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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 53

    Glaube, Hoffnung Mut…

    Versetze Dich in die Lage eines amerikanischen Infanteriesoldatenwährend der Ladung der Alliierten in der Normandie, am berühmten D-Day. Durch die hohen Aufbauten des Decks seines Landungsbootes jeden Blickes beraubt, klammert er sich gegen die Seekrankheit kämpfend und um Gleichgewicht ringend an sein Gewehr. Wenn sich dann die Bugklappe senkt, hat er im Kugelhagel des feindlichen MG-Feuers, ohne jede brauchbare Deckung kaum eine Chance zu überleben. Sein Schicksal, sein Opfer gewinnt erst dann einen Sinn, wenn man es in einen größeren Kontext sieht.

    Trotz dem subjektiv gesehen sinnlosen Opfer, verfolgt und erreicht es doch ein Ziel, erfüllt der Tod eines Einzelnen einen Zweck. Irgendwann werden die Rohre der Feinde ausgeschossen, ihre Munition verbraucht sein. Irgendwann wird es einem Individuum gelingen, den Strand zu passieren und den Feind in seinem Bunker auszuschalten. Irgendwann wird ein Brückenkopf geschlagen sein. Das mag ihm und seinen Angehörigen kein Trost sein, kann und sollte man doch jede kriegerische Auseinandersetzung in einem noch größeren Kontext prinzipiell in Frage stellen.

    An genau dieser Stelle möchte ich anknüpfen, wenn es nämlich um Prinzipien geht. Das Vorhandensein einer ADHS versetzt uns Betroffene in eine exponierte Situation. Wir erleben, verarbeiten und funktionieren anders, im Sinne der Gesellschaft funktionieren wir oft überhaupt nicht. Viele von uns verzweifeln dadurch an sich selbst und am System. Sie fühlen sich ein wenig wie der obenbeschriebene Soldat, nur mit dem Unterschied, dass ein größerer sinnstiftender Kontext nicht ersichtlich zu sein scheint. Was mag der Sinn hinter dieser Andersartigkeit und dem in ihr gegründeten oft unsäglichen Leid wohl sein?

    Seit es Menschen gibt, stellen Sie die Sinnfrage. Viele Philosophen, spirituelle und weltliche Führer haben sich der Sinnfrage gestellt und es sind eine Menge Bücher zu dem Thema geschrieben worden. Trotz bemerkenswerter kultureller, religiöser und technologischer Revolutionen scheint der Mensch keine Antwort darauf und keine Erkenntnis darüber gewonnen zu haben. Er mag sich in die Lage versetzt haben, der materiellen Bedingtheit in wunderbarer Weise zu trotzen. Er kann in nur 48 Stunden um die Welt reisen und nicht in 40 Tagen, er kommuniziert ohne raumzeitliche Beschränkung in Echtzeit mit jedem erdenklichen Punkt auf der Erde. Er kann durch Antibiotika, Apparatemedizin und Transplantologie dem Tod viele Jahre an Lebenszeit abtrotzen. Aber eines kann er immer noch nicht und vielleicht kann er das mittlerweile – korrumpiert durch die Technik und zerstreut durch die Fülle an vermeintlichem Wissen - sogar noch schlechter als früher? Sich selbst begreifen und in sich Frieden und Erlösung finden.

    Er hat trotz oder sogar wegen der technischen und kulturellen Fortschritte immer noch oder gerade deswegen Angst, er neidet noch immer, ist immer noch eitel und er ist erst Recht träge und bequem. Darüber ist er aggressiv und gewalttätig. Man kann sogar so weit gehen zu sagen, dass die technischen und kulturellen Veränderungen, die Befreiung von alten Schablonen und Mustern, sowie die technologische Befähigung, dem eigenen Ego immer potenter Ausdruck zu verleihen, alles noch schlimmer gemacht haben, es auf die Spitze getriebenh aben. Er hat also nicht nur keine Fortschritte gemacht, sondern sich nur noch mehr verstrickt. Seine Motive sind noch immer Angst, Bequemlichkeit und Ich-Sucht. Und entlang dieser Motive hat er eine Gesellschaft etabliert. Die herrschendenStrukturen sind noch immer autoritär bis faschistisch. Die gültigen Muster verteidigen sich nach wie vor gegen eine tatsächliche psychologische und geistige Revolution, führt doch jede kulturelle oder religiöse Revolution immer zurück ins selbe alte System aus Unterdrückung und Angst, karikieren sich vermeintlich hohe oder neue ethische Prinzipien durch die Anwendung der dem alten innewohnenden Gewalt.

