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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 227

    Stress

    Wieder nicht gefunden, vielleicht auch keine ausreichende Geduld dazu.

    Wie geht ihr mit Stress um?

    Mir ist heute morgen klargeworden in einer hellsichtigen Minute, dass meine fehlende Stressresistenz vermutlich mit meiner Schwäche, Dinge zu priorisieren, zusammenhängt. Wenn ich drei Dinge tun muss, kann ich nicht sagen, was zuerst dran ist, bzw. ich kann das vermutlich schon, aber ich spüre dann doch sehr schnell eine Panik.

    Ich glaube nicht, dass das mit fehlender Gelassenheit zu tun hat.

    Vielleicht ist es die Unsicherheit, dass ich irgendetwas vergessen könnte, wenn ich es nicht gleich mache.

    Dinge zeitlich einzuschätzen, fällt mir ohne Plan sowieso sehr schwer, eine Bewerbung geschickt, nach einer Woche keine Antwort und schon verzweifelt oder genervt ...

    so oder so ähnlich.

    Mir wurde früher gesagt, die fehlende Stressresistenz hinge mit Leistungskompensation, also Perfektionismus zusammen, mag sein, dass dies mit reinspielt.

    Beispiel, ich hatte in der Schule, bis zum Studium und darüberhinaus immer Schwierigkeiten, Dinge unter Zeitdruck zu Ende zu bringen. In der Schule, im Studium, habe ich angefangen zu schreiben, tausend Ideen gehabt und auf dem Papier stand am Ende unübersichtliches Chaos oder ich bin nicht fertig geworden in der Kontrolliererei.

    Besonders auffällig war das beim Schreiben von Essays, Aufsätzen, also beim Fach Deutsch, aber auch Geschichte, Philosophie, das obwohl ich eigentlich sprachbegabt bin oder gerade deswegen?

    Die Probleme haben sich aber auch auf andere Fächer ausgedehnt, Biologie, Latein, Mathe ...

    Wie gesagt, lange habe ich geglaubt, ich kompensierte über Leistung, ich sei zu perfektionistisch und scheiterte an den eigenen Ansprüchen, aber je mehr ich mich mit ADHS auseinandersetze, umso mehr denke ich, dass dieses Verhalten ein Teil meines persönlichen ADHS-Verhaltens ist.

    Wie geht ihr mit Stress um, könnt ihr Priorisieren ?

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Stress

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es oft sehr nützlich ist, sich aus festgefahrenen Alltagsmustern herauszubewegen. Bei mir hat sich das in einer 180°-Drehung geäußert, als ich wieder angefangen habe zu studieren und mich von meiner langjährigen Beziehung getrennt habe - die für mich 7 Jahre lang die einzige wirklich Struktur in meinem Leben war. Das war natürlich knallhart. Aber seit ich alleine wohne, komme ich zumindest mit einem großen Teil meiner Alltagsaufgaben besser zurecht, weil ich sie alleine erledigen muss. Bei einem Teil klappt es immer noch nicht und insgesamt gerate ich jedes Mal wieder von vorne in dieselben stressigen Situationen. Aber sie hauen mich zumindest nicht mehr ganz so sehr von den Füßen.

    Das Stressgefühl bei finanziellen Dingen, bei der Vorbereitung auf irgendwelche Dinge oder dem selbstorganisierten Arbeiten im Studium oder auch bei ganz normalen Bewerbungen (da hatten wir beide schonmal drüber geredet ) ist allerdings immer noch sehr präsent, bringt mich häufig immer noch um den Schlaf und macht mich wirklich wahnsinnig.

    Das Problem, über Leistung zu kompensieren ist mir so bekannt wie mein täglicher Kampf (oder besser Krampf), meine Wohnung in Ordnung zu halten. Man stürzt sich in die Arbeit und wenn man nicht gerade an einer akuten seelischen Belastung zu kauen hat, klappt es meistens auch, sich damit abzulenken. Im Endeffekt musste ich aber bei jeder meiner Hausarbeiten feststellen, dass ich da häufig am Thema vorbei formuliere bzw. meine ganzen guten Ideen sich relativ zusammenhangslos aneinander hängen. Meistens muss das Ganze noch drei oder viermal komplett überarbeitet werden. Ich hatte bisher das Glück, recht entspannte Dozenten zu haben, die mir ganz gut geholfen bzw. mir mehr Zeit verschafft haben.

