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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #71
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: ADHS und Dissoziation

    Jo, also die Abmischung von Motörhead, daran haben sich schon klügere Köpfchen als Martin die Gehirnzellen verglüht.

    Als alter Spezialist für alle *off topic*-Fragen will ich das Geheimnis gleich mal lüften: Das Geheimnis von Motörhead heisst Lemmy Kilmister und BASS. Die Einstellungen:

    Mitten: voll aufgedreht
    Höhen: voll abgedreht
    Bass: voll abgedreht
    Presence: dreiviertels aufgedreht
    Lautstärke: dreiviertels aufgedreht

    alles andere: voll aufgedreht:



    Link zum Video



    Der Bandname "Motörhead" ist amerikanischer Slang und bedeutet so viel wie "Amphetamin-User". Ups. Da wird doch nicht jemand eine gewisse Störung, die er hat und von der er gar nix weiß, selbst und aus dem eigenen Medizinschränkchen behandeln wollen?

    Jo, ihr merkt schon, ich schweife ab, weil ich nix Kluges zum Thread beizutragen weiß.

    Ich wollte auch nur Celine ein kleines Geschichtchen erzählen. Wir müssen davon ausgehen, dass manche ADHSler ERFOLGREICH dissoziieren.

    Also beim besten Willen nichts davon wissen und sich auch nicht als leidend fühlen, eben wegen erfolgreicher Dissoziation.

    Was meine ich damit?

    Nun, ich kenne selbst ADHSler, die sich einen (hochwertigen) Beitrag zum Thema im TV ansehen können, OHNE auch nur eine einzige Parallele zu ihrem eigenen Leben ziehen zu können.

    Ich kenne einen anderen hochgradigen ADHSler (biologisch in erster Linie mit mir verwandt), dem ich Cordula Neuhaus` Standardwerk zum Lesen gab. Er konnte sich ums Verrecken nicht vorstellen, was das mit ihm zu tun haben sollte. Und wie ich überhaupt auf solche Ideen käme.

    Das heisst es gibt Menschen die so (erfolgreich) dissoziiert sind, dass sie zwischen ihrer eigenen Situation und einer fremden, die von außen an sie herangetragen wird, keinerlei Relation mehr herstellen können.

    Es gibt gar nicht so wenig hochgradige ADHSler, wie man glauben mag, die mehr oder weniger zufällig an eine ADHS-Diagnose geraten, klassischer Fall wäre, sie landen mit ihrem irgendwie auffälligen Nachwuchs beim Kinderarzt und dieser ist der Meinung, dass die ADHS vererbt wurde, die Stein und Bein schwören nicht davon betroffen zu sein und dass der Arzt komplett übergeschnappt sein müsse.

    Ein sehr liebes Forumsmitglied von uns, hatte zwei positiv diagnostizierte Töchter. Und brauchte Jahre (!) überhaupt nur auf die Idee zu kommen, sie könnte eventuell ebenfalls davon betroffen sein.

    Sind jetzt nur einige willkürliche Beispiele. Aber ich glaub, ihr wisst, was ich damit sagen wollte.


  2. #72
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: ADHS und Dissoziation

    Ja, das ist richtig. Was du beschreibst, Eiselein, das kenne ich auch sehr gut. Bisher konnte ich absolut nicht verstehen, warum einige mit offensichtlichen AD(H)S-Symptomen diese Diagnose nicht an sich heranließen.

    Erst jetzt wird mir klar, woran das liegt.
    Wie du hier sehen kannst, trifft das auf mich nicht zu:

    Aufgrund des AD(H)S von Familienangehörigen, mehreren Bekannten und vielen Fortbildungen zu diesem Thema vor fast zwanzig Jahren, bin ich darauf gekommen, dass auch bei mir ein AD(H)S vorliegen muss.
    Ich beschäftige mich auch mit meinem AD(H)S, hinterfrage viel und stehe gerne dazu. Es ist doch keine Schande! Das sage ich den anderen auch jeden Tag.
    Mein Partner gibt seine Fehlhandlungen, im Gegensatz zu mir, nicht so gerne zu. Bestimmt sind sie ihm unangenehmer oder er wurde früher deswegen kritisiert.
    Obwohl ich mich nun schon fast zwanzig Jahre mit diesem Syndrom beschäftige, bleibt es fast jeden Tag ein Thema.
    Meine Freundin und ich sagen uns sehr oft, dass wir vermutlich schon längst in einer Klinik wären, wenn wir uns nicht kennengelernt hätten.