    Nun gibt es aber Menschen, die durch eine Verschiebung ihres Dopamin Stoffwechsels gezwungen sind, große Mühe und Not mit den vorherrschendenMustern zu haben. Sie können und wollen sie nicht annehmen, geschweige denn replizieren. Darüber hinaus sind sie gezwungen, Kraft ihrer exzentrischen Wahrnehmung und Reaktionen fragwürdige und widersprüchliche Modelle zu boykottieren,wenn nicht gar zu kippen. Es mag sein, dass einzelne dieses Menschenschlages durch die Zeiten tatsächlich große Veränderungen angestoßen haben. Das bleibt Spekulation. Die Masse derer, davon mag ich aufgrund meiner eigenen Erfahrung ausgehen, wurde wohl derart gewaltsam unterdrückt und bekämpft, dass sie sang -u. klanglos unterging, vergleichbar mit unserem Private an der Kanalküste. Mag es uns auch so gehen und mögen wir an den dem Systemerhalt geschuldeten Vorschriften und Pflichten manchmal absaufen. Mögen wir uns einsam und zerrissen fühlen. Neu ist für mich - dass ich als ein solcher eine Plattform für den Austausch gefunden habe. Wir verschaffen uns Raum und innerhalb dieser schnelllebigen, wirren Zeiten werden wir eben nicht mehr gleich niedergestreckt.

    Warum schreib ich das alles? Ich möchte mir und möchte uns Mut zusprechen. Ich möchte an etwas glauben, nämlich an mich und an uns. Wir wissen auch nicht woher wir kommen und wohin wir gehen. Aber wir wissen, dass wir es nicht wissen. Wir sind auch nicht in der Lage uns aus unserer Subjektivität zu lösen, aber wir wissen darum. Wir sind vielleicht die Landungstruppe einer neuen Zeitrechnung, eines neuen Fühlen, Denkens und Handelns, die sich nur sehr schmerzlich und unter großen Verlusten Raum verschafft. Mögen wir auch an unserer Impulsivität und der Unfähigkeit sich den gegebenen Strukturen und Methoden unterzuordnen verzweifeln, so ist eben genau dieses Defizit der Motor, die Treibkraft für eine psychologische Revolution. Auch wenn wir dies nicht genau greifen können, weil wir vom Gefechtslärm unserer Auseinandersetzung mit dem Leben, mit dem Alten irritiert sind. Besinnen sollten wir uns auf unsere tatsächlich vorhandene Begeisterungsfähigkeit, die Spontanität und Kreativität, auf unseren Mut, unsere Sensibilität und das Gefühl für Gerechtigkeit. Auf unsere Fähigkeit uns in Bildern mitzuteilen und vieles mehr.

    Die Esoterik mag hier von Indigokindern sprechen, die Mediziner von einer Störung, die Konservativen von Faulheit, Disziplinlosigkeit und fehlender Erziehung. Egal… Alles was ich bislang in diesem Forum gespürt habe, ist ein tiefes fast mystisches Verständnis für einander, ein sensibler und respektvoller Umgang miteinander und eine unermesslich große Portion an Leidenschaft. Das reicht mir grade schon um nicht zu verzweifeln.

    Eins vielleicht noch zum Schluss. Wir haben keine Aufmerksamkeitsstörung, das Gegenteil ist der Fall. Bestenfalls ist es eine Konzentrations- u. Fokussierungsaversion hinsichtlich Totem und Statischen. Wir sind sowas von aufmerksam, dass wir kaum damit klar kommen.

