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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #421
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: ADHS und Dissoziation



    So einfach kann es sein.... Und da diskutieren Philosophen Jahre(hunderte) lang.... Immer diese Stinos (?)

    Ob uns die Erkenntnistheorie hier vielleicht bei der Verifizierung von Therapieverfahren weiterhilft? Die Philosophische Methode könnte aber nützlich sein....


    ...gerade beim "neuesten Therapieverfahren"
    http://adhs-chaoten.net/images/style...quote_icon.png schnuppe schreibt:http://adhs-chaoten.net/images/style...post-right.png
    ...eine amerikanische Reality-Show, , wo drei Mädels mit Vorbildcharakter irgendwelchen Menschen, die viel Geld bezahlen, ihre Dämonen weg exorzieren ......

    http://adhs-chaoten.net/attachment.p...4&d=1334869958


    LG
    Erika

  2. #422
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    1411erika schreibt:


    So einfach kann es sein.... Und da diskutieren Philosophen Jahre(hunderte) lang.... Immer diese Stinos (?)

    LG
    Erika

    Das ist ja nur das, was ich in der Situation gerade gedacht habe. In ein paar Minuten/Jahren denke ich was anderes. Eine Assoziation ohne Vorkenntnis halt. Ich meine, wenn man das nicht tut, macht man sich unnötig selbst mundtot, sowas einfach sagen. Es ist ja auch wichtig, dass man, wenn man in etwas nicht drinsteckt, trotzdem seine Meinung sagt, weil man einen anderen Blick hat. Diesen Satz wollte ich jetzt nicht für die Ewigkeit so da hinstellen.

  3. #423
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: ADHS und Dissoziation

    web4health schreibt:
    Deshalb finde ich ja die Bildersprache so hilfreich, weil sie abstrakter und mehrdimensionaler ist.


    Damit habe ich mich in den letzten Tagen auch beschäftigt. Aus diesem Grund hatte ich mich hier auch mal ein bißchen ausgeklinkt... Mal von den bloßen Gedanken und Rationalisierungen ab- und auf ein Bild zu kommen. Ganz ohne Gedanken bin ich dabei aber nicht ausgekommen.

    Ich will im folgenden einmal den Versuch unternehmen, mich dem Thema Dissoziation auf eine literarische Weise zu nähern.

    Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, einen völlig banalen und alltäglichen Vorgang zu schildern. Jemand übernachtet in einem Hotel, geht am Morgen zum Swimming Pool und sieht dort eine Frau. Das wärs auch schon.

    Allerdings habe ich mir zur Aufgabe gemacht, einmal zu schildern wie ein komplett Dissoziierter diese scheinbar alltägliche Situation wahrnimmt. Und was das in ihm für Reaktionen hervorruft.

    Zum einen versuchte ich das sprachlich, also formal rüberzubringen, indem unser Dissoziierter eben eine dissoziierte, also entpersönlichte, gekünstelte Sprache spricht. Zum anderen aber natürlich auch dem Inhalt nach, also dem nach, was er von sich gibt.

    Ob mir das gelungen ist, ist wieder eine andere Frage. Aber, ähm *hüstel*, als jemandem, der in Sachen Dissoziation nicht ganz unbewandert ist , müsste es einem eigentlich schon gelingen, in die Haut eines Komplettdissoziierten zu schlüpfen.

    Wohlan, der Vorspann ist zu Ende, let the disso-show begin.

    (Ich hoffe, ihr könnt was damit anfangen, ich glaube aber schon, schließlich hat sich unser Thread vom anfänglichen Versuch, einmal den Begriff Dissoziation zu klären, mittlerweile zu einer Schule der Dissoziation entwickelt. Dissoziieren für Fortgeschrittene sozusagen.

    Negativ formuliert könnte man auch sagen, einige Teilnehmer in diesem Thread haben ganz schön einen an der Waffel.

    Ich wage jedenfalls nicht daran zu denken, würde man diesen Thread einem unbedarften Psychiaterlein: zugänglich machen, der von nix eine Ahnung hat, was der da alles zusammendiagnostizieren würde...)



    Meine Blicke richten sich aus dem Fenster, hinaus über die laubbedeckte Plattform der Terrasse. Die weiten, auf den Wald zulaufenden Wiesen zeigen sich in sachtem Glanze, von frischem Tau bedeckt. Langsam entledigt sich der dunkle Fichtenwald seines nebeligen Kleides, bricht die aufziehende Helle des beginnenden Tages den schwarzen Wald aus seinem Schweigen. Seine Spitzen sind in zartes, reflektierendes Weiß getaucht. Ich registriere ihn genau, diesen sich in sachten Nuancen abzeichnenden Übergang des Lichts.

    Noch etwas schläfrig, das schwerliche Erwachen des Körpers soeben erst dem übermächtigem Schlafe abgerungen und etwas schwach noch auf den Beinen, entschließe ich mich, nachdem ich im ruhigen Ambiente des geschmackvoll eingerichteten kleinen Zimmers ein ausgiebiges Frühstück zu Ende genossen habe, die hoteleigene Schwimmanlage aufzusuchen, um den Reminiszenzen meines morgendlichen Kampfes eine mir wohlgesandt scheinende Gunst zu erweisen.

