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Diskutiere im Thema Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    Hallo Ihr Lieben,

    habt Ihr auch manchmal so unglaubliche "Heilungsschmerzen" seit Eurer Diagnose? Ich meine das natürlich übertragen und mir geht es mit diesem Bild auch nicht darum, AD(H)S mit Krankheit und Verletzung gleichzusetzen. Trotzdem: Das Wort trifft einfach das, was ich seit meiner Diagnose von zwei Jahren oft empfinde und über das ich mich so gerne mit Euch austauschen würde. Ich bin 27 Jahre und habe ADHS.

    Dass ich unendlich dankbar bin, weil vor zwei Jahren wirklich ein Leidensweg zu Ende gegangen ist, steht außer Frage. Ich könnte jetzt auch erstmal einen Absatz darüber schreiben, wie glücklich ich bin, weil ich nun lebe und nicht mehr nur bei meinem Leben dabei bin. Oder über all das, was ich seither an mir entdeckt habe und wie spannend es ist, sich bewusst neu zu entdecken. Das alles überwiegt, egal wie negativ das folgende jetzt klingen mag.
    Ups das war jetzt tatsächlich doch schon ein Absatz über die positiven Punkte.

    Trotzdem: Ich brauche nur einfach auch mal einen Erfahrungsaustausch über den Schmerz.

    Ich werd einfach mal verkürzt und überspitzt ein paar Gedanken aufschreiben, von denen mich interessieren würde, ob ihr sie auch kennt. Vielleicht mag ja auch jemand berichten, wie er oder sie damit umgeht. Oder vielleicht hilft es einfach auch jemandem von Euch zu sehen, dass mit mir mindestens eine weitere Person dasselbe Problem hat.

    Also:


    • Manchmal habe ich das Gefühl, ich sei plötzlich noch einmal in der Pubertät. Nur, dass es diesmal keine Altersgenossen gibt, die dasselbe durchmachen und einen zumindest ein bisschen verstehen. Insbesondere mein näheres Umfeld reagiert oft irritiert und Erklärungsversuche scheitern viel zu oft.



    • Viele Erfahrungen mache ich zum ersten Mal. Und entsprechend unsicher wirke ich. Die Situation mag schon einmal da gewesen sein, aber erlebt habe ich sie noch nie. Mein privates Umfeld und auch der eine oder andere Arbeitskollege haben mir deshalb sogar schon ab und an unterstellt, ich würde mich blöd stellen. Und das tut natürlich unglaublich weh.



    • Es ist schmerzhaft, in welchen Schubladen man sich so wieder findet und wie schwer man da wieder rauskommt. Das Problem habe ich vor allem mit Menschen, die mir sehr wichtig sind und die ich bereits lange kenne. Dadurch kommt leider oft wieder ein Gefül der Einsamkeit, wenngleich unter anderen Vorzeichen als früher.



    • Ich bin wütend und fühle mich ungerecht "behandelt" wenn ich das Gefühl habe, nicht über dieselben Selbstschutzmechanismen und die emotionale Ausrüstung zu verfügen, wie die Menschen in meiner Umgebung. Gerade im Beruf habe ich oft das Gefühl viel härter kämpfen zu müssen. Aber nicht fachlich sondern bei all den unzähligen Situationen, die eigentlich gar nicht direkt mit der Arbeit zu tun haben, aber von denen ich jetzt merke, wie entscheidend sie sind.



    • Manchmal bin ich sehr traurig, weil ich mich um meine Kindheit und Jugend betrogen fühle. Gut ich bin mit 27 noch relativ jung, aber wenn ich nun tatsächlich das eine oder andere nachhole fühlt es sich leider viel zu oft ein bisschen so an, als würde man viel zu spät zu einer Feier oder sonst einer Veranstaltung kommen, auf die man sich lange gefreut hatte. Entsprechend begeistert und motiviert will man rufen: "Ich weiß ihr habt gewartet, aber hier bin ich! Es kann losgehen." Aber irgendwie sind alle schon müde und fast auf dem Weg nach Hause.



