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Diskutiere im Thema Einfühlsame und Gewaltfreie Kommunikation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 1.031

    Einfühlsame und Gewaltfreie Kommunikation

    Zur Zeit nehme ich an einem 20 - wöchigen Seminar zu dem Thema "Gewaltfreie" bzw "Einfühlsame Kommunikation" teil.

    Das Seminar ist sehr interessant, und kann das Miteinander durch überlegte Kommunikation erheblich verbessern.

    Die ganzen Informationen und Beispiele finde ich so gut, das ich mich entschlossen habe, hier einzelne Auszüge wiederzugeben, damit vielleicht der ein oder andere auch davon profitieren kann!

    Ziel einers solchen Seminars (GfK), ist die Einübung einer respektvollen und aufrichtigen Kommunikation, die sich an Gefühlen und Bedürfnissen des Menschen orientiert!

    Leider wird in vielen Familien wenig kommuniziert, oder nach gut/böse, falsch/richtig, erlaubt/verbotet bewertet. Solch eine "Kommunikation" drückt sich oft auf Kosten oder zu Lasten des anderen aus.

    Meine Informationen richten sich ua nach dem Buch "Gewaltfreie Kommunikation" (Eine Sprache des Lebens) von Marshall B. Rosenberg.
    Dieser Autor hat schon viel Literatur zu diesem Thema herausgegeben.

    Gelegentlich werde ich erfundene Beispiele zur Erläuterung einbringen, und meine persönlichen (Lern-)erfahrungen niederschreiben.

    Wer jetzt schon mehr Interesse zu diesem Thema hat, kann sich die Einführungsbroschüre kostenlos downloaden, die Verbreitung und Weitergabe ist sogar ausdrücklich erwünscht!

    https://ssl-id.de/gewaltfreiforum.de/artikel/modell.php



    Warum mich dieses Thema interessiert?

    Zum einem, weil ich so Konflikte besser meistern kann, und mehr Verständnis sowohl für andere, wie auch für mich erreichen kann. Zum anderen möchte ich aufgrund meiner Impulsivität die "Zündschnur länger machen", und meine Worte besser überlegen, bevor ich sie kund tue.


    Ich hoffe, das euch die Informationen, die ich von Zeit zu Zeit hier reinstelle, auch interessieren, und ihr etwas davon mitnehmen könnt!

    Liebe grüße Sally

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: Einfühlsame und Gewaltfreie Kommunikation

    Hallo Sally,

    das Thema klingt echt interessant!

    Meine Frage dazu, du sprichst vom verlängern der Zündschnur bei Impulsivität, in wie weit nimmt das Programm Rücksicht auf ADHS-spezifische Ursachen?

    Ist es allgemein gehalten oder gibt es auch Bezugspunkte zu ADHS?

    Oftmals fehlt es ja nicht an Einfühlungsvermögen, sondern an der nötigen Impulskontrolle. Auslöser sind da manchmal "Trigger", die uns nur noch reagieren lassen. Wie wird hierauf eingegangen?

    Eine Formulierung der eigenen Wünsche als Bitte beinhaltet die Möglichkeit einer Ablehnung. Jedoch sind manche Aufforderungen nur aus Höflichkeit als Bitte formuliert. Dahinter verbirgt sich jedoch eine echte Anweisung. Da ADHSler vieles wörtlich nehmen, bergen solche Aussagen, die als Bitte formuliert, sind Potential für Missverständnisse.
    Werden hier Alternativen ausgearbeitet?

    Freu mich schon auf deine Berichte!

    Erika

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 1.031

    AW: Einfühlsame und Gewaltfreie Kommunikation

    Hallo Erika,

    Das Seminar ist nicht auf irgendeine Krankheit/Störung spezialisiert, sondern richtet sich an alle Menschen. Daher macht es auch für jemanden mit ADHS Sinn, bzw ist nützlich, um gerade nicht mehr alles negativ zu bewerten.

    Die Zündschnur länger machen bedeutet in dem Fall, kurz Inne zu halten, und sein gefühl wahrzunehmen. Gefühle weisen uns den Weg zum Bedürfnis!

