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Diskutiere im Thema ADHS gibt es nicht im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 66

    ADHS gibt es nicht

    Hallo liebe Forengemeinde ,

    selbstverständlich kommt die Aussage des Titels nicht von mir. (Hab ja ein Tagebuch hier eröffnet und bin diagnostiziert + Medis)
    Diese Aussage kommt von ein paar Wissenschaftlern. Viele Laien sind auch der Auffassung, dass es dieses "ADHS" gar nicht gibt und man seine Kinder nur richtig erziehen sollte. Vielleicht schaut ja der ein oder andere von diesen Personen mal in das Forum. Ich habe mir jetzt sehr lange Zeit darüber Gedanken gemacht und denke ich kann die Argumente außer Kraft setzen.

    Jemand der ADHS hat zweifelt keine Sekunde daran, dass es dieses Syndrom gibt. Jemand der es nicht hat, kann sich das natürlich auch nicht vorstellen. Ich werde nun mal versuchen, die Argumente der Leugner näher zu betrachten.


    Argument 1:

    In den letzten Jahrzehnten, vor allen Dingen zwischen 1990 und 2010 ist die Anzahl der Menschen, die MPH verschrieben bekommen, explodiert. Warum können so viele so plötzlich ADHS haben? Es ist eine Mode Krankheit geworden.

    --------------

    Dies habe ich sehr oft von Leugnern als ein "Standart-Argument" vernommen. Man sollte sich, wenn man so etwas analysieren möchte, nicht nur die Zahlen ansehen, sondern auch die Zusammenhänge ein wenig verstehen. Meine Gegenargumentation ist also folgende:

    Vor 30 Jahren konnte man mit einem Hauptschulabschluss ohne Probleme eine Ausbildung bekommen, mit Aussicht auf einen Job, der gut bezahlt war. Der Leistungsdruck, bei welchem unerkannte ADHSler meistens besonders merken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, war nicht so stark ausgeprägt, wie heutzutage. Ab dem Jahre 1990 hat man auch angefangen, die Finanzmärkte zu deregulieren. Das führte in Krisen und veränderte die Vermögensverteilung. Nun stieg der Leistungsdruck für jeden einzelnen, denn die wirklich gut bezahlten Jobs, stehen nun der Zeitarbeit und den Minijobs gegenüber. Gut bezahlte Vollzeitjobs wurden immer mehr abgebaut, sodass es logischerweise immer schwieriger wurde einen von diesen zu ergattern. ADHS typische Schwächen, die vielleicht in den 70,80er Jahren noch tolleriert wurden, werden es nun nicht mehr. Man muss sich anpassen und ständig Leistung zeigen, um diese guten Jobs zu bekommen und das fällt einem ADHSler nun mal schwer, wenn er unerkannt bleibt. Dies erklärt dann selbstverständlich den rasanten Anstieg an diagnosen. Im Zeitalter wo man selbst mit der Realschule kaum noch was reißen kann, wollen auch viele ADHSler sich nun nicht mit der Mittleren Reife zufriedengeben, weil ihnen nicht so viele Wege offen stehen, wie noch zu den 70er,80er Jahre.

    Wo ein ADHSler in den 70ern noch gedacht hätte "Ich könnte das Gymnasium eigentlich schaffen...aber irgendwie liegt mir die Schule einfach nicht, hab ich halt mittlere Reife", so denkt ein ADHSler heute "Wieso schaffe ich das nur nicht, ich muss, ich muss es irgendwie schaffen, sonst wird nie was aus mir, aber ich kann einfach nicht so viel lernen wie andere, woran liegt das nur?" Prompt geht er sehr viel eher zum Psychologen und erhält die Diagnose.

    Dies ist der Grund der steigenden Diagnosen, die Leistungsorientierte Gesellschaft, in der der Mensch immer weniger zählt.

    Argument 2:

    Eltern erziehen ihre Kinder einfach nicht mehr richtig!

    ---------------

    Soso, Eltern erziehen ihre Kinder nicht mehr richtig. Zwei Sachen dazu:

    1.

    In den 70er und 80er Jahren, da konnte ein Elternteil mit seinem/ihrem Gehalt eine Familie ernähren. Während der andere Familienteil den Haushalt gemacht hat und die Kinder erzogen hat. Heutzutage, müssen beide Elternteile arbeiten. Das hat natürlich zwangsläufig zur Folge, dass die Kinder zu kurz kommen. Kinder zu erziehen, während man arbeitet, stellt sich als ein durchaus schwieriges Szenario da.