    Ich sehe auch ganz klar, dass meine Konzentrationsfähigkeit sehr schlecht ist. Mit Beginn der Wechseljahre hatte ich sogar Angst, an Alzheimer erkrankt zu sein.
    Impulsiv bin ich allerdings nur, wenn ich extrem gereizt werde.

    Wenn man erfolgreich dissoziieren kann, dann wäre es für denjenigen doch auch nicht so schlecht oder? Jedenfalls solange er oder andere dadurch keinen Nachteil hätten.
    Bei mir glaube ich das allerdings nicht, weil ich oft Rückmeldungen aus meiner Umgebung bekomme, die mit meiner eigenen Wahrnehmung zusammenpassen.

  3. #73
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: ADHS und Dissoziation

    Es gibt sehr viele verschiedene Arten der Dissoziation und wie hier schon so oft beschrieben, sie dient immer als Schutz. Die Frage ist, ob wir uns irgendwann nur noch schützen, vor Situationen, die so gar nicht mehr gegeben sind.... (http://adhs-chaoten.net/ads-adhs-erw...html#post69800)

    Ich habe mich die letzten Jahre sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt und hätte lange Zeit abgestritten, dass ich dissoziiere. Ich weiß nun aber, dass ich dies sehr wohl mache...

    Ein Beispiel, was sicherlich nicht klassisch ist, aber mir das Leben sehr erleichtert:
    Ich bemerke beim Autofahren die "Randgeschehnisse" nicht. Was heißt, ich sehe Dinge erst, wenn sie "sicherheitsrelevant" werden. Mir selbst wäre dies nie aufgefallen. In letzter Zeit habe ich jedoch festgestellt, dass mich meine Beifahrer auf allerlei ansprechen (das war ein toller Flitzer..., die Frau läuft ja unmöglich rum... etc.) und ich diese "Bilder" gar nicht bewusst wahrgenommen habe.

    Der Gleichen passiert mir mit Menschen, wenn ich in der Innenstadt unterwegs bin. Ich sehe die anderen nicht bewusst. Oft ist es mir schon passiert, dass mich Bekannte ansprechen und fast schon beleidigt reagieren, weil ich sie zwar ansehe, aber darüber hinwegsehe.... ich leide nicht an Geschtsblindheit (Prosopagnosie) aber vielleicht gehört sie ja auch zu den dissoziativen Phänomenen ....



    Eiselein schreibt:

    Fest scheint mir zu stehen, dass es bei ADHS sehr früh zu einer Störung der Ich-Identität kommt. Weil bestimmte Lernerfahrungen in einem wichtigen Teil der Persönlichkeitsentwicklung, demjenigen des sozialen Lernens überhaupt nicht richtig zustande kommen.
    Ja, sehe ich durchaus auch so (und nicht nur ich...)
    Zu einer gesunden Entwicklung benötigt das Kind die Spiegelung durch die Umwelt: von ihr gesehen, verstanden, ernst genommen werden ...
    Bärbel Wardetzki
    Durch die sensible Wahrnehmung des ADHS-Kindes ist das jedoch nicht einfach. Selbst bei liebevoller Umgebung und ruhigen, zugewandten Eltern kann die Wahrnehmung von Geräuschen, Gerüchen, optischen Eindrücken usw. so viel Irritation hervorrufen, dass das Kind Schwierigkeiten mit der "Bewertung" bzw. Verarbeitung hat = Alarmzustand!
    Im Alarmzustand lernen wir nicht, wir "erschrecken". So speichern sich auch die Erlebnisse und ploppen wieder hoch (Impulsivität?)

    Die Beseitigung dieser Alarmzustände (idealer Weise mit emoflex) machen ein Ver-lernen und Lernen dann erst möglich. (vrgl. http://adhs-chaoten.net/ads-adhs-erw...tml#post145191 ).

    Es ist ein Zusammenspiel von immer wieder Alarmzustände bereinigen und Neues erproben ....

    Ich finde, es klingt sehr spannend, es ist ein Abenteuer, sich selbst neu zu entdecken und auszuprobieren.... Alleine ist es sehr anstrengend, aber mit jemandem gemeinsam kann man auch in schwierigen Situationen immer wieder neuen Mut schöpfen

    LG
    Erika

  4. #74
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 124
    1411erika schreibt:
    Ich habe mich die letzten Jahre sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt und hätte lange Zeit abgestritten, dass ich dissoziiere. Ich weiß nun aber, dass ich dies sehr wohl mache...

    Ein Beispiel, was sicherlich nicht klassisch ist, aber mir das Leben sehr erleichtert:
    Ich bemerke beim Autofahren die "Randgeschehnisse" nicht. Was heißt, ich sehe Dinge erst, wenn sie "sicherheitsrelevant" werden. Mir selbst wäre dies nie aufgefallen. In letzter Zeit habe ich jedoch festgestellt, dass mich meine Beifahrer auf allerlei ansprechen (das war ein toller Flitzer..., die Frau läuft ja unmöglich rum... etc.) und ich diese "Bilder" gar nicht bewusst wahrgenommen habe.

    Der Gleichen passiert mir mit Menschen, wenn ich in der Innenstadt unterwegs bin. Ich sehe die anderen nicht bewusst. Oft ist es mir schon passiert, dass mich Bekannte ansprechen und fast schon beleidigt reagieren, weil ich sie zwar ansehe, aber darüber hinwegsehe.... ich leide nicht an Geschtsblindheit (Prosopagnosie) aber vielleicht gehört sie ja auch zu den dissoziativen Phänomenen ....
    Ist Hyperfocusierung eine Erklärung?

  5. #75
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: ADHS und Dissoziation

    Nein, das würde ich in dem Fall klar ausschließen. Für mich ist Autofahren sehr viel Routine, ich fahre sehr viel...

    Ich blende hier wirklich (unbewusst) einfach aus...

    LG
    Erika

  6. #76
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 252
    @ Erika: Du sprichst mir mit deinem Beitrag aus der Seele.
    Die Situationen die du z. B. beim Autofahren oder unter Menschen beschreibst begleiten mich mittlerweile fast ständig. Schlimm ist, dass mir das inzwischen bewusst ist, ich es aber nicht mehr unterbrechen kann.

    VG Jazz

  7. #77
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS und Dissoziation

    @alle
    merkt ihr nicht wenn ihr "zu" macht?
    ich merke es kurz bevor, wie wenn meine "gesichtsmuskeln" erschlaffen... also schwer zu beschreiben
    mir hilft es, um mich wieder "her zu holen" z.b. beim autofahren, auf die lippe zu beissen oder in einer anderen situation,
    motorisch z.b. auf stehen / oder.... z.b. in der schule früher, sich auf den stundenzeiger konzentrieren und schauen
    wie lange man die luft anhalten kann (gut man ist dan auch nicht bei der schulstoff-sache...) oder... es zu lassen (in der schule)

    wenn es auch das ist, was man unter dissoziation (derealisation?) versteht.... dank diesem therd ein neure blickwinkel.

  8. #78
    ADLer

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.384

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo,

    das ist es ja, weshalb ich diese infos hier so wertvoll finde..

    wenn ich weiss, wieso und warum..wenn es mir immer besser gelingt, mich selbst zu beobachen..

    dann bemerk ich auch die Alarmglocke..

    oder besser nehm anzeichen war..

    und kann erst mal dies noch nicht benutzen..aber mit tricks und wenn ich noch nicht weit genug *weg* bin..

    es bewusst beenden..

    und das will ich jetzt( im gegensatz zu früher, wo ich eher bewusst fliehen wollte)

    und es gelingt mir manchmal..was ja wichtig ist..beim im see schwimmen oder Autofahrn

    LG AngeLa

  9. #79
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: ADHS und Dissoziation

    Ist das, was ich geschrieben habe, schon eine Dissoziation?


    Heute kann ich beim Träumen meist sehr gut die Umgebungsreize abschalten und fertige in meinem Kopf dann sehr entspannt Texte an, die ich dann später am Schreibtisch an einem Stück aufschreiben kann - oder mir fallen irgendwelche Problemlösungen ein.
    …..und dies auch? Das hätte nämlich ich schreiben können:


    Der Gleichen passiert mir mit Menschen, wenn ich in der Innenstadt unterwegs bin. Ich sehe die anderen nicht bewusst. Oft ist es mir schon passiert, dass mich Bekannte ansprechen und fast schon beleidigt reagieren, weil ich sie zwar ansehe, aber darüber hinwegsehe.... ich leide nicht an Geschtsblindheit (Prosopagnosie) aber vielleicht gehört sie ja auch zu den dissoziativen Phänomenen ....

    Zwar bin ich nicht wirklich gesichtsblind, aber ich kann mir schwer Gesichter merken.


    Langsam beginne ich, zu verstehen. Dadurch, dass bei mir vielleicht einige Dinge verkümmert sind (visuell, wie bei meinem Test deutlich wurde) oder ausgeblendet werden (die Umgebung beim Träumen oder Nachdenken), kann ich die Überlastungen aushalten.

    Dann wäre das aber doch vielleicht der Grund, warum ich mich trotzdem noch sehr oft so wohl fühlen kann?



    Wenn es so ist, dann ist meine Dissoziation aber gut für mich.




    Jetzt habe ich etwas gelernt. Danke.

    Diese Erklärung von web4health, hat auch sehr zu meinem Verständnis beigetragen:
    Gesunde ADHSler (d.h. reines Vorliegen der Disposition) bezeichnet man ja auch nicht als krank. Und ich glaube, dass man sehr wohl von "Gesunden" lernen kann, wie man im Sinne eines salutogenetischen Ansatzes mit ADHS umgehen kann. Also : Wie bleibt man gesund.

    Dissoziation bezieht sich auf das Zusammenwirken von der ADHS-Disposition (häufig mit anderen Teilleistungs- und Wahrnehmungsstörungen), ungünstiger Reaktion der Umwelt und Stress / Alarm über einen längeren Zeitraum.

    Gesund im Sinne einer ADHS-Konstitution ist man, wenn man flexibel reagieren kann ohne einzuschnappen bzw. nicht wieder "ausschnappen" zu können. Das bezieht sich nicht nur auf Konzentration und Aufmerksamkeit, sondern auf viele Bereiche, wie z.B. eben Emotionskontrolle oder Impulsivität.
    Die Impulsivität ist bei mir seltener das Problem und auch sonst wurden mir zum Beispiel in dienstlichen Beurteilungen überdurchschnittliche Eigenschaften bestätigt, die sich eigentlich mit einem AD(H)S widersprechen müssten, wie gute Zeiteinteilung, ein sehr gutes Sozialverhalten.. stellt das Ziel und nicht die Person in den Vordergrund, übt konstruktive Kritik und ist kompromissfähig, ist fähig, sich auf Konflikte einzulassen und damit konstruktiv umzugehen, lässt Kritik zu, übt selbst konstruktive Kritik...... Also das soll bei mir überdurchschnittlich gut sein. Es ist mir immer etwas unangenehm, so etwas zu schreiben, weil ich mag kein Eigenlob, aber widerspricht das hier nicht einigen Thesen? Das war allerdings auf meine Arbeit bezogen.
    Zuhause kann ich das ebenfalls sehr gut, aber wehe, wenn ein anderer mit einem AD(H)S mich sehr lange reizt oder sogar verletzen möchte, oder jemand rechthaberisch ist, dann ärgere ich mich immer noch sehr. Dabei kann mir sogar fast schwindelig werden. Ich werfe trotzdem nicht mit Gegenständen, sodern reagiere eher mit einem etwas lauterem Redeschwall. Doch auch ein "Gesunder" , ohne AD(H)S würde sich in solchen Momenten wohl sehr ärgern, vermutlich aber anders.
    Das mit der Kritikfähigkeit stimmt nicht ganz. Es kommt darauf an, wie die Kritik geübt wird. Es muss freundlich gesagt werden und Lob benötige ich ebenfalls, sonst werde ich traurig.


    Jetzt wird mein Text wieder zu lang (Schreiben befreit auch sehr, wenn die Gedanken anfangen, zu kreisen), aber heute Nacht habe ich immer wieder darüber nachgedacht, was mir seelische Schmerzen in meinem Leben bereitet hat und ob es Bereiche geben könnte, die vielleicht noch zu bearbeiten wären.


    Eiseleins Beitrag hatte mich dazu angeregt.

    Ich kann mich extrem weit, bis in die frühe Kindheit zurückerinnern.
    Nur in der Zeit zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr fehlen mir große Teile. In dieser Zeit hatte ich Drogen probiert. Glücklicherweise war das nur eine begrenzte Zeit der Fall, denn die Realität gefiel mir besser. Doch die wilde Zeit und die Belastungen während der ganzen Schulzeit, waren wohl auch für meine Psyche nicht gut gewesen, denn einige Monate nachdem ich bereits wieder „vernünftig“ lebte, erkrankte ich schwer.


    Daraufhin musste ich vier Monate in einem Krankenhaus liegen und die Ärzte wussten nicht, ob ich noch zu heilen wäre.
    Das war die Hölle. Ich wollte gerade im Leben richtig durchstarten und sollte nun vielleicht sterben? Merkwürdigerweise hatte ich in dieser Zeit nachts wunderschöne Träume. Was für ein Glück, denn nur so konnte ich diese Zeit überhaupt überstehen. In diesem Fall hatte mein Schlaf die Realität verändert und mir geholfen wieder gesund zu werden.
    Diese schlimme Erfahrung war im Nachhinein allerdings sehr gut für mich, denn ich habe schon sehr früh gelernt, alles als nicht selbstverständlich wahrzunehmen und kann mich über vieles freuen, was andere nicht wahrnehmen. Meine Freundin hätte ich sonst ebenfalls nicht kennengelernt.



    Als ich gestern vor dem Einschlafen aufgrund dieses Themas hier, über alle traurigen Momente in meinem Leben nachgedacht hatte (denn ich muss immer über alles intensiv nachdenken, damit ich es verstehe), zog das meine Stimmung kurzzeitig in die Tiefe.
    Doch ich stellte wieder fest, dass ich meine Trauer immer sehr intensiv durchlebt habe, sodass durch mein Nachdenken nicht wirklich Wunden aufgerissen wurden.

    Dabei wurde mir aber wieder einmal deutlich, dass ein dauerndes Beschäftigen mit seinen Problemen, für Menschen, bei denen sehr Schlimmes oder bei denen andauernd kleinere „Verletzungen“ vorkommen, auch gefährlich sein kann. Jedenfalls, wenn es in die falsche Richtung geht. Man könnte sehr unglücklich davon werden. Auf jeden Fall sollte man sich aber zum Ausgleich auch mit den angenehmen Seiten des Lebens beschäftigen. Das kann sehr heilsam sein.

    Vor 35 Jahren hatte ich mich während meines Studium mit der Psychoanalyse beschäftigen müssen, die ich sehr gefährlich fand, denn sie hätte schützende Mechanismen zerstören können.
    Manchmal glaube ich, dass häufige Therapien eine Krankheit verschlechtern können, weil man immer wieder über sein Problem nachdenken muss.
    Auch bei der Verhaltenstherapie kann es Symptomverschiebungen geben, wodurch alles noch schlimmer werden kann.
    Ich bin nicht gegen Therapien, im Gegenteil, aber sie birgen auch Gefahren.
    Wenn man bedenkt, wie selten es gute Spezialisten zur Behandlung von AD(H)S gibt, obwohl sich viele dafür halten, dann kann man sich sicher auch vorstellen, dass nicht alle Psychologen und Therapeuten wirklich die richtige Methode anwenden.
    Außerdem kann der richtige Weg individuell sehr verschieden sein, was es so schwer macht.

    Wenn man noch nicht so tief unten ist, dass auch die Selbstheilungskräfte noch wirken können, dann hilft es sicher am besten, wenn man jeden Tag mehrmals, in vielen kleinen Dosen, etwas für seine innere Ausgeglichenheit tut. Was das ist, kann individuell sehr verschieden sein.

    Zum Schluss wollte ich noch schreiben, dass eine Dissoziation aber auch eine Verdrängung, wohl nicht nur bei AD(H)S oder anderen Erkrankungen vorkommt, sondern auch bei dem „Gesunden“ in geringer Ausprägung möglich ist, denn zunächst ist beides etwas Hilfreiches in Stresssituationen.
    Nur wenn das Ausmaß der Situation nicht angemessen ist, so wird es wohl ein Problem.

    Könnte das richtig sein?

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich hier noch einiges vermische, was vielleicht nicht zusammengehören muss:
    Dissoziation, Verdrängung, Krankheit, Impulsivität, Lebensfreude.....?????????

    Ich werde noch viel nachdenken.......... Heute sind meine Gedanken in dieser Richtung nicht mehr zu stoppen.
    Jetzt muss ich aber erst einmal meiner Arbeit nachgehen, sonst werde ich unzufrieden, weil ich vor lauter Denken nichts mehr schaffe.
    Geändert von Celine (20.03.2012 um 13:02 Uhr)

  10. #80
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 676

    AW: ADHS und Dissoziation

    Na ja... "Stinos" = stinknormale Menschen haben funktionierende Filter, die eben Nebengeräusche oder andere irrelevanten Informationen wegfiltern. Ein gutes Beispiel wäre eine Cocktailparty, wo man sich auf einen Gesprächspartner konzentrieren möchte. Leute mit Geräuschüberempfindlichkeit = Hyperakusis oder Tinnitus gelingt das beispielsweise nicht so gut. Sie sind schneller gestresst. Auch viele ADHSler haben da ihre Probleme (was manchmal schwer von einer zentralen auditiven Wahrnehmungsstörung zu unterscheiden ist).

    Das Problem bei ADHS ist, dass nun nicht nur für einen Sinneskanal die Filter schneller erschöpft sind und ein Ausgleich in Form einer Software-Abschaltung bzw. Filterung = Dissoziation erforderlich wird. Es ist so ähnlich wie bei einem Diabetiker mit einer Gefühlsstörung in den Beinen (Polyneuropathie). Das muss keine Beschwerden machen. Aber wenn es dunkel wird und die Augenkontrolle beim Laufen schieriger wird und man dann unter Stress gerät, kann es schon zum Stolpern führen.

    Ebenso bei ADHS. Unter bestimmten Bedingungen mag es ja noch klappen. Aber es fehlen einfach Grundfunktionen der Filtersysteme bzw. der Handlungssteuerung, die man in Ruhe bzw. emotional günstigen Bedingungen noch irgendwie ausgleichen kann. Ja vielleicht sogar besser sein kann als viele Stinos, weil man eben sehr flexibel und schnell im Kopf ist und gute Assoziationen und neue Sichtweisen hat.

    Das Problem taucht erst dann auf, wenn das System überreizt bzw. überfordert ist. Und da sind eben einige ADHSler Meister der Selbstüberforderung (oder werden dazu in der Schule getriezt). Wenn man von dem Gehirn etwas verlangt, was es nicht kann, blockiert es bzw. schaltet auf Not-Modus.

    Ob nun eine Funktion eine normale Filterung von Reizen ist, Dissoziation oder aber Vermeidung kann scheinbar ähnlich aussehen, aber unterschiedliche Beweggründe haben. Das macht es in der Beurteilung nicht leichter, ist aber schon relevant.

    Stark vereinfacht ist Dissoziation eben nicht wirklich willentlich und man kann sich nicht wirklich erklären, warum da diese "Lücken" der Wahrnehmung bzw Erinnerung sind. Häufig spürt man es als so einen kleinen "Ruckler" in der Wahrnehmung oder aber eben in fehlenden Informationen, die eigentlich da sein müssten.

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