Hi ihr lieben Chaoten,

Nunja, wie soll ich anfangen...

Eigentlich sagt der Titel schon alles:
Das herrscht in meinem Kopf.

Nach außen wirke ich als starke Persönlichkeit. Bei meinem Inneren sieht es jedoch ganz anders aus: Gedankenchaos, Selbstzweifel, innerlich getrieben, aggressiv und schließlich überfordert mit mir und der ganzen Welt.

Zugegeben, meine schauspielerischen Leistungen sind beeindruckend.
Ich wußte sogar bei meinem Therapeuten genau, was er von mir hören wollte...alles unterbewußte Vorgänge...ja nicht versagen, Kontrollzwang vom allerfeinsten, wie ich jetzt weiß.
Er ist ein guter Mann, hat mir durch viele Zwickmühlen geholfen...aber hat nie mich..mein innerstes zerbrochenes Wesen erkannt...wie sollte er auch...

Als Angehörige bin ich eigentlich zu Euch gestoßen, aber was soll ich sagen, ich erkenne mich zu 99,9 % bei Euch wieder...beinahe wie ein Klon...

Ich stelle mir die Frage, wer bin ich, wer war ich die ganze Zeit. Ich fühlte mich immer anders. Aber nach außen hin?

Beschäftigt hat mich das schon seit der Trennung, 6 Wochen mittlerweile, aber richtig festgesetzt, hat es sich erst nach der Begegnung mit meinem Ex am Dienstag dieser Woche.
Ich habe während der ganzen Zeit des Kontaktabbruchs immer ein seltsames Band zwischen uns gespürt...schwankte zwischen „ich bin komplett verblödet“ und “vielleicht ja doch“.

Letztendlich wußte ich, was passieren würde, aber ich vertraute meinem inneren Gefühl kaum mehr als einem Ziegelstein.

Sie war wieder da, diese Anziehung. Wir sprachen uns aus. Er küsste mich auf einmal stürmisch...zog sich zurück, küsste mich wieder...gefangen im Kampf zwischen Verstand und Gefühl. Er verbrachte die Nacht bei mir, öffnete sich komplett.
Jetzt wußte ich, worauf diese Anziehung basierte. Wir sind wohl die einzigen in unser beider Leben, wo der andere “selbst“ sein kann. Aus seiner „starken“ Hülle schlüpfen kann..
Ein Gefühl des Verstehens... Ein unsichtbares Band, das selbst auf Entfernung weiß, wie es um den anderen steht, die Besorgnis, ob es ihm gut geht.
Er sagte am Schluß „bei mir darfst du weinen, egal um wen oder was und egal, ob wir getrennt sind“

Warum es dennoch nicht funktioniert hat? Die Beziehung zur Belastung wurde? Weil keiner von uns bereit war/ist, die schwache Seite zuzulassen..
Beide überfordert mit uns selbst sind...mit selbstzweifeln, innerer Getriebenheit, reizüberflutet, ohne es zugeben zu wollen... Weil doch von Eltern andere Werte vermittelt werden..Druck stark sein zu müssen, dass alles zu funktionieren hat... Was ein Mann zu leisten hat...
Wahrscheinlich musste die Beziehung erst kippen, um zu erkennen...

Alleine die Tatsache, dass er gefühlt der einzige Mensch ist, von dem ich mich verstanden fühle und die Erkenntnis, dass ich sämtlichen anderen Menschen, Freunden, Familie, Therapeuten nur was vorspiele, was in geringster Weise mein innerstes widerspiegelt.. Zerreißt grade alles in mir..

Ich habe versucht mit meinen besten Freunden darüber zu reden... Mit meiner Mutter.
Sollten die mich nicht eigentlich kennen?

Ich stoße auf Unverständnis, auf aber
“du bist doch eher ruhig und eine starke Person“ oder “Du schaffst doch alles“...
Und „du bist doch so ein toller Mensch, du hast das bestimmt nicht„.

Ja, ich habe mein Studium, ich arbeite seit meinem 18. Lebensjahr, bis mir die Finger qualmen, aber leicht war es nie. Für mich war das wichtigste die Unabhängigkeit, die mich immer weiter und weiter getrieben hat...nur weit weg von den Eltern und ja nicht mehr „Danke“ sagen müssen, sich nicht mehr rechtfertigen müssen, die mich zum Funktionieren, zum Kämpfen getrieben hat...und aus mancher depressiven Phase wieder hat aufstehen lassen.

Aber verstehen tut das keiner wirklich und wenn, dann bekomm ich tolle aber gutgemeinte Ratschläge, wenn ich Rotz und Wasser heulend am Telefon hänge.. Und sage, dass ich nicht immer nur mehr stark sein will..nicht mehr immer die nur sein will, die für andere da ist...
Nichts höre ich, was mich auch nur ansatzweise aus dem Karussell befreit...mich nachts wieder schlafen läßt.

Wie geht ihr damit um, was macht ihr, wenn ihr so zerrissen seid und helfen dort wirklich nur Medikamente?
Morgen fange ich einen neuen Job an, aber ich will ich sein können...keine Rolle mehr übernehmen.
Aber muss man das nicht schon fast um akzeptiert zu werden?

Ich weiß momentan einfach nicht weiter.

Blümchen