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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #331
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Jetzt ist mir ein Gedicht eingefallen zum Thema Dissoziation! Das heißt, es passt hier hinein. Ich will auch unbedingt eins schreiben.
    Ich hab es Dissoziation genannt. Aber danach kommen noch zwei andere...

    Dissoziation

    Ich wohn
    In einer Dissoziation
    Kein Telefon
    Zu meinem Klon


    Und: Dissoziieren:

    Tu ich spazieren
    Tu ich dissoziieren
    Tu ich sortieren,
    Tu ich dissoziiren
    Tu ich mich blamieren
    Tu ich dissoziieren
    Tu ich was verlieren
    Tu ich dissoziieren


    Trauma:

    Trauma hier, Trauma da
    Traumata


    (Auf Traumata reimt sich sonst halt nur Dromedar und das auch nur, wenn man es furchtbar falsch pronunciiert...
    Mir fällt dazu leide nichts ein. Fällt euch was ein? Vielleicht etwas zT. Tierschutz?)

  2. #332
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Celine schreibt:

    Auf Kritik reagiere ich selbst nicht aggressiv, sondern fühle mich eher verletzt, werde traurig und kann dann manchmal sogar meine Tränen nicht mehr zurückhalten, jedenfalls wenn sie ungerecht ist oder verletzend geäußert wird, darum möchte ich diejenigen, die aggressiv sind, besser verstehen lernen, um mein Verhalten besser darauf einstellen zu können.

    Ich als jemand, der sehr schnell sehr aggressiv wird, sage dir: Bring dich einfach aus dem Weg, wenn sich etwas anbahnt. Das sind immer die gleichen Kreisläufe, hab ich das Gefühl, die sich da wiederholen.

    Wenn ich aggressiv bin, bin ich richtig richtig anders und so wahnsinnig von dieser Aggression getrieben und hinterher weiß ich nicht mehr, warum es überhaupt einen Streit gegeben hatte. Gerade weiß ich es zum Beispiel beim letzten Streit auch nicht mehr. Also da schwappt alles um bei mir, totaler Error. Da kann man nicht viel verstehen und nicht viel gegen anreden mit guten Worten oder sonstwas. Bring dich da in sonem Moment einfach weg. Das ist das beste Verhalten.
    Das habe ich auch neulich in einem Uniseminar über Konflikte genauso gelernt. Man muss immer gucken, wo die Tür in einem Raum ist und man muss die richtige Körperhaltung gegenüber dem Menschen einnehmen. Also je nachdem, was das für ein Typ ist. Neutral, selber aggressiv oder wenigstens bestimmerisch, versöhnerisch gebeugt... Da gibt es viele. Und du musst ihn verwirren. Musst ihm auf die Schulter klopfen und fragen, wie viel Uhr es ist oder etwas Originelleres. Oder so ganz seltsame Gesten von denen er sich dann nicht angegriffen ühlt, den Elefanten mimen mit dem Rüssel mit den überkreuzten Armen, kennst du das? Oder sonstwas. Das hab ich gelernt. An mir selber geht es natürlich nicht. Naja.

    Aber im Moment hab ich einfach nur gute Laune. Ich weiß, das ist kindisch, wie ich mich verhalte, aber diese ganze Albernheit hat sich schon so lange in mir aufgestaut. Es ist nicht gesund, wenn man das immer ins Unbewusste verdrängt.
    Ich fühl mich in eine Zeit zurückversetzt, als ich viel jünger war. Und entsprechende Empfindeungen habe ich, scheint es mir. Schwierig ist das alles. Aber ich bin zuversichtlich, es bald geschafft zu haben.

    Viel Glück Celine!
    Geändert von schnuppe (15.04.2012 um 03:26 Uhr)

  3. #333
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    susi53 schreibt:
    Dissoziation.