    Liebe Grüße euch allen
    Geändert von Maj.Derrick (15.04.2012 um 21:36 Uhr)

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    Maj.Derrick schreibt:
    Eins vielleicht noch zum Schluss. Wir haben keine Aufmerksamkeitsstörung, das Gegenteil ist der Fall.
    Genaugenommen ist es weder das Eine noch das Andere, sondern eine Aufmerksamkeitsinkonsistenz.
    Der Begriff stammt nicht von mir, sondern von Cordula Neuhaus und ich denke, er beschreibt es am Besten.
    Geändert von Fliegerlein (16.04.2012 um 11:45 Uhr) Grund: Fehler korrigiert

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 344

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    Hallo,
    ich glaube fest daran, dass es einen tieferen Sinn hat, dass ich (wir alle hier) mit ADHS auf diesem Planeten rumlaufe. Auch wenn mich diese "Störung" im Leben sehr gequält hat und es immer noch tut, halte ich es dennoch mehr für Segen als für Fluch. Da ist so eine innere Stimme in mir, die mir sagt, dass ich darauf vertrauen kann. Es ist aber auch eine Herausforderung die ganzen ADS-typischen "Probleme" in etwas Positives zu wandeln. Ich meine damit, diese ganze Reizüberflutung die ich wahrnehme, kann ich auch für mich nutzen. Ich muß es nur lernen, welche dieser Reize für mich dienlich sind. Und somit bin ich den Anderen gegenüber überlegener, denn ich nehme mehr wahr als sie! Wenn ich es bildlich darstellen müßte, würde ich es so sagen:
    Wenn ich zusammen mit einem nicht ADSler im Wald spazieren gehe, bin sicher nicht ich es, den der Bär angreift, denn ich nehme ihn früher wahr.
    Ich hoffe ich habs einigermaßen verständlich ausgedrückt.

    Liebe Grüße
    secret

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 382

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    Warum es uns gibt?

    Cordula Neuhaus hat dies in ihren Büchern gut beschrieben, aber auch an anderer Stelle haben kluge Leute ihre Gedanken dazu geäußert.
    Und ich denke, es hat entschieden mit dem Bär zu tun!!!!!

    Mit Sicherheit greift der Bär nicht uns an, weil wir ihn angreifen werden, um zu beschützen, wer auch immer gerade mit uns im Wald ist.
    Alle positiven Eigenschaften, die uns ADHS-ler ausmachen und von denen wir glauben, dass sie nicht so bedeutsam sind,
    sind der Grund, warum es uns gibt !!!
    Vor allem immer noch!

    Als mir klar wurde, warum ich bin, wie ich bin, war ich erst einmal erschüttert.
    Mein Verhalten .... pathologisch .

    Aber es hat nicht lange gedauert und ich habe mich innerlich dagegen gewehrt, mich als "krank", gestört" oder was auch immer zu sehen.
    Auch hier im Forum nehme ich immer wieder Stellung für das Anderssein und gegen o.g. Termini.

    Ich bin, wie ich bin. Und das ist gut so.
    Ich möchte nicht anders sein.
    Ich bin gern anders.

    Der Lebensalltag hat sich verändert. Die Gesellschaft hat sich verändert. Die Arbeitswelt hat sich verändert.
    Alles scheint sich seit der industriellen Revolution rasend schnell zu verändern und
    es stellt sich die Frage, ob unsere besonderen Fähigkeiten für die Gesellschaft noch von Nutzen sind,
    ob wir noch gebraucht werden.
    Gebraucht ja, aber möglicherweise auch verschlissen, verbraucht, ausgenutzt, wenn wir nicht lernen für uns selbst zu sorgen!!!!
    Und mit unserem Anderssein selbstbewusst umgehen!!!!!

    Gibt es noch Nischen, in denen wir so sein können und dürfen, wie wir sind oder werden wir verschwinden, uns selbst zerstören....
    durch Anpassung.... durch den verzweifelten Versuch, unser Anderssein so weit zu verändern, dass wir angepasst an die
    jetztigen Lebensumstände überleben ? !