    Die Atmosphäre der breiten, lang gezogenen Gänge und den mit gedämpftem Licht nur schwach ausgeleuchteten Nischen des sich geräumig verzweigenden Hotels ist noch nicht erfüllt von jenem herzerfrischenden Lärm, mit dem herumtollende Kinder tagsüber die verzweifelte Stille dieser weitlaufenden düsteren Hotelräume aufzuhellen pflegen. Unbehaglich ist es dann mit anzusehen, wie aus den entnerft-verzerrten Gesichtern ihrer Bewacher die gewalttätigen Kommandos hervorquellen, welche sie drohend gegen diese kleinen, zart besaiteten, von ihnen in die Welt gebrachten Menschen richten, ihnen ihr Lachen zu verschütten. Sie bekommen früh gelernt, dass es in gewissen Welten nichts zu lachen gibt.

    Meine Mutmaßung, zu dieser frühmorgendlichen Stunde in dem großzügig angelegten und wohlausstaffierten Schwimmbereich noch niemandem zu begegnen und mich somit in die glückliche Lage versetzt zu sehen, etwas tun zu können, wobei man sich ungern gestört fühlt, findet Bestätigung, als ich die kleine, mit vielen Pflanzen lebendig eingerichtete Halle betrete, nicht ohne mir vorher noch im Vorübergehen an der Zeitungsauslage die gestrige Ausgabe der Times unter den Arm geklemmt zu haben; man muss gegebenenfalls Weltoffenheit demonstrieren.

    Als ich es mir schon einige Zeit, mich der Lektüre eines schmalen, doch umso gewichtigeren Büchleins widmend, auf einem der Liegestühle am Rande des Beckens bequem gemacht habe (so bequem dies auf Plastikmobiliar möglich ist) und das sanft sich wiegende Wasser beginnt, seinen beruhigenden Charakter auf mich auszuspielen, nehme ich das Geräusch der sich schließenden Türe war. Etwas muss den Raum betreten haben, ja, tatsächlich - es ist eine Frau.

    Ein etwas dunkles Wesen, scheint es mir, prachtvolles schwarzes Haar und frohgelaunt, sie lächelt, was mir zu dieser Tageszeit eine fast seltsam zu beobachtende und rar gesät erscheinende menschliche Eigenschaft ist. Für einen Augenblick scheint es mir, als hätten ihre forschenden Blicke mein Antlitz gestreift und es zu einer zarten Aufmunterung seiner Züge gezwungen. Es hätte jedoch den zwielichtigen Charakter der Selbstüberhebung gehabt, in aller Bescheidenheit anzunehmen, ich wäre vielleicht einer der Gründe ihrer ostentativen Heiterkeit, oder auch nur die Tatsache, auf ein anderes menschliches Wesen getroffen zu sein und sich unter dieser gewölbten Hallendecke nicht alleine zu wissen. Nein, sie muss einer der Menschen sein, die ein Lächeln als Grundstimmung durch den Tag tragen.

    Diese Menschen sind nicht alleine. Und welch angenehm zu ergründende Helligkeit muss sich angesichts dieses Lächelns unter jenem dichten schweren, in säumigen Wellen dahinfließenden Haar im Verborgenen wähnen. Sie schreitet schnellen bestimmten Schrittes seitlich am Becken entlang, den Gedanken sich am anderen Ende auf einer der dort befindlichen Liegen niederzulassen schon in sich zu tragen scheinend.

    Währenddessen sich ihre wählerisch suchenden Blicke für die letzte, nahe bei den großen Fenstern stehende Liege entscheiden, auf welcher erste schwache Brechungen des aufziehenden Tageslichts auszumachen sind, entledigt sie sich rasch, mit einigen geschickten Bewegungen, des weißen Bademantels, in welchem alle Gäste hier uniform zu erscheinen pflegen. Ihr Körper zeigt sich von einem giftgrünen Etwas umhüllt, das wie ein Badeanzug aussähe, wäre es nicht von dieser Penetranz gefärbt. Ich muss mich überrascht zeigen, denn dies kann nicht recht zu meinem bisher gewonnenen Eindruck einer ruhenden Unaufdringlichkeit in ihrer Erscheinung passen und welch ein Körper sticht mir ins Auge, ihn umgehend zu modifizieren. Vielleicht vermag die Distanz die Reinheit dieser Erkenntnis etwas zu trüben, aber selbst wenn, wäre es mühselig, sich an Vergleichbares zu erinnern.

    Sagte ich Vergleichbares? Das scheint mir eine eigentümliche Unart des Menschen darzustellen, sich seinen Artgenossen vergleichend zu nähern, um dann doch nur angesichts der untrübsamen Einzelhaftigkeit des Menschen erschöpft festzustellen, dass es nichts zu vergleichen, nichts zu kategorisieren gibt, auch wenn es auf diese Weise einfacher schiene, sich unseren Mitmenschen erinnernd zu nähern.