    Der chaotische Schreibstil und das Sammeln von Material ohne Struktur ist trotzdem sehr ausgeprägt da. Dadurch und durch dieses enorme Stressgefühl, dass dabei entsteht, gerate ich regelmäßig in depressive Zustände - mit denen ich aber ganz gut umgehen kann, da ich mir dann ein paar Minuten lang klarmache, woher sie kommen. Meistens geht es dann wieder für 20 Minuten oder ne halbe Stunde. Das hat mich letztendlich auch wieder darauf gebracht, diesen ADS-Verdacht weiter zu verfolgen.

    Was mir auch noch aufgefallen ist: in den Praktika, die ich bisher für mein Lehramtsstudium absolviert habe, wurde mir von meinen betreuenden Lehrkräften häufig gesagt, ich würde sehr oft den Eindruck machen, mich in mich zurückziehen, wenn es laut und stressig wird. Das habe ich auch ein paar Mal bemerkt. Ich bin dann nicht mehr zugänglich für die Kids, wenn sie etwas von mir wollen. Und ich empfand das wirklich ganz deutlich als totale Reizüberflutung. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass sich das mit Therapie und Medikation bald ändern wird.

    Ich glaube, dass (wir) ADSler das wohl nie ganz werden abstellen können. Aber wenn man sich der Tatsache bewusst ist, dass man eben einfach anders auf solche Herausforderungen reagiert, kann man sich zumindest selbst besser bremsen und sich Methoden bereitlegen, die Auswirkungen auf die Umwelt zufriedenstellend für sich zu kompensieren.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Stress

    xyberlin schreibt:
    Wie gesagt, lange habe ich geglaubt, ich kompensierte über Leistung, ich sei zu perfektionistisch und scheiterte an den eigenen Ansprüchen, aber je mehr ich mich mit ADHS auseinandersetze, umso mehr denke ich, dass dieses Verhalten ein Teil meines persönlichen ADHS-Verhaltens ist.

    Wie geht ihr mit Stress um, könnt ihr Priorisieren ?
    Darin finde ich mich wieder. Mangels Adhs-Diagnose und Wissen dass das mein ständiges 'Versagen' auslösen könnte, habe ich einen fiesen Perfektionismus entwickelt. Der mir übrigens nicht selbst aufgefallen ist, denn ich hab ja trotzdem ständig 'versagt' war als in meinen Augen das Gegenteil von perfekt.

    Eigene Ansprüche können viel Stress auslösen und dazu kommt ja meist auch noch die sehr destruktive eigene Reaktion auf alles was trotz größtmöglichem Einsatz dann eben nicht klappt. Selbstkritik über - vermeintliches - Versagen hat extrem viel Stresswirkung, die man oft auch mit Entspannungstechniken o.ä. nicht oder nur kurzfristig wegbekommt.

    Mein Umgang damit momentan:

    - Adhs-Symptome verstehen lernen und dadurch mein 'Versagen' als Teil einer Störung erkennen, nicht mehr ausschließlich als 'von mir verschuldet'

    - Ansprüche gezielt ändern, also statt 'was wäre für Nicht-Adhsler normal' nun 'was ist mir besonders wichtig, was ist für mich normal'

    - Entspannungstechniken

    - MPH um Symptome abzumildern, Stress durch 'lebenserschwerende' Symptome ist dadurch bei mir stark gefallen

    - nach langfristigen Umstrukturierungen gucken, z.b. inwieweit wäre Therapie, anderer Alltagsablauf, zu mir passende Organisations-Tricks möglich/nützlich/für mich wirklich einhaltbar (auch im Hinblick auf mögliches Absetzen von Medis wenn die Umstellung die Symptome dann in Zukunft ebenfalls gut ausgleichen könnte)

