Seite 1 von 2 12 Letzte
Zeige Ergebnis 1 bis 10 von 19

Diskutiere im Thema Losing myself im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 72

    Losing myself

    Moin allerseits.

    Bin im Moment mega ratlos. Seit September weiß ich, dass ich ADHS habe, seit Oktober nehme ich Medikinet und erst seit ich hier im Forum bin, fange ich nun langsam an, mich damit auseinander zu setzen.
    Nur wenn ich so zurückblicke und mir nach und nach bewusst wird, was alles durch mein ADHS hervorgerufen wurde...weiß nicht. Bin im Moment einfach wütend, traurig und fühl mich total hilflos. Auch wenn ich versuche mich objektiv zu betrachten. Manchmal gelingt es mir, mich kurzzeitig aus einem Gedankengang auszuklinken und ihn "von außen" zu betrachten. Komm mir in dem Moment wie der letzte Idiot vor, aber eh ich mich versehe häng ich wieder drin. Ich weiß gleichzeitig, dass die Gedanken totaler Mist sind, kann sie aber trotzdem nicht abstellen, als obs ein eigenständiges Tier ist.
    Außerdem weiß ich auch erst seit relativ kurzer Zeit, dass ADHS ein Behindertenstatus ist. Und das macht mir auch enorm zu schaffen.
    Es ändert natürlich nichts an meinem Leben, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass sich sehr viele in meinem Umfeld anders benehmen.

    Sonntag Morgen hab ich von meinem Vater auch was Schönes reingewürgt bekommen. Da sieht man nach ein paar Monaten seine Eltern wieder, sitzt mit denen beim Osterfrühstück und ich muss mir anhören, was ich wie machen soll.
    So gesehen liegt die Möglichkeit nahe, dass ich das ADHS von meinem Vater hab. Es spricht zumindest sehr vieles dafür. Aber er ist da natürlich anderer Ansicht. Er kann alles, er weiß alles und vor allem natürlich alles besser.
    Als es dann um die Finanzen ging und er mir meinte erklären zu müssen, wie ich meine Finanzplanung mache, mit Listen, monatlichen Fixkosten usw und ich ihm einfach nur sagen wolle, dass ich das schon längst seit Monaten so mache, ließ er mich gar nicht zu Wort kommen.
    Jedesmal wenn ich einen Satz angefangen hab, fuhr er mir direkt übern Mund und wurde immer lauter, bis mir irgendwann der Kragen geplatzt ist und ich ziemlich laut "Hallo" gesagt hab. Wollte einfach nur Ruhe haben und auch was sagen dürfen.
    Hat natürlich meinen Vater auf die Spitze getrieben und dann kamen so Sprüche, ich solle mich doch mal zurückhalten, was mir denn einfiele und wenn ich bei anderen in normalen Gesprächen auch immer so übertrieben austicke wäre es ja kein Wunder, dass ich dauernd überall anecke.
    Und dann kam ein Satz, der mich zutiefst verletzt hat.
    "Zumindest wissen wir ja jetzt, dass solche Ausbrüche wegen deiner Erkrankung sind."

    Der Satz war ein so heftiger Tiefschlag, ich hätte nicht gedacht, dass mein Vater mich noch stärker verletzen kann, als er es in den ganzen Jahren eh schon immer getan hat.
    Nicht nur, dass er sein Saubermannimage aufrecht erhalten kann. Vorher hieß es immer, es wäre ja mein Dickkopf, meine störrische Art usw. weswegen wir immer aneinander geraten. Jetzt wurde wieder eine stressige Situation durch sein Verhalten hervorgerufen, jetzt hat er nen neuen Freifahrtschein. Ich bin ja krank. So wie ich ihn kenne, wird er jetzt so ziemlich alles auf mein"Krankheit" schieben, ohne überhaupt zu wissen, was das ist.
    Vor allem aber, dass mein Verhalten jetzt von ihm als krankhaft angesehen wird tut verdammt weh.

