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Diskutiere im Thema Gründe für Außenseitertum? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #11
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    Ich denke, dass dieses "gespielte Verhalten" (das was ich glaube, was andere von mir erwarten) grundsätzlich unecht (unsympathisch?) wirkt, egal ob mit oder ohne AD(H)S, nur bei uns entsteht viel eher die Unsicherheit, die uns zu diesem Verhalten "verführt"....

    @surrogat:
    Ich bin viel zu impulsiv, um meine Ecken und Kanten zu verstecken, wenn mir etwas "nicht passt", sage ich das. Einerseits weiß jeder woran er bei mir ist, andererseits ecke ich gerade durch dieses Verhalten sehr an und würde mir manchmal wünschen, mir einfach nur meinen Teil denken zu können....

    LG Tanja

  2. #12
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 32

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    "Gespieltes Verhalten" finde ich etwas zu hart ausgedrückt. Klingt für mich, als würde man ein falsches, hinterhältiges Spiel spielen. Meinerseits ist das zumindest nicht die Intention. Ich möchte vielmehr, freundlich und positiv rüber zu kommen. Dabei stelle ich mich aber eher sehr ungeschickt, viel zu zurückhaltend und unsicher an und ich vermute, das ist, was die Leute als unangenehm empfinden.

    Privat habe da echt große Probleme, auf der Arbeit ist es mir nicht ganz so wichtig, was die Leute von mir denken und bin viel sicherer im Auftreten. Im Privaten bin ich eher das stille Mäuschen. Warum ich da im Verhalten unterschiede mache, könnte ich jetzt nicht erklären...

    Wenn ich selber bewerten müßte, mit wem ich lieber reden würde, würde ich mir ein selbstbewußtes Mittelmaß wünschen. Nicht zu dominat oder überheblich, einfach sicher im Auftreten. Überhebliche Leute finde ich einfach nur nervig. Bei total unsicheren Leuten (also noch unsicherer als ich), hätte ich selber Probleme.

    Ist schon merkwürdig....damit beantworte ich mir ja quasi selber, warum man mich evtl. als unangenehm empfindet...ich bin zu unsicher. Zumindest ein Ansatz......umsetzen dann aber leider wieder was anderes....

    LG,
    Surrogat

  3. #13
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 73

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    Mich würde interessieren, ob ihr durch Therapien oder sonstige Erfahrungen Antworten gefunden habt, was diese unsichtbaren Mauern erzeugt und wie man sie einreißt?
    Das seltsame ist: ich habe mich immer als Außenseiter gefühlt, hatte ab der Pubertät dann eine sehr langwierige und starke soziale Phobie...

    ...und jetzt kann ich nicht mehr sagen, wie ich die Mauer eingerissen habe. Ich müsste dazu Tausende von Tagebuchseiten lesen.

    Jedenfalls kann ich sagen, dass man die Mauern hinter sich lassen kann. Ich bin jetzt Mitte 40 und erst in den letzten 5 Jahren, da ist es irgendwie passiert. Da habe ich mehr und mehr ein stabiles Selbstwertgefühl entwickelt. Ich denke, dass davon die Mauer weggegangen ist.

    Ich glaube fest an die Fähigkeit des lebenslangen Lernens, gerade wenn man ADS hat. Kann es sein, dass wir uns langsamer entwickeln?

  4. #14
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    Hallo zusammen,

    Ich habe gerade eine Therapie hinter mir und unter anderem diese Frage ist mir auch ständig im Kopf herumgespukt, nicht zuletzt, weil ich mit dem Gefühl des Nichtdazugehörens wieder direkt konfrontiert war.
    Auch bei mir lösen Gefühle Bilder aus, und so würde ich sagen, dass es sich anfühlt, als würde ich in einer Glaskugel um mich herum umherlaufen. Auch wenn ich meine Mitmenschen sehen kann und sie mich sehen können, kann ich keine tiefe Verbindung zu ihnen herstellen. Ich habe das Gefühl, nicht richtig "andocken" zu können. Ich bin zwar da, aber irgendwie doch fern. Wenn ich dann mit jemandem eine Verbindung herstellen möchte, klammere ich mich mit aller Kraft an diese Person.
    Mein Therapeut meinte, diese Glaskugel sei meine tief verwurzelte Angst, jemanden an mich heranzulassen, verletzt, abgewiesen und allein gelassen zu werden. Und das, obwohl ich vor Sehnsucht nach emotionaler Nähe fast zerreisse.

