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Diskutiere im Thema Warum immer alles Schwarz sehen? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #51
    Stefanus

    Gast

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    @Exxio

    Ich kann dich völlig verstehen, dass sowas Frust auf die ein oder andere Art auslöst. Dennoch lies bitte nochmal den Post über deinem letzten Post. Es gehört zum Prozess des "Glücklicherseins" auch dazu über seine Probleme zu sprechen, dagegen sagt doch keiner was. Nur sollte man nicht den Blick ausschließlich auf das Schwarze lenken sondern das Schwarze so akzeptieren wie es ist und die wesentliche Energie auf die schönen Dinge lenken. Auch wenn es in deinen Augen nicht viele sind, bin ich überzeugt davon, dass du glücklicher Leben wirst wenn du dich auch auf diese konzentrierst

    Ich kann jahrelang meiner Oma hinterhertrauern weil sie gestorben ist oder ich kann mich damit abfinden und diesen Fakt akzeptieren um mich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren.



  2. #52
    WbD


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 216

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Wenn ich das mal auf meine Symptome beziehe, die tatsächlich denen meiner betroffenen Verwandten sehr ähneln/gleichen, da dann noch bedenke dass sich bei denen viele Probleme garnicht ergeben haben, weil sich - war natürlich eine andere Generation und so - diese Symptome für Männer ganz unauffällig durch weibliche Zuarbeit entmachten ließen, dann scheint mir vieles sehr viel leichter wenn mehr Toleranz da ist.
    Das geschilderte Verhalten hat meines Erachtens nach wenig mit Toleranz zu tun, sondern schlichtweg damit, dass im Hintergrund ein Zweiter gemachte Fehler zu kaschieren wusste. Gut, tauchen wir kurz einmal in diese Generationen ein:
    Einerseits müssen wir uns jetzt natürlich fragen, ob benannter Zweiter (in diesem Fall wohl die Angetraute) überhaupt eine Wahl hatte. Ich denke, dass dies wohl eher weniger der Fall war. Andererseits müssen wir uns nun natürlich auch wieder fragen, ob dieses klassische Rollenmodell für alle Beteiligten so prima war, vor allem in Anbetracht des Umstandes, dass von Seiten der Frauen immense Anstrengungen unternommen werden musste, um Selbiges zu kippen.

    Natürlich, beim Studium diverser Biographien (natürlich von Männern, da es Frauen bis noch vor ein paar Jahrzehnten beinahe unmöglich war, geschichtliche Bedeutung zu erlangen) fällt auf, dass tatsächlich hinter vielen erfolgreichen Männern, eine starke Frau stand, die ihrem Göttergatten mit allerlei Hilfsdiensten den Rücken frei hielt. Über die Frau, und ihre Gefühlswelt in ihrer Rolle als Quasi-Statistin erfahren wir nur herzlich wenig. Ich will sagen, dass es nicht Ziel sein kann, dass ein Zweiter permanent meine Defizite ausbaden muss. Die Toleranz hätte seinerzeit ein schnelles Ende gefunden, hätten die defizitären Eigenschaften besagter Männer eine spür-, bzw. sichtbare Wirkung nach außen gehabt.
    Oder anders: Jo, klar, mit einem Lakaien hätte ich auch so manches Problemchen nicht, leider liegen Sklavenhaltung oder das Bezahlen eines Butlers außerhalb meiner Möglichkeiten.

    Bleiben wir aber vorerst bei dieser Generation, und nehmen wir nun, wir hätten es nicht mit vornehmlich hyperaktiven Männern, sondern mit Frauen vom unaufmerksamen Typus zu tun. Soll es ja damals auch schon gegeben haben. In deren Haut, hätte ich nicht stecken wollen. Ungebügelte Hemden, kein Essen pünktlich auf dem Tisch, dies und jenes nicht erledigt? Wie schnell gab es denn dann ein paar hinter die Löffel zur Motivation? Und wie hilfreich mag das wohl gewesen sein? In der Verwandtschaft war man dann schnell die liederliche Frau, und die Nachbarn werfen auch noch dem Göttergatten mitleidige Blicke hinterher.

