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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Belohnungssysteme

    Hallo Ihr,

    danke erstmal für die rege Beteiligung und die tollen Tipps

    @Fliegenpilz:
    Vielen, vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.
    Zugegeben, nach dem Lesen war ich im ersten Moment etwas frustriert.
    Liegt vermutlich daran, dass ich zwei nicht unbedingt gut kompatible Eigenschaften habe: Bequemlichkeit und Perfektionismus. Ich möchte also eine Lösung haben, die einfach, schnell und natürlich sofort perfekt ist Insofern hab ich mich ein wenig "ertappt" gefühlt, weil ich - wie leider so häufig - mit meinem System einfach mal drauflos geprescht bin, ohne mir groß Strategien zu überlegen ("warum denn? die Steinchen sind die Strategie")

    http://adhs-chaoten.net/images/style...quote_icon.png Maya schreibt: http://adhs-chaoten.net/images/style...post-right.pngIch neige dazu, viel zu Quatschen und andere dabei so voll zu labern, dass sie gar nicht mehr zu Wort kommen, weil ich unbedingt loswerden muss, was mich gerade beschäftigt.



    Warum machst du das? Hast du z.B. Angst, dass du deinen Gedanken vergessen könntest, wenn du die anderen zu Wort kommen lassen würdest?
    Oder ist es deine Impulsivität. die es dir schwer macht, dich in solchen Situationen zu bremsen?
    Es ist die Impulsivität - ich komme von einem zum anderen und finde natürlich alles unglaublich wichtig, was ich zu sagen habe
    Mich zu bremsen versuche ich im Moment, indem ich mich bewusst mehr auf mein Gegenüber konzentriere und mich immer wieder daran erinnere, aktiv auf Mimik und und sonstige Signale zu achten. Außerdem beende ich meine "Vorträge" auch einfach mal, selbst wenn ich noch stundenlang weiter reden könnte und höre in mich herein, ob sich das wirklich so schlimm anfühlt, wie vorher befürchtet.

    Mit meinen Kollegen, Kunden und Praktikanten versuche ich jetzt erstmal, nur über berufliche Themen zu reden und dabei zu bleiben (gut, wenn jemand fragt, wie das Wochenende war, bekommt er eine Antwort, aber kurz und eher oberflächlich gehalten).

    Nach dem Lesen Deines Beitrags habe ich nun heute mein System etwas verändert:
    Zum einen habe ich beschlossen, mich erstmal auf zwei Aspekte meines Quatschens zu konzentrieren: Andere nicht bis zur Besinnungslosigkeit zulabern und thematisch der Beziehung angemessen bleiben.
    Dafür benutze ich nun jeweils ein eigenes Gläschen, beide viel kleiner als das vorherige Marmeladenglas.

    Du machst es dir leichter, wenn du zunächst kleine Erfolge belohnst. Bei dieser Taktik, die du gewählt hast, bekommst du erst dann einen Stein, wenn du keinen Fehler machst. D.h. wenn du perfekt bist. Keiner ist perfekt.
    Diese Anregung habe ich aufgenommen und bekomme nun für jedes geglückte Gespräch ein Steinchen, auch wenn mir das zugegebener Maßen schwer fällt. Ich bin sehr anspruchsvoll mit mir selbst (Perfektionismus...) und tue mich überhaupt schon schwer damit, mich zu belohnen, weil ich denke, dass das, was ich ändern will, für andere ja auch selbstverständlich ist... Da muss ich wohl noch lernen, gnädiger mit mir selbst zu sein und mir einzugestehen, dass mir manches schwerer fällt als anderen...

    - jedes längere Gespräch, dass ich mit ausgewogenen und inhaltlich der Beziehung, in der ich mit der Person stehe angemessenen Beiträgen geführt habe- eine Bemerkung, die mir in den Sinn kommt, von der ich aber schon vorher weiß, dass sie unpassend ist und sie mir daher verkneife
    - und einen Bonus, wenn ich bei wichtigen, langen Gesprächen einigermaßen ruhig sitze und nicht zappel.


