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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.633

    ADHS und Dissoziation

    web4health schreibt:
    Inzwischen glaube ich schon, dass die Behandlung bei "mir" in Bad Bevensen sich doch erheblich von der anderer Kliniken unterscheidet. Wobei ich nicht sagen bzw. schreiben will, dass sie woanders schlecht sein muss. Ich hab nur das Gefühl, dass ich das was ich vor 10 Jahren gemacht habe jetzt in einigen anderen Abteilungen als "Standard" höre. Ich setzte aber andere Schwerpunkte :

    1. In der Medikation
    So sehr ich auf Stimulantientherapie grundsätzlich setze, so sehr sehe ich auch die Grenzen. Zu mir kommen viele Patienten, die falsch bzw. völlig unsinnig mediziert sind. Wir erarbeiten dann, warum die Medikation nicht wirkt (Schlafphasenverlagerung, Dissoziationen, Angst, Überdosierung, falsche Erwartungen).

    2. Schlafstörungen
    Grosses Thema

    3 Dissoziative Störungen
    Fast alle meine ADHSler haben dissoziative Störungen der ein oder anderen Art. Vielleicht nicht nach Lehrbuch, aber funktionell auf jeden Fall. Wenn man das nicht erkennen kann bzw. nicht behandeln kann, ist die Therapie quasi sinnlos. Man nimmt dann ADHS-Unkonzentriertheit bzw. "Unruhe" an und mediziert blöd drauf los. Kurzfristig geht das vielleicht. Aber eben häufig nicht lange

    Lieber Herr Winkler,


    das ist ja seltsam, dass Sie des jetzt grade ansprechen. Daran denke ich in letzter Zeit auch pausenlos herum. Den Punkt halte ich mittlerweile für den wesentlichsten bei unserer Thematik überhaupt. Sozusagen für das, was sich unter der sichtbaren Spitze des Eisberges AD(H)S - Impulsivität, Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit - eigentlich verbirgt und der das eigentliche Absaufen/Untergehen bewirkt.



    Wenn wir recht damit haben, dann gehen der Großteil aller Beiträge in dem Forum am eigentlichen Thema vorbei oder – anders herum – betrachtet sind der Großteil der Beiträge, dann stumme Zeuge, der Dissoziation ihrer Verfasser, ohne dass die etwas davon wüssten.

    Natürlich kann man - um im Bilde zu bleiben - auch weiterhin an der These festhalten, am Untergang der Titanic sei in erster Linie die Unaufmerksamkeit des Auskucks schuld gewesen, und wem man dem vorher einen halben Liter Amphetaminsulfatsaft eingetrichtert hätte, hätte sich die totale Katastrophe vielleicht vermeiden lassen - aber je länger man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr kommt man dahinter, wie unzureichend grade die einleuchtendsten und naheliegendsten Thesen sind.

    Ich hab hier an anderer Stelle schon mal was ähnliches auszudrücken versucht, wo ich noch nicht so richtig durchgeblickt habe, als ich hier nämlich mal spasseshalber der Frage nachgegangen bin, warum es Psychiatern eigentlich nicht möglich ist, bei AD(H)Slern eine Depression zu diagnostizieren... Warum können sie keine Depression diagnostizieren?

    Da gibt`s doch nüchtern betrachtet nur 2 Möglichkeiten, entweder es handelt sich bei Psychiatern in ihrer Masse wirklich um Kreuzdebile oder aber es liegt i. Z. mit AD(H)S eine klassische Depression eben nicht vor.

    Bleibt als Frage übrig: Was ist es dann?

    Ich hab dann mal gesagt, nennen wir das ganze doch einmal provisorisch AD(H)S-Depression, aber auch bloss, weil mir nix Bessres eingefallen ist... Im Prinzip trägt des ja bloss zur weiteren Verwirrung bei...