    Enden wir möglicherweise in inneren und äußeren Ghettos.....?
    Haben uns unseres Selbstwertgefühls beraubt oder berauben lassen.
    Mir hat die Erklärung vom Jäger, der gezwungen ist, bei den Farmern zu leben, sehr gut gefallen.
    Wie also überlebt der Jäger in der Farmergesellschaft?
    Indem er ein Farmer wird?

    In den USA wurde ADHS viel früher ein "Problem" und daher viel früher diagnostiziert.
    Bitte verzeiht die Vereinfachung, die jetzt folgt, aber wie anders könnte ich in diesem Rahmen das Thema beleuchten.

    Als ich zur Schule ging, gabe es nur wenige ADHS Diagnosen.
    Ich hatte Teilleistungssörungen, aber nicht so ausgeprägt, dass ich nicht doch Abitur hätte machen können.
    Die gesellschaftlichen Strukturen halfen mir noch, mich "einzufügen".
    So sehr ich mich auch dagegen wehrte, sie gaben mir doch Halt.
    Und es gab diese Reizüberflutung nicht.....
    wir haben noch die Natur als Spielplatz gelebt, nicht Nintendo, V oder Handy....

    Wir haben heute die "Zustände" der USA erreicht.
    Anfang der 80 er Jahre diskutierten wir im Politikunterricht die Schul- und Lernsituation in den USA.
    Damals erklärte uns der Lehrer, dass Kinder in den USA eine Aufmerksamkeitsspanne von ca. 8-10 Minuten hätten,
    Dies entspräche der Zeitspanne, nach der im Fernsehen die Werbunterbrechung stattfände.
    Die Studie stammte damals selbst aus den USA.

    Auch ich möchte hier eine Lanze für unser Anderssein brechen.
    Aber ich weiß auch, dass ich bewusster leben möchte,
    um den Herausforderungen dieser Zeit zu begegnen,
    nicht angepasster.

    Ich möchte bleiben (dürfen), wie ich bin.

    Michi

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    secret schreibt:
    ich glaube fest daran, dass es einen tieferen Sinn hat, dass ich (wir alle hier) mit ADHS auf diesem Planeten rumlaufe.
    Welcher Sinn sollte das sein?
    Der einzige Sinn an diesem Glaube ist der Sinn des Glaubes an sich.
    Das Leben braucht keinen Sinn, es exisitiert um seiner selbst willen.
    Genausogut können wir eine Laune der Natur sein, ein Versehen, aber wenn wir diesen Gedanken an uns heran lassen, sehen wir uns exitstenziell bedroht und das steht im Widerspruch zur Lebensexistenz an sich.
    Da stellt das Wesen Mensch sich selbst ein Bein, denn durch seinen Verstand ist er in der Lage, solche Dinge logisch zu hinterfragen, verstandesmäßig zu betrachten und Schlüsse zu ziehen.
    Dummerweise kann dabei rauskommen, dass er zur Erkenntnis gelangt, "gestört" und damit deplaziert zu sein und somit eigentlich gar nicht da sein zu dürfen, weil irgendwie mehr Last als Nützlich.
    Also greifen wir auf den Glauben zurück, um der Ratio zu entgehen und dem (äußerst legitimen) Überlebenswillen genüge zu tun.

    Interessant wenn man bedenkt, dass wir diesen Umweg nur deshalb gehen müssen, weil wir angefangen haben zu denken, ... andere Wesen hinterfragen das einfach gar nicht ...

    Sorry, ich philosophiere .... sollte ich vielleicht nicht tun, aber Glaube ist mir sowas von fremd und nicht greifbar, dass ich ihn einfach nicht verstehe, Menschen versuchen damit sich selbst zu vera... um sich zu schützen, ich finde das faszinierend.
    Gerade habe ich in der aktuellen "Psychologie heute Compact", in der es um Ängste geht, gelesen, dass die Rückläufigkeit des (kirchlichen) Glaubens möglichwerweise für eine Zunahme an Angsterkrankungen sorgt/ sorgen kann.

