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Diskutiere im Thema Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 53

    Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Hi Community!
    Wie im anderen Thread bereits angekündigt. Hier meine zweite Frage, die ich um den Überblick nicht zu verliehren, in einen anderen Thread auslagere. Es geht um den Hyperfocus.

    Also:
    Gestern war ich wieder mal Stunden "ungewollt" im HF-Zustand. ich denke, da muss ich nix darüber erklären. Was mich interessiert, das ist, ob man den HF nicht auch für bessere Dinge nutzen kann als die Zeit zu vertrödeln. Leider kann ich im HF nur "sinnloses" Zeug machen. (Surfen, Fernsehen...) Sobald es in Richtung Arbeit geht, wirds schwierig. Da habe ich zuwenig Struktur für konsequente Anwendungen. Z. B. kann ich eine Webseite entwerfen, das dauert ein paar Stunden. Das geht im HF. Aber dann muß ich Sachen machen, die lästig sind, und strukturiertes Denken voraussetzen. (Dem Kunden ein Mail schreiben und sagen, dass die Seite fertig ist. Oder die technischen Aspekte der Seite überprüfen...) Da ist es aus mit dem HF und das Projekt bleibt erst mal liegen. (Solange bis die Kunden schreien.)

    Kennt das Thema jemand hier im Forum'? Und falls ja: Wie geht ihr damit um?

    Viele Grüße!
    Raphael

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Ich kenne das auch - selbst, wenn alles gut gelaufen ist, fehlt mir die Kraft für den letzten Schliff.

    Hab keine Antwort, will mich der Frage nur anschließen.

    Auch ich könnte ne gute Idee gebrauchen.

    Waldsteinie

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Du kannst den Hyperfokus nicht steuern, das liegt in der Natur der Sache. Wenn du das könntest könntest du dich wie andere auch willentlich auf eine Sache fokussieren - die Unfähigkeit genau das zu tun ist aber dein Problem.

    Was du machen kannst sind Bedingungen schaffen in denen du deine Fokussierung etwas besser steuern kannst. Und dann die Dinge die dich langweilen, die aber sein müssen, interessanter verpacken. Aber einen Hyperfokus gerichtet einsetzen? Das ist eine Widerspruch in sich.

  4. #4
    Chaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 50
    Forum-Beiträge: 5.321

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Hier wurde zu dem Thema mal ein Thread eröffnet.

    Wenn ich mich recht erinnere, ist der Hyperfokus wohl leider nicht steuerbar.

    Die Meinungen gingen überhaupt stark auseinander, bis hin zu: ADHSler haben keinen Hyperfokus.

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Wildfang schreibt:
    Du kannst den Hyperfokus nicht steuern, das liegt in der Natur der Sache. Wenn du das könntest könntest du dich wie andere auch willentlich auf eine Sache fokussieren - die Unfähigkeit genau das zu tun ist aber dein Problem.

    Was du machen kannst sind Bedingungen schaffen in denen du deine Fokussierung etwas besser steuern kannst. Und dann die Dinge die dich langweilen, die aber sein müssen, interessanter verpacken. Aber einen Hyperfokus gerichtet einsetzen? Das ist eine Widerspruch in sich.
    Schade, ist für mich momentan nicht so aufbauend - muss ich wohl mit klarkommen.

    Beim Nachlesen in dem erklärenden Thread kam ich schon ins Grübeln und hab auch plötzlich verstanden, weshalb ich die Diagnose Bipolar so einfach angenommen hab. Ich hänge plötzlich mit meiner ganzen Aufmerksamkeit auf einem winzigen Ausschnitt (natürlich einem Nebensächlichen) z.B. den Schuhen meines Gegenübers, die ich unterm Tisch anschaue!

    Das Bild knallt so richtig in mein Gehirn. Dann ist es wieder weg - ich bezeichne es immer als Glotzen.

    Wenn ich alles zum Hyperfocus richtig verstanden habe, dann lässt er sich allenfalls ein bisschen abmildern. MPH nimmt damit dem Chaos ein wenig die Spitze und zugleich auch dem Hyperfocus - eben so, dass es in normalen Alltag erträglich ist.