    Wie möchtest du das erreichen?
    Welche Taktiken hast du dir überlegt?
    Das ist ehrlich gesagt tatsächlich ein großes Problem, denn ich habe keine Taktik, außer: beiß Dir auf die Zunge und belohn Dich, wenn es geklappt hat...
    Für Tipps bin ich also absolut dankbar!
    Deine Idee mit den Schnecken finde ich großartig (zugegeben, ich habe gelacht, aber nicht wegen der Schnecken, sondern wegen Deines Klammerzusatzes ) und werde sie für meinen Haushaltskram umsetzen, denn da mache ich tatsächlich sehr viel "einfach mal so nebenbei", sodass ich es selbst nicht bemerke und am Ende denke "ups, wieder nix gemacht".

    Ich nutze das eher so als Kontrollinstrument. Z.B. habe ich neulich gesehen, dass ich schon seit einiger Zeit keine Schnecke mehr in der Papierkramspalte habe. Da wurde es also mal wieder Zeit.
    Aber gerade für mein Laber-Problem möchte ich jetzt erstmal kein System, das mir zeigt, wann ich es nicht geschafft habe. Die Steinchen im Glas zählen ja nur die Erfolge. So können es nur mehr werden - entweder schneller oder langsamer. Zuerst hatte ich auch überlegt, ob ich in irgendeiner Form sichtbar mache, wann ein Gespräch geglückt ist und wann nicht. Da war aber meine Sorge zu groß, dass ich z.B. mal einen Tag habe, an dem es gar nicht klappt und dann springt mir der Misserfolg gleich so ins Auge und demotiviert mich.

    Und für die "Technik-Freunde":
    für alles, was mir unterwegs einfällt und erledigt werden muss nutze ich dies hier: Wunderlist | Task Management At Its Best
    Man kann thematische Listen anlegen, Zieldaten eingeben usw. und wenn man in einer Liste alles abgearbeitet hat, steht da so schön, dass man nichts mehr zu tun hat

  2. #12
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 305

    AW: Belohnungssysteme

    ich find eure ideen total klasse und diese wunderliste werd ich mir auch mal anschauen, vielleicht hilft die mir ja auch.
    mein problem war bisher immer, daß ich es nicht geschafft hab konsequent zu mir zu sein. ich habs einfach nicht geschafft mir eine belohnung beiseite zu legen, wenn ich was erledigt hatte, geschweige denn eine "bestrafung" auch umzusetzen: so nach dem motto "wieso denn auch, bin ja nur ich!"
    versteht ihr wie ich das meine?
    ich hatte mit meinem damaligen therapeuten einiges an möglichen "bestrafungen" angedacht, z.b. spenden, aber es gab niemand der das kontrolliert hätte und da hab ichs auch nicht gemacht.

    dieses selbstkontrolloe hat bei mir bisher nicht gegriffen.

  3. #13
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 1.101

    AW: Belohnungssysteme

    Wow die Idee mit dem Kalender gefällt mir echt gut. Ich glaube ich kaufe mir so einen Kalender und viele Smilieaufkleber. ich liebe Smilies.

  4. #14
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Belohnungssysteme

    Ein Belohnungssystem bringt mir leider nicht viel. Wenn ich etwas haben möchte, dann sorge ich dafür dass ich es schnellstmöglich bekomme. Geht es um materielle Dinge oder Lebensmittel oder irgendwelche Aktivitäten, dann gelingt mir das auch... ich bin aber auch nicht sonderlich anspruchsvoll. Was mir allerdings noch nicht gelungen ist, sind die mir persönlich wichtigsten Dinge: 1.) Eine feste Beziehung und 2.) ein unbefristeter, fester Job ohne Probleme auf der Arbeit.