    Aber das ist nicht alles. Oft komme ich mir vor, als würde ich, anstatt Strassen zu nehmen, querfeldein marschieren.. Auf diesem Weg trample ich manchmal ungewollt jemandem die Blumen in ihrem Garten nieder oder hinterlasse andere Spuren. Aber ich bin nicht böswillig und im Gegenzug dafür auch sehr hilfsbereit. Vielleicht kann ich auch nicht immer helfen, aber ich gebe mein Bestes. Ich habe einfach das Gefühl, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und andere Wege zu gehen als die meisten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der dadurch angerichtete Schaden es rechtfertigen würde, dass ich nicht gemocht werde.

    Wie ihr seht, habe ich für mich dazu noch keine Antworten gefunden.

  5. #15
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 73

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    jetztaber schrieb:
    Ich habe das Gefühl, nicht richtig "andocken" zu können. Ich bin zwar da, aber irgendwie doch fern.
    Hi,

    man kann nie Wahrnehmungen 1 zu 1 vergleichen und deine Erfahrungen sind einmalig. Mich erinnert das ganz stark an Situationen, wo ich meine sozialen Ängste abgespalten habe und mich unter viele Menschen begeben habe. Die Fähigkeit, Gefühle wegzudrücken (fällt wohl unter den Fachbegriff Dissoziation) habe ich mit etwa 10 Jahren entdeckt und habe sie dann zunehmend genutzt, um trotz Angst unter Leute gehen zu können. Der Preis dafür war leider meine Glaskugel.

    Heute trage ich sie nur noch in extremen Stresssituationen und aus weicherem Material. Es fällt mir mit der Kugel viel leichter, neue Kontakte zu knüpfen. Dafür wird dann meine tiefere Beziehungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. Deswegen lösen längere Glaskugelphasen bei mir extreme Einsamkeitsgefühle und kurze depressive Episoden aus.


    Gruß, Schnupferich

  6. #16
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    Surrogat schreibt:
    "Gespieltes Verhalten" finde ich etwas zu hart ausgedrückt. Klingt für mich, als würde man ein falsches, hinterhältiges Spiel spielen. Meinerseits ist das zumindest nicht die Intention. Ich möchte vielmehr, freundlich und positiv rüber zu kommen. Dabei stelle ich mich aber eher sehr ungeschickt, viel zu zurückhaltend und unsicher an und ich vermute, das ist, was die Leute als unangenehm empfinden.
    Ich hätte vielleicht eher "unbewußt gespielt" schreiben sollen, Du hast Recht.
    Ich glaube, dass es im Grunde um die "Angst vor der Ablehnung" geht, das Gefühl, irgendwie nicht dazu zu gehören, beschleicht uns scheonbar schneller als "andere" Im Grunde geht es wahrscheinlich um die erhöhte Aktivität unseres Angstzentrums im Mandelkern. Die daraus resultierende Unsicherheit führt dann je nach Persönlichkeit zu unterschiedlichem Verhalten. Die Einen versuchen nicht aufzufallen, um das "Gefühl der Ausgrenzung" zu vermeiden und grenzen sich dadurch selbst aus, die Anderen versuchen mit Hilfe von "Aktionen" dazu zu gehören und wirken schnell aufdringlich und überheblich, ohne es zu merken (zu denen gehöre ich leider) und grenzen sich dadurch aus, dass sie "zuviel" sind.

    Wenn ich selber bewerten müßte, mit wem ich lieber reden würde, würde ich mir ein selbstbewußtes Mittelmaß wünschen. Nicht zu dominat oder überheblich, einfach sicher im Auftreten. Überhebliche Leute finde ich einfach nur nervig. Bei total unsicheren Leuten (also noch unsicherer als ich), hätte ich selber Probleme.
    Genau da liegt m.E. "eines unserer Probleme", das Mittelmaß zu finden, ich beobachte oft (insbesondere bei mir), dass es bei AD(H)S´lern häufig kaum "Schattierungen in grau" gibt. Überheblichkeit ist oft die "äussere Wirkung" von innerer Unsicherheit...