    Die GfK (Gewaltfreie Kommunikation) geht davon aus, das ein Mensch, neben dem Stillen seines Bedürfnisses, uns wohlwollend zugestimmt ist. Das mein Gegenüber nur das Beste für mich und sich möchte.

    Die Frage ist halt nur, wie dieses geäußert wird, und ob es auch so bei meinem gegenüber ankommt. Wenn ich eine einfühlsame und gewaltfreie Kommunikation wähle, wird mir dies leichter fallen und die Kommunikation könnte für beide Seiten zufriedender verlaufen (z.B. bei Konflikten/Kritik usw).

    Dabei wird folgender Weg vorgeschlagen:

    1. Beobachtung (ich höre o. sehe, dass....)

    2. Gefühl (dann fühle ich mich...)

    3. Bedürfnis (weil ich das Bedürfnis nach... habe)

    4. Bitte/Wunsch (und ich bitte Dich ... zu tun oder mir zu sagen ob Du dazu bereit bist)

    Insgesamt führt dies zu mehr Verständnis auf beiden Seiten.



    Auf die "Trigger", die Impulsives Verhalten mit sich ziehen, wird in sofern eingegangen, als das wir lernen jemanden anderes (zb mit Impulsivität) einfühlsam zu begegnen (Siehe Punkt 1-4 als Frage formuliert), und auch mehr auf eigene Gefühle und Bedürfnisse zu achten. Denn wenn ich diese unterdrücke, ist der Impulskontrollverlust geradezu vorprogrammiert.

    Ich hoffe, das ich deine Fragen zufriedenstellend beantworten konnte.

    Es wird von Zeit zu Zeit noch einiges an Informationen folgen.


    Zu Deiner Frage bezüglich der Bitten. Eine Bitte gibt dem anderen die Möglichkeit "ja" oder "nein" zu antworten, ohne ihn festzuschnallen. Das kann erstmal für Klarheit sorgen.

    Sicherlich gibt es Bitten, die als klare Anweisung geäußert werden. Dies ist zum Beispiel bei der Erziehung von Kindern oft so. In dem Fall steckt dahinter aber auch wieder ein Bedürfnis. Mal ein Beispiel:

    Ein Kind tobt auf dem Sofa rum und hat Spaß. Die Mutter kommt rein und sagt sofort: "Stopp, geh bitte sofort von dem Sofa herunter".

    Das ist eine klare Ansage, die dem Kind erstmal nur eine Anweisung gibt. Das Bedürfnis der Mutter ist dabei nur "Sicherheit" für ihr Kind.

    Danach könnte die Kommunikation so weitergeführt werden:
    "Ich habe gesehen, das Du auf dem Sofa gespielt hast. Es freut mich, wenn Dir das Spaß gemacht hat, ich habe mir aber Sorgen um Dich gemacht, weil ich möchte, das Du unverletzt bleibst. Ich bitte Dich daher lieber auf dem Fußboden weiter zu spielen, wenn Du möchtest, kannst Du zum puzelbaumschlagen meine Gymnastikmatte nehmen".

    Das Beispiel ist jetzt vielleicht nicht das beste, verdeutlicht aber wie GfK aussehen kann, und warum eine Bitte manchmal auch eine Anweisung beinhaltet.

    GfK sagt, das die Menschen im Prinzip nur das Beste für sich und den anderen wollen, und ihre Bedürfnisse gestillt werden.

    LG sally

  4. #4
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 1.031

    Grundlagen

    Grundlagen gewaltfreier Kommunikation


    - Menschen sind soziale Wesen und in vielen Bedürfnissen voneinander abhängig


    - Alle Menschen möchten ihre Bedürfnisse befriedigt bekommen


    - Wir leben in guten Beziehungen, wenn wir diese Bedürfnisse durch Zusammenarbeit statt durch aggressives Verhalten erfüllen


    - Jeder Mensch hat bemerkenswerte Ressourcen, die uns erfahrbar werden, wenn wir durch Einfühlung (Empathie) mit ihnen in Kontakt kommen


    - Hinter jedem aggressiven Verhalten steckt ein Bedürfnis!


