Seite 88 von 124 Erste ... 8384858687888990919293 ... Letzte
Zeige Ergebnis 871 bis 880 von 1237

Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #871
    ADHD-Squirrel

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 437

    AW: ADHS und Dissoziation

    Versuche gerade den ganzen Thread zu lesen, bin schon bei Seite 39, ufffff....

    Denke das Thema betrifft mich auch, in welchem Maße ist mir aber noch nicht klar. Als mir vor einigen Jahren klar wurde dass ich das wohl auch mache dachte ich das gibt es nur bei Borderline, deswegen habe ich viele Bücher über Borderline und Co. verschlungen. (ich liebe solche Themen generell. Da passt es wieder, die Leute mit Sprung in der Schüssel wollen Therapeut usw werden, hihi )

    Das sowas aber auch bei einem reizoffenen ADHSler passiert scheint irgendwie absolut logisch. Was ist normales wegträumen, was ist dissoziieren, das kann ich noch schwer unterscheiden. Ich weiss das es einige Situationen in meinem Leben gab an denen ich mich gedanklich weggebeamt habe, nur um die Situation auszuhalten, ich denke mal das geht schon in die Richtung, bzw ist wohl dissoziieren. (menno, das Thema zerstreut einen noch mehr als sonst, das ist fast wie über Zeitreisen nachdenken)

    Meine Therapeutin hat mich in Stunden auch schon öfters gefragt "wo sind sie gerade", aber leider erinnere ich mich nicht an konkrete Situationen in den Stunden, sonst könnte ich da weiter drüber nachgrübeln.

    Generell geht mir mein Erinnerungsvermögen ziemlich auf die Nerven, meine Lücken sind auch sehr groß, ich kann mein "damaliges" Ich oft so gar nicht einschätzen, das ist unheimlich nervig.


    wollte mal mein Gedankengeschrubbel hier verewigen und les mal weiter den Thread.

  2. #872
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.439

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fluttershy schreibt:
    Versuche gerade den ganzen Thread zu lesen, bin schon bei Seite 39, ufffff....

    Das sowas aber auch bei einem reizoffenen ADHSler passiert scheint irgendwie absolut logisch. Was ist normales wegträumen, was ist dissoziieren, das kann ich noch schwer unterscheiden. Ich weiss das es einige Situationen in meinem Leben gab an denen ich mich gedanklich weggebeamt habe, nur um die Situation auszuhalten, ich denke mal das geht schon in die Richtung, bzw ist wohl dissoziieren. (menno, das Thema zerstreut einen noch mehr als sonst, das ist fast wie über Zeitreisen nachdenken)

    Meine Therapeutin hat mich in Stunden auch schon öfters gefragt "wo sind sie gerade", aber leider erinnere ich mich nicht an konkrete Situationen in den Stunden, sonst könnte ich da weiter drüber nachgrübeln.
    ich hab mich auch noch nciht durch den ganzen thread gelesen. gelingt mir nur in etappen. zusätzlich hab ich überlegt, ob ich mir nicht erstmal nen neutraleren nickname aneigne, bevor ich mich hier beteilige....hmmm....dein beitrag spricht mich jedoch an, weil ich das problem kenne. also beteilige ich mich doch mal...

    ich habe auch viel überlegt, wie ich denn nun träumerei von dissoziation abgrenzen soll. da kann ich nichtmal jemanden im umfeld bitten zu helfen, da es von außen gesehen keinen unterschied macht. (es sei denn ich würde jemanden bitten BEWUSST zu registrieren, ob ich überhaupt auf irgendwas reagiere und wie schnell er mich ins geschehen zurückholen kann. aber das geht mir irgendwie zu weit). momentan handabe ich es so: (mal wieder ausführlich erklärt, damit hoffentlich auch deutlich wird, was ich sagen will. denn gerade bei diesem thema muss man sich schon sehr genau beobachten und in sich hineinhorchen, um da unterschiede zu bemerken. dann aber gibt es sie, meiner meinung nach, zumindest bei mir. dazu gibt es gewisse unterschiede im vergleich zu vor psychotherapie und jetzt.)

    wichtig: registrieren, dass man "weg" war. spätestens wenn man merkt, dass man gerade irgendetwas verpasst haben muss, ist das klar. *g* was ich damit meine ist, sich und seine wahrnehmung zu beobachten. ich befinde mich in einer szene und "plötzlich" hat sich daran etwas (vielleicht auch nur ein detail) verändert und ich habe den vorgang dieser veränderung nicht mitbekommen. -> "aha, dann war ich wohl "weg"." wie gesagt, oft sind es ja auch nur details. aber um mal ein eindeutiges beispiel zu liefern: ich sitzte im cafe und plötzlich steht vor mir ein milchkaffee und ich weiß gar nicht, wie er dahin gekommen ist. und dieses abdriften selber zu merken, wenn es nicht so offensichtlich ist, wie bei dem kaffee, sondern nur anhand von kleinigkeiten bemerkt werden kann. das ist die kunst. das geht natürlich nicht andauernd, aber wenn man es scih mal für eine weile (z.b zwei wochen) zur aufgabe macht, auf solche kleinigkeiten zu achten und sich ständig auf solche signale zu beobachten, dann kann man es mitbekommen und merkt erstmal, wie oft man eigentlich auch mal nur kurze zeit abdriftet. (erschreckend!) das macht dann die analyse deutlich leichter, weil man in genau dem moment reflektieren kann und sich damit nicht rückwirkend abmühen muss, wo das vergessen bereits zugeschlagen hat. (nach einer woche weiß ich auch nicht mehr, woran ich beim abdriften in einer konkreten situation gedacht habe. vor allem, da das in der regel unwichtiges zeug ist)