    Was auch echt scheiße war, war das Verhalten meiner Freundin und meiner Mutter, die dabei waren. Nicht das ich vorher auch mal solche Sachen gebracht hätte, aber Sonntag schauten mich auf einmal alle an, als säße da ein Irrer. Aber wirklich, mit so nem gemischten Blick aus Hilflosigkeit, Verständnislosigkeit und vor allem Mitleid.
    Das war fast noch härter als der Spruch von meinem Vater.
    Bin dann direkt aufgestanden und auf mein Zimmer. War natürlich mies, meine Freundin allein da sitzen zu lassen, aber in dem Moment ging gar nichts mehr. Hab mich total allein gelassen gefühlt.
    Als ich nach 10 Minuten wieder in die Küche gegangen bin, war natürlich sofort ein anderes Thema dran, aber vor allem hat sich irgendwie keiner mehr getraut, mich anzusprechen oder anzuschauen. Wenn ich zum Beispiel meine Freundin angeschaut hab, hat sie direkt so betroffen auf ihren Teller geschaut.
    Ich hätte mich am liebsten verkrochen, wäre wieder nach Hause gefahren und hätte Ostern Ostern sein lassen können.

    Auch später wo meine Freundin und ich allein waren und ich sie mal drauf angesprochen habe, was denn noch so gesagt wurde, als ich nicht am Tisch saß und so...irgendwie wusste sie rein gar nicht, wie sie mit mir reden sollte. War total übervorsichtig, nahm mich dauernd in den Arm und immer diese Frage, wie geht es dir. Fehlte nur noch, dass sie mir die Hand tätschelte.
    Hab sie mal gefragt, ob ihr mal aufgefallen ist, dass sie sich, seitdem sie weiß, dass ich ADHS habe, oft ganz anders benimmt. Dauernd diese übertriebene Rücksichtnahme, wenn ich Scheiße bau (vor allem, wenn ich selber weiß, dass das Scheiße war). So Sachen wie, schon ok, macht doch nix und so.
    Was soll so ein Scheiß? Ich hab keinen Bock auf ne Extrabehandlung. Ich will weiterhin so behandelt werden wie früher. Ich bin doch immer noch ich selbst, oder nicht? Es hat sich an mir als Person doch nix geändert...

    Mittlerweile ist es so weit, dass ich mir wünschte, ich wäre nie in Therapie gegangen. Dann hätte sich auch nix geändert.
    Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, ich bekomme auf einmal ganz andere Resonanz von meinem Umfeld als vorher und das verunsichert mich total.
    Vor allem aber auch, weils mir dauernd indirekt unter die Nase reibt, dass ich "anders" bin, weil ich jetzt auf einmal anders behandelt werde.

    Was mir auch zu schaffen macht, ist das mit dem Medikament. Hab gestern seit langem mal wieder keine Wirkung gehabt. Sonst nehme ich eine Tablette direkt nachm aufstehen und die letzte wirkt oft noch, wenn ich schlafen gehe. Gestern Abend bin ich spontan doch länger wach geblieben und irgendwann hab ich gemerkt, dass meine Gedanken das wandern beginnen.
    Es kamen wieder Gedankengänge über alte Streitthemen mit meiner Freundin auf, die eigentlich schon längst gegessen waren.
    Das war früher enorm oft, dass irgendwas dazu Anlass kam, gewissen Themen wieder auszugraben und meine Freundin war total verwirrt, wie ich darauf komme und warum ich das schon wieder alles durchkaue, weils da mindestens schon das 8te Mal war.
    Seitdem ich diese Dauerwirkung habe, hab ich fast vergessen, wie das ist, ohne Wirkstoff. Hab schon den Gedanken gehabt, es wirkt nicht mehr so wie es sollte, ich bräuchte ne höhere Dosis, weil es für mich Normal geworden war.
    Gestern Abend hab ich dann doch gemerkt, dass die Medis gut wirken und wie es war, ohne die. Und das war wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Als ob ich plötzlich gefühlt eine andere Person bin.

    Mittlerweile weiß ich einfach nicht mehr wer ich bin. Die Erfahrung von gestern Abend, das Verhalten meines Umfeldes, einfach alles.
    Momentan klammer ich mich an meine Arbeit, weil ich dann nicht darüber nachdenken muss, aber das bringt mir auch nur temporär was.
    Bin, glaube ich, im Moment ziemlich überfordert, weil ich keinen Halt mehr habe und vor allem meine Eltern und meine Freundin sind noch verunsicherter als ich...
    Geändert von Eyvn ( 2.04.2013 um 12:22 Uhr)

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 316

    AW: Losing myself

    Du bist und bleibst du, die Selbstreflektion, der Unterschied zwischen medikamentiert und nicht medikamentiert, das Zweifeln etc. All das zeigt, dass du auf einem guten Weg bist. Niemand hat behauptet, dass Reflektion, Krankeneinsicht und Heilung einfach sind. Deine Eltern, deine Freundin kennen dich nur so wie du früher warst, jetzt merken sie,dass ein bekannter Mensch sich ändert , er geht nicht mehr auf bekannte Interaktionsmuster ein etc., das verunsichert sie.