    • Ich fühle mich oft so schrecklich selbstbezogen und das gefällt mir gar nicht. Ich weiß, dass ich mich intensiver als andere mit mir auseinander setzen muss, um zu wachsen. Ich merke auch, dass mein Umfeld, für das ich natürlich auch mal da sein möchte, schon davon profitiert, dass ich an mir arbeite. Aber ich bin oft traurig, weil ich noch immer das Gefühl habe so weit hinter meinen Möglichkeiten zurück zu bleiben, wenn es darum geht anderen Menschen Halt und Stabilität zu geben.



    Ja ich könnte noch weiter machen, aber das ist vielleicht schon erst einmal genug.

    Ganz liebe Grüße!
    Geändert von Juliette (24.03.2012 um 11:51 Uhr)

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 161

    AW: Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    Hallo Juliette,

    das was du schreibst, habe ich in weiten Teilen ganz genau so erlebt und erlebe es immer noch. Sogar vor der endgültigen Diagnose, die ich erst vorgestern erhalten habe. Ich trauere tatsächlich um ein Leben, daß ich nicht so leben konnte. All die Kämpfe mit mir und meiner Umwelt, all die erlittenen Verletzungen, weil man einfach nicht verstanden wurde, all die Chancen, die man nicht ergreifen konnte, weil es eben nicht ging.

    Und auch mir erscheint alles neu. Ich sehe mich und andere mit völlig anderen Augen. Und das Wunderbare an der Sache ist, daß ich mich jetzt nicht mehr selbst verurteile oder mich für bescheuert oder gar auf irgend eine Art zurückgeblieben halte. Welch eine Erleichterung, welch eine neue Lebensqualität! Es ist nur ADHS, nix wirklich schlimmes also. Und ich bin nicht allein!

    Bei der Sache mit der Selbstbezogenheit: Es ist manchmal wichtig, selbstbezogen zu sein. Vor allem in so einer Situation. Man muss selbst erst mal stabil werden, bevor man anderen Stabilität geben kann.

    Liebe Grüße
    Trago

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 305

    AW: Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    liebe juliette,

    ich les bei dir ganz stark raus, dass dein leidensdruck mit der diagnose eher stärker geworden ist.

    bei mir war es grad andersrum:

    mir sind genau dieselben punkte auch ins auge gefallen und viel deutlicher klar geworden, aber ich war einfach nur erleichtert, daß ich jetzt endlich eine erklärung dafür hatte und es tat gut zu wissen, daß ich nicht ganz allein damit bin.
    ich hab die diagnose als kick genutzt, um nach der für mich passenden hilfe zu suchen und bin jedem mit meiner erklärerei auf den geist gegangen *g*.

    lg
    gina

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 114

    AW: Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    Hi Juliette,

    Ja ich könnte noch weiter machen, aber das ist vielleicht schon erst einmal genug.
    Schade das Du nicht weiter gemacht hast, ich hab mich noch nie so klar und struckturiert beschrieben gesehen.

    ...in welchen Schubladen man sich so wieder findet...

    Das ich ADHS habe erzähle ich nicht, grade wegen den Schubladen. Es bleiben der emotionale
    Umgang mit den Menschen, das ist doch schon schwer genug. Bei der Arbeit da sind es bei mir auch
    nicht die fachlichen Kopetenzen mit den ich hadere, es ist das emotionale Feedback, bzw das ich
    nicht gebe wenn ich mich "Einkapsle". Die Annerkennung und Hochachtung grade den ich respektiere,
    von den bekomme ich diese nicht, erkenne sie nicht, oder kann sie nur schwer annehmen.