    Sie liegt mir direkt gegenüber, auf der anderen Seite des wabenförmig begrenzten Wassers, so dass mir der Eindruck der Konturen ihres apollinischen Körpers unweigerlich in die Augen fällt, sobald ich wage sie zu öffnen. Ich glaube nicht einmal, dass sie mich registriert hat und wenn, dann empfindet sie keinen ernstlichen Grund, es sich ansehen zu lassen, ob und in welchem Maße sie meiner Anwesenheit irgendeine Bedeutung beimisst. Ich beobachte sie, wie ihre Blicke über die seitwärts stehenden Töpfe aus weißem Ton, aus deren kleinem Erdenreich Pflanzen sich mühevoll in die Höhe stemmen, nach draußen schweifen. Es stimmt mich traurig, dass ich ihre Augen aus dieser Entfernung nicht zu erblicken vermag. Die Augen, die so wichtig sind als ein Spiegelbild der jeweiligen Befindlichkeit des Menschen, aus welchem heraus sie sich richten. Sie erfassen ein triefendes Nass erdrückend schweren herbstlichen Wetters, das sich an diesem Morgen über die kleine Stadt hereingebrochen zeigt. Ich wünsche ihr Glück, dass ihre Blicke es zu durchdringen vermögen und schätze mich in wohliger Sicherheit, dabei nicht in ihre Augen sehen zu müssen.

    Plötzlich wird die Luft von einem lauten, unangenehm sich aufdrängenden Surren zerrissen. Sie fährt auf, wirft den Kopf mit dem langen schweren Haar in den sich angestrengt verformenden Nacken, wendet sich suchend schräg zur Decke hinauf und gebietet dem Beobachter aus stiller Entfernung einen Blick auf ihren schlanken hochgewachsenen Hals, der die Ästhetik ihrer Erscheinung zu akzentuieren scheint. Ihre Haut vermag an die in leichter Kleidung, unter stechender Hitze und träge sich wälzenden Menschenmassen zugebrachten Sonnentage zu erinnern und scheint makellos über das Wasser hinweg. Auch ich bin für einen Augenblick zusammengezuckt, habe mich umgeblickt und suche mir auf dieses seltsame Ereignis einen Reim zu machen, doch der schrille Stein des Anstoßes beginnt alsbald zu verebben. Ich sehe, wie sie ihre linke Hand in eine neben ihr, auf dem dunkelgrün gefliesten Boden stehende Tasche gleiten lässt und etwas hervorgreift, das ich aber noch nicht genau zu erkennen vermag; dann lehnt sie sich sanft zurück.

    Ich glaube jetzt, dass sie mich gesehen hat - für einen Moment schien sich das Röhrenhafte unserer Blicke unter der tiefhängenden Kuppel der kleinen Halle gestreift zu haben. Im Augenblick sehe ich mich außer Standes, meiner eigentlichen Beschäftigung die erforderliche Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Ich nehme meinen rechten Zeigefinger aus der Mitte des mit beiden Händen fest umfassten Buches zurück und lasse es bereitwillig in meiner Rechten verweilen, um es gegebenenfalls ohne große Mühe wieder aufschlagen zu können, doch spüre ich, wie ein Gefühl der Unruhe beginnt meinen Körper zu erfassen; etwas hat mich ergriffen.

    Ein wenig jener phantasiebedrungenen Unsicherheit, von der ich mich immer dann erschlichen sehe, wenn ich angesichts einer mich unmittelbar ergreifenden Begebenheit nichts verspüre, ihr entgegenzutreten, das Chaos meiner Gefühlswelt nicht in dem Maße zu ordnen weiß, nach welchem ein einheitliches Handeln möglich wäre. Es ist die seelische Getroffenheit, welche immer dort im Entstehen begriffen ist, wo der gefühls- und phantasiebeladene Mensch als Träumer unvermindert auf den harten Zustand der Wirklichkeit prallt, um sich blickend niederfährt, erschüttert wird, tänzelnd wieder auf die Beine kommt und erst dann vollkommen jene erdrückende kalte Gestalt des Schmerzes pilzartig in sich aufsteigen verspürt, welche da Erkenntnis heißt und ihre Bedeutung anmahnt; ein sehnsüchtiges Gefühl, verlangend nach Vertrautheit in der Umgebung und Gewissheit im Tun – hier hat es seinen tatsächlichen Bezug.

    Es ist ein grünes Buch, nach welchem sie gegriffen hat. Sie blättert darin, offensichtlich nach einer bestimmten Stelle. Mich interessiert, um welchen Titel es sich handeln könnte und ich erkenne, es ist einer jener billigen Romansammelbände, welche ihre Bezeichnung selbst noch zu unrecht tragen und wie sie in jeder zweitklassigen Buchhandlung ihren hoffentlich nicht allzu regen Absatz finden.

    Ich muss gestehen, mich getäuscht zu haben, war ich doch über meine Eindrücke zu der Überzeugung gelangt, dass eine angenehm zu erfahrende Tiefe hinter diesem Wesen im Geborgenen liegen musste.

    Ja, ich gebe es zu, ich glaube noch an die Dinge hinter den Dingen, an das Sein hinter der Erscheinung, lasse mich gern einfangen und trösten vom Wahn der Hinterweltler, doch welcher merkwürdigen Weise, Menschen zu beurteilen, bin ich jetzt wieder verfallen? Der alles andere als gebührlichen Unaufrichtigkeit, von der Kenntnis des Einzelnen schon auf das Ganze schließen zu wollen, scheint bei mir Tür und Hof geöffnet zu sein. Außerdem liegt durchaus etwas Sympathisches in der Tätigkeit dieser jungen Dame: sie liest, ob zu ihrer Zerstreuung oder Unterhaltung – sie liest.

    Es handelt sich hierbei um ein recht geduldiges Laster, bei welchem es zunächst einmal des guten Rüstzeuges bedarf und das sich dann schließlich mit zunehmender Dauer und sich intensivierender Anteilnahme fast wie von selbst in vorher ungeahnt gebliebene Höhen erstreckt. Es ist also durchaus möglich, dass sich bei mir die Überzeugung wieder als größter Widersacher der Wahrheit entpuppen würde, hätte ich nur Gelegenheit, das weibliche Wesen näher zu betrachten, um mit Hilfe weiterer Einzelheiten zuverlässiger auf das Ganze schließen zu können.

    Die Trägerin dieses Ganzen ist auf eine nicht zu vermittelnde Weise ungeheuer attraktiv, so dass ich mir fast nicht einzugestehen wage, dass es mir nur schwerlich möglich ist, meine Blicke von ihr zu lassen; auch jetzt nicht, als sie aufsteht und sich mir zuzubewegen droht.

    Ich ertappe mich dabei, wie ich begonnen habe, auf meinen Fingernägeln zu kauen und bemühe mich, dem unwillig sich Treibenden raschestens Einhalt zu gebieten. Meine Blicke flüchten sich seitwärts aus dem Fenster, hinaus in den rettenden Trübsinn, doch meine Sorge stellt sich als unbegründet heraus, als ich das ohnmächtige Geräusch vernehme, den der Körper dieser Frau beim Eintauchen ins schwere Nass verursacht haben musste. Unweigerlich wenden sich meine Blicke wieder dem Becken zu, und wie ich sehe, wie flink sie ihren Körper durch dieses schwere Element zu geleiten vermag, muss mir doch dieser alte Spruch einfallen, den ich einmal irgendwo gelesen und nicht mehr vergaß: "Die Schönheit ist des Menschen ein und alles."

    Schönheit? Wie lange mochte sie wären? Ihr Gegner ist die Zeit. Er spielt die besseren, endgültigen Karten, auch wenn es angesichts der hier versammelten Jugend scheinen mag, dass er für einen Moment im Hinterzimmer Platz genommen hat und sich die Bedeutung seines alles dominierenden Charakters für den Augenblick ins Unwesentliche verflüchtigt.

    Meine Verträumtheit beginnt sich in der realen Situation zu schmälern und für einen Moment spiele ich mit dem Gedanken selbst ins Wasser zu steigen, ihren Bahnen zu folgen, doch irgendetwas Krankhaftes ergreift mich, etwas Rationales, scheint es wohl, gebietet meinem Drängen Einhalt, eine kalte, aufgesetzte, dem Irrsinn entspringende Vernunft verstört dieses drängende Gefühl – ich vermag es nicht zu tun. In stiller Weltscheu dränge ich mir den Gedanken auf, es sei eine Unmöglichkeit in menschliche Nähe zu gelangen und spüre Angst.

    Ich fürchte mich vor der ungestümen Verlassenheit des in sich selbst Verschlossenen, das hat einen greifbaren Grund. Der Eingeschlossene sieht die Welt nur noch mit den Augen des Gefangenen, mit den Augen eines ehemals stolzen Vogels, der in seinem goldenen Käfig nach Freiheit sinnt; er denkt überhaupt nur noch aus dieser krankhaften Perspektive und empfindet Ekel vor sich selbst, angesichts des dunklen, misanthropischen Charakters, der über ihn einbrechenden Gedanken, welche ihn vollständig auszuhöhlen drohen, jenem einsam Ersterbenden die letzten Stiche zu versetzen. Und – wesentlich – er verliert die Flexibilität sich auf alltägliche Situationen des menschlichen Lebens einrichten zu können.

    Der Wunsch nach Abwesenheit tut sich mir auf, das unbestimmte Verlangen die ganze Szenerie unblutig und nichtssagend, im Bewusstsein der augenscheinlich unvereinbaren Gegensätzlichkeit zwischen der Sehnsucht nach menschlicher Nähe und dem Bedürfnis nach Distanz, nach der Erhebung von Grenzen, durch das Aufstoßen einer Hintertür geruhsam zu verlassen. Meine Unruhe geht auf in einem inneren Rebellieren gegen dieses Gefühl der Unzulänglichkeit.

    Ihr Oberkörper entgleitet dem Wasser und ich sehe sie, über die seitlich angebrachten Treppen dem Becken entsteigen. Das nasse schwarze Haar liegt schwer über ihren Schultern, ihr alles überdeckendes Lächeln hat sie noch nicht verloren. Ihre Nähe, die in Wirklichkeit nur eine Nähe eines Körpers ist, lässt mich in meiner Befremdung erstarren.

    Inzwischen hat sie sich wieder mit dem weißen bauschigen Bademantel aus Frottee bekleidet und, ein Taschentuch zur Nase führend, auf einem der schwarzen kahlen Hocker an der gegenüberliegenden Theke Platz genommen.
    Einen Augenblick lang versuche ich mich wieder resignativ meiner Lektüre zuzuwenden, doch stelle fest, dass ich es nicht vermag, die einzelnen Worte zu einem Sinnzusammenhang zu verbinden und gebe auf.

    Was ist es nur, das mich zurückhält, Leben zu versuchen? Wie könnte es aussehen, ein letztes Aufbäumen gegen den als misslich empfundenen Zustand der verinnerlichten Emigration und mangelersuchter Verschlossenheit? Ich spüre die Angst des Träumers, sich an der entkleideten Realität zu Tode zu stoßen, die Verlorenheit angesichts der still mich umschließenden Zurückhaltung, welcher ich verfallen und die erschreckend aufkeimende Gewissheit, keinen Ausweg erblicken zu können, der sich als beschreitbar zeigen würde. Die unbestimmte Fragwürdigkeit ewiger Einsamkeit droht mir anheim zu fallen. Etwas will mich töten.

