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Diskutiere im Thema Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #51
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 72

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Hab jetzt nur ein wenig quer gelesen, also schonmal sry, wenn sich was wiederholen sollte.
    Werde einfach mal so gut es geht meine eigenen Erfahrungen schildern.

    Hab meine Diagnose letzten Oktober bekommen. Komischerweise hat mich die positive Diagnose stärker getroffen, als der Verdacht, wo ich quasi noch in der Luft hing.
    Aber seitdem gehts eigentlich. Bei mir ist nicht wirklich was anders geworden. Ich hab immer noch meine depressiven "Ich kann gar nix-" Durchhängerphasen, aber auch meine total überdrehten, hochmotivierten, "Ich stemme die Welt mit einem Finger"-Zeiten.
    Das war eigentlich schon immer so.

    Bin eigentlich immer irgendwo angeeckt, hatte Probleme in sozialen Gefügen und auch lerntechnisch arge Probleme. Meine Mutter hat immer nur gesagt, ja manche können halt besser und schneller lernen und manchen fällts halt schwerer.
    Und damit hat sie ja auch irgendwo recht. Zumindest wenn man die Aussage etwas allgemeiner fast. Unsere Probleme sind zwar ausgeprägter, aber trotzdem haben auch Stinos ihre Probleme. Mein Mitbewohner ist das totale Nervenbündel. Wenns irgendwo Probleme gibt, knickt der um wie ein Strohhalm, so das interessanterweise ich als ADHS'ler der "ruhige" Pol der WG ist.
    Trotzdem ist der so gesehen kerngesund. Man kann nicht jede Macke, jedes Persönlichkeitsdefizit als krankheitsbedingt ausmachen, daher bringt es auch nichts, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was wäre wenn.
    Ist es halt nicht. Wenn du kein ADHS hättest, wärst du nicht mehr du selbst. Daher machts für mich wenig Sinn, darüber nachzudenken, wo meine Persönlichkeit endet und mein ADHS beginnt, weil ohne mein ADHS bräuchte ich mir um meine Persönlichkeit, wie sie jetzt ist, keine Gedanken zu machen. Die gäbe es so dann ja auch nicht mehr.

    Du warst schon immer so und hast von Anfang an mit deinem ADHS gelebt. Deine ganze Persönlichkeit hat sich danach entwickelt, weil die Erfahrungen, die du gemacht hast, die dich geprägt haben, die dich quasi zu der Persönlichkeit gemacht haben, die du heute bist, entspringen auch dem ADHS. Daher ist der Denkansatz, was kommt von mir Selbst, was vom ADHS, eher unpraktisch gewählt. Das ADHS ist ein Bestandteil von dir, Teil deiner Persönlichkeit. Das ist untrennbar, auch wenn du diese Trennlinie gerne ziehen würdest.
    Aber um herausfinden zu können, was du selbst, was ADHS ist, müsstest du wissen, wie du ohne ADHS wärst, nur dann wärst du eine ganz andere Entwicklungslaufbahn entlang gegangen und möglicherweise eine ganze andere Person geworden. Und dann würde es darauf hinauslaufen dass alles vom ADHS kommt, was auch nicht so einfach zu sagen ist, weils eben ein "was wäre wenn" ist.
    Wenn ich keinen kleinen Bruder mit angeborenem Herzfehler hätte, wäre ich in meiner Kindheit vielleicht nicht dauernd in Krankenhäusern rumgetingelt, weil meine Eltern immer bei meinem Bruder waren. Vielleicht könnte ich dann sagen, ich hatte tatsächlich eine Kindheit gehabt.
    Hatte ich aber nicht wirklich. Dafür habe ich einen kleinen Bruder, den ich um nichts in der Welt vermissen möchte und das, was mich die Zeit gelehrt hat. Nämlich Verantwortung zu tragen, in Ausnahmefällen immer noch einigermaßen gut reagieren zu können und meine höhere psychische Belastbarkeit in Stresssituationen.