    Wenn ich für all die organisatorischen, haushaltlichen und dem ähnlichen Aufgaben ein ähnliches gesellschaftlich so gewolltes Modell vor der Nase gehabt hätte, in das ich einfach nur hineinzuschlüpfen brauche, dann wäre ich vermutlich auch viel weniger als "anders" aufgefallen.
    Hmm, du wärest dann seinerzeit Hausfrau und Mutter gewesen, ob du das nun gewollt hättest oder nicht. Es sei denn, dein Mann hätte sich bereit erklärt, dir einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Für viele Männer seinerzeit beinahe beleidigend, wenn die eigene Frau auch noch arbeiten möchte. Nun, so ein Hausfrauendasein kann bisweilen auch ziemlich monoton sein. Besser?

    Davon mal ab: Wenn ich ein Junge gewesen wäre, wäre ich auch zu meiner Zeit viel weniger auffällig gewesen, denn ich bin so manches Mal deshalb "in die Ecke gestellt worden" weil ich Verhaltensweisen gebracht hatte, die für Jungs tolerabel waren, für Mädchen jedoch nicht. Selbst in den Achtzigern galt ich damit bei Eltern, Lehrern und sogar gleichaltrigen Mitschülern als auffällig. Mangels Interesse mich umoperieren zu lassen, behaupte ich mal dass da die Lösung mehr Toleranz oder eine schon längst im Alltag vollständig umgesetzte Gleichberechtigung der Geschlechter einiges gebracht hätte. Jedenfalls wenn die auch entsprechend in den Köpfen der Leute verankert gewesen wäre. Denn rein "rechtlich" hätte ich natürlich den gleichen Mist bauen dürfen wie Jungs, worauf ich auch oft und gern hingewiesen habe.
    Klar, das sehe ich haargenau so. Mit Sicherheit wären dir hier eine Menge negativer Erfahrungen erspart geblieben. Zumindest vorerst. *g* Männliche Hypies, die nicht am oberen Ende des Spektrums liegen, obendrein noch mit ihrem Intellekt eine Menge kompensieren können, kommen oftmals ziemlich einfach durch die Unterstufe. Da kommen dann die allfälligen Frustrationen in einem anderen prägenden Lebensabschnitt in geballter Ladung. Und allzu schnell ist auch hier das Ende der Toleranz erreicht.

    Zugegebenermaßen hat aber letzteres Beispiel tatsächlich etwas mit Toleranz zutun, hier vor allem der Toleranz gegenüber aus den Rollenklischees herausfallenden Mädels. Tatsächlich ein Problemfall, aber hier darf man ja auch sagen, dass sich etwas getan habe, was aber auch eine Frage der Machbarkeit war.

    Trotzdem stehe ich auch weiterhin vor dem Problem, dass ich mir einen toleranteren Gesellschaftsentwurf nicht erdenken kann. Auch weiter bleibt die allfällig geforderte Toleranz dem Andersseienden gegenüber nichts weiter als ein diffuser Begriff, wenn es um ADHS geht.
    Ich frage, weil mir tagtäglich auch Leute begegnen, die "mehr Rechte" oder "mehr Freiheit" fordern. Auf die Gegenfrage, was das denn in ihrem konkreten Fall bedeute, aber kaum eine vernünftige Antwort zu geben vermögen, die nicht weniger diffus und inhaltslos ist, wie der ursprüngliche Begriff. Selbst ein: "Okay, probieren wir es mal so: Du forderst ein Recht auf... ergänze!" fruchtet da nur selten.

    Solche Missverständnisse lassen stark nach sobald man aufhört eigene Probleme bei anderen lösen zu wollen oder ursächlich dort sehen zu wollen.
    Dieser Ausspruch von dir, gefällt mir in dem Kontext außerordentlich gut.
    Um das mal auf das Toleranzproblem und meine Lebenssituation zu übertragen: Die Lösung meiner Probleme besteht nicht darin, dass andere meine Unfähigkeit hinzunehmen lernen, sondern darin, dass ich die anderen nicht mit meinem Unvermögen belaste. ^^

    Optimismus bedeutet nicht mehr und nicht weniger als mit vorhandenen Gegebenheiten bestmöglich umgehen bzw. bestmögliche Ergebnisse herausholen zu wollen. Dazu muss man zwangsläufig einen extrem klaren Blick darauf haben, welche negativen Faktoren zu diesen Gegebenheiten gehören!
    Nein, in einem philosophischen Kontext geht das Wesen des Optimismus über deine Definition hinaus.
    Einerseits geht es beim Optimismus auch um _die Erwartung des bestmöglichen Ergebnisses_, somit gewissermaßen dem Glauben, dass sich eine 50:50-Situation mit Gewissheit zum Positiven entwickeln wird. Das ist ähnlich unrealistisch, wie die gegensätzliche Annahme des Pessimisten.
    Noch weiter gefasst, geht der Optimist sogar davon aus, dass wir in der bestmöglichen Welt aller Welten lebten, in der "alles gut und vernünftig sei oder sich zum Besseren entwickelt". Nehmen wir den letzten Teil an, so könnten wir uns sogar die Debatte um das Toleranzproblem sparen, da ein Mehr an Toleranz schlichtweg nicht möglich wäre, in dieser gedacht optimalen Welt.
    Interessant will mir dabei erscheinen, dass die Haltung des Pessimisten, nämlich in der schlechtmöglichsten Welt zu leben, beinahe noch positiver anmutet, da hier eine Menge Spielraum für Verbesserungen bleibt. (Die natürlich seiner Meinung nach ohnehin nicht eintreten werden, aber das ignoriere ich mal.)

    Ich persönlich kann ja weder mit maßlosem Optimismus, noch mit maßlosem Pessimismus sonderlich viel anfangen. ^^

    @Stefanus
    Ich kann jahrelang meiner Oma hinterhertrauern weil sie gestorben ist oder ich kann mich damit abfinden und diesen Fakt akzeptieren um mich auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren.
    Dein Beispiel hinkt wie ein holzbeiniger Pirat. Um es in die Geschichte mit den positiven Seiten der ADHS reinzupressen, wäre es angebrachter gewesen, auf die positiven Aspekt von Omis Ableben hinzuweisen: Vielleicht das Geerbte, welches man verjubeln kann. Oder, dass auf der wöchentlichen Höflichkeitstelefonatsliste wieder einiger weniger steht, oder vielleicht war es ja auch eine schreckliche Kracke... man weiß es nicht genau.

    Klar kann man die positiven Sachen an so ziemlich jeder Geschichte an den Haaren herbeiziehen. Natürlich kann ich auch mitten im Krieg in den Fäkalien liegen, und mich schon auf den Wiederaufbau freuen, oder daran, dass es wenigstens heute mal nicht kälter als 10 Grad unter Null ist. Nüchtern betrachtet, liege ich aber immer noch in klirrender Kälte auf gefrorenem Kot, und probiere Teile meines Gürtels verzehrtauglich zu kochen. Na klar, es hätte schlimmer kommen können: Ich wäre vielleicht schon bei meinen schweißtriefenden Stiefeln angelangt. Sehr tröstlich, wie ich finde. ;D

  3. #53
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Okay, das geht mir nun viel zu weit von dem weg was ich sagen wollte. Was keine Kritik sein soll, ich verzettel mich nur leider in Sachen die dann zu sehr Off Topic gehen würden, wenn ich das gleichermaßen ausführlich beantworte.

