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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #931
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 396

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegerlein schreibt:
    Nein, als gleichbedeutend würde ich das nicht betrachten.

    Eine multiple Persönlichkeit, oder besser: eine dissoziative Persönlichkeit wird sozusagen zu jemand ganz anderem,

    Eine Dissoziation ist da eher so etwas wie ein "Wegschalten" "Sich bestimmten Dingen nicht bewusst sein", "Dinge ausblenden" oder vielleicht auch eher sowas wie "für etwas nur eine sachliche, aber keine emotionale Verbindung haben"

    Ich würde sagen, eine multiple Persönlichkeit ist eine Extremstform von Dissoziation.
    Ok. Also denken wir meist sachlich aber haben keine Emotionen im Bezug dazu?
    Wenn wir die Emotionen hätten würden wir vermutlich noch kranker werden, aufgrund der Verletzlichkeit ?

    Das heißt ich erinnere mich an eine Situation aber es kommen keine Emotionen dazu hoch?

  2. #932
    Octoroo

    Gast

    AW: ADHS und Dissoziation

    zlatan_klaus schreibt:

    Könnt ihr mir bitte sagen was die Dissoziation beim AD(H)Sler nun bedeutet?

    Ich weiss da nicht wirklich bescheid, kann Dir aber schonmal sagen, dass ich in Behandlung (VT) bin wegen mein "abgehaktes Denken und fuehlen" was Probleme mit sich bringt - zumindest wenn ich nicht alleine bin.
    Habe zudem AS-Verdacht geaeussert bekommen.

    Bei mir laeuft alles nur getrennt, abgehakt, sequentiel ab.
    Auch wenn die Aufmerksamkeit nun durch MPH da ist und das "hineinkonzentrieren" nicht mehr kraeftezerrend ist, ist das Problem in Sachen Emotionen und Verhalten gleichgeblieben (ich schreie nicht mehr, aber statt dessen halte ich Ohren zu und bin sowas wie paralysiert)

    Kann nicht angemessen auf die ploetzliche Veraenderung reagieren - brauche beim "Umschalten" lange.

    Pass das denn hier rein ?
    Wenn ja, fuehle ich mich geholfen.

  3. #933
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 396

    AW: ADHS und Dissoziation

    Octoroo schreibt:
    Ich weiss da nicht wirklich bescheid, kann Dir aber schonmal sagen, dass ich in Behandlung (VT) bin wegen mein "abgehaktes Denken und fuehlen" was Probleme mit sich bringt - zumindest wenn ich nicht alleine bin.
    Habe zudem AS-Verdacht geaeussert bekommen.

    Bei mir laeuft alles nur getrennt, abgehakt, sequentiel ab.
    Auch wenn die Aufmerksamkeit nun durch MPH da ist und das "hineinkonzentrieren" nicht mehr kraeftezerrend ist, ist das Problem in Sachen Emotionen und Verhalten gleichgeblieben (ich schreie nicht mehr, aber statt dessen halte ich Ohren zu und bin sowas wie paralysiert)

    Kann nicht angemessen auf die ploetzliche Veraenderung reagieren - brauche beim "Umschalten" lange.

    Pass das denn hier rein ?
    Wenn ja, fuehle ich mich geholfen.
    Danke. Aber ich meine die Verfasser und Experten! Die diesen ausschweifenden Thread in zwei, drei Sätzen zusammenfassen können!

  4. #934
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: ADHS und Dissoziation

    zlatan_klaus schreibt:
    Ok. Also denken wir meist sachlich aber haben keine Emotionen im Bezug dazu?
    Wenn wir die Emotionen hätten würden wir vermutlich noch kranker werden, aufgrund der Verletzlichkeit ?

    Das heißt ich erinnere mich an eine Situation aber es kommen keine Emotionen dazu hoch?
    Nein, so kann man das meiner Meinung nach nicht sagen.
    In zwei bis drei Sätzen kann ich unmöglich zusammenfassen, was Dissoziationen sind. Die Länge dieses Threads hat schon einen Grund.