    träumerei: meine gedanken fliegen wohin auch immer, dabei regestriere ich aber schon noch wo ich mich befinde und dass um mich herum irgendetwas geschieht. meine aufmerksamkeit liegt zwar nicht beim geschehen, so dass ich nicht alles mitbekomme, WAS geschieht. aber DAS etwas um mich herum geschieht, dass registriere ich unterschwellig schon noch. es sei denn, ich träume mich bewusst und absichtlich aus dem ganzen heraus. war das träumen unabsichtlich, muss ich mich bei der "rückkehr" nicht neu ordnen und orientieren. denn ich wusste während dessen ja irgendwie wo ich eigentlich bin, war aber gedanklich mit anderem beschäftigt. in vorlesungen schlafe ich ob der träumerei manchmal kurz ein. dabei spüre ich aber dieses gewisse, schwer zu beschreibende gefühl, wenn man so in den schlaf rüberdämmert. wenn ich daraus oder aus meinen gedanken erwache, weiß ich aber SOFORT dass ich in der uni bin und in welcher vorlesung ich sitze. auch in anderem kontext weiß ich sofort, wo ich eigentlich bin.
    übt etwas einen starken reiz aus, kehre ich zurück ins geschehen. spricht mich jemand direkt an, bin ich sofort wieder da. (es kann sogar passieren, dass ich auf eine gestellte frage adäquat reagiere und mir daraufhin erst klar wird, was ich gefragt wurde.)....
    stelle ich fest, ich war gerade "weg", frage ich mich, woran ich gerade gedacht habe/wo ich mit meinen gedanken war. dazu fällt mir dann auch was ein. frage ich mich, was in der zeit um mich herum passiert ist, fällt mir oft auch dazu irgendetwas ein. (je nachdem, wie weit bzw. tief ich weggeträumt war)
    beim autofahren drehen meine gedanken auch so ihre runden. ich habe deshalb aber noch nie eine autobahnabfahrt o.ä. verpasst. besonders in der uni träume ich oft wirklich seeehr weit weg und bekomme gar nix von der vorlesung mit. wenn ich wieder "zu mir komme" und mich frage, wo ich war, habe ich darauf auch eine antwort. (beispiel:"aha, ich sitze in der uni. ups, mir fehlen letzten 15 minuten. wo war ich denn? -> blub blub -> mensch, mel, schon wieder nur grütze im kopf. du bist in der uni. konzentrier dich!")

    fazit: -fällt mein name, holt mich das oft zurück. wenn nicht, direkte ansprache holt mich auf jeden fall und umgehend zurück - so oder so: beim erwachen weiß ich sofort wo ich bin - wo war ich? irgendeine antwort dazu spuckt mein gehirn immer aus (wenn ich dem sofort und nicht zehn minuten später nachgehe. die zeit hat man dann auch noch, wenn man eh schon was verpasst hat) - was ist in der zeit um mich herum geschehen? manchmal hab ich davon trotzdem noch irgendetwas mitbekommen - stimmung/gefühl: ärger über meine unkonzentriertheit, amüsiert darüber, mit was ich mich so alles beschäftige o.ä.


    dissoziation: ich bekomme mit, dass ich "weg" war. dieser moment des "aha, ich war weg", geht einher mit einem "hä? wo bin ich?" das ist nur für den bruchteil einer sekunde. ich bin dann auch direkt wieder orientiert und befinde mich (mit einer einzigen ausnahme) auch nicht an einem anderen ort als vorher. dennoch ist da für diese viertel sekunde dieses sich orientieren notwendig.
    frage ich mich, wo ich war. ???? nix. gähnende leere in meinem oberstübchen.(was sonst NIE der fall ist, irgendeine grütze denke ich IMMER) selbst wenn ich mir mühe gebe und versuche zu rekonstruieren womit ich denn gedanklich wohl beschäftigt gewesen sein könnte. nix. ich war einfach nur weg. frage ich mich, was in der zeit wohl um mich herum geschehen ist, ob ich nicht doch irgendetwas von dem, was jemand gesagt hat trotzdem aufgeschnappt habe? nix. ich war komplett weg. habe absolut gar nix mitbekommen und habe absolut keine ahnung, wo ich, wenn auch nur mit den gedanken, gewesen sein könnte. nein, ich habe noch nicht einmal überhaupt etwas gedacht. (was ich unter anderen umständen begrüßen würde)
    darüber hinaus reicht das ledigliche aussprechen meines namens nicht und auch direkte ansprache nicht zwangsläufig, um "zu erwachen". da kann es schon mal sein, dass jemand mich mehrfach ansprechen muss, bis ich reagiere. (das merkt man ja auch an dem verhalten der anderen, ob sie einen jetzt schon mehrfach angesprochen haben und ob der fehlenden reaktion schon leicht genervt sind) beim träumen reicht einmalige ansprache, sofern sie direkt ist. erst recht, wenn sie mit einer berührung verbunden ist. da kommt dann auch umgehend wenigstens irgendeine reaktion von mir. jedenfalls habe ich da noch keine entgeisterten blicke o.ä. wahrgenommen, was darauf schließen ließe, dass man mich mehrmals ansprechen musste. beim dissoziieren ist, selbst wenn einmalige ansprache ausreichend für die rückkehr ist, meine reaktion durch dieses "hä?" in mir entsprechend etwas verzögert. das merke ich selbst.
    dazu kommt so ein gefühl von.....keine ahnung, welche worte da passen.....so ein "bä"....irgendwie eine schwere oder so in mir....ein was passiert denn hier mit mir....oder irgendwie sowas. jedenfalls keine erboßtheit über meine unkonzentriertheit. mehr sowas wie verzweiflung, unbehagen, aus der situation raus wollen. (aber nicht, weil sie langweilig ist)
    die situation ist der nächste unterschied zum träumen. gedankenabwesend bin ich halt oft. sowieso, wenn es langweilig ist. ha, das ist es. das träumen ein mit den gedanken woanders hinfliegen oder ist eine gedankenversunkenheit (je nachdem), kein komplettes wegbeamen wegen unerträglichkeit. das unterscheidet die situation: alltäglich, langweilig und vergleichbares versus unerträglich. ich dissoziiere dann, wenn die situation mir aus irgendeinem grund massives unbehagen bereitet und ich eigentlich weg will, aber nicht kann oder es nicht schnell genug merke um entsprechend zu handeln.....wenn ich beim "erwachen" aber reflektiere, was los ist, merke ich schon, dass vorher irgendetwas war, wodurch ich mich bedrängt gefühlt habe, oder die situation in ihrer gesamtheit eigentlich ein "hau ab"- gefühl erzeugt hat, ....oder vergleichbares. ein mal passierte es mir, da hat mich die situation auch einfach nur so derart genervt, mich derart aggressiv gemacht,(in einer mir bis dato unbekannten intensität) dass ich dachte "oh gott, noch eine sekunde und ich dreh durch", entziehen konnte ich mich nicht in der nötigen geschwindigkeit, da war es schon passiert. schwups, weggebeamt. darüber war ich im nachhinein selbst echt erschrocken.