    Bevor ich in die Klinik ging, sagte ich meinem Hausarzt, dass ich Wärme (waren sehr heisse Tage) nicht mehr gleich wahr nähme, wie gewohnt. Ich konnte zB das heisse Steuerrad anfassen und der Kopf registrierte dass es heiss sein muss... aber die Wirkung über die Hände war nicht wie üblich.
    Ich schwitzte und fand es weder unangenehm noch irgendwie mich betreffend. Der Körper schwitzte und ihn nahm das per Kopf wahr.
    Es war, wie wenn ich mich täglich mehr in meine Gedanken zurück zog.

    Der Arzt fragte mich dann, ob ich noch Farben sähe, was ich bejahen konnte. Seine Frage ging mir lange nicht aus dem Kopf.
    Da gab es also Menschen die die Farben nicht mehr sehen, wenn es ihnen schlecht ging...

    Genütz hat mir in der ersten Zeit: hinlegen, Tuch über die Augen und klassische Musik über Kopfhörer (alle wussten, dass ich dann nur in Notfällen gestört werden durfte (Klinik).

    Auch gnützt hat mir das Beschweren von Kopf,Schultern, Oberschenkel (sitzend) und Füsse mit Steinsäckchen
    Dankeschön!

    Wie ist es denn weggegangen? Also so vollständig? Oder hatte es irgendwann einfach abgeklungen?
    Eine richtig gute Freundin von mir war mal vor ein paar Jahren für eine Weile bei mir und hatte auch, na ich weiß nicht, sowas in der Art wohl und es wechselte immer mit irgendwelchen Zuständen, na, sie hat es nicht wirliuch beschrieben. Das erinnert mich daran. Wir haben dann auch, Kühlung, war halt auch Sommer, Massageball und ka was ausprobiert, aber das war immer nur für ne Weile "besser", was ich immer total beunruhigend fand, so nix halbes und nix ganzes. Aber vielleciht ist es das ja gerade deshalb.

    Warum Tuch über die Augen? Warst du lichtempfindlich?

    Warst du dann so in deinem Denken und dem Planen von deinem Alltag eingeschränkt? Hat sich das gesteigert, wenn du weiter darüber nachgedacht hast? Konntest du in dem Moment beschreiben, was mit dir los ist?

    Danke nochmal und guck einfach, was du beantwirten magst...

  4. #334
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: ADHS und Dissoziation

    Danke Schnuppe,

    ich bin jetzt schon ganz müde, aber deinen Beitrag fand ich super.
    Meistens gehe ich solchen Situationen schon aus dem Weg.
    Aber was mache ich, wenn der andere hinterher kommt und nicht aufhört?

    Manchmal wurden die anderen erst richtig sauer, weil ich wegging.

    Oder wenn man mit dem, der gerade wütend wird, telefoniert, und nicht unhöflich sein möchte und einfach auflegen will? Was macht man dann?
    Die Idee, mit dem Verwirren, scheint nicht schlecht zu sein, zumal ich mich dann auch von der in mir aufsteigenden Trauer oder Wut ablenken kann.
    Bei Fremden kann ich das alles sehr gut. Bei denen, die mir nahe stehen, klappt das leider weniger.
    Verwirren oder Ablenken ist also noch eine Möglichkeit. Das versuche ich mal.

    Von einem ist mir bekannt, dass er nur seinen Ärger über andere Dinge loswerden wollte. Früher habe ich ihn trösten wollen, woraufhin er immer sauer wurde. Das war bei ihm ganz falsch. Jetzt schimpfe ich mit, tröste danach und wir alle fühlen uns befreit. Die Wut hat sich seitdem nicht mehr auf mich gerichtet.
    Bei jedem hilft vielleicht etwas anderes und das kann man durch Gespräche, wenn es gerade keine Spannungen gibt, herausfinden.
    Jetzt tanzen die Buchstaben und ich muss ins Bett.
    Morgen gehts dann wieder bei der Dissoziation weiter. Das gehört jetzt wohl nicht ganz dazu, war aber hilfreich.

