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Diskutiere im Thema Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr... im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #181
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.249

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Sauer ist man doch nie "auf jemand" ...

    Entweder ist man sauer oder nicht,
    doch das hat nicht mit dem anderen zu tun.

    WIe uns klar ist, hätte man in der Situation ja auch unsauer reagieren können.

    Dann lag es also nicht an der Situation warum jmd sauer war.

    Da kann einzig der/diejenige was dran ändern, die auch sauer ist

    Bei Dir ist zu lesen: "
    Meine Stimmung:
    https://adhs-chaoten.net/vmoods/clas...5/explosiv.gif

    "
    Bist Du etwa auch sauer? Warst Du vielleicht sogar schon vorher sauer?

  2. #182
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 1.004

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    gisbert schreibt:
    Sauer ist man doch nie "auf jemand" ...

    Entweder ist man sauer oder nicht,
    doch das hat nicht mit dem anderen zu tun.

    WIe uns klar ist, hätte man in der Situation ja auch unsauer reagieren können.

    Dann lag es also nicht an der Situation warum jmd sauer war.
    Da kann einzig der/diejenige was dran ändern, die auch sauer ist
    Ja, stimmt schon. Schön, dass du dran erinnerst.

    Mir fallen dazu halt einige schwere Fälle ein: Kenne sowas in Extremform aus meiner Familie, manchmal auch von mir u das sitzt deshalb wohl leider auch tief drin, auch in meinem "Beuteschema".

    Viele, die früh Ungerechtigkeit erlebt u gelernt haben, sich zu wehren, kommen erst ihren Flow, wenn genug Wut da ist. Die ist dann eine riesen Energiequelle und verhilft zu Hochleistungen - im besten Fall zum Einsatz für andere oder in einem MammutGerechtigkeitsprojekt. Sojemand braucht Wut wie die Luft zum atmen als Zugpferd aus der sonstigen Trübsinnigkeit der Alltagsbanalität. Die Abhängigkeit vom Zugpferd "Wut" ist dann verantwortlich, dass dann auch alle Fakten zu stören beginnen, sofern diese an der Berechtigung der Wut irgendwelche Zweifel aufkommen lassen: Es geht ja genau drum, die aus der Trübsal rettende Wut aufzubauen. So verständlich das ist, so blöd f andere. Entschuldigung ist da die Ausnahme, wenn überhaut. Eine regelrechte Sucht nach Wut erstickt solche Gedanken zu schnell: das Faktenverdrängen ist da auch eine Zeit lang überlebenswichtig und wenn dann wieder Flow da ist, kann man sich ja diese Motivationsbasis nur ungern unter den Füßen wegziehen. Frage der Reife.

    Hilfe wäre halt, die eigene Schwachheit aushalten und in einem guten Rahmen auch annehmen zu lernen; den ja vorhandenen Mut in eine Klärung mit Wahrheitsabgleich zu investieren, bevor der Teufelskreis wieder in die Isolation treibt.

    Psychodynamisch wohl ein Kompensationskreislauf:
    (1) Depressiver Grundkonflikt wird altruistisch-fürsorglich bis zur Erschöpfung kompensiert; Ohnmachtsgefühle, aber Abwehr von Hilfe aus guten Vorerfahrungen mit der eigenen Stärke, sich aus dem Sumpf ziehen zu können wie z.B. mittels Fremd- und Selbsttäuschungen à la Münchhausen ( ->Münchhausen-Syndrom ), etwa die Schmerzen der Isolation mit Unabhängkeits- und Freiheitstriumphalismus wegzueuphorisieren:
    (2) Depressiver Konflikt wird schizoid bewältigt (Schwarz-Weiß) und die kraftspendende Aggression hilft dann die Ohnmachtserlebnisse zu kompensieren.
    (3) Die Dynamik geht dann hin zum Ziel des Machtgewinn mit allen Mitteln: Die narzistische Phase macht viel kaputt: Machtproben bis aufs Messer, löst aber nicht den Grundkonflikt u es geht schwupps in die Depression (1) zurück. Kann zum lebenslangen Kreislauf werden.

    Wenn der andre im Kreislauf gefangen sitzt dann bleibt nicht viel übrig:
    Am besten nicht auf sich beziehen, erst recht nicht unterbuttern lassen - wenn man sich nicht selber zynisch mitvergiften will. Der Aggressor bleibt da ja solang sich der depresive Grundkonflikt wiederholt leider das eigentliche Opfer, auch wenn es sich in (3) mit allen Mitteln durchsetzt u das auch kurz postiv u triumphalistisch-vitalisierend erlebt. Halt schwer, damit gut umzugehen, gerade in Familie und Beziehungen. Die Ohmacht gegen diese Sucht nach irgendwie-zurechtgekleisterter-Wut aushalten zu lernen ist immer wieder schwer.

