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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #431
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 28

    AW: ADHS und Dissoziation

    @ TBX
    ... wird die Diskussion in Köln bereichern, dass Du dich so intensiv damit auseinander gesetzt hast,

  2. #432
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    rosenmädchen schreibt:
    Die Medikamente machen ein Zuklappen in alte Bahnen unmöglich, unerstützen die noch schlafenden Teile in mir, die immer wieder zusammensacken wollen und das ist auch gut so. Ich fühle mich komischerweise auch seit Jahren wie in einem "Dornröschenschlaf" und wartete auf bessere Bedingungen. Die habe ich mir nun endlich erfüllen können...dennoch ist es schwieriger als ich dachte, den Standbymodus zu verlassen.

    ...
    Also Dissoziation ist für mich ein psychischer Schutzmechanismus des Gehirns, um den identitätsbildenen Kern vor der totalen Zersplitterung zu bewahren, um schlechte Zeiten zu überdauern, ohne physisch und psychisch zugrunde gehen zu müssen...und um Zeit und Raum zu schaffen, Lösungsmöglichkeiten und bessere Bedingungen für die Überwindung der lebensbedrohlichen empfundenen Zustände und Verhältnisse zu finden.


    Ich stelle mir nun die Frage wie es wäre, wenn mein ADSnaturell niemals bekämpft worden wäre, denn ich fand mich ganz gut!!.....die Bedingungen erträglich....na ja, wie auch immer!

    Liebe Grüße
    Rosenmädchen
    Dein Posting belegt einmal mehr, dass "Betroffene" sehr treffend und mit einer wunderbaren Metapher (was könnte es besser beschreiben als Dornröschen?) ihre Situation erfassen. Für mich ist es ja gerade eine Tragik, dass man quasi bei "wachem Verstand" sich so handlungsunfähig bzw. teilweise "eingeschlafen" erlebt.

    Aber eben auch, dass die Ärzte und Psychologen dann nur drauf schauen, ob die Augen auf sind und man vielleicht Ort und Zeit richtig benennen kann.

    Ich habe gerade einen ADHSler hier in der Klinik im Bereitschaftsdienst aufgenommen, der auch schon rauf und runter (von Frau S. bis hin zu Ärzten und Psychologen in Österreich) behandelt wurde. Das Drama ist, dass die Selbstwahrnehmung für das Handeln "aussen" in der Welt bzw. die Wirkung der Medikation schlecht sein kann, das innere Erleben aber sehr blumig (siehe Rosen) bzw. eben in einer Art und Weise treffend, dass man eigentlich kaum noch was dazu sagen bzw. schreiben mag.

    Kennst Du die entsprechende Gruppe zum Thread ?
    Geändert von Alex (24.04.2012 um 21:17 Uhr) Grund: Nachname gekürzt (Persönlichkeitsrechte)

  3. #433
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 243

    AW: ADHS und Dissoziation

    Guten Abend,

    web4haelth was meinst Du bitte mit dem Satz: "Kennst Du die entsprechende Gruppe zum Thread?"

    Seit dem Thema "Dissoziationen" als eines der möglichen Symptome des ADS hier im Forum hat sich bei mir sehr vieles getan... Das heißt, ich gehe mit mir wieder aufmerksamer, sachter und einfühlsamer um. Beobachte meine vielen "Zustände" ohne Schrecken und schaue wieder interessierter, wann und warum ich diesen oder jenen Zustand heraufbeschwöre. Aufgrund der jahrelangen Kämpfe, also weit vor meiner ADS- Diagnose beginnend, hatte sich mein Ichgefühl immer extremer verzerrt und ausgelöscht. Ich habe mich immer weiter und häufiger ausgeblendet, nur um einfach zu funktionieren und am Ball zu bleiben, nur nicht aufzufallen....

