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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 2

    AD(H)S? Meine Geschichte

    Hallo,

    Ich bin Tim, 20 Jahre alt und habe seit kurzer Zeit den Verdacht, dass ich AD(H)S habe aber vorher einen kurzen Lebenslauf zu mir:

    Ich war immer ein aufgewecktes Kerlchen und zeigte an vielen Dingen großes Interesse und Verständnis. Die Grundschule meisterte ich ohne Probleme, die Note 3 suchte man vergeblichst auf meinen Zeugnissen und so stand dem Gymnasium nichts entgegen. Das einzige Manko war, dass ich durch mein konstantes Gerede die anderen Kinder ablenkte. Das bekamen meine Eltern immer wieder von meinem Klassenlehrer zu hören und obwohl wir oft darüber gesprochen haben, hörte ich nie damit auf.

    Die ersten Probleme entwickelten sich dann in der Pubertät. Die Noten wurden immer schlechter weil ich eine extreme Anti-Haltung gegen alles und jeden hatte und die Fächer natürlich immer schwieriger wurden und man den Anforderungen nicht mehr mit meinem Halbzuhören nicht mehr gerecht werden konnte. So kam es auch dazu, dass ich eine Klasse wiederholen musste.
    Diese Phase hielt sehr lange an und erst jetzt wenn ich auf diese Zeit zurück blicke, wird mir bewusst, was ich für ein absoluter Unmensch damals war aber meine Eltern haben es Gott sei dank mit mir ausgehalten, bei mir ist die Pubertät halt "extremer" als bei anderen.

    Mit ca. 18 Jahren hat sich mein Anti-Verhalten dann gebessert, die Probleme in der Schule blieben, ins nächste Jahr schaffte ich es immer nur mit hängen und würgen oder mit Nachprüfungen und fiel deshalb in ein tiefes Loch. Ich hatte keine Lust mehr irgendwas zu machen, lag nur im Bett rum, guckte TV, spielte PC und wartete auf das Wochenende, dass ich abschalten kann.

    Weil ich eigentlich ein ziemlich kopflastiger Mensch bin und mir viel mehr Gedanken über ALLES mache als die meisten denken, fing ich an mir ernsthafte sorgen über mich zu machen. So konnte ich mich dazu durchringen zu einem Psychologen zu gehen, diese stelle eine Depression fest. Behandelt wurde ich gänzlich ohne Medikamente, nur mit Gesprächen des Psychologen. Hinzu kam, dass ich kurz vor der Behandlung meine spätere Freundin kennen lernte und wie ein Wunder halfen mir diese beiden Sachen mich in der Schule zu verbessern obwohl ich meinen Lernaufwand nur minimal steigerte.

    Irgendwann sollte ich dann meinen letzten Behandlungstermin haben, den vergaß ich und hab auch keinen Ersatztermin gemacht, dachte ja alles ist in Butter. Kurze Zeit später trennten meine Freundin und ich uns dann (Noten wurden natürlich wieder schlechter).

    Doch auch während der "Glücklichen Phase" mit Freundin und Behandlung gegen die Depression, war ich nicht so, wie ich es mir erwünscht hätte. Ich hatte trotzdem noch große Schwierigkeiten mich zu konzentrieren, es ist fast unmöglich für mich Texte zu lesen und deren Inhalt wieder zu geben. Ich lese die Wörter, höre sie in meinem Kopf aber sie sind sofort weg. Teilweise schaffe ich es jedoch, Texte zu lesen und zu verstehen, kann sie wiedergeben doch auch für kurze Zeit. Nach ein paar Tagen ist vieles davon wieder weg.
    Desweiteren hatte ich schon immer komische Ticks bei mir entdeckt, dachte aber jeder hat sowas. Zum Beispiel:

    -konnte ich nie gut sitzen bleiben, ich muss meine Sitzposition alle paar Minuten ändern, weil es mir so vorkommt als wenn die Kontaktpunkte von Stuhl und Körper sich irgendwie "unangenehm" anfühlen.

    -Blickkontakt zu halten fällt mir ungeheuer schwer, es ist immer so ein Gefühl in mir, als könnte mein Gesprächspartner mit seinem Blick wissen was ich Denke/Fühle

    -Mein Gedächtnis und unglaublich schrecklich. Wenn ich in mein Zimmer gehe, mit der Absicht dort 3 Dinge zu holen, habe ich beim Gang zum Zimmer 1-2 davon wieder vergessen

    -Genau so wie mit Gesprächen. Ich frage meine Eltern morgens wann sie von der Arbeit kommen, sie antworten mir und nach 2 Minuten muss ich sie wieder fragen, weil ich es vergessen habe-....

