Seite 4 von 11 Erste 123456789 ... Letzte
Zeige Ergebnis 31 bis 40 von 109

Diskutiere im Thema Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #31
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 26
    Forum-Beiträge: 75

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Wenn ich in ein Glas Wasser ein Tröpfchen Tinte hinzugebe, wird alles Schwarz.

    Es sieht völlig anders aus als Wasser ohne Tinte.

    Wo Tinte ist, und wo Wasser ist, kann ich nicht sagen.

    Ich weiß, dass beides drin ist.

    Ich weiß das es anders aussieht, weil Tinte drin ist.



    Die Tinte sagt mir welche Färbung Ich habe, und warum Ich so anders bin.

    Die Tinte sagt mir, dass ich anders bin.


    Endlich sehe ich die Färbung.

    Endlich weiß ich, dass alle Menschen mir ständig Ratschläge, Tipps und Anleitungen für ein völlig falsches Produkt gegeben haben.

    Endlich weiß ich, dass ich mit falschem Werkzeug gearbeitet habe.

    Und endlich weiß ich, dass es nicht am Produkt liegt.


    Mit der Tinte zusammen kann ich eine eigene Anleitung schreiben.

    Von Anfang an.

    Mit anderem Werkzeug.


    Diese Anleitung zu schreiben wird lange dauern, niemals fertig werden, und auch nicht immer leicht sein.

    Aber ich weiß, dass diese Anleitung ganz speziell für mich, in Farbe, ist.


    Die Tinte ist überall.

    Sie ist hartnäckig.

    Sie ist zäh.

    Sie ist klebrig.


    Dafür ist sie wunderschön.

    An mir sowie an Dir.

  2. #32
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    @menix

    super beschrieben!
    ich sehe es auch so - jeder einzelne ist einzigartig und alles zusammen macht jeden einzelnen aus.

    wir verändern uns täglich - wir lernen aus erfahrungen - und unsere erfahrungen prägen uns... da gibt es keine
    grenze... kein ist zustand.... und adhs trägt dazu bei.

    lg

  3. #33
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 26
    Forum-Beiträge: 75

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Huhu,

    danke Smile.

    Poetische Nacht!


    Ich hab ganz bewusst auf das Wort "AD(H)S" verzichtet, denn im Endeffekt ist es eine Beschreibung für einen Komplex.

    Ich versuche AD(H)S, nicht als Krankheit wahrzunehmen, sondern als einen Verhaltenstypus, der so anders als die Umwelt ist, dass sich daraus häufig krankhafte Züge entwickeln.


    Man darf, auch wenn die Bezeichnung zu schön kurz und prägnant ist, diesen Komplex nicht vereinfachen.

    Eben gerade weil es jeden Lebensbereich beeinflusst.

    Es so eng mit einem selbst verzahnt ist.


    Es gibt viele Worte und Bezeichnungen für Psychische Prozesse, Zustände, Verhaltensweisen, etc.

    So wie Schüchternheit alle Lebensbereiche beeinflusst, tut AD(H)S es eben auch.


    Hat man Schüchternheit?

    Ist man Schüchtern?

    Beeinflusst Schüchternheit meinen Lebensweg, und hat es das auch schon?

    Resultieren Verhaltensweisen, Probleme, Erfahrungen, schöne wie negative, aus dieser Schüchternheit?


    Ja!

    Ja!

    Ja!

    Ja!


    Und das ist auch gut so!

  4. #34
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 795

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Muddi schreibt:
    ich kann mir beim besten willen nicht vorstellen wie ich ohne adhs wäre,
    auch nicht wie mein leben dann verlaufen wäre.

    ein solches konstrukt möchte ich mir nicht vorstellen - denke es wäre auch sehr niederschmetternd
    wenn man in die realität zurück kehren muß aus dieser gedankenwelt

    Nein, ob ich anders wäre ist für mich nicht die Frage. Aber hätte ich es 10 Jahre eher gewußt, wäre mir/uns einiges erspart geblieben. Das macht mich unendlich traurig.