    Anderseits befürchte ich, dass, wenn wir jetzt anfangen den Leuten, insbesondere den Fachärzten zu erklären, dass Angst und Depression bei AD(H)S eine Folge der Dissoziation ist, und zwar als ein Bewusstwerden derselben, dass mithin eben dort der Unterschied sowohl zur klassischen Depression und Angststörung, aber eben auch zur klassischen Dissoziation verläuft, deren psychischer Sinn ja gerade der ist, unbewusst zu bleiben... also, lieber Herr Dr. Winkler - sie haben da ja den besseren Überblick, was die Aufnahmekapazität ihrer Fachkollegen betrifft... Aber glauben Sie, die "Geschichte" nimmt uns irgendjemand ab?

    Denn der Witz an der Sache ist doch der, dass man AD(H)S ohne Dissoziation gar nicht überleben kann. Also, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das ohne Abspaltungsprozesse überhaupt laufen soll.

    Wenn man jetzt aber mal die alte These zugrundelegt, dass bei psychischen Erkrankungen die Einsichtsfähigkeit der erste Weg zur Besserung, Linderung, Behandlung ist, oder dabei jedenfalls zumindest nicht hinderlich, so habe ich unter meinen "Kollegen" gerade die Erfahrung gemacht, je "heller" die in der Birne sind, d.h. je genauer sie wissen, was bei ihnen schief läuft, je mehr Einblick sie also in ihre Limitierungen haben und eben auch je mehr sie von ihrer Dissoziation wissen/ahnen, DESTO mehr "plemm-plemm" sind die, also noch depressiver, noch angst- oder sonstwie gestörter u.s.w.

    Also das lebende Gegenbeispiel von der These, dass Intelligenz/Sensibilität die Defizite durch AD(H)S kompensieren könne - ich weiß jetzt gar nicht, wer diese schwachsinnige These überhaupt in die Welt gesetzt hat - praktisch betrachtet, ist jedenfalls das genaue Gegenteil der Fall.

    Das heisst jetzt natürlich nicht im Umkehrschluss, je "dunkler" die AD(H)S-Rübe, desto leichter wird das Leben, AD(H)S wird immer ein wesentliches Handicap bleiben - nur um jetzt wieder auf unser Thema zurückzukommen - Dissoziation und Angst und Depression als Folge einer Einsicht oder Ahnung von diesem Vorgang - dann muss man sagen, dass alles was diese Einsicht lindert, sich gleichermaßen auf Angst und Depression auswirkt.
    Auch der Träger der "dunkleren" AD(H)S-Rübe kommt nicht ohne Dissoziation aus, weiß aber nix davon, die Spaltungsvorgänge bleiben unbewusst, was ja grade der Sinn von Dissoziation ist, also der Abspaltung, Unterdrückung von nicht beherrschbaren, "gefährlichen", befallenen Persönlichkeitsanteilen und die Regression auf die funktionalen Anteile, um sich mithin also weiterhin als funktionierend erleben zu können, UND DESHALB eben NICHT zu leiden.

    Jetzt kommt - wieder im Umkehrschluss betrachtet - geradezu der völlig groteske Oberwitz, je heller die Birne, DESTO MEHR wird auf Deibel komm raus dissoziiert... zynisch betrachtet, könnte man au sagen, dass die ganz Dissoziiererei überhaupt erst ab einer gewissen Begabungsstufe im ADHSler richtig "Spass" zu machen scheint...

    Der Sinn des ganzen bleibt dabei völlig im Dunkeln, weil die Dissoziation ja dafür geschaffen ist, nach traumatischen Erfahrungen, betroffene Persönlichkeitsteile abzupalten und mit den weniger "betroffenen" weiterzumachen - des ganze wird ja dann je mehr und mehr ad absurdum geführt, je mehr sich der Dissoziierende des Vorgangs bewusst ist... das heisst das psychische Leiden nimmt zu und nicht ab... trotzdem scheint`s da, wenn sich die Spirale der Dissoziation einmal in Gang gesetzt hat, überhaupt kein Ausweg mehr zum geben...

