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Diskutiere im Thema Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Holdibaldi

    Gast

    Frage Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Hallo liebe Forengemeinde,

    ich weiß nicht genau seit wann ich zapple, doch ich vermute, dass es während (oder kurz nach) einem längeren Krankenhausaufenthalt begann, ich war etwa fünf Jahre alt. Mehrere Monate wurde ich auf Grund einer Infektion (falsch) behandelt und mehrmals operiert. Danach hatte ich Alpträume, wurde zum Schlafwandler und begann wohl - laut Aussage meiner Mutter - etwa zu dieser Zeit auch mit dem Zappeln. Ob es zwischen Krankenhausaufenthalt und dem Zappeln einen Zusammenhang gibt, muss offen bleiben.

    Tatsache ist, dass ich seither in fast unveränderter Weise bei innerer positiver Erregung (und das bedeutet meist mehrmals täglich) heftigst beginne, mit dem Oberkörper zu wippen und dabei zeitgleich die Finger beider Hände aneinander zu reiben. Das dauert meist mehrere Minuten. Ich kann diesen Drang zwar zeitweise (etwa im Urlaub, wenn ich keine Rückzugsmöglichkeit habe) unterdrücken und somit kontrollieren, das empfinde ich jedoch als unangenehm, ein innerer Druck entsteht.

    Diese Zappel-Prozedur praktiziere ich seit Jahrzehnten streng geheim, bis vor kurzer Zeit wusste absolut niemand davon. Besser gesagt: Niemand wusste davon, dass ich es immer noch praktiziere, als Kind zappelte ich zu Anfang offen, bis ich merkte, dass die Umwelt darauf negativ reagiert. Wenn ich nicht sicher bin, ob ich ungestört bleibe (bei offener Tür oder im möglichen Sichtbereich eines Fensters), streiche ich mir alternativ rege durch die Haare. Das ist die milde Form - die Tarnvariante sozusagen.

    Ich erwähne dieses Zappel-Phänomen, weil ich es als einzig greifbares körperliches Ereignis in Händen halte, das mich klar als irgendwie abnormal stigmatisiert. Ich muss mir das immer wieder selbst klar machen, weil ich die Zappelei über viele Jahre vollkommen verdrängt habe. Ich machte es zum Tabu vor mir selbst und vor anderen erst recht.
    Es ist an der Zeit, den Zappel-Holdi aus dem Sack zu lassen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

    Spaß beiseite: Ich finde leider nicht sehr viel zu meinem Zappel-Zwang im Netz, auch die Ärzte/Psychologen, denen ich es in jüngster Vergangenheit offenbarte, nahmen es mehr stillschweigend zur Kenntnis. Es scheint mir nach meiner Einschätzung weder eine klassische Tic-Störung zu sein, noch ein Zeichen für Tourette (ich gebe keine Laute von mir, es ist ein reiner Bewegungszwang, den ich noch dazu kontrollieren kann). Was könnte es sein und inwiefern steht das in Verbindung mit ADS? Passt das überhaupt ins diagnostische Bild?

    Ich würde diese Zappelei nur allzu gerne loswerden. Schon allein deshalb, weil ich das Gefühl habe, meine positive Antriebskraft hierdurch quasi zu verzappeln. Danach bin ich zwar innerlich wieder ruhiger, aber auch irgendwie erschöpft. Es ist kein schönes Gefühl. Anfang 20 wollte ich mir die Zappelei abgewöhnen, ich schaffte es 2-3 Wochen.

