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Diskutiere im Thema Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #21
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    Beitrag AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Patty schreibt:
    Bezogen auf den Beitrag von ziatan_klaus, ist dann die Frage, wie das bezeichnet wird, was ich bisher als Hyperfokus bezeichnet habe.

    Oder verstehe ich hier irgendetwas völlig falsch?

    LG Patty

    Nö sehe ich auch so wie du das wohl meinst.


    Der Unterschied ist letztlich ein qualitativer aber auch ein dem Willen nicht ausreichend zugänglicher.

    Der Normale Mensch kann sich fokussieren, wenn eine Aufgabe ansteht. Das kann zeitweise auch eine unangemehme, langweilige Tätigkeit sein. Sogar langfristig schaffen Normal-Geeichte es einen Beruf auszuüben, mit dem sie überhaupt nicht klar kommen. Das ist mir völlig fremd. Habe ich immer als rätselhaft wahr genommen, wie das überhaupt geht.

    Fokussieren ist also dem Willen zugänglich und zwar dauerhaft, wenn auch jeder erst einmal eine Überwindung bestimmter Impulsivität im Laufe seiner Kindheit und Jugend lernen muss und auch das Lustprinzip zu überwinden lernt. Genau das ist dem ADHSler eben nicht so gegeben. Er ist in höchstem Maße von motivationellem Hintergrundrauschen abhängig und wird so in einen völlig überzogenen (Hyper-)Fokus geworfen. Nichts anderes dringt mehr bei ihm ein, er ist für äußere Reize blockiert (ein bischen wie ein Autist). Ein Normaler kann sich trotzdem auch nebenbei mit anderen Dingen befassen. Er vergißt nicht seine Umwelt so radikal. Ausserdem veliert er nicht die Kontrolle über den Zeitaufwand für das Objekt, er ist nicht getriebener seines Fokuss, sondern Steuermann dieses Fokussprozesses, während der ADHSler m.E. nur noch Beifahrer im enthemmten Fokusszustand ist. Der ADHSler braucht sich nicht zu zwingen bis morgens an einer Sache im Hyperfokus zu bleiben, im Gegenteil! Er veliert ja die Kontrolle über das Aufhören, er kann sich kaum dazu bringen, die nötigen Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen, Bewegung zu erfüllen während er in diesem Zustand ist.
    Der Normale wird diese Bedürfnisse wahr nehmen und Abwägungen treffen: Wie wichtig sind andere Bedürfnisse? Wie wichtig ist das Fokussziel? Und nach diesen Überlegungen wird er der Unlust gebietend weiter am Ball bleiben, wenn es sehr dringend ist, was er gerade zu erarbeiten hat.
    Natürlich gibt es ganz viele Schattierungen dieser Fähigkeiten bei Normalen und bei ADHSlern warscheinlich auch. Letzten Endes ist die Kontrolle des Vorganges das alles entscheidende Kriterium. Für einen Normalen mag es auch so etwas wie Hyperfokus geben, wenn er sich für eine Sache sehr begeistern kann, wenn es wichtig und dringend ist, aber er verliert nicht die Kontrolle.
    Der ADHSler hat aber genau das nicht im Griff, weil das offensichtlich alles im Karussel des gestörten Hirnstoffwechsels angetrieben und gesteuert wird, während Initialzündend meiner Beobachtung nach bestimmte individuelle Interessen schon eine Rolle spielen können.

    Es ist meiner Meinung nach eine gewisse Ähnlichkeit mit der Manie zu erkennen.

    Nun ja, meine Gedanken dazu.

  2. #22
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Bedeutet das, dass der Begriff HF, so wie er hier im Forum verwendet wird, in anderen Bereichen als Perseveration bezeichnet wird? Im Wikipedia stehts auch so: Hyperfokus

    Gegen "...Das krankhafte Beharren, Haftenbleiben und/oder Nachwirken psychischer Eindrücke..." möchte ich mich ganz entschieden ausprechen. Ich würde mal so formulieren: Das gegenüber dem Durchschnitt stärkere Beharren, Haftenbleiben... Ich sehe ADHS definitiv nicht als Krankheit.

