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  1. #1
    salamander

    Gast

    Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    ... nicht nur bei ADHS

    kompletter ADHS Spektrum Beitrag

    Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub nicht nur bei ADHS | ADHS-Spektrum: Neues und Altes aus der ADHS-Welt

    Man da bin ich aber ganz, ganz vorn dabei... schon immer gewesen. In finanziellen
    knappen Zeiten ganz besonders. Kaum kommt dann mal ein bißchen Geld rein,
    brüllen alle aufgeschobenen Wünschen und Bedrüfnisse, in einer Lautstärke,
    dass eine ganze Stadt erschrickt.

    Zu Kindeszeit hieß es, bei Dir schreit jeder Pfennig laß mich aus, sobald Du ihn
    in die Hand bekommst. Meinte mein Taschengeld für die ganze Woche, das nur 2
    Tage reichte...

    Stimmte! Den Schrei des Pfennigs hab ich aber nie gehört, da gab's so viel das
    mir gefiel, und die Krux: es war nur für Geld zu haben. Wer hat geschrieen? Das
    Geld, ich, oder das was es war und ich wollte, jetzt hier und diesem Augenblick?

    Gibt bessere Zeiten & schlechtere Zeiten damit... Sind meine Mittel üppig, und
    mein Bedürfnisse gestillt, dann funktionierts eine zeitlang gut, Ausreißern schaff
    ich's auszuweichen, aber eben nicht auf Dauer.

    "Es" erwischt mich unvorbereitet, im vorbeigehen, ein Blick, "es" was immer es ist,
    brüllt hallo, und entwickelt unkontrollierbares Eigenleben.

    Grade gestern wieder so geschehen. Ich kenne mich. Ich schau drauf, dass ich mir
    keine zusätzlichen Gefahrenquellen schaffe, wenn ich Termine in der Stadt habe.
    Ich laß mir da nur so wenig zeitlichen Spielraum, dass er zu knapp ist, noch irgend-
    wo "kurz" vorbei zu schauen. Meine Strategien werden dann aber doch wieder vom
    Leben boykottiert.

    Der Termin den ich hatte, verschob sich um eine halbe Stunde, nebenan mein
    Lieblingsbuchlagen, Remitentenverkauf. Eindeutige Gefahrenzone, schon immer
    gewesen und wird es für immer bleiben...
    Leider gestern, ganz gesonders, drei Bücher gefunden und gekauft, die mich
    brennend interessierten, mal schnell 28 Euro dort gelassen, eine halbe Tank-
    füllung die mich in die Berge bringen sollte.

    In dem Augenblick, weg, vergessen, die Bücher, meine Welt, woanders eintauchen,
    ich hab mir schon so lange keine Bücher mehr gekauft, ich leiste mir doch sonst
    kaum was, kann doch kein Mensch verlangen, dass ich auf alles verzichte.

    Eines hätte gereicht zu kaufen. Ging nicht. Die andern zwei sind für den Preis in
    einer Woche schon nicht mehr zu haben, abverkauft.

    Ja, ich ging glücklich mit meinen neuen Büchern unterm Arm nach meinem Ter-
    min zum Auto. Als ich das Auto wieder sah, ich trag meine halbe Tankfüllung
    unterm Arm, meine geplante Kurzzeitflucht in die Freiheit.

    ABer die Bücher zurück bringen? Geht nicht mehr. Sie sind mein anderer Teil
    meiner Kurzzeitfluchten in die Freiheit.

    Wer hat's erfunden? Die Schweizer! Nein, AD(H)S ist es gewesen.

    Kennt ihr das auch, wie geht's euch damit und ihr damit um?