    Es grüßt in die Runde,

    der Zappel-Holdi
    Geändert von Holdibaldi ( 6.07.2013 um 21:57 Uhr)

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 295

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Zappel-Ahoi! Ich war und bin genauso wie du es beschreibst: als Kind war es meine ungebrochene Leidenschaft andauernd mit dem Oberkörper zu wippen. Federnde Stühle sind mir da sehr gelegen gekommen, genauso wie ein großer Gymnastik-Ball (diese aufblasbaren für Rückentraining etc.).
    Jeden Abend vor dem TV saß die Familie still da und fieberte mit dem Krimi mit - und ich saß als einzige auf meinem Lieblingsball und boing...boing...boing... bis die anderen Rudelmitglieder sich eines Tages entschieden und völlig entvervt auf die Verbannung des Balls aus der Wohnung geeinigt haben
    Als ich älter wurde habe ich das Wippen in den Fuß verlagert weil das in der Schule nicht so toll kam. Im Erwachsenenalter dann hat es sich wieder gezeigt und man kennt mich nur so... Die Wipptante halt.
    Wenn ich unter richtig großer Anspannung stehe dann fange ich sogar an zu zittern. Richtig heftig, und kontrollieren kann ich es nicht. Irgendwann verschwindet es halt so wie es kam: auf leisen Sohlen.

    Da du die Zappelei nicht unterdrücken kannst und eigentlich auch nicht willst, selbst wenn du dich danach etwas erschöpft fühlst, ist wohl die entscheidende Frage: mit welchem "Übel" kannst du eher leben? Zappeln oder erschöpft sein? Ich glaube nicht dass du dir dadurch den Antrieb "verdirbst", es ist bestimmt noch genug Kraft über für anderes Oder wie siehst du das?

    Gruß vom Zappelschwert...

  3. #3
    Holdibaldi

    Gast

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Hey Flammschwert,

    Flammschwert schreibt:
    Da du die Zappelei nicht unterdrücken kannst und eigentlich auch nicht willst, selbst wenn du dich danach etwas erschöpft fühlst, ist wohl die entscheidende Frage: mit welchem "Übel" kannst du eher leben? Zappeln oder erschöpft sein? Ich glaube nicht dass du dir dadurch den Antrieb "verdirbst", es ist bestimmt noch genug Kraft über für anderes Oder wie siehst du das?
    erstmal vielen Dank für die Antwort, ich dachte schon, dass ich der einzige ADS-Zappler bin.

    Da hast du mich wohl missverstanden: Ich kann die Zappelei gut unterdrücken (empfinde das nur als unangenehm), jedenfalls über einige Stunden oder gar Tage. Vor Menschen habe ich es (seit meiner Kindheit) nicht mehr gemacht.

    Und es ist viel heftiger als ein gemütlich anmutendes Vor- u. Zurückwippen in einem Lehnstuhl oder Bürostuhl - das mache ich auch ständig, aber das fällt ja nicht weiter auf, weil das viele Menschen - wenn nicht gar die meisten - machen.

    Mein Zappeln kommt in seiner intensiven Ausprägung vielmehr dem klassischen Hospitalismus-Syndrom nahe, allerdings verletze ich mich dabei nicht und kann es wie gesagt kontrollieren. Jeder unwissende Beobachter muss jedoch den Eindruck gewinnen, dass ich psychisch einen totalen Dachschaden habe.

    Mal eine Beschreibung: Ich stelle mich irgendwo ins Zimmer, beginne unmittelbar (je nach Erregungsgrad etwas stärker oder schwächer ausgeprägt) mit dem Oberkörper zu wippen und dabei wirklich heftig mit den Fingern zu kneten (sie immerfort ineinander zu verknoten und aneinander zu reiben), die ich dabei dicht an mein Gesicht heranführe. Einen Ästhetikpreis gewinne ich damit sicherlich nicht.

    Ich hatte schon den Verdacht, dass es sich eventuell um eine sogen. Bewältigungsstrategie (Coping) handeln könnte, eine mehr oder minder sozial unauffällige Methode, jenen Energieüberschuss, der vom Organismus nicht produktiv verwendet werden kann (etwa als Antriebsenergie für Studium/Alltag) und im Falle einer Unterdrückung zu sozial auffälligem Verhalten (Impulsivität, Aggressivität) führen könnte, abzuschütteln. Aber das ist nur eine Vermutung.

