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Diskutiere im Thema Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 328

    Frage Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen

    Hallo,

    ich hab mir heut nacht so meine Gedanken darüber gemacht, was eigentlich (aus meiner Sicht) die unmittelbaren Ursachen dafür sind, dass ich (bestimmte) Dinge so gern auf die lange Bank schiebe...

    Herausgekommen ist:

    - Häufig setze ich mir selbst Bedingungen dafür, eine bestimmte Sache zu tun.

    Beispielsweise (nur fiktiv): Ich muss unbedingt einen Brief abschicken. Auf dem Weg zum Briefkasten ist der Laden, wo ich nochwas einkaufen muss, weil ich was für meine Freundin backen will. Also muss ich, bevor ich endlich loskann um den Brief abzuschicken, vorher noch Rezepte raussuchen, kann mich aber nicht entscheiden... Zu guter Letzt hab ich weder den Brief abgeschickt (oder bin dann in einer Nachtaktion vielleicht doch noch schnell zum Breifkasten getigert, nur damit der wenigstens abgeschickt war) noch die Zutaten für den Kuchen rausgesucht, und muss bis zum nächsten Tag warten, dass der Laden wieder aufmacht.

    Der Idealfall wäre natürlich (wie das immer so schön in diesen Manager-Handbüchern steht), das "Wichtigste+Dringendste" zuerst zu erledigen
    Aber in meinem Kopf sind diese Verknüpfungen von Aktivitäten irgendwie so unumstößliche Grundsätze, dass ich gar nicht erst auf die Idee komm, dass man da auch einzelne Schritte draus machen könnte...



    - Manchmal steckt auch emotionale Unsicherheit dahinter.

    Ich weiß z.B. nicht, wie eine bestimmte Person auf mich reagieren wird und schieb das Sie-Anschreiben aus Angst vor Zurückweisung vor mir her... (versteht mich nicht falsch, es geht nicht um Verliebtsein oder so. Einfach um alltägliche Dinge wie in offiziellen Schreiben den richtigen Tonfall zu treffen...) Dann warte ich entweder ab, bevor ich mich überhaupt dransetz, in der Hoffnung, es käme bald eine Hyperfokusphase, wo mir alles viel leichter von der Hand ginge; oder aber ich setz mich doch dran und verzweifle an meinen fünftausend Umformulierungen. Letztendlich ist es mir dann zu peinlich, den Brief abzuschicken.

    - Und vielleicht ist der wahre Hintergrund für alles ein dahintersteckender Perfektionismus...?

    Wenn ich z.B. jemanden ansprechen oder ihm antworten will, und auch das Gefühl habe, es sei wichtig, dies sofort zu tun (z.B. weil diese Person dringend meine Antwort braucht), dann schieb ich es trotzdem vor mir her, wenn ich im Moment nicht alle Informationen in meinem Kopf parat habe, die ich dieser Person gegenüber erwähnen wollte. Echt tödlich. Wie wenns kein zweites Mal gäbe


    Kennt ihr das, habt ihr ähnliche/andere Motive, und wie geht ihr damit um??

    Ich persönlich erreiche den Punkt, an dem ich "Sch... drauf! Ich mach das jetzt trotzdem, egal wie und mit welchem Ergebnis..." sagen kann, nur, wenn ich äußerst entspannt oder in Hochstimmung bin...
    Aber die Angst vor dem Resultat meiner Taten stresst mich ungemein...

    Wie gehts euch??
    LG, isteddu
    Geändert von isteddu (28.09.2012 um 08:41 Uhr) Grund: (im Nachhinein ist mir doch wieder eingefallen, was ich noch schreiben wollte ;) )

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 314

    AW: Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen

    Mir geht es genauso, die liebe Aufschieberitis verfolgt mich seit der Kindheit schon und Bspl. früher jedes Schuljahr, Semesteranfang nehme ich mir vor, regelmäßig zu den Vorlesungen zu gehen, Skripte ordentlich zu führen und Notizen in den jeweiligen ordner zu heften mit datum bitte, und dann? Joah ist das semester um, ich habe kein bisl gelernt, war unregelmäßig in den Vorlesungen und wenn, dann auch nicht immer mental da, und die prüfung steht vor der türe, halloooo aufwachen.... seit 23 Jahren mache ich das von der Schule bis Uni.... ich habe noch kein Patentrezept, welches längerfristig anweilt gefunden.