    Damit will ich das Geschriebene übrigens weder negieren noch schlecht reden, ich finde es nur faszinierend.


    Ich meine damit, diese ganze Reizüberflutung die ich wahrnehme, kann ich auch für mich nutzen. Ich muß es nur lernen, welche dieser Reize für mich dienlich sind.
    Das ist zwar grundsätzlich interessant, aber wie bekommst Du da dabei eine Möglichkeit an die Hand, die anderen Reize auszublenden?
    Ist ja gut zu wissen, welche Reize mir dienlich sind, aber irgendwie bringt es mich nicht weiter, wenn ich aufgrund meiner "Krankheit"/ "Störung"/ "Eigenart" nennen kann man's wie man will, gar nicht in der Lage bin, konsequent und konsistent diesen Reizen zu folgen, ohne den anderen ständig zu erliegen.

    Damit will ich auch das aber ganz gewiss nicht schlecht reden, im Gegenteil glaube ich sogar, dass ich weiß, was Du meinst.

    Ich z.B. wäre ein wohl recht guter Fluglotse geworden, das kam im Laufe meiner Sprechfunkausbildung während der Flugausbildung zu Tage.
    Dort werden An- u. Abflugverfahren auf Flughäfen simuliert und man muss den Funkverkehr durchführen.
    Warum auch immer, während ich im Unterricht vor mich hin geträumt habe, ist mir nie etwas entgangen und vor meinem geistigen Auge war mir immer bewusst, wo sich zu welchem Zeitpunkt welches Flugzeug in welcher Richtung, Geschwindigkeit und höhe befand und jeder Versuch des Lehrers, seines Zeichens Cheffluglotse eines Regionalfughafens, mich aufs Glatteis zu führen scheiterte, weil ich eben doch alles mitbekommen habe.

    Das würde allerdings nur in diesem Setting funktionieren.
    Auf der einen Seite sind da die Reize, welche ich komplett aufnehme und offensichtlich auch verarbeite, aber es ist auch ein ruhiger Arbeitsraum, in dem es sonst keine weiteren Reize gibt, welche mir zu schaffen machen.
    Und das ist ganz wichtig: Nicht nur zu wissen, welche Reize mir dienlich sind, sondern auch ein Setting zu schaffen, in dem alles anderen Reize fehlen.
    Da wirds dann schon mitunter schwieriger.

    Wenn ich zusammen mit einem nicht ADSler im Wald spazieren gehe, bin sicher nicht ich es, den der Bär angreift, denn ich nehme ihn früher wahr.
    Macht dieser Satz nicht gleichzeitig alle ADSler, also die verträumten, hypoaktiven und dissoziierenden zu Opferlämmern?

    Ich bin da ein wenig hin- und hergerissen, denn ich bin ein Hypo.
    Einerseits sehe ich dass Du recht hast und kenne die Reizüberflutung die mir selbst bei einem Spaziergang im Wald zu schaffen macht, weil ich alles, aber auch wirklich alles mitbekomme, was aber auch wieder schön sein kann, denn nur zu oft entdecke ich alles mögliche Getier im Wald, Schlangen (Blindschleichen), Eidechsen, Salamander, Mäuse, Eichhörnchen etc, an denen die meisten achtlos vorbeilaufen würden.
    Andererseits bin ich extrem schreckhaft, weil ich nicht mitbekomme, wenn mir jemand näher gekommen ist, während ich verträumt dasitze oder in Gedanken versunken Dinge tue, egal was, die ganz gewöhnlichen Alltagsverrichtungen.
    Tausend Gedanken trollen sich durch meinen Kopf und plötzlich passiert etwas, jemand steht vor mir, es klingelt, ein Geräusch und ich erschrecke mich fast zu Tode.
    Da hätte der Bär ein leichtes Spiel
    Finde ich übrigens äußerst faszinierend, diese Widersrpüchlichkeit des ADS in sich, einerseits so hochkonzetriert, andererseits so reizüberflutet, dass es körperlichen Schmerz verursacht.

