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Diskutiere im Thema Warum immer alles Schwarz sehen? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #81
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    "Wenn 50 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, bleibt es trotzdem eine Dummheit." - Anatole France

    Was wenn 50 Millionen Menschen mir sagen wie ich sein sollte und keiner von denen Adhs hat?

    Normal ist was von der Mehrheit als selbstverständlich gewertet wird. Die Mehrheit hat kein Adhs.
    Was als nicht normal gilt, verführt zu Abwertung. Ein Problem mit dem der durchschnittliche Adhsler aufwächst.

    Dabei sagt 'normal' nicht zwangsläufig aus dass die Abweichung negativ sein muss.
    Alles was in Forschung, Kunst und Alltag als bahnbrechend gilt, ist ebenfalls abweichend und wird sehr oft von Menschen ausgelöst, die abweichend denken und sind. Nicht zwangsläufig Adhs, aber sehr oft auch nicht 'normgerecht'.

    Klar ist das im Alltag oft nicht hilfreich. Ich nehme Medikamente die andere Leute als Droge missbrauchen, weil meine Adhs-Symptome teilweise das Gegenteil von hilfreich sind! Da würde es mir nicht helfen, an meiner Wahrnehmung manipulieren zu wollen.

    Was mir aber auch nicht hilft ist jeglicher Versuch mich zu 100 % fremdbestimmen zu lassen. Als Adhsler alle Normalitäten erfüllen zu wollen bzw. mein Adhs ausschließlich negativ sehen zu wollen weil es ständig dazu führt, von Normalitäten abzuweichen die von Nicht-Adhslern bestimmt werden, wäre für mich totale Selbstunterdrückung. Versucht habe ich es trotzdem bis zum 'gehtnichtmehr'.

    Egal ob man Adhs hat oder nicht, wer ausschließlich fremdbestimmt lebt, nimmt sich selbst die Fähigkeit, bewusst und seinen inneren Werten folgend zu handeln und zu leben. In meinen Augen nicht nur Selbstbetrug sondern gefährlich.

    Milgram-Experiment

    Als das in meiner Lerngruppe Thema war, bekam ich Reaktionen die mir sehr zu denken gegeben haben.
    Erste Reaktion: Du hättest da nicht mitgemacht. (Völlig ungefragt, mich erstaunend, aber alle in der Gruppe stimmten sofort zu)
    Zweite Reaktion: Aber wenn du dir selbst die Stromstöße hättest geben sollen, dann hättest du das bis zum Ende durchgezogen. (Von einer guten Freundin nach dem Treffen.....und ich musste ihr ziemlich betreten zustimmen)

    Weil ich darauf geeicht gewesen bin, mich bis zur totalen Selbstvernichtung in Normen fügen zu wollen, egal was dabei mit mir passiert. Ich war ja nicht normgerecht und damit 'der Fehler' an jeglicher Situation!

    Wenn ich im Forum lese, wieviele Adhsler bis zum Burnout am Helfersyndrom leiden, sich selbst aber kein bisschen 'helfen', nicht ein Minimum an Mitgefühl von anderen für sich selbst einfordern, dann frage ich mich, wie so ein Experiment wohl ausfallen würde, wenn es ausschließlich mit Adhslern gemacht werden würde. (Und ob welche überleben würden wenn sie sich selbst echte Stromstöße geben sollten...)

    Die Vergangeheit lässt sich nicht ändern und als 'abweichendes' Kind mit Normen klarzukommen die nicht passen, lässt sich vom Kind selbst kaum ändern. Aber ich bin jetzt erwachsen. Es gibt nicht nur Symptome die nerven und die für die ich mir völlig überzeugt Betäubungsmittel verschreiben lasse um sie weniger zu haben. Es gibt auch Symptome die ich als erwachsener Mensch so ausleben kann, wie ich es als Kind oft nicht konnte. (Oder getan habe und dafür bestraft, gemobbt, ausgegrenzt worden bin....)
    Z.B. Mitgefühl zu zeigen wenns nicht gruppenkonform ist oder jemanden betrifft der dem Umfeld als ' nicht wert, hat es nicht besser verdient' erscheinen mag.

    Ich lebe weiter in einer Normalität die ich nicht mitbestimmt habe. Aber ich werde dabei immer entspannter, denn wenn es mir wichtig erscheint, dann spreche ich mir das Recht zu, auch meine eigenen inneren Werte als 'für mich normal und wichtig und deshalb handlungsweisend' zu akzeptieren und umzusetzen. Werte die eben auch von meinem Adhs mitbestimmt werden dürfen.

    Weg von der Selbstverleugnung und hin zu mehr 'mir selbst bewusst werden'. Dafür brauche ich mir nichts schönzureden. Es reicht wenn ich damit aufhöre, alles an mir schlechtreden zu lassen. Oder das selbst dauernd zu tun weil Andere es mir mein Leben lang so einreden wollten!

    Die eigene Wahrnehmung lässt sich ändern ohne dabei sich selbst zu belügen. In meinen Augen reicht es aus, wenn man aufhört sie mit der Wahrnehmung von Anderen zu verwechseln oder gleichsetzen zu wollen.

  2. #82
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    @ Stefanus: neiiinnn, ich will dich nicht angreifen, nehme es nicht zu persönlich, wie schon gesagt du hast eine art die ein paar sehr empfindliche tasten bei mir trifft, und ja, ich hab' eine art die (so sagen vielen...) übertrieben wirkt, aber ich will dir nichts böses, es soll eine diskussion, wenn auch lebhaft, sein, und kein krieg...

    ich knüpfe direkt da an...
    eigentlich habe ich mich am anfang von dieser diskussion auch persönlich angegriffen gefühlt (als teil deiner "zielgruppe"), klar das es nicht deine absicht war (hoffe ich... ), das war aber meine wahrnehmung.
    also, deine meinung nach hätte ich diese wahrnehmung (mit meine worte jetzt) so "hinbiegen" können und sollen, das ich es positiv wahrnehme, also nicht als angriff.

    also erstens, wenn du um die macht der wahrnehmung weißt, solltest du auch darauf achten wie du (natürlich meine ich was und wie du schreibst, über der rest kann ich nichts sagen) wahrgenommen wirst.
    sorry, wenn du mit "ach, wenn alle ADSler wären" kommst, und du nicht verstehst wieso der ton hier so negativ ist, dann kann man der rest was von dir kommt auch nicht als sehr überlegt und fundiert wahrnehmen, denn besonders in den zusammenhang wirkt es, auf mich wenigstens, wie "ich hab's gestern in der kirche gehört, also muss es richtig sein, und ich muss die frohe novelle in der welt verbreiten".
    ich weiß nicht, und es ist auch nicht von bedeutung, ob du in die kirche gehst, das ist nur der meine meinung nach beste beispiel von für-wahr-nehmen ohne zu hinterfragen, was meine meinung nach einer der grosstmöglichen sünden ist.

    und zweitens, du arbeitest an deiner wahrnehmung und nimmst meine sagen wir übertriebene art als angriff wahr, wieso denn? (dein ton ist auch etwas übertrieben, wenn auch in eine andere richtung).
    es ist eher wut wegen ein bisher ziemlich schiefgegangenes leben (leider oft auch wegen andere leute mit ähnliche einstellungen wie deine, das erklärt teil der emphase vielleicht), das kann man in diesem forum eigentlich auch erwarten.
    ok, da der ton die musik macht, muss ich teilweise auf meine kappe nehmen das eher mein ton wahrgenommen wird als das was ich schreibe, ich hoffe es kommt jetzt gediegener rüber...

    so, ich bin nicht in der lage philosophische gespräche über die bedeutung von "real", "rational" usw zu führen, oder darüber was echtes glück ist oder wie man hinkommt, ich bleibe lieber bei meinen rosarote und schwarze brillen...

    aaalso, es ist klar das es nicht richtig oder konstruktiv ist, nur die negativen seiten von egal was sehen zu wollen, ich glaube da sind wir (fast) alle einig.
    so, das schwarzsehen (wenn man nicht von fernsehern redet) ist eine negative art, die wahrnehmung zu ändern, ok, wieso ist es aber falsch, weil man sich nicht auf das böse konzentrieren soll, sonst kriegt man haarige handflächen, kommt in der hölle oder so, oder weil man dadurch das gute übersehen könnte?

    also, wenn man mit schwarzen brillen das rosa im leben übersehen könnte, könnte es auch umgekehrt funktionieren, man könnte also mit rosarote brillen das negative übersehen, oder halt ausblenden, das scheint mir deine meinung nach sogar das gewünschte effekt zu sein.
    ok, für den moment funktioniert es vielleicht auch gut, das eliminiert aber nicht die ursachen für das negative.
    es ist so wie bei schmerzmitteln, der schmerz wird ausgeblendet, die ursache bleibt.
    ok, bei den meisten schmerzmitteln heißt es das der körper sich besser regenerieren kann, wenn der schmerz blockiert wird, ich denke es handelt sich um placebo-effekt oder so ähnlich, auf der andere seite kann es auch gefährlich werden.
    ich hab' z.b. problemen mit der wirbelsäule, die mir teilweise ziemlich heftige schmerzen verursachen, ich hab' auch starke schmerzmitteln verschrieben bekommen, die nehme ich aber nur im notfall, denn schmerz ist doch ein signal des körpers, und bedeutet "vorsicht, so nicht, irgendwas stimmt nicht".
    also, wenn ich schmerzen bekomme, weiß ich das ich eine falsche bewegung gemacht habe, also werde ich automatisch von meine wahrnehmung zur richtige, schmerzlose bewegung geleitet.
    wenn ich aber ständig auf schmerzmitteln bin, habe ich zwar keine schmerzen, aber bewege mich weiterhin falsch, wodurch ich meinen zustand noch verschlimmere, bis es sogar chronisch wird, und da hilft auch die stätige gabe schmerzmitteln immer weniger, also am ende habe ich grössere rückenproblemen und, wenn ich glück habe, ein durchbohrter magen oder eine niereninsuffizienz.

    auf die seele übertragen, ich will nichts ausblenden, ich will sogar ziemlich genau wissen was in mir vorgeht.
    wenn ich anfange, meine wahrnehmung absichtlich ändern zu wollen, ändere ich eine konstante in meinem verhalten, die auf jahrzehntelange erfahrungen mit mir selbst und meine umwelt basiert.
    ok, konstante ist vielleicht das falsche wort, es ist eher eine konstante veränderung, eine immer grösser werdende bibliothek, und das ist mein ich, es basiert auf alle einzelne bücher.
    ist es nicht betrug, wenn die bibliothekarin sagt, den buch gibt es nicht, obwohl sie es nur versteckt hat?
    meine bibliothekarin ist pingelig und gnadenlos ehrlich, und das gibt mir die grundsicherheit, um neue erfahrungen in der für mich und in den moment richtige schublade zu stecken, in den moment wo sie sich von meinen bewusstsein bestechen ließe, könnte ich ihr nicht mehr trauen, denn ein "böser" buch in der "nicht so schlimm"-schublade, oder gar in den mülleimer wäre an sich keine tragödie, aber es wäre nur der erste.
    es ist wie auf der arbeit, mein bewusstsein ist vielleicht der chef (oder auch nur ein gleichberechtigter kollege...), aber er ist nicht die bibliothekarin, sie kann ihr job besser machen, und er sollte ihr nicht ins handwerk pfuschen, schliesslich hat er auch seinen eigenen job zu tun, wieso sollte man ihn auch noch mit bibliothekarbeit belasten, wieso sollte man die bibliothekarin bevormunden?
    erfahrungsgemäss führt das zu chaos, er weiß irgendwann nicht mehr was er alles verordnet und verändert hat, sie weiß nicht mehr auf wen sie hören soll, und wo er was hingesteckt hat...

    sorry, ich hab' wahrscheinlich eine "beispielitis", ohne beispiele könnte ich kaum erklären was ich meine...

    also, ich versuche meine realität so aufzubauen, das sie so weit wie möglich den tatsachen entspricht (was natürlich nie der fall sein wird), eine weitere variable hinzuzufügen (mag ich das oder will ich es anders sehen?) wäre meine meinung nach eine unnötige komplizierung die der eigene erfahrungsschatz als unkorrumpierbarer instanz in frage stellt, und dadurch instabilität ins unterbewusstsein verursachen kann, was ich eben für extrem gefährlich halte.
    also, wenn ich entscheide das ab jetzt die situation X nicht beachtenswert ist, weil sie negativ besetzt ist, neige ich dann nicht dazu, vielleicht mal auch situation Y nicht zu beachten, weil negativ, auch wenn es eine gefährliche situation ist, die sofortige handlung bedarf?
    verlerne ich nicht dadurch auf mein bauchgefühl, also mein unterbewusstsein, zu hören?
    kann es nicht dazu kommen das ich dadurch irgendwann sogar positive erfahrungen nicht mehr richtig einstufen kann?
    will ich, habe ich die kraft dazu, oder sogar die zeit, um alles erst bewusst zu bewerten, bevor mein unterbewusstsein es tut?
    ist mein bewusstsein wirklich besser darin als mein unterbewusstsein, der eigentlich dazu da ist?


    so, 1350 mal nachgelesen, 8750 mal geändert, zufrieden bin ich nicht wirklich, aber ich hoffe ich kann auf die reaktionen reagieren, und eventuell richtigstellen was ich meinte, aber nicht verständlich schreiben konnte...
    Geändert von Exxio ( 5.10.2012 um 04:42 Uhr)

  3. #83
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Stefanus schreibt:
    Eigentlich müsste ich ja jetzt zu ihm hingehen und ihm sagen dass er sich selbst betrügt Aber wisst ihr was, ich bin dafür er darf jetzt trotzdem glücklich sein


    jaja, wie war's mit den angriffen?
    aber so gefällt's mir, denn ich gehe davon aus das du es genauso sarkastisch aber nicht böse meinst, wie ich es tue...


    ich kenne deinen bruder nicht, also kann ich auch nicht wissen ob er fröhlich ist weil er einfach fröhlich ist, trotz scheisssituation, oder weil er sich eingeredet hat das alles gut ist, oder weil er in den moment an was anderes gedacht hat, oder weil er auf drogen war (ich will nichts unterstellen!!!), oderoderoderoder...

    ich hab' auch nie behauptet das es einem immer genau so gehen muss wie der genaue durchschnitt zwischen positive und negative erfahrungen ergibt, oder das einer nie fröhlich, trotz scheisssituation, sein darf, ich hab' selber beispiele dafür gebracht.
    schließlich gibt es auch hier im forum genügend fröhliche beiträge, oder?

    oder habe ich es falsch verstanden, und dein bruder geht immer singend rum, auch wenn es ihm dreckig geht?
    ...in dem fall würde ich mir gedanken machen...

  4. #84
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Stefanus schreibt:
    Eigentlich müsste ich ja jetzt zu ihm hingehen und ihm sagen dass er sich selbst betrügt
    ...das würde passen zu meinen eindruck, das du deine meinung aufdrucken willst...
    auch wenn es in diesem fall nicht ganz die fröhliche novelle wäre...

  5. #85
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    auri schreibt:
    Die eigene Wahrnehmung lässt sich ändern ohne dabei sich selbst zu belügen. In meinen Augen reicht es aus, wenn man aufhört sie mit der Wahrnehmung von Anderen zu verwechseln oder gleichsetzen zu wollen.
    ich gebe dir 100% recht, diese änderung setzte ich vor meine überlegungen voraus.

  6. #86
    Stefanus

    Gast

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Wow, ihr überwältigt mich jedes mal mir eurer Schreibwut (im positiven Sinne )


    Ich finde es aber schön dass wir so langsam auf einen Nenner kommen. Darum möchte ich mal das ganze etwas symstematischer aufziehen und festhalten wie eine mögliche Perspektive aussehen könnte...

    Wir haben als ADSler, bedingt durch die Minderheit die wir repräsentieren, mehr soziale Problemstellungen als andere Menschen. Dennoch haben wir auch viele positive Facetten die sich zum Teil von den positiven Facetten der anderen Menschen unterscheiden.

    Die Frage die wir uns ja nun im Moment stellen ist die, wie wir damit am "effektivsten" umgehen. Was ich voraussetze ist dass jeder Mensch als oberstes Ziel hat glücklicher oder zufriedener zu werden. Wenn ich also krank bin und mir ein Medikament kaufe, dann mach ich das auch erstmal primär um zufriedener zu werden. (um das vorab abzuklären)

    Die Frage die sich daraus ergibt ist dann folglich, wie ich so glücklich wie nur möglich werden kann. (Klingt sehr provokatikv, aber jetzt mal rein rational betrachtet).

    Okay, brechen wir das ganze eine Eben tiefer auf. Wir haben nun das Ziel so viele positive Momente wie nur möglich zu erhalten. Nun gibt es verschiedene Erfahrungen die wir in unserem Leben machen. Versuchen wir diese Erfahrungen jetzt mal etwas zu konkretisieren, dann würde ich sie (korrigiert mich wenn ihr da noch mehr differenziert) als negative Erfahrungen und positive Erfahrungen clustern. Jeder negative Erfahrung, aber auch jede positive Erfahrung hat eine bestimmtes Gewicht. Bedeutet ganz einfach: Manche Erfahrungen wirken stärker auf unsere Emotionen, manche weniger.

    Daraus folgt für mich nun die Unterscheidung zwischen diesen 2 Arten von Erfahrungen. Wie gehe ich nun um wenn ich negative Erfahrungen im Leben mache und wie wenn ich positive Erfahrungen mache.

    Gehen wir davon aus ich habe ein Leiden, eine negative Erfahrung erhalten. Mein Mann/Frau hat mich verlassen.
    Wie kann ich mit diesem Problem umgehen, um am Ende trotzdem glücklicher, zufriederner zu sein? (Das was ja das Ziel eines jeden von uns, wie oben beschrieben, sein sollte).
    Ich werde diesen Fakt zunächst als eine negative Erfahrung definieren, die in uns negative Emotionen auslöst. (Machen uns diese Emotionen zunächst zufriedener, glücklicher?). Ich behaupte "Ja", da z.B. Trauer der verarbeitung dieser prägenden Erfahrung hilft. Würde es helfen diese Trauer einfach zu unterdrücken? Ich könnte es tun, aber langfristig würde es mich nicht glücklicher/zufriedener machen.

    Hilft das hinterhertrauern auf lange Sicht? Nein. Warum? Weil es mich auch nicht glücklich macht. Wir können nun also diese negative Erfahrung akzeptieren und wieder anfangen positive Momente aufzusaugen oder wir können weiterhin unsere Ressourcen in negative Emotionen investieren.
    Hier sehe ich den ersten wichtigen Punkt. Wichtig, wie ich finde, ist es hierbei nicht Schwarz/Weiß zu sehen, sondern die richtige Mitte zu finden. Zunächst die negative Emotionen zuzulassen und sie zu verarbeiten, aber auf der anderen Seite auch zu Wissen dass es nunmal passiert ist und man lernt es auf lange Sicht zu akzeptieren. Für was also wertvolle Ressourcen verwenden um sich an vermeidlich unnötigen Barrieren aufzuhalten.

    Kommen wir jetzt zu positven Erfahrungen. Wie gehen wir mit dem Hintergrund glücklicher/zufriedener zu werden bei positven Erfahrungen um?
    Eigentlich erstmal nicht sonderlich schwer. Nehmen wir an, wir haben, mal um das Beispiel oben aufzugreifen, einen neuen möglichen Partner kennen gelernt. Wir können wieder auf verschieden Arten und Weisen darüber denken. Und vorallem unser Verstand (der natürlich auch schon durch viele Erfahrungen geschult wurde) spielt dabei eine wichtige Rolle.
    Wenn wir nun einen neuen Partner kennen lernen werden wir zunächst erstmal richtig happy sein. Unser Körper belohnt uns mit positven Neurotransmittern.
    Aber was passiert langfristig? Unser Verstand mischt sich ein. Er will uns wieder zurückholen zu der "wohlmölichen" Realität. Er frägt sich vllt. warum wir uns so freuen, wir haben doch so viele negative Erfahrungen und Problemstellungen.
    Jetzt ist es wieder unsere Entscheidung wie wir damit umgehen. Schließlich sind wir immer noch die letzte Instanz die entscheidet wie wir mit unseren Erfahrungen umgehen. Wir können uns nun von unserem Verstand "runter holen lassen" oder wir steigern uns in diese positive Momente rein und leben sie exzessiv. (Exzessiv ein Wort das unserem Verstand schonmal garnicht passt weil es zu extrem ist). Fragen wir uns aber ganz rational: Was macht uns schlussendlich glücklicher? Macht uns ein Verstand glücklicher der uns ständig an die negativen Momente erinnert oder das "exzessive" (nehme hier bewusst "exzessiv") ausleben der positven Gefühle? Rein neuronal müsste die 2. Alternative die deutlich nützlichere sein.

    Schlussendlich haben wir immer mehrere Optionen bei jeder Erfahrungen die wir machen. Es ist nun eine Frage unsere Wahrnehmung welche Option wir wählen. Wir verändern, mit der Ergreifung einer Option, wieder unsere Wahrnehmung. Es ist eine Art abgeschlossener Kreis der sich nach oben oder nach unten entwickeln kann. Wähle ich die Optionen die mich glücklicher machen, schule ich meine Wahrnehmung darauf positiver zu denken. Mein Unterbewusstsein bekommt Beweise, dass ich ja wirklich viele positive Erfahrungen gemacht habe. Schlussendlich denke ich positiver ohne irgendetwas zu verzerren oder schönzureden. Es ist zugar rational erklärbar warum ich so positiv denke.
    Geändert von Stefanus ( 5.10.2012 um 14:25 Uhr)

  7. #87
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Stefanus schreibt:
    Was macht uns schlussendlich glücklicher? Macht uns ein Verstand glücklicher der uns ständig an die negativen Momente erinnert oder das "exzessive" (nehme hier bewusst "exzessiv") ausleben der positven Gefühle?
    genau da sehe ich den knackpunkt, ich halte beides für nicht richtig, weil eben extrem.
    ich neige selbst dazu, gefühle extrem zu erleben, ich weiß aber das diese gefühle nur einen teil der situation sind, die überspitzte spitze des eisbergs sozusagen...

    ich nehme dein beziehungsbeispiel auf: natürlich ist es nicht konstruktiv sich nur, oder hauptsächlich, auf die möglichen negativen seiten zu konzentrieren, auch wenn man sehr viele sehr negative erfahrungen in den gebiet gehabt hat, wenn ich meine neue beziehung nur mit fragen wie "meint er es ehrlich oder verarscht er mich?" belaste, lasse ich die beziehung gar nicht zu.

    wenn ich aber die beziehung sagen wir blauäugig angehe, also nur geniesse, ohne zu hinterfragen,
    kann es passieren das ich erst merke das es nicht funktioniert, wenn schon erheblichen schaden angerichtet worden sind.
    am ende habe ich auch keine beziehung, aber eine dicke negative erfahrung mehr, bin also sogar noch unglücklicher, als wenn ich vom anfang an blockiert hätte.
    ich sage nicht das es so enden muss, aber die möglichkeit besteht, und es wäre falsch sie nicht im betracht zu ziehen.

    deswegen meine ich, es müssen immer sowohl die negativen als auch die positiven seiten wahrgenommen werden, so wie sie sind, nicht wie man sie gerne hätte.
    also, ich freue mich wahnsinnig (exzessiv?) über mein neuer freund, ich kann und will ihn aber nicht von vornherein als perfekter traummann fürs leben ansehen, das ist zwar meine hoffnung, aber es wäre auch ihm gegenüber unfair, zu verlangen das er meine perfekte vorstellungen entspricht.
    es ist sogar höchst unwahrscheinlich das er diese erwartungen erfüllen kann, wenn ich mich nur darauf konzentriere baue ich mir selbst eine negative falle auf...


  8. #88
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    nachtrag:

    Stefanus schreibt:
    Aber was passiert langfristig? Unser Verstand mischt sich ein. Er will uns wieder zurückholen zu der "wohlmölichen" Realität. Er frägt sich vllt. warum wir uns so freuen, wir haben doch so viele negative Erfahrungen und Problemstellungen.
    ich sehe darin einen denkfehler...
    meinen verstand freut sich und weiß auch warum, gleichzeitig warnt er aber das es nicht wieder so laufen soll, wie in den negativen erfahrungen der vergangenheit.

    dieses warnsystem ist lebensnotwendig, und heisst nicht automatisch das man in der vergangenheit lebt, heißt nur das man von den eigenen erfahrungen gelernt hat.
    ...was, zugegeben, auch bei mir nicht immer der fall ist, aber das ist ein anderes thema...



  9. #89
    Zotti

    Gast

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Hallo,
    also ich sehe nicht alles schwarz und ich bin froh, daß ich so bin wie ich bin. Ich kann nicht sagen, ob das so ist weil ich ADS habe, das ist ja eigentlich auch egal, wenn ich mich so annehme wie ich bin.
    ADSler und Asperger sind meine besten Freunde, auch wenn sie manchmal schräg sind, irgendwie bin ich ihnen vertraut.
    Alle anderen, z.B. ich kenne auch welche mit Psychosen und Schizophrenie und auch welche die immer Depressionen haben
    und jahrelang Therapien machen, also die haben auch alle ihre guten Seiten, trotzdem bin ich am meisten den ADSlern nahe.

    Bei meinem Partner weiß ich nicht so genau, der hat auch was, doch auch viele ADS-Anteile und ihn liebe ich natürlich auch so wie er ist und er hat sich jetzt damit abgefunden, daß die meisten meiner Freundinnen ADSler sind und er mag die auch alle und versteht sich mit ihnen gut.

    Ich bin so wie ich bin und ich möchte nicht diskriminiert werden, ich bin jetzt über 50 und sehe nicht mehr ein, daß ich mich mit meinem ADS-Syndrom verstecke. Warum auch, überall wird von Diskriminierung gesprochen und was ist mit uns ADSlern.

    Doch ja, manchmal frage ich mich auch, warum einige ADSler soviel Ängste haben zu sich zu stehen. Meine Vermutung ist, sie kennen in ihrem persönlichen Umfeld zu wenig andere Adsler und somit zuwenig Anerkennung, daß sie so in Ordnung sind wie sie sind.

    Also bis dann mal, Gruß Zotti

  10. #90
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Zotti schreibt:
    warum einige ADSler soviel Ängste haben zu sich zu stehen. Meine Vermutung ist, sie kennen in ihrem persönlichen Umfeld zu wenig andere Adsler und somit zuwenig Anerkennung, daß sie so in Ordnung sind wie sie sind.

    ich weiß nicht ob das vom ADS kommt oder nicht, aber ich bin auch oft sehr unsicher, und es ist schwierig zu sich zu stehen wenn man sich das ganze leben lang selbst von familie und bekannten als fauler sack beschimpfen lassen muss...
    ich bin froh das ich rebellisch und alternativ war, so habe ich mir für mich selbst meine stärken kultivieren können, freilich ohne das es am ende viel gebracht hätte...
    also, für mich selbst hat es doch viel gebracht, ich war sehr stolz auf das was ich aus mir gemacht hatte, in der gesellschaft oder auf der arbeit war's aber vom anfang an die katastrophe...
    jetzt fällt es mir deutlich schwerer, zu mir zu stehen, schließlich ist sehr viel schief gegangen, und ich weiß das nicht immer anderen schuld daran waren.
    also ich stehe immer noch zu meine stärken, leider sind die immer mehr theoretischer natur...

    da ich mich erst seit kürzem mit ADS beschäftige kann ich auch nicht sagen ob ich zu wenige betroffene kenne, aber tatsächlich habe ich mich immer mit leute umgeben, die auch irgendwelche problemen haben, wer denkt keine macken zu haben, oder so viel glück hat das es tatsächlich so ist (das halte ich für gerüchte oder einbildung...), der hat auch kein verständnis oder mitgefühl.
    ...und trotzdem will ich nicht nur mit anderen betroffenen kontakt haben, ich finde es gefährlich sich selbst abzugrenzen, der rest der welt baut auch ohne unserer hilfe genügend ghettos...
    als betroffener finde ich mich in der pflicht, meiner kleine welt zu zeigen, das ich weder gefährlicher, noch doofer, noch weniger wert bin als die anderen.
    ...aber das ist seeeehr schwierig, ich komme mir manchmal vor wie ob ich versuchen würde, die relativitätstheorie an einen ausländischen, taubstummen analphabeten zu erklären...

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