Wow, sehr tolle Ansichten.

"Dabei könnte sie doch, wenn sie nur wollte"
Soweit ich mich erinnere war das der Anfang, das meine Eltern Druck auf mich aus geübt haben.
Meine Realschullehrerin sagte das damals als "Wenn er wollte, könnte er sogar Abitur machen".

Diese Aussage ist für mich allerdings ein zwei schneidiges Schwert.

Ich mache tatsächlich nur das was ich will, worauf ich Lust habe. Das heißt, wenn ich Abitur machen will, dann kann ich das; wenn ich Arzt werden will, dann kann ich das; wenn ich Astrophysiker werden will, dann kann ich das; und wenn ich Einzelhandelskaufmann werden will, dann kann ich auch das.
Selbst wenn ich Aufgaben erledigen muss, auf die ich keine Lust hab, dann kann ich diese erledigen. Auch wenn das sehr anstrengen ist und es mir dabei nicht gut geht, es mich krank macht. Das Abitur war so ein Beispiel. Ich habe es gemacht, weil ich nach der Realschule nicht wirklich wusste was ich machen soll. Also hab ich erstmal Abitur gemacht. Hab dafür aber die 12te wiederholt und bin beinahe durchs Abitur gefallen.
Dazu gibt es aber ein Paradoxon. Das Studium wollte ich machen. Es hat mich interessiert. Und ich habe es gut Abgeschlossen. Aber es war sehr anstrengen und es ging mir dabei nicht gut, es hat mich krank gemacht.
Es hat mich krank gemacht, weil ich wollte und auch irgendwie konnte aber andererseits doch nicht konnte.

Die andere Seite des Schwertes ist das "Wollen aber doch nicht können".
Ich bin in den letzten Jahren immer mehr verzweifelt. Ich hab vieles einfach nicht auf die Reihe bekommen. Dabei ist es doch eigentlich so einfach. Aber warum schaffe ich es dann nicht?
Ich bin jedesmal innerlich explodiert, wenn mir jemand gesagt hat: "Du musst einfach nur deinen Arsch hoch kriegen, dann schaffst du das!", "Von nichts kommt nichts!", "Du musst es schon wolle!", "Wo ein Wille, da ein Weg!"
Ich habe mich immer fürchterlich darüber aufgeregt, wenn mir gegenüber jemand "Ich kann nicht" mit "Ich will nicht" gleich setzte.
Ich will doch. Ich will ein "normales" Leben führen. Ich will Dinge gut auf die Reihe bekommen.
Aber irgendwie kann ich nicht.

Um es mit der Boot-Metapher zu umschreiben: Ich habe ein Boot und ich habe eine Karte auf der ein Ziel markiert ist. Aber die Karte hat einen Massstab von 1:100.000.000, ich weiß nicht wo ich bin, ich habe keinen Kompass und der Antrieb des Bootes streikt auch immer mal wieder.

Ich finde auch die Beschreibung mit dem "Inneren Kind" treffen.
Ich denke man ist auf diese "gespaltene Persönlichkeit" angewiesen. Wir brauchen zum einen die erwachsene Hälfte aber wir brauchen auch die kindliche Hälfte. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Beide müssen lernen zusammen zu arbeiten.
Während meines Studiums war nur die erwachsene Hälfte present. Ich habe gelernt und kaum Freude und Entspannung gefunden. Nach dem ich meinen letzten Job geschmissen hab ist immer mehr und mehr die kindliche Hälfte durch gekommen. Ich mache nur noch da wozu ich Lust habe. So hab ich z.B. meine alten Kinderbücher vom Dachboden meiner Großmutter geholt.

Ich schaffe es einfach nur nicht beide Hälften unter ein Dach zu bringen. Das beide ausgewogen sind.
Ist das nun aber eine Persönlichkeitsstörung? Ich würde sagen Nein. Denn ich behaupte einfachmal das jeder Mensch so ist. Auch der Normalo.

Fazit: Ich muss lernen das mein erwachsenes Ich und mein kindliches Ich normal miteinander kommunizieren.
Das will ich. Aber kann ich es auch? Die Schlange beißt sich in den Schwanz...