    Mein Umfeld hat mich scheinbar immer völlig anders wahrgenommen, als ich mich selber wahrgenommen und gefühlt habe.Daran bin ich fast zerbrochen. Denn ich konnte meine reiche Innenwelt nicht ausdrücken und mich immer weniger darstellen. Dieses dysfunktionale bzw. missverständliche Spiegeln mit meiner Umgebung, hat mir zunehmend meinen streitbaren individuellen und schöpferischen Freigeist genommen. Die einzige Rettung, so sehe ich das jetzt, war das Einschlafen, das Überdauern als Wesen, dass in einem falschen Bild zwischen Blinden erwacht ist und noch zeitweise daran glaubt, in einem Albtraum gefangen zu sein. Ich will Niemandem etwas Böses, möchte mich auch nicht über die Anderen stellen, sie waren sowieso immer Fremde und so weit weg.

    Geholfen hat mir die jahrelange zähe Suche nach mir, nach den Gründen meines Soseins, meines bei klarem Verstand sukzessiven Ich-Zerfalls, ohne das es jemand im Außen bemerkt zu haben schien. Es war wie ein Wettlauf mit der Zeit, eine verzweifelte Suche nach dem Strohhalm, nicht wie ein sabberndes Kleinkind in einer Psychiatrie enden zu müssen. Diese Angst hatte mich immer angetrieben, nicht weiter weg ein zu schlafen...nicht Irgendwo stehen zu bleiben und mich in einer Straßenecke selber zu vergessen..,

    Es war der Zufall, wenn es ihn gibt, dass eine Freundin mir riet, mich auf ADS hin untersuchen zu lassen. Ich habs halbherzig getan und sofort Ritalin bekommen. Es war der Supergau!!....Ein zweites Leben! Seitdem habe ich dieses unsagbar schreckliche Gefühl, an lebendigem Leib geistig zu verfallen so nie mehr gehabt. Alles fügte sich in all den Jahren wieder und besser als zuvor...schmerzlos zusammen. Auch wenn ich noch lange nicht wieder die bin, die ich einmal war. Aber ich fühle mich gerettet und vertraue mir wieder. Es geht mir deswegen soweit gut. Die noch existenten Zustände aller Art sind ein Klacks gegen das was ich jahrelang erlebt habe und bin scheinbar viel zu bescheiden, als dass ich sie auch noch loswerden wollte. Aber nun will ich sie doch auch angehen und mich besser verstehen und kennen lernen.

    Ich bin so gespannt wie alles weitergeht und was hier geistig noch Tolles geschaffen wird..

    Liebe Grüße
    Rosenmädchen

  4. #434
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 470

    AW: ADHS und Dissoziation

    rosenmädchen schreibt:
    Guten Abend,

    web4haelth was meinst Du bitte mit dem Satz: "Kennst Du die entsprechende Gruppe zum Thread?"
    Das meint er:
    1411erika schreibt:

  5. #435
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: ADHS und Dissoziation

    web4health schreibt:
    Ich habe gerade einen ADHSler hier in der Klinik im Bereitschaftsdienst aufgenommen, der auch schon rauf und runter (von Frau S. bis hin zu Ärzten und Psychologen in Österreich) behandelt wurde. Das Drama ist, dass die Selbstwahrnehmung für das Handeln "aussen" in der Welt bzw. die Wirkung der Medikation schlecht sein kann, das innere Erleben aber sehr blumig (siehe Rosen) bzw. eben in einer Art und Weise treffend, dass man eigentlich kaum noch was dazu sagen bzw. schreiben mag.
    Soso, von der Frau Dr. S. scheinst Du auch schon wieder nichts zu halten.

    Das ist aber nicht ganz gerechtfertigt.

    Es ist eine sehr eigentümliche, spezielle Persönlichkeit. Sie ist mittlerweile im Rentenalter. Und praktiziert meines Wissens nicht mehr. So dass wir hier ruhig ein paar Worte über sie verlieren können, ohne dem Werbevorwurf anheimzufallen. Sie gehört in Deutschland zu den Avantgardisten der ADHS-Behandlung. D. h. sie hat diese Störung schon (erfolgreich) behandelt, als Du Dir noch in die Windeln gemacht hast.

    Sie schätzt die Anzahl der ADHSler, die sie in ihrer 40-jährigen Praxis kennengelernt hat, vor allem Kinder und ihre Familien, auf etwa 30.000 Mann. Wenn Du also immer sagst, dass Du der erfahrenste ADHS-Behandler in Deutschland bist, so mag das qualitativ zutreffen, die Quantität spricht eine andere Sprache.