    Die Diagnose an sich hat mir so gesehen nur die Augen geöffnet, was eventuell vom ADHS her rühren kann, warum ich anders ticke und anders angenommen werde.
    Worauf ich in Zukunft stärker achten muss, was ich vermeiden kann.
    Dafür hab ich aber auch Stärken, wo andere Menschen auf der Strecke bleiben.
    Eine in meinem Semester ist wahnsinnig gut in sachlichen Fächern. Würde ich auch gerne sein. Letztes Semester hatten wir als Projekt Platzgestaltung. Als ich ihren Entwurf gesehen hab, wollte ich mich eigentlich aus dem Fenster stürzen.
    Keine Kreativität, keine Ideen, null Ästhetik, gar nix. Jeder 08/15 Platz war da besser.
    Bei sowas denk ich mir halt, gut, muss ich bei anderen Fächern halt mehr reinklotzen, aber Gott sei Dank ist in der Freiraumplanung viel von kreativen Denken abhängig und quer denken, schnell Ideen herziehen, wo andere nichtmal Verknüpfungen erahnen könnten weil denen die Gedankenhopser fehlen und in Minuten ein Brainstorming abzuhalten, kann ich.

    Jeder Mensch ist anders, ADHS'ler sind anders als andere ADHS'ler, Stinos sind anders als andere Stinos.
    Du kannst keine Grenze ziehen, dazu fehlt einem einfach ein Vergleichsobjekt.
    Ich bin emotionaler, kreativer, ich kann meine Freundin gut überraschen und auch schnell nen Plan B zaubern (auch wenn der dann enorm chaotisch ist).
    Meine Freundin ist ziemlich introvertiert, rückt mit ihren Gefühlen und Gedanken nicht so schnell raus, sie ist eher der sachliche Typ und plant alles vorweg.
    Sie kommt auch oft etwas gefühlskalt rüber wegen ihrer in sich gekehrten Art oder desinteressiert/unhöflich, weil sie so ruhig ist.
    Wessen Persönlichkeit ist da besser? Und gibts überhaupt ein besser? Und wäre es ohne ADHS anders und vor allem wer wäre ich ohne ADHS.
    Ich finde, meine Freundin und ich ergänzen uns da ziemlich gut von unseren Persönlichkeiten her.
    Sie ist meine ruhige Basis, wenn ich mal den Kopf verliere, hilft sie mir, die Dinge klarer und sachlicher zu sehen.
    Dafür kann ich sie überraschen, bin empathischer und merke recht häufig, was in ihr vorgeht. Was da auch nötig ist, weil sie oft nicht weiß, wie sie das ausdrücken soll. Kann mich gut in sie hineinversetzen und ihr das Gefühl geben, ich versteh sie, auch ohne groß reden zu müssen, was ihr nach den letzten gescheiterten Beziehungen (jedesmal Schluss gemacht, weil sie angeblich gefühlskalt wäre...was ein Schwachsinn) wirklich gut tut.
    Aber könnte ich das auch ohne ADHS? Entspringt das jetzt mir oder meinem ADHS? Und wenns so wäre, dann bin ich froh darüber, krank zu sein und meiner Freundin damit gut zu tun.

  2. #52
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Seraphim schreibt:
    Besonders bei selbstkritischen Leuten kann das dann zu einem ständig "Das kommt nur von... das liegt nur an....etc" führen.
    Ja das stimmt und das erkenne ich auch sehr stark an mir selber, aber auch viel im Forum und bei anderen Betroffenen.

    So ganz falsch ist es auch nicht.
    Zwar sind wir eine Einheit, aber auch die getrennte Betrachtung ist wichtig und gut, damit wir den Umgang damit lernen und ich glaube insbesondere auch, damit das Selbstwertgefühl nicht noch mehr Schaden nimmt, als es das bei den meisten ohnehin schon genommen hat.

    Ich glaube, es ist schon ein Unterschied zu wissen, dass etwas eben nicht bewusst von mir herbeigeführt wurde, ich eben nicht faul bin, sondern mir die Möglichkeit des Umsetzens gar nicht gegeben war.
    Gerade wir ADS'ler und besonders die Selbstritischen darunter, nehmen ja vieles als das an, als was es auch oftmals von Außen gesehen wird, eben als Charakter- oder Persönlichkeitsschwäche.
    Zu wissen, dass das aber gar nicht zutrifft, ist schon, zumindest in meinen Augen, ein großer Unterschied.
    Ich kann mich auch anders bewerten und damit mein Selbstwertgefühl beeinflussen.