    Ich habe auch das Problem, dass ich mir leider nicht dauerhaft Mühe gebe, wenn ich weiß dass ich nicht belohnt werde. Ich wollte schon längst 10 kg abnehmen und einen festen Arbeitsplatz finden... aber um mir mehr Mühe zu geben, möchte ich vorher eine Garantie haben, dass ich etwas dafür bekomme. Als mein Vater noch am Leben war, hat er mich fürs Abnehmen meistens mit Geld belohnt. Dann hatte ich eine Motivation. Oder wenn ich wüsste, dass ich mit weniger Kilos mehr Chancen bei einem interessanten Mann hätte, würde ich es auch tun. Klar logisch mache ich es in erster Linie für mich selbst und meine Gesundheit... aber ohne Belohnung komme ich nicht in die Gänge. Dasselbe gilt für die Arbeit: Ich brauche schon vorher Gewissheit, dass es was wird, wenn ich dies oder jenes mache. Sonst lasse ich es irgendwann schleifen.

  5. #15
    cp1


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 38

    AW: Belohnungssysteme

    Belohnungssystem, hm, über sowas hab ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Gute Idee! Ich glaub, ich probiers auch mit den Glitzerschnecken, klingt super Vielleicht bekomm ich ja dann mein Bürochaos und diverse "Häufchen" die sich angesammelt haben endlich in Griff. Also, Kalender kaufen, Plan machen, was erledigt werden soll und Schnecken kaufen...

  6. #16
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Belohnungssysteme

    Zum Bürochaos: In einem ADHS-Coaching Buch habe ich den Tipp mit der vertikalen Unterlagen-Organisation gelesen.
    Die typischen "Häufchen" sind horizontal angeordnet, da liegt jedes Papier über dem anderen parallel zur Schreibtischplatte. Man nimmt den Haufen nur gesamt als Haufen war und nicht mehr die einzelnen Unterlagen.
    Bei der vertikalen Organisation stellt man die Papiere in was rein, so dass sie im rechten Winkel dazu stehen (muss natürlich nicht exakt der rechte Winkel sein). Man ordnet die Papiere dann hintereinander an. Dadurch, dass die jetzt nicht mehr wahllos übereinander liegen, sieht man sie. Die gehen nicht mehr unter.

    Je nachdem wieviel Papierkram man hat, kann man unterschiedliche vertikale Ordnungssysteme verwenden.
    Bei viel Kram eignet sich ein Hängeregister. Das habe ich zuhause für meinen Papierkram. Da sortiere ich alles ein. Ich habe für mein Hängeregister solche Hängetaschen, in die man die Papiere nur reinstellen muss. Man muss die Unterlagen nichtmal lochen.
    Ich weiß nicht, ob die Chaotin, die mir vor einiger Zeit den Tip mit dem Hängeregister gegeben hat, hier mitliest. Ihren Namen habe ich blöderweise auch vergessen, aber ich bin ihr so dankbar, weil ich damit mein Papierchaos endlich im Griff habe. Und meine Psychiaterin wundert sich immer noch, wie ich das aufeinmal hinbekommen habe.

    Die Post, die ich so die Woche über bekomme, kommt erstmal in so einen Briefständer. Ich habe bewusst nur einen kleinen, weil der sehr schnell voll ist und ich dann die Post erledigen muss, wenn nix mehr reingeht.
    Im Büro habe ich für meine To-Do-Liste und den Terminkalender auch so einen Briefständer. So habe ich immer vor Augen, was ich noch erledigen will. Das Zeug geht damit nicht im allgemeinen Schreibtischchaos unter.

    Für meine offenen Vorgänge im Büro habe ich mir eine Kiste mit mit Abtrennungen gebastelt, in die ich die Unterlagen nur reinstellen muss. Das ist so ähnlich wie ein Hängeregister oder so eine große Karteikartenbox. Meine Unterlagen kommen in transparente Hüllen, die ich in unterschiedlichen Farben habe. So stelle ich die dann alle hintereinander in meine Kiste.
    Da habe ich dann meine offenen Vorgänge jederzeit im Blick. Und auch hier ist es so, dass ich nur eine begrenzte Zahl von Fächern habe, d.h. ich muss irgendwann die Fächer leer machen, wenn was neues reinkommt. Dadurch habe ich auch eine recht gute Kontrolle über meine Aufgaben und meinen Fortschritt.