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 72

    AW: Losing myself

    Genau das ist es ja. Es hat sich ja rein gar nix an mir geändert.
    Mein Verhalten ist ziemlich identisch geblieben. So Sachen wie bei meinem Vater, dass ich dann auch mal kurz laut werde, um was sagen zu dürfen, hab ich früher auch schon gemacht, nur das jetzt mein Umfeld ganz anders drauf reagiert. Als ob ich nicht mehr ich selbst wäre.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 316

    AW: Losing myself

    Zu deinem Vater: Hat es diesmal länger gedauert, bist du darauf eingegangen bist?

    Zu deiner Freundin: Habt ihr mal ernsthaft gesprochen, hast du sie mal gefragt, wie sie die Diagnose ADS sieht?

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 72

    AW: Losing myself

    Naja, hab meiner Freundin erklärt, was das ist, was im Kopf abläuft und für Auswirkungen auf alles hat. Sie meinte, sie verstehts, aber hat ja nix an mir geändert. Sie kennt mich ja so.
    Naja, bei meinem Vater schwankts. Hängt von meiner Konsitution ab, ob meine Nerven schon blank liegen oder sonst irgendwas. Wobei ich allerdings weniger glaube, dass das ADHS daran schuld ist, weil der Mann echt ein Talent dafür hat, Leute an die Decke zu kriegen.

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 1.865

    AW: Losing myself

    Hallo Eyvn,

    was für eine Therapie machst Du denn? Eine Verhaltenstherapie? Die kann solche "emotionalen Einbrüche" ganz gut abfangen und Dir dabei helfen, dich mit Dir und deinem ADHS auseinanderzusetzen. Auch bzgl. der Frage, wie Du dein weiteres Leben gestalten willst.

    Dieses Hinterfragen und erst einmal "in ein Loch fallen" ist ziemlich typisch, wenn man angefangen hat MPH zu nehmen und sich überhaupt erst einmal mit der Stoffwechselstörung ADHS auseinandersetzt.

    Wichtig ist jetzt nur, nicht zu lange dem Vergangenen nachzutrauern, sondern nach vorne zu schauen und auch die positiven Seiten zu sehen. Du bist kein komplett anderer Mensch. Du hast jetzt wahrscheinlich nur deinen Fokus auf anderen Dingen...

    Was die Reaktionen bei eurem Familientreffen angeht:
    - da helfen nur Sachwissen und Fakten bereitstellen, um mit solchen Äußerungen adäquat umzugehen
    je besser Du selbst informiert bist, desto besser kannst Du kontern oder ignorieren
    - von deiner Mutter habe ich den Eindruck, dass sie vielleicht dankbar für ein paar Infos wäre, anscheinend sind alle momentan ziemlich hilflos und keiner weiß so recht, wie er mit Dir umgehen soll
    - in solchen Fällen macht es Sinn z.B. auch deine Freundin mit in die Therapie einzubinden, es ist immer etwas anderes, wenn man von einem "Außenstehenden" Informationen und Tipps bekommt (das war z.B. auch bei meinem Männe so. Ich habe ihm so oft versucht zu erklären, wie ich mich fühle, was manche Worte etc. bei mir auslösen.. Rein verstandesmäßig kam es schon an, aber das wirkliche Verstehen und Akzeptieren fehlte. Erst nach zwei, drei Gesprächen mit meiner Therapeutin konnte er sich besser in mich reinversetzen und auch verstehen, warum es mir oft schwerfällt von ihm Hilfe anzunehmen.)

    Also Kopf hoch!!! Du wirst auch diese Phase überstehen!

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 795

    AW: Losing myself

    @ eyvn

    Ich hatte gestern auch eine Auseinandersetzung mit meiner Frau. Es ging ums Geld. Ich nehme noch keine Medikamente und sie wollte unbedingt mit mir Geldgeschäfte bereden.