    Dass ich jetzt darum weiß, hilft zwar dazu, ist dummerweise auch aber kein Hilfe für die Betreffenden, die ich ja mag u die ja tatsächlich zu viel Gutem fähig sind u in (1) auch sehr liebenswert erscheinen. Die Versuchung ist stark, da helfen zu wollen, doch bleibt das eine Versuchung und war wohl immer zuviel des Guten, weil's mir da in dieser Involviertheit nicht wirklich zusteht, "therapeutisch" zu denken u zu handeln. Hätte da seit ich denken kann gern mehr gerettet, auch weil für alle draus "unnötige" existentielle Belastungen entstehen. Die Konstellation in Trauerarbeit annehmen ist da wohl als Entgiftungsmittel besser. Halt Tränen aus der - grad in der Weihnachtszeit - schwerer loszulassenden Hoffnung, dass es die Lieben Schritt für Schritt schaffen können.

    Trotzdem bleibt sie: Es gibt ja genug Beispiele aus Geschichte und Gegenwart, wo es Menschen geschafft haben, an ein paar Punkten am Tag - mit der gleichen Entschlossenen, Bissigkeit und Strenge den innern Drachen zu töten. Da kommen trotz zahlreicher Punkte die unentwegten Kämpfer weiter, als Ausgeglichenere mit geringerer Entschiedenheit.

    Lg
    Geändert von Loyola (19.12.2013 um 23:47 Uhr)

  3. #183
    ellipirelli

    Gast

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Loyola schreibt:

    Viele, die früh Ungerechtigkeit erlebt u gelernt haben, sich zu wehren, kommen erst ihren Flow, wenn genug Wut da ist. Die ist dann eine riesen Energiequelle und verhilft zu Hochleistungen - im besten Fall zum Einsatz für andere oder in einem MammutGerechtigkeitsprojekt. Sojemand braucht Wut wie die Luft zum atmen als Zugpferd aus der sonstigen Trübsinnigkeit der Alltagsbanalität......Es geht ja genau drum, die aus der Trübsal rettende Wut aufzubauen.
    ...............
    kraftspendende Aggression zur Kompensation der Ohnmachtserlebnisse

    WOW- danke! Für alles, und bes. fürs fett markierte..

    Mir gings in der Reha so und ich habe das vor einigen Wochen schonmal sehr viel einfacher für mich so formuliert: erst die Wut hat mich das alles durchstehen lassen.

    In den ersten beiden Wochen tiefste Verzweiflung, ein dunkles Loch und völlige Hilflosigkeit wegen der Zustände da, wegen der Behandlung, der Gleichgültigkeit, der fachlichen Inkompetenz, der Massenabfertigung, den vertanen Möglichkeiten und der (mir) geklauten Zeit --- und erst, als ich mich richtig drüber aufregen konnte, ich wütend wurde, habe ich wieder Energie gekriegt, das irgendwie auszuhalten... (Kaputter als vorher war ich trotzdem)
    Geändert von ellipirelli (19.12.2013 um 17:52 Uhr)

  4. #184
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.422

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Ich habe auch mit der Wut gute Erfahrungen gemacht. Wenn ich mich erlaube, mich wütend zu fühlen, weil jemand mich schlecht behandelt hatte, tut es mich gut. Aber es geht wirklich um fühlen, zulassen (im Körper passiert es) und nicht nur um abzureagieren.

    Daraus kommt die Energie etwas für mich zu tun, mich abzugrenzen, nein zu sagen und nicht gegen anderen.

    Da ich erzogen war, lieb zu sein, ertarpe ich mich immer wieder, mein Wut nur zu verdrängen...

    Ich merke gerade: Vielleicht ist heute mal dich wieder eine Anlass gewesen es wieder zuzulassen und spüren. es war zwar ein Traum, aber es hat mich einiges sehr sehr deutlich gezeigt das mich nicht passt in meiner Leben.

    lg

  5. #185
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Es gibt Neuigkeiten: Gestern war ich bei meiner besten Freundin. Ein wenig später kam noch ihr Partner dazu, der anfangs noch im Bett lag (er hatte Nachtschicht). Wir hatten einen wunderbaren Tag/Abend zu dritt, haben zusammen gekocht, gegessen und uns bestens unterhalten. Meine Freundin und ich kennen uns seit über 16 Jahren. Wir hatten seit unserem ersten Treffen in der Ausbildung immer Kontakt, mal öfter, mal seltener, aber der Kontakt war immer da.

    Ich habe aus den Gesprächen mit den Beiden so einige wichtige Dinge mitgenommen: Viele Leute sind mit der Art Kontakt/Freundschaft, wie wir sie führen, einfach überfordert bzw. sie kennen es nicht aus ihrem familiären Umfeld. Der Partner meiner Freundin ist der Ansicht, dass auch die Mentalität eine entscheidende Rolle spielt. Der Mann ist Spanier, die Eltern meiner Freundin stammen wie meine Familie aus Osteuropa. Das Paar braucht nicht täglich rund um die Uhr Gesellschaft, aber ihnen ist es trotzdem wichtig, dass sie auch als gebundene Menschen mit anderen Personen privaten Kontakt haben. Für die Beiden spielt es keine Rolle, ob ihre Freunde Singles oder Paare sind und ob sie Kinder haben oder nicht. Meine Freundin hat keine Kinder, ihr Partner hat 2 Kinder aus seiner geschiedenen Ehe, die bei ihrer Mutter leben und jedes 2. WE sowie teilweise in den Ferien beim Vater sind. Es ist ihnen auch egal, ob sie sich als Einzelpersonen oder als Paar oder in Anwesenheit der Kinder mit ihren Freunden treffen… so wie es sich halt ergibt .