    LG Tanja

  7. #17
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 19

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    Hallo,

    also das mit dem "unbewußt gespielt" ist bei mir nicht so, also ich spiele schon bewusst, anderen was vor um nur nicht zu sehr auf zufallen. Ich versuch mich immer zu erklären, aber meine Gegenüber verstehen das einfach nicht. Und dann bekomm ich immer so einen Blick zu geworfen, der mir signalisert: Was redet die für wirres Zeug.
    Aber ich hab keine Ahnung, außer eben mit Bildern, Anderen mitzuteilen, wie ich "Ticke", Daher lass ich es meist bleiben und versuche, es zu überspielen so gut es geht. Das strengt natürlich sehr an, auf meiner alten Arbeitsstelle war das nicht so, weil da alle irgendwie bisschen verschroben waren und ich nicht sonderlich auffiehl. Doch ich merke wie, ich jetzt wieder versuche so "normal" wie möglich zu wirken.

    "Kann es sein, dass wir uns langsamer entwickeln?" Hm, die Frage hab ich mir auch schon oft gestellt. In meiner Schulzeit, wenn ich so alte Klassenfotos mir anschaue, kommt ein eindeutiges JA. Ich seh aus wie ne 10 Jährige unter 13 - 14 Jahrigen die sich fürs Schminken und für Jungs interessiert haben, Und auch heute, merke ich das mein Interesse sich an dem männlichen Geschlecht in grenzen hält.
    Meine interessen, habe ich das gefühl haben sich in den ganzen Jahren nicht geändert...

    Das mit der Glaskugel, ja stimmt schon. Ich habe auch angst Leute an mich ran zu lassen, denn meist verletzten sie einen oder halten nicht das was sie versprechen. Und denen macht es nix aus, ich hingegen, versuche immer alles damit auch ja keiner enttäucht wird, mir macht so was immer viel aus.
    Aber ich fühl mich nicht Einsam, ich bin gerne alleine. Allein sein und Einsam sein, sind für mich zwei verschiedene zustände.

    Ich bin auch noch auf der suche nach einem, goldenen Mittelweg, und vorallem nach mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusst sein, denn in ersterlinie sollte es einem erst mal selber gut gehen, aber das druch zu drücken ist für mich sehr schwer, da es viele Sachen gibt von denen ich null Plan hab und mich schnell überfordern.

    LG Augenstern

  8. #18
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    Schnupferich schreibt:
    Ich glaube fest an die Fähigkeit des lebenslangen Lernens, gerade wenn man ADS hat. Kann es sein, dass wir uns langsamer entwickeln?
    Gut Ding will Weile haben

    - - - Aktualisiert - - -


    Und das was JetztAber ansprach, ließ mich dies hier denken/schreiben:

    Ich könnte mir vorstellen das viele einfach gar nicht die Sicht aus einem anderen Blickwinkel hören wollen weil das bedeuten würde darüber nachzudenken bzw sich damit auseinander zusetzen. Vielleicht ist das mit ein Grund warum man dann irgendwie zum Aussenseiter wird weil die Anderen mit den Gleichgesinnten es einfach einfacher haben.

  9. #19
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 32

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    Hallo ihr Lieben,

    ich war gestern bei meinen Eltern (ist ja Ostern) und ich wollte die Gelegenheit nutzen, mal ein wenig in meiner Vergangenheit zu recherchieren, ob es in meiner Kindheit Anzeichen für ADS gab und ob es hier Gründe für mein Außenseitertum gibt.

    Ich will mal 3 Highlights aus dem Gespräch mit meiner Mutter rauspicken und bei einigen Geschichten mußte ich richtig lachen:

    - Aus meiner Sicht sind Anzeichen für ADS seit Kleinkind vorhanden, aber eigentlich nicht im negativen Sinn.


    Ich mußte wohl immer alles um mich haben, also quasi das größte Choas im Laufställchen sein, aber interessiert hat mich dann wohl nur eine Kleinigkeit, mit der ich mich Stundenlang beschäftig habe und geschrien habe, wenn es nicht da war. Der andere Kram mußte aber auch unbedingt da sein. Wehe, wenn nicht!!!