    Beste Grüße,

    Holdi
    Geändert von Holdibaldi ( 7.07.2013 um 18:40 Uhr)

  4. #4
    Chaoten-Weib

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 53
    Forum-Beiträge: 2.544

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Hi Holdi,

    ist mal ein MRT vom Kopf bei dir gemacht worden?

    lg Heike

  5. #5
    susiprincess

    Gast

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    ja das mit dem Wippen, oder manchmal bewege ich nur die Zehen, das kenne ich auch ich mach das meist weil mir langweilig ist und was zu tun haben möchte. In der Schule habe ich mal mit dem Stuhl gewippt und bin dann umgefallen, alles hatte natürlich gelacht

  6. #6
    Holdibaldi

    Gast

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Hallo Heike,

    nicht dass ich wüsste. Meinst du, dass ein MRT sinnvoll wäre?

    Viele Grüße,

    Holdi

  7. #7
    Holdibaldi

    Gast

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Hallo susi,

    susiprincess schreibt:
    ja das mit dem Wippen, oder manchmal bewege ich nur die Zehen, das kenne ich auch ich mach das meist weil mir langweilig ist und was zu tun haben möchte. In der Schule habe ich mal mit dem Stuhl gewippt und bin dann umgefallen, alles hatte natürlich gelacht
    Wie gesagt, das nervöse Wippen mit dem Stuhl (etc.) meine ich nicht. Mit dem Stuhl ist wohl jeder schonmal umgefallen in der Schule, ich gehöre freilich auch dazu.

    Bei mir ist es der ganz gezielte Abbau von überschüssiger positiver Antriebskraft (so empfinde ich es), den ich quasi durch wilde Fingerbewegungen und monotone Schaukelbewegungen ansteuere. Wichtig scheint mir die Berührung des Kopfes, mir kommt es so vor, als leite ich die drängende Energie aus dem Kopf über die Finger in die Umwelt ab.

    Also mit nervöser Wippelei hat das (leider) nix zu tun.

    Viele Grüße,

    Holdi

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 295

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Salü Holdi.
    Holdibaldi schreibt:
    Da hast du mich wohl missverstanden: Ich kann die Zappelei gut unterdrücken (empfinde das nur als unangenehm), jedenfalls über einige Stunden oder gar Tage. Vor Menschen habe ich es (seit meiner Kindheit) nicht mehr gemacht.
    Mein Fehler, habe mich da schlecht ausgedrückt. Da du das Unterdrücken als unangenehm empfindest, habe ich geschlussfolgert dass du es nicht gern machst.

    Holdibaldi schreibt:
    Mein Zappeln kommt in seiner intensiven Ausprägung vielmehr dem klassischen Hospitalismus-Syndrom nahe, allerdings verletze ich mich dabei nicht und kann es wie gesagt kontrollieren. Jeder unwissende Beobachter muss jedoch den Eindruck gewinnen, dass ich psychisch einen totalen Dachschaden habe.
    Der Eindruck anderer ist erstmal egal Dass dein Zappeln möglicherweise mit dem Krankenhausaufenthalt zu tun haben könnte, würde ich deiner Beschreibung nach in der Tat nicht ausschließen. Ich schicke voraus dass ich mich auf diesem Gebiet nicht auskenne (auch von dem von dir genannten Syndrom habe ich hier zum ersten Mal gehört). Wenn du dich an diese Zeit im KH noch erinnerst, wäre es eine Möglichkeit mal zu durchforsten wie es dir in dieser Zeit ging. Für ein Kind in diesem Alter muss das furchtbar gewesen sein, ich kann mir vorstellen dass großer Druck auf dir gelastet haben muss - von zuhause weg zu sein, Behandlungen ertragen etc.

    Mein Partner hat auch Tics. Kopfzucken, Husten, Augenbrauenzucken - wechselt sich immer mal ab. Intensiviert sich jedoch wenn er sich konzentriert oder im Stress ist - das würde also auch zu dir passen...