    2.

    Nun gibt es Kinder, die haben kein ADHS. Diese haben auch keine ADHS typischen Probleme. Sie lassen sich also sehr viel einfacher erziehen, selbst wenn beide Eltern arbeiten.
    Eine Mutter konnte ein ADHS Kind damals sehr streng erziehen und Regeln aufstellen, da sie immer zuhause war. Heute geht das nicht mehr. Wenn Mama und Papa erst um 4 oder 5 oder 6 Uhr Abends zuhause sind, dann müssen sie sich darauf verlassen, dass ihr Kind die Hausaufgaben macht. Wie ADHS Kinder solchen Regeln von Natur aus nachkommen, wenn man nicht daneben sitzt und sie in gewisser Weise dazu "zwingt" kennen wir alle aus unserer eigenen Kindheit. ADHSler brauchen sehr viel mehr Aufsicht und Druck, als nicht ADHSler, mit dem Erfolg, dass sie später eventuell das ganze gut im Griff haben. Heutzutage ist das undenkbar und wenn man ein Kind nicht wirklich selbst "erzieht" weil man ständig arbeitet, dann wird sich das ADHS so richtig schön ausprägen und das Kind landet früher oder später beim Doc.

    Argument 3:

    Die Pharmaindustrie will nur Geld machen.

    ---------------

    Ich bin ja immer sehr kritisch was die Pharmaindustrie betrifft. Bin also bei weitem kein Freund. KLAR will die Pharmaindustire Geld machen, der Schweinebauer, welcher seine Schweine mit Medikamenten vollknallt will auch Geld machen, zum Schaden von uns allen.

    Nur sollte man doch an dieser Stelle festhalten, dass MPH bei ADHSlern anders wirkt, als bei jenen die kein ADHS haben. Das allein sollte schon anlass genug sein, dass es dieses Syndrom wohl wirklich gibt. Kritische Meinungen kommen meistens auch nur von der Vergabe des Medikamentes an Kinder (Stichwort Kinder-Koks). An der Stelle will ich sagen, dass auch ich gegen die Medikamentenvergabe an Kinder unter 14 Jahren bin. Die Gründe habe ich in einem Thread hier im Forum erwähnt.


    ---

    Solltet ihr noch Argumente haben, die ich vergessen habe zu erwähnen, dann nennt sie mir.

    Grüße
    Mikoo
    Geändert von Mikoo (16.01.2013 um 11:47 Uhr)

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.207

    AW: ADHS gibt es nicht

    Lieber Mikoo,

    deine Ausführungen in Ehren, aber wie so willst du die Medikamentengabe erst ab 14 Jahren erlauben?
    Je früher, desto weniger lang muss es wahrscheinlich gegeben werden.

    Aber dann wären nicht so viele Mitglieder in diesem Forum, deren Eltern sich gegen die Medikation
    gestellt haben und die im Erwachsenenalter mit Komorbiditäten usw. zu kämpfen haben.

    LG Gretchen

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 66

    AW: ADHS gibt es nicht

    Gretchen schreibt:
    Lieber Mikoo,

    deine Ausführungen in Ehren, aber wie so willst du die Medikamentengabe erst ab 14 Jahren erlauben?
    Je früher, desto weniger lang muss es wahrscheinlich gegeben werden.

    Aber dann wären nicht so viele Mitglieder in diesem Forum, deren Eltern sich gegen die Medikation
    gestellt haben und die im Erwachsenenalter mit Komorbiditäten usw. zu kämpfen haben.

    LG Gretchen
    Hallo Gretchen,

    ich verstehe dein Anliegen und dessen Langzeitfolgen, halte diese aber für besser bekämpfbar, als wenn man einem Kind schon mit 7 Jahren MPH verschreibt.

    Unter Medikation sind wir ohne Zweifel ein wenig anders als ohne, dass ist ja auch der Sinn der Sache. Wenn ich einem jungen Kind schon MPH gebe, dann wird es die Erfahrung mit ADHS zu leben niemals machen. Die Persönlichkeitsentwicklung wird direkt mit dem Medikament verknüpft, was für mich eine enorm hohe Suchtgefahr und Depression zur Folge haben könnte. Das Kind wird die Erfahrung machen, dass die Menschen es nur mit den Pillen mögen und schätzen und es wird nie diesen, meiner Meinung nach sehr wichtigen,Moment erleben, wenn es gelernt hat mit ADHS zurecht zu kommen und dann diese wahnsinnige Hilfestellung mit der Medikamentenvergabe eintrifft.