    Während meine Freundin zum Großteil ihrer früheren Freunde immer noch Kontakt hat, sieht es bei ihrem Partner anders aus… nur sehr wenige Leute aus seinem damaligen Umfeld sind immer noch ein Teil seines Lebens. Er findet das schade, weil für ihn eine Partnerschaft und/oder Familiengründung kein Anlass ist, um andere Kontakte auf Eis zu legen. Der Mann hat aber zahlreiche Beobachtungen gemacht, die mir auch schon öfters aufgefallen sind: Viele Menschen in Deutschland/Mitteleuropa sind mit der Anwesenheit von anderen Personen schnell überfordert. Ebenso wie ich kennt er auch nur zu gut diese Aussagen á la: "Ich muss doch den ganzen Tag auf der Arbeit mit anderen Menschen reden, wozu soll ich mir das noch nach Feierabend antun?" Für uns drei ist es ein Unterschied, ob wir beruflich oder privat mit Menschen zu tun haben. Ich kenne aber auch genügend Leute, die das nicht so sehen und wenig Lust auf private Treffen, Telefonate und Schriftverkehr haben, weil es ihnen nach der Arbeit einfach zu viel ist und sie nur ihre Ruhe wollen.

    Es ist auch der Fall, dass die Eltern meiner deutschen Freunde/Bekannten wenig bis gar keine privaten Kontakte haben, während meine Eltern, die Eltern meiner Freundin und ihres Partners schon immer auch als verheiratete Menschen ihre Freunde hatten. Die Ehe mit seiner Ex-Frau ist u. a. auch daran gescheitert, dass sie nach der Hochzeit keine Lust mehr auf gemeinsame Unternehmungen mit ihrem Mann sowie kein Bedürfnis nach Kontakt mit Freunden mehr hatte. Ich habe es auch schon in mehreren Familien hierzulande erlebt, dass die einzelnen Personen sich nur zum Essen am Tisch begegnen und anschließend jeder sein eigenes Ding macht. So etwas kennen wir von zu Hause nicht, bei uns gab es auch Gespräche mit den Eltern/Geschwistern außerhalb der Essenszeiten.

    In den vergangenen Jahren habe ich mehrmals versucht, den Kontakt zu irgendwelchen Bekannten zu vertiefen, die ebenso oft wie ich im Internet unterwegs waren. Ich dachte zuerst, die hätten das - so wie ich halt - so gemacht, weil sie wenig Freunde hatten und ihnen langweilig war. Inzwischen habe ich festgestellt, dass die große Mehrheit der Leute, die täglich stundenlang online sind, ihr Leben genau so führen möchte und wenig Lust auf reale Kontakte hat. Die sind nicht ständig im Netz, weil sie sich einsam fühlen und nichts anderes zu tun haben… die wollen das nicht anders. Bei mir hat ein Treffen im RL fast immer Vorrang, außer ich bin krank, extrem müde, usw. Aber wenn ich fit bin und es mir gut geht, dann lehne ich bestimmt keine Anfrage nach einem Treffen ab und sitze den ganzen Tag stundenlang am Laptop.

    Meine Freundin und ich haben uns vorgenommen, uns dieses Jahr öfter zu treffen als es in den letzten 2-3 Jahren der Fall war. Sie war schon immer ein wenig meldefaul, wobei sich das auch gebessert hat. Aber wenn ich etwas vorschlage, dann sagt sie auch "Ja"… außer natürlich, wenn sie krank oder schon anderweitig verplant ist, aber dann kommt immer ein anderer Terminvorschlag von ihr, und irgendwann sehen wir uns dann. Man muss einfach die passenden Leute finden, die eine ähnliche Einstellung zu Freundschaften haben .

  6. #186
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 547

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Hallo,

    auch mir fällt es nach wie vor schwer Freundschaften zu pfelgen. Dass man die richtigen Leute finden muss stimmt, aber ich bin eher ein introvertierter Freundschaftstyp und lege nicht so viel Wert auf den Kontakt zu anderen - diese Vorrausstezungen sind eher ungünstig um neue Leute kennenzulernen. Auch mir ist schon aufgefallen dass viele Bekanntschaften (das Wort Freundschaft ist für mich ein wenig schwer zu verwenden, weil ich kaum jemand als meinen Freund bezeichne) sich nach einer Zeit auflösen. Der Freundeskreis den wir (mein Freund und ich) längere Zeit angehört haben zerfällt auch langsam. Die eine ist sportsüchtig (2-3 Trainingseinheit am Tag sind für die normal), der eine hat jetzt eine Freundin aus ner andern Stadt und pendelt in seiner Freizeit immer zu ihr, die andern sind zusammengekommen und wollen Zweisamkeit, das letzte Paar ist auch irgendwie komisch geworden (ihr passt dauern irgendwas nicht und er ist ihr LENOR) und der letzte Singel-Mann hat auch nicht mehr so viel Zeit, warum auch immer. Nur zu dem Zweisamkeitspaar haben wir noch mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt.