    Liebe Grüße
    Celine

  5. #335
    Ida


    ♥ ♥ ♥

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 401

    AW: ADHS und Dissoziation

    Das Thema spricht mich mehr und mehr an.

    Mein Problem ist allerdings, dass ich nicht weiß warum!

    Ich lese die Texte und verstehe sie, bekomme aber keinen richtigen Bezug dazu. Dann fange ich plötzlich an zu heulen und merke, dass mich das sehr wohl betrifft. Und zwei Minuten später kann ich es nicht mehr greifen und hab den Inhalt vergessen.


    Dissoziation??


    Es fühlt sich so an wie alle große emotionale Ereignisse in meinem Leben.

    Beispiel:

    Mein Sohn, der 650 km weit weg wohnt und den ich gefühlsmäßig nicht vermisse. Vom Kopf her weiß ich, dass das sehr wohl so ist. Und wenn er dann kommt und vor mir steht breche ich plötzlich zusammen und heule, weil ich vor dem Tag Angst habe, wo er wieder fährt. 15 Sek. später ist das Gefühl komplett weg.


    Dissoziation ist ein Thema, dass mich anscheinend emotional aus den Ruder werfen könnte und deswegen blocke ich ab.


    Wenn jetzt ansonsten alles in Ordnung wäre würde ich es lassen. Aber da verstecken sich Antworten auf die Fragen die mich schon so lange quälen:

    Wer bin ich wirklich?
    Was kann ich?
    Warum bin ich so unglaublich vergesslich?
    Wo sind meine Gefühle?

    Aber wie fange ich an mich mit dem Thema auseinander zu setzen wenn ich noch nicht mal in der Lage bin mir zu merken was der Kern ist?






    Ich spüre, dass da irgendwo ganz viele Gefühle sind. Ich liebe mit absoluter Sicherheit meine Kinder. Ich vermisse ganz gewiss meine Oma, die gestorben ist. Ich leide absolut unter vielem Mist den ich erlebt habe. Aber spüren tu ich nix. Nur manchmal, wenn es wie eine Welle über mich kommt und genauso schnell wieder komplett verschwindet.


    Meine Kindheit habe ich fast komplett vergessen. Und anscheinend nicht nur die. Es gibt so vieles was ich nicht mehr greifen kann.
    Ich habe tausende von Büchern gelesen. Eigentlich müsste ich ein großes Allgemeinwissen haben. Hab ich aber nicht. Ich bin strunzdumm in der Beziehung.


    Was kann ich?
    Anscheinend kann ich vieles. Aber nichts richtig. Was fange ich an damit? Meine Schwester meint ich wäre ein Joker. Mich kann man überall einsetzen. Aber das macht es mir auch nicht leichter. Ich frage mich regelmäßig, ob das, was ich gerade mache auch der richtige Weg ist.

    Wer bin ich wirklich?
    Ich spiele meine Rolle in verschiedenen Bereichen.

    Gestern habe ich versucht dafür ein Bild in meinen Kopf zu bekommen. Und ich sah mich im All rumschweben. Ganz allein ohne Gefühle dahintreiben.



    Ich habe Angst, dass mein Leben dahingeht, und ich nicht das gelebt habe was ich bin.


    Also: Was kann ich tun?

    Wo fange ich an? Wie bekomme ich meinen Bauch und meinen Kopf in Bezug zu dem Thema Dissoziation zusammen?


    Es ist meine große Hoffnung, dass mich dieses Thema in meiner Persönlichkeit weiter bringt.

    Könnt ihr mir da vielleicht helfen?