    Mist: Ich hab schon wieder viel zu viel von den Medis erwartet! Dachte wirklich, dass jetzt alles in einen gemütlichen und geschmeidigen Fluss kommt. Da hoff ich wohl zuviel.

    Waldsteinie

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Ich kenne das absolut. Ich habe fast immer einen Hyperfokus auf irgendwen oder irgendetwas.

    Wie ich damit umgehe. Oft merke ich es gar nicht, weil ich das einfach bin. Es hat schon auch ordentlich Vorteile. Ich vergesse ja nicht gleich wieder Dinge, die ich im Hyperfokus lese oder lerne. Also habe ich ein großes Faktenwissen und kann schnell mal mitreden.

    Manchmal sind es philosophische Dinge oder ähnliches. Und machmal kann mich auch eine TV-Show für Tage völlig faszinieren und wenn der HF wg ist, schaue ich mir das wochen- und monatelang nicht mehr an.

    Ich mag den Satz "du kannst nicht verhindert dass ein Vogel auf deinem Kopf landet - aber du kannst verhindert dass er sich ein Nest dort baut".

    Ich nehme meinen Hyperfokus an und ich habe eine Tätigkeit die das in einem gewissen Rahmen auch erlaubt bzw. und in einem anderen Rahmen dann gar nicht möglich macht. Weil "mein Job" da ist und behandelt werden will. Das hilft mir im Job sehr.

    Zuhause - abstellen kann ich ihn auch nicht, aber ich kann während er "läuft" trotzdem andere Dinge tun. Das klappt nicht immer toll, aber es geht schon. Ich versuche ihn auch nicht wegzuschieben. Oft verlege ich die Beschäftigung damit dann auf die späten Abendstunden und das kann bis in die Nacht gehen und ich bekomme zu wenig Schlaf - dann hat es mich aber wenigstens nicht an anderer Interaktion oder Tätigkeiten gehindert.

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Hi,
    danke für die vielen Antworten. Ich hab auch den anderen Thread gelesen und interessante Infos gesehen. Ich fasse mal die Erkenntnisse zusammen:
    1) HF ist toll, wenn man etwas gefunden hat in dem man wirklich aufgeht. Dann können die Ergebnisse brilliant sein. Bei mir ist das so bei den kreativen Aspekten meiner Arbeit.
    2) HF ist Mist, weil man manche Dinge nie tun wird. Z. B. Aufräumen oder (das ist ein Aspekt, der mich nervt): Nach der "kreativen Phase" die Kunden anrufen und das Produkt präsentieren. Oder die Endabrechnung eines Jobs zu machen.

    Die Schlußfolgerung:
    Ich sehe "mein" ADHS nicht als Krankheit, sondern als Eigenheit mit der ich umgehen lernen werde. Die positiven Aspekte (s.o.) will ich behalten, die negativen Aspekte eindämmen oder kontrollieren.
    Dabei gibt es folgende Möglichkeiten:
    - Medikamentation (mag ich nicht so sehr)
    - Übungen (Autogenes Training, Atemübungen, Meditation...)
    - Ernährungsumstellung, Sport, viel Natur genießen
    - Information meiner Umwelt, dass ich manche Dinge, die für viele einfach sind, nicht so leicht kann.
    - Klare Zeitpläne für Aktivitäten, die mich abgleiten lassen. (Z. B. Internet)
    - Schaffung klarer Strukturen soweit es möglich ist. (z. B. morgens als erster Schritt immer alle Mails beantworten oder abends immer den Schreibtisch aufräumen.)
    - Einen Coach beschäftigen, der mit mir wöchentlich Prioritäten bespricht.

    Wie klingt das aus Eurer Sicht? Ich habe bei der ganzen Sache einen Vorteil: Sobald ich mir etwas WIRKLICH vornehme, tue ich es auch. Aber der Schritt bis zum WIRKLICH kann schwierig sein. Denn Vornehmen tue ich mir regelmäßig sehr viel. (Und realisiere wenig.) Aber WIRKLICH VORNEHMEN ist ewas anderes. Z. B. wenn ich mir WIRKLICH VORNEHME, dass ich jeden Tag laufen gehe, dann mache ich das auch. Wenn ich aber dann einen Tag nicht laufen gehen kann (z. B. weil ein Schneesturm wütet) dann gehts mir richtig schlecht. So ein nicht durchgeführtes Detail kann dann die ganze Planung eines Tages ziemlich kompliziert machen.