    Leider ist es nicht zu ändern. So wie man nicht ändern kann in China oder Afrika geboren zu sein. Hätte der Vater meiner Schwägerin eher von seinem Krebs gewußt, er würde vielleicht noch leben.


    So muß ich hinnehmen was mir widerfährt, so wie wir alle hier. Wer weiß ob es nicht noch für etwas gut ist.
    Geändert von Raphell (19.03.2013 um 18:25 Uhr)

  5. #35
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 382

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Hallo!

    Ich möchte aus diesem Post zitieren, um noch mal zu versuchen zu verdeutlichen, wie ich es sehe.
    Ich bemerke, wie wichtig mir das ist.
    Dass ihr mir zustimmt?
    Ja, viellicht.
    Aber eher, dass ich verstanden werde, wo genau ich mich von der Schulmedizin abgrenze,
    die ADHS als eine nicht heilbare Krankheit, bzw. Störungssyndrom klassifiziert:

    menix21 schreibt:

    Ich versuche AD(H)S, nicht als Krankheit wahrzunehmen, sondern als einen Verhaltenstypus, der so anders als die Umwelt ist,
    dass sich daraus häufig krankhafte Züge entwickeln.
    Der Verhaltenstypus, mit dem die Umwelt nur sehr schwer klar kommt, entsteht duch den anderen Wahrnehmungsstil.
    Verstärkt wird dieses Verhalten aber auch dadurch, wie die Umwelt auf diesen Wahrnehmungsstil reagiert.

    Ich erinnere mich an das erste Kindergartenjahr meines Sohnes, wie sehr sich seine Persönlichkeit?
    am Ende dieses Jahres verändert hatte!!
    Das macht mich heute noch zutiefst traurig.
    Zu Beginn des Kindergartenjahres war er ein fröhlicher, immer lachender Junge voller Spontanität und Neugierde.
    Am Ende des Kindergartenjahres war dieses Lachen für immer verschwunden.
    Zu oft war er auf Negativfeedback gestoßen, auf Ablehung seiner Verhaltensweisen,
    die er als Ablehung seiner selbst wahrgenommen hat, was ja auch oft so gemeint war.

    Ich will das hier nicht näher ausführen, aber auch er kämpft um sein "Seelenheil", indem die "anderen" schuld sind,
    bis er irgendwann intellektuell begreifen wird, dass es nicht die anderen sind.
    Jedenfalls nicht so, wie er jetzt glaubt.
    Aber er braucht dieses Denken zum Überleben.

    Ja, er hatte krankhafte Züge entwickelt......... u.a Angstzustände, die ihn bei der Bewältigung des Alltags beeinträchtigten.
    Dies wird immer wieder geschehen, auch weil sein Wahrnehmungsstil ihn auf der einen Seite hochsensibel macht
    auf der anderen Seite jedoch fast sozialtaub erscheinen lässt.
    Für die anderen wohlgemerkt, nicht für ihn oder mich oder andere, die sind wie wir.

    Ist es nicht so, dass aus Unverständnis und mangelnder Empathie gewissen Verhaltensweisen "schlechter Charakter" bescheinigt wird.

    Wo ist die Grenze zwischen "mischt sich in alles ein" oder "engagiert sich" ?
    Ihr kennt das alles auch.
    Diese Grenzziehungen werden von den anderen vorgenommen, nicht von uns.

    Ich habe an mehreren Studien teilgenommen und gerade was die Bewertung der sozialen Interaktion betrifft,
    geschieht diese ja durch die Spiegelung von Menschen mit einem anderen Wahrnehmungsstil.
    Und ihre Wahrnehmung ist die richtige, die wahre, ja ?????????

    Für mich sind bestimmte Verhaltensweisen fast schon unsozial, während die anderen darin Nichteinmischung sehen.
    Wenn bestimmte Verhaltensweisen von den anderen immer negativ sanktioniert werden,
    sind sie deshalb dann falsch?
    Oder nur für die Mehrheit der Gesellschaft ?

