Hallo Ihr Lieben,

ich bin neu hier in Forum, weil mein Arzt (Facharzt für Psychiatrie, Neurologie mit 30 Jahren Berufserfahrung) sich vorstellen kann, dass ich ADHS habe. Ich selbst bin aber total unsicher, ob das sein kann und ich möchte gerne Eure Meinung dazu hören.
Diagnose meines Arztes: schwere Depressionen, Angststörung, Anankastische Persönlichkeitsstörung, soziale Phobie und Anorexia Nervosa.
Seit November bin ich krankgeschrieben und soll demnächst in eine REHA Klinik gehen.

Mein Lebenslauf:
Als Kind (nach Aussage meiner Mutter) habe ich Nähe abgelehnt und jeden weggestoßen. Ich wollte nie essen und fand alles blöd. Habe auf den Kinderbildern immer grummelig dreingeschaut und viel geweint. Ich war aber (soweit ich mich erinnere), nie arg hyperaktiv. Ich war aber sehrwohl immer gemein meinen Eltern gegenüber, habe Dinge gesagt, die denen sehr weh getan haben und meine Mutter hat sich damals schon gewundert, was mit mir ist. Habe bereits früh angefangen Schach zu spielen, aber nicht durchgehalten. Habe Freundschaften nicht gepflegt, was ich auch heute noch nur bedingt mache. Haben viele gute Freunde über die Jahre verloren. Melde mich dann halt nicht und habe wenig Gefühl dafür, wie sich dann jemand fühlt. War auch immer die letzte, die in Gruppen gewählt wurde. Als mich mal gar niemand wollte und die Lehrerin fragt, warum das so wäre, kam die Antwort: "Die redet immer überall dazwischen."

Habe mit knapp 14/15 Jahren angefangen viel Alkohol zu trinken und das jedes Wochenende. Ich habe mit 16 eine Ausbildung zur Bürokauffrau begonnen und mit einer 2 abgeschlossen. Damals war ich als "Geräuschkulisse" bekannt, geraucht habe ich auch. Anschließend habe ich mein Fachabitur mit naja, mäßigem Ergebnis abgeschlossen. Nur 3.6! War halt immer irgendwie durch den Wind und jemand meinte mal zu mir, dass ich bestimmt Alkoholikerin werde. Hatte viele Männerbekanntschaften. Nach Abschluss meinte mein Klassenlehrer zu mit: Tja.....was soll ich zu "Dir" bloß sagen?! Irgendwie sind Lehrer aber auch nicht meins.

Habe dann angefangen "Wirtschaftswissenschaften " zu studieren. Habe mich da schon schlecht konzentrieren können und ging zum Psychologen, der wusste aber irgendwie auch nicht, was er mit mir anfangen soll. Habe auch da viel gefeiert. Zum Teil von Donnerstag-Sonntag. Aber macht das nicht jeder junge Mensch? Naja, musste dann das Bafögamt davon überzeugen, dass ich das Studium wirklich schaffen möchte und habe dann in einem Semester 8 Scheine bestanden. Ich konnte es also und ich habe das Zeug auch irgendwie verstanden, aber irgendwie wollte das nicht in meinen Kopf rein und da bleiben und alles andere war wichtiger. Habe dann nach 10 Semestern mein Studium mit 2,3 abgeschlossen. Bin dann in eine Agentur gegangen, aber auch da hatte ich Probleme, meine Art kam nicht so gut an und außerdem war der Verdienst schlecht. Habe mir dann eine neue Stelle gesucht. Da war ich dann zwei Jahre und der Job war ok, hatte ich doch nur eine Aufgabe und die fand ich gut. Bin dann über eine kurze Zwischenstation bei einen Arbeitgeber gelandet, der leider durch die Arcandorinsolvenz auch schließen musste. Ansonsten wäre ich da vermutlich noch. Hatte auch da nur eine feste Aufgabe. Aber mein Schreibtisch sah immer etwas zerstört aus, nicht wie bei den Kollegen. Wurde darauf auch angesprochen. Hatte immer mal wieder flüchtige Freundschaften, die ich aber nicht halten konnte. Habe 2008 meinen Mann geheiratet (haben uns bereits auf der ersten Studentenparty kennengelernt). Eine glückliche Ehe. Er kennt sein Chaosfrauchen!