    Ich fühle mich angefressen, fühle Scham hinsichtlich der offenkundigen leidigen Unfähigkeit, mich des unbedarften Geschehens zu erwehren. Und dann dieser Gedanke: Liebe – wie verklärt auch dieses Wort – das muss es geben. Liebe, einzig und allein die volle unvoreingenommene Bejahung dessen, was da so geräuscharm vor sich hinvegitiert, wäre vermögend jene Bande der Einsamkeit zu brechen, aber wem gelang es je zu lieben und dennoch sich gegen das Leben zu versuchen, sich dagegen zu stellen?

    Die Liebe ist ein Kind der Fremde, für den, der sie nie gekannt. Die mit der Fremde verbundene Angst zu lieben ist in Wirklichkeit die Angst geurteilt zu werden, ist die Angst des Geöffneten vor dem unkontrollierbaren Hereinbrechen der Sinnlichkeit in das Festgefügte, ist letztlich auch die Angst sich im Geben zu verfließen.

    Unwillkürlich denke ich zurück an die durchlebten und fürderhin kaum beachteten Tage freudiger Kindheit, jenes unbekümmert gesellige Zusammensein im hohen Grase sacht sich wiegender frischer Wiesen, doch stoße ich dabei auch auf die Bilder der Gräber meiner verlorenen Jugend, wie sie sich vor mir aufbäumen, sich vor mir wälzen und mir stets wiederkehrend in Erinnerung rufen, dass von dort aus kein Weiterschreiten möglich ist, ohne sie vollständig überwunden zu wissen. Doch die Erinnerungen entschwinden mir, wie auch die Zeit mir entgleitet, wie ein Schwarm aufgescheuchter Vögel in die Stille einer anbrechenden Nacht hinaus; und was übrig bleibt geht unter im erbärmlichen Alltagsgeläute.

    Was treibt mich willenlos in jenen stillen weisen Hort der Kümmernis? Aber vielleicht sind diese Worte nur die hohlen Hülsen eines ewig Unzufriedenem, dem die schnell sterblichen Vergnügungen, all die erstickenden Schäume und billigen Betäubungen des Mehr- und Überkonsums, die Erbärmlichkeit der Zeitvertreibe, mit denen er sich, wie so viele andere auch, über die Zeit zu lügen sucht und dem schon fast der Irrsinn um die Pforte streicht, die ihn verschließt und daran hindert sich zu öffnen, nicht nur zu Kopfe gestiegen sind.

    Ich fürchte mich vor der Vorstellung, wie es einem Menschen gelingen soll, durch die gepanzerte Fassade unaufhörlicher Zurückhaltung zu brechen, und ich fürchte mich vor seinem Versuch, sich in Kenntnis setzen zu wollen, wer dahinter steht. Ich gebe mich ungern preis, aber ich spüre doch diese Sehnsucht nach der Begrenzung der Freiheit in der Bestimmtheit des Aufgefangenseins, nach dem gefährlichen, doch angenehmen Halt in der Anpassung und der beglückend zu erfahrenden Bestätigung in der wechselseitigen Rücksichtnahme, im Setzen von Grenzen – oder sollte der Wunsch nach menschlicher Nähe bloßer Egoismus sein, der seine starren Schranken nur vorübergehend und mit festen Absichten transzendiert?

    Wer bist du? Diese Frage droht sich nicht nur beim allmorgendlichen Blick in den verhassten Spiegel zu erheben, diese Frage wird noch bedrohlich im Raume stehen, wenn längst alles Hoffen, eine Antwort zu finden, in der monotonen Selbstverständlichkeit des sich vollziehenden Tages verstummt.

    Einen kurzen Moment noch bleibt sie stehen und geht hinaus.

    Ich habe keine Lust mehr und spüre das Verlangen, meine Sachen einzupacken und mich in mein Bett zu verkriechen. Es gibt sowieso keine Nacht, die ich durchschlafe, was könnte es schon bedeuten dem voll erwachten Tag im frisch gemachten, erkühltem Bette chemisch zu entsinken.

    Ich sinke, seltenes Gelangen. Ich sitze auf einem Baum – ich kenne ihn genau, es ist einer der Bäume meiner Kindheit, ein rosa blühender Pflaumenbaum im Garten meines Großvaters. Bunte Vögel zwitschern ihr Lächeln. Ich sehe meine Mutter. Sie ruft mir etwas zu, ständig wiederkehrend, das ich nicht verstehen kann, rückt näher heran, kommt immer näher. Nein, ich will nicht hören, ich will taub sein, um stumm bleiben zu können.

    Sie umschreitet den Baum und beginnt ihn heftig zu schütteln. Mutter, was tust du? Du verschüttest mir mein Leben. Ich spüre Angst und dränge meinen Körper näher an die stärkeren Äste. Sie biegen sich etwas unter dem Gewicht und durch die Blätter flüstert angenehm leise der Wind. Doch das Schütteln hört nicht auf. Ich fürchte, meinen Halt zu verlieren, doch was soll ich tun, bevor es mich zu Boden wirft?

    Ich fasse den Mut und springe ins Ungewisse, denn ich vermag keinen Grund mehr zu sehen. Ich falle. Ich spüre keine Angst, etwas, das ich nicht gefunden, kann ich nicht verlieren und etwas fängt mich auf. Ich fühle Halt. Ich kenne das Lächeln und meine Blicke versenken sich in tiefdunkeln Augen der Geborgenheit. Sie senkt ihre Lippen auf die meinigen und schreitet schweigend davon.

    Ein innerliches Schreien schlägt mich: Nein, bleibe doch hier, so gib mir deine Hand. So kann ich nicht aufhören flehentlich zu rufen, wie ein Delinquent, der sich mit Mauern schlägt. Nach ihr zu rufen, die mir jene Empfindung schenkte, die mit den Wogen des Zufalls sinnlos zu verebben droht, doch spüre ich – erschreckend – wie mir durch ihr Weggehen Reinigung geschieht; ich fühle mich nackt. Ich sehe noch das langsam entschwindende Bild der Fremde und spüre die kalte Freiheit ohne Bindung zu sein.

  4. #424
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Sehr schön !

    Es fehlen natürlich die Worte, um es zu würdigen. Aber es wäre eigentlich spannend, es fortzusetzen :-)

    Ich habe aber nach dem Lesen gedacht, dass es der Hauptperson ja da noch gut ging. Also eine eher verklärte bzw. verträumte Sicht der Wahrnehmungen hat. Sowas wie Tagtraummodus vielleicht.

    Er ist noch nicht im Vollstadium der "rosaroten Verblendung" von anfänglicher Verliebtheit bzw. aber auch nicht im Alarm, in dem nun irgendwelche schweren zusätzlichen Irritationen / Alarmierungen von Innen und Außen auftreten und dann aus der ja fast schon fliessenden Darstellung bzw Wahrnehmung eine Art Fleckenteppich werden lassen. Wo dann beim Lesen die Lücken auffallen.

    Ich habe gestern eine Patientin gehabt, bei der wir das wie ein Garten visualisieren liessen. Sie redet Kraut und Rüben. Oder aber Pflanzen, die nicht zusammenpassen. Sie wachsen, nehmen sich aber gegenseitig das Licht und die notwendigen Wachstumsbedinungen. Sie erreichen dann verschlungen eine bestimmte Höhe und sterben wieder ab. Hinterlassen Lücken und wachsen doch wieder wie Kraut und Rüben durcheinander.

    Verstehst Du was ich meine ? Der Dissoziierte würde im Sprachstil dann auch dissoziativer werden, oder nicht ?

    Ich habe mich früher sehr für Grammatiktheorien bzw. Spracherwerb interessiert. Im Prinzip höre ich häufig gar nicht mehr, WAS eine Patientin erzählt. Das interessiert mich auch nicht die Bohne ("sic, schon wieder ein Bild"). Sondern ich versuche eher die innere Logik bzw die Wachstumsmelodie , das Abbrechen bzw. Einschnappen und Ausschnappen in den Sätzen zu finden.

    So wie man in einem Kommunikationstraining (z.B. bei Corrie Neuhaus) auf Unwörter bzw Tonfall, Gestik, Mimik etc "allergisch" reagiert und dementsprechend zusammenschreckt.

    Der dissoziierte Held der Geschichte würde das auch erleben. Du beschreibst ja schon sehr schön, dass eigentlich der Rüstpanzer durchbrochen wurde. Und wenn ich dann nicht falsch liege, verändert sich da auch die Sprache hin zu einer mehr fragmentierten Darstellung. Hier würde es dann eigentlich interessant werden bzw aus einem etwas sehr verträumten ADSler vom unaufmerksamen Subtyp würde eine dissoziierte Person werden. Oder vielleicht sogar mehrere, die die gleiche Person aus verschiedenen Blickwinkeln sehen.

    So wie meine Patienten häufig von mir die Aufgabe erhalten, die gleiche Situation aus dem Blickwinkel des Zimmers der Kunsttherapeutin, der Oberärztin, aus ihrem Kinderzimmer, aus dem Blickwinkel des Vaters etc zu beschreiben. Und dann eben zu der Feststellung kommen, dass sich das fundamental unterscheidet. Nicht zusammenpasst. Weil sich Informationen ergeben, die da vorher nicht waren und nicht zusammengehören dürfen / sollen.

    Er sieht seine Mutter. Aber aus psychologischer Sicht würde er durch die Wahrnehmung seiner Mutter sehen. Er würde die Frau vielleicht dann eher riechen. Irgendein diffuses, süssliches Etwas, das sich als Erinnerungsspur eines gerade noch dagesenenen Gefühls von Geborgenheit andeutet. Was aber vorher eben nicht da war, bzw eben schon da, aber nicht wahrgenommen.

    Dem nicht-integrierten Held gelingt es ja gerade in der Dissoziation nicht, die tollen Wahrnehmungen als Ganzes zu erleben oder zu erfassen. Einmal, weil es zu viel ist. Dann aber auch, weil ihm immer ein entscheidener Schlüssel zur Integration fehlt.

    Das, was ihn erkennen lässt, dass er verliebt ist oder gerne sein würde.

    Gestern hatte ich 2 Patientinnen mit schweren dissoziativen Störungen, die eher eine symbiotische Beziehung hatten. Die sich jetzt aber eigentlich nur gemeinsam treffen wollen. Wegen dem anstehenden Abschied in 13 Tagen einer Patientin gelingt das aber nicht. Es ist echt ein Drama, weil sie sich gegenseitig so weh tun müssen, obwohl sie zueinander kommen wollen. Sowas erleben dissoziierte Menschen ja wohl häufiger. Je näher man kommt, desto stärker wird die Lücke sichtbar. Oder die Angst, dass die Bindung wieder verloren geht.

    Die Bindung der Bindungslosigkeit.

    Wahrscheinlich ist das ziemliches Geschwaffel. Es soll auch überhaupt keine Literaturkritik sein. Das dazugehörige Buch würde ich glatt kaufen :-)

  5. #425
    hirnbeiß

    Gast

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein.
    **Negativ formuliert könnte man auch sagen, einige Teilnehmer in diesem Thread haben ganz schön einen an der Waffel. **

    Man sollte nicht alles so negativ betrachten.
    Du hast es schon drauf, das muß man dir lassen.
    Aber manchmal, manchmal, da kann man einfach nur einen Satz stehen lassen...

    LG --hirnbeiß--

  6. #426
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 243

    AW: ADHS und Dissoziation

    Guten Morgen an alle...

    endlich ein Thema, das mich auch seit Jahren zutiefst in meinem Inneren beschäftigt und bewegt und mich heute und hier zum Schreiben animiert.

    Vorab: Meine Dissoziationserfahrungen sind für mich leider kein Segen, sondern stets ein echter lebensbedrohlich empfundener Zustand gewesen, aus dem ich früher ohne die bekannten Medikamente immer weniger herausgefunden habe. Ritalin hat mir ein neues Leben geschenkt und mich vermutlich vor einem Leben zwischen Psychiatrie, Abhängigkeit von meiner Herkunftsfamilie und einem inneren Zerfall bewahrt. Es wird sicherlich gewisse Schweregrade einer Dissozialtionsbereitschaft geben, leider war meine immer mit einem totalen identitätstsverlust besonderer Güte einhergegangen, so dass ich in der Zeit vor der Diagnose, immer schlechter aus diesen Zuständen herausgekommen bin. Zuviel Kraft hat mich das Zurückkehren jedesmal gekostet. Durch das Medikament bin ich handlungsfähig geworden und kann mich frei entscheiden, was ich als nächstes tun möchte, ohne den Gesamtüberblick zu verlieren oder Schlimmeres...

    Das Tragische an solchen Erlebniszuständen war es, dass ich es weder einem richtig mitteilen, noch erklären konnte, da einfach eine gesunde Distanz zu diesem Phänomen gefehlt hatte. Ich war quasi gedanklich gelähmt. Ich habe 20 Jahre Therapien aller Coleur gemacht, die absolut nichts aber auch wirklich nichts gebracht haben, weil ich sie nicht umsetzen, mich nicht sortieren und innerlich nicht festmachen konnte. So hat mir auch bis heute jegliches Vertrauen zu therapierenden Personen gefehlt, da ich Angst hatte, dass sie damit überfordert gewesen wären und das hätte mich noch viel härter getroffen. Das war Verzweiflung pur! Und das bei normalem Verstand und nach Außen normal wirkender Fassade, die ab und zu mal bei völliger "Überfüllung" und "Verzweiflung" in die Luft gegangen ist. Ansonsten habe ich mich immer perfekter an die Bedürfnisse und Ansprüche meiner Umwelt angepasst...bis zur unerträglichen Perfektion!

    Ein paar Ideen habe ich zu den eventuellen Ursachen, aber das es zu solchen Auswirkungen kommen konnte, eine chronische Traumatisierung?, wegen der Unerwünschtheit meines Naturells, meines Auftretens, meiner Impulsivität (früher nannte man das Lebhaftigkeit), Lautheit, Unbedachtheit, Offenheit.....gewesen sein, so das sich das "Ich" immer weiter wegmachte, quasi eingeschlafen ist, wenn es nicht erwünscht war. Und "so" war es nie erwünscht.
    Und das kann mit meiner ADSpersönlichkeit schon etwas zu tun haben. Denn ich war ja so anders... und was sollte denn mit der Natur aus mir mal werden....und das wollte meine Mutter nicht, sie hat sich oft wegen mir, ihretwegen geschämt...usw. und mich immer weiter von allem isoliert und vor allen kritisiert und gemaßregelt...Wie soll da ein so geartetes Naturell wach bleiben, was sollte mein Gehirn besseres tun, als das Licht auszumachen und das Ganze auf einen Sparmodus zu stellen...im Stand by zu verweilen....

    Die Medikamente machen ein Zuklappen in alte Bahnen unmöglich, unerstützen die noch schlafenden Teile in mir, die immer wieder zusammensacken wollen und das ist auch gut so. Ich fühle mich komischerweise auch seit Jahren wie in einem "Dornröschenschlaf" und wartete auf bessere Bedingungen. Die habe ich mir nun endlich erfüllen können...dennoch ist es schwieriger als ich dachte, den Standbymodus zu verlassen.

    Ich dissoziiere nicht mehr existenziell bedrohlich, aber noch in leichteren Abstufungen und Ebenen tagtäglich...die AD und vor allen Dingen MPH verhindern, dass ich mich in den Ebenen verliere und schön bei dem Aufbau meines Gottgewollten Naturells und Lebensbildes dranbleiben kann.