    In einer AD(H)S Gesellschaft käme es nie zu am Boden liegenden Menschen, die völlig ignoriert werden.
    Dafür käme es vielleicht häufiger zu Einmischung bei Streitereien, die möglichweise zu noch mehr Eskalation führt.
    Es geht aber nicht darum, sich nicht einzumischen, sondern zu lernen, sich "richtig" einzumischen
    Andere würden nicht sich selbst überlassen.....

    Eine ADHS Gesellschaft würde ihre Alten, Kranken und Kinder nicht so im Stich lassen, wie wir es tun.
    Es ist doch interessant, dass gerade in sozialen Berufen sehr viele von uns vertreten sind,
    weil dort Kreativität, Empathie und Engagement Voraussetzung sind.

    Die wenigsten Menschen sind bereit, sich in die Situation ihres Gegenübers zu versetzen.
    Es gibt Regeln, an die sich alle zu halten haben.
    Ob diese Regeln sinnvoll sind oder nicht.
    Sie bieten Sicherheit in der sozialen Interaktion. Wem aber bieten sie Sicherheit?

    Und wer sich nicht dran hält, ist falsch, krank, gestört?

    Ich bemerke, dass ich mich mehr verausgabe,
    mich immer mehr in Details verliere................

    Wir haben dieser Gesellschaft viel zu geben,
    nicht trotz unseres Wahrnehmungsstils
    sondern wegen unseres Wahrnehmungsstils.

    Wenn es uns nicht mehr gibt, dann ist die Gesellschaft um einiges ärmer.

    Es ist die Pluralität, die eine Gesellschaft bereichert,
    nicht die Konformität.

    Gruß
    Michaela
    Geändert von 'Michi (19.03.2013 um 22:23 Uhr)

  6. #36
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 26
    Forum-Beiträge: 75

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    'Michi schreibt:
    Der Verhaltenstypus, mit dem die Umwelt nur sehr schwer klar kommt, entsteht duch den anderen Wahrnehmungsstil.
    Verstärkt wird dieses Verhalten aber auch dadurch, wie die Umwelt auf diesen Wahrnehmungsstil reagiert.
    Guter Punkt! Das Verhalten resultiert aus der Wahrnehmung, macht Sinn.


    Ist es nicht so, dass aus Unverständnis und mangelnder Empathie gewissen Verhaltensweisen "schlechter Charakter" bescheinigt wird.
    Man selbst nimmt es so wahr, ja.

    Aber ich denke es ist nicht richtig, anderen dafür wiederum schlechten Charakter zu bescheinigen, das möchte ich dir jetzt nicht unterstellen, halte ich nur für wichtig.

    Unser Verhalten ist für andere einfach anstrengend und stößt auf antipathie, das macht ja niemand absichtlich, schon garnicht Kinder.

    Das ist natürlich ein sehr großes Problem, womit es nicht leicht ist umzugehen, vorallem in jungen Jahren.


    Wo ist die Grenze zwischen "mischt sich in alles ein" oder "engagiert sich" ?
    Ihr kennt das alles auch.
    Diese Grenzziehungen werden von den anderen vorgenommen, nicht von uns.
    Das ist ein sehr guter Punkt den du da anspricht. Diese Grenzziehung ist generell sehr schwammig, für uns extrem schwer einzuschätzen, bzw wahrzunehmen.

    Ich habe an mehreren Studien teilgenommen und gerade was die Bewertung der sozialen Interaktion betrifft,
    geschieht diese ja durch die Spiegelung von Menschen mit einem anderen Wahrnehmungsstil.
    Und ihre Wahrnehmung ist die richtige, die wahre, ja ?????????
    Nicht die richtige, aber die gängigste, ich würde dabei Wertfrei bleiben.

    Der Wahrnehmungsstil muss ja schließlich auch verglichen werden.


    Gesellschaftlich gesehen, ist es wichtig die Geschichte miteinzubeziehen, und an welchem Punkt der Geschichte wir sind, denke ich.

    Die Pädagogik und Psychologie sind noch jung, am Anfang ihrer Geschichte, sie müssen noch lernen.

    Wissenschaft ist "Trial and Error", die Beachtung von ADS ist ebenfalls noch jung, und so werden viele Fehler gemacht, leider.