    Holdibaldi schreibt:
    Ich hatte schon den Verdacht, dass es sich eventuell um eine sogen. Bewältigungsstrategie (Coping) handeln könnte, eine mehr oder minder sozial unauffällige Methode, jenen Energieüberschuss, der vom Organismus nicht produktiv verwendet werden kann (etwa als Antriebsenergie für Studium/Alltag) und im Falle einer Unterdrückung zu sozial auffälligem Verhalten (Impulsivität, Aggressivität) führen könnte, abzuschütteln. Aber das ist nur eine Vermutung.
    ... die auch einleuchtend klingt du bist selbst ja schon auf sehr wertvolle Spuren gestoßen. Das alles hat in etwa mit dem 5. Lebensjahr begonnen/nach dem KH Aufenthalt?
    Du könntest mal zum Neurologen gehen und die Sache dort ansprechen. MRT, EEG etc. machen lassen um organische Ursachen ausschließen zu können. Darf man erfahren wegen welcher Infektion du damals behandelt worden bist?

  9. #9
    Chaoten-Weib

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 53
    Forum-Beiträge: 2.544

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Holdibaldi schreibt:
    Hallo Heike,

    nicht dass ich wüsste. Meinst du, dass ein MRT sinnvoll wäre?

    Viele Grüße,

    Holdi

    Hallo Holdi,

    Flammschwert hat es dir unten beantwortet

    Dann kannst du schon mal den Kreis wieder kleiner machen, wenn organische Ursachen abgeklärt wurden. Aber ich will dir jetzt kein Schiss machen. Ich würde auch einen Neurologen aufsuchen. Hattest du schon mal ein EEG?

    lg Heike

  10. #10
    Holdibaldi

    Gast

    AW: Mein Bewegungszwang; oder: Tic-Störung und AD(H)S?

    Hallo Heike und Flammschwert,

    das EEG war unauffällig. Aber ich werde es beim nächsten Neuro-Besuch nochmal gezielt zur Sprache bringen. Ich verdränge dieses hoch auffällige Markenzeichen (und darüber hinaus eigentlich der Beweis dafür, dass bei mir etwas in der Reizverarbeitung ganz und gar nicht stimmt) leider immer wieder erfolgreich, so dass ich es im entscheidenden Moment nicht erwähne.

    Ich habe sehr detaillierte Erinnerungen an meinen Krankenhausaufenthalt als kleiner Junge, da waren natürlich große Ängste im Spiel, ich lag mit alten Menschen wochenlang im selben Zimmer, mir wurde dauernd Blut abgenommen und dann lag ich nackt und fröstelnd auf dem OP-Tisch, schämte mich in Grund und Boden, war umringt von maskierten riesenhaften Menschen, die lauter sonderbare Dinge machten. Das vergisst man nicht.

    Ich wurde über Monate falsch behandelt (chirurgisch und nicht konservativ) und habe heute noch eine große Narbe dort, wo man die Eingriffe unternahm. Heute behandelt man diese Erkrankung nur noch rein medikamentös, wie mir ein Arzt erzählte, der mich damals behandelte und den ich viel später durch Zufall wieder traf. Aber ich schweife ab.

    Sicher hat mich dieses Ereignis geprägt und vieles in meiner Kindheit negativ gefärbt. Ich musste über ein Jahr mit einem sehr unschönen Verband herumlaufen und wurde natürlich kräftig gehänselt. Später habe ich die Zeichen der Verletzung zwar recht gut verbergen können, musste jedoch mit der Angst leben, dass man sie dennoch sehen könnte. Wenn das durch Zufall oder Unachtsamkeit meinerseits geschah, war mir ein blöder Kommentar sicher. Ein Stigmata.

    Ich bleib der Sache auf der Spur, noch länger möchte ich das nicht duldsam vor mir herschieben.

    Viele Grüße,

    Holdi

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