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Diskutiere im Thema Kopf hoch und lächeln, bitte im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #11
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 110

    AW: Kopf hoch und lächeln, bitte

    Hy quicksilver,

    Die Diagnose war für mich eine riesige Erleichterung. Ich hatte die letzten Jahre immer wieder Depressionen. Es ging in meinem Leben auf und ab. Das was mich dabei immer wieder runtergezogen hat war, das mir bewusst wurde, bzw. das ich nicht mehr verdrängen konnte, dass ich einfach nicht so funktioniere wie andere Menschen. Ich hab irgendwie nichts wirklich auf die Reihe gebracht. Hatte aber auch keine Erklärung dafür. Ich hab mich immer wieder gefragt, warum bin ich so, warum bekomm ich das nicht hin, bin ich doch einfach nur dumm, unfähig, faul?
    Diese ganzen Selbstzweifel haben mich immer und immer wieder runter gezogen, vor allem in Kombination mit dem Kopfkino und den Endlos-Gedankenschleifen.

    Im Anbetracht dass ich Wert darauf lege dass mich meine Mitmenschen mögen sollen.
    Ehrlich, das ist nicht mehr peinlich, dass ist irgendwas schlimmeres...
    Genau das hat mich auch fertig gemacht. Ich bin ein Perfektionist. Fehler nehm ich immer sofort persönlich. Und peinlich war es mir, weil sich so, wie ich mich teilweiße verhalte, kein normaler Mensch verhält. Und ich wollte doch ein normaler Mensch sein.

    Als ich dann die Diagnose bekam und ich mich mehr und mehr mit dem Thema auseinander gesetzt habe, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Endlich weiß ich was los ist, warum ich so bin wie ich bin. Endlich macht das alles einen Sinn.

    Ich bin nicht dumm, ich bin kein Taugenichts. Ich bin halt nur in einigen Dingen nicht so gut wie ein Normalo. Aber jetzt wo ich weiß warum das so ist, kann ich die richtigen Gegenmassnahmen treffen. Ich weiß jetzt wo ich ansetzten muss. Ich weiß jetzt das ich kein normaler Mensch bin. Und hier im Forum hab ich gelernt, das es auch viel besser so ist, das ich kein "Normalo" bin und das es genug andere wie mich gibt. Leute die nicht mehr ganz dicht sind (sorry @ all und damit kein Problem haben.

    Vielleicht ist das auch noch die überschwängliche Euphorie und die Hoffnung das jetzt alles ganz schnell wieder gut wird, so wie du es schreibst:
    super jetzt werde ich mich endlich besser fühlen und in ein paar Monaten bin ich genau der Mensch den ich sein will.
    So langsam merke ich aber auch, das es so schnell nicht geht.

    Jetzt bin ich ausgeglichen, aber ich habe mich nicht mit der Situation abgefunden. Im Gegenteil.
    Früher bin ich nach einem Hoch sofort wieder in alte Verhaltensmuster wie jammern und überanstrengung gefallen. Nicht mal das geht jetzt.
    Ehrlich gesagt hätte ich gedacht das läuft anders.
    Zwischendurch ist mir sogar regelrecht langweilig ohne das auf und ab der Gefühle und den Stress
    Es setzt eine gewisse Ernüchterung ein. Es geht doch nicht mit einem Fingerschnips. Und auch die richtige Einstellung der Medikamente ist doch nicht so einfach wie gedacht.
    Ich muss zusätzlich wohl doch auch erst lernen mit der neuen Situation um zu gehen. Es ist quasi ein neu ordnen. Vielleicht vergleichbar mit einem Computer. Die Festplatte wurde komplett bereinigt. Dein Betriebssystem ist installiert (mit allen Macken und Kanten), private Dateien mit Erinnerungen wurden kopiert, es ist alles da. Nur es muss alles komplett neu eingestellt werden. Welche Programme brauche ich? Welches Hintergrundbild will ich? Wie soll der Bildschirmschoner aussehen? ....

    Ich bin momentan Arbeitslos und Krankgeschrieben. Ich weiß also auch noch nicht so recht wie ich unter "normalen" Arbeitsbedingungen zurecht kommen werde. Werden mir Vergesslichkeit und Schusseligkeit wieder Schwierigkeiten machen? Werden sie mich dann wieder runterziehen?

    Ich versuche da mit einer positiven Stimmung ran zu gehen. Ich bekomme Medikamente, die mir helfen sollen, ich versuche neue Verhaltensmuster zu erlernen, ich weiß wo die Probleme herkommen und, ich glaube, ich haben so langsam für akzeptiert, das mein gesamtes restliches Leben ein fortwährender Kampf sein wird. Jeden Tag aufs neue.

    Was andere Menschen sagen werden und wie ich darauf reagieren werde wird sich auch zeigen. Bis jetzt weiß es nur meine Familie und die haben es akzeptiert. Und ausser ein paar Freunden soll es auch niemand erfahren.