    Wikipedia liefert eine erste gute Annäherung:

    Das allgemeine Kennzeichen der dissoziativen oder Konversionsstörungen besteht danach in teilweisem oder völligem Verlust der normalen Integration der Erinnerung an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen.
    Nicht nur Emotionen können vom Bewusstsein abgetrennt werden, sondern auch Empfindungen wie z.B. Schmerz.
    Schwer zu beschreiben ist die Abspaltung des Identitätsbewusstsein. Das ist so eine Art "Herausgehen" aus dem eigenen Körper. Man ist nicht mehr man selber. Man existiert irgendwie gar nicht mehr richtig.

    Bei einer Dissoziation ist die Emotion schon da, sie ist vorhanden. Nur ist sie nicht gekoppelt an das Ereignis. Die Emotion (oder andere dissoziierte Wahrnehmungen) schweben quasi schwerelos herum.
    Wenn eine Wahrnehmung an ein Ereignis gekoppelt ist, dann können wir sie verarbeiten. Da die Emotion (oder andere dissoziierte Wahrnehmungen) nicht an das Ereignis gekoppelt ist, dann ist sie für uns nicht greifbar, aber sie ist ja trotzdem noch in uns und sie will nach draußen. Wir spüren solche dissoziierten Emotionen dann eventuell bei anderen Ereignissen. Da passt dann die Emotion aber nicht zum Ereignis.
    Ein typisches Beispiel bei ADHSlern ist die mangelnde Kritikfähigkeit und die damit verbundene "Überreaktion" beim kleinsten Anzeichen von Kritik. Viele ADSHler gehen dann direkt zum Angriff über, selbst wenn es nichtmal eine direkte Kritik vom Gegenüber war. In solchen Situationen spielt nicht nur die aktuelle Situation mit der daran aktuell gekoppelten Emotion eine Rolle, sondern auch die "Altlasten". Altlasten sind die dissoziierten Emotionen, die der ADHSler in den vergangenen Kritiksituationen angesammelt und nicht verarbeitet hat. Die kommen dann in solchen "Trigger"-Situationen hoch.

    In der Definition, die in der Psychiatrie/Psychotherapie bei Dissoziationen verwendet wird, werden nur Dissoziationen aufgrund von Traumata, d.h. von einschneidenden und schwerwiegenden Ereignissen (z.B. körperliche Misshandlung) umfasst.
    Wir hier in diesem Thread haben den Begriff auch auf "Mini-Traumata" ausgeweitet. Ein Beispiel dafür wäre die oben erwähnte mangelnde Kritikfähigkeit. Da kann man den Dissoziationen nicht ein konkretes Ereignis zuordnen, sondern verantwortlich für die konkrete Ausgestaltung der Dissoziation ist die häufige Anzahl dieser Kritiksituationen. Im Vergleich zu "normalen" Menschen werden ADHSler häufiger kritisiert. Und sie werden oft auch "grundlos" kritisiert, denn meistens können sie ja nichts für ihr Verhalten. Das kommt erschwerden zur Häufigkeit dieser Situationen dazu. Es ist schwer mit Kritik umzugehen, wenn die Kritik im Prinzip ungerechtfertig ist und wenn man selber nicht weiß, wie man sich ändern soll bzw. wenn man sogar versucht hat, sich zu ändern und wenn dieser Schuss (mal wieder) nach hinten losgegangen ist.

    Sachlich wird eine solche Situation vom ADHSler nicht durchlebt. Ich würde das Verhalten (wenn die dazugehörige Emotion nicht verarbeitet wird, d.h. wenn der ADHSler nicht wütend wird, also wenn die Emotion erstmals dissoziiert wird) eher als abweisend, abblockend, trotzig und bockig beschreiben. Wie sehr man sich verletzt fühlt, zeigt man in solchen Situationen dann nicht. Beim Umfeld kommt das aber dann eher so an als ob einem die Kritik egal ist. Die denken dann, sie reden mit einer Wand. Das führt dann dazu, dass noch härter kritisiert wird, um zum ADHSler durchzudringen, der ADHSler dissoziiert daraufhin noch mehr und der Teufelskreis ist perfekt.

  5. #935
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegenpilz schreibt:
    In zwei bis drei Sätzen kann ich unmöglich zusammenfassen, was Dissoziationen sind. Die Länge dieses Threads hat schon einen Grund.
    Ich fürchte, da hat Fliegenpilz vollkommen recht (genauso wie mit dem Rest des Postings, das ich jetzt nur nicht mitzitiert habe )

    So etwas Komplexes wie Dissoziation lässt sich nicht in einer Kurzfassung in einige wenige Sätze packen.