    Viele Grüße!
    Raphael

  3. #23
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Sinnstifter schreibt:
    Sogar langfristig schaffen Normal-Geeichte es einen Beruf auszuüben, mit dem sie überhaupt nicht klar kommen.
    Und jetzt erklär mir aber bitte, warum das als normal gelten soll, ADHS aber als krankhaft.

    Ansonsten finde ich den Beitraqg sehr gut, die Beschreibung des HF oder wie immer man das jetzt nennen mag, ist hilfreich. Wenn man Deine Gedanken weiter verfolgt, dann bedeutet das aber, dass der "wirklich negative" Aspekt von ADH der ist, dass die Betroffenen nicht aus diesem HF-Zustand geplant rauskommen können. Können sie dieses eine Element auch nur ein wenig steuern z. B. durch Therapie, Hypnose etc. dann hätte der ganze Symptomkomplex den größten Teil des "Negativen" bereits verlohren.

    Grüße!
    Raphael

  4. #24
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    rabo schreibt:
    Bedeutet das, dass der Begriff HF, so wie er hier im Forum verwendet wird, in anderen Bereichen als Perseveration bezeichnet wird? Im Wikipedia stehts auch so: Hyperfokus

    Gegen "...Das krankhafte Beharren, Haftenbleiben und/oder Nachwirken psychischer Eindrücke..." möchte ich mich ganz entschieden ausprechen. Ich würde mal so formulieren: Das gegenüber dem Durchschnitt stärkere Beharren, Haftenbleiben... Ich sehe ADHS definitiv nicht als Krankheit.

    Viele Grüße!
    Raphael
    Ich sehe es auch nicht als Krankheit

    Und wenn ich im Hyperfokus bin ist das nichts perverses. Es geht eher um ein bestimmtes Thema - das kann Buddhismus sein (ich bin allerdings auch Buddhistin ) oder fachlich, eine neue Therapieform oder etwas in der Art. I.d.r. sind es Themen die mich eh interessieren. Und dann gibt es eben Zeiten, da denke ich von früh bis spät dran, lese alles was ich dazu in die Hände bekomme...und rede auch viel darüber. Oft hat das richtig positive Auswirkungen. Ich bin dann sehr aktiv und tute Dinge die ich eh tun wollte, aber mich vielleicht vorher nicht getraut habe. ich beginne neue Weiterbildungen usw... Und ja, der HF klingt auch ab. Aber dann ist etwas neues, gutes angelaufen, das ich dann auch durchhalte. Meine HF sind oft sehr ...akademisch, und haben viel mit Wissen aneignen, Information usw. zu tun.

    ADHS ist nicht alles was eine Persönlichkeit ausmacht. Ich bin z.B. niemand die Ausbildungen usw. abbricht. Ich habe bisweilen länger gebaucht, weil ich zeitweise sehr abgelenkt war oder weil ich bockig war und einfach mal ein Jahr nicht zum Mathekurs ging Das ist dann schon typisch. Aber ich wache immer wieder auf und erkenne - ich will weiterkommen und ich weiß ich habe die Möglichkeiten und ich werde sie nutzen. Das tue ich dann auch.

    Mein Vater meinte mal zu mir "ok, du kannst dich also nicht gut konzentrieren, kannst aber gut denken? - dann lern schneller!". Und das ist mir immer noch im Kopf. Konzentriere dich nicht auf deine Schwächen sondern auf deine Stärken. lerne über Umwege zu laufen. Und am Ende baut sich das Hirn selbst diese Umwege - man merkt es gar nicht mehr.

  5. #25
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    rabo schreibt:
    Und jetzt erklär mir aber bitte, warum das als normal gelten soll, ADHS aber als krankhaft.

    Ansonsten finde ich den Beitraqg sehr gut, die Beschreibung des HF oder wie immer man das jetzt nennen mag, ist hilfreich. Wenn man Deine Gedanken weiter verfolgt, dann bedeutet das aber, dass der "wirklich negative" Aspekt von ADH der ist, dass die Betroffenen nicht aus diesem HF-Zustand geplant rauskommen können. Können sie dieses eine Element auch nur ein wenig steuern z. B. durch Therapie, Hypnose etc. dann hätte der ganze Symptomkomplex den größten Teil des "Negativen" bereits verlohren.