    Ich interpretiere aus deinen Beiträgen, das du momentan ein wenig verwirrt bist. Und das du immer noch versuchst an alten Verhaltensmustern und gesellschaftlichen "Normen" festhälst.
    Musst du denn wirklichen allen gefallen wollen? Is das nich scheißegal? Ist es nicht wichtiger das du dich magst?
    Ist es denn ein Problem das du eine Frau liebst? Nur weil es in der Gesellschaft immer noch ein stück weit Tabuthema ist, es als nicht "Normal" gilt?

    Ich weiß, das sagt sich jetzt so einfach. Und ich hab da ja auch gewaltige Probleme mit. Aber ich bin dabei zu versuchen das zu ändern.

    Der Weg zur Selbsterkenntnis ist seeeehr steil, seeeeehr lang und seeeeeehr steinig. Aber wenn du ihn einmal betreten hast solltest du ihn nicht verlassen, denn die Aussicht vom Gipfel wird sicher für alle Mühe entlohnen. (Es muss so sein, denn auf dem Weg gibt es hier und da schon nette Aussichtspunkt.)

    So, ich hoffe mein geistiger Erguss ist ein wenig hilfreich, bzw. einigermaßen verständlich.
    Wenn nicht, einfach fragen

    Gruß
    windig

  2. #12
    quicksilver

    Gast

    AW: Kopf hoch und lächeln, bitte

    Hi windig, ich bins nochmal

    Vielen herzlichen Dank für deine Antwort!
    gestern Abend hätte ich fast den Text wieder gelöscht, weil ich dachte vielleicht bin ich ja doch zu emotional...so für die ersten Beiträge sollte man sich vielleicht zurückhalten.

    Jetzt bin ich trotzdem froh, dass ich deine Überlegungen lesen durfte.
    Genau so empfinde ich das auch, mit dem Ordnen der Festplatte hast du voll ins schwarze getroffen.
    Mit der verwirrung liegst du richtig, ich habe heute gelesen dass manche Leute die ADS haben ihre Pubertät erst mit ca. 27 abschliessen...hab schon gedacht ich führe mich auf wie ein Teenager

    Heute habe ich mir Zeit genommen und nochmal über alles nachgedacht.
    vielleicht ist es ja so, dass sich die Liebe einfach mehr Platz in meinem Leben sucht. Und das ist ja eigentlich genau das, was ich mir von Herzen gewünscht habe.

    Und an all die negativen Gedanken und Selbstbeschuldigungen habe ich mich anscheinend so gewöhnt, dass der Gedanke mir ganz neu erscheint, tolle und liebenswerte Menschen könnten mich auch mögen.
    Diese Vorstellung haut mich regelrecht um.

    Seit ein paar Monaten fühle ich mich, als wäre Weihnachten, und habe dauernd Angst, jemand könnte mir meine Geschenke wieder wegnehmen. Das verstärkt meine schusseligkeit noch.

    Du hast ja wirklich ganz schön viel Erfahrung. Das mit der Depression tut mir leid.
    Ich wünsche dir sehr dass diese mit der Behandlung für immer verschwinden.

    Schreib doch wie es dir dann beim Neustart mir der Arbeit geht,wenn es soweit ist.
    Diese Anfänge sind immer spannend.

    Nochmals vielen Dank einen schönen abend und bis bald

    wünscht dir Quicksilver

  3. #13
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 110

    AW: Kopf hoch und lächeln, bitte

    Hy quicksilver,

    freut mich, wenn ich dir ein wenig helfen konnte

    vielleicht bin ich ja doch zu emotional
    Das würd ich nich ganz ausschliesen. Wir ADS'ler haben da schließlich ne Neigung zu

    ich habe heute gelesen dass manche Leute die ADS haben ihre Pubertät erst mit ca. 27 abschliessen...hab schon gedacht ich führe mich auf wie ein Teenager
    Das erklärt einiges. Sehr gut. Dann besteht ja doch noch Hoffnung für mich. Wie war das noch gleich? Aussehen wie 20, benehmen wie 14 und sich fühlen wie 90?

    dass sich die Liebe einfach mehr Platz in meinem Leben sucht
    Ja das geht mir auch so. Die Liebe war zwar auch vorher schon da und auch recht intensiv, wie ich dachte. Aber irgendwie war sie doch eingesperrt. Sie war nicht frei und unbeschwert.

    als wäre Weihnachten, und habe dauernd Angst, jemand könnte mir meine Geschenke wieder wegnehmen
    Ja, das trifft's.

    Du hast ja wirklich ganz schön viel Erfahrung.
    Oh Gott. Da werd ich noch rot
    Ich würd das nich als viel Erfahrung verbuchen. Eher unter: Wer nicht hören will muss fühlen. Oder: Warum einfach wenn's auch schwer geht.

    So, ich wünsch dir auch noch nen ruhigen Abend und ne ruhige Nacht

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