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Diskutiere im Thema Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Mia.

    Gast

    Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    Hallo ihr Lieben!

    Mich würde mal interessieren, ob es unter euch jemanden gibt, bei dem ADS diagnostiziert wurde,
    obwohl er meistens sehr ruhig und eher zurückgezogen ist.

    Ich habe diese Eigenschaft bei ein paar Leuten, hier im Forum, gelesen, die wissen wollte ob sie ADSler sein könnten,
    aber ruhig ... ? - interessant


    Wäre super schön, wenn ihr mal etwas, vielleicht sogar von euch, darüber erzählen könntet.

    Liebste Grüße,
    Mia

  2. #2
    Tyrox

    Gast

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    Hallo Mia,

    ich war früher auch ein sehr aufgewecktes, unruhiges und zappeliges Kind.
    So etwa mit 15 Jahren musste ich dann aber zurückschalten, denn mein Vater lehrte in derselben Schule an der ich war. Also musste ich mich zusammenreissen, denn sonst wären alle sicher immer gleich zu ihm gerannt um zu "petzen".
    Ich zog mich zurück, unterdrückte so gut es ging meine Symptome und außerdem fing ich an, die Welt anders zu sehen. Die meisten Menschen nervten mich, sie waren langweilig und regten mich auf. Ich hatte keine Lust mich mit ihnen zu unterhalten und konnte mit sehr wenigen Leute gut reden die mich auch halbwegs verstanden.

    Symptome wie mit den Beinen zappeln und "Sesselschaukeln" in der Schule waren immer da, das konnte ich auch oft nicht unterdrücken.
    Aber mein ADHS änderte sich eben in eine ganz andere Richtung als üblich, was bestimmt durch meine persönliche Einstellung zum Leben als auch durch meine Mitmenschen so gekommen ist.

    Meine Symptome wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit und einfach "kein Bock haben" verschlechterten sich natürlich mit den Jahren, denn ich steigerte mich aufgrund meiner ungebremsten und ungefilterten Gedanke oft sehr tief in etwas hinein. Quasi habe ich mich aufgrund der unkontrollierten Gedankenströme selbst zu dem gemacht was ich heute bin.

    Seit ich Ritalin nehme, denke ich viel klarer und meine Gedanken sind geordneter. Ich kann leichter beurteilen was Unsinn ist und steigere mich nicht mehr so rein.
    Meine alten Verhaltensweisen, die ich mir über die letzten Jahre angewöhnt habe, muss ich einfach langsam versuchen zu ändern.

    Also um deine Frage kurz zu beantworten: Ja ich bin ein eher ruhiger ADSler der teilweise sehr geduldig ist. Das habe ich mir aber so "antrainiert" mich in der Gesellschaft korrekt zu verhalten.
    Bei Leuten die mich gut kennen, reagiere ich sehr leicht über und bin sofort mal auf 180, und sage oft Dinge die mir im Nachhinein sehr Leid tun. Meine Freundin hat zum Glück bisher dafür immer Verständnis gehabt, auch wo ich noch keine Diagnose hatte. Dafür bin ich ihr auch sehr dankbar...

  3. #3
    Mia.

    Gast

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    Hallo Tyrox,

    super toll ausgeführt deine Antwort, danke!


    Also spielen äußere Einwirkungen eine Rolle im "Krankheits"-verlauf ?!

    AD(H)Sler sind ja häufig sehr Empatisch, wenn dann zum Beispiel die Mama - die einem recht nahe steht und im Kindesalter auch sehr wichtig ist - oft genervt von dem rumgezappel ist, beeinflusst das dann eventuell auch die Auspregungen oder wird das wieder leicht übersehen?

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 470

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    Nennt sich dann hypoaktiv bzw. verträumter Typus.

    *aufzeig*

    Ist dann so, dass der ganze Energieüberschuss nicht (oder weniger) nach aussen, sondern (mehr) nach innen gerichtet ist.