    Da ist es dann schon auch sinnvoll, Persönlichkeit und ADHS zu trennen, es aber trotzdem als eine Einheit mit sich zu betrachten.
    Das klingt enorm widersprüchlich, aber ich glaube, das ist gar nicht sooo sehr im Widerspruch zueinander.

    Liene Grüße
    Marcus

  3. #53
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Fliegerlein schreibt:
    So ganz falsch ist es auch nicht.
    Zwar sind wir eine Einheit, aber auch die getrennte Betrachtung ist wichtig und gut, damit wir den Umgang damit lernen und ich glaube insbesondere auch, damit das Selbstwertgefühl nicht noch mehr Schaden nimmt, als es das bei den meisten ohnehin schon genommen hat.

    Ich glaube, es ist schon ein Unterschied zu wissen, dass etwas eben nicht bewusst von mir herbeigeführt wurde, ich eben nicht faul bin, sondern mir die Möglichkeit des Umsetzens gar nicht gegeben war.
    Gerade wir ADS'ler und besonders die Selbstritischen darunter, nehmen ja vieles als das an, als was es auch oftmals von Außen gesehen wird, eben als Charakter- oder Persönlichkeitsschwäche.
    Zu wissen, dass das aber gar nicht zutrifft, ist schon, zumindest in meinen Augen, ein großer Unterschied.
    Ich kann mich auch anders bewerten und damit mein Selbstwertgefühl beeinflussen.
    Hallo Marcus,

    damit sprichst Du mir aus der Seele, es kommt auf die innere Selbstbewertung an und wie ich unten versucht habe darzustellen, sind die Symptome mit der Persönlichkeit verbunden...

    LG Tanja

  4. #54
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 72

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Glaube ich habe grade eine kurze Zusammenfassung meines Romans entwickelt.

    Glaube ein besserer Denkansatz ist, was ist mein eigenes Verhalten, welches Verhalten ist ADHS bedingt.
    Die Persönlichkeit hat sich ja unter anderem auch daraus entwickelt.

    Zum Beispiel bin ich ein, zumindest aus meiner Sicht, relativ toleranter Mensch, was anderer Menschen Macken angeht, weil ich ja selbst genug hab und weiß wie das ist.
    Vielleicht auch toleranter als Leute, die sowas nie selber erlebt haben. Aber vielleicht wäre ich auch so tolerant ohne es selber durchzumachen. Weiß ich ja nicht.
    Oder in manchen Punkten denke ich halt enorm viel drüber nach, was schief gehen kann, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, was wirklich alles schief gehen kann.
    Dann mach ich lieber (wenn ich dran denke) 3 Sicherheitskopien, als nur eine, für den Fall, dass ich ohne den PC runterzufahren, den Kippschalter beim Mehrfachstecker drücke UND meinen Stick verlege. Dann lieber online speichern und noch nem Kollegen schicken, halt vorsichtiger geworden, wenn ichs halt grade nicht vergessen sollte, vorsichtig zu sein.

    Aber das sind halt dann so Ereignisse, die aus dem AD(H)S resultieren und sich im Laufe der Zeit in der Persönlichkeit manifestieren. Rückschläge einzustecken, zu lernen, wie man sich aus Deprilöchern hangelt, "Überlebensstrategien" entwickeln, aber auf die eigene Art.
    Das sind Erfahrungswerte an denen die Persönlichkeit wächst und sich definiert.

    Aber das AD(H)S ist nicht der Teil meiner Persönlichkeit, der sich aufrafft und aufs Neue rangeht. Er hat dazu beigetragen, durch das Verhalten und den damit verbundenen Konsequenzen, dass ich durch AD(H)S aufweise, mir diese Fähigkeit anzueignen und manchmal bin ich schon ganz stolz drauf, dass ich nicht so krass an einer verbockten Klausur, beispielsweise, verzweifle, wie andere, die sowas nicht gewohnt sind.

    Die Verhaltensweisen kann man trennen und das finde ich schon wichtig, um filtern zu können, wie man an welches Problemverhalten rangeht, welche Ursache es hat und wie mans vielleicht in den Griff bekommt.
    Aber trennen, welche Art deiner Persönlichkeit woher rührt, ist ziemlich heftig.

    Abgesehen davon hat mein ADHS mir grade gute Laune bescherrt, als ich den Rest der Chips statt auf den Teller in die daneben stehende Kaffeetasse geschüttet hab...jaja...du hast ADHS, wenn...du dir den Rest der Chips schenken kannst...ist eh ungesund.