    - 'Jetzt sofort'-Trick, wenn ich merke das mein Stresslevel steigt, schnappe ich mir spontan eine Sache vom 'zu erledigen'-Haufen und mache sie sofort, ohne zögern und ohne langes Überlegen ob es die Wichtigste Sache ist oder ob ich da wirklich Lust zu habe oder ähnliche Denkfallen die mich in die Aufschieberitis treiben können

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: Stress

    ich hab das auch mit dem priorisieren.
    seit einer weile, mit meinem umzug ist meine zettelsammlung verschwunden und ich habe noch keine neue anlegen können, habe also seit einigen wochen echt not am mann mit zetteln. schreibe kaum noch welche. mein tag ist weitgehend unstrukturiert, oft nehme ich mir eine sache vor, ein paar versuche ich so.
    ich hab gemerkt, dass ich besser konzentriert bin, daher versuche ich viel aus dem kopf zu erledigen.
    einfach so in sich parat haben und dann machen, ohne groß auf nen zettel zu machen, ist aber leider doch so, dass ich an einigen ecken und enden den überblick verlere.

    wichtig sind zb meine arbeiten, seit icvh den haushalt und soiwas habe, dauert alles viel länger und ich komm damit nicht hinterhe, hab nicht die erfolgserlebnisse, die ich gerne hätte und mehr druck. oft lasse ich mich auch ablenken, das werd ich aber in zukunft mal unterbinden.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 193

    AW: Stress

    Ich beschäftige mich auch gerade mit dem Thema... werde mal in Foren zu Burnout gucken diese Woche...

    worauf ich bisher gekommen bin, weil es mir die wichtigsten Faktoren zu sein scheinen bei mir selbst:

    - mehr mit Freunden machen die genauso sind wie ich bzw. mehr davon suchen/finden -> ich fühle mich dann VIEL glücklicher... gibt mir total positive Energie für die nächsten Tage. Problem: Man muss erst mal wissen wie man ist bzw. was man deswegen sucht. Weiß ich inzwischen halbwegs, habe ich aber erst in den letzten 2-3 Jahren herausgefunden.

    - Hobbys suchen für die "Pufferzeit" abends, mit denen man seine Aufmerksamkeit auslasten und runterkommen kann bis man schläft (damit man nicht grübelt oä), die einen aber nicht "raufstressen" weil sie hektisch und schnell sind. Bei mir heißt das: Computerspiele NEIN (denn machen zwar Spaß, sind aber im Grunde so wie Arbeit), Serienfolgen und Filme eher nicht (entweder langweilige ich mich, oder es ist so interessant dass ich wieder "hochfahre"), besser scheint mir Lesen zu sein (aber keine Zeitung - da werde ich wieder hektisch - sondern Bücher die so dahinplätschern und bei denen primär die Vorstellungskraft benutzt wird. Dh zB keine Sachbücher, sondern Fantasy)

    - ein gewisses Auslastungsniveau jeden Tag halten. (Dh nicht zu hause sitzen. Sonst fängt man an zu grübeln, gerät auch in eine "grey area" zwischen Aufgaben zu hause und der Entspannung)

    - nicht zu viel schlafen (klingt strange, ist aber bei mir so)

    - sich Ängsten/Sorgen ab und zu stellen -> nicht zu viel (so dass man nur noch grübelt), aber so viel dass man nicht immer mehr verdrängt und dann irgendwann gar nicht mehr weiß warum man eigentlich so schlecht gelaunt ist ständig

  6. #6
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.453

    AW: Stress

    Hallo xyberlin,

    Also, problemen die du beschreibst (prioritäten setzen) kenne ich sehr gut! Es gehört zu ADS und kann kompensiert werden. Am arbeit, frage ich, wenn möglich eine stinos was er meint, was wichtiger ist... Sie können es so viel besser und hatte damit nie problemen!

    Zu hause setzte ich prioritäten nach meine grundbedürfnissen: Essen, schlafen, saubere klamotten, gesund bleiben... Also, wenn ich müde bin, ruhe ich aus. Wenn ich wenig zeit habe, geht einkaufen, kochen, wäsche machen als erste und putzen kann warten.
    Dann kommen terminen, da meine ich auch an arbeit gehen, rechnungen pünktlich bezahlen. Ordnung und putzen kann warten... Ausser, ich fühle mich in mein saustall nicht mehr wohl.

    Dann sind auch meine eigene zielen wichtiger als denen andere menschen...

    Wegen ordnung: Es sind gegenständen die sehr wichtig sind immer wieder zu finden: schlüsseln, geldbeutel, handy undhaben bei mich eine feste platz. Andere sachen sind nicht wichtig und dürfen irgendwo herumliegen (zeitschriften).

    Ich denke, wir ADSler setzen auch prioritäten und können es auch gut, aber es sind andere als bei stinos... Bei der arbeit übersehe ich jede spinnennetz und denke lange nicht dran sie wegzuputzen, aber eine kranke tier merke ich sofort oder auch wenn es ein mensch nicht gut geht.

    Seit ich mich erlaube meine eigene prioritäten zu haben, geht es mich besser... Wenn ich hunger habe, finde ich schon der weg zu kühlschrank...

    Wegen stress: Ich kann nicht mehr hören dass man sich sein stress selber macht! ADS zu haben ohne zu wissen kann sehr viel stress machen. Zuerst weil vieles uns mehr energie kostet, aber auch weil wir nicht verstehen was los ist und andere uns auch nicht verstehen und daher auch urteilen.

    Ich habe viel viel weniger stress im leben seit ich meine art zu ticken annehme. Ich musste nicht nur verstehen, und kompensieren, aber auch akkzeptieren dass ich nun anders bin und wirklich eine andere lebenweise brauche als nichtbetroffenen.

    Kompensation kosten auch zeit und energie, aber bei mich hat sich solche nur gewährt die mich auch spass machen.

    Vieles mache ich wirklich auf meine art, so lange dass es klappt... Systematisch aufräumen ist nicht mein ding, aber einfach spontan ein gegenstand nehmen die ich weiss wo versorgen, dann versorgen und am ort etwas anders sehen und an seine platz bringen und so weiter klappt recht gut! Ich nehme immer was gross ist und einfach ist am anfang und sehe sofort eine unterschied (=sofortige belohnung).

    Sachen zeitlich einschätzen kann ich auch nicht! Da geht mit kompensieren: Sachen die ich oft mache, messe ich die zeit mit ein uhr oder eine wecker. So hatte ich viele tramlinien vor lange zeit gemessen und kann daher ein weg durch die stadt recht gut einschätzen. Am arbeit, wenn ich wissen muss ob die zeit reicht und nicht einschätzen kann, frage ich jemand anders... Sonst was ich mache, tue ich auch schauen (auf die uhr) wieviel zeit es nimmt, damit ich nächste mal weiss.

    So weiss ich dass ich meine wohnung innerhalb etwa 45 minuten sauber kriege und die gleiche zeit brauche um mich etwas zu kochen.

    Wo ich auch mühe habe (mädelthema) ist zu wissen wo ich stehe mit meine monatcyclus, ausser ich schreibe es auf im agenda.

    In der schule und ausbildung hatte ich nicht so grosse problemen mit prioritäten, irgendwie... Aber hatte keine studium gemacht und pflichtschule so wie andere schulen waren genug strukturiert dass ich mich nicht verliere. Es kann auch sein dass meine eltern mich unterstützt hatten (ich errine mich es nicht, aber sie waren echt engagiert). Oder hatten die lehrer in die 80' jahren noch die schüler mehr gelenkt als heute oder vor 10 jahren und weniger verlangt dass man früh selber planen muss? Ich kann es nicht so sagen. Ich errine mich nur dass ich als kind genug struktur in der schule bekommen hatte.

    Sonst ist vielleicht die möglichkeit jemand zu finden der dich dabei hilft.

    lg

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