    Die akuten Problemfelder für ADS'ler und auch andere Menschen, entstehen ja hauptsächlich durch das starre System was entworfen wurde.


    Früher war Bildung viel Individueller, aber auch nur weil sie sich kaum jemand leisten konnte, es gab einfach kaum Bildung.

    Mit den wachsenden Anforderungen, Bildung für alle zu sichern, hat sich ein System entwickelt, in einer Zeit in der die Menschen psychologisch und pädagogisch unwissend waren.

    Bildung für die breite Masse wurde ja auch nicht zum Spaß gemacht, und auch nicht weil alle Menschen sich so lieb hatten, sondern weil die Industrie es brauchte.

    Jetzt sind wir in einer Zeit, in der dieses System reformiert wird, aber das wird dauern, denn das ist keine einfache Aufgabe.


    Man muss aufpassen keinen Hass gegen die Gesellschaft zu entwickeln.

    Ich glaube, die Menschheit ist heute da wo so ist, durch das Wechselspiel zwischen ADS (Innovation) und Stino (Ausführung).

    Wenn es keine ADS'ler geben würde, würden heute wahrscheinlich alle noch jagen und sammeln.

    Würde es keine Stinos geben, wären wir schon ausgestorben, weil niemand mehr Essen besorgt sondern nurnoch überlegt wie man an es an besten tut.

    Schade ist, das wir an dieser Entwicklung leiden.

    Aber wir sind jetzt an dem Punkt, an dem jeder merkt, dass das System nichtmehr den Anforderungen gerecht wird.

    Auch Stinos haben Probleme mit der fehlenden Individualität, wir sind nur einfach viel viel Sensibler.

    Die Wirtschaft hat den Mehrwert der Individualität den jeder Mensch braucht bereits erkannt.


    Und wer sich nicht dran hält, ist falsch, krank, gestört?
    Sie sind nicht normal, der Norm abweichend.

    Das ist aber gut, es ist nur leider oft negativ konnotiert.


    Wir haben dieser Gesellschaft viel zu geben,
    nicht trotz unseres Wahrnehmungsstils
    sondern wegen unseres Wahrnehmungsstils.

    Wenn es uns nicht mehr gibt, dann ist die Gesellschaft um einiges ärmer.

    Es ist die Pluralität, die eine Gesellschaft bereichert,
    nicht die Konformität.
    Genau!

    Zur Pluralität gehören aber auch andere, nicht nur wir.

    Sehr guter Text, Danke!

  7. #37
    κοπφχαος

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 692

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Chaostanja schreibt:
    AD(H)S alleine muss nicht zur sozialen Isolation führen, es kommt darauf an, die "passenden Leute", bzw. seine Nische zu finden. DMir ist es bewußt,dass es nicht leicht ist, diese zu finden..... aber es geht.

    Chaostanja schreibt:
    Die Erfahrung, "nur unter AD(H)S´lern" zu sein, fehlt mir weitestgehend, erst in der letzten Zeit merke ich, dass da schnell "der Funken" überspringt

    (JustJuts, lottchen, Heike),

    wie problemlos Komunikation sein kann, auch wenn man sich kaum kennt, ohne lange Erklärungen etc...








    Danke, Chaostanja!

    Genau so sehe und erfahre ich das auch!

  8. #38
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 683

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Puh, da steht soviel, gebe mal meinen Senf dazu ohne alles zu lesen.

    Chaostanjas Beitrag mit dem überspringenden Funken kann ich nur bestätigen, auch die mangelnde Erfahrung mit AD(H)S-lern. Hatte ich nie um mich (auser m.E. einige meiner Familienleute).

    Ich bin so wie ich bin und das ist gut so. Ich hatte einen schweren Weg durch mein Anderssein und habe auch noch einiges vor mir, aber es hat mich geprägt. So wie bei jedem anderen Menschen auch, das Leben und das Umfeld prägt einen.