    Ich sagte ihr sie solle mich in Ruhe lassen, da ich jetzt nichts entscheide. Sie gab keine Ruhe und da bin ich geplatzt. Sie fand ich solle mich nicht so anstellen, es ginge ja nicht um Emotionen, sondern nur um Zahlen. Ich bin dann fort und nach 1 Stunde wieder heim.

    Ihr ist mein ADHS egal. Ich hab jetzt nach Deiner Aussage ein bißchen Sorge, daß nur Medikamente wohl nicht reichen. Man braucht wohl auch eine Therapie. LG
    Geändert von Raphell ( 2.04.2013 um 15:22 Uhr) Grund: war doppelt

  8. #8
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Losing myself

    Eyvn schreibt:
    Moin allerseits.

    Bin im Moment mega ratlos. Seit September weiß ich, dass ich ADHS habe, seit Oktober nehme ich Medikinet und erst seit ich hier im Forum bin, fange ich nun langsam an, mich damit auseinander zu setzen.
    Nur wenn ich so zurückblicke und mir nach und nach bewusst wird, was alles durch mein ADHS hervorgerufen wurde...weiß nicht. Bin im Moment einfach wütend, traurig und fühl mich total hilflos. Auch wenn ich versuche mich objektiv zu betrachten. Manchmal gelingt es mir, mich kurzzeitig aus einem Gedankengang auszuklinken und ihn "von außen" zu betrachten. Komm mir in dem Moment wie der letzte Idiot vor, aber eh ich mich versehe häng ich wieder drin. Ich weiß gleichzeitig, dass die Gedanken totaler Mist sind, kann sie aber trotzdem nicht abstellen, als obs ein eigenständiges Tier ist.
    Außerdem weiß ich auch erst seit relativ kurzer Zeit, dass ADHS ein Behindertenstatus ist. Und das macht mir auch enorm zu schaffen.
    Es ändert natürlich nichts an meinem Leben, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass sich sehr viele in meinem Umfeld anders benehmen.
    Mit der Diagnose und zu Beginn der Medikation ist diese Wut auf sich und die Welt und vor allem auf die Krankheit nicht selten und wird oft als "ein Schritt" im Verarbeitungsprozess definiert. Du bist, wie auch schon andere hier gesagt haben, kein anderer Mensch, sondern hast endlich eine "Erklärung" für so vieles, was in Deinem Leben "anders" lief...
    Vielen wird erst nach der Diagnose klar, dass es noch eine ganz andere Wahrnehmungswelt gibt...
    Hinsichtlich des GdB (Grad der Behinderung) bei AD(H)S hat mir mein Neurologe gesagt, dass das im Einzelfall entschieden werde, ob und in welchem Grad eine Behinderung besteht, das liegt an den "individuellen Einschränkungen" die dadurch entstehen...

    So gesehen liegt die Möglichkeit nahe, dass ich das ADHS von meinem Vater hab. Es spricht zumindest sehr vieles dafür. Aber er ist da natürlich anderer Ansicht. Er kann alles, er weiß alles und vor allem natürlich alles besser.
    Als es dann um die Finanzen ging und er mir meinte erklären zu müssen, wie ich meine Finanzplanung mache, mit Listen, monatlichen Fixkosten usw und ich ihm einfach nur sagen wolle, dass ich das schon längst seit Monaten so mache, ließ er mich gar nicht zu Wort kommen.
    Jedesmal wenn ich einen Satz angefangen hab, fuhr er mir direkt übern Mund und wurde immer lauter, bis mir irgendwann der Kragen geplatzt ist und ich ziemlich laut "Hallo" gesagt hab. Wollte einfach nur Ruhe haben und auch was sagen dürfen.
    Hat natürlich meinen Vater auf die Spitze getrieben und dann kamen so Sprüche, ich solle mich doch mal zurückhalten, was mir denn einfiele und wenn ich bei anderen in normalen Gesprächen auch immer so übertrieben austicke wäre es ja kein Wunder, dass ich dauernd überall anecke.
    Upps, das kommt mir auch sehr bekannt vor... Mein Vater hat auch immer Recht... Ich denke im Grunde ist das auch eine Art Selbstschutz, sich seine Unsicherheiten bloss nicht anmerken lassen, nie die Schuld für Misserfolge bei sich suchen, sondern es "grundsätzlich" anderen zuschreiben, nur keine Schwächen zugeben.... besonders nicht vor sich selbst...
    Mein Umgang damit, wenn ich keine Lust auf "Diskussionen" habe: "Wenn Du meinst...." oder wenn "er" gar nicht zu stoppen ist, dann eben nicht zuhören und ih reden lassen...