    Salamander
    Geändert von salamander (16.03.2013 um 12:44 Uhr)

  2. #2
    hirnbeiß

    Gast

    AW: Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    ADHS ist nicht für alles verantwortlich.
    Der Umgang mit Geld ist der Umgang mit diesem Mittel zu tauschen.
    Wer Geld in die Höhe hebt, der wird ständig damit zu kämpfen haben.
    'Sich etwas gönnen' auf 'Koste es, was es wolle' geht eigentlich auch dann nicht,
    wenn man Geld in Unmengen hat.
    Sehr reiche Menschen bringen sich um, weil sie diese 'Überzeichnung'
    ihres Reichtums als dermaßen belastend empfinden.
    Meiner Meinung muß man bei solch einem Verhalten (Kaufzwang)
    sehr aufmerksam hinter seine Fassade blicken.
    Die Struktur ist dieselbe, wie bei einer Suchterkrankung.
    Bei Automatenspielsucht trägt oft der Zwang zur Selbstverletzung
    (..jetzt hast du schon wieder deinen ganzen Lohn verspielt, du *********!)
    und die Reflexion der daraus resultierenden Situation,
    dass der Süchtige ja eh ein Versager und eine Null an und für sich ist.
    Bei Kaufsüchtigen ist das ähnlich. Hat der Kaufsüchtige seinen Etat
    verwurschtelt, dann kommen sogenannte Ausweichmanöver zum Zug.
    'Ja, das ist aber so und so, und wenn dann wäre das ja weg gewesen und überhaupt
    ist das alleinig meine Sache. Das geht doch niemanden was an, oder?'
    Und das ist die Crux der Geschichte. Der Süchtige erkennt zu allerletzt,
    dass es sehr wohl in erster Linie 'ihn' angeht.
    Und wenn die soziale Struktur und das allgemeine Leben darunter leidet,
    dann zieht sich die Sucht natürlich auch durch die Familie und andere Bereiche.
    Man kann sich, wenn man die Sichtweise ändert und auf das Problem lenkt,
    auch selber helfen.
    Im Rahmen einer Therapie kann man solch ein Verhalten auch gut unter Kontrolle bringen.

    LG --hirnbeiß--

  3. #3
    salamander

    Gast

    AW: Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    @ Hirnbeiß, in dem Beitrag geht's nicht um Kaufzwang & Suchtverhalten.

    Statt dessen um Bedürfnisbefriedigung und freiwilige Selbstkontrolle, mit zuvielen
    Bedürfnisse über die Zeit aufgelaufen sind, die nicht befriedigt werden konnten.

    Kaufzwang und Sucht beinhalten sich an den Rand der Existenz durch immer wieder-
    kehrende selbes eigenes Verhalten zu manövrieren ohne dieses Verhalten zu
    erkennen und ein anderes Verhalten praktizieren zu können. Es zieht sich in alle
    Lebensbereiche und schädigt alle im Umfeld des Betroffenen lebenden Personen.

    Habe so etwas einmal bei einem schweren Alkoholiker miterlebt. Ganz, ganz bittere
    und böse Sache, für ihn selbst, und alle um ihn herum.

    Davon handelt aber mein Beitrag nicht. Habe ich mich echt so mißverständlich aus-
    gedrückt?

    Was ich beschrieb, war ein Bedürfnis zu befriedigen und ein anderes dadurch nicht
    befriedigen zu können. Also ganz schlicht: machst Du das eine kannst Du das andere
    nicht.

    Salamander

    Noch ein Nachschlag, um der Klärung willen. Ich lebe von Hartz IV, vielleicht erklärt das
    mehr, wenn mein Text mißverständlich ist, wie ein Leben zu organisieren und planen
    ist, um um die Runden zu kommen. Plus wie sich Bedürfnisse aufbauen, die sich gerne
    erfüllen möchten, aber eben nur eines davon erfüllbar ist.
    Geändert von salamander (16.03.2013 um 14:03 Uhr)

  4. #4
    hirnbeiß

    Gast

    AW: Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    Mein Beispiel zielt ja auch auf Bedürfnisbefriedigung.
    Und: 'Was brauche ich wirklich in meinem Leben'
    Ich lese gerade 'Das Wunder von Kaufering I'.
    In diesem Buch geht es um 7 Mütter die Bergenbelsen, Auschwitz,
    Maidanek und Dachau mit ihren Kindern überlebt haben.
    Zugegebener maßen eine andere Zeit, in der die Bedürfnisse
    auf die einer fußlahmen Wanderameise beschränkt war.
    Vielleicht sollte man bei sich einmal ein 'inneres Regal' mit den Dingen,
    die heute einen so wichtig sind, aufstellen und betrachten,
    ob das Eine oder Andere wirklich so wertvoll erscheint, wie es ist.