  5. #55
    Simply me

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 2.266

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Fliegerlein schreibt:
    Ja das stimmt und das erkenne ich auch sehr stark an mir selber, aber auch viel im Forum und bei anderen Betroffenen.

    So ganz falsch ist es auch nicht.
    Zwar sind wir eine Einheit, aber auch die getrennte Betrachtung ist wichtig und gut, damit wir den Umgang damit lernen und ich glaube insbesondere auch, damit das Selbstwertgefühl nicht noch mehr Schaden nimmt, als es das bei den meisten ohnehin schon genommen hat....
    Richtig. Um sich und das ADHS besser kennenzulernen, schadet eine seperate Betrachtung nicht. Heikel wirds nur, wenn wir mit einer AD(H)S-Eigenschaften Liste im Kopf rumlaufen, wie man sie zuhauf im web und in Ratgeberbüchern findet. Nur um dann jedesmal, wenn man eine dieser typischen AD(H)S Eigenschaften mal wieder gezeigt hat, innerlich gleich mit dem Finger darauf zu zeigen und zu sagen "DA! Da war es wieder! Das war vom AD(H)S!"

    Das, was man grad gezeigt hat, mag dann zwar vom AD(H)S sein, doch hat man diese Facette seiner Persönlichkeit eben nicht erst seit der Diagnose, sondern vermutlich sein Leben lang. Und vorher fand sie nicht mehr Beachtung als alle anderen, sie war eben ein selbstverständlicher Teil unseres Ich´s. Daher find ichs dann irgendwie nicht gut, nach der Diagnose so ein Bohei darum zu machen. Und diese Art der Trennung und übermäßigen Achtsamkeit mein ich, finde sie ungesund. Daher die Frage, wo endet unsere Persönlichkeit und wo "beginnt" das AD(H)S.

  6. #56
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Seraphim schreibt:
    Richtig. Um sich und das ADHS besser kennenzulernen, schadet eine seperate Betrachtung nicht. Heikel wirds nur, wenn wir mit einer AD(H)S-Eigenschaften Liste im Kopf rumlaufen, wie man sie zuhauf im web und in Ratgeberbüchern findet. Nur um dann jedesmal, wenn man eine dieser typischen AD(H)S Eigenschaften mal wieder gezeigt hat, innerlich gleich mit dem Finger darauf zu zeigen und zu sagen "DA! Da war es wieder! Das war vom AD(H)S!"
    Ja das ist wahr, ... aber ich denke, das legt sich mit der Zeit.
    Muss es auch, denn das kann wirklich schnell zu viel werden, für alle Beteiligten.

    Das, was man grad gezeigt hat, mag dann zwar vom AD(H)S sein, doch hat man diese Facette seiner Persönlichkeit eben nicht erst seit der Diagnose, sondern vermutlich sein Leben lang. Und vorher fand sie nicht mehr Beachtung als alle anderen, sie war eben ein selbstverständlicher Teil unseres Ich´s.
    Da wirds jetzt gerade seeehr spannend und auch schwierig.
    Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass mir schon vorher immer wieder aufgefallen ist, dass meine Frau der erste und einizge Mensch in meinem Leben ist, der mich wirklich so und mit einer ganz einfachen Selbstverständlichkeit genommen hat, wie ich bin.
    DANN gebe ich Dir recht.
    Aber es ist ja zumeist so, dass das genau Gegenteil der Fall ist, wir ständig mit unseren "unzulänglichkeiten" konfrontiert wurden un sie eben doch einiges an Beachtung gefunden haben, nur mit einer äußerst negativen Bewertung.
    Da wüsste ich auf Anhieb Siebzehntausenddreihundertsech sundzwanzig Beispiele ... oder ein Dutzend? .
    Es ist ja eben doch immer wieder aufgefallen, wurde aber uns als Fehlverhalten, als Nachlässigkeit etc. ausgelegt, als moralisches Fehlverhalten, das wir hätten ändern können, wenn wir nur gewollt hätten.


    Aber es ist schon so, dass vieles nach der Diagnose und durch die Beschäftigung mit der ganzen Materie erstmal wirklich vieles viel deutlicher auffällt.

    Das merke ich auch oft an meiner Frau und mir.
    Sie selbst sagt, dass sie viele Dinge plötzlich ganz bewusst wahrnimmt, obwohl das schon seit je her so war.
    Es ist ins Bewusstsein gerückt und es sollte aber auch irgendwann wieder abrücken dürfen, ... muss es auch.
    Wir schauen dann gerne mal kurz drauf, stellen uns kurz die Frage "Wars schon immer so?", wenn ja, alles gut, Akte schließen, Keks gegessen.

    Das ist aber ein ganz normaler Prozess.
    Die meisten Menschen gehen durch die Stadt und kaum einem fällt ein Schmuckgeschäft auf, in dem Eheringe ausgestellt sind, oder Brautmodengeschäfte.
    Mit Ausnahme derer, die gerade voller Heiratspläne sind.
    Plötzlich nimmt man an jeder Ecke Angebote speziell für Hochzeitspaare wahr.
    Aber das gibt sich auch wieder .

    Ist ein bisschen wie eine Welle, schwappt einmal kräftig durch und irgendwann wird auch das wieder zur Selbstverständlichkeit, die keiner weiteren Beachtung bedarf.
    Und so sollte das auch sein.
    Wenn man es zulässt .

    Allerdings liefert das auch jetzt keine saubere Antwort auf die Frage
    Daher find ichs dann irgendwie nicht gut, nach der Diagnose so ein Bohei darum zu machen. Und diese Art der Trennung und übermäßigen Achtsamkeit mein ich, finde sie ungesund. Daher die Frage, wo endet unsere Persönlichkeit und wo "beginnt" das AD(H)S.
    Denn da seh ich's genauso.
    Anfangs lernt man sich vielleicht neu kennen, aber dann darf's auch wieder gut sein.
    Aber zwischendurch ist es auch ok, wenn man das Gelernte noch im Hinterkopf hat.
    Aber es darf nicht dominieren.

    Liebe Grüße
    Marcus

  7. #57
    Simply me

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    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 2.266

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Fliegerlein schreibt:
    Aber es ist ja zumeist so, dass das genau Gegenteil der Fall ist, wir ständig mit unseren "unzulänglichkeiten" konfrontiert wurden un sie eben doch einiges an Beachtung gefunden haben, nur mit einer äußerst negativen Bewertung.
    Ja, wir werden mit ihnen konfrontiert. Aber es sind unsere Unzulänglichkeiten, gehören einfach zu uns und sind nicht das AD(H)S. Noch nicht. Bis die Diagnose steht. Und dann gehts erst richtig los.

    Fliegerlein schreibt:
    Es ist ins Bewusstsein gerückt und es sollte aber auch irgendwann wieder abrücken dürfen, ... muss es auch.
    Wir schauen dann gerne mal kurz drauf, stellen uns kurz die Frage "Wars schon immer so?", wenn ja, alles gut, Akte schließen, Keks gegessen.
    Und genau das ist der Knackpunkt. Bemerken und gut sein lassen (so wie früher)? Oder bemerken und in "helle Aufregung" verfallen?[/QUOTE]

  8. #58
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Seraphim schreibt:
    Und genau das ist der Knackpunkt. Bemerken und gut sein lassen (so wie früher)? Oder bemerken und in "helle Aufregung" verfallen?
    Bemerken, akzeptieren, schauen ob und was und wie man managen kann, mit eben dem Hintergrundwissen, aber keinesfalls in "helle Aufregung" verfallen.
    Das ändert nichts und das nützt auch nichts.
    Einfach nur gut sein lassen?
    Jain ... mit Tendenz zum Nein.

    Akzeptanz ist wichtig, es zu bemerken ist wichtig, auch schauen, was davon ich mit meinem neuen Wissen in den Griff bekommen kann, genauso aber auch das gut sein lassen, von dem ich sehe, dass ich es hinnehmen und akzeptieren muss, weil es nicht änderbar ist, aber mit einem deutlich positiveren Bewusstsein und einer ganz anderen eigenen Bewertung.