    Die meisten Kontakte habe ich eigentlich weil mein Freund ziemlich aktiv mit WhatsApp ist und er die Kontakte zu den anderen pflegt und ich halt dann mitgeh. Immer wenn wir was mit anderen machen wird so ein belangloses unwichtiges Zeug gequatscht, rumgejammert dass alles so schrecklich ist und wenn man mal was von seinen Problemen erzählen möchte oder den Rat von anderen braucht, dann wir das Gespräch meistens auf ein anderes Thema gelenkt, nach dem Motto "Belästige mich nicht mit deinem Sch***"" Sowas hat für mich nichts mit Freundschaft zu tun und darum sind das eigenlich alles nur Bekannte. Auch habe ich i.d.R. kein Interesse an deren Aktivitäten. Ich will halt gern was unter Tags in der Natur machen (Wandern, Radfahren, Geocachen) oder zum Bowling oder sonst was aktives. Ich hasse dieses (für mich) gezwungene abendliche rumhocken in irgendwelchen Lokalitäten oder Wohnzimmern wo man dann lustig sein MUSS, was trinken MUSS, was essen MUSS usw. Das finde ich wahnsinnig langweilig, da man währenddessen entweder jammert dass alles so sch*** ist, über die nichtanwesenden fleißig lästert ("Hast du das Kleid von der letztens geshen? Wie scheußlich!" "Die K. hat das und das zu ihrem Freund gesagt, also wenn ich J. wäre würde ich mir das nicht bieten lassen") oder über irgendwelche belanglosen Quatsch redet der weder Sinn noch Wichtigkeit besitzt. Mir sieht man halt auch immer gleich an dass ich mich langweile und dann kommen immer diese nervigen Fragen "Ist was? Trink mal ein bisschen was dann wirst du ein bisschen lustig...! Komm wir bestellen dir mal was schönes" Ich hab dann immer Müh und Not das irgendwie abzuwehren weil irgendwer will ja dann schließlich auch die 7 Euro für den Drink.

    Manchmal denke ich einfach ich bin assozial, aber wenn ich das hier so lese könnte ich doch wieder ein bisschen der Normalität entsprechen. letztens war z.B. ein netter Abend, mein Freund hatte einige Leute zum Kartenspielen eingeladen und ich konnte aber nicht mitspielen weil das Spiel für vier Leute ist. Das hat mir nichts ausgemacht, ich hab währenddessen auf dem Sofa sitzen können und konnte machen was ich wolle. Wenn ich mitreden wollte dann konnte ich was sagen, wenn ich lieber Playstation spielen woltle hab ich gespielt und zum Schluss hab ich mir ne DVD reingeschoben und bin ich vor Forrest Gump (mit dem ich mich irgendwie identifizieren kann) eingepennt. Das war ein echt netter Abend obwohl ich irgendwie voll abseits saß aber das mag ich. Ich mag nicht im Mittelpunkt sein, da man dann immer von anderen bewertet wird und irgendwas MUSS. So ist das genau richtig, ich will zwar nicht alleine sein, aber mittendrin auch nicht. Ich könnte mir auch vorstellen allein in die Disco zu gehen und mir einfach die Musik anzuhören (wie auf nem Konzert) aber da hätte ich Angst dass ich von irgendwelchen Idioten angelabert werde die dann irgendwas von mir wollen.

  7. #187
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Hallo Susilein,

    ich kann verstehen, dass du mit deinen sozialen Kontakten nicht wirklich zufrieden bist. Zwar bin ich ebenfalls ein unternehmungslustiger Mensch, weiß aber einen gemütlichen Abend in einer Kneipe oder in einer Wohnung auch zu schätzen. Aber ich kann das nachvollziehen, dass dir die Gesprächsthemen der Leute auf den Geist gehen. Mir ist auch schon öfters aufgefallen, dass manche Personen ihren Mitmenschen eine Art Dauer-Fröhlichkeit aufzwingen und nichts über deren Probleme wissen wollen. Und nicht nur das: Selbst Gespräche über weniger oberflächliche Themen, die nichts mit privaten Problemen zu tun haben, werden manchmal vermieden.