    Grade bei den die mir am meisten am Herzen liegen, wenn ich von Ihnen Verletzt werde, fühle ich mich
    zu dem veraten, bei mir ist es schon so weit gegangen das ich mich wohler fühlte, wenn ich mit
    keiner Seele näher zu tun hab. Es bleibt "nur" Einsamkeit, bis der Leidensruck so hoch ist
    bis ich Kontakt suche. Dann ist es eine Rationale gefühlslose Entscheidung über das Risiko der
    zukünftigen Verletzung.
    Ich hätte so gerne feine Gefühls nuancen,

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 54

    AW: Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    Auch wenn ich erst seit kurzem vermute, AD(H)S zu haben, möcht ich direkt mal antworten

    Also, was ich kenne ist die geklaute Zeit. Zwar nicht in der Kindheit/Jugend, denn da hatte ich meine Freundin, die für mich unglaublich wichtig war. Aber als ich 17 war zog sie weg, und ich stand alleine da. Bin auch direkt in einer sehr ungesunden Beziehung gelandet.... die dann leider auch 9 Jahre andauerte..... wenn ich damals schon gewusst hätte, warum ich so bin wie ich bin, wäre vieles anders gelaufen. Vor allem wäre es nicht zu dieser Beziehung gekommen. Und ja, diese Jahre sehe ich als absolut verloren und vergeudet an

    Schubladen... ja, vor denen habe ich irgendwie Angst. Bisher habe ich mich immer bewusst so verhalten, dass ich in eine Schublade gesteckt wurde (Stichwort Masken), aber jetzt ist das noch etwas anderes. Darum werde ich auch erstmal nichts davon nach außen tragen. Meinem Partner habe ich von meinem Verdacht erzählt (seine reaktion war cool, in etwa: "mir doch egal was es ist was Du hast, hauptsache es geht Dir wieder gut und Du bist glücklich" boah liebe ich diesen Mann!) und meiner Mutter. Mit der habe ich dann noch über meine Kindheit und unsere Familiengeschichte geredet, und uns kommt langsam der verdacht, dass sich AD(H)S wie ein roter Faden durch meine mütterliche familiengeschichte zieht. Aber damit soll es auch erstmal gewesen sein. Mehr Menschen möchte ich davon nicht erzählen, eben aus Angst vor den reaktionen........ (andererseits.... bei dem kleinen Freundeskreis, was soll da schon groß passieren ).

    Ich finde es ganz wichtig, dass Du die positven Seiten nicht aus den Augen verlierst. Aber da scheinst Du eh gut dabei zu sein

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 161

    AW: Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    Die Angst, in Schubladen gesteckt zu werden, hatte ich auch. Auch, daß ich mich selber in eine Schublade stecke, mich mit ADHS regelrecht identifiziere. Aber nur kurz.

    Ich gehe absolut offen damit um. Ich blogge darüber. Erzähle es, wenn die Situation passt und ein Interesse da ist, meinen Freunden, Bekannten, der Familie und auch auf Nachfrage allen Leuten. Die "dümmste" Reaktion, die ich bisher bekam, war ein "Wieso bekommst du in deinem Alter ne Kinderkrankheit?" oder halt unsichere Blicke, weil sie nicht wissen, was ADS / ADHS ist.

    Mit "Modekrankheit" oder sowas kam mir noch niemand, obwohl ich das am meisten befürchtet hatte. Ich denke, je offener wir damit umgehen, desto besser ist das für das Verschwinden von dummen Vorurteilen und Bewertungen, welche die Menschen sich durch die teilweise unsägliche Berichterstattung angeeignet haben.

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    Liebe Chaoten,

    vielen Dank für Eure Antworten!
    Das Lesen war für mich wie eine Auszeit, in der ich mich, anders als im Alltag, endlich mal wieder verstanden gefühlt habe!

    Noch einmal kurz zu dem "ungewollt in Schubladen stecken":


    Ich finde es einfach oft noch sehr verletzend, wenn ich merke, wie hartnäckig mich Menschen über frühere Verhaltensweisen, Vorlieben oder Gewohnheiten (...) definieren.
    Und zwar auch dann, wenn ich meines Erachtens längst nicht mehr in diese Muster passe.
    Was anderen als eine Eigenart erschien, war ja für mich oftmals eher eine Überlebensstrategie, auf die ich auch damals bereits gerne verzichtet hätte.