    Grüße!
    Raphael
    Erst einmal:

    Einen Beruf auszuüben ist notwendiges Übel im Leben. Nicht alle haben die Möglichkeit ihre Selbstverwirklichungswünsche umzusetzen. Normale schaffen es dann auch in gewissem Umfang durchaus über ihren Schatten zu springen und das zu leisten, WAS NOTWENDIG ist. Der ADHSler ist offensichtlich in diesem Bereich gehandicapt. Ich bin auch nicht der Meinung das es hilfreich ist, ADHS zu einer Begabung oder sowas umzudefinieren. Natürlich bieten sich einem lebendigen System wie dem Menschen mit seiner Vielsinnigkeit immer wieder Ausgleichmöglichkeiten für die Behinderung in einem Bereich an. Z.b. Blinde verfügen oft über erstaunliche Fähigkeiten sich mit dem Gehör zu orientieren. Das haben sie halt so gelernt. Genauso schaffen es armlose Menschen viele Dinge mit den Füssen zu erledigen, das man nur so staunt oder Menschen, die ohne Beine geboren sind, können sich erstaunlich gut mit ihren Händen behelfen, wenn sie mit ihren Hilfmitteln wie Rollstuhl oder Krücken und "Holzbein" herumhoppeln.
    Das ändert nichts an der Tatsache das es Ausgleichsverhalten für Behinderungen sind und genau dasselbe macht der ADHSler, wenn er seine speziellen Eigenschaften nutzt um die Anforderungen des Alltags zu bewältigen.

    Subjektive Realität kann man sich zwar selber basteln, das entscheidet jeder wie er mag. An der Wirklichkeit mit den sie bezeichnenden Wirk-Lichkeiten kommt aber auf die Dauer niemand vorbei - Illusionen hin oder her, Lügen hin oder her.

    Hypnose ist keine Therapie sondern eine Manipulationsstrategie, der ich ganz entschieden entgegenstehe. Man läßt sich von mehr oder weniger vertrauenswürdigen Therapeuten posthypnotische Befehlsstrukturen in den Kopf pflanzen, die nach Fakt und Sachlage alle Rahmenbedingungen für Zwangshandlungen erfüllen.
    Eine Krankheit mit einer Krankheit bekämpfen? Feuer mit Feuer löschen? Ich weiß nicht ob das Sinn macht.

    Selbst Freud erkannte später das die Therapie mit Hypnose keinen dauerhaften Erfolg mit sich bringt.

    Für mich ist das absolut logisch. Es ist ein herumschrauben am Unterbewußten mit Mitteln von Manipulation, Unterdrückung und im Grunde des Wesens eine Mißhandlung des eigenen Selbst.
    Sehr viel Sinnvoller ist das erweitern des eigenen Bewußtseins. Man arbeitet daran indem man seinen Geist nutzt, lernt und Lösungen für Probleme selbst sucht oder Hilfen einfordert und wenn man das aufrichtig tut, ehrlich zu sich selbst und anderen ist und Sachverhalte wie oben beschrieben nicht irgendwie nach den eigenen Wünschen und Launen in angenehmere Illusionen umdekoriert, dann wird man dabei lernen und seine Persönlichkeit entwickeln können.

    Hypnose ist das Gegenteil davon. Es zerstört Bewußtsein, unterminiert Entwicklung und Selbststeuerung. Es ist zudem nie ganz frei von dem Ruf des Okkultistisch-Religiösen und wird viel mißbraucht.
    Wieviele Opfer von falscher Hypnotherapie oder etwaigen Machtmißbrauch der Therapeuten ausbaden müssen, ist mir nur in Ansätzen bekannt. Mir reichts jedenfalls um vor diesen Methoden zu warnen, die eigentlich keine zielführenden Therapieformen sind und keinerlei Anspruch haben dürften in Zusammenhang mit ernsthafter bewußtseinserweiternder bzw. -entwickelnder Psychotherapie erwähnt zu werden.
    Nicht umsonst ist Hypnose und ihre Derivate ein Machtmittel (in bestimmten Kreisen) über Menschen. So etwas kann man nicht empfehlen. Mindcontroltechniken sind immer gefährlich! Der Betroffene ADHSler braucht nicht weniger Kontrolle über seinen Geist, sondern mehr! Das ist ja sein entscheidendes Problem: Er ist nicht "Herr in seinem Haus". Irgendetwas macht ihm die Entwicklung schwerer als Anderen oder verhindert die Entwicklung, die normalerweise jeder Mensch wie ich schon schrieb mal mehr, mal weniger aber im Regelfall erfolgreich abschließt.


    Um noch einmal klar zu machen:

    Aus Wikipedia zu "Denkstörung"
    Perseveration

    Der gleiche Gedanke muss immer wieder gedacht werden, er wiederholt sich wie in einer Schleife. Im Gespräch werden zuvor gemachte Worte und Angaben häufig wiederholt, selbst wenn sie nicht in den aktuellen Zusammenhang passen. Vorkommen möglich z. B. bei schizoaffektiver Depression, bei Schizophrenie oder auch bei Zwangsstörungen.
    Das hat nichts weiter mit ADHS zu tun. Dazu Piero Rossi in einem Artikel ADHS-Hochdosis-Therapie an der Universitätsklinik Zürich (Teil II) « ADHS-Spektrum: Neues und Altes aus der ADHS-Welt

    Zwangsstörungen und ADHS treten nur sehr selten gemeinsam auf. Ich habe in den letzten Jahren mehrere Hundert erwachsene Patienten mit Verdacht auf eine ADHS untersuchen können und dabei kein einziges Mal das gemeinsame Vorliegen von ADHS und einer echten Zwangsstörung (gemäss den diagnostischen Kriterien der DSM-IV bzw. der ICD-10) feststellen können (was natürlich nicht heissen muss, dass die ADHS nie gemeinsam mit einer echten Zwangsstörung auftreten kann).

    Der Unterschied ist enorm. Perseveration meint letztlich das repetitive Wiederholen und in diesem Sinne haften bleiben. Nicht das Hyperfokussieren, das zwar auch einem Haften bleiben gleich kommt, aber anders Strukturiert ist. Es ist auf motivationaler Ebene verankert, die offensichtlich Hirnstoffwechsel bzw. Hirnorganisch begründet sein könnte, anders die Perseveration meiner Meinung nach, die viel stärker in Vorstellungen verhaftet ist, die sich immer wiederholend aufdrängeln.

    Eine 'Zwangshandlung unterscheidet sich völlig vom Hyperfokussieren. Der für leicht verständliche Aspekt ist folgender: Für den ADHSler kehrt die Konzentrationsfähigkeit zwar oft und auch langfristig bei immer wieder denselben Themen zurück, kann aber bei allen möglichen X-beliebigen Themen plötzlich anspringen! Der INHALT ist relativ egal, wenn er nur genug Reizpotential entfaltet damit ein Schwellenwert im Kopf überschritten wird um ggf. Hirnstoffwechselvorgänge zu bahnen, die sonst nicht ausreichend reizfähig sind.

    Zwangshandlung heißt das man immer nur vor Spinnchen Angst hat und dies sich nicht ändert, ein Leben lang oft. Das hat auch nichts mit motivationellen Aspekten zu tun, sondern mit Interpretationskonzepten des Unbekannt-Fremden - Eine Art negativ assozierter Fremdkörper im Geist - Denken und Handeln werden dadurch behindert und Ängste ausgelöst.

    So weit mein Versuch das voneinander Abzugrenzen.

    Grüße

  6. #26
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Nö, sehe ich ganz anders. Steck Picasso in ein Büro und lass ihn Steuerakten sortieren. Binnen drei Tagen hast du entweder einen neuen Amokläufer oder einen neuen Depressiven. Wieso wird von Stars erwartet, dass sie sich exzentrisch benehmen? Was passiert, wenn Hollywoodschauspieler XY plötzlich nicht mehr Hollywoodstar ist, sondern Stino? Vorher wurde er für seine Exzentrik verehrt, dann wird er für seine Exzentrik verachtet. Das Problem ist, dass wir in einer Kultur leben, die sehr eng mit dem Begriff "normal" umgeht.