    Beispiele die ich von mir kenne:

    - Situationen die eigentlich eine Explosion / impulsives Verhalten triggern würden tun dies zunächst nicht, doch drinnen brodelt es wie bekloppt (auch manchmal ohne dass man es selbst merkt), bis es dann irgendwann am Tag X mal überläuft und alles rausbricht.
    Ist ein wunderbarer Nährboden für Depris, mangelnden Selbstwert & so...

    - Anstatt jede Party mitzunehmen und auf einer Welle von Aktivität zu schwimmen sorgen die im Gegensatz zum Stino erhöht wahrgenommenen Reize eher dafür, dass man die Aussenreize auf ein Mindestmaß begrenzt um klarzukommen (Wohnung nicht verlassen, Sonnenbrille, Ohrenstöpsel, etc.).

    - Ich hab nen extremen Hang zum hyperfokussieren, dadurch wirke ich dann ruhig, wenn ich mich den ganzen Tag mit einer Tätigkeit in die Ecke verkrümel (& vergesse zu essen & zum Klo zu gehen & so).

    - Ganz ganz grob und plakativ am Beispiel Schuhe anziehen:

    Stino: Zieht halt die Schuhe an, denkt dabei vielleicht noch was als nächstes zu tun ist oder so (keine Ahnung, ist 'ne Vermutung )

    Hyperaktiv: Zieht die Schuhe an, putzt sich dabei die Zähne, geht im Kopf durch, welche Teile er eigentlich noch aus dem Baumakt braucht um die Zeitmaschine zu Ende zu bauen, dabei fällt ihm ein, dass er die Heizung noch reparieren wollte, nein, doch das Auto, geht nach draussen um zu schauen, an welcher Stelle der Auspuff nochmal abgerissen war und steht mit einem Schuh, Zahnbürste und ohne Schlüssel vor der Tür.

    Hypoaktiv: Bemerkt, dass die Lederkonsistenz darauf hindeutet, dass die Schuhe wirklich mal wieder eingefettet werden sollten, hat keine Ahnung, wo zur Hölle das Lederfett noch mal war, findet die Webstruktur der Schnürsenkel sowieso gerade interessanter, leider wird die überhaupt nicht durch die Kreuzschnürung richtig in Szene gesetzt. Zieht die Schnürsenkel aus den Schuhen und beginnt dem linken Schuh eine Querschnürung zu verpassen, stellt dabei fest, dass er ja den Schnürsenkel des rechten Schuhs für den linken Schuh verwendet, beginnt noch mal von vorn mit dem richtigen Schnürsenkel, ärgert sich darüber, dass er dem linken Schuh nun mehr Zeit und Pflege gewidmet hat als dem rechten. Sobald beide Schuhe fertig geschnürt sind, stellt er fest, dass diese mit der neuen Schnürung weniger bequem sind und schnürt sie wieder in Kreuzschnürung. Ist eine halbe Stunde zu spät, hat völlig den abgerissenen Auspuff vergessen und wundert sich warum das Auto so laut ist.

    ------------------
    Edith sagt: Tyrox war 1. schneller & 2. sachlicher & informativer.
    Hm.


  5. #5
    Tyrox

    Gast

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    Hallo ze_4,

    ich war weder sachlicher noch informativer, bitte werte doch nicht so über dich, ich denke beide Beiträge haben Mia's Frage beantwortet

    Mir hat dein Beitrag sehr gefallen, vor allem deine Beschreibung des Hypoaktiven hat den Nagel bei mir auf den Kopf getroffen. Besser hättest du es echt nicht beschreiben können!
    Auch die ersten beiden Aufzählungen treffen vollkommen auf mich zu, lediglich das mit dem hyperfokussieren ist bei mir nicht sonderlich ausgeprägt.

    AD(H)Sler sind ja häufig sehr Empatisch, wenn dann zum Beispiel die Mama - die einem recht nahe steht und im Kindesalter auch sehr wichtig ist - oft genervt von dem rumgezappel ist, beeinflusst das dann eventuell auch die Auspregungen oder wird das wieder leicht übersehen?
    Natürlich, dies ist aber nicht nur bei ADHSlern so. Auch normale Kinder reagieren darauf sehr stark, und wenn die Mutter immer über etwas schimpft, ändern sie ihr Verhalten und fühlen sich schlecht. Kenn ich auch von mir noch, ich war immer sehr das "Müttersöhnchen" und wollte es meiner Mutter recht machen. Aber auch das hat sich dann geändert.