    Sie gehört zu den isolierten Einzelkämpfern.

    Ich hab Sie mal gefragt, ob sie den Martin Winkler kennt. Ich bin bei der Frage einfach davon ausgegangen, dass die zehn, zwölf Leute, die sich in Deutschland mit ADHS auskennen, sich ja eigentlich untereinander kennen müssten.

    Da meinte sie: "Wer soll das sein?"

    "Der arbeitet in einer Klinik in Norddeutschland, die sich mit ADHS auskennt."

    "Niemand, der sich mit ADHS auskennt, arbeitet in einer Klinik. Es gibt in Deutschland keine Klinik, in der man sich mit ADHS auskennt."

    "Cordula Neuhaus?"

    "Das ist doch die, die diese für ADSler schwer verständlichen Bücher schreibt. Wissen Sie, wenn Sie ein Buch über ADS schreiben wollen, müssen sie das im Comic-Stil machen."

    "Götz Erik Trott?"



    "Hätt ich den Namen vielleicht nicht erwähnen sollen?"



    "Frau S., ist ja lieb, dass sie mich diagnostiziert haben. Aber neben ADS hab ich noch ne Depression und ne Angststörung und was weiss ich noch was alles. Das muss ja auch behandelt werden. Es muss doch einen Psychiater geben, den Sie mir empfehlen können, der sich mit ADHS auskennt?"

    "Es gibt in Deutschland keine Psychiater, die sich mit ADHS auskennen. Psychiater und Sich-mit-ADHS-auskennen sind zwei Begriffe, die sich ausschließen."

    "Aber Frau S., es muss doch irgendwo einen Psychiater geben, der sich mit ADHS auskennt?"

    "In Europa gibt es einen einzigen, der ist Prof. an der Uniklinik in Zürich, fällt mir der Name jetzt grad nich ein."

    "Aber Frau S., was ist mit Prof. Manfred S.., der hat doch an seiner Uni-Klinik in Ulm eine ADHS-Ambulanz?"



    "Ist das schon wieder so ein Name, den ich nicht hätte erwähnen sollen?

    "Der Herr Prof. hat mir mehrmals persönlich gesagt: 'Ich verstehe ADHS nicht'"

    "Frau S., wenn man ihnen so zuhört könnte man glatt zu dem Eindruck kommen, sie wären die einzigste, die sich in Deutschland mit ADHS auskennt!?"

    "So ist es im wesentlichen."



    Klingt reichlich borniert, gell? Ist aber nicht schwer zu verstehen. Heute gibt es ja immer mehr Ärzte, die von ADHS zumindest schon mal was gehört haben, aber in den Anfangstagen war sie tatsächlich die einzige. Und dann wurde sie als Kinderärztin natürlich Zeit ihres Lebens von Psychiatern blöd von der Seite angequatscht und meist von oben herab, also von der Stufe der Weisheit herab behandelt. Daher erklärt sich ihre Psychiater-Phobie.

    Die Psychiater-Phobie ist an sich nichts seltenes, auch Cordula Neuhaus ist von diesem Syndrom betroffen. Auch sie wird nach wie vor von oben herab angequatscht so unter dem Motto ich bin der dicke Sowieso und Psychiater und du bist nur Psychologin, also halt die Gosche.

    Ihr Diagnosestil ist nach wie vor einzigartig. Eine Diagnostik bei ihr dauert etwa ein bis eineinhalb Stunden und kommt ohne legliche Fragebögen, Auswertung der Schulzeugnisse oder ähnlichen Firlefanz aus. Da könnte selbst der Martin noch was lernen, zumindest würde er die eine oder andere Überraschung erleben. Der Diagnosestil ist ganz einfach von der Praxis als Kinderärztin geprägt. D.h. Dr. S. hat es zumeist mit kleinen Patienten zu tun, die über ihre Probleme und ihr Syndrom gar nicht sprechen können. Der Diagnosestil ist also in erster Linie abgerichtet auf die VErhaltensweisen, Gestik, Mimik, Körpersprache und den Kommunikationstil, also wie etwas erzählt wird, nicht was erzählt wird, ist das entscheidende. Das kann Martin glaube ich sehr gut nachvollziehen.