    Hätte ich mein Wissen vor zwanzig Jahren gehabt, hätte ich den vielen Anderen, meiner Mutter, den Guten, den Normalen, den Funktionierenden, den Erfolgreichen....nicht solche Macht über mein "Ich" gegeben und müsste es nun nicht so mühselig wieder zusammenklauben. Aber alles hat eben seinen Sinn.

    Also Dissoziation ist für mich ein psychischer Schutzmechanismus des Gehirns, um den identitätsbildenen Kern vor der totalen Zersplitterung zu bewahren, um schlechte Zeiten zu überdauern, ohne physisch und psychisch zugrunde gehen zu müssen...und um Zeit und Raum zu schaffen, Lösungsmöglichkeiten und bessere Bedingungen für die Überwindung der lebensbedrohlichen empfundenen Zustände und Verhältnisse zu finden.


    Ich stelle mir nun die Frage wie es wäre, wenn mein ADSnaturell niemals bekämpft worden wäre, denn ich fand mich ganz gut!!.....die Bedingungen erträglich....na ja, wie auch immer!

    Liebe Grüße
    Rosenmädchen

  7. #427
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 96

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hi!

    ich trau mich jetzt auch mal.

    Eiselein, deinen Text finde ich sehr gut, wenn ich auch Schwierigkeiten mit den vielen detaillierten Beschreibungen habe, da sie mit meinen eigenen Bildern zur beschriebenen Situation ins Gehege kommen.

    Ich lese hier schon lange mit, manches schnalle ich, anderes nicht....

    Ich dachte aber eigentlich, wenn man erfolgreich dissoziiert, dann passiert es eben gerade nicht, dass man dann auf einmal die Mutter ( um beim Text zu bleiben ) vor Augen hat.
    Ist es dann nicht eher so, dass man in der Situation verharrt, nicht anders kann aber ohne einen Grund dafür zu spüren?

    Also irgendwie die Schönheit ansprechen oder sonstige reagieren aber nicht können, blockiert sein.....


    Wie auch immer, mich hat der Text ganz ungeduldig gemacht: wieso geht der überhaupt so früh schwimmen und warum schwimmt er nicht endlich auch?

    Gruss Bassai Dai

  8. #428
    TBX


    ___________

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.221

    AW: ADHS und Dissoziation

    Geschafft.
    Hurra sag ich da.

    Es hat lange Zeit gewurmt und mir sehr zu schaffen gemacht, mich dazu durchzuringen.
    Da ich alles lesen muss, um mich zufrieden zu stellen.

    Aber das ist auch kein neuer Zustand für mich.

    Lange fachspezifische Texte, viele Fragen, viel Antworten und das auf vielen Seiten.
    Seit meinem Studiumabbruch 2009 und nur wenigen, kurzen Augenblicken zwischendurch, nicht mehr gewollt.

    Ein gruseliger Anblick und
    eine noch gruseliger Aufgabe, wenn es darum geht, das auch noch alles verstehen zu wollen.
    Hab ich alles verstanden?
    Mmmmmh denke einerseits schon, andererseits nur ansatzweise.

    Aber auch das ist mir nicht neu und ändert nichts an der Tatsache,
    das ich es wieder genauso tun würde.

    Gut das ich mir Notizen gemacht und Beitragsnummern aufgeschrieben habe.

    Am 6.April begonnen und heute endlich damit fertig, mit dem Ergebnis,
    jede Menge Müll abgespeichert zu haben,
    welcher mich mal wieder nur zu rein intuitiven, neuen Handeln bewegen wird.

    Aber immerhin, nicht wahr?

    Was bleibt ist ein wirklich gutes Gefühl, soweit ich das überhaupt behaupten kann.

    Es gilt nun einiges für mich zu klären und ich bin sehr gespannt darauf,
    wie denn meine Psych und meine Thera so auf die kommenden Thematiken zu sprechen sind.

    Gilt da jetzt in den nächsten Tagen eine kleine Strategie zurecht zu legen.
    Sollen, wenn es ihnen möglich ist, von selbst draufkommen.

    Wir fangen nochmal von vorne an denke ich.

    Gut das ich mittlerweile nicht mehr ganz so durch den Wind bin wie noch letztes Jahr.

    Vielen Dank an alle, die diesen Thread so gestaltet haben.
    Ihr habt mich mit der Thematik, den Ansichten und den möglichen Lösungsansätzen gut aus der Reserve gelockt und
    das passiert bei mir nun wirklich nicht sehr oft.

    Danke und liebe Grüße,
    TBX

  9. #429
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 1.096

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo!

    Ehrlicherweise erkenne ich in Eiseleins Text, der literarisch natürlich hervorragend ist, nicht wo da eine Dissoziation sein soll? Ich entdecke da ein großes (ADS) Träumerchen, aber wie gesagt nicht die Dis...? Persönlich kenne ich das nur so, dass ich so viele Einzelheiten wie sie hier beschrieben werden...selbst gar nicht mitbekomme, weil meine Gedanken schon längst weggedriftet sind...und ich quasi durch eine Person oder einen Gegenstand "durchgucke". Es sind da z.B. meine nicht-dissoziierten Kollegen, die sich dann über alle Kleinigkeiten wie z.B. Kleidung einer Person usw. unterhalten, die mir aber völlig entgangen sind...obwohl ich ebenso zugegen gewesen bin.

    LG Amn

  10. #430
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: ADHS und Dissoziation

    .............................. ........
    Geändert von happypill (22.04.2012 um 07:33 Uhr)


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