    Inkonsistenz eben, aber irgendwie auch unglaublich faszinierend ...

    LG
    Fliegerlein

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    Angst,
    man hat die Wahl
    - sich zu tode fürchten, und zu fliehen - weg rennen -
    der Bär wird mich verfolgen. (liegt in seinem Instikt)

    - oder ihm in die Augen sehen, da stehen - der Bär wird
    die Aufmerksamkeit Meiner verlieren oder mich auffressen.

    - oder ihn zum Freund machen - ich füttere ihn und gehe.

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 344

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    Hallo Fliegerlein,
    klingt für mich alles ein bißchen so nach: Du hast ja Recht, aber funktioniert nicht, weil.......(wenn ich Dich richtig verstehe). Und aus dieser, aus meiner Sicht negativen Anschauung möchte ich heraus. Es muß einen tieferen Hintergrund und somit Zweck haben dieses ADS. Ich behaupte ja nicht, das ich ihn schon gefunden habe.

    Das mit dem Bären meinte ich so: der frißt den nicht ADSler, denn der ist auf den Bären nicht vorbereitet und hat ihn auch gar nicht bemerkt.

    Liebe Grüße
    secret

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    secret schreibt:
    Hallo Fliegerlein,
    klingt für mich alles ein bißchen so nach: Du hast ja Recht, aber funktioniert nicht, weil.......(wenn ich Dich richtig verstehe).
    Oh nein nein, ganz und gar nicht.
    Ich denke schon dass es funktioniert, zumindest bei den meisten Menschen.

    Bzgl. der Reize meine ich ja auch, dass es sehr wichtig ist, zu wissen, welche mir nützlich sind.
    Aber das ist nur eine Sache.
    Ich muss auch ein Setting haben, in dem ich mir das zu nutze machen kann, sonst hilft das Wissen nichts.
    Wenn ein Pinguin weiß, dass Schwimmen das ist, was er am besten kann, ist das wichtig und wertvoll, aber dann muss er auch sehen, dass -und wie- er ins Wasser kommt .

    Da wären wir wieder beim Thema Bewertung und ich meinte das wirklich völlig wertefrei.
    Das ist auch so eine Sache, die mich unglaublich fasziniert: dass Menschen Dinge, die ich eigentlich rein sachlich und ohne Wertung schreibe/ sage, sehr schnell eben doch bewerten und in den allermeisten Fällen auch als negativ auffassen.
    Ich habe mitlerweile verstanden, dass Menschen die Welt so sehen und die objektive Sicht eigentlich nicht mögen, weil sie ihnen negativ erscheint.

    Das allein schon lässt mich daran glauben, dass an dem Aspergerverdacht bei mir was dran ist.
    So soll es wohl auch bei Depressionen sein, dass Betroffene eigentlich gar nicht mal unbedingt eine so negative Sicht der Dinge/ der Welt haben, sondern genaugenommen eine realistische.
    Gesunde Menschen dagegen sehen die Welt eher durch eine Art rosarote Brille, wohl weil die Wahrheit sonst schwer zu ertragen ist.
    Das kann ich in einigen Dingen nachvollziehen, aber grundsätzlich ist mir persönlich eher die realistische Sicht zu eigen, die dann sehr oft von anderen als negativ verstanden wird, obwohl sie so überhaupt nicht gemeint ist.
    Weder negativ noch positiv, einfach wertefrei feststellend.
    Das mag ich am liebsten.