    Noch ein weiterer Aspekt beim Thema Dissoziation. Ich denke, der Punkt ist deshalb so wichtig, weil an dieser Stelle der Versuch, AD(H)S auf einen Nenner zu bringen, vollends ad absurdum geführt werden kann. Das Stichwort lautet: AD(H)S und seine unterschiedlichen Auswirkungen auf den Betroffenen bei jeweils unterschiedlichen Begabungsstufen. Wobei sich die Frage der Begabung/Hochbegabung grade bei AD(H)Slern natürlich nicht einseitig auf die Frage des IQs festlegen lässt, sondern sich aus dem Gesamtbild von Intelligenz und Sensibilität ergibt. Im Klartext: Reinhard Heydrich wäre bei jedem Mensa-Test problemlos auf 130 IQ-Punkte gekommen. Als besonders hochbegabt oder sensibel würde ihn aber trotzdem niemand bezeichnen. Gerade deshalb kann er psychopathologisch betrachtet aber als "gelungenes" Beispiel einer Dissoziation gelten.

    Kommen wir also mal wieder zurück auf Leute, wie uns, bei denen die Dissoziation ums Verrecken ned zu funktionieren scheint... Und die auf misslungene Dissoziationsversuche mit den heftigsten körperlichen Reaktionen reagieren, dann natürlich mit psychischen Symptomen wie Angst und Depression, und des eben - wie mir scheint - je sensibler und intelligenter - der Betroffene ist, umso schlimmer... Oder einfacher ausgedrückt: Je mehr Du durchblickst, umso weniger kannst Dich selbst bescheißen... Da nützt natürlich - schon definitionsgemäß - die schönste Dissoziation nichts, wenn du ja durchblickst, jedenfalls ungefähr, was du da gerade veranstaltest...

    Andererseits ist es doch gar nicht möglich AD(H)S ohne Dissoziierung zu überleben! Des heisst, um einigermaßen funktional zu bleiben, muss ich natürlich ganze Persönlichkeitsteile auslagern und abspalten, die sich dann teilweise von der persönlichen Entwicklung ganz abspalten und refraktär oder pubertär bleiben. Da gibt`s natürlich unterschiedliche Re- und Progressionsstufen. Also die einfachste und jedermann bekannte ist ja die, die Abspaltung der gesamten Emotionalität, der fühlenden Seite der Person, um auch nur den einfachsten, stumpfsinnigen Idiotenjob einigermaßen auf die Reih zu kriegen. Wenn dann natürlich abends heimkommst zu Deiner Freundin und des Ding, was sich Birne nennt, nicht mehr einschalten kannst, dann herzlichen Glückwunsch, dann ist über die Jahre vermutlich aber schon ein bißchen zu viel dissoziiert worden…

    Lernen braucht der AD(H)Sler schenit mir die Dissoziation nicht. Es scheint sein natürliches Habitat zu sein. Diese beginnt unbewusst in der Kindheit, wenn man den Thesen von Cordula (Neuhaus) glauben schenken darf, schon im Kleinkindalter, also Jahre bevor, konfrontiert mit sozialen Situationen - sprich Kindergarten - des AD(H)S überhaupt "manifest" wird, oder sagen wir besser: öffentlich. Denn so lange als Vater oder Mutter bloss so ein "komisches Balg" hast, das beispielsweis immer unvermittelt losplärrt und Du beim besten Willen nicht weißt, wieso, und dir jetzt die Aussage von Oma und Opa: "Jetzt reg di ned so uff, Du warst als Kind genauso unvernünftig!" auch nicht richtig weiterhilft, dann kannst dem immer no an Schnuller ins Maul schieben... Aber ab Kindergarten, Grundschule hast du da ein Problem...

    Aber auch der AD(H)Sler macht im Kindergarten die erste entscheidende "Lernerfahrung": "Zackzefix, was ich denke, was ich fühle, ist denen ned nur scheißegal, die (Erzieher UND Mitschüler) haben auch noch was dagegen, wenn ich des ganz unbefangen, spontan und impulsiv äussere, mitteile... Also, weg damit... weg, mit diesem Persönlichkeitsanteil"

    Japp, da fängt die Geschichte glaube ich also an: "Welcome to dissociation row".