    Viele Grüße!
    Raphael

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    Ausrufezeichen AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Waldsteinie schreibt:
    Schade, ist für mich momentan nicht so aufbauend - muss ich wohl mit klarkommen.

    Beim Nachlesen in dem erklärenden Thread kam ich schon ins Grübeln und hab auch plötzlich verstanden, weshalb ich die Diagnose Bipolar so einfach angenommen hab. Ich hänge plötzlich mit meiner ganzen Aufmerksamkeit auf einem winzigen Ausschnitt (natürlich einem Nebensächlichen) z.B. den Schuhen meines Gegenübers, die ich unterm Tisch anschaue!

    Das Bild knallt so richtig in mein Gehirn. Dann ist es wieder weg - ich bezeichne es immer als Glotzen.

    Wenn ich alles zum Hyperfocus richtig verstanden habe, dann lässt er sich allenfalls ein bisschen abmildern. MPH nimmt damit dem Chaos ein wenig die Spitze und zugleich auch dem Hyperfocus - eben so, dass es in normalen Alltag erträglich ist.

    Mist: Ich hab schon wieder viel zu viel von den Medis erwartet! Dachte wirklich, dass jetzt alles in einen gemütlichen und geschmeidigen Fluss kommt. Da hoff ich wohl zuviel.

    Waldsteinie


    Du kannst das lernen sogar erheblich zu steuern. Das ist aber meine Meinung und Beobachtung. Es erfordert nur viel mehr als bei Normalen Menschen. Ich gebe dir den Tip, dich mit dem Material von Birkenbihl zu befassen. Meines Erachtens ist diese Frau ggf. ohne das sie es weiß selbst so etwas wie ADHSlerin. Sie führt jedoch ihre speziellen Schwächen auf "genetisch Versaut"-heit zurück, die sie nach ihren eigenen Worten in Vorträgen bei der ganzen Familie so beobachten kann.

    Es kann nämlich folgendes helfen: Die Aufmerksamkeit und der Hyperfokus springen immer dann an, wenn Spannung mit der übersichtlichen Erreichung eines Zwischen- oder Endzieles verknüpft sind. Also wenn du Aufgaben in kleine Teilschritte zerlegst, an deren Endpunkt du bereits eine Belohnung absehen kannst. Aufgaben müssen dabei lösbar sein, und das sind ALLE AUFGABEN des Alltags, wenn sie in kleine Einzeltätigkeiten zerstückelt sind. Das ist natürlich ein bestimmter Aufwand den wir da leisten müssen und der einem schon dieses "Mir ist Schlecht vor innerer Anspannung" -Gefühl vermittelt. Aber ohne harte kontinuierliche Arbeit wird es nicht besser.

    Vielleicht sagt dir der Begriff "Gamifikation" etwas. Da passiert genau das: Eine Aufgabe, ein Aufmerksamkeitsfokus wird spielerisch in einen Fokus gezogen und dort hingezogen durch die von Anfang an sichtbare und erreichbare Karotte, die am Ende auch "gepfückt" werden darf.

    Auf dieser Ebene funktioniert es relativ gut, harte Arbeit ist trotzdem nötig.

    In vielen Fällen hilft die Betrachtung einer Aufgabe sehr gut und ihre strukturspezifische oder emotionale Umdeutung. Was heißt das?

    Man löst sie aus dem Kontext heraus, nimmt ihr damit die negativen Assoziationen, die im alten Kontext oft unglaublich tief eingebrandt sind.
    Beispiel: Kochen für die Familie. Das nervt viele! Immer wieder hat es für Frauen etwas mit Understatement zu tun, man will ja den Normen der modernen Frau als ADHSler in perfektionistischer Weise entsprechen. Also muss Frau krass super kochen, obwohl sie es haßt und sich wie ein verachtetes Hausmütterchen vorkommt, nicht gerade das Traumziel eines modernen Lebens und für ADHSler-Ladies sicher auch ein Symbol ultraortodoxer Normalität, die jegliche Individualität zu ersticken droht! Dabei kommt heraus: "Hilfe ich muss kochen! Ich kann nicht, will nicht, habs nicht geübt, es macht mich rasend und wahnsinnig! Ich will lieber dies und das tun! Leider hab ich die Verantwortung, meine Kids und der Mann alle nerven wollen was von mir, ich muss kochen! Hilfe!"