    Zugegebenermaßen habe ich mir damit schon oft Reaktionen eingehandelt, die ich nicht erwartet habe, wohl weil mir die Fähigkeit fehlt, andere in dieser Hinsicht einzuschätzen und abzuwägen, wie sie darauf reagieren, sprich: mangelnde kognitive Empathie.
    Mein Bruder war mal furchtbar sauer auf mich, als er sich einen Geländewagen gekauft hat und von dessen Vorzügen berichtete.
    Mir war das unverständlich (ich weiß, das ca. 80% der Kaufentscheidungen "aus dem Bauch heraus" fallen und die restlichen 20% Verstand dann genutzt werden, um den Kauf vor sich und anderen zu rechtfertigen, damals wusste ich das nicht)
    Er argumentierte irgendwas wegen besser Anfahreigenschaften im Winter und höherer Sicherheit, worauf ich meinte, dass gerade das die Sicherheit gefährdet denn die Allradfahrzeuge fahren zwar auf allen vier Rädern an, was einem ein Gefühl der besseren Bodenhaftung vermittelt, denn man kommt ja besser und zügiger weg, man vergisst dabei aber, dass Autos schon immer auf allen vier Rädern gebremst haben und wird das dementsprechend falsch assoziieren:
    Komme ich besser weg, kann ich gemäß meinen Erfahrungen auch besser bremsen.
    Das ist aber ein Trugschluss, denn die Bremseigenschaften sind die gleichen wie bei allen Autos, es ist also eine trügerische, vielleicht sogar gefährliche Fehleinschätzung.
    Er hat sich furchtbar aufgeregt und meinte, ich sei nur neidisch auf sein Auto (was mir vollkommen fremd ist) und wolle es schlecht reden.

    So etwas passiert mir oft.
    Offensichtlich ist mir wirklich nicht klar, dass Menschen nicht so (sachlich) denken wie ich und auch nicht sehen, dass ich so denke.

    Kurzfassung:
    Das ist nicht negativ gemeint, nur (in meinen Augen) sachlich wertefrei festgestellt, was allerdings keineswegs bedeutet, dass es auch richtig ist!


    Liebe Grüße
    Marcus

    PS:

    Leider ecke ich mit so etwas nur zu oft an.
    Und genauso oft verstehe ich das nicht, ....
    Ich habe mal beruflich Filme gemacht und oft kamen Leute zu mir und fragten, wie ich ihren Film finde.
    Wenn man mich sowas fragt, möchte man doch meine ehrliche Meinung denke ich.
    Dann sage ich sie ihnen, zumal ich auch denke, dass sie es wissen wollen um weiter zu kommen, dafür würde ich ja einen Fachmann fragen, und dann sind sie enttäuscht, traurig, sauer, stinkig, weil ich ihnen die Wahrheit gesagt habe.
    Das ist ein Widerspruch, den ich nicht verstehe, die Leute fragen, wollen aber nicht die Wahrheit wissen, ... ja was soll ich denn sagen?
    Denen was vorlügen? Warum? So kommt man doch nicht weiter, wird nicht besser ...
    Dabei meine ich sowas niemals negativ oder böse oder sonstwie, nur ehrlich und neutral.
    Das ist inzwischen besser geworden, ich habe das gelernt, aber offensichtlich noch nicht richtig oder gut genug, denn es passiert mir immer wieder.
    Meist enthalte ich mich und sage/ schreibe gar nichts, ...
    Wäre das auch hier besser gewesen?
    Geändert von Fliegerlein (16.04.2012 um 11:44 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 344

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    Hallo Marcus,
    ich habe schon mehrere Beiträge von Dir gelesen. Ich fand sie alle sehr schön und geistreich (ist jetzt aber auch wieder wertend) Ich habe so bei mir gedacht, das muß ein sehr gebildter Mann mit viel Lebenserfahrung sein (glaube ich an der Ausdrucksweise zu erkennen), der sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen hat (keine Ahnung wie ich zu der Einschätzung komme)
    So. Mann mit Bildung, da läuten bei mir die Alarmglocken! Vorsicht! Angst!
    Da ich nicht besonders gebildet bin, zum Führen zweier Geschäfte reichts aber, hab ich dann schon wieder Angst mich zu blamieren
    Ich fand das was Du geschrieben hast nicht schlimm (Bewertung!) Ich teile es nur nicht zu 100%. Dazu kommt, das eine mir nahestehende Person leider alles nur noch negativ sehen kann. Dementsprechend passierenihr auch viele negative Dinge. Da bin ich dann beim Gesetz der Anziehung. Scheißegal wie die Welt wirklich ist, wenn ich das Glas als halbvoll betrachte lebt sichs aber leichter.

    Grundsätzlich gehts mir aber wie Dir, meine Umwelt will die (oft unbequeme) Wahrheit auch nicht hören; und auch wenn alle Anderen anderer Meinung sind als ich, heißt das nicht zwangsläufig, das ich Unrecht habe.

    Kannst mir mal in zwei Sätzen erklären was Asperger ist, will ich schon eine ganze Zeit lang nachlesen.

    Liebe Grüße
    secret

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Glaube, Hoffnung Mut…

    secret schreibt:
    Ich habe so bei mir gedacht, das muß ein sehr gebildter Mann mit viel Lebenserfahrung sein (glaube ich an der Ausdrucksweise zu erkennen), der sich in sein Schneckenhaus zurückgezogen hat (keine Ahnung wie ich zu der Einschätzung komme)
    Als gebildet würde ich mich ganz gewiss nicht bezeichnen, absolut nicht.
    Ich habe meinen Realschulabschluss mit Mühe auf der Hauptschule gemacht (in NRW geht/ ging das), habe erst mit 24 eine Ausbildung zum Elektroniker gemacht, bin also Facharbeiter, kein Meister, kein Akademiker, nichts von Alldem.
    Schneckenhaus:
    Ja, Zeit meines Lebens, weil ich es so mag.
    Für mich war als Kind Stubenarrest nie eine Strafe, immer eine Belohnung, leider wusste meine Mutter das und hat den Spieß umgedreht und mich zum Spielen rausgeschickt wenn ich denn mal was angestellt hatte.
    Nein, gebildet bin bin gewiss nicht, eher so das Modell "vorlauter Klugscheisser"
    Ich halte meine Bildung für nicht mehr als gefährliches Halbwissen.

    Und ich kann Dir versichern: Du scheinst mir nicht im geringsten ungebildet zu sein.

    Da ich nicht besonders gebildet bin, zum Führen zweier Geschäfte reichts aber, hab ich dann schon wieder Angst mich zu blamieren
    Das war nicht meine Absicht, bitte entschuldige.
    Nebenbei: Bei mir hats nicht mal zum Führen eines Geschäftes gereicht, ich bin in meinem Chaos, meiner Zwanghaftigkeit, meiner Angst und Unsicherheit untergegangen und wirklich fertiggemacht hat mich dann eine Arbeit als ungelernter Arbeiter in einer Fabrik, die andere tausendmal besser hinbekommen als ich und in der ich sang- und klanglos untergegangen bin.

    Kannst mir mal in zwei Sätzen erklären was Asperger ist, will ich schon eine ganze Zeit lang nachlesen.
    Auweh, ... das dürfte wohl meine Fähigkeiten übersteigen, ... Kurzfassungen

    Es ist eine (leichte) Form von Autismus, aber das in kurzen Sätzen zu erklären entzieht sich wohl wirklich meinen Fähigkeiten.

    Generell liegen die Hauptprobleme in der sozialen Interaktion, Körpersprache, Gestik, Mimik sind Problembereiche, kognitive Empathie, also die Sichtweise anderer Menschen zu übernehmen/ sich vorzustellen, sie sind zurückgezogen, denken sachlich, sind direkt und ehrlich und merken nicht, dass sie dabei mitunter andere vor den Kopf stoßen, ihnen fehlt wohl so eine Art "Autopilot" der sozialen Interaktion, den Normalos zu haben scheinen ...
    Menschen mit Asperger haben vorzugsweise wenige Spezialinteressen, die sie intensiv verfolgen, denken vorzugweise logisch, werden als "wunderlich" wahrgenommen (engl.: Nerd)

    Da gibt es gewiss noch so veles drüber zu schreiben, dass es mir schwer fällt aufzuhören, denn ich habe immer Angst, dass es zu wenig Information ist und das Gegenüber doch alles wissen muss, um es auch wirklich zu verstehen, ... das wäre dann der Punkt mit der kognitiven Empathie ...

    Liebe Grüße
    Marcus
    Geändert von Fliegerlein (16.04.2012 um 12:14 Uhr)

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