    Und dann kam ein Satz, der mich zutiefst verletzt hat.
    "Zumindest wissen wir ja jetzt, dass solche Ausbrüche wegen deiner Erkrankung sind."
    ...und wieder der Selbstschutz: "Du bist "krank", es ist nicht unsere Schuld."
    Kann es sein, dass er insgeheim an seinen "väterlichen Fähigkeiten" gezweifelt hat, weil "es mit Dir Probleme gab"? Jetzt hat er einen Grund dafür, der ihn (für ihn subjektiv gesehen) aus der Verantwortung nimmt, die Diagnose....


    Vorher hieß es immer, es wäre ja mein Dickkopf, meine störrische Art usw. weswegen wir immer aneinander geraten. Jetzt wurde wieder eine stressige Situation durch sein Verhalten hervorgerufen, jetzt hat er nen neuen Freifahrtschein. Ich bin ja krank. So wie ich ihn kenne, wird er jetzt so ziemlich alles auf mein"Krankheit" schieben, ohne überhaupt zu wissen, was das ist.
    Vor allem aber, dass mein Verhalten jetzt von ihm als krankhaft angesehen wird tut verdammt weh.
    Mir scheint es, als habe er "Angst", selber "Fehler" an sich oder in seinem Verhalten zu erkennen, wahrscheinlich würde dann, wenn er keine andere Ausrede für seine Misserfolge finden würde, sein Selbstkonzept wie ein Kartenhaus zusammenfallen...

    Was auch echt scheiße war, war das Verhalten meiner Freundin und meiner Mutter, die dabei waren. Nicht das ich vorher auch mal solche Sachen gebracht hätte, aber Sonntag schauten mich auf einmal alle an, als säße da ein Irrer. Aber wirklich, mit so nem gemischten Blick aus Hilflosigkeit, Verständnislosigkeit und vor allem Mitleid.
    Das war fast noch härter als der Spruch von meinem Vater.
    Hilflosigkeit, Unwissenheit.... Sie wollen helfen und unterstützen, stellen sich dabei aber ungeschickt an, weil sie gar nicht wissen, welche Hilfe Du benötigst. Das musst Du erst mal für Dich rausfinden. Da hilft, wie die anderen auch schon geschrieben haben, nur Information für alle, wenn sich jemand nicht darüber informieren will oder kann, dann rate ich Dir, eine "emotionale Distanz" zu halten, damit Du nicht so stark verletzt werden kannst... (ich weiß, leichter gesagt, als getan, ist viel Arbeit, aber es geht)

    Bin dann direkt aufgestanden und auf mein Zimmer. War natürlich mies, meine Freundin allein da sitzen zu lassen, aber in dem Moment ging gar nichts mehr. Hab mich total allein gelassen gefühlt.
    Besser gehen, als eine Eskalation riskieren, wieso ist sie denn nicht mit Dir gekommen?

    Was mir auch zu schaffen macht, ist das mit dem Medikament. Hab gestern seit langem mal wieder keine Wirkung gehabt. Sonst nehme ich eine Tablette direkt nachm aufstehen und die letzte wirkt oft noch, wenn ich schlafen gehe. Gestern Abend bin ich spontan doch länger wach geblieben und irgendwann hab ich gemerkt, dass meine Gedanken das wandern beginnen.
    Es kamen wieder Gedankengänge über alte Streitthemen mit meiner Freundin auf, die eigentlich schon längst gegessen waren.
    Das war früher enorm oft, dass irgendwas dazu Anlass kam, gewissen Themen wieder auszugraben und meine Freundin war total verwirrt, wie ich darauf komme und warum ich das schon wieder alles durchkaue, weils da mindestens schon das 8te Mal war.
    Seitdem ich diese Dauerwirkung habe, hab ich fast vergessen, wie das ist, ohne Wirkstoff. Hab schon den Gedanken gehabt, es wirkt nicht mehr so wie es sollte, ich bräuchte ne höhere Dosis, weil es für mich Normal geworden war.
    Gestern Abend hab ich dann doch gemerkt, dass die Medis gut wirken und wie es war, ohne die. Und das war wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Als ob ich plötzlich gefühlt eine andere Person bin.
    Mit MPH "normalisiert sich u.a. Deine Wahrnehmungsfähigkeit, bei mir war es zu Beginn der Medikation so, dass ich täglich "A-HA" Erlebnisse hatte, ich konnte viele Dinge aus meiner Vergangenheit plötzlich auch aus einem anderen Blickwinkel sehen und bewerten...

    Du bist durch die Medis keine andere Person, sondern erst jetzt richtig komplett. Mit den Medis wird nach dem aktuellen Forschungsstand Deine neurologische Stoffwechselstörung weitestgehend ausgeglichen, sodass Deine durch die AD(H)S eingeschränkten Fähigkeiten (halbwegs) normalisiert werden....
    Du bist kein anderer, Du erkennst nur mehr von Dir...


    LG Tanja

  9. #9
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Losing myself

    Ich glaube auch das Umfeld braucht Zeit.

    Und, ich finde solche "Aussprachen" gut - auch wenn sie viel Kraft und Energie kosten -

    Die Aussage deines Vaters - du seist ja krank - ist sehr bezeichnet für seine Art
    der Schuld - Suche. Jemand muss ja Schuld sein, dass mein Sohn sich gegen mich wehrt....?!?
    Lass ihn in seinem Glauben - es ist SEIN Selbstschutz.

    Was mir auch aufgefallen war, ich war hypersensibel in dieser Zeit und habe oft überreagiert - auch
    weil ich vieles aus der vergangenheit mit einfliessen liess... vieles was ich noch nicht verdaut hatte.

    Ich habe es eher so erlebt - ich wusste nicht wer ich bin - und ich habe MICH gefunden.

    Ich empfinde mich nicht als Krank - nein, ich habe eine Disposition, die mir Schwierigkeiten bereiten kann
    und auch Krank machen kann.... doch ich bin ich. Problematisch wird es, wenn man sich anpassen wollte -
    es immer und immer wieder versucht hat..... und jetzt wo man sich selbst ist.... es wieder nicht (für den anderen)
    recht ist. (Fremdbestimmung)

    Auch die Eltern müssen sich daran gewöhnen - sich nicht um einen Sorgen zu machen - sondern
    einem Ihr Vertrauen zukommen zu lassen. (ohne etwas zu verurteilen oder meine Eltern anzuklagen - mir
    hätte es geholfen von ihnen unterstützt zu werden damit ich selbst was erreichen kann... statt ihre sorgen,
    dass ich es nicht richtig mache.)

    sich um jemanden sorgen - bedeutet die "sorge" verstärken - und ist das gegenteil
    von vertrauen schenken - damit man selbstvertrauen gewinnen kann.

    oder nicht?

    ev. muss man sich erstmal verlieren um sich neu kennen zu lernen?
    lg

  10. #10
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.213

    AW: Losing myself

    @eyvn - Das tut mir so leid, wie du Ostern erlebt hast.
    In unserer Familie kauen wir schon seit vielen Jahren am ADHS und es tut so gut, dass mein Mann sich endlich
    mehr um unseren Sohn kümmert und ihn versteht - er ist 30 und hat einiges erlebt.

    Für mich war das Lesen über ADHS (und Treffen mit anderen Eltern bzw. Selbst-Betroffenen) immer sehr wichtig.
    Meine Lieblingsbücher: alles von Cordula Neuhaus, ADS-Das kreative Chaos von Walter Beerwerth,
    Hallowell/Ratey - Zwanghaft zerstreut, Thom Hartmann - Eine andere Art die Welt zu sehen und andere

    Gibt's jemand in deinem Umfeld, der gerne liest? Hier im Forum stehen ja noch mehr Tipps.

    Irgendwo schreibt Cordula Neuhaus mal, dass Eltern fragen, ob so wohl umdenken müssten.
    Ja, dass muss man.

    Auf ein frohes Pfingstfest!

    LG Gretchen

Seite 1 von 2 12 Letzte

Stichworte

Thema: Losing myself im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum