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Diskutiere im Thema ADHS als "Erbkrankheit"? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #41
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 399

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    auri schreibt:
    Dazu kommt noch, dass gerade Ad(h)sler aus allem was kurzfristig mehr Dopamin liefert blitzschnell eine Sucht machen können. Es haben sich schon Adhsler die Gelenke ruiniert und die Füße blutig gelaufen, weil aus dreimal wöchentlich Joggen in kürzester Zeit täglich stundenlanges Rennen geworden ist. (Denn dem "Runners High" also dem Dopaminrausch bei körperlicher Höchstleistung, muss man hinterherrennen...d.h. extrem schnelles Steigern der Leistung unabhängig von körperlicher Verfassung....) Ich denke mit einem Arzt der dieses Risiko kennt wäre dir - meiner Meinung nach -besser geholfen. Egal ob der dann letztendlich Medikamente oder andere Maßnahmen bei dir als beste Lösung sehen wird.
    ... also ist meine "angst vor abhängigkeit" wohl eher ein "schutzengel" .... nur wenn das stimmt was du schreibst .... warum haben die diesbezgl. "Ängste" bislang kein gehör bei den fachleuten gefunden ? ich fühlte mich dann immer nicht ernstgenommen ... und wenn ich dann heftig reagierte, hatte ich anschließend ein schlechtes gewissen.

    .... wie gut, dass ich "unbelehrbar" bin und "dickköpfig" .

  2. #42
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    jesses.... stellt euch vor... ein kind mit der disposition adhs .... und beide elternteile nicht betroffen!

    ich glaube die natur hat es schon gut eingerichtet - dass die kinder individuell sind, aber auch teile von
    uns eltern in sich tragen.... eine begleitung ins erwachsenenleben ist sicherlich angenehmer wenn man
    so auf verständnis aufbringen kann.

    (p.s. ich glaube nähmlich nicht, dass nicht betroffene mir was böses wollen - doch es ist für einige unmöglich
    mich und meine art zu denken zu verstehen)

    gruss

  3. #43
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.447

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    Hallo alle,

    Wegen anteilen kinder bei eine paar wo nur eine ADS hat, habe ich anders gehört... Naja, in meine familie: mutter stino, vater (wahrscheinlich) ADS, unten 3 kindern, 1 mit ADS (ich). Also, es kommt ehe auf 33%, wenn nur ein elternteil betroffen ist.

    Auch eine freundin von mich, selber ADSlerin, 3 kindern gehabt mit eine stino, alle stinokindern...

    Sonst denke ich auch dass wir krank werden ehe durch nicht artegerechte haltung werden. Wir haben zwar unsere einschränkungen, aber werden dann auch nicht verstanden und geglaubt... In unsere kultur gilt alles was im kopf ist eine sache von wille, nicht von neurotransmitter oder synapsen...

    Ja, ich denke auch, niemand will uns absichtlich verletzen, es passiert alles mit die besten absicht, aber viel ignoranz und unverständnis.

    lg

  4. #44
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    Witzig, mj! Weils bei mir genau umgekehrt ist. Kenne 2 Paare mit je 3 Kindern mit der Stino/ADS-Mischung und bei beiden sind je 2 Kinder betroffen... Soviel zur Aussagekraft von Statistik, wenn man zu kleine Zahlen nimmt...

    Aber wie gesagt, die 70 % habe ich irgendwo gelesen, wo das war kann ich nicht mehr sagen, weiß also auch nicht, wie seriös das berechnet war. Halte das eh für schwer zu berechnen, denn wie viele Erwachsene sind nicht diagnostiziert?

  5. #45
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 109

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    cam schreibt:
    Halte das eh für schwer zu berechnen, denn wie viele Erwachsene sind nicht diagnostiziert?
    Ich glaube, das sind unglaublich Viele.

  6. #46
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    also in meiner Familie wurde es "über kreuz" vererbt....mein papa hat es , ich habe es als gesicherte Diagnose seit ich 6 jahre alt bin und mein sohn hat die Diagnose seit Dezember 2010. Also heißt das vom vater auf die tochter, von der tochter auf den sohn, und wenn mein sohn eine tochter später mal hätte, würde die so ziemlich sicher auch adhs haben....

  7. #47
    Inventar-Nr. 847

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 525

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    Ich glaube, ich habe meine beide Kinder "beglückt", beim Sohn gesichert, bei der Tochter sehe ich vieles, was dafür spricht.

  8. #48
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.633

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    Korrekt. ADHS hat einen sehr hohen hereditären Aspekt. Von einer Erbkrankheit (genauer gesagt: von einer vererbten Anlage zur Krankheit zu sprechen) ist im Zusammenhang mit ADHS nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar notwendig.

    Der hereditäre Aspekt wird in Deutschland meist ignoriert. Die größte institutionalisierte Ignoranz in Deutschland, sozusagen das Zentrum der Vernebelung der ADHS-Grundtatsache der Erblichkeit, bildet in Deutschland das Sigmund-Freud-Institut.

    Obwohl Psychoanalytiker bereits zu Lebzeiten als Dummschwätzer enttarnt worden sind (von Leuten wie Jaspers, Allgemeine Psychopathologie (1913) (Eine sehr gute Zusammenfassung von Jaspers Kritik an der Psychoanalyse findet ihr hier: Kritik der Psychoanalyse, Husserl, Logische Untersuchungen Band 1, Widerlegung des Psychologismus (1900), Heidegger, Sein und Zeit (1927, Heidegger weist nach, dass nicht der Geschlechtstrieb oder gar der Todestrieb der stärkste Trieb im Mensch ist, sondern der (Für-)Sorge-Trieb, Bloch, Erbschaft dieser Zeit (1935), Bloch deckte aks erster den reaktionären, rückwärtsgewandten Charakter der Psychoanalyse auf (der Patient soll sich seiner Defizite bewusst werden, dann sein Denken und Verhalten ändern, um sich an die Situation, die ihm seine Defizite aufzeigte, noch besser anpassen zu können und dies auch dann, wenn sich weniger der Patient als viel mehr die Situation als defizitär erwiesen hat, in diesem Verband arbeitet die Analyse größtenteils rückwärtsgewandt, mehr in der Vergangenheit als in der Zukunft (letzteres ist ein zentrale Begriff bei Bloch, vereinfacht ausgedrückt: Ziel der Psychoanalyse ist nicht der geheilte Patient, sondern der noch besser angepaßte; reaktionär ist die Analyse deshalb, weil sie ihren Fokus auf die Vergangenheit verlegt, in der Schuldzusammenhänge aufgedeckt werden sollen und nicht auf die Gegenwart, also das, was den Patienten in der Gegenwart krank gemacht hat.) Ich interpretiere das so: hier steckt noch der alte Idealismus, der in Hegel seinen Höhepunkt fand dahinter, der herausgefunden haben will, dass das Wirkliche auch vernünftig sei. Auf die Analyse übertragen heisst das also: Der Patient, der an der Wirklichkeit scheitert, ist krank, er muss wieder "zur Vernunft" gebracht werden. Dabei wird sträflich außer Acht gelassen, dass auch eine gescheiterte Wirklichkeit krank machen kann, nicht nur eine schuldhafte Verstrickung in der Vergangenheit.), Popper, Das Wachstum der wissenschaftlichen Erkenntnis (1949), Popper entwickelte bereits Anfang der 20er Jahre den Begriff "Pseudowissenschaft", das Wort ist uns heute allen geläufig, ohne dass wir noch wissen würden, wer es geprägt hat und in welchem Zusammenhang. Popper unternahm so etwas wie eine Kritik der einflussreichsten Pseudowissenschaften seiner Zeit. Logischerweise lag hier die Psychoanalyse ganz weit vorn, kurz hinter dem Marxismus.

    (Getreu dem alten Motto: Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche, stammt die bedeutendste Psychoanalyse-Kritik von ehemaligen Analytiker, die aufgrund ihrer Intelligenz doch noch dahinter gekommen sind, dass es sich dabei um einen gefährlich Schmuh handelt, der den Patienten nicht nur nicht hilft, sondern sie mit einer Art Gehirnwäsche in noch schuldbeladenere Wesen verwandelt, als sie es ohnehin schon vor der Behandlung waren; der Vorgang der Gehirnwäsche heisst in der Analyse: Introjektion, und ist eine Vorstufe der Identifikation, die - negativ gesprochen erreicht ist, wenn sich der Patient der Wirklichkeit total unterworfen hat, - positiv gesprochen - wenn er in der Wirklichkeit wieder funktioniert, also als "geheilt" gelten kann.)

    (Man kennt solche Abstufungsleitern auch von anderen totalitären Weltanschauungen her, bspw. bei den S`tologen muss man ja auch eine ganze Reihe von Therapieprozessen durchlaufen, bis man "clear" ist, überflüssig zu erwähnen, dass der Gründer dieser Weltanschauung ein großer Freud-Verehrer war. Und vieles von Ihm in seine Theorie übernommen hat. (Als Mariginalie ist wohl zu betrachten, dass die Anhänger beider Pseudowissenschaften nicht sonderlich viel von ADHS und dessen Behandlung halten.))

    Wie dem auch sei, bedeutende Ex-Analytiker, die auf den Schmuh gekommen waren sind u.a., und als erster und frühester Kritiker ist zweifelos zu nennen C. G. Jung, Kritik der Psychoanalyse (1910). Ein weiterer bekannter Name ist Alice Miller, 21 Punkte, in "Du sollst nicht merken" (1983) (Der erste Punkt, den Miller gegen die Psychoanalyse in Stellung bringt, ist inzwischen legendär geworden und lautet: "Das Kind ist immer unschuldig.") (Für die menschenverachtende Praxis der Psychoanalyse prägte sie den Begriff der "Schwarzen Psychoanalyse" (in Anlehnung an den Begriff der "Schwarzen Pädagogik") (Damit wollte Miller zweierlei ausdrücken: 1. Dass Psychoanalyse oft mehr zerstört als heilt, genau wie manche Pädagogik, aber auch 2. Dass es durchaus auch unter den Analytikern kompetente Therapeuten gebe.))

    Erich Fromm ist ein weiterer prominenter Ex-Analytiker, der dem Schmuh Psychoanalyse auf die Spur gekommen ist: 1. Stellt er den repressiven Charakter der Analyse dar, die den Menschen weniger heilen, als viel mehr an die gesellschaftlichen Anforderungen anpassen will. Damit arbeitete die Psychoanalyse praktisch an einem Unterwerfungsprozess, also nicht an einem Befreiungsprozess, wie sie es theoretisch vorgäbe. 2. Die Grundbedürfnisse des Menschen sind nicht geschlechtlicher (libidinöser), sondern seelischer Natur. Nicht Geschlechtstrieb und Libido treiben den Menschen prinzipiell an, sondern seine Suche nach Bedeutung und Angenommensein in seinem So-Sein, erstes Ziel des Menschen ist also seine Suche nach Geborgenheit oder mit Fromm gesprochen: die Verringerung des Heimatlosigkeitsgefühls. 3. Das Sein des Menschen wird weniger von den Bindungs- und Triebkonstellationen in seiner Kindheit bestimmt, sondern vom jeweiligen Gesellschaftscharakter. Zwar spielt die Kindheit bei der Entwicklung von psychischen Erkrankungen eine Rolle. Aber auch die Erziehung der Eltern ist wesentlich bestimmt durch den jeweiligen Gesellschaftscharakter. In Fromms Augen unternimmt die Psychoanalyse jetzt den Irrwitz, einen Menschen so lange therapeutisch durch die Mangel zu drehen, bis er sich wieder in der Wirklichkeit zurechtfindet, die ihn eigentlich krank gemacht hat.

    Der Mensch entwickelt aber sehr viel mehr aufgrund von Umwelteinflüssen, als aus Einflüssen aus seiner Kindheit wie Freud behauptet, psychische Störungen. Die anthroprozentrische Denkweise der Analyse ist also hier ihr Hauptfehler. Eine Therapie ist laut Fromm nur dann möglich, wenn man versucht auf die krankmachenden Umwelteinflüsse Einfluss zu nehmen. Die Analyse ginge aber geradezu anders herum vor, indem sie versuche, den Mensch an die krankmachenden Umwelteinflüsse besser anzupassen, um dann diesen Zustand des besseren Angepasstseins oder des besseren Funktionierens als "geheilt" zu bezeichnen. Auf diese Weise funktionierte der Mensch zwar wieder, bliebe aber krank.

    Hoppla, jetzt sind wir ja wieder ganz schön abgeschweift. Also jetzt mal wieder zurück zum Kernproblem. ADHS - Heredität versus Umwelteinflüsse.

    Zu erst noch einmal kurz Fromm, der die Hauptgefahr, die von der Psychoanalyse ausgeht, darin sieht: "In praktischer Hinsicht VERNACHLÄSSIGEN SOWOHL FREUD WIE DIE MEISTEN PSYCHOANALYTIKER (prominentestes Beispiel unserer Zeit: Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber vom Sigmund Freud Institut in Frankfurt, die in schöner Regelmäßigkeit in Funk und Fernsehen, aber auch in "wissenschaftlich" angehauchten Beiträgen ihre völlige Ahnungslosigkeit bezüglich der ADHS (und deren Heredität) offenlegt. Was eigentlich nur noch Gelächter hervorrufen müsste, stößt tatsächlich in der Gesellschaft auf eine zum Großteil positive Aufnahme! - d. Zitierer*) DIE GENETISCHE VERANLAGUNG DES MENSCHEN.

    Dies gehe bis zu dem Irrsinn, dass Psychoanalytiker tatsächlich glaubten, ein neurotischer oder unglücklicher Mensch müsse Eltern haben, welche diesen negativen Zustand erzeugt haben."

    (*) So lange dies nur von obskuranten Psychologinnen behauptet würde, wäre das gar nicht so schlimm. Leider hat die Psychoanalyse bereits auch Ärzte verseucht. Als prominentestes Beispiel hierfür kann Prof. Michael Günter gelten, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uni-Klinik Tübingen.

    Mit seiner regen Vortrags- und Publikationstätigkeit hat er es mittlerweile geschafft, in einigen nicht unmaßgeblichen Kreisen als ADHS-Spezialist zu gelten. Die Verquickung von Mediziner und Psychoanalytiker ist natürlich wesentlich gefährlicher, weil Günter nun natürlich auch für Diagnose und (auch medikamentöse) Behandlung der ADHS bei Kinder und Jugendlichen verantwortlich ist. Ihm aber dazu jegliche kompetenz angeht.

    In einem an der Uni Tübingen im WS 2010/2011 gehalten Vortrag mit dem Titel ADHS (der lange Zeit auf youtube zu sehen war, nun aber verschwunden ist) brachte es Günter tatsächlich zu dieser völlig hahnebüchernen Formulierung: Mph habe bei 30 % der Kinder mit ADHS überhaupt keine Wirkung, bei 70 % der Kinder eine allenfalls "unspezifische Wirkung" auf Hyperaktivität und Aufmerksamkeit. Und - jetzt kommt`s - auf die Impulsivität, das Sozialverhalten sowie auf komorbide emotionale Störungen habe Mph ÜBERHAUPT KEINEN EFFEKT. Diese Symptome könnten allein - wen wundert`s? - mit Psychoanalyse beeinflusst werden.

    Fazit von Günter (und anderen Psychoanalytikern und/oder psychoanalytisch geprägten Medizinern): genetische Faktoren spielen beim ADHS keine so große Rolle wie bisher angenommen. Im Vorwort seines jedenfalls unter dem Gesichtspunkt des pseudowissenschaftlich verbrämten Obskurantismus äußerst lesenswerten Aufsatzes "Die ADHS - eine Denk- und Affektstörung?", der im Jahre 2009 in der Zeitschrift Kinderanalyse erschienen ist, deren - wie praktisch - Mitherausgeber der Autor ist - bringt Günter es tatsächlich schon im Vorwort zu dieser bemerkenswerten Formulierung: ADHS ist zu sehen "als AUSDRUCK EINER NORMALVERTEILUNG IN DER BEVÖLKERUNG" und könne nicht "als Folge eines genetischen Defekts" interpretiert werden.

    Das freilich ist rundweg gelogen. Weltweit führende Genetiker, darunter Prof. Maximilian Muenke, Leiter der Abteilung Human Development am Nationalen Institut für menschliche Genforschung der USA, kommt wie viele seiner Kollegen in anderen Studien auch zu dem Schluss, dass Entstehen, Auftreten und Ausprägung von ADHS ZU 80 % (!) GENETISCH BEDINGT IST und nur zu etwa 20 % Umwelteinflüssen unterliegt.

    Damit gehört ADHS zu den am deutlichsten der Vererbung unterliegenden psychiatrischen Störungen überhaupt. Es ist also genau das Gegenteil zutreffend von dem, was Günter ungestraft in die Welt hinausposaunt. Tatsächlich ist es vielmehr so, dass nur noch der Autismus und die Schizophrenie wenigstens ungefähr herankommen an den Hereditätsfaktor, dem ADHS unterworfen ist, ohne ihn freilich ganz zu erreichen.

    Und nicht nur DIESES möchte man Günter, dem ADHS-"Spezialisten" an der Uniklinik Tübingen und seinen psychoanalytischen Quacksalber-Kollegen in allen deutschen Landen hier zurufen: das Gen, das für Entstehen, Auftreten und Ausprägung von ADHS verantwortlich ist, sozusagen DAS ADHS-GEN IST EINDEUTIG IDENTIFIZIERBAR.

    Japp. Wer`s nicht glaubt, möge sich hier den Vortrag von Prof. Muenke zu Gemüte führen:



    Link zum Video



    Wie gesagt, wollte ich hier ursprünglich den Vortrag von Günter danebenstellen, damit man die wissenschaftlichen Nieveauunterschiede unmittelbar hätte vergleichen können. Aber sein Vortrag ist wie gesagt auf youtube verschwunden.

    Wenn nun bei der ADHS laut Günter und seinen Kollegen die Vererbung nur eine allenfalls minimale, man könnte sagen - wie oben beim Mph - eine "unspezifische" Rolle spielt. Wo kommt dann ADHS laut diesen Herrschaften eigentlich her?

    Das muss man sich jetzt wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Dieser Text ist angesichts all dessen, was wir heute über ADHS wissen und sagen können, fast schon tragikkomisch zu nennen.

    Also, laut Günter spielen bei Entstehen, Auftreten und Ausprägung einer ADHS folgende Faktoren die entscheidende Rolle - ich zitiere aus Günter, "Die ADHS - eine Denk- und Affektverarbeitunsstörung -:

    1. Es liegt vor "eine Störung der frühen Objektbeziehungen". (Damit mein Günter wohl unsichere Strukturen wie sie z.B. bei einer Konstellation dominante Mutter/abwesender Vater der Fall ist). Daraus resultiere eine "maniforme Abwehrreaktion, bei der Objetverlustängste und depressive Affekte nicht symbolisiert werden, sondern körpernah organisiert erscheinen." ("sich körpernah ausdrücken", also bspw. im berühmten Zappeln.)

    2. Es liegt vor "eine Triangulierungsstörung" (damit meint Günter wohl eine Störung in der Vater-Mutter-Kindbeziehung), "bei der die väterliche Position nicht stabil besetzt werden kann. Wenig halt gebende Strukturen" wechseln sich ab mit Szenen von "Erregungsexzessen" auf beiden Seiten, woraus widerum die für ADHS so typische mangelhafte Affektregulation entstünde.

    3. Es liegt vor "eine emotionale Belastung oder traumatische Erfahrung, die aktuell nicht verarbeitet werden kann." Bei diesem Punkt stelle sich allerdings sehr häufig heraus, dass zwar eine ADHS diagnostiziert worden sei, es sich aber um gar keine ADHS handele, sondern eben um eine nicht verabeitete traumatische Erfahrung, die in ihrer Folge ADHS-ähnliche Symptome produziert habe.

    4. Es liegen vor "Defizite in der Alpha-Funktion". (Gemeint ist wohl: die Mutter nimmt z.B. vom Kind nicht verstehbare Emotionen auf (so genannte "Beta-Elemente") und transformiert diese dann in für das Kind verstehbare Emotionen. Liegen hierbei Defizite vor, komme es "zu einem Teufelskreis" zwischen der dadurch ausgelösten "fehlerhaften Verarbeitung von Wahrnehmungsdaten und Affekten zu denkfähigen Inhalten" (= die bereits genannte "Alpha-Funktion") einerseits und andererseits zu "sekundären, vor allem narzisstischen geprägten Abwehrprozessen". Diese "Schwierigkeiten in Denk- und Affektverarbeitungsprozessen" sind es dann schließlich, "die in der Symptomatik" von ADHS wenn auch "unvollständig kompensiert werden". Das dabei Symptome wie Hyperaktivität, Affektlabilität oder Impulsivität entstehen, lässt sich laut Günter ja gar nicht vermeiden.)

    Kurz gesagt also: Entstehung, Auftreten und Ausprägung von ADHS haben in den meisten Fällen wenig bis gar nichts mit der Vererbbarkeit zu tun, sehr viel allerdings mit gestörten Objekbeziehungen in der Kindheit.

    Was ADHS dann in den meisten Fällen laut Günter noch zusätzlich verschlimmere oder ungünstig beeinflusse - und jetzt fantasiert der Psychoanalytiker vollends ungehemmt drauf los - seien Umwelteiflüsse wie zu großer Fernsehkonsum im Kindesalter, frühkindliche Traumatisierung, Missbrauch, Vernachlässigung, niedriger Sozialstatus der Eltern, niedriger Bildungsstand der Eltern, alleinerziehende Mütter (nur allzu logisch, denn ADHS - wird ja wie oben gesagt - durch die nicht genügend stabil besetzbare väterliche Position ausgelöst, wenn der ganz fehlt, sieht`s natürlich gleich vollends ganz zappenduster aus mit dem ADHS), eine psychische Erkrankung der Eltern, Kriminalität der Eltern, häufige "Fremdplatzierung" des Kindes bei Oma, Opa usw. sowie allgemeine Konflikte und Streitereien in der Familie.

    Da kann man eigentlich nur noch mit dem Kopfe schütteln.

    Halten wir uns also an dieser Stelle lieber an Prof. Muenke und seinen Vortrag.

  9. #49
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    @Eiselein.

    Wow... Danke!

  10. #50
    Lysander

    Gast

    AW: ADHS als "Erbkrankheit"?

    Ich bin davon überzeugt, dass es sich bei AD(H)S um eine genetische Disposition handelt. Subjektiv: aus eigener Beobachtung meiner Familie. Objektiv: Fachliteratur und allein der Umstand, dass MPH wirkt. Es erscheint mir logisch, dass die zu schnelle Wiederaufnahme von Dopamin (vereinfacht ausgedrückt) eine physische (genetische, weil der Defekt generationsübergreifend ist) Ursache haben muss.
    Trotzdem kann man die "Umwelteinflüsse" nicht ganz außer Acht lassen. Sie können den Verlauf erheblich beeinflussen, jedoch keinesfalls AD(H)S verursachen. (Ich glaube, dass ein ADSler, der in einer reizärmeren Umgebung aufwächst bzw. lebt, besser zurechtkommt als ein ADSler, der mit Reizen - z.B. in einer Stadt- bombardiert wird. Das ist aber wieder nur eine Vermutung).
    Was die Psychoanalyse angeht: Freud hat sich in erheblichen Maße widersprochen, Aussagen revidiert, ist heutzutage meiner Ansicht nach gar nicht mehr ernst zu nehmen.

    Psychologen haben "Modelle" des Menschen und seiner Psyche, die meiner Ansicht nach besser klingen, als sie es tatsächlich sind. Ihre Menschenbilder sind mir teilweise viel zu metaphysisch, zu abgehoben. Sie stochern im Nebel. Trotzdem mag ich die positiven Wirkungen einer Gesprächstherapie oder einer Verhaltenstherapie nicht völlig zurückweisen. Aber ich glaube, da geht es um Zuwendung, Einsicht und Verhaltensänderung, jedoch niemals um wirkliche Heilung.

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