    darüber hinaus habe ich gemerkt, dass die reaktion der anderen sich verändert hat, seit ich nur noch selten dissoziiere. wie sie in einer phase, wo mir selbst überhaupt erst klar wurde, dass ich dissoziiere weil es oft passierte wieder anders reagiert haben, als früher und jetzt. ich weiß nicht, ob es der gesichtsausdruck ist, oder was sonst. ich stehe ja auch nicht jedem so nah, dass ich ihn dazu weiter befragen möchte. aber an irgendetwas merken die anderen den unterschied auch, ohne dass sie es wissen. man merkt es aber anhand ihrer reaktion. entweder haben sie gar nicht mitbekommen, dass ich geträumt habe, oder ihnen ist völlig klar, dass ich eben einfach gedankenversunken war. das zeigen die kommentare der leute. ein freundliches "na, haste geträumt?". der gegensatz dazu ist ein "wo warst du denn?!" mit etwas wie entsetzten im gesicht. die reaktionen sind wirklich so unterschiedlich, als wenn die an irgendetwas merken, ob ich gedankenversunken in MIR bin, oder da einfach nur noch meine hülle sitzt und mein ICH weg ist.
    so in etwa wurde es mir mal von einer person bestätigt, ohne dass sie es wusste. das war eine selbsterfahrungsübung zu....na egal, wozu.....davon wurden mehrere durchläufe gemacht. man sollte selbst spüren und hat dann vom übungspartner feedback bekommen, wie er einen erlebt hat. im für dieses thema entscheidenden durchlauf, und nur in dem, bekam ich das feedback:"das war ganz merkwürdig. das war, als wärst du überhaupt nicht mehr da. als stünde da ein leerer körper." was da in ihr diesen korrekten eindruck erzeugt hat, konnte sie mir leider nicht sagen...

    auch habe ich inzwischen allgemein von bestimmten leuten das feedback bekommen, dass ich nicht mehr so verträumt, verpeilt, abwesend, trantütig bin, wie früher. (mit früher ist die zeit vor der psychotherapie gemeint). obwohl ich genau so langsam bin, obwohl ich genauso oft das mache, was ich als träumen bezeichne.


    die phase, in der mir überhaupt erst klar wurde, dass ich tatsächlich dissoziiere (vorher hab ich mich auch immer gefragt, was nun, bin ich verträumt oder dissoziiere ich? woher soll ich das wissen?), war eine, in der ich mich notgedrungen mit dem thema, welches ursächlich dafür ist, intensiv auseinandersetzte. flashbacks hatte.(bis mir klar wurde, dass das flashbacks sind, hat es auch etwas gedauert. ich habe auch in erwägung gezogen verrückt zu werden, wofür mein therapeut aber keine anzeichen sah. gott sei dank ist er, wie er ist. jeder andere hätte mich ratz fatz in die klinik gesteckt und mit psychopharmaka vollgepumpt) entsprechend war meine verfassung, entsprechend instabil war ich. da häuften sich plötzlich begebenheiten, wo ich selbst gemerkt habe, dass es irgendeinen unterschied zur üblichen träumerei gibt (aber welchen?). wo mich mehrmals unterschiedliche leute aus unterschiedlichen umfeldern (uni vs.privat) fragten, ob ich denn auch zu diesem oder jenem treffen käme und ich absolut keinen schimmer hatte, wovon die reden. sie waren aber alle unabhängig voneinander überzeugt, dass ich anwesend war, als der termin abgesprochen wurde. wenn einem das in kurzer zeit mehrmals passiert, kann man sich schon fragen, woran das liegt. auch oben genannte situation, wo ich so ungeahnte aggressionen spürte, war in der zeit. zu guter letzt, bin ich von a auf dem heimweg gewesen. und wunderte mich auf einmal, wo ich bin. ich hatte die autobahnabfahrt offenkundig verpasst. konnte mich auch noch erinnern, dass ich von a losgefahren bin und rauf auf die autobahn. aber an die vielen kilometer, die ich seither zurückgelegt hatte? nix. die waren weg....auf einer geburtstagsfeier war ich, als ich selbst merkte, dass ich "wie früher" mich gerade komplett weggebeamt hatte. und für mich auch ganz offensichtlich war, warum. was der auslöser war. die anderen mich fragten, ob alles in ordnung sei. ich sei so merkwürdig abwesend "wie früher"......ja,ja- wie früher. seit das thema zumindest im moment so weit durch ist, dass ich stabil bin und bleibe, wenn ich es mir ansehe, gab es solche vorkommnisse nicht mehr. ich achte darauf, zu merken, wenn mir eine situation ein gewisses maß, eine bestimmte art von unbehagen bereitet und mich entsprechend zu entziehen. seitdem sind es wieder die üblichen träumereien. oder zumindest das, was ich für nur träumerei halte und auch von anderen nicht so merkwürdige reaktionen darauf bekomme.
    Geändert von mel. (23.09.2012 um 22:17 Uhr)