    LG --hirnbeiß--

  5. #5
    salamander

    Gast

    AW: Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    Ist ein guter Ansatz.

    Hab bei den MoneyMakers auch darüber geschrieben ist, was Geld für jeden Einzelnen sein
    kann und wofür stehen. Ich fand den Ansatz ziemlich interessant, als ich vor einiger Zeit in
    Psychologie heute las, Geld & Liebe, es ist beides (fast) das Selbe, in unserem Umgang damit...

    Hat mich sehr nachdenklich gestimmt, denn ich finde, das trifft's ziemlich genau. Will ich was,
    begehre ich was, interessiert mich was, brennt was in mir, für das was es ist? oder geht's
    um was ganz anderes dabei? Das in Bezug zu Geld gesetzt, ist enorm interessant. Es ver-
    liert sich die "Lust" am Haben und aktiviert sich die Lust am Sein.

    Manchmal passiert es dann wie gestern, wenn zwei Bedürfnisse gleichrangig neben einander
    stehen, daß gewinnt, was zuerst meinen Weg kreuzt. Der Buchladen wird für mich immer eine
    Gefahrenzone bleiben, denn ich könnt mein Leben für Bücher geben, aber auch für vieles
    andere, da will ich nur "sein" und eintauchen...

    Der Beitrag aus dem ADHS Spektrum heute morgen hat so prima drauf gepaßt..., hast Du ihn
    auch gelesen?

    Salamander

  6. #6
    hirnbeiß

    Gast

    AW: Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    Hast aber nicht nur ein bisschen der Bücher angeknabbert? Du hast die Bücher gekauft,
    obgleich du soviel Bücher haben kannst, wie du nur lesen kannst. Und das für läppische 10 Euro,
    oder 20 Euro, wenn du dich in der Bücher On-Leihe registrierst.
    Da kannst du dir dann auch die Neuesten holen und lesen.
    Kein Gelaufe und Gerenne.
    Du könntest dann deinen Bücherladen links liegen lassen, auf neuronale Marshmallows
    einen verächtlichen Blick werfen, oder damit jonglieren.
    Und hättest genügend Sprit für eine Fahrt ins Grüne.
    Netzwerke.

    LG --hirnbeiß--

  7. #7
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.425

    AW: Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    Hallo salamander.

    Ich bin eben durch der blog auf dein beitrag augmerksam geworden... Mit geld geht der impulskontroll eigentlich gut, ich bin da überkompensiert und... geizig, was nicht immer gut ist, aber da ich im moment ehe wenig geld habe, passt es auch.

    Aber impulsivkauf passiert mich auch, dabei habe ich meine strategie entwicklet: Wenn finanzen knapp ist, sofort aus der laden und mindentens 24 stunden warten.

    Sonst bin ich in viele bereichen impulsiv und habe mit belohungaufschub Problemen... Was mich manchmal hilft ist mich die konsequenzen im zukunft zu vorstellen. Wenn die konsequenzen deutlich nervig sein kénnen, hilft es mich. Wenn es nicht viel unterschied macht, probiere ich ehe meine schlechte gewissen auf seite tun: da leben ist nicht nur von pflicht gemacht...

    So im moment wollte ich eine pause machen, um 16h45 gehe ich aus der haus und bis dann muss auch etwas gekocht sein, aber ich sitze vor der PC... Also, ich habe mich entschieden, einige beiträgen noch zu lesen (was neu ist) und dann pause machen...

    Klapp eben auch nicht immer... Sonst hätte ich doch ein ADS-diagnose doch nicht verdiennt oder?

    lg

  8. #8
    salamander

    Gast

    AW: Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    Hallo mj71,

    ich komm da ziemlich gut weg mit meiner Kaufimplusitität, habe sie nur ein wenigen Bereichen

    Bücher - da bin ich das altmodische Wesen, dass sie greifen, anfassen, riechen muß. Den Stoff
    erahnen aus dem die Geschichten gewebt sind. Bezieht sich immer nur auf die Remitenten. Buch
    zum regulären Preis, kaufe ich nicht. Bin ich viel zu geizig. Buch mit optischem bak, ja, vor allem
    wenn es dann auch noch Fachbuch für meinen Bereich ist.... extrem gefährlich, weil die Bücher
    sonst ein Vermögen kosten... Inhalt ist ja immer der selbe, egal ob mit bak oder ohne. Die Fach-
    bücher sind's auch, die mich in den Buchladen locken, aber nicht nur... Ich finde Bücher eben
    was schönes/sinnliches... drum hab ich auch wohl soviele...