    Jetzt kommt wieder die unterschiedliche Begabungsstufe des AD(H)Sler ins Spiel. Gemeinhin macht jeder Betroffene im Kleinkindalter die Erfahrung, da liegt ja grad die Perfidie begraben - dass er für jede dissoziative Bestrebung belohnt wird und nur Beifall erntet: "Hier dissoziiere ich, hier darf ich sein..."


    Ha, natürlich denkt des Kleinkind noch nicht so, aber für so bleed wie wir im allgemeinen noch im Erwachsenenalter gehalten werden, sind wir ja auch schon als Kinder noch nie gewesen, also, die Erfahrung: "Sapperlott, wenn ich mich so aufführe, wie ich nicht bin, dann gibt`s an Schoklad, wenn ich mich so benimm, wie`s mir entspricht, gibt`s eins aufs Maul..." dürfte ja jedem bekannt sein. Die Frage ist nur, was für einen Schluss man daraus zieht - das ist auf den unterschiedlichen Begabungsstufen etwas völlig anderes.

    Ums wenigstens mal a bisschen konkret zu machen, was ich damit sagen will... Vorausschicken muss man vielleicht, dass von vielen Leuten, also den wenigen, wollt ich sagen, die sich mit AD(H)S beschäftigen, viele davon ausgehen - allen voran Russell A. Barkley - dass die Impulsivität beim AD(H)S das Kernproblem darstellt, nicht zuletzt deshalb, weil der "Sinn" von Impulsivität ja gerade darin besteht, dass sie vom Betroffenen NICHT lenk-, steuer-, beeinflussbar, also schon gar nicht unterdrückbar ist... O, welch ein Irrtum unter dissoziierenden Geschöpfen!

    Oder um zu unserm Thema zurückzufinden, die Erkenntnis, Impulsivität bis zu einem gewissen Grade unterdrücken zu können, ist gerade die Voraussetzung zur Dissoziation, genauer gesagt des, was diese Strasse ins Unheil pflastert. Anders herum gesagt: Wenn ich nicht die Erfahrung mache, dass Dissoziation etwas bringt, also das Aufspalten meiner Persönlichkeitsanteile, um wahlweise die einen an die Front zu bringen, von denen ich glaube, dass sie weniger verletzbar sind, und die anderen, die ich für wesentlich erachte, in mir zu begraben, dass ich wenigstens darauf von Zeit zu Zeit regredieren kann, muss, weil diese ganze Dissoziirerei ja vor allem eines ist: ein ungeheurer Energiefresser, kann ich diese Energie und Willenskraft ja gar nicht aufbringen.

    Jetzt muss ich natürlich fast selber schmunzeln, weil dieses ganze Gschreibsel natürlich sehr wenig über Dissoziation aussagt, dafür umso mehr über die konkreten Vorgänge im Dissoziierenden. Das ist sozusagen ja schon Meta-Dissoziation, was ich hier betreibe...

    Jetzt geht mir au grad ein Licht auf, warum bei Dissoziativen im sozusagen Endstadium die Frage, ob 100 mg Mph am Tag jetzt eine Über- oder Unterdosierung darstellen, therapeutisch betrachtet nach wie vor wichtig, aber quasi auch schon wurscht ist.

    Trotzdem, halten wir mal fest, was mir für die "Dissoziation-für-Fortgeschrittene" für wesentlich scheint: die intellektuelle Verschleierung, im Grunde Verteidigung des Vorgangs, zum Zwecke natürlich, daran festhalten zu können. Was würde eigentlich loslassen bedeuten?

    Sapperlott, Herr Dr. Winkler, bei ihnen kommt man wirklich ins Grübeln...


    Also, festhalten an der Illusion, man könnte, völlig disparate Persönlichkeitsanteile sozusagen unter einem intellektuellen Oberbefehl, legosteinartig zusammenbauen, zusammenzwingen um damit doch noch irgendwie eine Identität zu fingieren oder zu behaupten, ist ja völlig schwachsinnig, aber loslassen ist ja irgendwie auch unmöglich - aber des wird ja grade der "Witz" an der Dissoziation sein?


    Mit freundlichem Gruße

    Eiselein

  2. #2
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 676

    AW: Wiederspruch Reha: Will nach Bad Bevensen !

    Im Prinzip 80-100 %ige Zustimmung zu den Überlegungen. Könnten meine sein bzw. von Johannes Drischel (www.emoflex). Wenn Johannes in die Puschen kommt, sollte eigentlich auf youtube auch ein schön erklärendes Podcast zu Dissoziation erscheinen.

    Dissoziation ist ja mehr oder weniger das Gegenteil von Assoziation. Also auch eine Form von Grenze bzw. Filter / Trennung.
    Sehr stark vereinfacht sehe ich es so : Wenn die natürlichen Filterfunktionen / Grenzen / Kontrollen der Neuroregulation versagen, muss das Gehirn quasi eine "Software-Lösung" in Form von künstlicher Trennung veranstaltung = Dissoziation.
    Das kann im Extremfall schon sehr früh im Leben der Fall sein (mein Rechner will heute beispielsweise nicht richtig starten und friert dauernd ein. Vermutlich, weil da zu viel Müll drauf ist). So ähnlich kann es im ADHSler-Gehirn auch sein. Zu viele offene, nicht wirklich wegsortierte Dateien, Erlebnisse, Verletzungen, Mikrotraumata.
    Eigentlich würden die sortiert und in ein Archiv abgelegt. Damit haben es ADHSler offenbar nicht so.

    Bei vielen ADHS-Chaoten hier im Forum, die sich ein ADHS vom unaufmerksamen Subtyp zuschreiben, vermute ich eher so ein "Überlaufproblem" . Der innere Prozessor Gehirn wird dann immer langsamer und tut nich mehr so frei seinen Job.

    Im Prinzip sehe ich ADHS einerseits als neurobiologische Disposition, die aber zu einer erhöhten Gefahr (oder Fähigkeit, denn Dissoziation ist ja ein Schutz und keine Plage) für dissoziative Phänomene führt. In der Kindheit nennen wir das dann Tagträumerei...

    Die ADHS-Symptome, sind aber aus meiner Sicht quasi immer (o.K., immer soll man nicht schreiben.... Ich bleibe aber mal dabei IMMER) auch mit einem dissoziativen Anteil verbunden. So wie bei alten Cassetten ist dann aber der Kopierschutz so, dass man nicht neue Erfahrungen drüber schreiben kann. Oder vielleicht schon schreiben, aber nicht richtig löschen. ADHS wäre dann quasi ein zu viel von Informationen. Oder aber ein Versagen der Löschfunktionen.

    Ich gehe immer davon aus, ADHS wie eine Dissoziative Störung zu behandeln.

    Das klitzekleine Restproblem ist dann, dass sich Dissoziation und ADHS laut Diagnosekriterien ausschliessen (müssten). Damit hätten dann die ADHS-Kritiker Recht, dass es ADHS nicht gibt. (Aber nur auf einer pauschalen Definitionsebene. In der Praxis ja schon). Übrigens sind Dissoziation und "Spaltungen" der Psychoanalytiker nun nicht so weit voneinander entfernt, wie man denkt.

    Es sind nur nicht immer die von den Tiefenpsychologen bzw. Analytikern angenommenen "versauten" sexualisierte Konflikte , sondern viel banalere kleinere Sachen, die immer und immer wieder auftreten und aufgrund der hohen Sensibilität bzw. dem "Nachtreten" der Mitmenschen in der Kindergarten, Schule, Freundeskreis etc immer und immer wieder auftreten und zu geeichten Schleifen führen (Und täglich grüsst das Murmeltier). Dissoziation ist ein Schutz und ein Fluch.

    Ich halte 75 bis 90 Prozent der Diagnosen "Depression" in der Psychiatrie für falsch. Natürlich gibt es die klassische depressive Epsiode. Und auch rezidivierende Episoden bzw bipolare Störungen. Bei der Dysthymie wusste ich ehrlich gesagt immer nicht, was das sein soll.
    Weit häufiger ist aber eben eine "Depression", bei der die emotionalen Erlebnisse eben gerade nicht wegsortiert sind (d.h. ein "alt" im Sinne von Vergangenheit haben). Das sind fast immer (nein, ich wollte ja dabei bleiben IMMER) auch Dissoziative Phänomene.

    Antidepressiva wirken dann natürlich auch nicht. (Die Studien zu Antidepressiva sind ja auch lächerlich im Ergebnis).

    Ich will nicht behaupten, dass ich nun alles besser weiss. Aber die derzeitige "Psychiatrie" ist einfach lächerlich auf Steinzeitniveau. Da ich selber ja 2 Jahre in Mainz an der Uni war, weiss ich wovon ich da spreche. Das sind Dinosaurier.

    Für mich (bzw. Johannes) wären dann eher Arbeitsgruppen in San Diego um Prof Ramachandran die neuen Helden der Psychologie und Psychiatrie. Die schauen wirklich mal nach, wie das Gehirn so arbeitet. Synästhesie ist ein tolles Instrument, Dinge zu verstehen....

    Ach ja.... Wer sich da wirklich einarbeiten will : Macht einen "Ausbildungskurs" in SRD bei Johannes Drischel. Das ist zwar Werbung und der Kurs ist auch "teuer". Aber Johannes vermittelt ein völlig neues und dabei total "sinniges" Bild von Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und eben daraus abgeleitet psychischen Störungen. Formal trennen wir es jetzt : Eine Forschungsgruppe beschäftigt sich mit der therapeutischen Anwendung bzw. Darstellung. Er propagiert es weiter als Stressbewältigungstool (emoflex). Aber die Grundideen stammen von ihm und seiner eigenen Erfahrung mit Dissoziation, Asperger, ADHS bzw. eben Synästhesie.

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 1.096

    AW: Wiederspruch Reha: Will nach Bad Bevensen !

    Eine Rückfrage zum Thema Dissoziation:
    Aus meiner "jüngeren Vergangenheit" kenne ich diese nur eine vereinzelte Zustände, also zeitlich begrenzt. Am längsten noch letztes Jahr in der Reha, wo sie fast drei Tage anhielten.

    ABER kann das auch der Grund sein, dass ich z.B. erst seit ca. 10 Jahren (also seit Mitte/Ende 20) ein wirkliches BEWUSSTSEIN habe, also im Sinne von, dass ich mir meiner als Perönlichkeit/Mensch selbst bewusst bin, und auch erst seitdem mein Denken, Handeln und auch Fühlen entsprechend mehr steuern kann?
    Bis zu diesem Zeitpunkt ist mir nämlich z.B. kaum bewusst, welche Emotionen ich hatte (bis auf Zeiten in heftigsten Depressionen), und es sind auch erschreckend viele Gedächtnislücken vorhanden, viel wird nicht erinnert...auch Ereignisse mit Anfang/Mitte 20, das eigentlich eines der zentralen meines Lebens darstellt. D.h. das "Hauptereignis" kenne ich zwar noch, aber nicht mehr wann das genau war, wo es statt fand...und schonmal gar nicht, welche Emotionen zu der Zeit damit verbunden waren...was mir heute ein "schlechtes Gewissen" macht.

    Und es war vielleicht ein etwas traumatisches Ereignis, aber nicht soo traumatisch, dass ich es hätte verdrängen müssen...ich schiebe es eher darauf, dass ich wie eingangs gesagt, heute rückblickend gesagt, damals gar kein wirkliche Gefühl für mich als ICH gehabt habe, sondern wie unter einer Käseglocke gelebt habe.

    Gibt es also eine Dissoziation, die so lange anhält...und ist diese auch ADHS-typisch...wobei ich eher ein Mischtyp, denn ein "unauffälliger" gewesen bin..

    Das Thema beschäftigt mich, vorallem seit der Reha, schon länger...auch wenn ich Dissoziation bisher immer hauptsächlich mit BPS in Verbindung gebracht habe, was ich definitiv nicht bin..und was mich von daher etwas verwirrt hat.

    Grüße von Amn

  4. #4


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.809
    Blog-Einträge: 40

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo.

    Beiträge #1 bis #3 sind von hier abgetrennt und verschoben (Off-Topic).

    Ich halte die Thematik für derart wichtig, dass sie nicht in einem Thread untergehen sollte, in dem es sich um etwas völlig anderes dreht.







    LG,
    Alex

  5. #5
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 676

    AW: ADHS und Dissoziation

    Es ist in der Praxis nicht so leicht, zwischen "Entfremdungsgefühl" einer Depersonalisation und / oder Derealisation und eben Dissoziation zu unterscheiden.

    Ich habe aber schon häufiger erlebt, dass Klientinnen quasi "nie" bzw. eben nur sehr selten in einer einer "echten" Welt mit Gefühlen gelebt haben. Also immer in einer Art "Als-ob"-Stimmung vegetieren mussten. Gerade wenn der Zugang zu kindlichen Erlebnissen fehlt, ist das häufiger zu beobachten.

    Ich erfrage sowas immer mit einer Timeline-Technik, d.h. ich lasse mir emotionale Belastungen in Bilder visualisieren und dann auf dieser Zeitleiste abbilden. Häufig ist die Zeitleiste (Timeline) unterbrochen bzw. eben löchrig.

    Es ist übrigens nicht immer so, dass ein Trauma vorliegen muss. Gerade hochsensible bzw. reizoffene Menschen können bei Vorliegen einer Vorbelastung (kleinere Irritationen) plus Stress (wie z.b. ständige Nerverei wegen dem ADHS in der Familie) und einer dann für einen Menschen unerwarteten Irritation / Schreck / böse Überraschung sehr wohl in so einen "abgesicherten Modus" der Dissoziation wechseln.

  6. #6
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 396

    AW: ADHS und Dissoziation

    Wie lässt sich so eine DIssoziazion feststellen und was kann man dagegen tun?

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo,

    das Thema Dissoziation ist echt komplex, wenn man an der falschen Stelle einsteigt. Will sagen, es gibt eine Einstiegsstelle, an der ich es dann mal verstanden habe:
    Unser Gehirn assoziiert alles, was hereinkommt. Fügt Neues immer dem hinzu, was schon drin ist. Drin wird es dann vernetzt. - Wenn ich in eine Situation komme, in der ein Problem zu lösen ist, bringen im Grunde die Assoziationen Lösungsvorschläge zustande.
    Wenn nun etwas zu heftig reinkommt, oder als grundsätzlich gefährlich bekannt ist, weicht unser Hirn von seiner grundsätzlichen Regel, alles zu assoziieren, ab und dissoziiert. Dissoziiertes wird folglich isoliert abgelegt und wird zu einer Art Alarmprogramm, welches in Zukunft ausgelöst wird, immer wenn was ähnliches in der Wahrnehmung auftaucht. Dann wird ein Systemalarm ausgelöst. Das bedeutet, dass das Regulationssystem des Körpers wieder in die Konfiguration umspringt, in der es in der Situation war, als das Alarmprogramm einprogrammiert wurde.
    Diese "alte Konfiguration" überschreibt immer die aktuelle Konfiguration, die sich ja von der Wahrnehmung des Hier&Jetzt ableitet. d.h. man wird kurz vom Hier&Jetzt abgedrängt. Das wiederum bedeutet eine Anpassungsstörung! Die ist vorübergehend. Nur solange das Alarmprogramm läuft.

    Was ist also eine Dissoziation? - Eine Dissoziation geschieht, wenn ich vorübergehend von der Hier&Jetzt-Anpassung/Wahrnehmung getrennt werde.

    Dissoziation gibt es nun in klein oder kurz: Flashbacks, Panik, Tics,

    oder in "Lang": Phobien, Zwänge, Identitätsstörungen, Schmerzen, Lähmungen,

    Soweit mal erst. Man soll ja wohl hier keine Bücher schreiben.

    Johannes

  8. #8
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: ADHS und Dissoziation

    Oha! Sehr spannend!!

    Ich weiß nicht, ob ich das hier richtig verstehe, aber wenn die Dissoziation zur ADHS gehört, wie der Husten zur Grippe (meistens gehört es zusammen nur manchal eben nicht), dann wäre es doch gar nicht abwägig ein tiefenpsychologische Thera zum "Standart" zu machen...
    Übrigens sind heutige Analytiker nicht immer reine "Freud-Nachkommen"...da haben sich auch Abwandlungen der alten Psychoanalyse "abgespalten" (sogar die Methode dissoziiert quasi ).

    Ist es also so gemeint, dass das ADHSler Hirn durch die mangelnde Fähigkeit den Input zu verarbeiten und ordentlich wegzusortieren, anfällig für kleine und mittlere Traumata ist?
    Und ist es dann nicht auch so, dass die meisten sogenannten Komorbiditäten einfach "Färbungen" der ADHS sind? Also dass es ADHDS (Aufmerksamkeitsdefizit mit Hyper/Hypoaktivität und Depressivitätsstörung) und ADHAS ( Aufmerksamkeitsdefizit mit Hyper/Hypoaktivität und Angststörung) usw. heißen müsste?

    Und ist es, wenn das so wäre, nicht im Endeffekt alles auf eine mangelnde Reife der Persönlichkeit zurück zu führen, die nicht stattfinden konnte, weil eben wichtige Erfahrungen und die daraus normalerweise resultirende Erkenntnis (Weiterentwicklung) ausbleibt? Kann dann eine "Schulung" wie es in der Kognitiven Verhaltenstherapie stattfindet überhaupt richtig greifen? Oder müssten nicht erstmal die psychisch-geistigen Voraussetzungen (auch durch Medikamente) geschaffen werden?

    Ich denke, die Unterscheidung, ob es Komorbiditäten oder "Spielarten" sind, wäre doch therapeutisch äußerst wichtig.(?)



    Oder hab ich das alles falsch interpretiert mit der Dissoziation?

    LG
    happypill

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 245

    AW: ADHS und Dissoziation

    Autsch, das Thema tut weh.
    Eiselein hat mal wieder den schmerzenden Kopf getroffen.

    Was macht man denn nun aber gegen die Dissoziation? Wenn der Mensch schon total verstreut und gespalten ist, wie fügt man das zusammen?
    Weil der Schmerz der Verletzung steht ja dazwischen, der trennt ja das Denken. Und über den Schmerz hinweg kann man nicht zusammen fügen, weil ja der Schmerz gerade der Trennungsgrund war. Kann man Erlebtes einfach auswischen?? Ich denke nicht.
    Und wenn man versucht, die Verletzungen zu vergessen oder zu "verarbeiten", dann trennt man sie ja gerade wieder ab. So ist nichts gewonnen.

  10. #10
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 676

    AW: ADHS und Dissoziation

    Zunächst an Schnuff : Kann man Erlebtes einfach "auswischen". Ja, man kann. Zumindest kann man den emotional belastenden bzw. gerade nicht verarbeiteten Anteil so verarbeiten, wie es das Gehirn im Traumschlaf machen würde. Und "Auswischen" kommt da schon sehr genau ran. Das ist ja gerade das faszinierende an Emoflex.
    Man kann die Fähigkeit des Gehirns zum Assoziieren nutzen, um ähnliche Erlebnisse zu identifizieren und sie mit einem "Aufwisch" gemeinsam einer Verarbeitung zuführen.

    Natürlich hast Du aber Recht, dass es ja Gründe für die Dissoziation gab. Aber das sind in aller Regel eben auch alte Geschichten. Man kann da auf einer Zeitleiste zurück gehen und quasi genau den Beginn der Trennung / Spaltung erkennen und dann ein Zusammenführen machen. Sicherlich kann es sein, dass einer der Gründe ja die ADHS-Konstitution selber ist. Die müsste man dann nach meiner Auffassung ggf. auch medikamentös behandeln. (Wobei es ja häufig so ist, dass die reine ADHS-Konstitution nicht schlimm oder aber auch nicht besonders toll ist). Man leidet mehr unter den Folgen bzw. eben Dissoziationen.

    Johannes (emoflex) wird demnächst ein Podcast zu dem Verfahren machen und da kann man es dann wesentlich verständlicher erleben bzw. dann ggf. für sich selber auch ausprobieren.

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