    Und ja, meiner Meinung nach haben die Äußeren Faktoren sogar sehr starken Einfluss darauf, wie sich die Krankheit weiter entwickelt.
    Ist ein Kind hyperaktiv und wurde von klein auf erzogen immer viel Sport zu machen und 4x die Woche zum Fußballtraining zu gehen, dann wird sich die hyperaktive Komponente weiter entwickeln und stärker werden, da ihm von Außen gezeigt wird, es sei "gut" wie er ist, denn er hat immer soviel Energie zum Fußball spielen.
    Wird dem hyperaktiven Kind jedoch gezeigt, sein Verhalten sei unangebracht - wie in meinem Fall, wo ich mich einfach zusammenreißen musste da mein Vater an der Schule lehrte die ich besuchte - kann das Ganze sich nach innen verlagern und dieses ständige denken - welches man beginnt um das Ausleben der hyperaktiven Komponente zu verhindern - bringt einen fast um den Verstand.
    Ich dachte oft soviel dass ich teilweise Kopfschmerzen bekam. Ich fühlte mich so intensiv in andere rein, dass es mir selber schlecht ging. Als es meiner Freundin mal schlecht ging begann sie zu weinen. Und ich fühlte mich sosehr in sie hinein, dass ich selber weinen musste.

    Das alles ist nur fachsimpeln meinerseits, und es tut mir gut so darüber reflektieren zu können, wie noch nie. Ob das jetzt alles Schwachsinn ist oder nicht, weiß ich auch nicht. Ich spreche nur aus meiner Erfahrung und wie es mir ergangen ist. Ein Psychologe kann dies sicher wieder anders sehen.
    Geändert von Tyrox ( 6.11.2012 um 20:33 Uhr)

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 470

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    @ Tyrox & total OT, aber ist ja 'n ADS-Forum, daher gönn ich mir das jetzt : Natürlich nehm ich Beiträge Anderer zunächst als informativer wahr, denn sie eröffnen mir einen anderen Blick auf eine Angelegenheit. Mein eigener Beitrag verschafft mir ja keine neuen Einsichten.
    Keksdosenproblem + Impulsivität.

    (Lehrerin: "Kind, was ist in der Keksdose?"
    Kind: "Kekse."
    Lehrerin öffnet die Keksdose, es sind Stifte drin. Sie schließt die Dose.
    Lehrerin: "Käme Deine Mutter jetzt rein und ich fragte sie, was in der Keksdose sei; was würde sie antworten?"
    Kind: "Stifte.")

  7. #7
    Tyrox

    Gast

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    ze_4 schreibt:
    Beiträge Anderer zunächst als informativer wahr, denn sie eröffnen mir einen anderen Blick auf eine Angelegenheit. Mein eigener Beitrag verschafft mir ja keine neuen Einsichten.


    Richtig, genau so ist es mir eben bei Deinem Beitrag ergangen.

    Das mit der Keksdose versteh ich jetzt nicht ganz .oO

    Edith meint: Hier habe ich eine sehr schöne Beschreibung gefunden die auf mich zutrifft wie "maßgeschneidert". Ich hoffe der Link ist gestattet.
    Geändert von Tyrox ( 6.11.2012 um 20:57 Uhr)

  8. #8
    Mia.

    Gast

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    Tyrox schreibt:
    Edith meint: Hier habe ich eine sehr schöne Beschreibung gefunden die auf mich zutrifft wie "maßgeschneidert". Ich hoffe der Link ist gestattet.
    Wow, diese beschreibung spricht mir so erkennend aus der Seele, dass mich das wirklich zu Tränen rührt.