    Zu Kalendern:
    Momentan kriegt man die sehr günstig. Ich probiere daher gerade auch einfach mal unterschiedliche Modelle und Varianten einfach aus und nutze die für unterschiedliche Dinge. Wenn das dann nicht funktioniert, ist nicht soviel Geld futsch.

  7. #17
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Belohnungssysteme

    fachaela schreibt:
    mein problem war bisher immer, daß ich es nicht geschafft hab konsequent zu mir zu sein. ich habs einfach nicht geschafft mir eine belohnung beiseite zu legen, wenn ich was erledigt hatte, geschweige denn eine "bestrafung" auch umzusetzen: so nach dem motto "wieso denn auch, bin ja nur ich!"
    versteht ihr wie ich das meine?
    ich hatte mit meinem damaligen therapeuten einiges an möglichen "bestrafungen" angedacht, z.b. spenden, aber es gab niemand der das kontrolliert hätte und da hab ichs auch nicht gemacht.
    Bestrafungen sind Mist.
    Viele Tätigkeiten fallen mir sehr schwer und ich habe akzeptiert, dass ich damit Schwierigkeiten habe. Diese Dinge nicht auf die Reihe zu kriegen ist bei mir einfach der Normalzustand.
    Und diesen Normalzustand möchte ich ändern in einen besseren Zustand.
    Daher ist für mich jede Abweichung davon schonmal ein Fortschritt.
    Es ist nicht wichtig, wieviel ich von einer Aufgabe erledige oder wie lange ich dran bleibe oder wieviele Glitzerschnecken ich in der Woche sammle. Wichtig ist, dass ich einen einzigen Schritt gehe. Mehr muss erstmal nicht sein.
    D.h. ich gebe mir oft auch eine Schnecke, wenn ich nur eine klitzekleine Kleinigkeit gemacht habe. Z.B. belastenden Papierkram erstmal aus dem Karton holen und auf den Schreibtisch legen. Das hört sich erstmal total albern an, dass ich mir für sowas selber auf die Schulter klopfe. Aber genau das fällt mir ja so schwer. Und es ist egal, dass andere damit nicht solche Probleme habe. Ich habe damit Probleme. Punkt.
    Wichtig ist, dass ich an meinen Problemen arbeite. Ganz unabhängig vom Problem.

    Die Schnecken sind für mich daher auch keine Belohnung. Und es ist auch keine Bestrafung, wenn ich keine Schnecke sammle.
    Mit den Schnecken mache ich nur sichtbar, welche Fortschritte ich mache. Das ist wie die Tankanzeige am Auto. Die hat man, damit man sieht, wieviel Benzin noch drin ist. Und wenn der Tank leer ist, dann muss man was tun, also zur Tankstelle fahren. Keiner würde auf die Idee kommen, ein Auto dafür zu bestrafen, dass der Tank leer ist.
    Wenn ich längere Zeit in einer Spalte keine Schnecke habe, dann ist es für mich wichtig, mich dafür nicht fertig zu machen. Denn es hat sich ja nichts verschlechtert. Ich bin nur nicht weiter gekommen. Das ist OK. Ja, es ist OK, wenn mal nicht alles so läuft, wie es laufen sollte.

    An so einem Punkt frage ich mich dann, warum es gerade nicht so läuft. Und das ist der wichtigere Punkt. Und ich denke, dass das bei ADHSlern auch ein ganz entscheidender Punkt ist.
    Durch die vielen Misserfolge, die wir hatten, haben wir nie wirklich gelernt, mit Kritik umzugehen. Wir haben nicht gelernt, dass es zum Leben dazu gehört, dass es manchmal nicht so läuft, wie es laufen sollte. Wir haben immer nur Kritik abbekommen und wussten aber nicht, was wir mit dieser Kritik anfangen sollen. Bzw. wir wussten nicht, wie wir die Dinge denn besser machen können. Probiert haben wir das ja. Es hat nur nicht geklappt.
    Wir haben nie die Erfahrung gemacht, dass Kritik uns weiterbringen kann. Dass man aus Fehlern tatsächlich lernen kann und dass man es das nächste Mal dann anders machen kann.
    Und das ist ein sehr großes Problem, welches bei traditionellen Belohnungssystem verstärkt wird.