  3. #873
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 399

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegenpilz schreibt:
    Genau das ist auch mein Problem.
    ich bin tief gerührt von deinen beiträgen zur kindheit du hast meine gefühle ins schwingen gebracht. und vieles ausgesprochen, was ich noch nicht kann ... danke dafür ... du machst mir mut. die arbeit mit dem inneren kind konnte ich auch nur begrenzt annehmen. leider kann ich auch nur sehr begrenzt lesen und schreiben ... es strengt mich zu sehr an (seit meinenm letzten zusammenbruch). seit dem schweige ich ... ich bin blockiert, wenn es um mich geht ... und bezahle mit schmerzen.

    Ich möchte daher meine Kindheit mir nicht rückwirkend "schön machen". Denn meine Kindheit war nicht schön. Ich möchte endlich sagen dürfen, dass meine Kindheit alles andere als schön war. Ich möchte mir selber gegenüber das auch eingestehen dürfen. Ich möchte mich selber nicht mehr länger verleugnen müssen.
    ... das geht mir genau so.

    Ich möchte auch keine Mutter für meine inneren Kinder sein. Ich kann ihnen nicht das geben, was ihnen in der Kindheit nicht gegeben wurde. Denn mir fehlt das ja auch.
    ... den weg gehe ich auch.

    Ich möchte Verantwortung für mein Leben übernehmen, aber nicht die Verantwortung für meine inneren Kinder.
    ich habe den standpunkt immer verteidigt und andere meinten es täte mir nicht gut .... ich solle versuchen die Verantwortung für das Kind zu übernehmen.

    In dem Buch Vergiftete Kindheit wird das Gegenteil gemacht. Dort heißt es, dass man die Verantwortung für die vergangenen Erlebnisse dorthin verlagern soll, wo sie hingehört: Zu den Eltern.
    ja, das finde ich gut, das fühlt sich für mich gut und richtig an! denn ich bin nur das kind - punkt. das buch kenne ich nicht, leider ist es mir zur zeit nicht möglich es zu lesen ...

    meine reisen in die vergangenheit sind ticker /stromschläge kartons die aufspringen ... ohne zu schauen, was genau darin ist versuche ich sie zu schließen ganz liebevoll und achtsam und stelle sie wieder ins regal zu den anderen kartons mit schweren erlebnissen ... sie haben einen platz ... aber sie bekommen nicht die aufmerksamkeit, die sie haben möchten ... so mehr kartons angetiggert werden und ich liebevoll schließe, desto größer werden meine schmerzen und die erschöpfung ...

    Mittlerweile ist es so, dass ich gedanklich beim Gehen eine Tür zumache. So als ob ich Schritt für Schritt die Vergangenheit hinter mir lasse.
    du machst mir mut ... vielleicht kann ich eines tages in die kartons schauen und sie schließen ohne das sie von alleine wieder aufspringen, ohne das ich schmerzen habe.

    eine kleine hummel für dich
    glg lichtstrahl
    Miniaturansicht angehängter Grafiken Miniaturansicht angehängter Grafiken danke .JPG‎  

  4. #874
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 399

    AW: ADHS und Dissoziation

    @ mel
    ich hab mich auch noch nciht durch den ganzen thread gelesen. gelingt mir nur in etappen.
    es geht mir genau so! leider schaffe ich es nicht deinen text zu lesen ... ich werde es nachholen ...
    und auch viele andere beiträge. lg lichtstrahl

  5. #875
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.439

    AW: ADHS und Dissoziation

    hallo lichtstrahl,

    ist ja lieb von dir. vielleicht ist es sogar besser, meinen text nicht zu lesen, ich weiß es nicht. um für mich diese unterscheidungen und diesen umgang zu finden, war es ja auch ein prozess, der nicht von heute auf morgen stattgefunden hat. der war natürlich hart, ich bin darüber oft verzeifelt und habe mir gewünscht, dass da jemand ne lösung für mich parat hätte. doch selbst, hätte es das gegeben, hätte ich das zu beginn wahrscheinlich gar nicht annehmen können. so, wie man stück für stück nur in diese tiefen gerissen werden kann, eine erkenntnis voraussetzung für die nächste ist, muss man wohl auch stück für stück seinen eigenen weg wieder raus finden. der ist dann wenigstens einigermaßen gefestigt.




    man sieht es ja an der diskussion zu den inneren kindern. da werden wege vorgegeben, die gar nicht zu einem passen oder einfach nicht umsetzen kann. derlei anregungen habe ich mir natürlich auch geholt und wieder verworfen, als ich merkte, dass ich es eben nicht kann. was soll ich mich abmühen in kontakt zu meinem inneren kind zu gelangen? wenn es nicht geht, fehlt offenbar noch ein anderer baustein, den ich davor erstmal finden muss oder mein weg ist ein komplett anderer. ein prozess eben, der seine zeit braucht und noch immer anhält. die zeiten wo ich versuche ihn zu beschleunigen und das auch noch möglichst schmerzfrei, sind vorbei.


    ich hab übrigens auch mit der stirn gerunzelt, als ich von euch las, ihr sollt verantwortung für eure inneren kinder übernehmen. allein das SOLLEN stört mich da bereits und mit der verantwortung kann ich, wie ihr, auch nix anfangen. glücklicherweise bin ich auf die verantwortung noch nie gestoßen und hat auch von meinen therapeuten keiner dieses wort in den mund genommen. da war immer nur die rede von kontakt und ihm zu geben, was es gerade braucht....(beeltern war etwas, was ich den zusammenhang oft gelesen hab. aber auch damit kann ich nix anfangen. ich bin nun einmal nicht meine eltern. aber gerne IRGENDJEMAND der diesem mädchen IRGENDWAS gibt. was das irgendwas ist, soll sie mir sagen) im übrigen habe ich den kontakt zu meinem inneren kind inzwischen gefunden. in einem moment, als das für mich längst kein thema mehr war und erstmal selbst im hier und jetzt genau das bekam, was ich in diesem bestimmten moment gerade brauchte. ich musste erstmal hineinspüren und wissen, was ich eigentlich gerade brauche (!), das sagen (!) und bekam dann auch genau das. (aus dem erkennen was ich brauche wurde nicht der nächste kummer mangels erfüllung, ich musste mich nicht erklären, ich hab einfach bekommen und es angenommen) und plupp, da war er auf einmal da, der kontakt. ganz unvermittelt. und siehe da, genau das war es auch, was dieses mädchen in mir damals gebraucht hätte und konnte direkt so auch an sie weitergegeben werden. und wisst ihr was? nach einer anstrengenden und schmerzhaften sitzung bin ich nicht ausgemergelt, heulend und verzweifelt nach hause gefahren, sondern gestärkt und mit einem lächeln. so hat sich inzwischen auch meine meinung gegenüber von den krankenkassen nicht anerkannter therapieformen geändert. methoden, die erstmal merkwürdig anmuten, können sehr effektiv und heilsam sein.
    Geändert von mel. (24.09.2012 um 21:46 Uhr)

  6. #876
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    hi!

    Ich hab irgendwie ein Riesenproblem mit dem Erinnern.

    Da ich unter den Lesern und Leserinnen dieses Threads am ehesten Leute vermute, denen es ähnlich gehen könnte, frage ich mal hier nach... äh ja.

    Ich kann Erinnerungen nicht so abrufen, wie ich will. Nach Tagen geht es sowieso nicht, eher nach Orten. Dann habe ich aber oft den Prototyp einer Erinnerung, wie ich dort war, statt mehreren. Das macht mich verzweifelt, denn ich will nicht, dass meine Erinnerungen weg sind.

    Generell will ich mir so viel wie möglich merken von allem.

    Wenn ich mich zB an ein Ereignis erinnere, wie, wie ich auf einem Basar in meiner alten Grundschule war, dann schießen mit Situationen durch den Kopf, die da stattgefunden haben. Ich sehe das Draußen und das Drinnen in einem ZImmer, wie ich eine Waffel esse (noch drinnen), wie ich sie bezahle, dan kurz im Gang, das war auch irgendwo.
    Kurz
    -Es hat keine zeitliche Reihenfolge, auch wenn mir die irgendwie schon bewusst ist, aber auch nur weil ich es zufällt in dem Fall weiß
    - DIe Situationen kommen alle aufeinmal und Überlagern sich irgendwie, während ich sie abrufe. Sie überschreiben sich, und das ist teilweise das Schlimme, je öfter ich sie abrufe, irgendwann ist da nurnoch Kuddlmuddlsalat. Wenigstens in meiner Vorstellung. Wenn ich JETZT zB wieder an den Basar denke, fehlen mir EIndrücke, die vor ein paar Sekunden noch da waren. Waffel Essen, durch den Gang gehen, gerade eben hatte ich doch noch mehr Gefühle dazu, denke cih, aber vielleicht ist es auch EInbildung
    - Was ich erinnere wird von mal zu mal weniger ist oft meine Befürchtung. Wenn ich zum Beispiel ein Lied mit einem bestimmten Gefühl aus einer SItuation verbinde, dann erinnere ich mich beim Hören des Liedes immer weniger an die Situation, je öfter ich das Lied höre. Deshalb schone ich mich manche Lieder oder filme sehr lange auf, bis ich sie gucke.

    Mir bereitet das sehr viel Kummer, bzw. es ist kompliziert und ja, leidvoll einfach.
    Dann ist es oft so, dass mir in bestimmten Wetterlagen oder einfach so, SItuationen vor dem inneren AUge vorbeiziehen. Es sind oft die gleichen. Ich muss auch oft an Orte denken, in denen mir Sachen fehlen, also richtig viele und cih weiß, da gab es schlimme Streitereien oder sowas. Dann sind die Erinnerungen umso süßer an die Zeiten ohne Streit und cih muss immer öfter an sie denken und nehme eine wahnsinnig breit gefächerte Palette mit Gefühlsqualitäten dazu wahr, wie ich sie eben empfunden habe. Sie haben etwas Märchenhaftes und Mythisches dann.
    Das ist schonmal ein Problem.

    Mit Situationen, die in meinem normalen Alltag waren und die mir vor AUgen sind, wo also nichts so Schlimmes war, da bin ich mir recht sicher in diesen Fällen, bzw. vieleicht viel ein bisschen Schlimmes, ist es so, dass ich mich auch nicht erinnern will. Ich weiß nicht automatisch, wann das war und so generell hab ich das Gefühl, dass Qualitäten der Erinnerung sich löschen und sie dann immer stumpfer wird, wenn ich daran denke. Ich habe große Angst vor dieser "Grenze der Erinnerung", wenn ich dem Drang nachgebe und mich auf das Gefühl einstelle, das so sanft zu tragen mich verspricht, dann ist es doch gleichzeitig einseitig und eben stumpf, also hat eine ganz klare Grenze, was ich von dem Moment nicht erinnern kann und das Nachfühlen dessen, was ich Erinnern kann ist dann in keinster Weise befriedigend oder eben nur vortäuschend befriedigend, denn Sehnsucht habe ich ja schon. Ich werde quasi angelockt, um wieder gegen eine Wand zu stoßen, oder auch nicht, ich hab Angst, mich darauf einzulassen wegen dieses Löschens und weil dieses Nicht-Weiterkommen so schlimm ist.

    Es ist auch so, dass ich zu meinen Erinnerungen in der letzten Zeit, ich nehme stark an, dadurch, dass ich viel emoflex anwende (da ist hier auch eine Gruppe), vielschichtiger sind und ich von den Momenten teilweise überhaupt meine Gefühle, teilweise mehr Gefühle empfinde. Das sieht dann so aus, dass ich sehe, was ich damals gesehen ahbe, genau wie sonst, dass ich aber noch eine Spur mit Formen, die meine Gefühle sind, dazusehe und damit auch viel mehr von dem Moment wahrnehmen kann, also er realer ist, weil ich ja meine realen Momente wahrnehme.
    EIn Stück weit ist es sogar so, fortschrittlicherweise, dass ich auch unschöne Momente erinnere und damit meine Gedanken, dass früher alles schöner war, in Frage stellen kann, aber nur ein Stück weit. Das gibt mir aber Hoffnung.
    Nun ist es so, dass ich mich wegen dieser ganzen Dinge überhaupt nicht traue, mich zu erinnern.
    Also egal, was es ist, ich blocke die Erinnerung sofort ab oder lasse sie nur begrenzt an mich herankommen. Ich möchte nicht voll und ganz in ihr schwimmen wie ein Fettauge auf der Suppe und dabei merken, wie begrenzt sie ist oder wie sie immer weniger wird, je mehr ich sie aufrauche.
    Dann ist es auch so, wenn ich zum Beispiel an einen schönen Urlaub denke, dass ich Angst habe, dass die Eindrücke weg gehen und dass ich alles romantisiere, wenn es jetzt vor kurzem war.
    Ich habe auch Angst, dass alles aufeinmal kommt. Ich denke an den Weg zu dem Ferienhaus und dann kommen mir zig EIndrücke von dem Weg in den SInn, jedoch heben sie sich, während ich daran denke, gegenseitig auf, um einen Prototyp zu bilden, davor habe ich Angst, dass ich die einzelnen male, wie ich den Weg gegangen bin, nicht erinnern kann und beim Versuch nur wieder an diese Mauer stoße.
    Ich habe deshalb ein ganz praktisches Problem, wenn ich zB mir Urlaubsfotos angucken will, inwieweit kann oder darf ich das eigentlich.
    Das Gefühl, nicht gant dort zu sein, so wie ich mich erinnern will und nur darauf reinzufallen, ist auch schlimm.

    Ich weiß, das hat viel mit Dissoziation zu tun, deshalb schreibe ich das hier und frage, ob es Leute gibt, denen es ähnlich geht (zugegebenerweise, was ich schreibe ist wir), ich kenne bisher keinen.
    Und dann: Sind diese Ängste berechtigt? Kann ich wirklich verformen und auslöschen oder wie soll ich damit umgehen? GIbt es da einen Plan, sonst mache ich mich mit dem emoflex auf den Weg aber es wird mühsam und ich will nicht, dass mir etwas verloren geht... Naja.
    Genug fürs erste,.
    Es ist aber ein Hammerproblem über das ich nachdenke, seit ich fünf bin oder so, das mich echt jeden Tag irgendwie aufwühlt, na fast jeden Tag aber- ja.

  7. #877
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    schnuppe schreibt:
    Ich hab irgendwie ein Riesenproblem mit dem Erinnern.
    ...
    Ich kann Erinnerungen nicht so abrufen, wie ich will. Nach Tagen geht es sowieso nicht, eher nach Orten. Dann habe ich aber oft den Prototyp einer Erinnerung, wie ich dort war, statt mehreren. Das macht mich verzweifelt, denn ich will nicht, dass meine Erinnerungen weg sind.
    ...
    -Es hat keine zeitliche Reihenfolge, auch wenn mir die irgendwie schon bewusst ist, aber auch nur weil ich es zufällt in dem Fall weiß
    - DIe Situationen kommen alle aufeinmal und Überlagern sich irgendwie, während ich sie abrufe. Sie überschreiben sich, und das ist teilweise das Schlimme, je öfter ich sie abrufe, irgendwann ist da nurnoch Kuddlmuddlsalat.
    Ich finde diese Beschreibung sehr interessant, nicht nur, weil sie sich mit meinen deckt, sondern auch, weil sie sehr gut in Barkleys Modelle passt und sich somit, ebenfalls sehr gut, auf ADS adaptieren lässt.

    Barkley beschreibt ja sehr schön die einzelnen exekutiven Funktionen, welche bekanntermaßen bei uns ADS'lern ziemliche Schwachpunkte sind.
    Dies sind (ich behalte sie im englischen, Übersetzen würde mir jetzt schwer fallen, weil ich englische Texte auch in englisch erinnere und in englisch denke, ich kann nicht simultan im Kopf übersetzen ...):

    1) Inhibition, also die Fähigkeit zu unterbrechen

    2) Visual Imagery, also die Fähigkeit Erinnerungen in Form von Bildern zu speichern und abzurufen, so wie ein DVD-Player, über den man bestimmte Szenen immer und immer wieder abrufen und erneut ansehen kann.

    3) Internal Speech, also die Fähigkeit mit einer Art "inneren Stimme/ inneren Sprache" mit sich selbst zu Diskutieren und sich selbst Anweisungen zu geben

    4) Managing Emotions, also die Fähigkeit, Gefühle zu kontrollieren und ggf. zu unterdrücken, wenn dies angemessen und angebracht ist.

    5) Problem solving/ act on impulse, not resist distraction, less able to think back what you doing, also die Fähigkeit, auf ein höheres, weiter in der Zukunft liegendes Problem hin zu planen und Tätigkeiten daraufhin zu koordinieren, während wir stattdessen impulsiv aus dem Moment heraus agieren und Störungen nicht unterdrücken können und nicht in die Vergangehneit schauen können, um zu planen, was für die Zukunft richtig wäre.

    Das Zweite ist das, was hier zum Tragen kommt:
    Die Fähigkeit visuelle Erinnerungen abzurufen.

    Unser DVD-Player hat eine Macke.
    Wir bekommen nur Bruchstücke und ein Inhalts- (oder besser: Kapitel-) verzeichnis gibts schon mal gar nicht.
    Wir suchen in einem Fass voller Erinnerungen, in einem Heringsschwarm und wir bekommen nur Teilstücke, die wir vor allem zeitlich nicht zuordnen können.
    Ich kann z. B. als einzige zeitliche Zuordnung zur Vergangenheit nur sagen, dass ich von 85 bis 89 bei der Bundesmarine war, alles andere muss ich versuchen irgendwie in die Zeit davor oder danach zuzuordnen und wenn es dann präziser werden soll, habe ich ganz schnell eine Arschkarte.

    Interessanterweise dürfte das in vielen Fällen dazu führen, dass wir PTBS-Diagnosen bekommen, denn solch lückenhafte Erinnerungen sind dort ebenfalls ein deutliches Symptom.

    Allerdings glaube ich, dass es doch einige, auch recht deutliche, Unterschiede gibt.

    Der traumatisierte Patient wird wohl kaum die gleichen Probleme mit in die Zukunft gerichtetem Denken und Planen haben, wie der ADS'ler.
    Auch sind die Erinnerungsfragmente des ADS'lers meiner Meinung nach anders.
    Wir haben damit keine Probleme, sie auszuhalten, sie sind nicht "nebelhaft, unheimlich oder unwirklich".
    Es sind normale Erinnerungen, nur können wir sie nicht komplett in einem zeitlich korrekten Zusammenhang wiedergeben/ abspielen, sondern unser Player hat eine Macke und springt von einer Stelle zur anderen und dann wieder zurück und ab zur nächsten.

    Das entspricht zumindest genau den Beschreibungen von Barkley und ich für meine Person kann das genau so bestätigen.

    Es müssen also nicht zwangsweise Hinweise auf Dissoziationen sein.
    Es kann auch sein, dass wir hier ganz typische Merkmale einer ADS haben, die selbige sogar eher bestätigt.

    Anders wäre es, wenn uns die Erinnerungen Angst machen würden, sie unheimlich wirken, sie tonlos sind, wir versuchen würden, sie auf Biegen und Brechen zu vermeiden und damit in Dissoziationen verfallen.

    Zumindest würde ich das im Moment mal so als Diskussionspunkt in den Raum stellen.

    Der Haken dabei ist natürlich, dass es eben auch möglich ist, aufgrund von Tausenden Minitraumata sowohl die ADS- typischen Lücken, als auch die dissoziativen und traumabedingten Erinnerungsbruchstücke zu haben.

    Da wären wir dann wieder bei: Man kann auch Flöhe und Läuse haben ... und einen Wespenstich obendrauf...

    Ich glaube die Kunst wird sein, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

    Was ist eine durch den defekten inneren DVD-Player verursachte chaotische Erinnerung, was stammt von Traumatischen Erlebnissen oder Dissos?

    Unglaublich spannend und nicht minder schwer ...

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  8. #878
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: ADHS und Dissoziation

    Schnuppe, für mich hört sich das, so wie Fliegerlein es beschrieben hat, teilweise eher nach ADHSbedingten Erinnerungs- und Abrufschwierigkeiten an.

    Den Unterschied Disso vs. ADHS bedingte Erinnerungsschwierigkeiten stelle ich mir so vor:

    Der Erinnerngsspeicher im Gehirn ist eine riesengroße Fabrikhalle. Normale Menschen ordnen ihre Sachen dort in einer bestimmten Ordnung. Alphabetisch, nach Größe, sie benutzten Kisten und beschriften alles. Und dann tragen sie alles in einen Plan ein, damit sie ihre Erinnerungen wiederfinden.
    Die ADHS Halle ist eine einzige Katastrophe. Da ist nix einsortiert, alles wird irgendwo rein geschmissen. Kein System, keine Ordnung. Manche Regale sind total überfüllt und brechen zusammen, andere sind leer. Man stolpert, wenn man was sucht und nur selten findet man das, was man sucht. Und der ADHSler sucht in der Halle genauso wie er in seiner Wohnung nach was sucht: hektisch, planlos, er fasst alles an, was im Weg liegt und lässt sich leicht von umherliegenden Dingen ablenken.


    (Kleine Anmerkung: In meiner Therapie wurde ich am Anfang der Stunde immer gefragt, was denn seit der letzten Sitzung passiert ist. Diese Frage ist echt schwer für mich, weil mir dann entweder nix einfällt oder eben tausend Kleinkram Dinge, die aber allesamt unwichtig sind für die Therapie. Im letzten Urlaub habe ich z.B. einen Sportkurs gemacht, der mir sehr gefallen hat. Wenn man mich nach meinem Urlaub fragt, dann wäre die Antwort mit dem Sportkurs sinnvoll. Aber ich sage dann solche Sachen wie, dass ich jeden Tag zum Frühstück Nutellabrot gegessen habe. Das ist das erste, was mir in den Kopf kommt und das wird dann ausgesprochen.)


    Die Erinnerungen sind die Dinge, die wir in die Fabrikhalle einsortieren. Die Halle ist eingeteilt in verschiedene Kategorien. Da gibt es einen Teil für alle Erinnerungen, die mit Liebe zu tun haben, einen Teil für Enttäuschungen/Verletzungen, etc.

    Und dann gibt es noch einen abgeschlossenen Safe. Da sind die Dissos drin. Der Safe ist stellenweise durchsichtig, d.h. man kann manche Erinnerungen sehen, aber man fühlt nicht das dazugehörige Gefühl, weil man die Erinnerungen nicht anfassen kann. Man kann die nicht aus dem Safe rausholen und komplett sehen, fühlen, hören...
    Manche dieser Dissos sind in kleinen Einzelsafes versteckt und die sind quasi schwerelos und schweben in der Erinnerungshalle herum und treiben dort ihr Unwesen. Sie sind überall und nirgendwo.

    So wie ich das verstanden habe, ändern Emoflex und auch andere Traumatherapiemethoden nicht die Erinnerungen direkt. Die Erinnerungen werden nur aus dem Safe geholt und in ein Regal gestellt, damit sie nicht mehr einfach herumschweben, sondern fest verankert sind und damit man sie anfassen und fühlen kann, wenn man das möchte.
    Man kann auch den Standort der Erinnerung verschieben. Z.B. stellt man Erinnerungen in Regale, die weiter hinten stehen. Liebeskummer z.B. steht anfangs ganz vorne in der Halle und so nach und nach wandert er nach hinten. Genauso ist es mit anderen Erinnerungen und den dazugehörigen Gefühlen.
    Bei ADHSlern ist das natürlich auch etwas chaotisch und so stehen manchmal vergangene Dinge ganz vorne, die eigentlich nach hinten gehören. Das liegt dann aber nicht an den Erinnerungen, sondern an der Halle selber, die einfach nicht so solide und durchdacht gebaut ist wie bei "normalen" Menschen.

    So stelle ich mir das ganz laienhaft vor.

  9. #879
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegenpilz schreibt:
    Der Erinnerngsspeicher im Gehirn ist eine riesengroße Fabrikhalle. Normale Menschen ordnen ihre Sachen dort in einer bestimmten Ordnung. Alphabetisch, nach Größe, sie benutzten Kisten und beschriften alles. Und dann tragen sie alles in einen Plan ein, damit sie ihre Erinnerungen wiederfinden.
    Die ADHS Halle ist eine einzige Katastrophe. Da ist nix einsortiert, alles wird irgendwo rein geschmissen. Kein System, keine Ordnung. Manche Regale sind total überfüllt und brechen zusammen, andere sind leer. Man stolpert, wenn man was sucht und nur selten findet man das, was man sucht. Und der ADHSler sucht in der Halle genauso wie er in seiner Wohnung nach was sucht: hektisch, planlos, er fasst alles an, was im Weg liegt und lässt sich leicht von umherliegenden Dingen ablenken.
    Absolut faszinierend Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	squint.png
Hits:	76
Größe:	641 Bytes
ID:	6792Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	squint.png
Hits:	76
Größe:	641 Bytes
ID:	6792Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht

Name:	squint.png
Hits:	76
Größe:	641 Bytes
ID:	6792

    Ich benutze um das zu erklären immer das Beispiel mit einer Messiwohnung, ... aber Fabrikhalle trifft's irgendwie viel besser
    Passt mehr rein und ist mehr Platz für Chaos

    Viele Grüße
    Marcus

  10. #880
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    vielen vielen dank für eure antworten!! das ist wirklich super interessant!!

    hu, jetzt habe ich ganz viele ideen, was ich antworten will, ich schreibe morgen mal zurück, vielen dank nochmal und bis morgen!


Ähnliche Themen

  1. Dissoziation oder Ablenkbarkeit?
    Von Jazz im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 13.07.2011, 00:32

Stichworte

Thema: ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum