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Diskutiere im Thema Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?! im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Hallo ihr Lieben,

    heute in der Ausbildung hat mein Dozent der in der Psychatrie arbeitet einen Satz eingeworfen der mich sehr zum nachdenken angeregt hat, weil ich darüber schon häufiger sinniert habe und auch mit meinem Mann vor gar nicht so langer Zeit darüber sprach.

    Es ging darum, dass manche Menschen sich soviel mit ihrer Krankheit/Diagnose beschäftigen, dass sie sich irgendwann fast ausschließlich darüber definieren.

    Ist das bei jemandem im Ansatz so oder habt ihr Angst davor oder habt ihr das auch manchmal unbewußt gemacht und habt es dann im Nachhinein auch irritiert bemerkt?

    Bei mir war das glaube ich einige Monate schon so. Mein Mann sprach mich irgendwann darauf an, dass es
    "Nur noch um ADHS und Borderline geht" bei mir und ich es irgendwie schaffe das auf alles und jedes Thema zu beziehen und das langsam überall sehe und mich mit so wenig anderen Sachen beschäftige.
    Ich habe rückblickend dann bemerkt, dass ich dadurch, dass ich das letzte Jahr so intensiv mit Therapie und all dem verbracht habe, das manchmal tatsächlich unbewußt gemacht habe und fand das irgendwie erschreckend.

    Ich meine ich bin doch nicht nur eine ADHS`lerin oder Borderliner .....

    Klar ist auch, dass ich aber auch nicht sooo viele andere Dinge hatte mit denen ich mich beschäftigen konnte, weil ich arbeitslos war (was mir auch zu schaffen gemacht hat), kaum andere Menschen gesehen habe außer denen die ich eben täglich sehe und ADHS'lern !
    Ich denke, dass das auch damit viel zu tun hat.
    Jetzt wo ich wieder ganz andere Sachen im Kopf hab, viel zu tun habe, neue Menschen treffe, über ganz andere Dinge rede....ist das alles irgendwie ein Stück weit in den Hintergrund gerückt und ich habe den Eindruck, dass mir das gut tut.
    Klar läuft meine Therapie noch weiter, aber es ist eben nicht mehr so häufig und nicht mehr mein Lebensmittelpunkt und darüber bin ich irgendwie froh....

    Ich hoffe man versteht was ich sagen will und es interessiert mich ob einige das kennen und das bei sich selber auch festgestellt haben oder es bei anderen erlebt haben.

    Wie sehr ihr das ?

    LG

    Rose
    Geändert von Rose ( 6.09.2012 um 17:31 Uhr) Grund: Rechtschreibselung

  2. #2
    Lysander

    Gast

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Ja. Ich glaube, dass diese Gefahr besteht. Allerdings muss man sich mit seiner Diagnose eine Zeit lang auseinandersetzen. Aber ich bin nicht AD(H)S und definiere mich nicht über meine Diagnose. Ich habe sowieso mehrere: Kalmann, Diabetes, ADSler.... mit allen habe ich mich sehr intensiv beschäftigt. Mit Recht. Auf Mitmenschen kann das dann so wirken, als definiere man sich darüber. Das ist mir vor Jahren mit dem Diabetes auch so gegangen. Wenn man aber damit auch ein Ende findet, ist es ganz okay, denke ich. Aber ich habe mich mit vielen Dingen intensiv beschäftigt, auch mit Astrophysik. Damals hatte ich einenentsprechenden Spitznamen, weil ich nichs anderes mehr zu kennen schien. Irgrndwann schließt man aber ein Thema ab, sucht sich etwas Neues. Gerade ADSler brauchen doch immer wieder einen neuen Kick ;-).

    Aber dieser Hyperfokus kann für Mitmenschen ganz schön nervig sein. Das muss man vielleicht berücksichtigen und sollte nicht so viele Ereignisse auf das eine bestimmte Thema beziehen.

  3. #3
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Ich denke auch, dass man sich mit dem befasst, dass einen aktuell beschäftigt. Und wenn man es genau betrachtet sind dies meist mehrere Themen, selbst wenn die Diagnose(n) vllt mal überwiegen.
    Das ist aber ein wichtiger Gedanke, ob man noch im "Be-/Verarbeitungsmodus" ist, oder ob einen die Diagnose schon auffrisst!

    Das ist ein Grund, weshalb ich nicht mit sehr vielen Leuten darüber spreche. Weil ich finde, dass dann die Gefahr groß wird, über die Diagnose deffiniert zu werden und auch an zu fangen, alles, was einen selbst ausmacht (Gutes und weniger Gutes) mit ADHS zu erklären.


    Allerdings weiß ich nicht genau, ob Du Rose, das mit dem "Sich-deffinieren" so gemeint hast, wie ich es verstehe...

    LG
    happy

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 49

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Hi Rose, lange nach meiner stationearen Therapie, wurde mir von anderen Teilnehmern vorgeworfen, "ich sei übertherapiert".

    Gemeint war damit, das sich fast alles ausschließlich nur noch um dieses Thema (damals Sucht) drehte, immer lenkte ich Gespräche in diese Richtung. Fühlte mich schlecht in dieser "Schublade" - konnte es aber nicht ändern, der Drang war zu groß. Heute bin ich einer der wenigen aus dieser Zeit, der bisher nicht Rückfällig geworden ist, worauf ich stolz bin.

    Ich glaube dass das so ist, liegt daran das ich mich derart intensiv mit mir und dem Thema befasst habe, es ernst nehme. Sonnst könnte ich mich wieder verlieren, denke ich ängstlich.

    Lg Tosh

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Danke für Eure schnellen und ehrlichen Antworten!

    Happy ich denke Du hast mich schon richtig verstanden. Auch ich trete daher meine Diagnosen nicht bei vielen breit und denke das ist auch gut so.

    Sehr viele Menschen sehen einen plötzlich in einem anderen Licht aufgrund der Diagnose die sie dann kennen.... plötzlich ist es nicht mehr "Du bist so temperamentvoll" sondern "moah Du und Deine Ausraster wegen Deiner "Krankheit""!
    Die Frage ist eben ob man dann dazu neigt das auch selber so zu empfinden... wie sehr beeinflusst einen das? Ich werde IMMER ein temperamentvoller Mensch sein der nicht auf den Mund gefallen ist, aber das hat denke ich nicht zwangsläufig mit meinen Diagnosen zu tun.

    Ich habe halt festgestellt, dass es nicht gesund ist sich nur noch damit zu befassen, weil man sich selber dann auch manchmal viel zu "hart anpackt" und alles wegtherapieren will was vielleicht eigentlich ganz akzeptabel ist und schon immer so war, was man nur jetzt viel bewußter wahrnimmt.

    Ich denke, dass ich auch oft dazu geneigt habe dann Dinge "überzudramatisieren" (ja das kann ich so gut) weil ich der Meinung war, dass das anderen unangenehm auffallen könnte....was aber vielleicht gar nicht so war......

    Ich hoffe man versteht irgendwie was ich sagen will .o0(ich habe heute schon sooo viel gedacht und gesprochen, dass ich manchmal glaube ich kann nicht zum Punkt kommen, aber jetzt mache ich einen....PUNKT

    LG

    Rose

  6. #6
    Stefanus

    Gast

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Ich denke es ist einfach schwer zu differenzieren zwischen ADS Verhaltensweise und normale Verhaltensweise. Ich denke durch die Diagnose definiert man sich weitesgehend schon mit dem ADS. Was aber sicherlich nicht gerade gut für das Selbstwertgefühl ist weil man sich noch mehr "Anders" fühlt als man es schon ist. ADS ist wie eine Wurzel die der Ursprung für sehr viele Verhaltensweisen ist. Dennoch ist es nicht die einzige Wurzel von allen Bäumen im Wald aber wohl eine die sehr viele Bäume besitzen.
    Ich denke man sollte grundlegend sich klar machen dass jeder Mensch unterschiedlich ist. Jeder Mensch hat etwas bestimmtes an sich. Wir haben ADS, andere Borderline, andere Schitzophrenie, andere Pakinson, sind Blind, haben Torret... usw. Unter dem Strich ist ein Großteil von uns "Anders". Jetzt kann man natürlich durch die Welt gehen und immer denken dass man "Anders" ist. Aber im Grunde ist es sicherlich weitaus sinnvoller sich als einen eigenen Menschen zu sehen der sich durch besondere Stärken und Schwächen auszeichnet. Wir alle sind Menschen und funktionieren bis auf wenige Prozentstellen nach dem Komma exakt gleich, das sollten wir uns viel öfter vor Augen halten...

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 97

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Hi Rose,

    bei mir war das tatsächlich so, dass ich mich kurz nach der Diagnose im Erwachsenenalter, extrem viel mit ADS plus den Komorbiditäten bei mir (Ängste und Depressionen) beschäftigt hatte und ich mich auch zunehmend nur noch darüber definierte.
    .
    Durch einen Klinikaufenthalt, langer Therapie, sozialpädagogischer Begleitung, etc. bestand mein Alltag eigentlich nur noch aus Facetten des Bewusstmachens von ADS.

    Außerdem nahm ich sehr viele verschiedene Medikamente, die allesamt viele Wirkungen, aber auch Nebenwirkungen hatten, sodass ich auch wiederum alles, was ich am Tag dachte, fühlte mit diesen Medis in Verbindung brachte.

    Kurzum es war insgesamt ein leicht fremdgesteuertes Gefühl, so würde ich das beschreiben.

    Alles wurde nur noch durch die Diagnosen definiert, es war ein Gefühl, als hätte ich eine ADS-Brille auf.

    Vielleicht ist das sogar notwendig eine bestimmte Zeit lang, um sich insgesamt auch besser anzunehmen.

    Allerdings auf Dauer sehe ich da schon ein paar Probleme.

    Ich schätze meine sehr wenigen Sozialkontakte, die mich zum Teil mein halbes Leben schon begleiten.

    Wenn dann ADS, Diagnosen, Krankheit und Medikamentenwirkungen nur noch Thema sind, belastet es schon eine Freundschaft auf Dauer, denke ich. Zumindest hat es mich selbst persönlich schon genervt, dass ich nur noch diese Themen im Kopf hatte.

    Außerdem wurde auch tatsächlich der Kontakt zu Freunden seltener und schwieriger.

    Ich musste erstmal einen kompletten Cut machen, meine Medis absetzen, Reha beenden etc., um einfach mal eine Zeit lang nichts mit dieser Thematik zu tun zu haben, um jetzt erst wieder – für mich – gesünder und entspannter mit der Thematik »ADS+ich« umgehen zu können.

    Aber immer mit dem Fokus darauf, dass es noch vieles anderes im Leben, in meinem Leben geben muss, auf das ich mich auch konzentriere.

    Es ist wohl ein schmaler Grat auf dem man sich bewegt, wenn man versucht, sich mit z.B. ADS anzunehmen, aber in dieser Selbstannahme es nicht überzubewerten.

    Liebe Grüße und alles Gute...;-)

  8. #8
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 968

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Die Gefahr besteht sicher immer, dass man sich nur noch darüber definiert, aber ich denke auch - wie schon hier genannt wurde - dass nur intensiv sich damit zu beschäftigen für andere aussieht, als würde man sich darüber definieren..

    Ich merke, dass das ADS -Thema bei mir auch ein zu großen Part einnimmt und ich meine richtigen Interessen vernachlässig.. aber das möchte ich ändern...

    ... seid Jahren ...

  9. #9
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 473

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Hallo Rose,
    als ich frisch ins Thema ADS kam, drehte sich bei mir auch alles nur ums Thema, da ich, als Spätdiagnostizierte ein aha- Erlebnis nach dem anderen hatte!
    Meine Leute haben sich echt die Haare gerauft, glaube ich!
    Das wurde mit der Zeit ruhiger. Nun ist es Alltag und normal.
    Mach' dir keinen Kopf! Solange dir das so auffällt, kann eigentlich nix passieren!
    Liebe Grüße von Melli

  10. #10
    Prinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 826

    AW: Die Gefahr sich über seine Diagnose(n) zu definieren?!

    Als ich die Diagnose vor 1.5 Jahren bekam habe ich mich kaum damit beschäftigt. Ich steckte in nem anderen Chaos und hatte keine/kaum Zeit.
    Jetzt wo ich aber anfange mich zu beschäftigen, MPH nehme, ist es so als wäre alles ganz frisch. Auf einmal fange ich an mich zu begreifen, andere zu verstehen. Und klar, kann das für andere nervig sein. Aber es ist ein Prozess. Wenn ich verstanden habe worum es geht, wie ich mit meiner Umwelt klar komme, habe ich auch wieder Platz für anderes.

    So war es bislang bei ner Menge Themen im meinem Leben. Je mehr ich verstand um so mehr rückte das Thema in den Hintergrund.

    Ob man sich deshalb darüber definiert? Ich weiß nicht. Bei manchen, die den Absprung nicht schaffen ist das sicherlich so. Aber ich bin doch nicht meine Störung.

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