    Oder ich sollte als Kleinkind z.B. mit meiner Mutter zusammen Spielsachen aufräumen, aber sobald ich irgendwas gefunden hatte, was mich interessiert (meist irgend welche "verschollenen" Sachen, die ich wiedergefunden hab), war alles andere um mich rum vergessen und nur noch die eine Sache war wichtig. Alles andere war vergessen. Meine Mutter meinte, ab diesem Moment wäre nichts mehr mit mir anzufangen gewesen. Und so wie sie sagt, war das schon immer so bei mir.

    Nichtbeendete Großprojekte gab es auch schon von Klein an. Als ich ungefähr 6 war kam mir wohl abends, als ich schon im Bett war die Idee, ich müßte meinen Spielsachenregal (man muß dazu sagen, das war echt groß) aufräumen. Also hab ich alles rausgeholt und wollte dann alles nach einem perfekten Ordnungssystem wieder einräumen. Tja, es kam wie es kommen mußte, relativ am Anfang meines Großprojektes fiel mir irgendwas absolut spannendes in die Hände, ab dem Moment war das Großprojekt vergessen und meine Mutter hat am nächsten Tag der Schlag getroffen. Hab ich gestern gelacht!!!


    - Lernprobleme in der Grundschule gab laut meiner Mutter nicht.

    Sondern eher das Gegenteil, dass ich total wissbegierig und eine ausgesprochene Nervensäge war. Ich wollte alles wissen und hab so lange warum gefragt, bis meiner Mutter der Kragen geplatzt ist und ich redeverbot hatte. Zum totlachen!!!

    Erwähnenswert find ich auch noch meinen wohl schon immer vorhandenen Hang zum Perfektionismus. Bei den Schönschreibübungen aus der Grundschule hab ich geheult, wenn ich über die Linie gekommen bin und es nicht perfekt gewesen ist. Dementsprechend hat auch bei mir immer alles ewig lange gedauert, wo andere schon längst fertig waren, weil es mußte ja perfekt sein. Sowas Dahingekrakeltes z.B. beim Malen oder Basteln oder was auch immer kam für mich nicht in Frage. Find ich jetzt auch ausgesprochen witzig, ist im übertragenen Sinne nämlich immer noch so! Allerdings ist das auch heute eins meiner Probleme, ich bin mit allem zu langsam! Die Hälfte des Perfekten würde eigentlich locker reichen, das schaffe ich aber nur mit größter Überwindung!


    - Warum ich keine Freunde hatte, weiß ich jetzt auch wieder.

    Sofort in der ersten Klasse hatte ich eine beste Freundin. Leider mußte diese Freundin die erste Klasse wiederholen und wir konnten uns nur noch zum Spielen nachmittags treffen. Die anderen Mädchen aus der Klasse fand ich halt nicht so gut, so einfach war das.

    Dass ich von den Jungs gehänselt wurde, lag wohl daran, dass ich viel größer war als die und ich auch einen ausgesprochenen Gerechtigskeitssinn hatte. In der ersten Klasse gab es einen Jungen, der wirklich lernprobleme hatte (der Arme ist dann auf die Sonderschule gekommen) und gehänselt wurde. Diesen Jungen hab ich verbal in Schutz genommen und wurde dafür von einem der hänselnden Jungen geschlagen. Ich war damals zutiefst entsetzt!!!!
    Das habe natürlich zuhause total entrüstet berichtet und meine Mutter hat mir damals ernsthaft empfohlen, mir das nicht gefallen zu lassen und zurückzuhauen. Tja, und ich befürchte, damit fing das Dilemma an. Jemand der nicht mitmacht, andere zu quälen, wird selber zum Sündenbock! Aber ich hab gekämpft und mich nicht klein kriegen lassen!

    - Und nun der eigentliche Grund für mein Außenseitertum:

    Als ich ungefähr 11 war, ist bei meinen Eltern beruflich und dann finanziell was ziemlich schief gelaufen und innerhalb von ca. 1 Jahr sind meine Mutter und mein Stiefvater leider dem Alkohol verfallen. Gefühlt von heute auf morgen war mein zuhause eine Katastrophe, Geld war nur noch für das Nötigste da: Alkohol, Zigaretten und Essen (in der Reihenfolge!). Ab da an mußte ich mich jeden Tag auf's neue überraschen lassen, ob ich nach der Schule eine ansprechbare Mutter vorfinde oder nicht. Die Wochenenden waren am Schlimmsten!