    Grüße
    Mikoo

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 241

    AW: ADHS gibt es nicht

    @Mikoo: Das ist aber auch nur eine Behauptung deinerseits.

    Die Jungs meiner Freundin (mittlerweile 17 und 14) wären und würden ohne Medikamente gar nicht durch die Schule kommen. Mittlerweile zeigt sich auch, dass sie sie, wenn kein Schulalltag ist und sie sich im Familienumfeld befinden, diese auch weglassen können. Ihr Verhalten hat sich deutlich gebessert. Auch mit den Medis haben sie gelernt in, für ADHS-ler stressigen Situationen, besser klarzukommen und auch den Kopf hin und wieder als erstes einzuschalten. Beide Jungs sind nicht kriminell, nehmen keine Drogen (der Ältere raucht - kann aber auch dran liegen, dass beide Elternteile Raucher sind) und legen auch sonst ein sehr gesellschaftsfähiges Verhalten an den Tag. - Ohne Tabletten wären die beiden abgerutscht, Therapie wurde von Anfang an schon als nicht ausreichend festgestellt.

  5. #5
    salamander

    Gast

    AW: ADHS gibt es nicht

    Wenn's zu solchen Argumentationsketten kommt, wie wär's denn damit, einfach diejenigen
    mit AD(H)S, die MPH einnehmen, zu fragen, welche Wirkung das Medikament bei ihnen hat.

    Damit wäre sofort - anhand lebender Beispiele auf zwei Beinen - geklärt:

    AD(H)S ist keine Erfindung
    AD(H)S Denken und Wahrnehmen unterscheidet sich signifikant von NICHT-AD(H)Slern

    zu den Argumentationsketten die Historie die letzten 30 Jahre betreffend,
    man lege diese auf alle anderen Krankheiten und Störungsbilder,
    1970, 1980 ist nicht mit 2000, 2010 vergleichbar
    ebensowenig wie 1940, 1950 mit 1970, 1980
    wobei der Sprung zu heute ganz andere Dimensionen einnimmt

    Die Altersbegrenzung finde ich, entschuldige, dass ich das so sage, eine bodenlose und gnadelose Frechheit,
    über die ich mich nahezu maßlos aufregen kann.

    Soll'n sich mal die ADSLer doppelt-, drei- und vierfach abquälen wie die Nicht-ADSLer!
    Geht's eigentlich noch?
    Dann hängen sie wieder hinten dran, obwohl sie's eigentlich nicht müßten, und es Hilfe gibt.
    Sowas halte ich glatt-weg für unterlassene Hilfeleistung.

    Von einem kurzsichtigen Schüler wird schließlich auch nicht verlangt, dass er, ohne dass er eine
    Brille bekommt, lesen kann, was auf der Tafel steht und es in sein Heft schreibt. Er kann
    es nämlich nicht!

    Genauso ist es mit ADS-Hirnen. Rein neurologisch haben sie mit ganz anderen Problematiken zu
    kämpfen als Nicht-ADS-Hirne.

    Wenn ich alleine daran denke, welchen Unterschied im Hören MPH schon macht, sprich damit auf
    die Konzentrationsfähigkeit auf das Wesentliche, und wie mühsam und schwierig es ohne ist,
    wie schnell der "Monitor" auf stand-by geht, wegen der vielen gleichwertig wahrgenommen
    Eindrücke, dann kann mich so eine Ansage, alleine daraus begründet, schon zu Furie werden lassen.

    Wenn ich noch andere Bespiele, beim Lesen und Schreiben heranziehe, dann werde ich
    fuchs-teufels-wild, bei der von mir, Entschuldigung, daß ich das so sagen muß, hahnebüchenen
    und schwachsinnigen Idee von einer Altersbegrenzung von 14.

    Für mich geht sowas einfach nicht, weil ich heute den Unterschied kenne! Wenn ich mir überlege,
    womit ich mich alles abquälen hab müssen, alleine aufgrund der Tatsache, dass meine Gehirn
    einen ticken anders funktioniert, als das von Nicht-ADSLern, dann treibt mich so einen Ansage
    auf die Barrikaden.