    Liebe Grüße
    Marcus

  9. #59
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Seraphim schreibt:
    Das, was man grad gezeigt hat, mag dann zwar vom AD(H)S sein, doch hat man diese Facette seiner Persönlichkeit eben nicht erst seit der Diagnose, sondern vermutlich sein Leben lang. Und vorher fand sie nicht mehr Beachtung als alle anderen, sie war eben ein selbstverständlicher Teil unseres Ich´s. Daher find ichs dann irgendwie nicht gut, nach der Diagnose so ein Bohei darum zu machen. Und diese Art der Trennung und übermäßigen Achtsamkeit mein ich, finde sie ungesund. Daher die Frage, wo endet unsere Persönlichkeit und wo "beginnt" das AD(H)S.
    Ich lese hier schon eine Weile im Thread mit und ich finde es toll, wie unterschiedlich die Meinungen zu diesem Thema sind.

    Mir war anfangs gar nicht klar, was du mit dieser Frage genau meinst und warum sie für dich so wichtig. Mittlerweile verstehe ich es so halbwegs.

    Ich denke, dass jeder ADHSler seinen eigenen Weg finden muss. Jeder hier hat seine eigene Sicht auf sich und die eigene Persönlichkeit. Und letzten Endes lässt sich das auf die philosophische Frage "Wer bin ich?" reduzieren. Und meiner Meinung nach hat die Beantwortung dieser Frage nichts mit ADHS direkt zu tun.

    Seit einiger Zeit arbeite ich mit dem ADHS-Selbsthilfebuch von Nancy Ratey. Nancy Ratey ist in den USA eine bekannte ADHS Coachin und sie ist selbst ADHS Betroffene. Ganz erstaunt war ich anfangs davon, dass sie ADHS bewusst von der eigenen Person abgrenzt. Eine der ersten "Übungen" in diesem Buch ist es, die eigene Symptomatik aufzuschreiben und den typischen ADHS Symptomen zuzuordnen. Ich fand das zuerst eher kontraproduktiv, weil ich das Gefühl hatte, dass sie alles auf die ADHS Symptome reduziert.
    Ich habe das dann trotzdem einfach mal gemacht und rückblickend muss ich sagen, dass das der Punkt war, an dem sich mein Umgang mit "meiner" ADHS signifikant geändert hat und zwar positiv geändert. Mir hilft es diese Symptome bewusst von mir abzugrenzen. Nur so konnte ich lernen, diese Symptome in mein Leben zu integrieren.
    Ich kann nicht genau sagen, wo bei mir ADHS aufhört und wo meine Persönlichkeit anfängt. Aber ich kann meine ADHS Symptome benennen und ich kann diese dadurch zunächst einmal von meiner Persönlichkeit abgrenzen. Und im nächsten Schritt arbeitete ich dann daran, mit diesen ADHS Symptomen besser klarzukommen und sie einzudämmen. Seitdem das der Fall ist, kommt meine Persönlichkeit immer mehr zum Vorschein. Und die ADHS Symptomatik tritt immer mehr in den Hintergrund.
    Für mich ist daher dieser Schritt der genauen Benennung meiner Symptome sehr wichtig und ich achte in meinem Alltag sehr darauf. Und dadurch habe ich die Symptome im Griff und muss mich weniger intensiv mit ihnen beschäftigen und habe mehr Energie für die Entwicklung meiner Persönlichkeit.

    Ich sage daher, dass ich ADHS habe. Ich bin nicht ADHS. Aber das ADHS gehört zu mir. Es ist ein Teil von mir. Ich habe ihn zwar von mir abgekapselt, aber er gehört trotzdem zu mir.
    Das ist für mich sowas wie ein Wohnwagen. Wenn ich ADHS wäre, dann wäre ich ein Wohnmobil. Aber ich habe ADHS, also bin ich ein Auto mit einem Wohnmobil als Anhänger dran. So sehe ich das.

    Aber grundsätzlich muss jeder seinen eigenen Weg finden, wie er mit sich klarkommt und wie er sich selber sieht.

  10. #60
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Fliegerlein schreibt:
    Anfangs lernt man sich vielleicht neu kennen, aber dann darf's auch wieder gut sein.
    Aber zwischendurch ist es auch ok, wenn man das Gelernte noch im Hinterkopf hat.
    Aber es darf nicht dominieren.
    "Es" sollte aber auch im Hinterkopf nicht verloren gehen, damit ich nicht wieder in "alte (Selbst-)Bewertungsmuster" zurückfalle und die "alten Spiralen" wieder aktiviert werden.

    LG Tanja

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