    Die Details erspar ich euch mal, nur soviel, mit so einem zuhause sondert man sich von allem ab, damit niemand mitbekommt, in welchem Zustand man lebt. Um zu übertünchen, dass keine Kohle für Klamotten da ist, hab ich dann auf extra abgerissen, obercool und steinhart gemacht. Und wenn die Welt mich nicht will, dann will ich die Welt auch nicht!!! Aber man gehört ab dann auch nicht mehr dazu und wird zum Außenseiter, so ist das leider!

    Ich hab diesen Zustand ausgehalten bis ich mein Abi hatte und zum Studieren ging. Irgendwie hatte mir der blöde Studienberater eingeredet, ich würde Bafög bekommen, dass ist nur leider nach hinten losgegangen, so dass ich nach 1 Semester wieder kleinlaut zurückkommen mußte. Nur hab ich den Zustand mit meinen Eltern dann nicht mehr ertragen und bei einem Streit hat mich meine Mutter dann rausgeschmissen. Dass Sie mich rausgeschmissen hat, daran konnte sie sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern, aber ich!

    Ich hab meine Sachen abgeholt und weg war ich. Ich bin nie wieder zurück gekommen und hatte ca. 1 Jahr keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Zum Glück hatte ich damals schon einen langjährigen Freund mit lieben Eltern, die mich für eine Weile aufgenommen haben, bis ich über einen Hilfsjob soviel Geld zusammen hatte und mir eine klitzekleine Wohnung leisten konnte.

    Studiert hab ich dann trotzdem, weil es bei uns eine Fachhochschule gab, die mit Betrieben zusammengearbeitet hat. Der Betreib hat dann quasi das Studium und ein Azubigehalt bezahlt, dafür hab ich in der studienfreien Zeit im Betrieb gearbeitet.

    Fast hätte ich mir das am Ende noch vermasselt, weil ich Probleme hatte, mein Diplomarbeit fertig zu schreiben. Hatte ich auch schon bei meiner Vorstellung hier geschrieben. Die Diplomarbeit hätte mir echt fast das Genick gebrochen!!!

    Womit ich dann endlich wieder beim Thema wäre, warum ich überhaupt in diesem Forum bin, mein eigener Verdacht auf ADS (ohne Hyperaktivität).

    Warum ich ein Außerseiter bin, ist wohl eine Mischung aus vielen Gründen:
    - ich fühle mich minderwertig im vergleichzu anderen
    - ich lasse eigentlich niemanden an mich ran
    - ich will nicht, dass andere wissen, was für eine verkorkste Person ich bin
    - ich bin mißtrauisch und sehr zurückhaltend
    - ich hab glaube ich verlernt, wie man sich in Gesellschaft verhält
    - ich verlasse mich nur auf mich selber, andere sind für mich ein nicht kalkulierbares Risiko
    - und wenn ich jemanden an mich ranlasse, werde ich enttäuscht, was mich dann jedesmal wieder aus der Bahn wirft

    Ich halte die Welt auf Abstand, wieso sollte mich da jemand in ihre Gemeinschaft aufnehmen???

    Also bin ich Außenseiter und werde ich wohl auch immer sein!

    LG,
    Surrogat


    PS1: Ihr wundert euch wahrscheinlich, warum ich gestern bei meinen Eltern war, nachdem was ich da alles geschrieben hab. Seit ca.15 Jahren sind meine Eltern nicht mehr alkoholabhängig udn wir haben quasi Frieden geschlossen. Inzwischen fahre ich ab und zu wieder ganz gerne hin und meine Mutter hat auch schon das ein oder andere mal bei meinem Großprojekt "Wohnung" geholfen. Hauptsächlich dabei, mich davon abzuhalten, mich in Kleinigkeiten zu verlieren und mich auf die eigentliche Sache zu konzentrieren.


    PS2: Ich bin gerade etwas schockiert über mich selber, was ich hier alles aufgeschrieben habe. So am Stück hab ich das noch nie jemandem erzählt. Ich hoffe, das geht nicht nach hinten los. Ich sag jetzt einfach mal: "Hey Leute, ich bin neu hier, bitte seid lieb zu mir!!!"