    Maya schreibt:
    Aber gerade für mein Laber-Problem möchte ich jetzt erstmal kein System, das mir zeigt, wann ich es nicht geschafft habe. Die Steinchen im Glas zählen ja nur die Erfolge. So können es nur mehr werden - entweder schneller oder langsamer. Zuerst hatte ich auch überlegt, ob ich in irgendeiner Form sichtbar mache, wann ein Gespräch geglückt ist und wann nicht. Da war aber meine Sorge zu groß, dass ich z.B. mal einen Tag habe, an dem es gar nicht klappt und dann springt mir der Misserfolg gleich so ins Auge und demotiviert mich.
    Mir zeigen die Schnecken nicht, was ich nicht geschafft habe. Sie zeigen mir, was ich geschafft habe. Das ist ein Unterschied.

    Ich kann verstehen, dass du Angst hast, dass es nicht klappt und dass du dir das dann die ganze Zeit ansehen musst.
    Nur nimmst du dir damit eben auch die Chance, deine Fortschritte zu sehen und vor allem zu schauen, wann es nicht klappt, um dann zu fragen, warum es nicht klappt.

    So wie ich das bei dir herauslese, ist eines deiner Probleme ein geringes Selbstbewusstsein bzw. Selbstwertgefühl.
    Und vielleicht hast du auch einfach Angst, wieder zu versagen und es wieder nicht auf die Reihe zu kriegen.
    Das Blöde ist, dass diese Angst dich blockiert und dass sie dich daran hindert, weiter zu kommen.
    Vielleicht findest du eine Tätigkeit oder Aufgabe, wo du dich dieser Angst stellen kannst. Schritt für Schritt.

    Du bist mit dieser Angst bzw. dem geringen Selbstwertgefühl nicht alleine. Ich denke, dass es vielen hier so geht. Mir auch. Eigentlich finde ich mich ganz gut so, wie ich bin. Aber es fehlt nicht viel und ich "kippe" um und bin dann ein wandelnder Minderwertigkeitskomplex.
    Da traue ich mir dann nichts mehr zu und habe einfach Angst alles falsch zu machen und zu versagen.

    Vor kurzem habe ich wieder angefangen zu studieren. Und da kommen teilweise genau diese Ängste wieder hoch.
    Ich habe total Angst davor, mich zu blamieren. Und ich denke, dass ich zu dumm bin den Stoff zu kapieren.
    Die Diskussionen zu den Hausaufgaben, die teilweise online gelöst werden, wollte ich mir daher gar nicht erst ansehen.
    Dann wollte ich auch nicht zum Lerngruppentreffen gehen, weil ich Angst hatte, dass die anderen mich für dumm und faul halten.
    Ich hatte außerdem Angst davor, dass ich mich selber für dumm halte, wenn ich die anderen reden höre und die viel besser als ich sind. Ich meine, ich brauche teilweise fast eine Stunde, um zwei Seiten zu verstehen und muss viele Fremdwörter nachschlagen...

    Ich war dann gestern doch beim Lerngruppentreffen. Und ich werde auch zu weiteren Treffen gehen.
    Weil ich weiß, dass mir das schwer fällt und dass ich mich damit meinen Ängsten stellen muss, habe ich mir in meinem Kalender eine Lerngruppen- und Onlineaufgaben-Spalte gemacht, in die ich mir Smileys reinklebe.

    Daher ist es oft sinnvoll, sich nicht für die eigentlichen Aufgaben einen Smiley zu geben, sondern zu schauen, welche Ängste dahinter stecken und was genau das eigentliche Problem ist.

    Jede Glitzerschnecke ist ein Schritt nach vorne. Keine Schnecke ist einfach stehen bleiben, was OK ist. Und Schnecken sind ja langsam. Aber die kommen auch ans Ziel. So Schritt für Schritt und nach und nach.

  8. #18
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Belohnungssysteme

    Hey

    ein kleines Update zu meinem Glassteinchen-Laber-Versuch.
    Ich habe den Eindruck, dass es tatsächlich inzwischen etwas besser wird und ich immer wieder Gespräche führe, bei denen ich mich ganz bewusst bremse.
    Ein wichtiger Fortschritt, wie ich finde, denn immerhin fällt mir inzwischen öfters auf, wenn ich anfange, anderen das Ohr abzukauen

    An so einem Punkt frage ich mich dann, warum es gerade nicht so läuft. Und das ist der wichtigere Punkt. Und ich denke, dass das bei ADHSlern auch ein ganz entscheidender Punkt ist.
    Die Frage stelle ich mir auch immer wieder - direkt nach einem Gespräch, in dem ich den anderen wieder an die Wand geredet hab, abends, wenn ich meine Steinchen ins Glas lege und dabei Revue passieren lassen, wie die Gespräche waren. Dabei überlege ich nicht nur, was warum nicht klappte, sondern auch, welche Gespräche gut gingen.

    Inzwischen versuche ich, eine Systematik zu finden - was wirkt positiv, was fördert meinen Redeschwall.

    Ein paar Punkte konnte ich dabei bisher ausmachen.
    - Stress (nicht nur auf die konkrete Situation bezogen, sonder auch so latent) sorgt dafür, dass ich keine Kapazität mehr habe, auch noch mein Labern zu kontrollieren
    - Stille im Gespräch kann ich nicht ertragen. Wenn der andere dann nach einer Pause nichts sagt, rede ich halt weiter.
    - emotionale Themen, sowohl euphorisch als auch ärgerlich/genervt kann ich den anderen stundenlang zutexten
    In allen 3 Situationen fällt mir häufig sogar auf, dass ich da gerade unglaublich viel rede, aber da hab ich so eine innerliche Spannung, dass ich es trotzdem raus lassen muss...

    Falls jemand Tipps hat, wie man es trotzdem schafft, ohne nach einem solchen Gespräch völlig erschöpft und für den restlichen Tag unzurechnungsfähig zu sein: gern her damit!!!

    Eigentlich finde ich mich ganz gut so, wie ich bin. Aber es fehlt nicht viel und ich "kippe" um und bin dann ein wandelnder Minderwertigkeitskomplex.
    Das kann ich leider ganz genau so für mich unterschreiben.
    Deshalb bin ich auch sehr hin und her gerissen bei dem Angebot einer Freundin, mich drauf hinzuweisen, wenn ich ins Schwafeln komme...
    Rein rational weiß ich, dass das hilfreich wäre, aber ich weiß auch schon im Vorfeld, dass ich mich danach erstmal echt schlecht fühlen werde und mich vermutlich selbst am härtesten ins Gericht nehme.

    Mir zeigen die Schnecken nicht, was ich nicht geschafft habe. Sie zeigen mir, was ich geschafft habe. Das ist ein Unterschied.
    Jede Glitzerschnecke ist ein Schritt nach vorne. Keine Schnecke ist einfach stehen bleiben, was OK ist. Und Schnecken sind ja langsam. Aber die kommen auch ans Ziel. So Schritt für Schritt und nach und nach.
    Genau diese Perspektive kann ich (momentan noch) nicht einnehmen.
    Ich will es jetzt sofort und für alle Ewigkeit gut und richtig machen (und am liebsten auch noch rückwirkend verbessern).
    Wie ich diesen Perspektivwechsel vollziehe, ohne mir dabei vorzukommen, als würde ich mir selbst etwas vormachen, weiß ich leider noch nicht...

    ich habs einfach nicht geschafft mir eine belohnung beiseite zu legen, wenn ich was erledigt hatte, geschweige denn eine "bestrafung" auch umzusetzen: so nach dem motto "wieso denn auch, bin ja nur ich!"
    Das mit der Bestrafung sehe ich ebenso wie Fliegenpilz!
    Und den Umgang mit Belohnung lerne ich für mich auch gerade noch. Es fällt mir nicht immer leicht, mich für etwas zu belohnen - insbesondere, wenn es Dinge sind, die andere selbstverständlich können/machen, ich aber nicht.
    Da sage ich mir dann immer ganz bewusst, dass dies für mich eben schwierig/anstrengend/belastend war. Punkt. Egal, ob andere das mit Links machen.
    Und dann genieße ich meine Belohnung und schiebe den fiesen "ja, aber..."-Teufel so gut es geht zur Seite.

  9. #19
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Belohnungssysteme

    Maya schreibt:
    H
    Ein wichtiger Fortschritt, wie ich finde, denn immerhin fällt mir inzwischen öfters auf, wenn ich anfange, anderen das Ohr abzukauen
    Cool



    - Stress (nicht nur auf die konkrete Situation bezogen, sonder auch so latent) sorgt dafür, dass ich keine Kapazität mehr habe, auch noch mein Labern zu kontrollieren
    Ja, wenn man gestresst ist, dann fällt einem das schwerer. Seit mein Leben in geordneteren Bahnen verläuft, stehe ich nicht mehr ständig unter Dauerstress.

    - Stille im Gespräch kann ich nicht ertragen. Wenn der andere dann nach einer Pause nichts sagt, rede ich halt weiter.
    Mein Chef ist der Meister des Schweigens. Der zieht das echt ewig durch. Und ich bin lange immer diejenige gewesen, die dann einen blöden Spruch gebracht hat, damit es nicht mehr so still ist.
    Irgendwann habe ich mir einfach ein paar Fragen überlegt, die ich in so einer Situation stellen könnte. Ich rede dann nicht mehr einfach munter drauf los, sondern stelle eine Frage und breche so das Schweigen, ohne dass ich Gefahr laufe, Müll zu reden.
    Mich in so einer Situation ganz zurückhalten, schaffe ich nicht so wirklich.

    - emotionale Themen, sowohl euphorisch als auch ärgerlich/genervt kann ich den anderen stundenlang zutexten
    Dagegen habe ich auch noch nix gefunden. Im Büro merke ich das anhand der Reaktionen meiner Kollegen mittlerweile ganz gut, wenn ich so einen Laberflash kriege. Da breche ich dann ab und verziehe mich in mein Büro oder gehe eine Runde um den Block um wieder runter zu kommen.

    Falls jemand Tipps hat, wie man es trotzdem schafft, ohne nach einem solchen Gespräch völlig erschöpft und für den restlichen Tag unzurechnungsfähig zu sein: gern her damit!!!
    Mir hilft es, dass ich generell weniger gestresst bin, weil ich viele Dinge in meinem Leben geordnet habe und dass ich jetzt eine gewisse Struktur habe.

    Deshalb bin ich auch sehr hin und her gerissen bei dem Angebot einer Freundin, mich drauf hinzuweisen, wenn ich ins Schwafeln komme...
    Rein rational weiß ich, dass das hilfreich wäre, aber ich weiß auch schon im Vorfeld, dass ich mich danach erstmal echt schlecht fühlen werde und mich vermutlich selbst am härtesten ins Gericht nehme.
    Ich habe mir das irgendwann wie Kuchen backen vorgestellt:

    Also, ich erwarte Besuch und der Besuch möchte gerne Kuchen und daher möchte ich einen Kuchen backen und brauche verschiedene Zutaten. Jetzt habe ich aber nicht genug Mehl. Das ist blöd.

    Ich habe unterschiedliche Möglichkeiten, wie ich damit umgehen kann:

    1. Ich könnte einfach beim Nachbarn klingeln und ihm mein Dilemma schildern und um etwas Mehl bitten.

    2. Ich könnte meinem Besuch sagen, dass ich zuwenig Mehl habe und dass der Kuchen dadurch kleiner wird.

    3. Ich könnte einfach alles nach Rezept backen ohne was an der Menge der anderen Zutaten zu verändern, aber eben mit weniger Mehl, in der Hoffnung, dass das schon irgendwie klappen wird. Bei dieser Variante werde ich dann wenn der Kuchen aus dem Ofen kommt und eine schlabbrige Masse ist, irgendwie versuchen zu retten, was zu retten ist. Ich werde vielleicht Unmengen Schokoladenguss draufschmieren, damit man den Murkskuchen nicht so schnell bemerkt. Und dann mache ich noch Puderzucker drauf.