    -Habe extreme Angst vor mehreren Leuten zu sprechen

    -Ich war auch immer probierfreudig was Drogen anbelangt (habe allerdings ein sehr kritischen Blick auf mein Konsumverhalten) und hatte bei Amphetaminen einen sehr geringen bzw. beruhigenden Effekt im Vergleich zu anderen, die eien Toleranz haben und sofort durchs Zimmer hüpften

    Es ist so ein grauenhaftes Gefühl in mir, weil ich weiß, dass ich viel mehr schaffen könnte. Alle Bekannten die mich von früher kennen, sind auch schockiert/traurig darüber, dass ich z.B. eine Ehrenrunde machen musste. eignetlich war allen klar, dass meiner Zukunft nichts in Wege steht aber ich selber stehe mir irgendwie im Wege.


    Puh, das musste ich mir alles mal von der Seele schreiben.
    Wie sollte ich jetzt vorgehen? Gibt es Ärzte im Ruhrgebiet, die mit AD(H)S im Erwachsenenalter vertraut sind?

    Liebe Grüße

    Tim

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.214

    AW: AD(H)S? Meine Geschichte

    Hallo Tim,

    heute ist ein guter Tag für neue Vorstellungen, herzlich willkommen.

    Du hast vielleicht schon gemerkt, dass hier einige ähnlich unterwegs sind
    wie du.

    Alles Gute hier!

    LG Gretchen
    (alte Mutter)

  3. #3
    Indigowoman

    Gast

    AW: AD(H)S? Meine Geschichte

    Hallo Tim,

    also erstmal ! ! !

    Du hast ja schon viel Stress mitgemacht, scheinst ihn schlecht kompensieren zu können (wohl am ehesten noch durch Resümieren statt durch Strategien) und wirkst verwirrt. Irgendwie lese ich zwischen deinen Zeilen heraus, dass du von deinen Eltern nicht unterstützt wirst (oder nur halbherzig). Mit dieser Problematik kenne ich mich aus eigener Erfahrung und durch Bekannte mit ähnlichen Geschichten aus. Nach dem was ich heute weiß, können alle, die psychisch krank oder "anders" sind, nur dann mit negativen Erfahrungen umgehen und trotz Hindernissen viel aus ihrem Leben machen (teils sogar große Karrieren!), wenn sie viel Unterstützung erfahren haben. Im Alltag schwer belastbar und im Denken unselbständig sind dagegen die, die mit ihren Schwierigkeiten allein gelassen werden (und da kann man nicht nur die Eltern in die Pflicht nehmen!) und denen die Eltern und das Umfeld sogar noch Gewissensbisse einreden. Ging mir so - heute bin ich arbeitslos und ohne Chance, trotz hoher Intelligenz (snief).

    Andererseits hast du den Vorteil, dass du noch sehr jung bist. Den ersten Schritt hast du schon mal hinter dir: dich selbst mit all deinen Stärken und Fehlern zu erkennen. Dabei hat dir sicher dein vieles Nachdenken geholfen. Und dass du allein auf deine Diagnose gekommen bist (wie auch ich, aber erst mit 29) - Respekt! Leider gibt es ja viel zu wenig kompetente Ärzte, die auch noch für Kassenpatienten arbeiten (für die arme Masse, bei der nicht viel zu holen ist). Das ist sehr zum Schaden unserer Gesellschaft! Der nächste Schritt von dir wäre jetzt, dich von allen schädlichen Einflüssen frei zu machen (das ist mir erst letztes Jahr vollständig gelungen, und ich bin 41), und dann kannst du langsam ein neues Leben mit Alltagsstrategien und mit sozialen Kontakten aufbauen, die dich auffangen. Dafür ist leider soziales Training notwendig. Denn auch diese Freunde wollen Unterstützung. Ob dir die Krankenkasse Kommunikationstrainer bezahlt? Probier es einfach. Du musst das beantragen und begründen. Bei mir haben sie es leider schon vor Jahren abgelehnt, weil die Psychiater/ Psychologen mir kein ADS attestieren wollten sondern lauter komische andere Störungen bescheinigt haben, was nicht auf mich zutraf, und auch jeder was anderes. Schon verrückt, dass die Krankenkasse da nicht nachgehakt hat. Ansonsten gibt es noch den steinigen Weg des Selbstversuchs: was ist im gesellschaftlichen Kontext richtig, was falsch. (Klar, dass man da am Anfang erstmal aneckt.)

    Und dann wäre auch noch die Entwicklung von Hobbies wichtig - das entspannt vom Alltagsstress. Ich wünsche dir in deinem weitern Leben viel Glück!


    Indigowoman

  4. #4
    Simönchen

    Gast

    AW: AD(H)S? Meine Geschichte

    Hey und



    Schreib, frag, lass es raus

    Viel Spaß und Erfolg diesbezüglich

    wünscht

    das Simönchen
    Geändert von Simönchen ( 9.04.2013 um 19:53 Uhr) Grund: was vergessen

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