    So ungefähr erscheint mir das. Wieso musst du kochen? Du hast einen Mann und Kinder, die auch kochen können. Die Kinder sind noch sehr klein? Gut dann wollen die eh nur Pommes, Pizza, Nudeln und dazu Mayo, Ketchup und manchmal Fischstäbchen oder ein Schnitzel.
    Sobald die Kleinen zwischen 6-8 Jahren sind, können sie selbst was machen.
    Sicher gibt es Individuell noch viele Probleme. Aber ich schreibe mal in einem fort die Lösungen: Nur alle drei Tage für zwei Tage kochen, einen Tag gibts was Fertiges ausm Supermarkt oder Gastronomie. Hilfe bei Freunden Familie oder Nachbarn holen, die ein oder zwei mal beim Kochen helfen. Der Mann kann auch kochen, selbst wenn er Berufstätig ist, bleibt es nicht aus, das er seiner Frau Härtefälle abnimmt - Vor allem hat der Mann zu kochen und oder es zu lernen, wenn er selbst gar nicht oder nur Teilweise berufstätig ist.
    Die Kinder können sich das meiste selbst kochen wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben (solang sie nicht selbst ADHS-Basierende Probleme haben).

    Nimm also den Druck des Müssens! Heraus. Mach ne Soll oder Kann Vorschrift daraus. Das ist viel Effizienter und der Druck wird geringer! Was man soll oder könnte, kann man auch lassen. Dann entsteht der Raum die eigene Motivation zu hinterfragen und eine eigene Entscheidung zu treffen! Das klingt banal, ist aber SUPERWICHTIG für das wirksame am Konzept und das SELBSTWIRKSAMKEITSERLEBEN!


    Ein anderes Beispiel?

    Vielen ADHSlern macht Sport nicht nur Spass ,es ist vielfach wichtiger als für Normal Veranlagte das richtige Maß an Bewegung zu bekommen. Wieso nicht z.B. Wenn Laufen auf dem Stundenplan (Ja, sollte jeder ADHSler haben ... ) steht, dann kommen vorher 10! Minuten Hausarbeit dran. 10? Ja, da ist schon einiges zu schaffen. In dieser kurzen Zeit erreicht man oft viel viel mehr als bei ausgedehnten planungsintensiven Reinigungskonzepten.
    Einfach sich innerlich schon im Sportdress und Laufschuh auf das Joggen freuen und dann die Erkenntniss in sich wirken lassen "nur eben die Wäsche aufsammeln in den Korb werfen, das Klo putzen, Müllbeutel grabschen und dann gib ihm mit vollgas ins Joggingerlebnis als Belohnung.

    Man kann sagen, das dieser Ansatz des gehirngerechten Lernen und Handelns wie Birkenbiehl das immer gern nennt nicht viel anderes als eine Neudefinition von Aufgabenstellungen umfasst und deren belohnungsmotivierte Ausführung in Etappenzielen.
    Ich bin eigentlich gegen diese Form der Erziehung, weil sie eine Lustorientierung fördert und weniger zu Reifeprozessen hin erzieht. Aber für ADHSler muss es möglich sein, diese Konzepte zu verfeinern und einzusetzen, weil diese eben gehandicapt sind. Für Behinderte legen wir eben andere Hilfsmaßnahmen und andere Erwartungshaltungen an. ADHSLer sollten sich hier nicht ausschließen und dem Perfektionismus, dem ALLEM-GERECHT-WERDEN-WOLLEN den Kampf ansagen und alternative Lösungswege einfordern, ausprobieren, einüben - Mit ihren Familienangehörigen, Freunden, Kollegen und und und.

    Verstehst du das Konzept? Man fängt an diese Dinge nicht mehr als eine Belastung einzordnen sondern als spielerische Unterbrechnungen des Tagesablaufes und dabei läßt man keinen Druck entstehen: Alles Kann, nichts muss! So fördert es den Spass und der Spass an der Sache fördert die Überwindung des Dopaminmangelsyndroms und das den also die Umsetzbarkeit von Aufgaben, die unbelasteter erscheinen, weil man Tabula Rasa - Also völlig unbelastete Aufgabendefinitionen kreiert!

    __

    Ich glaube ein ganz besonders wichtiger Aspekt ist einfach: ADHSler sollten einfach die Erkenntniss erlangen, daß Sie gehandicapt sind. Sie sind nicht wie die überwiegende Mehrheit und daher sollten sie auch nicht versuchen dieselbe Art und dieselbe Leistung zu erbringen. Genauso wenig wie man von einem Rollstuhlfahrer erwartet das er läuft, so läuft auch der ADHSler nicht mehr rund.

    Der ADHSler ist aber unter den "Behinderten" der "einäugige König" unter "Blinden". Denn ihm kann trotz der Behinderung alles gelingen, wenn er es geschickt anstellt und wenn nötig auch anstellen läßt! Sich zuarbeiten lassen, delegieren und von anderen Hilfe einfordern. Das sind wichtigste Kernkompetenzen der ADHSler und darauf sollte man sich neben dem "Gamifikation"-Ansatz, den ich zu schildern versuchte (stell Fragen wenn die Erläuterngen nicht gleich nachvollziehbar sind).

    1. Aufgaben neu überdenken, schriftlich! Damit nicht alles vergessen wird
    2. Aufgaben in Teilaufgaben zerhacken! Mit deiner gesamten Supporteinheit an helfenden Händen
    3. Neue Gedanken einbringen. Wieso koche ich? NIcht mehr aus Pflichtgefühl, weil die Kinder sonst des elenden Hungers sterben, sondern weil ich dem Kind/Mann/Familie eine Freude machen möchte...ALSO: Motivationelle Orientierung schaffen!! Schluss mit: Ich mach weil ich muss! Zwang funktioniert bei ADHSLern eh nicht richtig afaik...
    4. Unterstützung und Verständniss einfordern - Kein MUSS! dulden! ALLES KANN - Nichts MUSS! Kreative Improvisationsräume schaffen und deren Akzeptanz einfordern, wenn mal etwas NICHT KANN oder NICHT WILL! oder einfach nur nicht klappt
    5. Spassfaktoren einfließen lassen, für jede fünf Minuten Leistung auch fünf Minuten Spassprogramm!

    Wetten, das wenn du das Prinzip im kleinen und dann im Großen richtig umzusetzen verstehst, du deinen Hyperfokus auch auf normale Dinge des Lebens einfließen lassen kannst?

    Aus Wikipedia zu Hyperfokus
    Ein Betroffener, der einschätzen kann, bei welchen Themen er in den Hyperfokus gelangen kann, kann dies in seiner Berufswahl berücksichtigen. Die hohe Rate an Selbständigen unter ADS-Betroffenen erklärt sich hieraus; vor allem, da Betroffene hier auch ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten können.
    Genau das ist ja ein Ausnutzen der Hyperfokusfähigkeit und ein Einfließen lassen der Fähigkeiten, die viele ADHSler On-Board Installiert haben. Andere müssen dafür viel Geld zahlen um die Leistungsteile installieren zu lassen.


    Vieles kann ich hier ja nur anreißen. Und ja, ich bin selbst Betroffener, und nein, ich kann es nicht so supererfolgreich umsetzen, weil ich zu wenig Krücken habe, aber ja, ich habe vieles davon schon praktiziert es klappt. Vor allem würde es viel besser klappen wenn ich endlich Medis und Hilfestellungen von außen hätte, die mir aber fehlen. Darum habe ich viel darüber nachgedacht und wie gesagt, Birkenbihl ist die richtige Adresse, wenn es um solche kreativ-alternativen Lösungen geht. Nur halt nicht einfach alles akzeptieren und machen, sondern erst darüber nachdenken, verstehen, dann umsetzen.