    Mit meinen wenigen, echten Freunden kann ich sowohl lustig sein, als auch etwas unternehmen/Hobbys pflegen und über ernsthafte Themen reden. Leider habe ich das Gefühl, dass in der heutigen Zeit nur noch ganz wenige Menschen dazu in der Lage sind. Ich hatte mehrere Bekannte, mit denen ich lange auf einem eher oberflächlichen Niveau verkehrte. Irgendwann öffneten sich diese Menschen mir gegenüber und fingen an, immer öfter über ernstere Dinge zu sprechen. Je intensiver unser Austausch wurde, umso weniger Lust hatten sie auf gemeinsame Aktivitäten und verlagerten unseren Kontakt ausschließlich auf das Telefon und Internet. Persönliche Treffen gab es nur noch, wenn es sich zufällig ergab, aber sie wollten sich nicht mehr gezielt mit mir verabreden. Viele Leute trennen ihre Kontakte in Personen für die guten und andere für die schlechten Seiten des Lebens. Deshalb kam ich mir in manchen Kontakten wie ein seelischer Mülleimer vor und brach diese ab.

    Dass dich der Gruppenzwang nervt, kann ich auch verstehen. Neulich hatten wir es hier in einem anderen Thread vom Zwang, Alkohol konsumieren zu müssen. Darüber kann ich mich nicht beschweren, aber ich kenne eine Reihe von Männern, die beim Ausgehen in reinen Männergruppen trinken müssen, auch wenn sie es nicht wollen. Finde ich schade und v. a. unreif.

    Das Verhalten in eurem Freundeskreis ist auch so typisch… viele kapseln sich von der Außenwelt ab, sobald sie einen Partner gefunden haben. Das hat auch der Partner meiner Freundin vorgestern kritisiert. Er war seit Beginn seiner Volljährigkeit fast immer in Beziehungen und wollte trotzdem nie auf seine Freunde verzichten. Seine Ex-Frau wollte ihn vom gemeinsamen Freundeskreis abkapseln, weil sie es von zu Hause nicht anders kannte und ihre Eltern ihr das so vorgelebt hatten. Zwei Personen aus meiner alten Theatergruppe wurden im Laufe der Zeit auch ein Paar, und von diesem Zeitpunkt an wurden sie unzuverlässiger, erschienen immer seltener zu unseren Spieleabenden, und irgendwann zerbrach die Gruppe. Die Beiden pflegen wohl keinerlei Kontakte mehr außerhalb der Beziehung. Als die Gruppe neu war, hatte der Mann noch eine andere Partnerin, pflegte aber trotzdem seine Kontakte.

    Bei einem Ehepaar, welches ich noch aus meiner Schulzeit kenne, verhält es sich ähnlich. Ich war auf zwei verschiedenen Schulen und habe erst sie, später dann ihn kennengelernt. Die Beiden lernten sich beim Weggehen kennen, ich habe sie miteinander bekannt gemacht. Die Frau war noch nie ein sehr geselliger Typ und hatte außer mir eigentlich keine sozialen Kontakte. Wir trafen uns alle paar Wochen mal zum Weggehen. Der Mann war früher ein absoluter Partymensch und traf sich vor seiner Beziehung jeden Freitag und Samstag mit seinen Freunden, und wenn er Urlaub hatte, auch unter der Woche. Als er mit seiner heutigen Frau zusammen kam, verlangte sie von ihm, die Treffen mit Freunden auf einen Tag am Wochenende zu reduzieren. Irgendwann durfte er nur noch alle 2 Wochen andere Leute treffen, dann einmal im Monat, dann alle 3 Monate, und inzwischen sieht er nur noch mich und seinen besten Freund… aber auch nur 1-2x im Jahr, manchmal noch seltener. Das Paar hat mittlerweile 2 Kinder und lebt im Gegensatz zu meiner besten Freundin und ihrem Partner extrem zurückgezogen. Sie wohnen ca. 70 km von hier entfernt und kommen 1-2x im Monat hierher, um ihre Eltern zu besuchen. Obwohl ich auf dem Weg zwischen den beiden Elternhäusern lebe und die Beiden schon mehrmals in meine Wohnung eingeladen habe (und zwar auch schon, als sie noch keine Kinder hatten), waren sie noch nie bei mir. Kommentar: Es ist ihnen zu stressig, unterwegs einen Zwischenstopp einzulegen. Wenn sie mal was machen, dann melden sie sich auch und fragen ob ich mitkomme… nur machen sie eben nur noch extrem selten was. Die Frau kennt das nicht anders. Ihre Eltern kenne ich auch schon seit meiner Schulzeit, und sie hatten nie Freunde. Mit anderen Menschen haben sie privat nur noch zu tun, wenn z. B. jemand aus der Verwandtschaft einen runden Geburtstag feiert, heiratet oder sein Kind taufen lässt.

    Ich finde das traurig und kann es nicht verstehen, muss es aber natürlich akzeptieren. Bei uns zu Hause war das ganz anders. Meine Eltern waren zwar niemals auf Partys unterwegs, hatten aber immer einige Freunde… Menschen mit Kindern in meinem Alter, ältere Leute mit erwachsenen Kindern, aber auch Paare ohne Kinder und Singles. Wenn es sich ergab, besuchte man sich gegenseitig, trank Kaffee, aß Kuchen, und manchmal gab es auch Aktivitäten außerhalb der Bude wie z. B. Grillfeste auf Waldspielplätzen oder Kinderfasching in Begleitung der Mütter.