  10. #20
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Gründe für Außenseitertum?

    Hallo Surrogat,

    es ist schön, dass Du die Möglichkeit hast, Dich so offen mit Deiner Familie über AD(H)S auseinander zu setzen, toll, wenn Du auch über einiges heute lachen kannst...
    So kannst Du "fühlen", dass die AD(H)S auch positiv ist....

    Surrogat schreibt:
    - Warum ich keine Freunde hatte, weiß ich jetzt auch wieder.
    In der ersten Klasse gab es einen Jungen, der wirklich lernprobleme hatte (der Arme ist dann auf die Sonderschule gekommen) und gehänselt wurde. Diesen Jungen hab ich verbal in Schutz genommen und wurde dafür von einem der hänselnden Jungen geschlagen. Ich war damals zutiefst entsetzt!!!!
    Das habe natürlich zuhause total entrüstet berichtet und meine Mutter hat mir damals ernsthaft empfohlen, mir das nicht gefallen zu lassen und zurückzuhauen. Tja, und ich befürchte, damit fing das Dilemma an. Jemand der nicht mitmacht, andere zu quälen, wird selber zum Sündenbock! Aber ich hab gekämpft und mich nicht klein kriegen lassen!
    Das zeugt doch von einer enormen Charakterstärke, sich bereits als Kind "gegen die Masse" zu stellen und sich für die "Opfer" einzusetzen..... Damit leistest Du m.E. einen wertvollen Beitrag "zu einer gerechteren Gesellschaft".... (wirkt das jetzt schon pathetisch?)

    Als ich ungefähr 11 war, ist bei meinen Eltern beruflich und dann finanziell was ziemlich schief gelaufen und innerhalb von ca. 1 Jahr sind meine Mutter und mein Stiefvater leider dem Alkohol verfallen. Gefühlt von heute auf morgen war mein zuhause eine Katastrophe, Geld war nur noch für das Nötigste da: Alkohol, Zigaretten und Essen (in der Reihenfolge!). Ab da an mußte ich mich jeden Tag auf's neue überraschen lassen, ob ich nach der Schule eine ansprechbare Mutter vorfinde oder nicht. Die Wochenenden waren am Schlimmsten!
    Auch "so etwas" durchzustehen erfordert viel Kraft, sicher, Du hattest "keine andere Chance", aber Tatsache ist, dass Du aufgrund Deiner Kindheit und Jugendzeit (soweit man das von dem was Du schreibst, ableiten kann) gelernt hast, viel Kraft aufzubringen, wenn Du diese Fähigkeit in die für Dich richtigen Bahnen lenkst, kannst Du bestimmt "viel erreichen"..

    Die Details erspar ich euch mal, nur soviel, mit so einem zuhause sondert man sich von allem ab, damit niemand mitbekommt, in welchem Zustand man lebt. Um zu übertünchen, dass keine Kohle für Klamotten da ist, hab ich dann auf extra abgerissen, obercool und steinhart gemacht. Und wenn die Welt mich nicht will, dann will ich die Welt auch nicht!!! Aber man gehört ab dann auch nicht mehr dazu und wird zum Außenseiter, so ist das leider!
    Es ist nicht wichtig, "überall beliebt" zu sein, viel wichtiger ist es, wenigstens einen wirklich guten Freund zu haben.... Sich an den "Rand der Gesellschaft" zu positionieren, kann auch eine bewußte Entscheidung sein, will ich "das Spiel" mitspielen, oder nicht?

    Ich hab diesen Zustand ausgehalten bis ich mein Abi hatte und zum Studieren ging. Irgendwie hatte mir der blöde Studienberater eingeredet, ich würde Bafög bekommen, dass ist nur leider nach hinten losgegangen, so dass ich nach 1 Semester wieder kleinlaut zurückkommen mußte. Nur hab ich den Zustand mit meinen Eltern dann nicht mehr ertragen und bei einem Streit hat mich meine Mutter dann rausgeschmissen. Dass Sie mich rausgeschmissen hat, daran konnte sie sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern, aber ich!
    Wieso hast Du kein BAFöG bekommen? Das wird doch i.d.R. anhand des Einkommens der Eltern berechnet.... Wenn Du kein BAFöG bekommst, heißt das (war zumindest zu meiner Studienzeit so), dass es Deinen Eltern aufgrund ihres Einkommens rein rchnerisch möglich sei, Dich in Höhe des BAFöG-Satzes zu unterstützen, das ist sogar einklagbar (aber wer klagt schon gegen seine eigenen Eltern). Bis zum 25. Lebensjahr sind deine Eltern eigtl. dazu verpflichtet, Dir eine Ausbildung bis zu einem berufsqualifizierendem Abschluss zu finanzieren, sofern Du ein Ausbildungsziel verfolgst. Heißt, wenn Du nur "schlunzt", müssen die auch nicht zahlen...