    Immer wieder höre und lese ich, dass es unglaublich schwer ist, ADS von Traumafolgestörungen zu unterscheiden.
    Allein das zeigt schon, wie komplex das Ganze sein muss.

    Gerade erst vor einigen Wochen (oder Monaten? ... soviel zum Thema Zeitgefühl) waren wir auf dem 2.ADHS Symposium in Rothenburg, Wümme, auf dem auch Martin zwei (wirklich tolle) Vorträge gehalten hat.
    Auch dort hat er das Thema kurz angeschnitten, kurz, weil es, wie er sagt, locker einen eigenen Vortrag füllen kann, wenn nicht mehrere.

    Zum Beispiel dieses Schweizer- Käse- Gedächtnis, dass ADS'lern zu eigen ist, ist auch typisch für Dissoziationen (egal ob infolge von Traumata oder Reizüberflutung würde ich vermuten).

    Wir können nicht in die Vergangenheit schauen, weil unser "innerer DVD-Player" entweder defekt ist oder die DVD kein Kapitelmenü mitbekommen hat.
    Ein Dissoziierender dagegen hat einen grundsätzlich funktionierenden Player, aber da wurde aus Schutzgründen die Aufzeichnung zwischendurch unterbrochen, bzw. Inhalte wurden in "versteckten Ordnern" abgelegt, so dass sie zwar da sind, aber der User keinen Zugriff darauf hat.
    Zwischendurch poppen die aber auf, wenn sie getriggert werden, aber man versteht sie nicht, weil sie nicht dem gerade abgespielten Film zugordnet werden können.

    Beide, der ADS'ler und der Dissoziierende wirken nach außen hin vergesslich, zerstreut und haben nur vage und bruchstückhafte Erinnerungen ihrer Vergangenheit.

    Unterschiede sind da kaum zu erkennen.
    Bei einem ADS'ler aber findet man auch ein "defektes Zukunftsgedächtnis".
    Genaugenommen eben das Arbeitsgedächtnis, welches uns immer wieder nervt, weil wir vergessen, was wir tun wollten.
    Wir arbeiten an etwas, werden unterbrochen, danach kehren wir nicht wieder an die ursprüngliche Aufgabe zurück, sondern haben schlicht vergessen, was wir gerade gemacht haben und machen dies und jenes, bis wir plötzlich über einen Trigger wieder die ursprüngliche Aufgabe erinnern und dann wieder weitermachen.
    Bis dahin aber ist es, als wäre diese Aufgabe nie dagewesen, wir haben sie komplett vergessen, könnten noch so krampfhaft versuchen uns zu erinnern, was wir gerade gemacht haben, es würde nichts werden.
    Der Trigger bringt die Erinnerung.
    Es ist z.B. dieses defekte Arbeitsgedächtnis und auch diese typische Zeitblindheit, die uns immer alles auf den letzten Drücker machen lässt, weil wir Zeitspannen einfach nicht abschätzen können, das uns von Dissoziierten unterscheidet.
    Bei denen liegt normalerweise keine Störung des Arbeitsgedächtnisses vor.

    Trotzdem sind auch die Konzentrationsgemindert, zeigen viele typische Merkmale, die auch bei ADS'lern zu finden sind.

    Teilleistungsschwächen wie Legasthenie, Dyskalulie etc. sind aber eher bei ADS'lern zu finden.

    Dissoziationen sind nicht "einfach so" in zwei drei Sätzen zu beschreiben, das wäre zu schön, denn dann könnte man das eine vom anderen unterscheiden.

    Und dummerweise sind ADS'ler beides, .... sie sind oftmals reichlich traumatisiert, sie dissoziieren, weil sie vieles gar nicht bewusst mitbekommen, sie dissoziieren, weil sie überfordert und reizüberflutet sind, sie dissoziieren, weil sie zu wenig Schlaf haben und daher die "Aufräumarbeiten" des Gehirns in der Nacht nicht oder nur unvollständig durchgeführt werden konnten und obendrein haben sie ein Gedächtnis wie ein Schweizer Käse.
    (Zu den nächtlichen Aufräumarbeiten hatte Martin in seinem Vortrag eine wirklich schöne, sehr bildhafte Metapher)


    Könnte man Dissoziationen einfacher beschreiben, ließen sich die Störungen auch besser unterscheiden.

    Aber dann wäre es auch vieel weniger spannend oder?
    Und das ist echt ein spannendes Thema ... sicherlich kein freudiges, aber ein spannendes.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  6. #936
    Octoroo

    Gast

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegerlein schreibt:
    [...] sie dissoziieren, weil sie überfordert und reizüberflutet sind, sie dissoziieren, weil sie zu wenig Schlaf haben und daher die "Aufräumarbeiten" des Gehirns in der Nacht nicht oder nur unvollständig durchgeführt werden konnten und obendrein haben sie ein Gedächtnis wie ein Schweizer Käse.
    DAS gefaellt mir.

    Darin kann ich mich zu mehr als 100000% wiederfinden !

    Esgibt mir Hoffnung, kein AS zu haben und es doch "nur' ADHS ist.
    Weil ich eben gelernt habe (Marotte !), dass es NUR so geht. Dass ich NUR via rigide Serieltasking Dinge auf die Reihe bekomme und der Druck SEHR hoch ist.


    Tja, finde mal einen Arzt, der sich mit ADHS-Asperger-Dissoziationen gut auskennt -.- .............

  7. #937
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: ADHS und Dissoziation

    Octoroo schreibt:
    Esgibt mir Hoffnung, kein AS zu haben und es doch "nur' ADHS ist.
    Weil ich eben gelernt habe (Marotte !), dass es NUR so geht. Dass ich NUR via rigide Serieltasking Dinge auf die Reihe bekomme und der Druck SEHR hoch ist.
    Für mich hört sich das eher nicht nach einer Dissoziation an.
    Wie Fliegerlein anhand des DVD-PLayer-Beispiels so schön erläutert hat, ist bei einer Dissoziation die Aufzeichnung der Vergangenheit teilweise defekt. Das heißt, dass das Lernen nur eingeschränkt funktioniert. Und aus einer traumatischen Situation selber kann nichts gelernt werden, weil eben diese Situation bzw. die einzelnen Elemente (Emotion, Eahrnehmung, Erinnerung) "weg" ist. Das, was belastend ist, wird nicht erinnert. Und ohne erinnern kann kein Lernen stattfinden.
    So wie ich das verstanden habe, hast du dir eine bestimmte Verfahrensweise angeeignet bzw. angelernt, die du anwendest und mit der es funktioniert, allerdings mit erheblichem Kraftaufwand. Aus meiner Sicht ist das eher untypisch für eine Dissoziation und spricht eher dagegen.
    Für mich hört sich das allerdings auch nicht nach ADHS an, weil auch der ADHSler nur begrenzt Zugriff auf die Vergangenheit hat. Dadurch kann auch schwer aus der Vergangenheit gelernt werden. Der ADHSler tendiert dazu, immer wieder die gleichen Fehler zu machen und eben gerade nicht aus Vergangenem zu lernen.

    Eine Dissoziation bei Küchenarbeit wäre meiner Meinung nach eher so, dass man sich selber nicht oder nur begrenzt spürt. Also dass man z.B. schmerzunempfindlich ist und nicht merkt, dass man sich in den Finger schneidet oder sich gerade heißes Wasser über die Finger kippt. Oder aber dass man die eigenen Gefühle nicht spürt. Das heißt, man spürt in dieser Situation die Belastung nicht. Man ist dann nicht gestresst und nicht überfordert und nicht wütend. Man ist es eigentlich schon, nur sind diese Gefühle dissoziiert, d.h. man nimmt sie selber nicht wahr. Man fühlt sich eher neutral. Man merkt dann auch nicht, dass man über die eigene Belastungsgrenze geht. Man überfordert sich dadurch permanent.
    Oder es könnte sein, dass man selber gar nicht mitbekommt, dass man in der Küche arbeitet. Man "vergisst" das wieder, weil es so belastend ist und wundert sich später, wer das Chaos in der Küche angerichtet hat. Oder man "wacht" während der Küchenarbeit auf und fragt sich, wie man dahin gekommen ist.

    Also ich bin kein Experte für Dissoziationen, auch nicht für ADHS oder AS, daher kann ich mich natürlich irren und komplett daneben liegen.

  8. #938
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 399

    AW: ADHS und Dissoziation

    @ fliegenpilz danke für das beispiel

    Eine Dissoziation bei Küchenarbeit wäre meiner Meinung nach eher so, dass man sich selber nicht oder nur begrenzt spürt. Also dass man z.B. schmerzunempfindlich ist und nicht merkt, dass man sich in den Finger schneidet oder sich gerade heißes Wasser über die Finger kippt. Oder aber dass man die eigenen Gefühle nicht spürt. Das heißt, man spürt in dieser Situation die Belastung nicht. Man ist dann nicht gestresst und nicht überfordert und nicht wütend. Man ist es eigentlich schon, nur sind diese Gefühle dissoziiert, d.h. man nimmt sie selber nicht wahr. Man fühlt sich eher neutral. Man merkt dann auch nicht, dass man über die eigene Belastungsgrenze geht. Man überfordert sich dadurch permanent.
    Oder es könnte sein, dass man selber gar nicht mitbekommt, dass man in der Küche arbeitet. Man "vergisst" das wieder, weil es so belastend ist und wundert sich später, wer das Chaos in der Küche angerichtet hat. Oder man "wacht" während der Küchenarbeit auf und fragt sich, wie man dahin gekommen ist.

    Also ich bin kein Experte für Dissoziationen, auch nicht für ADHS oder AS, daher kann ich mich natürlich irren und komplett daneben liegen.
    .... wenn mir soetwas in der art passiert, nenne ich es "Funktionsmodus" .... ich arbeite wie eine "maschine" (hochkonzentriert und präzise) und bin selbst irgendwie weg. dieser zustand ist sehr, sehr anstrengend und für mich und gerate dann sehr schnell in extreme erschöpfung. daher schule ich meine achtsamkeit, um den automatisierten funktionsmodus bemerken zu können. nur dann habe ich die chance den teufelskreis zu durchbrechen. keine einfache aufgabe .... geduld und ständiges üben ... ich gebe die hoffnung nicht auf, dass die achtsamkeit sich irgendwann auch automatisiert.

  9. #939
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    Octoroo schreibt:
    Esgibt mir Hoffnung, kein AS zu haben und es doch "nur' ADHS ist.
    Weil ich eben gelernt habe (Marotte !), dass es NUR so geht. Dass ich NUR via rigide Serieltasking Dinge auf die Reihe bekomme und der Druck SEHR hoch ist.
    Ok, das könnt jetzt schwierig werden .... nicht dass es vorher einfach gewesen wäre

    Auch hier sehe ich es mal wieder so wie Pilzi und denke nicht, dass das nach Disso's klingt.

    Ob es ADHS oder AS oder zwanghaft ist, das ist auch wieder so 'ne Sache.
    Natürlich weiß ich das auch nicht wirklich, sondern vermute und sinniere nur laut vor mich hin, logo .

    Wenn es AS ist, würde ich sagen, dass man Dinge immer gleich macht, weil es so sein muss, es sich falsch anfühlt wenn man es anders macht, man "völlig durch den Wind" ist, wenn sich etwas ändert.
    Man kann sich nicht auf Veränderungen einstellen.

    ADHS'ler können zwanghaft sein, weil sie sich dadurch davor schützen, etwas zu vergessen.
    Wenn ich es immer gleich mache, alles immer an seinem Platz ist, Abläufe immer gleich sind, hat der Zwanghafte ADS'ler bessere Chancen einen Task zu beenden, auch wenn er vielleicht mal unterbrochen wurde.
    Etwas anders zu machen, bereitet ihm Angst, denn er verliert die Kontrolle, da nun die Gefahr besteht, etwas zu vergessen.
    Ich kann mir vorstellen, dass das ihn (oder sie) natürlich so aus dem Konzept bringen kann, dass er (oder sie) vor lauter Überforderung gleich wieder dissoziiert ....

    Aber ich würde sagen, der zwanghafte ADS'ler ist anders als ein Nicht-ADS'ler mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung, der ist rundum zwanghaft, ... der ADS'ler mit zwanghafter PS versucht sein inneres Chaos regelrecht zu "bezwingen"
    Aber das Chaos findet ihn.
    Ein AS ist streng sortiert, perfekt organisiert, beim ADS'ler merkt man den Kampf gegen das Chaos, ... aber das Chaos gewinnt immer wieder ... guggstu auf enen ADS-Arbeitsplatz .

    Der Haken ist (soweit ich weiß, ich plapper hier auch nur nach, was ich lese und aus Vorträgen etc. lerne, ich bin kein Fachmann), dass auch Aspies dissoziieren, zumidnest lese ich davon auch in entsprechenden Aspieforen.
    Und wenn AS und ADS zusammen auftreten, dann kann die Arschkarte eigentlich schon nicht mehr größer sein, denn da lese ich immer wieder, dass es dann nach außen hin richtig verwirrend aussehen kann.

    Um das Chaos perfekt zu machen, könnte man jetzt auch noch SCT dazunehmen und dann wird die Liste noch länger ...

    Aspiranten für Dissoziationen sind alle Kandidaten ...



    Tja, finde mal einen Arzt, der sich mit ADHS-Asperger-Dissoziationen gut auskennt -.- .............
    Leider nur allzu wahr ... man findet ja schon nur wenige, die sich mit einer Sache auskennen, geschweige denn mit beidem ... und das dann auch noch ernst nehmen.
    Was ich auch keinesfalls als Vorwurf meine ... Wie sollen sie das auch alles so tiefgehend wissen, wir können uns auf diese drei vier Sachen bechränkt informieren ... die Fachärzte haben es mit so vielen Störungen zu tun ... ich möcht nicht mit denen tauschen.

    Liebe Grüße
    Marcus

  10. #940
    Octoroo

    Gast

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegenpilz schreibt:
    Für mich hört sich das allerdings auch nicht nach ADHS an, weil auch der ADHSler nur begrenzt Zugriff auf die Vergangenheit hat. Dadurch kann auch schwer aus der Vergangenheit gelernt werden. Der ADHSler tendiert dazu, immer wieder die gleichen Fehler zu machen und eben gerade nicht aus Vergangenem zu lernen.
    Zugegeben, den Beispiel mit der DVD/Vergangenheit habe ich nicht mit einbezogen, sondern den einen Satz, wo ich denke, dass es auf mich zutrifft.

    So, ich frage Dich ganz direkt, WARUM du (schonwieder) die Authentizitaet meines ADHS Diagnose in FRage stellst !
    DAs wuerde mich nun mal interessieren.
    ICH selber zweifel nicht an die ADHS Diagnose. (habe alle Symptome ausser die Sache mit Multitasking)

    Fuer mich (und fuer mein Diagnostiker) ist die Sachlage klar: alleine schon die Tatsache, dass mich MPH entschleunigt (Entschleunigung = Behandlungserfolg) und dass dadurch schonmal die Kernsymptome gemildert - die Impulsivitaet sogar unterdrueckt ist, spricht dafuer.
    Es gibt eindeutige Hinweise aus der Kindheit und ich habe auch eine Fremdbeurteilung von Fachleute.

    Mein Problem war zudem nicht nur auf die Kueche bezogen, sondern ganz Allgemein: abgehaktes Handeln - abgehakte Emotionen ------> Wenn mein Limit erreicht ist, mache ich sozusagen "dicht".

    Wie soll ich das erklaeren.....kanns eigentlich nur bildlich erklaeren aber ich versuchs ma nochmal:

    Handlung 1 und dazugeheorige Emotion. ----> Handlung 2 und dazugehoerige Emotionen.

    Es gibt keine Abtoenung ......d.h. etwas machen, und dann gleichzeitig emotional praesent zu sein.
    Bei Handlungen. Nicht nur auf die Kueche beschraenkt, da ist es eben extremer anderswo.
    Und alles wird in "Teilschritte" zerlegt und seriell ausgefuehrt.
    Nur SO kann ich mich orientieren.
    Ach uebrigens: die Reihenfolge muss nicht "sinvoll" sein.
    Es ist ein Puzzel aus den verschiedenartige Handlungen/Teilschritte.
    Drum kostet es mich sehr viel Kraft und Ueberwindung, und vor allem sehr viel Zeit.

    Ich habe keine Flexibilitaet, "mal kurz" oder "zwischen durch" IRGENDETWAS nebenher/simultan zu erledigen.
    DAS zumindest ist nicht ADHS typisch, das EIN Symptom (und nicht das ADHS Syndrom )


    @Fliegerlein

    Zwaenge habe ich angeblich nicht (Tendez zu Waschzwang, aber kein echter Zwang...........).
    Auch kein Trauma.

    Ich kann nicht sortieren, jeden Tag ist ein harter Kampf mit sehr viel Disziplin gegen den Chaos.
    Hehe, willst du meine Vorher-Nachher Foto mal sehen, wie die Kueche dann nach 1x benutzen aussiehst ?
    Ich wollte immer ordentlich sein wie die anderen Maedchen damals, ich habe es nie geschafft.

    Man kann sich nicht auf Veränderungen einstellen.
    Ganz genau.
    Durch MPH ist zwar die Aufmerksamkeit gewaehrt, d.h. bin ich konzentriert und wachsam so dass das Hineinkonzentrieren nicht mehr so anstrengend ist.
    Aber auf emotionale Ebene sieht es ganz anders aus.
    Da verfuege ich leider ueber NULL Empathie

    Umschalten ist ein Problem, nach wie vor.
    Die "Flexibilitaet", auf Veraenderung (innerhalb kurzer Zeit !) situationsangemessen zu verhalten habe ich nicht.
    Ich bin nicht mehr impulsiv wie frueher, habe aber ein Blackout und halte Ohren zu.

    Alles geht nur abgehakt.
    Keine Flexibilitaet in Situationen, wo mehrere Dinge auf einen zuprasselt.

    Keine fliegende Tassen oder Tomaten, aber Ohren zuhalten. Erstarren. Ende, aus.
    Dann verliere ich die Orientierung.


    *******

    Wenn Jemand mal ein Idee habt, was es sein koennte, dann immer her damit.
    Welche "Komorbiditaet" oder "Sekundaererkrankung" ...........es sein koennte.

    Ich wurde nicht traumatisiert, man hat sich gut um mich gekuemmert, Gewalt/Alkohol/Drogen/Armut kenne ich aus der Kindheit zumindest gar nicht.

    Hehe, den "Trauma" erlebe ich ja jetzt -.-


    ******

    Hab was gefunden.....

    Dissoziation - Was ist das?

    Der Begriff "Dissoziation" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie "Trennung" oder "Zerfall". Im Bereich der klinischen Psychologie und Psychiatrie versteht man unter Dissoziation, dass normalerweise zusammengehörige Informationen, Wahrnehmungen, Gedanken etc. nicht miteinander in Verbindung gebracht werden können.
    Zwei oder mehr mentale Inhalte oder Prozesse, die normalerweise miteinander in Verbindung stehen (z.B. Bilder eines Erlebnisses, dazugehörige Gefühle und im Gedächtnis gespeicherte Erfahrungen aus früheren Situationen), werden nicht miteinander in Beziehung gesetzt und dadurch nicht in Bewusstsein, Gedächtnis und/oder Selbstbild integriert. Hiervon können unterschiedliche mentale Inhalte wie z.B. Sinneseindrücke, Gedanken, Erinnerungen, Gefühle, Körperempfindungen, Handlungsimpulse oder Bewegungsabläufe betroffen sein.
    Ganz so ist es.
    Handlung und Emotion/Empathie sind voneinander ganz klar abgetrennt.
    Geht nur der Reihe nach, sonst bin ich komplett ueberfordert.


    Ich merke auch, dass in mir der Stresspegel steigt, wenn ich mit einer Hand etwas halte, und mit der anderen Hand versuche, etwas wegzuraeumen. Muss es wieder in Teilschritte zerlegen.
    ----> "Gegenstand ablegen" ----> wegraeumen. ----> Gegenstand wieder in Hand nehmen.

    Ach und zu Trauma faellt mir was ein:

    den Trauma erlebe ich wohl jetzt oder besser gesagt seit 3 Jahren, bin umgezogen und fuehle mich in meiner Umgebung sehr sehr belastend unwohl.
    Das koennte auch ne Rolle spielen.
    Die Seite von den Zitat ziehe ich mich rein.


    Ich frag mein Psychiater, was solls drum.

    Will euch nicht weiter ueberfordern, ich weiss, dass sich das alles so krank anhoert.

    Ich sag euch dann bescheid, ob AS oder Disso oder einfach nur hypochondrich ^^
    Geändert von Octoroo ( 8.12.2012 um 02:00 Uhr) Grund: Nachtrag


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