    Zum "Wäre dann Hausfrau gewesen": da haben wir uns Missverstanden. Wenn ich vergleichbare Voraussetzungen gewünscht hätte, dann natürlich welche die mir gleichermaßen "Entlastung" von Aufgaben eingebracht hätten die ich durch meine Adhs-Probleme schwieriger finde als Andere.

    Ein Recht auf irgendwas fordere ich nicht, mir wäre im Gegenteil viel mehr damit gedient wenn die Menschen weniger mit Definitionsklaubereien und "auf Rechte pochen" kommen würden, wenn es eigentlch um weniger komplizierte Dinge geht. (oder die ich dafür halte...

    Ob meine persönliche Definition von Optimismus 100 % richtig ist, verliert für mich an Bedeutung, wenn mein Gegenüber jede nicht negative Haltung für Selbstverleugnung hält und deshalb weder hinhört noch Interesse daran hat, meine gegensätzlich wirkende Sicht als gleichwertig zu aktzeptieren. Wichtig bleibt für mich dass "optimistisch" genauso realistisch ist wie andere Einstellungen es sein können. Wer dabei an "nicht sehen wollen negativer Dinge" denkt, wird der Sache nicht gerecht.

    Für mich bleibt es bei Toleranz. Nicht um für mich persönlich Rücksicht oder Verständnis von Anderen zu fordern, sondern weil es ständig ein Problem ist, völlig unabhängig von Adhs und auch davon, worauf genau da Rücksicht genommen werden könnte.

    Wenn die eigene Weltsicht als nicht alleingültige erkannt wird, ist dabei erstmal nicht wichtig welche anderen Weltsichten man selbst für "annehmbar" hält, sondern dass man anfängt die eigene Fähigkeit auszubauen, mit Andersartigkeiten sozial verträglich umzugehen. Kein Schuljahr, in dem ich nicht Mitschüler gehabt hätte, die davon profitiert hätten. Egal ob "der Dicke", "die Bohnenstange" oder andere typische Außenseiterrollen.


    Wenn ich jemals nach einem Krieg in den Fäkalien liege und bei 10 Grad minus über Wiederaufbau nachdenken sollte, dann bin ich hoffentlich ein Optimist!

    Denn dann würden mich die positiven Hoffnungen/Erwartungen aktivieren. Ich würde aufstehen um nicht noch weiter zu unterkühlen, vielleicht schwarzhumorig frotzeln wie nett es ist dass ich wenigstens nicht nackt bin und dann hoffen, irgendwo was zum Aufwärmen zu finden und Mittel und Weg austüfteln zu können, damit sich meine gesamte Lebenssituation verbessert.

    Mag sein, dass jemand mit negativer Einstellung sich ähnlich verhält, aber ich halte es für wahrscheinlich dass es ihm dabei schlechter geht als mir, weil der Fokus auf all den vorhandenen Problemen liegt, es viel schwerer ist aktiv zu werden wenn positive Aussichten von negativen Erwartungen ausgehebelt werden und es einfach unheimlich auf die Grundstimmung drücken muss, wenn man sich unterwegs die ganze Zeit über die Fäckalien ärgert statt sich auf die Dusche zu freuen.


    Wie kommt es nur, dass so viele Menschen Selbstverleugnung für ein Symptome der Krankheit "Pessimismus-Defizit-Syndrom" halten?
    Wenn die Natur es sinnvoll gefunden hätte, Menschen ausschließlich mit negativen Reizen zu motivieren, müssten dann nicht sämtliche Selbsterhaltungs- und Fortpflanzungstriebe anders "belohnt" werden statt mit berauschenden Hormonauschüttungen und Glücksgefühlen?

    Hm, nun bin ich glaub ich doch viel zu weit - mal wieder - Off Topic. Sorry an den Threadstarter! Werd mal gucken gehen was der Ursprüngliche Post war bzw. die eigentliche Themastellung.
    Geändert von auri (28.09.2012 um 18:49 Uhr)

  4. #54
    WbD


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 216

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Nönö auri,

    du hast dich keineswegs verzettelt, und wie ich finde, sind wir überhaupt nicht so OT, wie man meinen mag. Der Threadstarter wirft im eigentlichen Kern ja genau die Fragen auf, denen wir uns gerade widmen: Warum nicht mehr Optimismus? Warum nicht mehr Toleranz?

    Versteht mich nicht falsch: Ich gebe mich gern derlei Gedankenspielen hin, weil ich das einerseits interessant finde, und es andererseits Fragen sind, die mich tagtäglich - ganz unabhängig von ADHS - umtreiben. Und ich finde, dass ein Thread, der mit einer Frage überschrieben ist, die zwangsläufig polarisieren muss, zu solcherlei Debatten einlädt, und diese auch aushalten muss.

    Gerade die Frage nach der Beschaffenheit dieser "Toleranz" beschäftigt mich schon lange. Oder ganz allgemein gefragt: Wie müsste diese Welt aussehen, in der ich ein weit weniger nutzloser Mensch wäre.

    Zum "Wäre dann Hausfrau gewesen": da haben wir uns Missverstanden. Wenn ich vergleichbare Voraussetzungen gewünscht hätte, dann natürlich welche die mir gleichermaßen "Entlastung" von Aufgaben eingebracht hätten die ich durch meine Adhs-Probleme schwieriger finde als Andere.
    Ich finde ja gar nicht, dass wir uns da missverstanden haben. *grinst schelmisch* Mir geht es ja eben genau darum, zu erfahren, wie du dir dieses Szenario vorstellst, und wollte nur darauf hinweisen, dass wir ein solches bestimmt nicht bei vorangegangen Generationen finden, und gleichermaßen ein paar Haken an der Geschichte anführen.
    Klar, ich als Mann könnte jetzt mit Sicherheit noch einfacher sagen: 60 Jahre zurückgedreht, dann sieht das doch alles schon positiver aus. Das wiederum fände ich unfair gegenüber den Personen, die dann meinen Schlamassel ausbaden müssten.

    Wenn ich jemals nach einem Krieg in den Fäkalien liege und bei 10 Grad minus über Wiederaufbau nachdenken sollte, dann bin ich hoffentlich ein Optimist!
    Ein "wahrer" Optimist freut sich schon bei Kriegsbeginn auf den abgeschlossenen Wiederaufbau und ne heiße Dusche. Darauf wollte ich hinaus.

    Wie kommt es nur, dass so viele Menschen Selbstverleugnung für ein Symptome der Krankheit "Pessimismus-Defizit-Syndrom" halten?
    Kann ich dir nicht sagen. Ich finde nur, dass maßloser Pessimismus, genau wie maßloser Optimismus die Abwesenheit von Realismus bedingen. Den Begriff der "Selbstverleugnung" habe ich nicht eingeführt.

    Ich versuche mich ja eigentlich in Gleichmut zu üben, gar nichts zu erwarten, und um die Metapher wieder aufzugreifen, lieber zuzusehen, dass das Stück Gürtel auch weich wird.

    Bleibt halt dennoch das Problem, dass ich meinem ADHS nichts abgewinnen kann, von dieser Positivliste mit keiner einzigen Eigenschaft aufwarten kann. Mal ganz blöd gefragt: Und nu? Ich finde das ja nicht sonderlich schwarzseherisch von mir, kann ja immer noch hoffen, mich eines Tages soweit gegen meine Schwächen gestemmt zu haben, so dass es einigermaßen erträglich wird. Die Aufforderung, etwas Positives daran zu sehen, finde ich abwertend all meinen Bemühungen dennoch irgendwie durchs Leben zu kommen gegenüber. Zumindest, wenn sie so überspitzt formuliert wird.

  5. #55
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    WbD schreibt:
    Ich finde ja gar nicht, dass wir uns da missverstanden haben. *grinst schelmisch* Mir geht es ja eben genau darum, zu erfahren, wie du dir dieses Szenario vorstellst, und wollte nur darauf hinweisen, dass wir ein solches bestimmt nicht bei vorangegangen Generationen finden, und gleichermaßen ein paar Haken an der Geschichte anführen.
    Klar, ich als Mann könnte jetzt mit Sicherheit noch einfacher sagen: 60 Jahre zurückgedreht, dann sieht das doch alles schon positiver aus. Das wiederum fände ich unfair gegenüber den Personen, die dann meinen Schlamassel ausbaden müssten.
    Geh ich recht in der Annahme dass du das Buch "Die Chaosprinzessin" bislang nicht gelesen hast? Da habe ich die Idee im Grunde geklaut, weil dort beschrieben wird, wie sich Männer vergangener Generationen teils besser 'durchmogeln' konnten, weil vieles was an Organisationschaos bei Adhs entstehen kann, eben lange als Aufgabe von Frauen gegolten hat. Wäre es andersherum, käme ich damit suuuper klar...vielleicht.....

    WbD schreibt:
    Ein "wahrer" Optimist freut sich schon bei Kriegsbeginn auf den abgeschlossenen Wiederaufbau und ne heiße Dusche. Darauf wollte ich hinaus.
    Neee, da liegst falsch! *behaupt*
    Dem Optimisten ist die Dusche schnurzegal weil der nicht erwartet in einem Fäkalienhaufen zu landen...

    Maßlosigkeit scheint mir in allen Dingen fatal, naja vielleicht nicht wenn ich maßlos glücklich wäre, was aber auch mir als möglicher Dauerzustand zu unrealistisch erscheint...blablabla....blubb .

    Ich glaube wenn ich was im Übermaß immer mal wieder bei mir vorfinde dann eher idealistische Ansätze, die ich zwar recht schnell 'erwische' aber nie gern beiseite schiebe, sondern lieber dem Realismus vor die Füße knalle und hinter einem Busch versteckt beobachte was passieren wird.

  6. #56
    WbD


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

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    Forum-Beiträge: 216

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Geh ich recht in der Annahme dass du das Buch "Die Chaosprinzessin" bislang nicht gelesen hast? Da habe ich die Idee im Grunde geklaut, weil dort beschrieben wird, wie sich Männer vergangener Generationen teils besser 'durchmogeln' konnten, weil vieles was an Organisationschaos bei Adhs entstehen kann, eben lange als Aufgabe von Frauen gegolten hat. Wäre es andersherum, käme ich damit suuuper klar...vielleicht...
    Das Buch ist mir fragmentarisch bekannt. Ich habe das Lesen irgendwann einmal aufgegeben, da ich dieses Machwerk irgendwie doch als zu sehr in alten Rollenklischees verhaftet empfand. Da ich weder Hausfrau noch Mutter bin *g*, fand ich das nicht gerade sonderlich interessant für mich. Wofür habe ich denn eine Frau?

    Ich sage ja, Sklavenhaltung wäre vielleicht oberflächlich betrachtet eine Lösung, zumindest in meinem Fall zu Teilen. Hmm... ich sollte mir eine Reinigungskraft mit Sekretariatserfahrung und buchhalterischen Ambitionen einfangen. Ich hätte sogar noch einen großen Schrank als Schlafstätte frei.

    Dem Optimisten ist die Dusche schnurzegal weil der nicht erwartet in einem Fäkalienhaufen zu landen...
    Wolltest du jetzt ein Beispiel für Selbstverleumdung einbringen? Während er schon im Fäkalienhaufen einen Gürtel kocht, erwartet er immer noch nicht, in einem Fäkalienhaufen zu landen? Ohje, na wehe, wenn dem ein Lichtlein aufgeht.

    Ich glaube wenn ich was im Übermaß immer mal wieder bei mir vorfinde dann eher idealistische Ansätze, die ich zwar recht schnell 'erwische' aber nie gern beiseite schiebe, sondern lieber dem Realismus vor die Füße knalle und hinter einem Busch versteckt beobachte was passieren wird.
    Einfache Antwort: Das allfällige müde Lächeln.

  7. #57
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 408

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    jaaa, Stefanus, ich sage gar nicht das man sich auf das negative konzentrieren soll, tue ich auch nicht, eigentlich...
    es ist aber einer der grösste teile des "problems" das mir eben die energie fehlt, um mich auf die schönen dinge, die mir ebenfalls fehlen, zu konzentrieren.
    ich bin eigentlich ein fröhlicher und hoffnungsvoller mensch, aber sehr kritisch und realistisch, also, wenn es grund zur freude gibt, freue ich mich auch.
    ...WENN...
    und wenn nicht, tut es arg weh wenn mir jemand mit katholisch angehauchte, rosarotbebrillte empfehlungen, mich auf das (abwesende) schöne zu konzentrieren, kommt...
    sorry, aber das zeugt von wenig empathie und emotionales verständnis.
    nicht falsch verstehen, es gibt leute hier im forum die es wunderbar können, mit nur ein paar wörter mut zu machen, freude zu spenden usw, dein allwissender, belehrender ton erzeugt aber, wie schon gesagt, eher aggressionen, bei mir wenigstens...

    hey, du wirst aber gemerkt haben das mein ton weniger böse ist, heute, weil es mir etwas besser geht, und das nur weil die katze nach 5 tage ausflug wieder da ist, und gleichzeitig heute kaum was negatives passiert ist (also, ich kann mich doch freuen...)...

    du wirst es nicht glauben, aber ich freue mich schon wenn ich es schaffe, ein mal die woche nicht nur meine kaffeetasse, sondern noch ein paar tellern, die seit jahren (kein witz) da liegen, mit zu spülen, also, wenn es die gibt, freue ich mich sogar über gaaaanz kleine dinge, denn grössere gibt es nicht.
    übermässig kann ich mich aber auch nicht darüber freuen, wenn ich ehrlich zu mir sein will, und das will ich und halte es für extrem wichtig.
    denn auf die vier saubere tellern kommen andere 50 dreckigen tellern, tassen, gläser usw, eine seit 6 jahren nicht fertig renovierte ganzwohnung-baustelle mitsamt chaos, schütt und dreck, eine beziehung auf der kippe, ewig wiederkehrende arbeitlosigkeit, gesundheit am arsch, immer weniger soziale kontakte, undundundundundundundundundund undundundundundundundundund...
    und da sollen vier sauberen tellern meine einstellung ändern, und zu rosarote brille werden?
    neee, sorry, ich bin weder in der lage noch gewillt mich so arg selbst zu verarschen, meine situation ist einfach nur SCHEISSE, da helfen auch tausend gespülte tellern nicht.
    rosarote brille würde heissen, die problemen bewusst zu ignorieren, und das finde ich extrem falsch.








  8. #58
    Stefanus

    Gast

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    WbD schreibt:
    @Stefanus
    Dein Beispiel hinkt wie ein holzbeiniger Pirat. Um es in die Geschichte mit den positiven Seiten der ADHS reinzupressen, wäre es angebrachter gewesen, auf die positiven Aspekt von Omis Ableben hinzuweisen: Vielleicht das Geerbte, welches man verjubeln kann. Oder, dass auf der wöchentlichen Höflichkeitstelefonatsliste wieder einiger weniger steht, oder vielleicht war es ja auch eine schreckliche Kracke... man weiß es nicht genau.

    Klar kann man die positiven Sachen an so ziemlich jeder Geschichte an den Haaren herbeiziehen. Natürlich kann ich auch mitten im Krieg in den Fäkalien liegen, und mich schon auf den Wiederaufbau freuen, oder daran, dass es wenigstens heute mal nicht kälter als 10 Grad unter Null ist. Nüchtern betrachtet, liege ich aber immer noch in klirrender Kälte auf gefrorenem Kot, und probiere Teile meines Gürtels verzehrtauglich zu kochen. Na klar, es hätte schlimmer kommen können: Ich wäre vielleicht schon bei meinen schweißtriefenden Stiefeln angelangt. Sehr tröstlich, wie ich finde. ;D
    Nein, hinkt er nicht. Wenn dann hast du da da etwas falsch verstanden. Sry für die harten Worte, aber einfach etwas abzutun mag ich nicht. Und JA wenn du im Krieg in der klirrenden Kälte liegst, dann wird es kaum noch positive Aspekte geben völlig korrekt. Und dennoch kannst du dich motivieren und dir sagen dass du das überstehst, dass du weisst das du stark genug bist diesen Winter (oder was auch immer) zu überstehen. Oder du liegst im graben und denkst tatsächlich: Verdammt ist das kalt, ich werde wohl hier sterben." Positives Denken kann die wohlmögliche Realität verzerren, aber schlussendlich ist das deinem wahren "Ich" völlig egal solange die erbaute Realität im Kopf existiert.

    Das mit der Oma ist exakt so wie beschrieben gemeint. Es geht nicht darum, die positven Aspekte in etwas Negativem zu sehen. Da wären wir bei dem Thema "Schönreden" und das ist nicht Sinn der Sache. Es geht um den Fokus, die Perspektive die man auf bestimmte Dinge legt und die Energie die man für sie verwendet.

    Es kommen im Leben IMMER Probleme auf uns zu. Wir können sie nun akzeptieren oder lösen. Wir lösen dass was wir lösen können und akzeptieren das was wir nur schwer lösen können. Wir akzeptieren es und verbrauchen nicht unsere Energie und unsere Gedanken für diese Dinge. Wir richten Sie auf die Dinge für die es sich lohnt glücklicher zu werden. Wenn es mich erleichtert über ein Problem z.B.: mein ADS zu schreiben, dann schreibe ich darüber weil es mich schlussendlich glücklicher macht. Wenn ich etwas sehr gut kann, dann lenke ich meine Aufmerksamkeit auf diese Stärke, weil es mich glücklicher macht. Wenn ich ein Problem habe, dann kann ich auf dem Problem ewig herumreiten und keine effektive Lösung finden oder ich finde eine Lösung dafür. Warum? Ich mach es weil es mich glücklicher macht. Und wie man sieht, am Schluss dieser Kette steht immer "glücklicher". Weil wir durch dieses denken glücklicher werden. Es ist nur schwer soetwas in ein bestehendes System, eine bestehende Wahrnehmung zu integrieren, die über Jahrezente schon eine gigantisches Konstrukt aufgebaut hat. Wir sollten uns erst hinterfragen ob dieses System nicht vllt. doch tief im Inneren eine gewisse Wahrheit hat.

  9. #59
    Zotti

    Gast

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Ja hallo, ich finde das auch, habe nur die Überschrift gelesen, darum stell ich jetzt hier mal einen Link ein,
    zur Abwechslung, finde ich gerade so lustig, also es heißt dummes gehen,
    dümmer können wir ADSler ja nun auch nicht sein.

    Also viel Spaß beim Gucken

    Ministry of Silly Walks - YouTube

    (hoffentlich ist da auch der richtige Link)

    Gruß Zotti

  10. #60
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 183

    AW: Warum immer alles Schwarz sehen?

    Hallo,

    also ich wäre lieber ohne Störung und ein ganz "normaler" Mensch.
    Es ist schon schwer,wenn einen die Oberflächlichkeit der Anderen bekümmert und man hypersensibel ist in allen Dingen.
    Ich finde daran auch nichts besonders lustig.
    Es ist eher alles sehr traurig und macht mich total unglücklich und ich beneide Menschen,die sich wenig Gedanken machen und eine LMAA-Mentalität haben.
    Sie haben weniger Leidensdruck!

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