    Zum einen vollzieht sich eine rein körperliche, neurologische Untersuchung, zum anderen eine psychologische. Man muss zum Beispiel eine Menge Dinge vorführen, von denen ich die meisten inzwischen Vergessen habe. An das Schuhe aus- und wiederanziehen und -binden kann ich mich noch erinnern. Dann arbeitet sie auch mit kleinen Tricks. Man muss sich zum Beispiel auf eine Liege legen. Über der Liege befindet sich an der Wand ein weißer Medikamentenschrank aus Plastik, der aber leer ist. Es folgt eine körperliche Untersuchung. Dann abrupt die Aufforderung O.K, jetzt stehen Sie wieder auf! Natürlich schlagen sich 90 % aller ADHSler beim Aufrichten die Birne an diesem Medikamentenschrank an, weil sie schon längst wieder vergessen haben, dass sie unter einem solchen liegen. Weil Fr. Dr. S. in den meisten Fällen weiß, was passiert, hält sie auch ihre Hand schützend zwischen den Kopf des Patienten und den Medikamentenschrank.

    "Ja, wissen Sie, normale Menschen schlagen sich selten freiwillig das Hirn ein."

    An eine Sache kann ich mich auch noch erinnern, die mir etwas seltsam vorkam. Ich lag wieder auf der Liege, hatte meine Haxen in der Höhe und sie machte sich eine ganze Weile dran zu schaffen. Bis sie dann sagte: "Aha, soso."

    Begriffen habe ich das natürlich nicht. Aber sehr viel später hat sie mir gesagt, dass das ein wesentlicher Punkt bei meiner Diagnose gewesen sei. Da ich diesen Punkt bis heute noch nicht genau begriffen habe, zitiere ich hier aus ihrem Buch "Große Hilfe für kleine Chaoten": "Die Blockade im Ileosacralgelenk ist für mich zu einem wesentlichen Baustein in der Diagnose geworden. Ich habe inzwischen etwa 8000 Patienten mit einem ADS diagnostiziert und behandelt und habe diese Blockade ausnahmslos feststellen können."

    Ursache dessen sei eine für ADSler typische, so S., Koordinationsstörung der Muskulatur. Die Blockade im Ileosacralgelenk führt auf deutsch gesagt zu einer Beinlängendifferenz. Noch platter gesagt, der ADSler ist leicht schief gewachsen, weswegen das eine Bein als leicht kürzer als das andere erscheint. Die Kreuz- und Nackenschmerzen über die sehr viele ADHSler kontinuierlich klagen müssen also nicht immer allein auf Verspannungen/Verkrampfungen, also letztlich auf psychosomatische Ursachen zurückzuführen sein, sondern können ihren Grund auch in dieser rein körperlichen Ursache haben.

    Schließlich jedenfalls sagte Fr. Dr. S.: "Mhm, ist ADS."

    Nachdem ich eine Stunde lang all diese komischen Dinge vom Schuhe binden bis zum Haxen von mir strecken vollführt hatte, wollte ich natürlich wissen, woran sie das jetzt genau erkannt haben will?

    Ihre Antwort ist wirklich ganz typisch und bezeichnend für sie:

    "Das habe ich an der Handschrift ihres Briefes erkannt, den sie mir vor vier Wochen geschrieben haben."

    Damals saß ich in einer Uni-Klinik ein, die ironischerweise heute selbst ADHS behandelt, damals aber noch von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte, und schrieb ihr einen Brief, indem ich um einen Termin bat.

    Eine weitere typische Aussage von ihr ist zum Beispiel, wobei sich einem Martin Winkler wahrscheinlich die Zehnägel zusammenrollen werden: "Ich erkenne es in erster Linie am Augenausdruck meiner Patienten, ob eine Therapie (gemeint ist: eine medikamentöse Therapie) anschlägt."

    Ist jetzt zwar alles off topic gewesen, aber ich fühlte mich an dieser Stelle einfach mal zu einer Würdigung dieser außergewöhnlichen Frau und ihre Verdienste um die Behandlung von ADHS in Deutschland verpflichtet.