    Aber auch mit dem Beispiel deines Briefes, kenne ich nur allzugut oder auch Dinge des Haushaltes, ich möchte seit 3,5 Jahren meine Küche streichen, nööö bis jetzt noch nicht geschafft* und Hilfe holen geht nicht, die würden mich wahnsinnig machen.
    Auch wenn ich etwas mitteilen möchte, ich muss mich sofort äußern sonst vergesse ich es oder verliere den Faden, früher war das nicht so, da habe ich immer geschwiegen und allen Druck in mich hingefuttert, welches dann zu disfunktionalem Verhalten führte.....

    Listen erstellen? auch das versuche ich täglich.... und bin schon stolz wenn ich ankreuzen kann: saugen, für 10 min ein Rätsel lösen etc.
    Irgendwie klappt das nicht, Listen und pläne sind zum Brechen da, sozusagen :? täglich erstelle ich Listen, to-do-lists und dann noch nicht einmal mehr sehr lange.
    Nur Tätigkeiten die mir gewohnt sind, schaffe ich, eben weil es verinnerlicht ist, aber alles andere.... Horror... ja morgen ist auch noch ein Tag.

    Aber vielleicht solltest Du es mal mit Listen und Oarschtritten versuchen? Ich muss mir auch immer in meinen Allerwertesten treten, vorallem was Postgänge angehen.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen

    auch mir geht es genauso, aber die überflügelte momenten sind seeeehr rar, und mich selbst in den arsch treten bringt nur noch mehr depressionen, im moment ist es ziemlich schlimm.

  4. #4
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 968

    AW: Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen

    Das kenne ich nur zu gut. Sehr hilfreich für die tieferen Hintergründe fand ich im Buch "Schluss mit dem ewigen Aufschieben" von Hans-Werner Rückert gut beschreiben. Nur zu seine Anmerkung zu ADS fand ich nicht so gut (dass es dabei um stärker gestörte Leute handelt, die dieses Buch nicht helfen wird.. aber ich habe den starken Verdacht, dass die Leute, die er beschreibt, trotzdem ADSler mit zumindestens leichter Ausprägung sind ). Er schlägt dann auch noch Gegenmaßnahmen vor, aber es weniger ein Praxisbuch. Interessant fand ich noch, dass er zum Schluß noch darauf eingeht, was ist, wenn seine Gegenmaßnahmen nicht funktionieren.


    Es gibt nun unterschiedliche Gründe weshalb ich auffschiebe, ich würde diese unterteilten in Aufschieben durch (psychologische) Altlasten und ADS begründete.


    Aufschieben durch ADS bedingte Gründe
    Darunter fallen für mich dann eben solche Verplanungen durch falsche Zeiteinschätzungen, Hängenbleiben an interessanten Sachen, Ablenkung. Dabei sehe ich den Unterschied zu den psychologische Altlasten , dass diese sich oft mit der passende Strategie/Verhaltensänderung problemlos umgehen/beheben lassen, während bei den Altlasten
    eine einfach Verhaltensänderung nicht mehr funktioniert.

    Meine Haupstrategie ist da Planung per Stift und Papier - am besten einmal morgens und einmal abends. Oder wenn ich merke, ich fange an, aufzuschieben, die aktuelle Aufgabe nochmal in kleineren Schritten aufteilen. Zum Beispiel Abwasch habe ich in die Aufgaben Abwasch vorbereiten (Küche aufräumen, dreckiges Geschirr zusammen, Spüle freiräumen), reiner Abwasch und Wegstellen unterteilt, weil diese Teilaufgaben immer wieder Punkte dastellen, wo ich mittendrin aufhöre z.B. das sauber Geschirr steht dann manchmal noch tagelang herum.

    Auch kann ich das Problem mit der fehlende Zeiteinschätzung gut umgehen, in dem die Sache, dessen Zeitdauer ist berechnen will und ganz kleine Teilaufgaben zerlege und die Zeitdauer dafür berechne und dann am Ende alles wieder zusammen rechne.

    Also kurzum gegen die ADStypischen Aufschiebeverhalten hilft mir am besten das bewußt machen, was zu tun ist, was ich gerne machen würde und was ich unbedingt machen muss.



    Aufschieben durch (psychologische) Altlasten
    Also ich spreche ich immer davon, dass meine Antriebslosigkeit mein Hauptproblem sei. Dahinter steckt dann ein großerer Stapel von negativen Gedanken/Grübeleien, die mir schnell jegliche Lust verderben und mich Kraft und gute Laune kosten.. So mache ich anfreien Tagen oft überhaupt nichts - nicht den Haushalt, nicht sonstige Aufgaben, aber auch keine Freizeit oder Entspannung als Spaß/Ausgleich/Erholung. Denn ich mache nur scheinbar nichts, ich Wahrheit kämpfe ich den ganzen gegen meiner Unlust an.. ..

    Und kann man mich dann auch nie über irgendwelche Erfolge freuen, weil ich dann nur die Sachen sehe, die ich nicht geschafft habe z.B. das ich zwar die aller wichigsten ToDos geschafft habe, aber das sie eigentlich alle hätten in einer Stunde erledigt sein können, nur dass ich mit mühsamen Überwinden den ganzen Tag brauchte. Und alles andere, was nicht so wichtig war oder sich noch rausschieben läßt, habe ich nicht gemacht.

    Um diese Aufschieberirtis zu überwinden, muss ich mir anschauen, welche Gedanken genau meine Unlust auslösen.. denn der erste offensichtliche Grunde ist oft nicht der wahre... so kann es sein, dass ich hauptsächlich deshalb keine Lust auf ein Treffen haben, weil ich dafür nachts alleine nach Hause fahren müßte... (nun, ich habe noch eine Stapel Ängste, die mich zusätzlich blockieren.. aber diese Aufschiebeverhalten ist auf jeden Fall auch unabhängig von ihnen vorhanden).

    Ich sage dazu immer Unlust, aber in Wahrheit ist diese Unluste ein Gemisch aus negativen Gedanken. Wenn ich diese auffriemmeln kann und mir die einzelnen negativen Gedanken bewußt, dann kann ich sie oft neutralisieren und die Unlust verschwindet dann. Denn oft sind es auf einfach übertriebene lächerelich Gründe z.B. schiebe auf, zu der Geburtstagsfeier eines Freundes zu fahren, weil ich mich über irgendwas bei ihm ärgere. Aber dieser Grund würde bei der Situation Geburtstagsfeier überhaupt nicht auftreten - also ich denke an etwas negatives und verderbe mir den Spaß an etwas reinem positiven...

    Also diese diffuse Unlust tritt oft dann bei Sachen auf, wo irgendwelche Ängste beteilligt sind. Und wenn ich an einem Tag 10 Sachen möchte und nur die letzte ist mit irgendwelchen Ängste/Befürchtungen verbunden, dann geht die Aufschieberei schon oft mit der ersten Sachen los.. auch wenn ich mit der eigentlich überhaupt keien Probleme habe.. ja viel mir schon das Aufstehen wird sehr schwer... (sofern es mir möglich ist, mache ich es dann so, dass ich mir solche Aufschiebe -Aufgaben dann immer nur als einzige für einen Tag vornehme).

    Diese Gemisch aus negativen Gedanken betrachte ich gerne als innere Stimmen wie inneres Kind, Kritiker etc. Das finde ich, ist eine nette Methode, um hinter den wahren Grund eines Gedankens zu kommen und zu bestimmen, wie ich damit umgehen soll. Also wenn etwas vom Kind kommt, dann ist es etwas anderes, als wenn es vom Kritiker kommt. Also z.B. stelle ich fest, dass das innere Kind für Gefühle steht, die ich habe, aber nicht bereit bin, mir einzugestehen. Zum Beispiel einfach Unlust auf eine Sache zu haben, die wichtig ist und für die mich eigentlich schon interessiere z.B. für mein Studium einen Fachtext lesen. Sobald ich den unbedingt lesen muss, kann ich auf einmal auch an Texte die Lust verlieren, die mich eigentlich sehr interessieren... und das ist z.B. eine Unlust, die ich nicht bereit bin, mir einzugestehen. Während der innere Kritiker dann eher irgendwelche negativen Glaubesätze mir vorhält, die ich im Laufe meines Lebens immer wieder zu hören bekam wie z.b. man muss fleissig, pünktlich sein, als Mädchen/Frau hat man dies und das zu machen usw..




    (hehe.. und dieser Beitrag stellt natürlich auch schon wieder ein Aufschiebeverhalten da.. ausgelöst dadurch, dass ich eigentlich morgens nicht mehr in die Foren reindrüfte, weil ich das Schreiben und lesen zu lange dauert.. und ich abens, wenn ich dann Zeit hätte zu müde bin und ich aber auch einfach nicht darauf verzichten kann, in Foren zu sein ... Nunja, auch wenn mir die theoretischen Gründe immer klarer werdne, habe ich das Aufschiebeverhalten noch nicht im Griff.. aber zumindestens bekomme ich das bei wichtigen Sachen hin.. nur gibt es soviele Sachen, die nicht unbedingt wichtig sind, aber trotzdem zu einer Verbesserung der Lebensqualittät führen würde und die ich ewig vor mir herschiebe...

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 100
    Mir geht es genauso. Wenn ich eine unangenehme Antwort erwarten kann, igel ich mich am liebsten ein.

    An meiner Uni wird viel über E-Mail kommuniziert. Manchmal schaffe ich es alles gut und schnell zu beantworten, aber es bleiben immer wieder einzelne fragen unbeantwortet, grade wenn es Planungen in ferner Zukunft (alles über 3 Wochen) geht.

    Aufschieben tue ich quasi alles was entweder unangenehm anstrengend ist oder sich nicht gut in meinen Tagesablauf integrieren lässt.

    Muss ich zum Beispiel am Nachmittag arbeiten, schiebe ich meine Hausarbeit vor mir Hertz, weil es sich nicht lohnt von 8-12 zu schreiben und dann arbeiten zu gehen.



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  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 260

    AW: Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen

    Kenn ich auch alles gut.

    Viel is bei mir auch Angst vor einer falschen Entscheidung. Bei nicht objektiv bewertbaren Alternativen. Optionsparalyse hat das mal hier einer genannt, fand ich sehr passend.
    Das is grad ganz krass bei den Bewerbungen (sind die gut genug? will ich da hin? brauch ich nich ersma ne Therapie um nich nach zwei Wochen rausgeschmissen zu werden? würd ich nich nen Ausbildungsplatz annehmen, den ich eigentlich nicht wollte, weil er der erste ist, der mir angeboten wird?)

    Aber auch bei meinen Interessen. Es gibt zu viele Möglichkeiten. 3D-Kram, programmieren. Ich mach das viel zu selten, obwohl ich eigentlich gern würde. Irgendwie lähmt mich, dass ich schon wenn ich mir eins aussuchen könnte, nich genug Lebenszeit hab, um gut zu werden.
    Ich hab da halt nich schon mit 12 angefangen. Und wenn ich was anfang, wird der Kram natürlich auch nicht fertig.
    Mir fehlt dieses kindliche spielerische Lernen. Spaß am Ausprobieren. Letzten Endes brauch ich doch n richtiges Ziel.

    Nähen. Ich könnte mir so cooles Zeuch nähen, wenn ich nich wüsste, dass der Weg dahin gepflastert is mit schiefen Zuschnitten, krummen Nähten und ruiniertem Stoff. Da is mir immer jeder Stoff zu schade.
    Und der Weg is vielleicht nie vorbei.

    Oder beim Kochen. In sehr schlechten Phasen gibt es Tage, da hab ich den Drang was Besonderes zu machen, aber nichts haut mich genug vom Hocker und dann mach ich nichts. Ist völlig bescheuert. Manchmal ess ich sogar nichts, obwohl ich Hunger hab. Das is noch bescheuerter.

    Ich bin so voller Wille, aber Zeit und Energie reichen nur, um einen Bruchteil umzusetzen. Is doch deprimierend, wer soll das denn verteilen? Na gut, wenn ich das Wichtige zuerst machen könnte, würd ich jetzt Bewerbungen abschicken, mit der Fernuni Hagen und der Krankenkasse telefonieren..... brrrr ... telefonieren... und die Küche aufräumen.
    Warum ich hier rumhäng, Rezepte google und Serien guck, obwohl ichs besser weiss? Tja. Es steckt wahnsinnig tief drin.

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 328

    AW: Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen

    Wow, erstmal vielen Dank an alle, dass ihr euch hier so rege beteiligt und wir gemeinsam dem Geheimnis auf die Spur kommen!

    Rina Oka schreibt:

    Es gibt nun unterschiedliche Gründe weshalb ich auffschiebe, ich würde diese unterteilten in Aufschieben durch (psychologische) Altlasten und ADS begründete.


    Rina Oka, Deine Aufteilung in ADS-bedingte Gründe und psychologische Altlasten finde ich sehr hilfreich!
    Dadurch wird mir klar, dass außer in depressiven Phasen mein Verhalten wirklich ausschließlich ADS-bedingt ist, und das ist ein SEHR gutes Gefühl!
    An guten Tagen muss ich nämlich nicht gegen Unlust kämpfen (übrigens hast Du das klasse beschrieben! Es ist wirklich kein Nichts-Tun, wie das von außen häufig interpretiert wird, sondern wirklich ein Kampf gegen sich selbst), sondern nur gegen meine Organisation.
    Andererseits habe ich auch für mich persönlich den Eindruck, dass meine "Altlasten" eher durch meinen eigenen Umgang mit ADS verursachte "Neulasten" sind...
    Damit meine ich, dass depressive Phasen bei mir vor allem dadurch ausgelöst werden, dass ich wegen meines ADS-Verhaltens irgendwo "angeeckt" bin oder ich an mir selber verzweifelt bin, weil ich mein ADS nicht in den Griff kriege...

    Soweit, so gut. Also heißt der Hauptschlüssel zur Lösung: "das ADS in den Griff kriegen"
    Dazu habt ihr ja auch gleich interessante Gedanken mitgeliefert:

    hitori schreibt:
    Listen erstellen? auch das versuche ich täglich.... und bin schon stolz wenn ich ankreuzen kann: saugen, für 10 min ein Rätsel lösen etc.
    Das is ja mal ne tolle Idee, die "Belohnungen" quasi gleich in die To-Do-Listen mitzuintegrieren!! Danke für die Anregung

    hitori schreibt:
    Aber vielleicht solltest Du es mal mit Listen und Oarschtritten versuchen? Ich muss mir auch immer in meinen Allerwertesten treten, vorallem was Postgänge angehen.
    Mit Arschtritten meinst Du also, Du Dir selber?

    Exxio schreibt:
    auch mir geht es genauso, aber die überflügelte momenten sind seeeehr rar, und mich selbst in den arsch treten bringt nur noch mehr depressionen, im moment ist es ziemlich schlimm.
    Also mit Arschtritten erreiche ich eigentlich auch nichts, ich bin ja nicht faul, sondern hab nur keinen Plan, wie ichs angehen kann
    Wenn ich mich a) selber in den Arsch tret, bekomm ich genau wie Exxio nur noch ein schlechteres Gewissen, weil ich deswegen ja trotzdem immer noch nicht weiß, WIE.
    (@ an alle, die Medikamente nehmen: Ändert sich das durch Medikamente??? Hat man davon mehr Plan???)
    Wenn ich b) mir freundlich gesinnte Menschen um regelmäßige Arschtritte bitte, kann es passieren, dass ich darauf nur gereizt reagiere, weil ich mich IMMER NOCH hilf- und planlos fühle. Es sei denn, die Arschtritte wären gepaart mit wirklicher Anteilnahme und konstruktiven Anregungen


    LabsKaus schreibt:
    Aufschieben tue ich quasi alles was entweder unangenehm anstrengend ist oder sich nicht gut in meinen Tagesablauf integrieren lässt.
    Muss ich zum Beispiel am Nachmittag arbeiten, schiebe ich meine Hausarbeit vor mir Hertz, weil es sich nicht lohnt von 8-12 zu schreiben und dann arbeiten zu gehen.
    Oh ja, das kenn ich. Für die vier Stunden, die meine Kleine im Kindergarten ist (minus die Stunde, die ich brauche, um sie hinzubringen und wieder abzuholen), hat es sich einfach nicht rentiert, mich zuhause in Ruhe ans Schreiben meiner Bachelorarbeit zu setzen. War jedesmal ne enorme Überwindung, weil wenn ich dann schon so schön im Denkfluss war, jedesmal wieder abbrechen musste, was mich total frustriert hat

    Die einzige Lösung war dann, mir mehr Zeit zu verschaffen. Alles andere liegenzulassen, mich um ne Betreuung für meine Tochter zu kümmern und mich AUSSCHLIESSLICH ans Schreiben zu setzen... Das ist aber wohl das, was früher in der Schule üblicherweise als "Saisonarbeiter" bezeichnet wurde - eine Projektarbeit nach der anderen und bloß nix andres zwischenrein...
    Ob sich das jemals ändern wird? Oder ob man das als ADS'ler einfach akzeptieren muss..?
    (Oh je, schon wieder so ein Widerspruch in sich: Eins-nach-dem-Anderen-Machen vs. Alles-auf-Einmal-Machen-Müssen)

    Okay, bin auf weitere Meinungen und Erfahrungen gespannt!
    Lg, isteddu

    Bin übrigens ganz stolz auf mich, dass ich endlich ohne weitere Schwierigkeiten herausgefunden hab, wie man mehrere Beiträge auf einmal zitiert!

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 328

    AW: Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen

    Oh DithRDreamer,

    Du sprichst mir SOWAS von aus der Seele!
    Optionsparalyse, muss ich mir merken.

    Soll ich zuerst die Wäsche waschen oder Essen kochen? Wenn ich die Wäsche schnell in die Maschine schieb, kann sie derweil waschen, dann koch ich was zu essen, danach häng ich auf. Aber eigentlich wollte ich ja mit dem Waschen noch warten, bis ich die dreckigen Klamotten von heute auszieh, und außerdem hab ich jetzt schon Hunger. Also doch zuerst kochen... Aber hab ja gar nix daheim, also erst einkaufen gehen.
    In der Zeit hätte die Wäsche schon fünfmal trocknen können

    Und daher nochmal meine Frage an alle, die ADS-Medikamente nehmen:
    Kommt man damit aus solchen Dilemmata raus?! Und wenn ja, wie? Neigt man dann eher dazu, alles "easy" zu nehmen und sich nicht um die Folgen seiner Entscheidungen zu scheren?
    Oder funktioniert das anders?

    Der Grund, warum ich selbst bisher keine Medikamente ausprobiert hab, ist nämlich genau der, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass solche Probleme von Medikamenten gelöst werden können...

  9. #9
    Mumford

    Gast

    AW: Prokrastination/Aufschieberitis und ihre Ursachen

    Seit Anfang des Monats ist mein Perso abgelaufen. Nicht, dass ich das nicht schon vorher gewusst habe, neiiiin...
    (-ich bekam eine Benachrichtigung von der Stadtverwaltung, was -glaube ich- nicht überall üblich ist).

    Wieso habe ich es bis heute nicht gebacken bekommen, ein (biometrietaugliches) Foto von mir machen zu lassen? Was soll das???
    Ja, vorgestern hätte ich's fast geschafft. Gut, dass ich auf dem Weg in die Stadt nochmal in den (Rück)spiegel geschaut habe. NIcht rasiert, zerzauste Haare... och nee, Du... vergiss es!

    Manchmal kommt es mir so vor, als gäbe es eine unsichtbare, fremde Macht, die mich immer wieder daran hindert, Dinge zu erledigen.
    Aus völlig unerklärlichen Gründen bin ich plötzlich spät dran und dann frage ich mich, was ich eigentlich so lange gemacht habe?

    Ständig dieses Kopfkino... kein Wunder, dass ich oft gefragt werde, ob ich bekifft bin, obwohl ich es NICHT bin.
    Verflucht und zugenäht... und jetzt sitze ich wieder vorm Computer, um diese Zeilen hier zu texten. Was geht? Mal ehrlich, dat kann doch nich' angehn'...

    Um 18:00 Uhr macht das Fotostudio dicht. Genug Zeit also, oder nicht?

    Diese vermaledeite, akute Bocklosigkeit. Für akute Bocklosigkeit sollte es einen gelben Schein geben, finde ich. Ich jedenfalls finde meine eigene echt schon krankhaft.

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 100
    Mumford schreibt:
    Ständig dieses Kopfkino... kein Wunder, dass ich oft gefragt werde, ob ich bekifft bin, obwohl ich es NICHT bin.
    Eine meiner Lieblingsfragen, genauso wie „geht es dir nicht gut“ oder „bist du böse“



    Gesendet von meinem GT-I9100 mit Tapatalk 2

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