    Bei den ersten beiden Varianten könnte ich gleich zu Beginn kritisiert werden, weil ich zuwenig Mehl habe und nicht mehr eingekauft habe bzw. das vergessen habe. Aber ich gestehe mir und anderen das Problem ein und suche eine Lösung. Das Ergebnis, entweder den Kuchen mit dem geliehenen Mehl oder den kleinere Kuchen, kann mein Besuch essen. Und ich auch.
    Ich habe zwar ein Problem gehabt, das ich aber lösen könnte.

    Bei der dritten Variante werde ich zu Beginn nicht kritisiert. Aber wenn mein Besuch dann in den Kuchen beißt, wird auffallen, dass ich Mist gebaut habe. Und dann werde ich kritisiert. Mein Besuch kann den Kuchen nicht essen und bleibt hungrig. Und ich auch.
    Und ich bin wahrscheinlich furchtbar enttäuscht von mir selber, weil ich das mal wieder nicht auf die Reihe bekommen habe.

    Mir ist bei dem Beispiel klargeworden, dass ich so oder so kritisiert werde. Bzw. dass ich entweder beim Backen ein Problem habe oder aber dann später beim Kuchen essen. Das Problem lässt sich nicht verleugnen. Es geht nicht von alleine weg.
    Im Gegenteil, wenn ich versuche es zu ignorieren, aus Angst kritisiert zu werden und mit dieser Kritik nicht umgehen zu können, dann wird dieses Problem immer größer und größer.

    ADHS zu haben, ist wie backen ohne Mehl. Ziemlich doof. Aber es ist meine Entscheidung, wie ich damit umgehe.

    Wenn ich so zurückblicke auf meine letzten Monate, in denen ich das erste Mal meinen Mitmenschen gesagt habe, mit was ich Probleme habe, dann waren die in den meisten Fällen sehr hilfsbereit und einfühlsam. Insbesondere als ich so nach und nach auch sagen konnte, wie man mir am besten helfen kann.
    Das klappt nicht mit allen Menschen. Das musste ich erstmal ausprobieren, mit wem das klappt. Und die Menschen, mit denen es nicht klappt, die habe ich eben beim nächsten Mal nicht mehr um Hilfe gebeten.
    Leicht ist das nicht. Aber es ist besser als kurz vorm Verhungern zu stehen, weil ich meinen eigenen Kuchen nicht essen kann.

    Zu den anderen Sachen muss ich mir erst noch bisschen was im Kopf sortieren. Dazu bin ich jetzt aber zu müde.
    Geändert von Fliegenpilz (25.04.2012 um 23:55 Uhr)

  10. #20
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 25

    Beitrag AW: Belohnungssysteme

    Hallo,

    vielen Dank für die vielen Anregungen hier im Thread! Es ist beruhigend zu wissen, dass andere auch gerne und vor allem mit den scheinbar "einfachen" Dingen hadern.....

    Jedenfalls die Glitzerschnecken von Fliegenpilz haben mich nicht mehr losgelassen . Daher im Anhang eine Exceltabelle (war mal 'ne .ods, aber man kann hier keine .ods hochladen ) mit kopierbarer Glitzerschnecke (ist nicht von mir, die Schnecke). Zwar keine chice App, aber hoffentlich kann trotzdem jemand was damit anfangen.

    Zur Not kann man sich das auch ausdrucken, wenn man sich keinen Kalender besorgen möchte.

    ....

    Man kann auch mit Selbstorganisation prokrastinieren, ne?

    ...

    Aber im Ernst... es ist gut zu lesen, dass bei manchen von Euch diese Selbstbelohnungsgeschichten tatsächlich funktionieren. Es fällt mir sehr, sehr schwer mich drauf einzulassen, aber das hier motivert...

    Falls jemand Verbesserungsvorschläge / Wünsche für die Tabelle hat, immer her damit....

    Liebe Grüße,
    *paula*
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