    - Jedes Bedürfnis dient dem Leben – es gibt keine „negativen“ Bedürfnisse




    Grundannahmen:


    Niemand kann dir Gefühle machen! Was andere sagen oder tun, mag Auslöser für unsere Gefühle sein, ist aber nie die Ursache! Verantwortlich für Dein Gefühl bist immer Du selbst.

    Urteile über andere sind entfremdete Äußerungen unserer eigenen, unerfüllten Bedürfnisse!
    Wenn wir unsere Bedürfnisse aussprechen, steigt die Chance, dass sie erfüllt werden.

    Ärger ist ein Sekundärgefühl, das der Vermeidung eines anderen Gefühls, z.B. Hilflosigkeit oder Ohnmacht dient. Es entsteht durch bewertendes Denken von falsch und richtig, bei dem wir die Schuld auf den Anderen projizieren.


    Geändert von Sally (19.09.2009 um 13:53 Uhr)

  5. #5
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    Forum-Beiträge: 1.031

    Die Wolfssprache

    Die Wolfssprache (nach Dr. Marshall Rosenberg)


    Rosenberg nennt unseren „normalen“ sozialen Umgangston „Wolfssprache“. Sie ist gekennzeichnet durch:


    - Analyse: „Wenn du das beachtet hättest....“


    - Kritik :„so ist das falsch, das macht man so...“


    - Interpretationen: „ du machst das, weil....“


    - Wertungen und Festlegungen: „du bist klug, faul, richtig, falsch...“


    - Strafandrohungen: „ wenn du nicht sofort, dann...“


    - Regeln und Normen


    - Sich im Recht fühlen




    Resultat der Wolfssprache ist in der Regel, dass der andere sich schlecht fühlt, sich wehrt oder ausweicht. In jedem Fall provoziert die Wolfssprache gegenseitige Aggressionen.
    Nach Rosenberg repräsentiert die Wolfssprache den eher missglückten Versuch, ein Bedürfnis auszudrücken.

  6. #6
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    Die Giraffensprache

    Die Giraffensprache




    Ist die Sprache des Herzens.
    Kennzeichen:

    - auf Gefühle achten

    - Versuch, die Bedürfnisse des anderen herauszufinden

    - Trennung von Beobachtung und Bewertung

    - Bitten statt Fordern


    - Übersetzung von Angriffen, Vorwürfen, Beleidigungen und
    Forderungen in Gefühle und Bedürfnisse





    Hier mal ein gutes beispiel, wie Wolfssprache und Giraffensprache in der Praxis aussehen könnten:




    Wolf:

    „Du warst heute schon wieder zu faul, den Müll rauszubringen (Bewertung). Ständig muss ich darauf achten, dass hier alles läuft – du kümmerst dich um nichts (Kritik). Du machst das nur, um mich zu ärgern (Interpretation). Wenn sich das in Zukunft nicht ändert, dann werde ich für dich auch nicht mehr .....“(Strafandrohung).


    Giraffe (Übersetzung):
    „Du hast den Müll nicht rausgebracht. (Objektiver Sachverhalt – Situation) Ich bin verärgert und habe das Gefühl, für alle Aufgaben im Haus allein verantwortlich zu sein. (Gefühle) Gerne möchte ich im Haushalt entlastet werden (Bedürfnisse) und wünsche mir deshalb allgemein mehr Entgegenkommen und Mitwirkung von deiner Seite
    (Wünsche)





  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 56
    Forum-Beiträge: 85

    AW: Einfühlsame und Gewaltfreie Kommunikation

    Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Lachen, weil es mir gut tut andere zu sehen, die diese Art der Kommunikation gut finden. Weinen, weil ich mir sehr viel Mühe gebe, die vier Stufen durchzugehen um dann von zwei Personen in meiner Nähe zu hören:

    "Ich, ich, ich, du redest nur von dir und was du oder dein Team willst."

    Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann, weil ich sehe, dass wir unterschiedliche Regeln befolgen. Versuche ich weiter, dort zu bleiben und zu sagen, was ich sehe, was es bei mir auslöst, wieso und was ich gern hätte, bekomme ich wieder die oben angegebene Antwort.

    Rat irgendwer? Bitteeeeee?????

    Pidge

  8. #8
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 1.031

    AW: Einfühlsame und Gewaltfreie Kommunikation

    Also ich denke Deine Kommunikation sollte sich nicht nach anderen richten, sondern ob DU sie gut findest. Oft stößt es menschen vor den Kopf, wenn sie sehen, wie einfühlsam und gewaltfrei andere kommunizieren. Es ist ja erstmal neu und ungewohnt. Vielleicht kannst Du diesen menschen ja erklären, weshalb Du so kommuniziere möchtest, und was der Inhalt von GfK ist!

    Das ganze ist immer ein Lernprozess, und ich glaube Du kannst viel bewirken damit.

    Grundsätzlich finde ich es wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu äußern, und anderen in der Kommunikation mitzuteilen. So erhalte ich viel öfters Verständnis! Du kannst in dem 4. Punkt eine Bitte äußern, und die wäre vielleicht diesen menschen zu sagen, das Du so und so.... behandelt werden möchtest usw.

    lg

  9. #9
    Sunshine

    Gast

    AW: Einfühlsame und Gewaltfreie Kommunikation

    @Pidge:

    Hallo Pidge

    da sind wir mal wieder bei dem Stichwort: Regeln! Wer hat die denn aufgestellt und vor allen Dingen was sollen sie genau bewirken?

    ich glaube das Problem in der Teamarbeit besteht zum größten Teil daran, seine Position zu festigen, d.h. wenn jemand über dir steht, der genau bemerkt hat wie klug und wie nett Du bist und wie gut dein Team mit dir klarkommt, der hat Angst, das sein Stuhl wackelt und dann zeigt er dir das auch.

    Auch geht es immer um irgendwelche Erwartungshaltungen, gerade von den Personen, die einen Rang höher sind, die erwarten dann, dass Du auch ja das machst was sie wollen.

    Ich finde es gut, das Du dich für dein Team stark machst und das machst was dein Team möchte. So können sich die Leute entfalten und fühlen sich auch wohl, weil sie dazugehören, denn nur so funktioniert ein gutes Team.

    Für mich klingt das ganz danach, als hätte da jemand ein Autoritätsproblem und möchte mit aller Macht, seinen Standpunkt klarmachen.

    Die Frage ist jetzt, ist diese Person jemand, der es auf dich abgesehen hat, und egal was Du machst oder sagst, alles niedermacht, also mit deiner Person nicht klarkommt oder einfach nur jemand, der gern Chef spielt? Oder sind es gar mehrere Personen, die mit der Art, wie du dein Team führst nicht klarkommen?


    @Sally: Danke für dieses Thema und deine Beiträge, ich hatte sowas auch mal in einem Seminar, aber irgendwie die Unterlagen verbummelt Komminikation ist echt eine spannende Sache und auch schwierig. Habe mir grad alles mal schön abgespeichert


    Liebe Grüße
    Sunshine

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 56
    Forum-Beiträge: 85

    AW: Einfühlsame und Gewaltfreie Kommunikation

    Nachtrag:

    Ich bin dabei, nach anderthalb Jahren mit diesem Stress die Situation zu verlassen.

    Mir wurde mein Team weg genommen, eine Mediation hat mir die Gewissheit gegeben, dass ich und meine Ideen okay sind.

    Ich sehe keine Möglichkeit, mit jemandem zu arbeiten, der eine Situation sieht, Schlüsse zieht und darauf hin tätig wird, ohne die Schlüsse in irgend einer Art und Weise zu überprüfen.

    Egal, ob die Schlüsse richtig sind oder nicht, finde ich es nicht in Ordnung.

    Ich habe eine Menge gelernt, die ich in Zukunft anwenden werde. Sobald ich von meinem Baum herunter komme, schreibe ich mehr.

    Alles Liebe,

    Pidge

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