    Wo's auch eng für mich wird, ist meine berufliche Ausrüstung. Da komme ich gerne ins schleudern,
    übermannt es mich sozusagen, da kommt astreines und pures "habe will", "brauche ich", "mensch
    was ich damit machen kann". Da fang ich an am Rad zu drehen und zu rechnen. Da die Summen im
    vierstelligen Bereich liegen, bin ich allein dadurch vor Impluskäufen sicher. Allerdings geh ich dann
    in die Recherche, was das wollen und wünschen immer dringlicher macht. Das nervt, ist aber so...
    Wenn es sein muß, und was sein muß, definiere ich, hab kein Problem, einen Monat nur Kartoffeln
    zu essen, um dieses Eine spezielle zu bekommen und damit arbeit zu können.

    Und Schuhe sind gefährlich. Aber bei Schuhgröße 41 ist Selbstregulation durch die Größe gegeben... ,
    und um Schuhläden habe ich gelernt eine Haken zu schlagen. Da bin ich richtig gut geworden.

    Diese echten Gefahrenzonen habe ich. An den anderen kann ich vorbei gehen. Aus den Augen aus dem Sinn...

    Aber so grundsätzlich finde ich, geht es bei dem Thema Selbstkontrolle & Bedrüfnisbremse, auch
    um die Ausgewogenheit der Verhältnisse und dem sich zugestehen und einräumen von Schwächen.
    Ich finde, die braucht es auch, wenn sie in maßen ausfallen, um durchzuhalten, beim über die
    Runden zu kommen Damit ist einfach nur okay, wenn's nicht immer klappt

    Die Dimensionen machen den Unterschied

    LG
    Salamander

  9. #9
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.425

    AW: Selbstkontrolle und Bedürfnisaufschub

    Hallo salamander,

    Bei mich, erlaube ich mich impulsive kauf locker, wenn der betrag klein ist (1-stelligesumme), ausser, ich bin wirklich knapp und dann hilft es wenn ich an meine kontostand denke... An solche kleine summen geht es meinstens ehe um lebensmitteln oder duftkerzen (im moment erlaube ich es mich, da es mit meine finanzen gut aussieht).

    Gefährlich sind auch buchhandlung... Dabei geht es wenig um das buch, als der inhalt... Also, schaue ich immer wieder was es noch für ADS-bücher gibt... Da klappt es mit die 24 stunde regel echt gut und bei knappe kasse, nehme ich eine erwünschte buch auf belohnugliste wenn ich wieder meine finanzen in schwarze bereich geholt hatte...

    Bastelnladen waren auch gefährlich... Bogen rumherum und auch an meine schrank denken der voll davon ist und in meine kleine wohnung der begrenzt ist an platz.

    Ausgeben für kleider kann auch passieren, vor allem wenn sie übsch und günstig sind... Da denke ich mal zuerst an meine überfüllte kleiderschrank und versuche dann nur zu kaufen wenn bedarf da ist und nehme mich dafür zeit einiges richtig übsch und passend zu finden!

    Ja, ausgewogen ist wichtig und wenn ich mich mal etwas leisten kann, dann suche ich auch was mich wirklich gefällt und wichtig ist.

    Knappe budjet zu verwalten kann man auch lernen. Ich habe es auch gelernt. Es geht auch um prioritäten setzten, auf einiges verzichten und dann wird es auch zu routine... Mit der zeit weisst ich auch wo gutes und günstig zu finden ist.

    Schuhladen sind bei mich ungefährlich... Ich muss ehe daran denken neue schuhen zu kaufen wenn ich welche brauche...

    Ab und zu gibt es schon noch impulsive kauf bei mich, aber es bleibt wirklich in eine vernünftige mass und gibt mich keine geldsorgen... Also, ich mache mich auch keine selbstvorwürfen deswegen.

    lg

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