    Was man natürlich auch sagen muss. Zwischen der Herangehensweise eines Martin Winklers und derjenigen einer Roswitha S. liegen zwei Generationen an Zeit. Die Dame könnte seine Großmutter sein.

    Martin Winkler hat sicherlich einen viel medikamentenskeptischeren Ansatz als Roswitha S.. S. könnte man noch als Ritalinski bezeichnen, d.h. als jemand, der der rigorosen Auffassung ist, nach der Diagnose ADHS muss das Gehirn des Betroffenen mit Dopamin geflutet werden, koste es was es wolle. Erst dann sind überhaupt weiterführende Therapiemaßnahmen sinnvoll. Eine ganz ähnliche Position vertritt ja Cordula Neuhaus, die auch sagt, sie macht keine therapeutischen Maßnahmen mit jungen Erwachsenen, die medikamentös nicht eingestellt sind.

    Das dissoziative Störungselement des ADHSlers, auf das Martin Winkler verdienstvollerweise so abhebt, spielt also beispielsweise bei Dr. S. überhaupt keine Rolle. Bestehende Komorbiditäten ignoriert sie fast vollständig. Ihre These ist, das Gehirn muss unter Dopamin gesetzt werden, dann bessern sich auch die Komorbiditäten. Das ist in sehr vielen Fällen aber nicht zutreffend. Von einer Kombinationsbehandlung mit anderen Medikamenten, beispielsweise Antidepressiva, hält sie so gut wie gar nichts. Zwar kombiniert sie in ihrer Behandlung durchaus Stimulanzien mit Antidepressiva, fährt die Antidepressiva aber ausschließlich in einem ganz geringen Dosisbereich. Geschuldet ist diese Herangehensweise wieder ihrer Erfahrung als Kinderärztin im Umgang mit Kindern, in die sie verständlicherweise möglichst wenig Psychopharmaka hineinpumpen will. Dass diese Taktik im Bereich der Erwachsenen, die ja i. d. R. viel ko-morbider sind als Kinder, nicht aufgeht, liegt aber leider auf der Hand.

    Ich erwähne diesen Punkt deshalb so deutlich, weil es auch heute viele ADHS-Ärzte gibt, die von Kombinationstherapien keinen blassen Schimmer haben, und durchaus der Meinung sind: der Patient hat ADHS, also rein mit den Stimulanzien ohne Rücksicht auf Verluste und dann mal weitersehen.

    Es gibt auf jeden Fall sehr viele ADHSler, bei denen eine Therapie mit Stimulanzien versucht und wegen Komplikationen jedweder Art wieder abgebrochen wurde, die bis heute der Meinung sind, sie seien Non-Responder oder Stimulanzien brächten ihnen gar nichts, die sehr wohl von der Gabe von Stimulanzien hätten profitieren können, wenn diese im Rahmen einer Kombinationsbehandlung mit anderen Medikamenten eingesetzt worden wären.

    Das ist für mich die Quintessenz der Geschichte. Deshalb habe ich sie erzählt. Man sollte daraus lernen.
    Geändert von Alex (24.04.2012 um 21:18 Uhr) Grund: Nachname gekürzt (Persönlichkeitsrechte)

  6. #436
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: ADHS und Dissoziation

    rosenmädchen schreibt:
    Dissoziation ist für mich ein psychischer Schutzmechanismus des Gehirns, um den identitätsbildenen Kern vor der totalen Zersplitterung zu bewahren, um schlechte Zeiten zu überdauern, ohne physisch und psychisch zugrunde gehen zu müssen...und um Zeit und Raum zu schaffen, Lösungsmöglichkeiten und bessere Bedingungen für die Überwindung der lebensbedrohlichen empfundenen Zustände und Verhältnisse zu finden.
    Das ist bis jetzt wohl die kürzeste, bündigste und beste Definition der Dissoziation in diesem Thread.

    Besonders gefallen hat mir die Feststellung, dass die Dissoziation letztlich ganz banal ausgedrückt ein Versuch ist, Zeit zu gewinnen. Zeit für eine Verarbeitung, die dann aber tragischerweise nicht eingelöst wird und unverarbeitet liegen bleibt.

  7. #437
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein schreibt:
    Das ist bis jetzt wohl die kürzeste, bündigste und beste Definition der Dissoziation in diesem Thread.

    Besonders gefallen hat mir die Feststellung, dass die Dissoziation letztlich ganz banal ausgedrückt ein Versuch ist, Zeit zu gewinnen. Zeit für eine Verarbeitung, die dann aber tragischerweise nicht eingelöst wird und unverarbeitet liegen bleibt.
    Ja, finde ich auch.
    Wobei sich ja durch / in der Dissoziation eben die Zeitwahrnehmung bzw. "Geschwindigkeit" auch verändert.
    Meist auf unendlich langsam. Es ist so wie wenn ein Film immer langsamer abgespielt wird. Irgendwann sieht man dann auch die Lücken.

  8. #438
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    "Zitat : Soso, von der Frau Dr. S. scheinst Du auch schon wieder nichts zu halten.

    Das ist aber nicht ganz gerechtfertigt.

    Es ist eine sehr eigentümliche, spezielle Persönlichkeit. Sie ist mittlerweile im Rentenalter. Und praktiziert meines Wissens nicht mehr. So dass wir hier ruhig ein paar Worte über sie verlieren können, ohne dem Werbevorwurf anheimzufallen. Sie gehört in Deutschland zu den Avantgardisten der ADHS-Behandlung. D. h. sie hat diese Störung schon (erfolgreich) behandelt, als Du Dir noch in die Windeln gemacht hast. "

    Gestern war wohl S.-Day? Ich habe jedenfalls einen Brief zur Aufnahme eines ihrer früheren Patienten erhalten.

    Sonst bin ich ja eigentlich raus und im ADHS-Ruhestand, was diese Hitparade der "Experten" angeht. Bin ja im Bereich Essstörungen aktiv und raus aus dem ADHS-Bereich der Klinik ! Habe ich wirklich behauptet, dass ich die meiste Erfahrung habe ? Da muss ich angesäuselt gewesen sein und nehme das auf jeden Fall zurück !!!!

    Absatz gelöscht (etliche Verstöße Persönlichkeitsrechte)

    Ich lege aber wert auf das mir hart erarbeitete Vorurteil, dass ich "Pillendoktor" bin und nur und ausschliesslich auf Medikamente setze. Wo kommen wir denn hin, wenn jetzt die Hollunder-Heinis nichts mehr zu lästern haben ! Und wenn ich mal in 13 Jahren ein ADHS-Buch schreibe wird es zunächst über ADHS-Pharmakotherapie sein : ADHS-Medikamente sinnvoll einsetzen

    Haken an der Sache : Ich würde es einmal syndrombedingt nicht fertig bekommen und wüsste, dass es von den ADHSlern berechtigt zerrissen wird, weil es eben nie richtig sein könnte. Daher bleibt es dann bei den Versuchen. Ich finde eh, dass es fürchterlich ist, wenn man sich nicht weiterentwickelt. Mir macht die Arbeit mit den Anorexie- und Bulimie-Patientinnen irrsinnig viel Spass und ich bin natürlich immer noch im interessanten Grenzgebiet von ADHS, Dissoziation, Hochsensibilität des Spektrums beschäftigt :-)

    Ob ich was von Frau Dr. S. halte ? Keine Ahnung. Ich habe sie nur einmal auf einem Vortrag erlebt. Ihre Verdienste sind unbestritten. In dem Brief hatte sie Diagnostik-Bögen von Frau Dr. Just, die ja in Wolfsburg quasi der Nordlicht-Gegenpol war. Zu ihrer Diagnostik und Therapie möchte ich mich aber lieber nicht äußern...

    Ich schätzte die Pionierarbeit von BEIDEN. Allerdings hatte ich eben bezogen auf Erwachsene so meine Zweifel und letztlich auch hinsichtlich der Medikationsbehandlung (Stichwort : Hochdosis...).

    Ich weiss, wie viel Gegenwind diese Pioniere in ihrem ADHS-Therapeutenleben erlebt haben.

    Und nur um es klarzustellen : Barkley finde ich gut. Thomas Brown finde ich sehr nett und gut, Hallowell war natürlich lange mein Idol und wenn ich sehr sehr geschäftstüchtiger wäre und es mit dem ADHS-Wissen nicht so genau nehmen würde, würde ich vielleicht auch Daniel Amen nachahmen.
    Geändert von Alex (24.04.2012 um 21:25 Uhr) Grund: Nachnamen gelöscht (Persönlichkeitsrechte)

  9. #439
    hirnbeiß

    Gast

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein. Wenn ich nicht eine dermaßen gute Ärztin hätte, dann würde ich mich auf jeden Fall näher mit dir beschäftigen.
    Von dir würde ich mich eher "behandeln" lassen, als von...(mir?)
    aber lassen wir das.
    Ich mag deine wirklich durchschaubare Schreibe. Und das mit der Disso (schreibt man das jetzt ja so?) sehe ich auch
    so ähnlich wie rosenmädchen. Warum einen Würfel neu erfinden, wenn man lediglich die dritte Dimension begreifen muß?.

    LG --hirnbeiß--
    Geändert von hirnbeiß (22.04.2012 um 10:24 Uhr)

  10. #440
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: ADHS und Dissoziation

    web4health schreibt:
    Haken an der Sache : Ich würde es einmal syndrombedingt nicht fertig bekommen und wüsste, dass es von den ADHSlern berechtigt zerrissen wird, weil es eben nie richtig sein könnte. Daher bleibt es dann bei den Versuchen.
    Dann machst Du halt eine Zeitschrift draus oder eben einen Blog (Zeitschrift wär schlauer, soll ja auch den ein oder anderen Taler verdienen)
    Das kann eine Never-Ending-Story werden, immer wieder aktualisiert, muss und kann nie fertig werden, passt
    (Ist wie 'ne Modellbahn, darf auch nie fertig werden und darf auch nie perfekt/ richtig sein, denn dann müsste man sie schrotten und eine neue anfangen...)

    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Eiselein, gibt es sowas wie eine Kurzfassung von Deiner literarischen Disso-Geschichte?

    Ich gebs nur ungern zu, aber ich kann solche Texte nicht lesen, habe es wirklich 5 mal versucht und WOLLTE es auch lesen, aber ich kann es einfach nicht.
    So wie ich keine Romane lesen kann (in meinem Erwachsenenleben habe ich gerade mal das Phantom der Oper, The Songs of Distant Earth (die englische Originalfassung, die deutsche Übersetzung ist schlecht) und die Harry Potter- Reihe gelesen).
    So oft ich es versuche, entgleitet mir der Anfang des Satzes spätestens am Ende, meist schon in der Mitte, ich bekomme es nicht zusammenfassend in den Kopf, vergesse den Anfang noch vor dem Ende des Satzes.
    Dafür habe ich den Schrank voll mit Fachliteratut, ... DAMIT geht das ...
    Romane kann ich einfach nicht, tut mir leid, aber ich wüsste gerne, um was es geht.
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Eiselein schreibt:
    Dann abrupt die Aufforderung O.K, jetzt stehen Sie wieder auf! Natürlich schlagen sich 90 % aller ADHSler beim Aufrichten die Birne an diesem Medikamentenschrank an, weil sie schon längst wieder vergessen haben, dass sie unter einem solchen liegen. Weil Fr. Dr. S. in den meisten Fällen weiß, was passiert, hält sie auch ihre Hand schützend zwischen den Kopf des Patienten und den Medikamentenschrank.
    "Ja, wissen Sie, normale Menschen schlagen sich selten freiwillig das Hirn ein."
    Kommt mir grad schmerzhaft bekannt vor, ... hatte mit meiner ersten Fra mal eine Mansardenwohnung und sie wollte unbedingt das Kopfende in der Dachschräge.
    Etliche Beulen und reichlich Unverständlichkeit über das Phänomen später wurde es dann doch umgestellt .
    (Sie denkt wahrscheinlich heute noch, dass ich das mit Absicht aus Trotz gemacht hab ...)


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