    Aber mit genau dem selben Recht wie der Mainstream ADHS zu einer "Kranheit" macht (an der man übrigens auch gut verdienen kann.) kann ich behaupten, dass ein Bürotag von 9h-17h pervertiert ist. Oder die Kleinfamilie, so wie wir sie in Europa kennen. Geh zu einem Stamm von Ureinwohnern (Aboriginies, Indianer, was auch immer) und erzähl ihnen, dass es notwendig ist von 9-17h zu arbeiten und zwar Sommer wie Winter und bei jedem Wetter. Die würden sagen, dass Du eine sehr schlimme Krankheit hast. Ich will nicht sagen, dass die Indianer/ Aboriginies das bessere System hätten. Aber sie haben definitiv ein anderes und zwar eines das auch funktioniert. Also mach innerhalb ihres System diese Wertung auch absolut Sinn.

    @ Hypnose: Ja klar ist es besser zu erkennen warum man ungewollt in den HF abdriftet. Aber wenn man durch Hypnose so was wie einen Rettungsanker aufbauen kann, der einen im Bedarfsfall hilfreich sein kann: Warum nicht? Das hat ungefähr den Stellenwert von Medikamentation: Geht nicht an die Grundlagen, ist aber praktisch.

    OK, ich drifte jetzt mit diesem Thread ein wenig ab und werde mich mal zum Arbeiten vorerst zurückziehen. Morgen gehts gerne weiter...

  7. #27
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    So weit so gut. Ich meine aber du verwechselst etwas. Das ist die kulturkritische Sichtweise was den Arbeitsfetisch angeht und die Art wie man damit umgeht. Sicher ist es richtig wie du sagst, das jemand, der nicht mitzieht in so einer Gesellschaft, die Arbeit einen überwertigen Götzenstatus einräumt, der schon als wichtiger beworben wird, als von dem Einkommen der Arbeit leben zu können, das der als Krank gilt und zeigst auf, das in einer anderen Gesellschaft die Wertemaßstäbe andere wären.

    Ok.

    Was ist der Fehler in der berechtigten Überlegung?

    Folgendes: Du unterstellst das ein ADHSler wegen seiner Sonderbarkeit in der Gesellschaft seine Arbeit nicht schaffen würde. Du unterschlägst dabei aber, das die es die Folge der Krankheit ist, die den ADHSler an den Anforderungen scheitern läßt.

    Auch in anderen Kulturen, in denen man weniger arbeiten brauchte, musste gearbeitet werden und gab und gibt es soziale Rahmenkonzepte, aus denen ein ADHSler herausfallen würde. Denn ADHSler würden mit ihren Problemen in ALLEN Kulturen auffallen.

    Der andere Punkt, den du übersiehst ist: Die differerierenden Anforderungsprofile der Gesellschaften. Während in Deutschland ein Buchhalter zu jeder Zeit völlig bei der Sache sein muss, weil er keine Fehler machen darf, auch wenn er 12 Stunden Schichten schiebt. Genauso wie ein Chirurg noch weniger Fehler machen darf, auch wenn er 36 Stunden Dienste mit Bereitschaftsdienst und Doppelschicht ableistet. Die Fehleranfälligkeit darf schlicht nicht hoch sein.
    In anderen Kulturen ist das anders. Nicht weil dort Fehleranfälligkeit anders gewichtet würde, sondern weil es für ADHS-Veranlagte leichter wäre als Bauer oder Jäger durch die Gegend zu flitzen und körperlich harte Arbeit zu leisten. Zumindest Hyperaktive Störungselemente sind leichter in den Griff zu bekommen.
    Jedoch wenn du einer bist, der weniger unter dem H leidet, sondern mehr ein geistiges Chaos und Hochsensibel ist, wenig von körperlicher Arbeit hälst und dich dazu eben nicht zwingen kannst, wenn dir das Übelkeit verursacht weil es dich anödet und in ein Zombiewesen zu verwandeln scheint, Wenn du dazu noch körperlich etwas zurückgeblieben bist und nicht sehr wehrhaft. Das ist der berühmte begabte Ballettänzer, der zwischen Fußballhohlköpfen und Bauarbeitern versucht irgendwie seine eigene innere Wirklichkeit mit der äußeren Wirklichkeit zu vereinen. Die meisten werden daran zerbrechen, ob die Gesellschaft modern ist oder nicht.

    Dann will ich mal sehen wie so jemand in der verrohten Welt einer harten Überlebenskultur bestehen soll?

    Nein nicht die moderne Gesellschaft verursacht ADHS, sondern sie fördert es eher zu tage, wie sie aber wohl auch bestimmte Formen der Störungen (nicht nur bei ADHS) durchaus vereinnahmen kann. Umgekehrt ist es genauso: In einer bäuerlichen Gesellschaft kommen viele ADHSler durchaus viel besser zurecht. Einige aber überhaupt nicht wenn ihr eigenes unflexibles Anforderungsprofil an das Leben mit den an sie herangetragenen Anforderungen nicht überein kommen kann.
    Der Normale kann das irgendwie händeln, findet Wege für einen Spagat oder begeht sogar einen Selbstverrat und vereinnahmt, um Anpassung zu realisieren, die äußeren Anforderungen. (wohl das was du meinst) Aber es bringt ihn in der Regel nicht gleich um den Verstand, sondern er kann damit umgehen. Der Adhsler schafft diesen Spagat nicht, weil seine Grenzen zu eng gesteckt sind und er durch seine Besonderheiten nicht hinreichend anpassungsfähig ist. Eine Auswirkung seiner Krankheit.

    Ich weiß genau wie verlockend und logisch diese sozialen Theorien zu ADHS klingen. Ich kann mich dem selbst nicht so einfach sperren, das sollte man auch nicht. Aber es ist mitlerweile mehr als klar, das selbst wenn man das alles weiß, selbst wenn man dringend und unbedingt etwas tun will, man kann es nicht als ADHSler in dem Maße, in dem Normal geeichte Menschen es könnten, wenn sie wollen oder sich einfach ein bischen in einen Spagat begeben und das Unangenehme mitmachen damit sie das Ziel erreichen können. Hier scheitert ein ADHSler und das ist Kulturübergreifend so und hängt eben auch von den inhaltlichen Anforderungen einer Kultur ab.



    Nicht der Mainstream stempelt den ADHSler zum Kranken, weil der sich nicht in die Gesellschaft integriert, sondern der ADHSler ist in seiner Selbstwirksamkeit gestört und das macht seinen Zustand zu einem Krankheitsbild.

  8. #28
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 396

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    "
    I do not believe Hartmann's thesis to be true, and he never intended it to be a scientific hypothesis, but just a metaphor as he has subsequently admitted. The idea does not withstand serious scientific scrutiny. I do not believe ADHD was an adaptation from an earlier epoch of human evolution but is a disorder of a normal suite of adaptations (executive functions) that are crucial for self-regulation, especially in a social group. The executive functions permit one to redirect their behavior away from the moment and toward the future. If what we are doing in the moment is highly rewarding, someone with ADHD can sustain that type of behavior but if they have to terminate that behavior to prepare for a delayed event, they have trouble doing so (and hence perseverate).