    Worauf ich stolz bin.
    Ich bin ehrlich, Hilfsbereit, eher unaufdringlich (obwohl das ja eher mit unsere Macke zusammenhängt und nicht mit Prägung). Ich bin ein original.
    Wer mich mag der mag mich so wie ich bin, ganz genau so. Ich bin nicht reich, bin total chaotisch und schwer einzuschätzen und bestimmt nicht einfach.......
    Mich mag man um meiner selbst willen. Nicht wegen meinem Geld, meinen Beziehungen etc, das hab ich alles nicht.

    Da ich mich immer durchboxen musste stehe ich mit beiden Beiden im Leben, auch wenn vieles erst im 3. 4. oder auch 5. Anlauf klappt.

    Ich wollte früher immer so sein wie die Stinos, ganz normal spießig.

    Spießig bin ich in gewissen Dingen bestimmt. Aber normal? Dieses verlogene Leben, nach aussen so tun als ob. Du kommst in deren Wohnungen oder Häuser, alles ist blitzeblank, aber innen sind die hässlich.

  9. #39
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 382

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    Hallo !

    @ menix21

    Ich weiss nicht, wie das geht, das teilweise Zitieren.

    Gut!

    Was mich wirklich überrascht, sind deine Erkenntnisse in so jungen Jahren,
    was sicher der offenen Kommunikation bzgl. AD(H)S in der Gesellschaft und Psychologie geschuldet ist.

    Interessant, dass du meinen Beitrag zum Teil so gelesen hast, als "beschwörte" ich einen Hass auf die Gesellschaft?
    Das tue ich nicht.
    Ich erwarte kein Verständnis mehr von den anderen, ich habe Verständnis für sie.

    Seit meiner Pubertät wünsche ich mir Menschen, die mich (an)erkennen, mich verstehen, mein Sein begreifen!!!!!

    In meinem Beruf bin ich sehr gut. Durch meinen Wahrnehmungsstil und meine jahrelange Erfahrung darin,
    nehme ich mehr wahr als andere.
    Oft brauche ich nur in ein Krankenzimmer zu kommen und weiss/wusste schon, was los ist/war. Intuitiv,
    nicht dass mir das bewusst war. Jetzt seit meiner Diagnose schon.
    Früher habe ich nicht verstanden, warum für andere nicht offensichtlich ist, was doch ganz klar vor Augen ist.
    Jetzt weiss ich, dass dies nur für mich so ist und nur für manche meiner KollegInnen, nicht für alle.
    Und warum das so ist.

    Schon sehr früh habe ich mich immer gefragt, warum andere die Dinge nicht so sehen, wie ich sie sehe.
    Die Antwort, dass es nicht nur eine "Meinung" gibt, dass es tolerant und aufgeklärt ist,
    auch andere Meinungen gelten zu lassen, schien richtig zu sein.
    Ich habe die "Meinungen" der anderen ja verstanden,
    nur, hatten sie auch verstanden, was ich meinte?

    Wie erkläre ich intuitives Wissen
    oder auch Ergbenisse des Denkens, die in Sekunden im Dialog entstehen.
    Während das Gegenüber noch beim Samen einpflanzen ist,
    ist bei mir schon eine tausendjährige Eiche gewachsen.

    Und doch hatte ich dabei immer ein ungutes Gefühl:
    Ich wusste, dass ich "recht" hatte.
    Ich wusste, dass dies geschehen würde.
    Ich wusste es....

    Heute kann ich akzeptieren, dass ich nicht die Welt retten muss.
    Und vor allem, dass ich sie nicht retten kann.
    Dass ich was mein intuitives Wissen betrifft sorgfältig auswählen muss,
    wo ich in Kontakt gehe und wo nicht.

    Für mich war meine Diagnose eine Offenbarung:
    Endlich verstand ich, wieso ich bin, wie ich bin, war wie ich war.

    Ich singe hier ein Loblied auf unseren Wahrnehmungsstil, der, wenn wir uns dessen bewusst sind,
    eine Bereicherung für uns selbst und die Menschen in unserem Umfeld sind.
    Dabei ist es wichtig, wahrzunehmen, wann wir über das Ziel hinausschießen,
    wann wir uns verrennen, wann wir hyperfokussieren.
    Und wann dieser Hyperfokus von Nutzen ist und wann nicht.
    Für uns selbst und für die anderen.

    Für mich ist dies wichtig geworden!!!!!
    Deshalb mache ich Achtsamkeitsübungen
    Nicht um der Impulsivität, wie anfangs gewollt, einen Riegel vorzuschieben,
    sondern um mir meiner Gedanken, meiner Gefühle und meiner Handlungen bewusst zu werden,
    und wie sich meine Reaktionen in und durch meinen Körper mir zeigen.

    Ein Beispiel:
    In den Übergaben auf Station kann ich irgendwann nicht mehr sitzen bleiben, ich stehe auf, es geht nicht mehr:
    Früher war mir das nicht bewusst. Ich bin dann einfach aufgestanden. Erst als mich KollegInnen ansprachen mit dem
    Hinweis, dies sei unhöflich, wurde mir mein Verhalten überhaupt erst bewusst.

    Ich wollte nicht unhöflich sein, also habe ich, während der Überhabe vorwiegend daran gedacht, bloß nicht aufzustehen.
    Ich wollte nicht anecken, nicht unhöflich sein, dazu gehören.

    Heute geht es mir immer noch so, aber ich habe eine grundsätzliche neue Erkenntnis gewonnen durch die Meditation:
    Während einer geführten Meditation sollten wir uns auf ein Gefühl einlassen, mit dem wir oft konfrontiert sind, z.B.
    im Berufsleben, aber das nicht so schwerwiegend ist.
    Ich wählte dieses Gefühl des Genervtseins, aber auch der Langeweile, das ich bei diesen Endlosübergaben habe......
    Als ich dieses Gefühl heraufbeschwor und ich dann gefragt wurde, wie sich jetzt mein Körper anfühlt,
    war ich total überrascht. Meine Beine kribbelten wie verrückt: Ich hatte das große Bedürfnis, mich zu bewegen.

    Jetzt verstehe ich, wenn mein Sohn bei den Hausaufgaben oder beim Esssen oder bei welchen Aktivitäten auch immer
    unbedingt aufstehen muss!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Er ist genervt. Er langweilt sich.

    Was die Schule betrifft:
    Für einen intelligenten, mit hoher Auffassungsgabe ausgestatteten ADHSler muss das heutige Schulssystem ein Matyrium sein,
    nicht wegen der Lehrinhalte, sondern wegen der Langsamkeit, wie die Inhalte an den Durchschnitt angepasst worden ist:

    Zu meiner Zeit kamen nur die aufs Gymnasium, die auch vom Intellekt her das Zeug dazu hatten.
    Mir wurde in der Schule nicht langweilig, aber aufgrund meiner hohen Ablenkbarkeit ging mir hier und da
    Wissensvermittlung durch die Lappen.
    Die APO- Lehrer-Generation war meine Erlösung:
    Erarbeiten von Wissen, eigenes Denken, Kreativität im Umgang mit Wissen war gefragt, nicht mehr stupides Auswendiglernen.

    Heute sind die Lehrer zu den uralten Techniken zurückgekehrt, was für meinen Sohn bedeutet,
    dass er die reine Wissensvermittlung nur teilweise mitbekommt.
    Die Art und Weise, wie Wissen vermittelt wird, langweilt ihn, so dass er für Ablenkungen offener ist.

    Ich habe oft den Eindruck, dass er gar nicht wahrnimmt, was ihm alles durch die Lappen geht.
    Ich vermute, dass es daran liegt, dass immer dann, wenn er seine Aufmerksamkeit auf den Unterricht lenkt,
    er das Gefühl hat, schon wieder was zu hören, was er schon kennt oder gerade schon gehört hat.

    Ähnlich der Übergaben auf meiner Station: Wie das für mich Wichtige aus der Ansammlung von Unwichtigem heraushören.
    Dies geht nur durch Aufmerksamkeit halten und das geht nicht nur duch MPH, sondern dadurch,
    dass das Thema interessant ist!!!!!!!

    Aber irgendwann ist auch durch Motivation der Langeweile nicht mehr Herr zu werden!!!!!

    Ja, ich fühle mich nicht nur, ich bin oft anderen überlegen: im Denken, in schneller Auffassungsgabe,
    im intuitiven Wissen, im Verstehen warum etwas ist, wie es ist,
    aber deshalb halte ich mich nicht für einen besseren Menschen.
    Bin deshalb nicht wertvoller als andere,
    aber es wäre einfach schön, wenn dies (an)erkannt würde
    bzw. zum Nutzen für mein Umfeld eingesetzt werden könnte.

    Das wünsche ich mir zwar immer noch.
    Aber jetzt kann ich damit leben, dass dies nicht so ist.


    Gruß
    Michi


    p.s.
    Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Norm abweichend als krank, gestört angesehen.
    Das Normale, der Norm entsprechende gilt als gesund.

    Deshalb nehme ich hier so konkret Stellung gegen Begriffe wie
    nicht normal, krank, gestört ....
    Mir geht es nicht darum, was soziologisch und/oder medizinisch darunter verstanden wird,
    in einem Aufsatz einer psychologischen oder medizinischen Fachzeitschrift,
    sondern was es bedeutet .... emotional.........
    was es mit mir, uns macht,
    aber auch wie die Gesellschaft uns sieht,
    wenn wir uns selbst als unnormal, krank und gestört,
    aber auch psychiatrisch "so" bezeichnet werden.

    Auch wenn wir es sind.

    Ach ja, Syndrom ist auch nur ein medizinischer Euphemismus,
    der diesem emotionalen Aspekt Rechnung trägt.


    Homosexualität.
    Sie ist auch nicht normal !?
    Die Lesben und Schwulenbewegung kämpft seit Jahren dafür als normal angesehen zu werden.
    Genau aus diesem Grund.


    Und ja, Unterstützung bekommen wir ja auch nur,
    weil wir krank sind.

    Danke für die konstruktive Kritik.
    Ich liebe es.

  10. #40
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S?

    @michi

    finde deine sichtweise sehr aufbauend! danke.

    habe noch was... (ok etwas übertrieben...)

    zitiert: Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Norm abweichend als krank, gestört angesehen.
    Das Normale, der Norm entsprechende gilt als gesund.


    so ähnlich wie bei z.b. hundezüchtern?.... norm - "rasse-hund".... in extremis hat dieses "norm-denken" zur folge...
    dass mehr "aussortiert" wird und diese zahl zeigt.... dass, das norm-wollen - absolut krank ist. :-)

    DER/DAS normale ist DAS kranke.... weil sich der Mensch soweit sich verbiegen muss, um sich als "Normal"
    bezeichnen zu lassen.... dass er sich seinen Natürlichen Voraussetzungen widersetzen muss.... und dies im endeffekt
    den Menschen Krank macht.... so sehe ich es.

    Aus dem einfachen Grund..... was mich zum "Boden" geworfen hat.... war ja schlussendlich, das Bestreben einer
    unrealistischen Form zu sein.... für mich nicht realistisch. Und dies betrifft nicht "nur" ADHS-Betroffene.... sondern
    alle, die einer Illusion folgen.... da diese engmaschige Norm widernatürlich ist....

    lg - ich bin so weit, dass ich MEINE Persönlichkeit nicht mehr davon Abhängig mache, was andere unter Norm verstehen,
    sondern das es für mich stimmig sein muss... damit ICH nicht krank werde. Sonst werde ich Krank weil ich mich der Norm
    anpassen will und mich selbst so aufgeben müsste... ?!?
    Geändert von Smile (20.03.2013 um 11:13 Uhr)

Seite 4 von 11 Erste 123456789 ... Letzte

Ähnliche Themen

  1. Wie schnell könnt ihr auf die Aufforderung "links" oder "rechts" reagieren ?
    Von IonTichy im Forum ADS ADHS Erwachsene: Umfragen
    Antworten: 48
    Letzter Beitrag: 18.10.2013, 12:45
  2. "Sehen Sie sich als schillernde Persönlichkeit?"
    Von hypocampus im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 4.08.2011, 16:21

Stichworte

Thema: Wo endet unsere Persönlichkeit und "beginnt" das AD(H)S? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum