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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #491
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS und Dissoziation

    ein therapeut kann nur das "sehen" - was wir ihm erlauben.
    schwierig wird das ganze, wenn wir erlernt haben - nach aussen so zu sein, wie von aussen
    gewollt. wenn wir uns ein "faschingskostüm" anziehen ist es für das gegenüber schwer zu erkennen
    wer unter der maske steckt.

    sich öffnen - ist das gegenteil von mauern?
    sich verschliessen - ist ein öffnen nach innen?
    sich verbarrikadieren - nichts hören/sehen/sprechen - verdrängen?

    hilfe zur selbsthilfe - im endeffekt ist der weg zu meinem persönlichen wohl, mein eigener
    und nur ich kann mir selbst helfen.

  2. #492
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein schreibt:
    In der Regel wird in solchen Fällen auf ein andrängendes Gefühl nicht mit einem intellektuellen Vermeidungsverhalten reagiert, sondern mit der Umleitung des Gefühls in ein anderes, und das ist zumeist dasjenige der Aggression. Die Dissoziation ist also beim intellektuell geringer Stehenden keineswegs weniger ausgeprägt, verläuft aber in anderen Bahnen. Das unerwünschte Gefühl wird in einer Art Gefühlsreaktor sublimiert und eingeschmolzen und betritt die Oberfläche als Aggression.

    Der Sinn einer Dissoziation besteht darin, zwischen dem andrängenden Gefühl und der Weise dieses zu verarbeiten, damit umzugehen, eine Spaltung herbeizuführen. Psychologisch ausgedrückt verbietet es sich der Dissoziierer ein Gefühl auf seine Ursache zurückzuführen, sondern spaltet dieses ab und transponiert es in ein anderes, in der Regel stärkeres und ihm vertrauteres Gefühl, in unserem Fall dasjenige der Aggression. Die Folge dessen ist die Projektion der Aggression auf einen potentiellen Aggressor.
    Hm, rein subjetiv würde ich sagen, dass Männer eher zu Aggression neigen als Frauen. Heißt das, dass Frauen intelligenter sind als Männer?

    Es ist der Witz der Dissoziation, dass die Adresse der Aggression gespalten ist von der Adresse der Ursache des Gefühls, das durch das Gefühl der Aggression abgespalten werden musste. Dieser Vorgang betrifft generell auch intellektuell Höherstehende, und dissoziativ mehr Geübte, wenn das antreffende Gefühl in Qualität und Quantität eine durch intellektuelle Rationalisierung nicht mehr handhabbare Form der Dissoziation zulässt.
    Ein intelligenter Mensch hat andere Möglichkeiten mit dem traumatisierenden Ereignis an und für sich umzugehen. Wenn ein intelligenter Mensch in einer Umgebung aufwächst, in der er über traumatisierende Ereignisse sprechen kann, dann ist meiner Meinung nach das Risiko der Dissoziation geringer. Was mich dazu bringt, anzunehmen, dass vielmehr das soziale Umfeld eine große Rolle spielt.


    Das heisst, dass die Dissoziation einen Großteil dessen übernommen hat, was diese Person nach außen hin noch darstellen kann. Oder anders formuliert: nach außen hin erscheinen nur noch Fragmente dieser Person.

    Ein Grossteil der Tragik dieser Personen spiegelt sich im Alltag dadurch wieder, dass sie prinzipiell versuchen, die Fragmente ihrer Person wieder zu einer Einheit zu fügen. Es handelt sich dabei um einen Widerspruch in sich, denn sie haben die Dissoziation ja gerade deshalb als Möglichkeit für sich verinnerlicht, um fragmentiert überleben zu können.

    Der Wunsch des dissoziierten Fragmentierten nach einer ganzen Persönlichkeit kann geradezu mythische Dimensionen annehmen. Viele suchen ihr Heil in allen möglichen Religionen und Philosophien, andere versuchen mit Drogen, Medikamenten und Alkohol die Lücke zuzumachen, die zwischen den Abspaltungen besteht.
    Das sehe ich auch so. Und ich denke, dass sich hier auch die Aggression einordnen lässt. Agression und das damit eventuell verbundene delinquente Verhalten sind meiner Meinung nach Folgeerscheinungen der Dissoziation. Sie dienen dazu genau diese Lücke zu füllen.

    Wir hatten weiter vorne schonmal darüber diskutiert, ob die Hyperaktiven unter uns "besser dran" sind, weil sie ihre Aggressionen raus lassen.
    Ich denke, dass die Aggression, die beim Wutanfall eines Hyperaktiven zutage kommt, nicht mit dem eigentlichen traumatischen Ereignis in Verbindung steht, sondern auch eine Folgeerscheinung der Dissoziation ist.
    Das schüchteren ruhige Kind zieht sich komplett zurück, frisst eventuell alles in sich rein (Esstörung), schluckt alles runter (Alkoholsucht), versucht sich zu betäuben (Drogen bzw. BTM Abhängigkeit), resigniert (Depression) und das hyperaktive Kind wird "blind vor Wut".

    Die Dissoziation ist eine Schutzfunktion. Die Betroffenen können so nach außen hin ein "normales" Leben führen. Sie funktionieren.
    Nach außen hin ist also alles normal.
    Wenn es nicht die oben beschriebenen Störungen gäbe, wie eben Esstörung, Aggression, Sucht, etc. dann würde keiner auf die Idee kommen, dass etwas nicht stimmt. Auch der Betroffene selber würde nicht auf die Idee kommen, dass etwas nicht stimmt.
    Die perfekte Dissoziation ist so perfekt, dass nichtmal der Dissoziiierende selber merkt, dass etwas nicht stimmt. Er spürt allenfalls ein latentes Unwohlsein.
    Diese Störungen sind quasi das Ventil, das es braucht, damit man nach und nach die Schutzfunktion der Dissoziation aufheben kann, im Idealfall.
    Diese Störungen zeigen, dass etwas nicht stimmt, dass nichts in Ordnung ist. Genauso wie die Benzinanzeige im Auto.
    Sie sind Hilfeschreie.

    Wie diese Hilfeschreie aussehen, hängt davon ab, in welchem Umfeld ich aufwachse und welche Art der Kompensiation mir daher zur Verfügung steht bzw. welche ich vorgelebt bekomme.


    Im vollendet Dissoziierten besteht also ein dermaßen Eingeübtsein in der Dissoziation, dass sie mit seinem Charakter als untrennbar verwoben erscheint. Dass hier eine prinzipiell gespaltene Person auf eine prinzipiell ganze des Therapeuten stößt, muss ja geradezu zu Missverständnissen führen. Zu diesen Fehldiagnosen kommt es wohl immer dann, wenn der Therapeut das ihm präsente Fragmentierte für eine ganze Person hält. Und die Defizite von dieser dann abziehend in seine Diagnose ursächlich mit einfließen lässt.
    Nunja, letzten Endes ist es überspitzt formuliert, vollkommen egal, welche psychische Störung man diagnostiziert bekommt. Auch in einer Fehldiagnose steckt ein Fünkchen Wahrheit.
    Ich weiß nicht, ob man in der Psychiatrie von richtigen und falschen Diagnosen sprechen kann.
    Ich habe eher den Eindruck, dass in diesem Bereich mit Steinzeitmethoden gearbeitet wird, und dass man weit davon entfernt ist, psychische Prozesse zu verstehen.
    Erschwerend kommt dazu, dass in jeder psychiatrischen Diagnose auch die spezielle Sichtweise des Untersuchenden steckt, die ebena uch verzerrt sein kann. Nichtsdestotrotz kann auch in einer solchen Diagnose ein Funken Wahrheit drin stecken.

    Es geht aber mehr darum, zu schauen, was hinter der Störung steckt. Und da denke ich, dass das einige Psychiater und Psychotherapeuten nicht begriffen haben. Es reicht nicht aus, nur die Störung an und für sich zu behandeln und die Dissoziation bzw. die Traumatisierung außen vor zu lassen. Das wäre so, als würde ich ein Pflaster auf eine eiternde Wunde kleben.

    Und da denke ich, dass sich die Psychiatrie viel zu sehr auf eben die Diagnose konzentriert und viel zu wenig auf unterschiedliche Formen der Dissoziation und der damit verbundenen Traumata. Man schaut sich nicht an, was unter dem Pflaster ist und so kann es dort munter weiter vor sich hin eitern. Und daran ist dann der Patient schuld, de rnicht genügend an der "Heilung" mitarbeitet...

  3. #493
    Chaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 50
    Forum-Beiträge: 5.321

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein schreibt:

    Der klinische Diagnostiker geht von dem ihm dargebotenen Fall aus, also von den ihm dargebotenen Symptomen, die an der Oberfläche deutlich sichtbar sind. Sein Problem oder die Tragik des ganzen liegt darin begründet, dass der Diagnostiker mit dem Phänomen der Dissoziation nicht vertraut ist, also nicht weiß, dass der Dissoziierer nur als Wunschbild an der Oberfläche das Phänomen der Gefühlsverflachung/-losigkeit zu produzieren weiß, dass es sich aber in Wahrheit eben nicht um eine Gefühlsverflachung/-losigkeit handelt, sondern geradezu um das Gegenteil, nämlich um eine dissoziative Abwehrreaktion auf ein Zuviel, beides quantitativ wie qualitativ, an Gefühlen. So dass der solchermaßen Diagnostizierte in Wirklichkeit geradezu am Gegenteil dessen leidet, was ihm seinem oberflächlichen Erscheinungsbild gemäß bescheinigt wird.
    Wohl dem, der einen Psychiater hat, der sich mit Dissoziation auskennt!

    Mitmenschen können den Emotional-Dissoziierten durchaus als "gefühlskalt" bezeichnen. Wohl dem, der einen guten Psychiater hat, der die emotionale Dissoziation nicht nur sehr gut erklären kann, sondern einem auch am eigenen Leib zeigen kann. So schwindet die Gefahr, sich selber als gefühlskalt zu sehen.

  4. #494
    Chaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 50
    Forum-Beiträge: 5.321

    AW: ADHS und Dissoziation

    Fliegenpilz schreibt:
    Die Dissoziation ist eine Schutzfunktion. Die Betroffenen können so nach außen hin ein "normales" Leben führen. Sie funktionieren.
    Nach außen hin ist also alles normal.
    Zumindest zeitweise ist das Funktionieren möglich. Aber auch beim Funktionieren gibt es Grenzen. Insbesondere wer dissoziiert funktioniert, merkt selten Ermüdung oder Überschreitung der eigenen Grenzen. Daher wird der Körper irgendwann seine Grenze anderweitig setzen. So, daß ihn die Dissoziation nicht austricksen kann. Das durfte mach einer seit Jahrzehnten immer wieder erleben, ohne es zu begreifen.

    Fliegenpilz schreibt:
    Wenn es nicht die oben beschriebenen Störungen gäbe, wie eben Esstörung, Aggression, Sucht, etc. dann würde keiner auf die Idee kommen, dass etwas nicht stimmt.
    Ja, da kommt dann leider noch einges dazu.


    Fliegenpilz schreibt:
    Auch der Betroffene selber würde nicht auf die Idee kommen, dass etwas nicht stimmt.
    Die perfekte Dissoziation ist so perfekt, dass nichtmal der Dissoziiierende selber merkt, dass etwas nicht stimmt. Er spürt allenfalls ein latentes Unwohlsein.
    Wie oft sagt der nicht Wissende: "Irgendwie fühle ich mich immer unwohl. Nie wirklich wohl."
    Wie oft wird solch ein Unwissender barsch und pampig zurechtgewiesen: "Dir geht es doch gut! Das bildest du dir nur ein! Du bist wirklich undankbar!"

    Zum Glück gibt es dieses Forum!
    Zum Glück gibt es sehr liebe Menschen in diesem Forum!

    ... und gute Psychiater!
    Geändert von Patty ( 2.05.2012 um 22:46 Uhr) Grund: ein Adjektiv groß geschrieben :schäm:

  5. #495
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 396

    AW: ADHS und Dissoziation

    Wenn ich das so lese, dann dissoziere ich schon lange und relativ stark. Auch sehe ich die Welt manchmal aus den Augen eines Kindes. Heißt das, ich habe ein inneres Kind in mir? Wenn ja, kann dieses noch reifen? Ich habe schon öfters von AD(H)Slern gehört die "nie erwachsen" werden... Ich bin gerade sehr aufgewühlt... Ich... also die Fragmente an der Oberfläche die nachts rauskommen... Ist ja wie im Horrorfilm!Mal Prinzipiell und etwas seltsam, wenn eine multiple Persönlichkeit stirbt, wer wandert davon in den Himmel?

  6. #496
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS und Dissoziation

    muss man auf den ursprung zurück... ? also auf das trauma?
    muss ich mich der konfrontation öffnen.. die, die irgendwo im seelenkeller in einer schatulle, in der hintersten ecke
    neben der toten maus versteckt ist.... hervornehmen, obwohl dies, was darin ist, bereits vergessen ist?

    damit meine ich... kann ich das (vergangenes) im keller belassen - und jetzt im oberen stock daran arbeit, das anfallende
    gleich am richtigen ort zu versorgen?

    ich weiss nähmlich nicht mehr, was da unten alles versteckt wurde - und will ich es überhaubt wissen.

    kann man eigentlich situationen gaaanz vergessen haben?

  7. #497
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    Ich muss gestehen, dass mich besonders eine Frage brennend interessiert und die wäre eigentlich schon wieder einen eigenen Thread wert:

    Wie kann man denn zwischen AD(H)S und Dissoziativer Störung unterscheiden?

    Klar, hier lesen wir immer wieder, dass das eine der Auslöser des anderen ist/ sein kann.

    Dagegen spricht aber, dass ich immer wieder von Martin lese, dass es ihm z.B. spanisch vorkommt, wenn so viele, vor allem männliche hypoaktive ADS'ler zu ihm kommen, bzw. diagnostiziert werden, bei denen man eigentlich eher nach DIS schauen sollte...

    Aber wie kann ich das erkennen? Wo sind die Merkmale der Unterscheidung? Was war zuerst da?
    Die Bilder sind so ähnlich und so leicht zu verbinden, dass es verwirren kann.

    Ein ADS'ler kann eine erhöhte Anfälligkeit zur DIS haben, ok, soweit keine Frage: Reizüberflutung, natürlich auch reichlich Traumata, alles plausibel und schlüssig.

    Aber woran kann ich erkennen, was was ist?
    DIS wirken zerstreut, können sich vielfach nicht erinnern, aber das gilt auch für ADS'ler.
    Woher weiß ich, ob es an einer DIS liegt oder an einem fehlerhaften Arbeitsgedächtnis, sprich einfach nur Vergesslichkeit? Oder bin ich einfach nur in Gedanken?
    Wie erkenne ich das?

    Wenn wir auch noch Autismus dazu nehmen, dann wird das Knäuel nahezu perfekt konfus, aber wie kann man das entwirren?
    Und ich denke doch, dass es auch Sinn macht zu entwirren, sowohl um (sich selbst) zu verstehen, als auch was die anschließende Behandlung angeht.

    Wenn ein Säugling nahezu ständigen Sichtkontakt zur Mutter sucht und ansonsten schreit wie am Spieß, was bedeutet das?
    Wenn man ihn im Sommer auf den Rasen setzt und die Grashalme seine Händchen berühren, schreit er und hält die Arme nach oben, weg vom Rasen, dito wenn er Sand an die Hände bekommt.
    Später, als Kleindind, auf dem Weg zum Kindergarten entwickelt er eine gewaltige Angst, im KiGa selber brüllt er wie am Spieß, nach drei Tagen nimmt man ihn raus, hat keinen Zweck.
    Das Kind (Junge) wird als ängstlich beschrieben, hat eine eher "feminine Ader" und den Spitznamen "zerstreuter Professor", "Sensibelchen".
    In die Schule geht es, aber bleibt immer für sich.
    Menschen sucht es nicht, ist verträumt, hat eine schlechte Handschrift, dazu eine Matheschwäche, das typische Programm.
    Weiter später eskaliert die elterliche Beziehung, Alkohol und Gewalt seitens des Vaters gegen die Kinder und die Mutter, teilweise schwere Gewalt.
    Noch später, die Eltern sind getrennt, das Kind hat mehr und mehr Schulprobleme, sowohl was das mithalten angeht, als auch die zwischenmenschliche Komponente.
    Es erfindet Ausreden und Krankheiten, um sich immer wieder dem Unterricht zu entziehen, und wenn es nur stundenweise ist, Hauptsache Ruhe finden und denken können.

    Irgendwann kommt der Supergau, in der 5. Klasse Real, nichts geht mehr, das Kind liegt regungslos auf dem Bett, vollkommen steif, nicht mal ein Finger lässt sich bewegen.
    (Dissoziativer Stupor?)
    Danach Arzt, Klinik, keiner kennt oder erkennt damals in den Siebzigern ADS oder ähnliches, die Trennung der Eltern mit der dazugehörigen Vorgeschichte sind dominierend und somit ist es klar, dass es die Folgen der väterlichen Gewalt gegen die Kinder und die Mutter sein müssen usw.

    Das passt aber nicht zu den Beschreibungen im Säuglingsalter.
    Es passt einfach alles ein bisschen und nichts richtig.
    Hochsensibel mit Dissoziation und PTBS?
    Autismus?
    ADS?
    Extreme Reizoffenheit?

    Wie unterscheidet man da?
    Kann man es überhaupt?
    Soll/ muss man das überhaupt?

    Hier passt irgendwie alles und nichts richtig.
    Womit wir wieder bei Martins Beschreibung eines "Universaldilletanten" wären.

    Unglaublich spannend, aber genauso verwirrend.

    Eigenes Thema?
    Geändert von Fliegerlein ( 5.05.2012 um 14:32 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur, ... what else?

  8. #498
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: ADHS und Dissoziation

    Dazu fallen mir nach 50 Seiten folgende Sachen ein.

    Zum ersten schwirrt mir dauernd eine These von Russell Barkley im Kopf rum: "ADHD is one thing. What we called subtypes are variations in severity."

    ADHS ist eine Sache. Was wir bisher als Subtypen (hyperaktiv, hypoaktiv, Mischtyp) bezeichnet haben ist nur ein Unterschied im Schweregrad.

    Wobei Barkley davon ausgeht, dass die überwiegend Hyperaktiven am leichtesten zu behandeln sind, die die beides auf sich vereinigen am schwierigsten und die Hypoaktiven meist fehldiagnostiziert sind oder auf Stimulanzien schlecht ansprechen.

    Wie dem auch sei.

    Mir scheint es doch durch die Bank vereinfacht gesagt zwei verschiedene Typen von ADHSlern zu geben, jetzt mal ganz unabhängig davon, in welche Schublade sie gepackt worden sind: Nämlich die, die vor lauter Handeln nicht zum Denken kommen und die, die vor lauter Denken nicht zum Handeln kommen.

    Es ist jedenfalls meine Beobachtung, dass sich an diesem Thread ausschließlich die Denker versammeln, während den impulsiv handelnden Typen der Thread völlig am Arsch vorbei geht.

    Das muss nicht unbedingt heissen, dass diese weniger von Dissoziation betroffen sind. Ganz offenbar ist aber, dass sie darin nicht ihr Hauptproblem sehen.

    Der verträumte Denker-Typus scheint mir von diesem Thema am meisten betroffen zu sein.

    Stimulanzien verbessern die kognitiven Fähigkeiten, dafür sind sie u.a. da. Das führt aber beim Dissoziierten dazu, ironischerweise, dass sich damit seine Fähigkeit zur Dissoziation verbessert.

    Sind wir also bei einem Punkt angelangt, der bislang überhaupt noch nicht aufgeworfen wurde, wie behandelt man einen Dissoziierten eigentlich medikamentös?

    Psychotherapeutisch lässt sich die Frage einfacher beantworten. Wenn wir davon ausgehen, dass Dissoziation ein über Jahre einstudierter, teilweise automatisch ablaufender Vorgang ist, dann müssen wir auch davon ausgehen, dass das Dissoziieren wieder verlernt werden kann und muss. Das braucht auf jeden Fall Zeit.

    Der Schlüssel scheint mir zu sein, einen Zugang zu den eigenen Gefühlen zu finden. Das heisst zunächst einmal Verzicht darauf, ein Gefühll zu intellektualisieren (abzuwehren), also sich dem Gefühl auszusetzen.

    Das tun wir nicht, weil das mit Ängsten verbunden ist. Aber ich denke, das wäre der erste Schreit bei der Aufdröselung des Phänomens.

    Jedenfalls muss in der Gegenwart begonnen werden, es bringt nichts in der Vergangenheit herumzurühren. Ordnet sich die Gegenwart, muss auch der Blick in die Vergangenheit klarer werden. Wer in der Gegenwart klarkommt, dem seine Chancen wachsen, auch mit seiner Vergangenheit klarzukommen.

    Strikt abzulehnen sind alle Psychotherapieformen, die erst bei der Muttermilch anfangen, ob diese eventuell nicht zu warm gewesen ist und so weiter.

    Dass wir einen Ödipus-Komplex haben, wissen wir auch schon. Eine aufwendige Psychoanalyse ist dabei nicht von Nöten, sogar kontraproduktiv. Denn Dissoziierte können stundenlang über Gefühle quatschen, das berührt ihr Problem nicht, dass sie diese nicht fühlen. Im Gegenteil eine Psychoanalyse käme gar ihrer Intellektualisierungsstrategie entgegen.

    Dennoch muss es auch eine Möglichkeit geben, diesen Vorgang medikamentös zu unterstützen?

    Das wäre meine Frage.

  9. #499
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein

    bin kein wisschenschaftler und sowieso kein wissender.... daher vermute ich, das die subtypen sich
    aus dem umgang mit der disposition adhs entwickeln... es ist meiner meinung nach, nicht fair darüber
    zu urteilen, was schwerer wiegt... sondern wie man sich damit zurecht findet.
    der umgang damit, entwickelt sich zeitgleich zur persönlichkeitsentwicklung
    (oder ist ein teil davon?)

    also ist es nicht sinnvoll, ein falsch erlerntes muster aus der vergangenheit an der
    wurzel zu packen - also zurück zu gehen? (falsch erlernt, damit meine ich eins das
    uns im moment hilft, doch auf lange sicht - schadet)
    ist es sinnvoller, das muster jetzt zu ändern und die vergangenheit sein zu lassen?

    oder habe ich die anmerkung ganz verquert verstanden?

    p.s. im übrigen, ja, ich kann emotionen - derart rational analysieren - da wir
    das gefühl von der emotion kappen können?
    Geändert von Smile ( 6.05.2012 um 10:44 Uhr)

  10. #500
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein schreibt:
    Dazu fallen mir nach 50 Seiten folgende Sachen ein.



    Psychotherapeutisch lässt sich die Frage einfacher beantworten. Wenn wir davon ausgehen, dass Dissoziation ein über Jahre einstudierter, teilweise automatisch ablaufender Vorgang ist, dann müssen wir auch davon ausgehen, dass das Dissoziieren wieder verlernt werden kann und muss. Das braucht auf jeden Fall Zeit.

    ...

    Dennoch muss es auch eine Möglichkeit geben, diesen Vorgang medikamentös zu unterstützen?

    Das wäre meine Frage.
    Aus meiner subjektiven Sonntag-Morgen-Verpeiltheit in der Klinik würde ich behaupten, dass man Dissoziation nicht verlernen kann. Einfach, weil es nicht erlernt, sondern erschreckt wurde. Wir reden ja hier von den Regeln der Trauma-Logik.

    Mit Verhaltenstherapie = Lernen kann man lernen, am Problem vorbei zu leben oder aber mehr oder weniger günstige Kompensationen entwickeln. Nach meiner subjektiven Erfahrung können aber ADHSler Ausreden und Ausweichen meist sogar besser als ihre Therapeuten in ihren Alltag integrieren. Sie sind da sehr kreativ und wissen ja im Prinzip schon, was sie tun müssten. Sie tun es nur nicht, weil sie es in der Situation nicht anwenden können.

    Therapie kann helfen, die automatisierten Muster in Frage zu stellen. Zu "verwirren". Kreative Kopfdenker wechseln dann auf eine neue Strategie, eine neue Schublade. Irgendwann hat sich da auch soviel Müll angesammelt, dass sie sich wieder neu "erfinden" müssen.

    Neue Partnerschaft, neuer Beruf, neue Lebensumstände...

    Ähnlich verhält es sich doch mit der Medikation bzw. legalen und illegalen Drogen. Diese Präparate führen im besten Fall dazu, dass sich sowas wie eine neue emotionale "Färbung" bzw. eine Art "Dauerton" ergibt, an der sich das emotionale Empfinden über einen längeren Zeitraum orientiert.

    Die Selbstmediktation mit Nikotin beispielsweise hält eben eine Kippe lang. Man könnte es auch mit Milka 300er Tafeln versuchen, guten oder schlechtem Rotwein, was aber gewisse Nebenwirkungen hat. Oder eben Asthmaspray, Schmerztabletten wie Dr. House (wobei ich jetzt nicht behaupte, dass diese Kunstfigur kein ADHSler ist). Kaffee, Redbull, Sport, Sex, Kaufen, Schimpfen und Weltschmerz über die Ungerechtigkeit der Welt unter besonderer Berücksichtigung der ADHS-Sicht. Halt alles oder nichts, was den 2-Phasen Effekt von zunächst einsetzender Aktivierung / Euphorisierung und dann eben "Katerstimmung" hat.

    MPH bzw. Amphetamin in höheren Dosierungen machen gerade als Retardpräparate bei einigen Patienten mit Dissoziativer Störung eben genau das : Sie erzeugen einen emotionalen Grundton, der das ständige Abkippen reduziert. Es stabilisiert daher ja schon.

    Man darf nur nicht zu sehr zur Ruhe kommen. Und irgendwann lassen diese Selbstmedikationsversuche (oder hilflosen Arztansätze mit immer neuen psychotropen Medikamenten) eben nach. So wie eben die Schubladen der Lebensumstände langweilig = voll werden, so versagt dann auch die Medikation und / oder Sucht. Dann wechselt man halt den Arzt oder die Substanz. Oder beide.


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