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  1. #1
    Mega-Wusel

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 2.452

    Traurigkeit zulassen... schwer bis unmöglich

    Hallo,

    irgendwie weiß ich nicht, wie ich anfangen soll, aber ich stehe mit mir in einem Konflikt.

    Eigentlich bin ich ein sehr emotionaler Mensch. Solang ich allein bin. Da rühren mich Filme, Lieder, Dokus zu Tränen.. von privaten Umständen mal ganz zu schweigen. Aber irgendwie geht es nur, wenn die Tür hinter mir zufällt. Und ich weiß nicht wieso.

    Es gab gestern so nen Auslöser, der mich massivst wieder ins Grübeln brachte. Ein Kollege, mit dem ich derzeit beruflich unterwegs bin - kenn ihn seit 12 Jahren - hat privat grad ne Scheiß Zeit. Weiß nicht wieso, gestern fing er langsam an, drüber zu reden. Und irgendwann liefen ihm die Tränen übers Gesicht. Ich hab mit mir kämpfen müssen, weil ich wie gesagt sehr emotional bin und grad auch ne Trennung hinter mir habe, die ich nicht gebacken bekomme... Und ich weiß, dass ich selbst sehr verschlossen bin, was meine tiefsten Gefühle betrifft, Das hat mich so beschäftigt, weil ich privat grad auch sehr drin häng. Irgendwie fand ich es beneidenswert, dass er "es" zulassen kann. Ich kann es nicht. Ich meine, ich bin schon etwas weiter, als vor paar Jahren. Ich "trau" mir zumindest am Telefon bei meiner Freundin zu weinen.. aber stünde sie vor mir.. es ginge nicht.. Warum??? Das ist so brutal. Ich weiß, wenn ich allein bin, ist es ein gutes Ventil, den Schmerz los zu werden.. aber man ist allein. Keiner da, der einen auffängt, einfach mal in den Arm nimmt.. Warum geht es nicht?

    Es gibt so viel, das innerlich wühlt. Wenn man "geschickt" hinterfragen würde, könnte man mich sicher "knacken"... aber ich hab Angst davor. Ich fühl mich dann so ausgeliefert. Wehrlos. Ich will es einerseits, aber irgendwas blockiert mich. Warum nur? Ich gehe nun am 19. zum Erstgespräch mit meiner Psychotherapeutin. Das erste hab ich auch DESWEGEN platzen lassen. Panik.

    Ich bin kein Mensch, der auf Knopfdruck weinen kann.. wenn es bei mir so weit ist, dann war es nicht mehr aufzuhalten.. aber die letzten Erfahrungen damit waren irgendwie kühl.. wenn ich weinen musste, wurde ich zurückgewiesen..ignoriert. Ich hab wieder Angst, wenn dieses Gefühl in mir hoch kommt, dass ich es verhindern muss, um nicht blöd da zu stehen... drauf reduziert zu werden, ich setze dies als Mittel zum Zweck ein.. Für mich undenkbar, weil ich so introvertiert bin..

    Ich frag mich, warum kann ich hier drüber schreiben, aber nicht drüber reden??? Warum überspiele ich alles? Selbst mein letzter Besuch bei meinem Psychiater verlief sachlich.. Obwohl ich Tränen in den Augen hatte, schluckte ich sie runter.. schaute weg... Ich bin kein Eisklotz.. Ich hab nur Angst...

    Das hatte ich auch schon als Kind und Jugendliche.. Andere weinten, wurden getröstet. Hatte ich mal Pipi in den Augen kam der Spruch: "Stell dich nicht so an"... Was ist in mir kaputt gegangen, dass es so geworden ist, wie es ist? Kann man das lernen, seine Gefühle zuzulassen und dazu zu stehen?

    Hab grad nen Moralischen.. ich will einfach nur verstehen, was bei mir falsch läuft. Warum ich mich als Frau so schwer tue und ein gestandener Mann keine Scheu davor hat... Das ist nicht nur mit Traurigkeit so, auch Freude.. Ich kann lachen, aber wenn ich merke, dass mir vor Freude oder Rührung die Tränen kommen, wenn ich nicht allein bin, dann muss ich arg an mir knabbern.. Warum denn nur????

    LG Schnubbel

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 1.101

    AW: Traurigkeit zulassen... schwer bis unmöglich

    Ja das kenne ich geht mir nicht anders. Ich vermute, dass es zumindest bei mir,die Angst davor ist angreifbar zu sein. Wenn man bedenkt, dass man mit ADHS viel Zeit und Kraft darauf verwendet zu kämpfen ist es auch wieder logisch. Wer kämpft muss stark sein. Tränen zeigen jedoch schwäche. Man möchte, man muss stark sein und weinen zeigt, dass man auch verletzlich ist. Aus Angst seine verletzbarkeit zu zeigen unterdrückt man das sichtbare zeichen der verletzbarkeit.

    Mein Paradebeispiel dazu.Nachdem meine Mutter gestorben war wurde ich was das Weinen können betrifft kalt wie Trockeneis die gründe würden den rahmen sprengen daher belasse ich es mal bei der Aussage. Bis ich meinen jetzigen mann kennen lernte. Er brauchte ein halbes Jahr bis er es schaffte die Meterhohe und meterdicke Mauer die ich zum Schutz um mich gebaut hatte ein Stück weit zum einsturz zu bringen und er sah wie es damals wirklich in mir aussah. Nach aussen hin setzte ich meine Maske auf innerlich hatte ich jedoch den Tod meiner Mutter in keinster Weise verarbeitet oder überwunden, da ich mir selbst verboten hatte zu trauern.

    Meine Mauer existiert immer noch nur weis mein Mann warum auch immer nun auch ohne Steine abzubauen fast immer wie es dahinter aussieht. Für andere ist sie jedoch immer noch undurchdringbar.

    Nur ein anderer Mensch hatte es mal geschafft hinter die Wand zu schauen wobei er auf den Überraschungsmoment setzte. In meiner Ausbildung zur Erzieherin hatten wir mal für 3 St. einen Vertretungslehrer in Psychologie. Der rief mich nach dem Unterricht zu sich und ich weis bis heute nicht wie er es schaffte aber anscheinend die direkte Art und das er mich durchschaut hatte, jedenfalls konnte ich da dann auch nicht mehr die coole spielen.

    Das ist wenn ich ehrlich bin im übrigen auch ein Grund warum ich den Beginn meiner Diagnose vor mir her schiebe. Ich hab Angst, dass im Gespräch mit einem Psychologen meine Mauer wieder umgeworfen werden könnte. Die guten wissen welche Knöpfe sie drücken müssen um den wahren Menschen zu sehen. Nur möchte ich das?

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Traurigkeit zulassen... schwer bis unmöglich

    Hey Schnubbel

    Ich kann das gut verstehen, da es mir ähnlich geht. Ich bin auch ein sehr emotionaler Mensch, aber wenn andere menschen da sind, sieht man davon nicht viel. Es hat sich in den letzten Jahren stark gebessert, aber gerade weinen und lachen geht irgendwie nicht.

    Ich habe lange darüber anchgedacht, wie es dazu gekommen ist. Und habe so viele Gründe (oder mögliche Gründe) gefunden, dass ich irgendwann aufgehört habe, nach noch mehr gründen zu suchen. Es ist wie es ist. Und für mich ist es mittlerweile in ordnung.

    Es gibt zwei Menschen auf der Welt, vor denen ich weinen kann: Mein Mann und mein Sohn. Wir sind nun aber auch schon bald 10 Jahre zusammen, waren von Anfang an auf einer Wellenlänge, und haben eine sehr tiefe Beziehung. Bei ihm hatte ich wirklich das erste Mal seitdem ich denken kann das gefühl, ich dürfte auch mal schwach sein, mich einfach mal gehen lassen.

    Was ich nicht ganz verstehe: Warum ist es Dir so wichtig, vor anderen weinen zu können?
    Beim Psychiater kann ich das noch nachvollziehen, da ist es ja ganz hilfreich, wenn man seine gefühle zeigt (kann ich nicht!!!), aber sonst? Ich war eigtl immer ganz froh darüber, mein Innerstes verbergen zu können, mich so schützen zu können. Denn von dem einen, dem ich heute meine Gefühle offenbare, werde ich morgen gemobbt (Paranoid? Vielleicht ein wenig ).

    Ich muss auch sagen, mich würde es derbe abschrecken, wenn ein Arbeitskollege (auch wenn ich ihn so lange kenne) auf einmal anfängt zu weinen..... weiß dann auch immer nicht wie ich da reagieren soll.....

    Also, ich bin mir nicht sicher, ob es ein Gewinn wäre, seine gefühle offen zu zeigen.

    Mmmh, hab grad das Gefühl ich bring a) nicht ganz rüber was ich meine, und b) ich Dir mit meinem Geschwafel nicht wirklich helfe tut mir leid.

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