    Die Freundschaften meiner Eltern zerbrachen nie durch irgendwelche Hochzeiten und Familiengründungen. Jugos, Italiener, Spanier, Griechen, usw. sieht man häufig mit Partnern und Kindern in größeren Gruppen in der Öffentlichkeit, während Mitteleuropäer mit zu viel Geselligkeit oft überfordert sind. Ein Bekannter von mir ist Portugiese und zog aus beruflichen Gründen vor 2 Jahren nach Schweden. Obwohl er ein unkomplizierter und extrovertierter Typ ist, die Geselligkeit schätzt und in Portugal ständig mit Freunden unterwegs war, hat er bis heute noch keinen einzigen Freund in Schweden gefunden und verbringt seine Freizeit überwiegend alleine in seiner Wohnung. Er kennt zwar ein paar nette Leute von der Arbeit, vom Sport und diversen Kursen, aber niemand möchte privat etwas mit ihm unternehmen. Alle verschanzen sich nur in ihre Häuser und leben abgeschieden mit ihren Partnern. Deshalb spart er sich regelmäßig Geld für Besuche in der Heimat.

    Man muss halt die richtigen Leute finden… aber ich weiß, das ist nicht einfach. Ich drücke dir die Daumen, dass es besser wird .

    LG
    WeißeRose

  8. #188
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.422

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Hallo WeisseRose,

    Sehr interessant alles was du schreibst!

    Da habe ich mich auch Gedanken gemacht...

    Es kommt vor, bei Treffen mit eine Gruppe, dass ich mich mal zurückziehe, mal fèr mich allein bin, oder mal eine weile mit nur eine Person beschàftige... Und dann wieder mit die Gruppe.

    ich kenne menschen aus viele Kulturen... Manchmal habe ich der Eindruck, dass Kulturen wo geselligkeit wichtig ist, menschen zusammen sein können, aber es macht kein problem wenn einem sich mal zurèckzieht oder sogar auf sofa schläft... daher, wenn es diese freiheit gibt, mal nicht mit anderen sich zu unterhalten, wenn es auch drum geht, zusammen zu sein, ist es eigentlich nicht so anstregend.

    Aber es gibt auch leute, eben ehe schweizer, die so was unanständig oder nicht normal finden würde. Mit solche menschen, gibt es auch noch der druck, dauernd dabei zu sein, alles mitzumachen, auch wenn du nicht danach wäre. Eine gute Freundin von mich, wo wir gemeinsam viel machen kénnen und auch viel reden, ist auch manchmal so und ich finde es anstregend. Manchmal bittet sie ein spiel an die ich gar nicht mag und hat Mühe noch wenn ich sage: Ihr könnte ohne mich spielen, ich schaue zu, es ist ok...

    manchmal finde ich mit ihr Gruppenveranstalltungen anstregend, weil wir alle mitmachen müssen und irgendwie reicht es nicht einfach zusammen zu sein... Einmal fand sie mich langweilig, weil wenn ich mit ihr im schwimbad gehe, ehe mich nach Ruhe sehne als viele Aktivitäten und oft noch dass Wasser zu kalt finde... Ich kann mit Menschen zusammensein ohne viel mehr dazu als ein bisschen plaudern. Ich muss dabei auch nicht alles mit ihnen machen, Freiraum ist wichtig. Aber dann ist mich der Lust gegangen mit ihr im Schwimbad zu gehen. Dabei mit ihr und andere Menschen kann es super sein, da ist man frei (für mich wichtig) und man ist einfach zusammen.

    Letzt Freitag war ich bei mein Bruder, mit ein andere Bruder. Da war noch die Familie von eine. Also, 4 Erwachsene und 2 Kindern. Ich fand es gemütlich und angenehm. Wir waren einfach gemütlich zusammen, es gab kein Zwang etwas zu tun oder nicht... Es war ein bisschen wie wenn wir klein waren und einfach alle 3 zusammen in eine Zimmer auf Sofa sitzen... Manchmal war jemand mit etwas anders beschäftigt... Natürlich war dabei auch geredet...

    Manchmal war ich mit mein Freund bei seine Eltern und ich fand es sehr anstregend: Ich bin immer wieder angeeckt und es war immer geredet (einiges unternommen war es auch)... Sie haben einmal nachhinein gemeckert, weil ich mich zurückgezogen habe und es auch angekündigt hatte (wir waren der ganze Tag zusammen und damals hatte ich vollzeit gearbeitet, es war zu viel!). Ich habe gemerkt: Hier gilt der Regel alles miteinander zu tun, dabei, brauche ich meine Freiraum... In eine Laden mit eine Gruppe, mag ich mal auch irgendetwas für mich zu schauen, so weit dass wir uns wieder finden, ohne ständig angequatsch zu werden.
    Einmal war ich mit mein Freund und seine Mutter im nachbarland, eine 1-tag ausflug. Da ich keine medis mitgenommen hatte, hat mich der rebound auf der Rückweg erwischt und an diese Moment hatte ich wirklich Lust nach Ruhe... Vor allem nach so ein Tag. Ich war hinten in der Auto, beteilige ich mich nicht mehr an das Gespräch vorne und gerade dann quatsch mich seine Mutter an, obwohl ich echt in Ruhe gelassen möchte und sie sicher noch weiter mit mein Freund reden kann... Ich wollte nicht unanständnig sein, sie wäre beleidigt und habe mitgemacht. Später sagt mich mein Freund, ich hatte müde gewirkt laut ihr. Aber wieso, wenn ich müde gewirkt hatte, musste sie noch mit mich reden? Ich habe mein Freund gesagt, es war der Rebound und an diese Zeit ist mein Kopf so nebelig dass ich Ruhe danach bin.

    Da kam ehe dazu dass ich oft nicht zu Wort gekommen bin, also, Lust nach Rückzug war noch grösser...

    Kann sein (ich vermute es) dass auch in deine Kultur, gesellschaftliches Leben echt locker und gelassen ist? Dass es mehr drum geht, zusammen zu sein, aber dass es dann keine Zwang gibt wirklich alles gemeinsam zu tun?

    Ich merke nun, dass ich anstregende gesellschaftleben erlebt hatte, wo man weiter einfach einigen muss und ehe locker, gelassen, wo es drum geht, zusammen zu sein... Man redet weil man möchte, mach etwas weil man im Moment möchte, aber es gibt kein Zwang... Eine Weile in eine Ecke sitzen und wegträumen beleidigt niemand und wird als Pause wahrgenommen.

    Ich hatte auch Menschen gesehen die dabei in eine Ecke geschlafen haben... So wird oft in Asien so erlebt... Dabei sind sie dauernd im Gruppen zusammen...

    lg

  9. #189
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Hallo mj71,

    ich habe mal zwei Aussagen von dir als Zitate in meinen Beitrag kopiert:

    mj71 schreibt:
    ich kenne menschen aus viele Kulturen... Manchmal habe ich der Eindruck, dass Kulturen wo geselligkeit wichtig ist, menschen zusammen sein können, aber es macht kein problem wenn einem sich mal zurèckzieht oder sogar auf sofa schläft... daher, wenn es diese freiheit gibt, mal nicht mit anderen sich zu unterhalten, wenn es auch drum geht, zusammen zu sein, ist es eigentlich nicht so anstregend.

    Kann sein (ich vermute es) dass auch in deine Kultur, gesellschaftliches Leben echt locker und gelassen ist? Dass es mehr drum geht, zusammen zu sein, aber dass es dann keine Zwang gibt wirklich alles gemeinsam zu tun?
    Mit diesen Zitaten liegst du auf jeden Fall richtig. Hier in Deutschland ist mir aufgefallen, dass bei Versammlungen von Gruppen oftmals erwartet wird, alles miteinander zu machen - egal ob es um Familie oder Freunde geht. Das fängt schon gemeinsamen Essen am Tisch an. Meistens ist es so, dass alle zusammen anfangen und niemand aufstehen darf, bis nicht jeder aufgegessen hat. Man nennt das Höflichkeit oder gute Manieren. Wir haben in der Familie auch gemeinsam die Mahlzeiten eingenommen, wenn alle zu Hause waren. Aber die Regel "erst anfangen, wenn jeder sein Essen auf dem Teller hat" galt bei uns nur, wenn wir Gäste hatten und sonst nie. In diesem Punkt ist die große Mehrheit der Ex-Jugos total locker drauf. Wenn einer während des Essens auf die Toilette musste, dann ging er einfach und musste nicht erst fragen ob er aufstehen darf.

    Einmal war ich als Grundschülerin bei einer Freundin zum Essen eingeladen. Alle waren schon fertig, nur der Familienvater noch nicht. Ich wollte mir eine Kindersendung im Fernsehen anschauen, stand auf und wollte den Stuhl zurückschieben. Die Mutter des Mädchens fragte mich, was ich machte. "Meine Kindersendung fängt gleich an", antwortete ich. Ihre Reaktion: "Also so läuft das hier nicht. Du siehst doch, dass mein Mann noch beim Essen ist. Erst wenn alle fertig sind und wir Erwachsenen sagen, dass es okay ist, kannst du aufstehen." Ich habe es in deutschen Familien öfters erlebt, dass andere Dinge wie Fernsehen, Telefonieren, usw. beim Essen absolut tabu sind und konnte mir das lange nicht erklären. Erst als Erwachsene habe ich gemerkt, dass hierzulande der Kontakt zwischen den Familienmitgliedern häufig nur über die gemeinsamen Mahlzeiten gepflegt wird und hinterher jeder nur noch sein eigenes Ding macht.