    Best wishes

    Russell A. Barkley, Ph.D.
    Clinical Professor of Psychiatry and Pediatrics
    Medical University of South Carolina
    website: russellbarkley.org

    "


    Vor einiger Zeit habe ich mit dem Hyperfokus beschäftigt und mich mit Russell Barkley, einem Psychiater aus den USA, ausgetauscht. Das was manche AD(H)Sler als Hyperfokus bezeichnen ist (denkbar ist auch eine Mischstörung aus dem Autismusspektrum) die Persevervation die es bei vielen AD(H)Sler meiner Ansicht nach gibt. Nichts gegen Wikipedia, aber das ist als Quelle oberflächlich.
    Geändert von zlatan_klaus (18.07.2012 um 22:57 Uhr)

  9. #29
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Mein Englisch ist bescheiden, aber er schreibt doch das es dem ADHSler an Beharrungsvermögen fehlt einen Aufschub zu realisieren?
    Das Wort "perseverate" hat hier überhaupt keine Bewandniss zu dem Fachspezifischen Wort "Perseveration", das als Begriff einen viel umfassenderen Bedeutungskontext hat, als dasselbe Wort als Verb. Wenn du darauf abziehlst.
    Letztlich bestätigt der Ausschnitt von Barkley im Grunde das, was ich bisher geschrieben habe, er benutzt teilweise sogar dieselben Worte, bringt nur alles leichter auf den Punkt


    Perseveration ist konnotiert als Zwangshandlung.

    Impulsivität und Störung der Exekutivfunktionen sind keine Zwangshandlung, auch wenn im Rahmen der Hyperfokussierung eine gewisse Zwanghaftigkeit auftritt bei etwas "am Ball bleiben zu müssen ohne richtig aufhören zu können" ist es nicht eine Zwangshandlung sondern Folge des Hyperfokusierens.



    Zu dem Wikipediatotschlag:


    Wikipedia diente hier als Erklärungshilfsmittel und Definitionslieferant. Die Gedanken dazu liefert nicht Wikipedia sondern die Überlegung selbst. Der Verweis auf Wikipedia ist nicht die Erklärung aus dem Ablesen der Definition, sondern der Rückgriff auf eine fertige verständliche Definition für den Leser, die mit meiner eigenen Definition übereinstimmt.
    Genauso geht das im Posten von Artikeln mit mehr Tiefgang, so WHAT?

    OT:
    Am meisten regen sich diejenigen über Wikipedia auf, die die damit verbundene "Demokratisierung" von Wissen nicht ertragen können. Gern auch aus der Ecke der "NEU-Geist-Reichen" kommt die Kritik. Jeder, dem Wissenschaft und die Verbreitung von Wissen wichtig ist, wird sich über Wikipedia trotz der Fehlerquote ( die übrigens genauso gut oder schlecht ist wie in anderen Enzyklopädien ) freuen, weil sie einem breiteren Publikum Wissen verfügbar macht, das früher nur Spezialisten zugänglich war. Verlage und Autoren sind natürlich auch nicht begeistert, weil ihnen da ein Marktanteil besetzt wird von Idealisten. Also die Kritik an Wikipedialinks kann ja im Einzelfall richtig sein, ich halte sie im allgemeinen für ein Totschlagargument um gar nicht erst auf die inhaltliche Diskussion eingehen zu müssen.
    Geändert von Sinnstifter (18.07.2012 um 21:43 Uhr)

  10. #30
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 396

    AW: Neu mit ADHS - wie Hyperfocus besser nutzen?

    Dein Schreibstil ist ganz schön aggressiv mein Freund. Barkley sagt, wie ich, das es eben keinen Hyperfokus gibt "someone with ADHD can sustain that type of behavior but if they have to terminate that behavior to prepare for a delayed event, they have trouble doing so (and hence perseverate)." ... Genauso geht natürlich der Umkehrschluss. Ich spiele ein Computerspiel und muss eigentlich aufhören aber kann es nicht. Ich kümmere mich um etwas was mich interessiert, sollte eigentlich einkaufen und Hausaufgaben machen aber kann nicht damit aufhören. Ich mache nichts und müsste eigentlich aufräumen kann aber nicht damit anfangen. Ich sollte etwas sagen in dem Moment, kann es aber nicht. Ich denke tagelang über den Hyperfokus nach, kann aber nicht aufhören selbst wenn ich für eine Klausur lernen sollte, denke ich nur über den Hyperfokus nach. PS: ich habe nichts gegen Wikipedia, werde selbst ein paar Einträge bald da reinstellen, wie es eben jeder kann
    Geändert von zlatan_klaus (18.07.2012 um 21:49 Uhr)

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