    Viel Erfolg und hoffentlich bringts irgendwem irgendwas. Stellt Fragen, wenn ihr wollt.

    MFG

    ______________________________ ______________________________ ____________________
    - Übungen (Autogenes Training, Atemübungen, Meditation...)
    Ich bin nicht der Meinung das das sonderlich viel hilft. Es ist nichts anderes als ein Verdrängen von Problemstellungen, man lernt dabei aber GAR NIX. Es ist vielleicht hilfreich für den Moment, weil es eine zwangsweise Entspannung bringt, aber es taugt einfach nix auf Dauer, sondern führt in eine Art Zwangshandlung. Wie? WAS?

    Ja Genau. Wenn sich ein Mensch den ganzen Tag hinsetzt und stumm vor sich hinatmet ist das keine Leistung sondern geistiger Selbstmord. Zwanghaft nicht denken, Zwanghaft nicht bewegen. Nichts tun. Und dazu noch Atemübungen, die letztlich dazu angetan sind die Wahrnehmung zu verzerren etc.

    Also das gehype um Meditation und ihre weicheren Abarten geht an der Realität dessen was das ist vorbei.

    Ein "Witz" sollte das deutlich machen:

    Patient: Herr Dr. ich habe echt die letzte Zeit so viel Streß! Können Sie mir nicht helfen?

    Dr.: Machen Sie doch Atemübungen, Konzentrationsübungen. Das vertreibt den Streß!

    Ok. Der Patient hört und tuts. Drei Tage später liest der Arzt in der Zeitung das derselbe Patient einen Mord ausgeführt hat, den er längere Zeit plante...


    Ziemlich bitter. Am Ende hilft gegen Streßsymptome und dergleichen mehr nur die Stressoren auszuschalten, zu analysieren warum wieso tu ich etwas nutzt oder schadet es mir oder anderen wie kann ich es ändern oder kann man es aus diesem oder jenem Grunde entschuldigen?

    Vom dieser-Art Nachsinnen über diese Zusammenhänge hat man dauerhaft etwas. Meditieren etc muss man dauernd und hat nicht wirklich etwas davon.


    Nur eine Meinung, aber fundiert. Denkt darüber nach wenn ihr wollt.

    MFG

    PS: Ist euch aufgefallen, das ich mich schwer kurz fassen kann?
    Geändert von Sinnstifter (17.07.2012 um 17:02 Uhr)

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Raphael, ich lebe schon 30 Jahre mit meiner Diagnose ADHS und das gut bis sehr gut. Ich habe Abitur gemacht, studiert und arbeit in einem Job der sowohl kreativ ist als auch sehr menschenbezogen.

    Wenn man zurückbilckt ist das alles "auf meine Weise" entstanden. Weniger geradlinig als bei anderen. Weniger geplant und mit Umwegen. Als "krank" habe ich mich noch nie empfunden, und da hatte ich Glück weil meine Eltern mir das auch nie so vermittelt haben. Mein Handeln und vor allem meine Denkprozesse sind normabweichend, oft. Aber innerhalb einer "normalen" und gar nicht so selten vorkommenden Normabweichung, die trotzdem sehr sozial verträglich ist. Bei mir jedenfalls.
    Krankheiten sind für mich mit Leid und Not aus dem Inneren heraus verbunden. Für mich ist es einfach ein Teil meiner Persönlichkeitssturktur, ich bin wohl etwas anderes verdrahtet als viele. Ich lebe als oft glückliches Mitglied gerne in dieser Gesellschaft und habe Leid und Spaß so wie alle anderen. Und mag vor allem andere Menschen und mag gerne mit ihnen zusammen zu sein.

    Medikament nehme ich nur nach Bedarf und sehr selten. Das ist aber nur mein Weg, für andere kann es schon sinnvoll sein, für einige Zeit durchgehend Medikemantenunterstützung zu bekommen. Ich habe mich aber anders und nicht gesundheitsfördernd durch Übergewicht selbst "behandelt". Andere greifen zu Drogen u.ä. Da kann eine gute und überwachte Medikamenteneinahme in gewissen Zeiten m.E. schon helfen.
    Ich nehme es dann, wenn ich richtig Chaos im Kopf bekommen. Bei Beziehungsproblemen kann das bei mir sein. Ich bekomme dann keine Depression sondern meine Synapsen tanzen einfach Pogo Zwischen all den Gedanken kommt kaum ein klarer heraus. DANN hilft mir Ritalin für 1-3 Tage einfach wieder klarer zu werden.

    Bewegung ist super wichtig für mich. Ich treibe auch aus anderen Gründen Sport, aber ich muss mich sehr oft einfach auspowern. Druck und damit Chaos abbauen. Dann komme ich heim und kann ganz gelassen aufräumen usw.. Das ist wie ein Wundermittel für mich.

    To Do Listen brauch ich recht oft, helfen mir sehr gut. Alleine das was zu tun ist aufzuschreiben und nachzulesen ist schon sehr hilfreich. Und es dann abhaken zu können als erledigt, fühlt sich gut an.

    Um ehrlich zu sein, ich habe Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale die ich nur hinnehme aber nicht besonders mag. mein großer ADHS Anteil gehört nicht dazu. Das bin einfach wirklich ich. Ich bin hibbelig, sprunghaft, an mir geht immer irgend ein Körperteil, ich spiele mit Büromaterial ich rede gerne und viel und ich höre gerne neue Geschichten und lerne gerne neue Menschen kennen. Ich bin Dingen gegenüber aufgeschlossen vor denen andere Angst haben, ich traue mich generell viel (erleben!*g), ich kann sehr kreativ sein, und bin halt auch chaotisch, nicht gut im Ordnung halten, nicht gut im Zeiten einhalten, nicht gut darin stringent an einer Aufgabe zu bleiben.

    Früher als ich jünger war, hatte ich viel Glück. Ich habe schon Gefahrensituationen gesucht und gefunden. Heute bin ich einfach einem "Thrill" etwas aufgeschlossener gegenüber als andere. Mein Impluskontrolle ist schwächer. Da ich aber ganz gut Denken kann und durchaus auch ethische Grundsätze habe, denen ich streng folge, hält sich das alles in sehr guten Grenzen.

    Meine ADHS Verdrahtung gehört einfach zu mir.

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Hi Sinnstifter!
    Zunächst mal danke für den ausgiebigen Beitrag. Im Grunde ist das alles sehr, sehr gut. Es geht darum zu spielen, nicht zu konstruieren. Und das werde ich in Zukunft viel mehr machen. Aber trotzdem gibt es immer noch ein Problem: Wie soll ich dann meine ungeliebten Dinge organisieren? Ich hasse es Rechnungen zu schreiben! Ich hasse es Listen abzuarbeiten.... Aber in meinem Leben nimmt der bürokratische Teil einen viel zu großen Prozentsatz ein.

    OK, einen Teil gebe ich außer Haus. (Buchhaltung = Horror!) Aber ich kann ja nicht alles telegieren. Und um die wirklich fiesen Dinge erledigt zu kriegen, setze ich auf gewisse Zwangsmaßnahmen, die ich institutionalisieren möchte. Z. B. eben: IMMER nach der Arbeit den Schreibtisch aufräumen. IMMER! Auch wenn es nur drei Blatt Papier darauf gibt. Denn wenn ich es ein Mal nicht mache, löst das eine Sturzflut von Komplikationen aus.

    Für mich lautet die goldende Regel daher ca. so: 90% spielen, aber die restlichen 10% an Struktur muss (!) ich beinhart erzwingen. Egal wie. Durch Strikte Abläufem Verhaltenstherapie, einen Coach etc.

    @ Behinderung: Nein, ich sehe uns als Dreibeinige, die im Hundertmeterlauf der Zweibeiner mitmachen müssen. Klar können wir unsere drei Beine nicht so schnell koordinieren wie die anderen Zweibeiner. Aber dafür sind wir auf unwegsamen Gelände nicht zu bremsen, weil wir eben drei Beine haben. Nimm doch bekannte Künstler. Kannst Du Dir Picasso im Büro vorstellen? Von 9h-17h? Es ist das Umfeld das aus einer Eigenheit eine Behinderung oder einen Vorteil macht.

    Grüße!
    Raphael

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