    Das System Schule ist für Nicht-ADS-Hirne konzipiert worden. Und jetzt gehen wir her, und machen
    es ADS-Hirnen nochmal schwerer, als sie es ohnehin schon haben, weil wir ihnen die Hilfe vorent-
    halten die es gibt? Ne, so nicht!

    Huia, ich reg mich grad unglaublich auf.

    Salamander
    Geändert von salamander (16.01.2013 um 13:08 Uhr) Grund: hab mich zu sehr aufgeregt... tipp/sinnfehler

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 66

    AW: ADHS gibt es nicht

    Hallo Salamander,

    das das Schulsystem eindeutig nicht für ADHSler entworfen wurde, da stimmt dir glaube ich jeder zu.

    Klar ist auch meine Ansicht nur eine Behauptung. Ich kann nur aus meiner Perspektive reden.

    Es gibt stark betroffene ADHSler, bei denen ohne Medis eine soziale Integration nicht möglich ist, da könnte man eine Medikamentenvergabe in Erwägung ziehen. Für alle anderen jedoch, muss ich nach wie vor sagen, sehe ich diese vergabe ebenfalls als fahrlässig an. Denn gerade in diesen Jahren der Persönlichkeitsentwicklung und der körperlichen Veränderungen würde ich nur im absolut äußersten Notfall meinem Kind das Medikament geben. Es ist ein starkes Medikament mit schwerwiegenden Eingriffen in das Botenstoff-System und für mich ist die Suchtgefahr viel zu groß, wenn der Körper mit diesem Medikament auffwächst. Man sollte hier bei der Vergabe an noch so kleine Menschen wirklich vorsichtig sein.

    Ich habe das selbe durchgemacht, wie du. Ich weiß, wie viel besser manches hätte sein können, hätte ich von meinem Syndrom gewusst. Auf der anderen Seite habe ich extrem viele Eigenschaften, die mich auszeichnen nur enwtickelt, weil ich gelernt habe mit ADHS zu leben.

    Grüße
    Mikoo
    Geändert von Mikoo (16.01.2013 um 13:28 Uhr)

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 183

    AW: ADHS gibt es nicht

    Meine Tochter bekam in der 2 Klasse Ritalin.
    Sie war vorher stationär in der Uni und es wurde festgestellt/nachgewiesen das sie sich besser konzentrieren konnte.
    Vorher war es bei ihr ne Katastrophe,nacher geht so.
    Wir haben das Ritalin allerdings nach einer Zeit wieder weggelassen.Grund: Für die Konzentration war es einigermaßen ok,für alles andere gar nicht. Laut ihrer Psychaterin hätte bei ihr es das doppelte gebraucht,aber sie bekam damals schon die Höchsdosis
    .Ebenso hätte sie Therapien (+ medi)gebraucht,für die sie aber überhaupt nicht bereit war.
    Da damals Ritalin auch einen schlechten Ruf (hatte deswegen immer Angst meiner Tochter nix gutes zu tun )hatte und der Erfog so gering war,haben wir es weggelassen.Alternativen gab es damals meines Wissens nicht,also Medikinet ect.Vielleicht hätte eine andere Zusammensetzung mehr bewirkt.
    Grundsätzlich war es aber richtig,das Medikament zu probieren.Für meine Große war es ohne totaler Mist und für uns Eltern eine Katastrophe.
    Hätte es nur etwas besser noch gewirkt,hätte Sie es auch weiterbekommen.

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 442

    AW: ADHS gibt es nicht

    Och habe leider gerade keine Zeit zu schreiben, aber ich finde den Thread super!

    @Mikoo und Salamander, ich denke, wenn man immer nur einzelne Aspekte herausgreift, dann habt Ihr beide jeweils Recht. Und ich verstehe auch Deine Aufregung, Salamander.

    Aber als Mutter würde ich mich eher Mikoo anschließen. Lieber später und erst mal gucken, ob es nicht auch so geht. Generell. Denn die Ärzte verschreiben viel zu sorglos und DAMIT habe ich echt ein Problem!!

    Wenn das ADHS so stark ausgeprägt ist und wirklich von einem Spezialisten als ADHS diagnostiziert wurde (dies als Voraussetzung!), dann finde ich auch, dass man so früh wie möglich Medikamente geben darf und u.U. sollte, um das Leben leichter zu machen. Denn sonst werden die Folgen und Auswirkungen des ADHS getriggerten Verhaltens u.U. so krass, dass das Leben einfach keines mehr ist und die "Nebenwirkungen" des ADHS auf Psyche, Sozialverhalten und Gesundheit nicht mehr (gut) vertetbar sind.

    Kurz: Bei der Medikation sollte die Notwendigkeit einer Medikation deutlich stärker berücksichtigt werden. Bei Kindern und Erwachsenen kommt ADHS in so vielen Ausprägungsgraden vor, da kann ich doch nicht immer gleich mit der chemischen Keule drauf hauen.
    Und man weiß auch noch nicht, wie sich die Medikation langfristig auf die Gehirnentwicklung auswirkt (oder sehe ich das falsch?).

    Also ich hätte als Mutter echt ein Problem, wenn ich über die Medikation entscheiden müsste! So einfach "gib' mal, anders geht es nicht, hat doch ADHS" wäre es für mich nicht...

    Und da liegt nun einmal der Unterschied zur Sehschwäche, zu Diabetes, einem gebrochenen Arm....
    Geändert von ADHS72 (16.01.2013 um 14:33 Uhr) Grund: Rechtschreibkorrekturen

  9. #9
    hirnbeiß

    Gast

    AW: ADHS gibt es nicht

    Ich habe mir eine Argumentationskette gefädelt.
    Zugegeben, viele verschiedene Perlen und ein arges Durcheinander.
    Die Kette ist ja eigentlich das Hauptthema. Bunt und verworren.
    Vielleicht löse ich ja den Knoten wieder und öffne den Verschluss.
    Ich brauch sie glaub ich nicht so recht.
    Ne, eigentlich nicht. Hab schon zu viele von denen getragen und zusammengeschustert.

    LG --hirnbeiß--

  10. #10
    salamander

    Gast

    AW: ADHS gibt es nicht

    Mikoo schreibt:
    Hallo Salamander,

    Denn gerade in diesen Jahren der Persönlichkeitsentwicklung und der körperlichen Veränderungen
    würde ich nur im absolut äußersten Notfall meinem Kind das Medikament geben. .

    Grüße
    Mikoo
    Muß jeder mit sich selber abmachen. Darum bin ich 100%-ig gegen eine Altersbeschränkung.
    Sie nimmt denen die Freiheit, die Du für Dich in Anspruch nimmst, wenn Du für eine allgemeine
    Altersbegrenzung eintrittst.

    Es geht nicht nur um ADS sondern auch um das Recht zur freien Entschiedung, das damit
    beschnitten wird. Ausnahmeregeln für die, die es brauchen würden? Wer entscheidet
    das?

    Nimm mal den Fall, ein Arzt mit einer Dir ähnlichen inneren Haltung. Dem sitzen Eltern mit
    einer mir ähnlichen inneren Haltung gegenüber. Glaubst Du, dass das Kind, das Medikament
    bekommt? Wohl eher nicht, oder?

    Dann hätt ich da noch so ein Thema, das mich fuchsig macht! Persönlichkeitsentwicklung!

    Zur Persönlichkeitsentwicklung zählen maßgeblich Erfahrungen mit dem eigenen
    Selbst. Impliziert so Fähigkeiten wie: Aufnahmefähigkeit, Wahrnehmung, Lernverhalten,
    Reaktionszeiten, soziale Kontakte, etc.pp.

    Ein ADS Hirn hat auf der einen Seite eine wahnsinnige Aufnahmekapazität, alleine durch
    die Tatsache, dass es mangels Dopamin, nicht so filtert wie Nicht-ADS-Hirne. Auf der anderen
    Seite geht es aber genau deshalb auf stand-by, weil es zuviel wird.

    Bedeutet also, in so einem Hirn ist viel mehr los als in einem anderem. Aber der Arbeits-
    speicher eines solchen Hirnes ist den Mengen an Daten, die einströmen nicht gewachsen.
    Dieses Hirn, muß sich also eine imaginäre Ablage zulegen. In der landet jetzt erstmal
    alles was so wild rein schießt, und wird unsortiert abgelegt.

    Hat der Arbeitsspeicher wieder freie Kapazitäten, wird dieses Ablage bearbeitet. Das
    kann Stunden, Tag oder Wochen später passieren. Bedeutet eine Information oder
    ein Verhalten, wird deutlich später, erst verarbeitet und/oder als das wahr genommen
    was es war.