    Ich kenn´ hier viele Leute, die von Familienfeiern genervt sind. Menschen aus anderen Kulturkreisen freuen sich drauf. Bei uns stört es niemanden, wenn z. B. 12 Personen aus der Verwandtschaft einen Geburtstag in einem Privathaushalt feiern und sich 2-3 Raucher immer mal wieder zum Qualmen auf dem Balkon verziehen… und auch nicht, wenn sie sich dabei 20 Minuten lang verquatschen. Die besagte Freundin, die ich vorgestern besucht habe, war schon mehrmals mit mir im Urlaub. Wir haben die meisten Sachen zusammen gemacht, weil wir das wollten. Aber bei unterschiedlichen Vorstellungen unternahmen wir auch mal getrennt was, und es war für beide okay. Z. B. war sie im Gegensatz zu mir noch nie ein Partymensch. Also blieb sie im Hotel, las ein Buch oder ging schlafen, während ich Feiern war. Mein bester Freund hat seine längeren Urlaube in den letzten Jahren prinzipiell alleine verbracht. Mit mir verreist er zwar sporadisch für 2-4 Tage, aber länger nicht mehr. Vor ein paar Jahren waren er, zwei andere Freunde von ihm und ich mal 8 oder 9 Tage zusammen unterwegs. Im Nachhinein meinte er, ihm wäre das tagelange Zusammensein mit uns, obwohl er es auch sehr schön fand, am Ende wirklich zu anstrengend geworden. Außerdem könnte er z. B. keine schweren Wanderungen machen, wenn ich dabei bin. Ich habe ihm schon x-mal gesagt, dass er in meiner Anwesenheit jederzeit machen könne, worauf er Lust hat und nicht rund um die Uhr mit mir zusammen sein muss. Dann bekommt er aber ein schlechtes Gewissen und verreist lieber ohne mich, bevor wir zu viele Sachen getrennt unternehmen.

    Süd- und Osteuropäer sind streng zu ihren Kindern, wenn es um Themen wie Feiern am WE, erste Erfahrungen in der Liebe, usw. geht. Dafür herrschen bei uns nicht so starre Regeln im zwischenmenschlichen Miteinander. Wenn eine Gruppe von Freunden sich trifft, dann gibt es bei uns keinen Anführer, der das Sagen hat und nach dem sich die restliche Gruppe richten muss, so wie es hier öfters der Fall ist. Und deshalb wollen sich viele nur sporadisch mit ihren Freunden treffen. Sie haben keine Lust, sich dauernd unterzuordnen… kann ich mehr als nachvollziehen. Und aus diesem Grund wollen auch viele Menschen (überwiegend Männer) lange keine feste Beziehung und geben sich mit Affären zufrieden. Sie sehen, wie es bei ihren Eltern abgelaufen ist… seit der Hochzeit oder noch früher alle Kontakte auf 0 heruntergefahren, abgeschiedenes Leben von der Außenwelt. Wer so etwas mit einer Partnerschaft assoziiert, der entwickelt natürlich eine Abneigung gegen feste Bindungen und schiebt das so lange wie möglich heraus. Mich wundert das gar nicht mehr, dass die Leute in unserem Kulturkreis viel bindungswilliger sind und sich nicht so schnell eingeengt fühlen. Sie haben innerhalb der Partnerschaften dieselben Rechte wie vorher und müssen sich nicht von der Außenwelt abkapseln.

    LG
    WeißeRose

  10. #190
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.422

    AW: Soziale Kontakte - Fazit nach einem weiteren Jahr...

    Interessant wie du meine Eindruck bestädigt! Und natürlich wie du, fühle ich mich mit grosse Gruppe Wöhler wenn man nicht alles zusammen machen muss, wenn jeden ein bisschen seine eigene Rythmus folgen darf.

    Ich habe auch mit Tamilen grosse Fest erlebt, wie Hochzeit und es war echt entspannend... Zuerst sind sie nie pünktlich... Dann gibt es vorne die Zeremonie und ob du zuschaust oder nicht ist schon egal... Es gibt immer wieder Menschen die draussen Luft schnappen gehen... Kinder spielen in der raum... Dann gibt es auch zu essen (es geht ziemlich rasch, lange darauf muss man auch nicht warten) und sonst kein Spiel oder tanzen oder so... Musik im Hintergrund, die Leute sind einfach da zusammen, plaudern wenn es ihnen danach sind und wenn einer auf Klo geht oder draussen rauchem geht, stört es niemand... Ihnen scheint oft zu reichen da zu sein... Es wird auch dann viel Photo gemacht und alle die es wollen kommen dabei.

    Es dauert auch ehe lange, aber ich fand es immer angenehm ruhig, irgendwie...

    In unsere Kultur ist halt anders: Kürzer, aber alle müssen dabei sein und mitmachen...

    Ist interessant wie einiges mich so bewusst wird, wenn ich von dich lese! Dabei war auch mein Treff mit meine Brüdern letzte Freitag echt so entspannend... Nun, meine Schwägerin kommt aus Marokko und es kann sein dass sie uns zu spüren gibt, dass man einfach da sein darf ohne was zu leisten...

    lg

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