Handeln, natürlich ebenfalls "Problemlösung auf unkonventionellem Wege". Wobei analytisches/logisches Denken Problemlösungen dient. Ob letzteres wirklich Kreativität ist, sei dahin gestellt.
    Klar ist es dass, auch das Lösen eines technischen Problemes bedeutet, dass jemand eine Aufgabe gestellt bekommt, für die es neue Wege zu deren Erfüllung zu gehen gilt.
    Das würde ich schon für eine sehr hohe kreative Leistung halten.


    Lysander schreibt:
    Ich glaube, dass jeder Mensch kreativ sein kann. Eine Untersuchungsgruppe, gleich mit oder ohne ADS, der man Aufgaben stellt, die man auf unkonventionellem Wege lösen kann, wird sich in der Versuchssituation ähnlich viel Mühe geben, wie die Kontrollgruppe. Ich bin da skeptisch, ob es zu einem objektiven Ergebnis führt.
    Nun muss dazu dann natürlich auch die Testmethoden genau betrachten und kennen und das zu erklären, würde mich jetzt wahrlich überfordern.

    Aber alles in Allem würde ich schon davon ausgehen, dass diese Tests, so wie sie entwickelt und konzeptioniert sind, durchaus zu validen und reliablen Ergebnissen führen.
    Ansonsten könnte man mit diesem Argument problemlos JEDEN Test in Frage stellen.

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 241

    AW: Kreativität und ADHS Was uns die Wissenschaft sagt ...

    Das beschreibt sehr schön dieses konvergente Denken, eben die zahllosen Ideen, die aber nicht zu einer Verwirklichung kommen, weil der gesamte Prozess nicht durchlaufen werden kann.

    Wenn Interesse besteht, kann ich gerne etwas mehr über dieses divergente Denken schreiben.
    Dabei geht es auf neuronaler Ebene um die sogenannte "Laterale Hemmung".
    Ersteres beschreibt sehr gut mein Problem. Ich habe -zig Bilder im Kopf, die ich nicht auf die Leinwand bringe, einfach weil ich Probleme bei der Ausführung/Umsetzung habe.

    Interesse besteht.

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