    Studiert hab ich dann trotzdem, weil es bei uns eine Fachhochschule gab, die mit Betrieben zusammengearbeitet hat. Der Betreib hat dann quasi das Studium und ein Azubigehalt bezahlt, dafür hab ich in der studienfreien Zeit im Betrieb gearbeitet.

    Fast hätte ich mir das am Ende noch vermasselt, weil ich Probleme hatte, mein Diplomarbeit fertig zu schreiben. Hatte ich auch schon bei meiner Vorstellung hier geschrieben. Die Diplomarbeit hätte mir echt fast das Genick gebrochen!!!
    Aber Du hast geschafft, was Du wolltest...

    Womit ich dann endlich wieder beim Thema wäre, warum ich überhaupt in diesem Forum bin, mein eigener Verdacht auf ADS (ohne Hyperaktivität).

    Warum ich ein Außerseiter bin, ist wohl eine Mischung aus vielen Gründen:
    - ich fühle mich minderwertig im vergleichzu anderen
    - ich lasse eigentlich niemanden an mich ran
    - ich will nicht, dass andere wissen, was für eine verkorkste Person ich bin
    - ich bin mißtrauisch und sehr zurückhaltend
    - ich hab glaube ich verlernt, wie man sich in Gesellschaft verhält
    - ich verlasse mich nur auf mich selber, andere sind für mich ein nicht kalkulierbares Risiko
    - und wenn ich jemanden an mich ranlasse, werde ich enttäuscht, was mich dann jedesmal wieder aus der Bahn wirft

    Ich halte die Welt auf Abstand, wieso sollte mich da jemand in ihre Gemeinschaft aufnehmen???
    Insgesamt scheint m.E. eine AD(H)S wahrscheinlich, aber letztendlich kann Dir das hier wohl niemand "gesichert" sagen. Sinnvoll ist es bestimmt, das mal von einem (AD(H)S-) Fachmann "überprüfen" zu lassen.
    Ich denke, dass Du auf jeden Fall fachliche (psychologisch-therapeutische) Unterstützung gut gebrauchen kannst, um alles aufarbeiten zu können...


    Ihr wundert euch wahrscheinlich, warum ich gestern bei meinen Eltern war, nachdem was ich da alles geschrieben hab. Seit ca.15 Jahren sind meine Eltern nicht mehr alkoholabhängig udn wir haben quasi Frieden geschlossen. Inzwischen fahre ich ab und zu wieder ganz gerne hin und meine Mutter hat auch schon das ein oder andere mal bei meinem Großprojekt "Wohnung" geholfen. Hauptsächlich dabei, mich davon abzuhalten, mich in Kleinigkeiten zu verlieren und mich auf die eigentliche Sache zu konzentrieren.
    Auch davor habe ich größten Respekt.
    Bei mir ging es damals mehr um "unwissentliche, psychische Misshandlung", sie wollten eigentlich "nur das Beste" für mich, was aber gründlich nach hinten losgegangen ist. Ich habe mich emotional so weit von denen entfernt, dass ich niemals wieder eine wirklich (emotional) herzliche Beziehung zu ihnen aufbauen könnte....


    Ich bin gerade etwas schockiert über mich selber, was ich hier alles aufgeschrieben habe. So am Stück hab ich das noch nie jemandem erzählt. Ich hoffe, das geht nicht nach hinten los. Ich sag jetzt einfach mal: "Hey Leute, ich bin neu hier, bitte seid lieb zu mir!!!"
    Ich von meiner Seite kann nur sagen, Danke für Dein "Vorschussvertrauen" ins Forum....

    LG Tanja

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