Tja, jetzt bin ich bei einer neuen Firma, seit über zwei Jahren. Aber auch da bin ich als chaotisch, zart beseitet und als jemand, der sehr schnell aufgibt, bekannt. Mag halt keine Aufgaben, die mir keinen Spaß machen oder mich nicht interessieren. Wenn ich die machen soll, verfallen ich in einen Schwebezustand und alles vor meinen Augen wird ausgeblendet. Dann kann man natürlich auch nichts mehr lesen. Bin noch immer sehr unruhig, bewege Füße, Arme etc. Kann nicht gut ruhig sitzen, muss mich stark am Riemen reißen. Habe in der Firma Projekte betreut, aber die vielen unterschiedlichen Aufgaben habe ich schlecht überblickt. Wusste nicht mehr, was ich zuerst machen soll, habe Aufgaben zum Teil gar nicht erledigt, schlecht zugehört oder gar nicht. Kritik kann ich sehr schlecht vertragen, werde dann trotzig gegenüber diesen Menschen und fühle mich irgendwie auch schlecht behandelt, wenn nicht im Mittelpunkt stehe (z.B. jemand sagt einen Termin ab). Durch den starken Drang, alles korrekt und perfekt zu machen, bin ich eine Depression gestürzt, mit der ich heute kämpfe. Bin halt schon immer Perfektionistin gewesen und sehe manchmal Sachen, die andere nicht sehen. Dabei fehlt mir aber der Gesamtüberblick und ich fühle mich schnell mit den vielen Dingen überfordert. Schaue manchmal verträumt aus dem Fenster (wie so ein Schleier vor den Augen). Dann ist alles vorbei.

Habe dann mit dem Boxen angefangen, weil ich mit der Energie und dem Misserfolg irgendwo hinmusste. Aber auch da habe ich mich total übernommen. Wollte auch da alles perfekt machen. Natürlich war das zum Teil mein gefühlter Misserfolg, weil man ja nicht alles falsch macht. Aber mir hat das nie gereicht, strebte immer nach höherem, größerem in meinem Leben. Habe am Ende fast jeden Tag trainiert, war ich doch der Meinung, ich werde da was.

So, jetzt sitze ich damit und mein Arzt meint, es könnte ADHS sein, da die Anankastische Persönlichkeitsstörung darauf hinweist. Bin total durch den Wind, weil meine Mutter mir schon Dinge erzählt, die sein können, aber meine Schwester meint, ich wäre nicht hyperaktiv gewesen. Aber wie definiert sich Hyperaktivität? Nervös war ich schon immer und wurde auch oft darauf angesprochen, weil ich schnell gesprochen habe, mich überschlage habe usw. Außenseiter war ich auch vielfach, wurde in der Schule viel gehänselt. Habe mich auch schon immer irgendwie anders gefühlt. Jetzt habe ich mit dem Pokern angefangen und das klappt auch gut, wenn ich mich nur auf das Spiel konzentriere. Rechts und links geht schlecht und nervös bin ich dabei auch und muss mich arg bewegen - aber das kenne ich ja schon. Bin ja zuhause vor dem Compi, da sieht mich ja keiner.

Meine Schwester meint, ich hätte mit ADHS niemals studieren können. Ist das so?
Starke Medikamente nehme ich auch, aber kein Ritalin.
Naja, jetzt bin ich hier und hoffe, dass ich Leute finde, die mir dazu etwas sagen können.

Habt Ihr das auch? Oder bin ich hier völlig falsch?

Liebe Grüße

Jamei