    Jetzt haben wir das Problem, dass das Kind, auf die damalige Situation/Begebenheit
    nicht mehr zurück kommen kann, denn sie ist ja schon vorbei. Die Situation hat aber
    ein Verhalten zur Folge, beim Kind selbst, und den Kindern die mit ihm zu haben.

    Womit wir beim Sozialverhalten ankämen. Es wird als Kind wahrgenommen, das schon
    mal länger braucht, als die anderen, um zu erfassen, was da eigentlich abgeht. Damit
    hat es ein Manko für die anderen, damit IST es anders. Das spürt das Kind. Das
    Kind nimmt auch wahr, dass es für einiges oder manches länger braucht, als die
    anderen, und dass es einiges gar nicht mitbekommt, oder erst viel zu spät.

    Das verunsichert das Kind. Es gräbt am Selbstvertrauen des Kindes. Selbstvertrauen
    bedeutet sich selbst zu vertrauen und der eigenen Wahrnehmung.
    Das Kind macht also die Erfahrung, dass es sich nicht wirklich vertrauen kann, weil
    es einiges, manches oder vieles, erst zu spät mitbekommt. Damit kann das Kind sich
    nicht vertrauen.

    Das Kind gerät jetzt unter Druck. Es will dazu gehören, wie alle anderen Kinder auch.
    Aber es trägt bereits die Erfahrung in sich, dass es im besten Fall nur anders ist,
    und dass es höllisch aufpassen, nicht das, worum es gerade geht, zu verpassen und
    falsch zu reagieren. Das führt zu Selbstverunsicherung. Im schlimmsten Fall zu
    aggressiven Reaktionen, weil das Kind sich angegriffen fühlt, obwohl es noch gar
    nicht angeriffen wird.

    ADS hin oder her, im dem Fall schüttet das Hirn bereits die Streßhormone Cortisol
    und Adrenalin aus. Das Kind ist also bereits auf einem Weg, der noch gar nicht
    beschritten werden müßte, aus Angst, etwas falsch zu machen oder nicht
    mitzubekommen.

    Das wiederum führt zu Verhaltensveränderungen, die u.U. die Umgebung falsch
    interpretiert, mangels Kenntniss der ablaufenden Prozeße, bei ADS. Aber in
    jedem Fall wirkt sich das schädlich auf die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes
    aus.

    Jetzt spinn das mal weiter, auf alle Lebens- und Erfahrungsbereiche, eines Kindes,
    die es durchlaufen muß und den Einfluß auf die Persönlichkeitsentwicklung.

    Nächster Punkt. Gabe mit 14, ungünstiger kann der Zeitpunkt nicht gewählt sein.
    Mitten in der Pupertät. Die gesamte Hirnstruktur baut sich um. Der Hormoncocktail
    der jetzt naturgegeben ausgeschüttet wird, stellt alles bisher da gewesene auf den
    Kopf. Stimmt ohne ADS schon nichts mehr für ein Jugendlichen in der Pupertät,
    alles ist neu und alles ist anderes, also Verunsicherung und Austesten an allen
    Ecken und Enden des Lebens, und jetzt kommt noch MPH dazu.

    Bis dahin gemachte Erfahrungwerte verlieren ihre Gültigkeit. Mit MPH verändert
    sich die Wahrnehmung für das drum-rum, die Eigenwahrnehmung, Lernfähigkeit
    und Konzentration, Verhalten, da jetzt sofort reagiert werden kann, weil es sofort
    registriert wird, und das jetzt alles auf den Erfahrungswerten beruhend, die der
    Jugendliche als Kind gemacht und die unter MPH fast zu Makulatur werden.

    Das Argument Persönlichkeitsentwicklung, trägt aus meiner Sicht gar nicht. Ich
    finde es eher so, dass die Vorenthaltung von MPH sich sehr nachteilig auf die
    Persönlichkeitsentwicklung auswirkt.

    Nun ja, das Thema Nebenwirkungen ist nicht von der Hand zu weisen. Allerdings, würde
    ich da auch eher her gehen, und auf Erfahrungswerte bauen, die andere Eltern bei
    ihren Kindern gemacht haben. Kommen sie wirklich derart zum tragen, oder nicht?

    Grüße
    Salamander

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