    Eigentlich verstehe ich diesen Mechanismus ja sogar. Denn solche Erfahrungswerte prägen bestimmt auch mein Verhalten gegenüber anderen Menschen mehr als ich mir das momentan eingestehen möchte. Nur diese Erkenntnis allein, macht es natürlich zunächst nicht einfacher.

    Ich glaube, mir geht die Nicht-Anerkennung der veränderten Situation auch deshalb so nahe, weil ich gerade lerne, Empathie mit mir zu empfinden. Und das ist noch sehr ungewohnt. Vor allem kommt dadurch auch erstmals so etwas wie Wut hoch oder das Gefühl ungerecht behandelt zu werden.

    Überspitzt und vereinfacht formuliert, ergibt sich daraus manchmal die folgende Wahrnehmung:

    Das ist doch wohl die Höhe! Da muss man erst jahrelang unglaublich hart kämpfen, unglaublich leiden und fast den Glauben an den eigenen Verstand vollkommen verlieren.
    Bis sich endlich jemand erbarmt einmal für 5 Cent nachzudenken und die richtige Diagnose zu stellen.
    Wenn ich mich jetzt schon klaglos und dankbar daran mache, mein Leben zu "defragmentieren"

    dann ist es doch wohl das Mindeste, dass man mir dabei nicht auch noch Steine in den Weg legt, indem man mich immer wieder versucht, in ein alters Korsett zu pressen!


    Ok, wie gesagt, ich weiß diese Perspektive ist nicht ganz fair meinem Umfeld gegenüber.
    Aber deshalb finde ich das Bild "Heilungsschmerz" für mich so passend.

    Es mag so klingen, als würde ich nun mehr leiden als vor der Diagnose.
    Aber mir hilft, dass sich das Leiden (nicht bei allen aber bei vielen Punkten) nun erstmals in einen positiven Prozess der besseren Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis einfügt.

    Es ist vielleicht wirklich ein bisschen wie Defragmentieren am Rechner: unglaublich nervig, der Wahrnehmung nach hält es einen nur auf und dann dauert es noch viel länger als geplant.
    Aber man weiß: Danach läuft der Rechner besser!

    Diesen Optimismus hatte ich früher nie.

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    oh ja, die pupertät.... ich fühle mich im moment auch so.... irgendwie im abnabelungsprozess....
    früher reagierte ich auf das äussere und lebte in den tag hinein.... heute will ich agieren, bewusst meinen
    weg gehen, so wie ich es kann....und den tag leben. (so wie andere es tun, klappt es ja bei mir nicht so recht...
    also suche ich mir meinen eigenen weg...)

    mein umfeld, na ja, nach 30 jahren, die ich quasi etwas vorspielen musste,
    braucht es etwas zeit sich mit meinen veränderungen zurechtzufinden.
    hier ist es nunmal so, dass ich nicht mehr nur auf andere rücksicht nehmen kann,
    erst wenn man für sich selbst mitgefühl
    empfinden kann - hat man die kraft es auch für andere zu empfinden.

    ja es ist ein heilungsschmerz, doch es heilt. und ja, die pupertät ist für eltern wie kinder eine
    schwierige nicht schmerzfreie zeit, die notwendig ist.

    (früher habe ich die wunden mit pflaster und creme überdeckt - doch die wunden sind geblieben - jetzt brauchen
    sie auch ihre zeit ...)

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.392

    AW: Diagnose, Erleichterung aber dann der Heilungsschmerz

    Hallo Juliette,


    danke für deinen Beitrag!

    "Manchmal habe ich das Gefühl, ich sei plötzlich noch einmal in der Pubertät. Nur, dass es diesmal keine Altersgenossen gibt, die dasselbe durchmachen und einen zumindest ein bisschen verstehen. Insbesondere mein näheres Umfeld reagiert oft irritiert und Erklärungsversuche scheitern viel zu oft."

    Das Gefühl habe ich auch manchmal - und dass alle Altersgenossen (ich bin 30) irgendwie schon lange in ihrem Leben angekommen sind. Fühle mich dann manchmal sehr alleine.
    Ich habe die Feststellung gemacht, dass ich mich mit Menschen, die älter sind als ich und schon mehr Lebenserfahrung haben, oft wohler fühle als mit Gleichaltrigen... insofern ist Alter relativ, bin wohl in der Erwachsenenwelt angekommen.

    "Manchmal bin ich sehr traurig, weil ich mich um meine Kindheit und Jugend betrogen fühle. Gut ich bin mit 27 noch relativ jung, aber wenn ich nun tatsächlich das eine oder andere nachhole fühlt es sich leider viel zu oft ein bisschen so an, als würde man viel zu spät zu einer Feier oder sonst einer Veranstaltung kommen, auf die man sich lange gefreut hatte. Entsprechend begeistert und motiviert will man rufen: "Ich weiß ihr habt gewartet, aber hier bin ich! Es kann losgehen." Aber irgendwie sind alle schon müde und fast auf dem Weg nach Hause."

    Das ist ein sehr gutes Bild für das Gefühl!

    Ich habe da auch noch keine Lösung, bin auch noch nicht so lange diagnostiziert und schlage mich so durch, hab da irgendwie so einen Zweck-Optimismus entwickelt, manchmal mehr, manchmal weniger... denn aufgeben will ich nicht, jetzt habe ich mich so lang durchgekämpft, irgendwann müssen alle Bemühungen doch Früchte tragen - zumindest das, was man in der Hand hat zu ändern...


    "Ich bin wütend und fühle mich ungerecht "behandelt" wenn ich das Gefühl habe, nicht über dieselben Selbstschutzmechanismen und die emotionale Ausrüstung zu verfügen, wie die Menschen in meiner Umgebung. Gerade im Beruf habe ich oft das Gefühl viel härter kämpfen zu müssen. Aber nicht fachlich sondern bei all den unzähligen Situationen, die eigentlich gar nicht direkt mit der Arbeit zu tun haben, aber von denen ich jetzt merke, wie entscheidend sie sind."

    JA! Auch da kann ich dir nur beistimmen. Wie gesagt, ich schlage mich so durch - ich habe angefangen zu akzeptieren, dass ich, um meine (beruflichen) Ziele zu erreichen, härter kämpfen muss - und dass ich gerade deswegen sorgsam mit mir umgehen muss und immer wieder Phasen der Erholung, des Rückzugs und der Ruhe brauche, um emotional einigermaßen im Gleichgewicht zu bleiben, um nur mal das Wichtigste zu nennen... ich bin auch viel wählerischer geworden mit Kontakten - einfach, weil mir die Mechanismen fehlen, um mit vielem klar zu kommen, habe da bisher auch noch keine bessere Strategie als Rückzug / Abschottung. Ich stelle mir das so vor, dass wir viel mehr tun (und lassen) müssen, um etwas auf der Haben-Seite zu haben in dem Sinn, dass wir unseren Weg machen können wie andere den ihren... es ist ungerecht. Aber wie gesagt, irgendwann müssen sich auch unsere Mühen lohnen, daran glaube ich ganz fest!

    Vielleicht fällt mir noch mehr ein, das waren erstmal so meine Gedanken dazu...

    Die Pubertät ist eine Phase des Übergangs. Ich sehe es oft so, dass ich jetzt die Weichen neu stelle für langfristiger und die kommenden Jahre, und eigentlich ist das oft auch mit einem guten Gefühl verbunden, wenigstens sind wir jetzt an einem Punkt, an dem wir wieder Verantwortung für unser Leben übernehmen können...

    Liebe Grüße!
    Geändert von Wühlmaus ( 2.04.2012 um 22:31 Uhr)

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