    Tyrox schreibt:

    Das mit der Keksdose versteh ich jetzt nicht ganz .oO

    Ich glaube, dass damit der andere Blick auf die Angelegenheit gemeint ist.
    Das Kind weiss ja, das da Stifte drin sind, aber es sieht die Dinge dennoch anders und teilt sie mit.

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 1.101

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    Ja die Beschreibung trifft auch bei mir in fast allen punkten zu.

    Lediglich die Sache mit den Emotionen da habe ich aber anscheinend eine schlechte Strategie entwickelt. Emotionen die in meinen Augen meine Schwäche zeigen also Wut und Trauer habe ich im Umgang mit anderen gelernt wegzuschliessen. Bzw. in extremen Situationen wo sie drohen mich zu überrollen brauche ich eine extreme körperliche Stimulanz und zwar schmerz. Nein nichts schlimmes ich balle meine Hande zu Fäusten und drücke meine Fingernägel in die handinnenfläche.
    Ich vermute dadurch kann ich meine Gedanken dann konzentrieren und mich vom eigentlichem ablenken.

    Ablenken funktioniert auch ab und an durch Musik. Paradox ist nur, dass ich wenn ich traurig bin am liebsten auch traurige Lieder höre, die mich ja eigentlich mehr in die Trauer hineinziehen.

    In Kindheit und Jugend wurden meine Schwächen, gerade Wut und Trauer leider zu oft gegen mich ausgespielt als dass ich mich noch trauen würde sie zuzulassen.

    Natürlich kann ich das nicht dauerhaft wegschliessen aber ich kann kontrolieren WANN ich es zulasse.

    Aber andererseits auch das ist für andere sicherlich ein Anzeichen von Ruhe wenn ich nicht sofort auf doch im allgemeinen gesehen schlimmen Dingen/Situationen reagiere wie man es erwarten würde.

    Ansonsten bin ich auch nach aussen immer der Ruhige Typ, wie es in mir aussieht bleibt vielen Verborgen.
    ich ziehe mich auch in mein Schneckenhaus zurück und muss mich zu bestimmten Unternehmungen regelrecht zwingen.
    Das zeigt sich auch in meinem Freudeskreis, bzw. deren größe wieder. Viele Freunde hatte ich nie, Es gab Jahre da hatte ich gar keine Freunde, mittlerweile habe ich einige alte Kontakte reaktiviert und auch eine neue Freundin gefunden, bzw. unsere Kinder sind dafür verantwortlich.

    Ich bewege mcih lieber in Gebieten in denen ich mich auskenne als etwas neues zu wagen auch wenn der Wunsch aus diesen Bahnen auszubrechen da ist.

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2

    AW: Geht das?: Mit ADS ruhig und zurückgezogen sein?

    Bei mir wurde vor 2 Wochen auch ADS diagnostiziert.
    Ich wusste vorher auch nicht, dass es die "ruhige" Form auch gibt.

    Ich war nie Hyperaktiv.
    Ich war immer still und zurück gezogen. Freunde hatte ich nie wirkliche, die waren nur da, wenn sie was brauchten.

    Als ich dann mit 14 meine Hündin bekommen habe, war und ist auch heute noch, sie mein einziger Lebensinhalt.

    Sie ist meine beste Freundin der ich alles erzählen kann.

    Der einzige Ort wo es mir immer gut ging, ich nicht an Probleme gedacht habe, war auf dem Hundeplatz.

    Ich bin nach wie vor noch sehr zurückgezogen, ich kann nichtmal über alles mit meinem Freund reden.

    Mein Hauptproblem ist aber die Arbeit. Ich will arbeiten aber wenn ich eine neue Arbeit habe bin ich einige Wochen dort und dann gehe ich, wie aus einem Zwang heraus, einfach nicht mehr hin. Ich melde mich nicht krank oder so, ich gehe einfach nicht mehr hin...ich weiß nichtmal warum und eigentlich will ich das garnicht aber das ist irgendwie wie ein Zwang.

    Meine Psychologin hat mir Ritalin verschrieben um meine Konzentration zu bündeln. Bis jetzt merke ich noch nichts davon

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