  6. #336
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: ADHS und Dissoziation

    Ida schreibt:

    Ich lese die Texte und verstehe sie, bekomme aber keinen richtigen Bezug dazu. Dann fange ich plötzlich an zu heulen und merke, dass mich das sehr wohl betrifft.
    Manchmal denke ich, dass dieses Thema zwar extrem wichtig und interessant ist, doch kann es nicht auch Gefahren mit sich bringen, wenn es sich zu stark mit unserer verletzlichen Seite beschäftigt und wenn so eine Dissoziation, die wir ja wohl fast alle mehr oder weniger zu unserem Schutz aufgebaut haben, durch die intensive nähere Beschäftigung mit sich selbst teilweise oder ganz schwinden könnte, ohne dass dieses Gefühl dann von jemanden aufgefangen wird, der damit richtig umgehen kann?

    So etwas ist bei vielen Therapien die Gefahr, wenn die Therapeuten Fehler machen oder die Behandlungen sehr langwierig sind. Darum schien mir auch die hier nicht zu nennende Methode ganz logisch und vielleicht sehr hilfreich, weil sie offenbar nicht in den Schmerz sticht, sondern ihn durch Überlagerung mindern oder beseitigen kann.
    (Ich hatte aber auch ein komisches Bauchgefühl am Anfang. Es ist doch auch gut, wenn man auch kritisch ist. Erst nach längerem Lesen bestimmter Internetseiten hat sich das vollkommen geändert).

    Um innerlich zu genesen, sind bestimmt sehr viele Hilfen gleichzeitig erforderlich. Doch auch Medikamente, praktische Lebenshilfen und Therapien, die schnelle Werkzeuge gegen Missempfindungen oder negatives Verhalten sein können, reichen nicht alleine aus.
    Vermutlich kann erst alles zusammen wirklich helfen, wenn die Probleme überhandgenommen haben.

    Wer zum Beispiel Schulden hat, behält auch durch die besten Therapien seinen Leidensdruck, wenn dieses Problem nicht irgendwie gelöst werden kann. Ein „Gesunder“ würde auch davon oft alleine schon krank werden können. Manchmal wundere ich mich, dass wir eigentlich trotz allem noch so viel aushalten können.

    Wäre es darüber hinaus für diejenigen, welche besondere psychische Schmerzen erleiden mussten, nicht gerade ganz besonders wichtig, sich mal mit der anderen, schönen Seite des Lebens, intensiver zu beschäftigen oder lernen zu spüren, dass es da überhaupt noch eine andere Seite gibt, die vielleicht nur etwas verkümmert ist?
    Sollte nicht alles irgendwie ausbalanciert sein, damit man sich besser fühlt?

    Das war zum Beispiel ein Hauptgrund, weshalb ich mich hier im Forum angemeldet hatte.

    Da ich trotz meines AD(mit ein wenigH)S vorwiegend (nicht immer!) zufrieden bin, wollte ich auch auf diese Seite aufmerksam machen.
    Immerhin habe ich mich fast zwanzig Jahre mit diesem Thema beschäftigt und in meiner Familie und meinem Freundeskreis sind ebenfalls fast alle von einem AD(H)S Betroffen.
    Denen geht es auch zum Teil trotzdem oft gut.
    Daher wollte ich hier auch die andere Seite unserer Andersartigkeit deutlich machen, denn im Forum melden sich sicherlich eher die stärker Betroffenen an und dann gibt es ein schiefes Bild des Syndroms, welches zu einer sehr schweren Krankheit führen kann, bzw. oft geführt hat.
    Gerade denen, die vermutlich die größten psychischen Belastungen erleiden mussten, wollen von den positiven Seiten leider oft nicht viel hören. Sie kennen sie vermutlich (noch) nicht so gut oder überhaupt nicht und denken, dass man AD(H)S nur „verklären“ möchte.
    Es wird dann Barkley zitiert, der seine Forschungsergebnisse anscheinend etwas einseitig ausgewertet hat, wenn er meinte, AD(H)S sei keine Gabe. Wenn amn ihn ließt, kann es passieren, dass man an seinen guten Fähigkeiten auch noch zweifelt. Das ist nicht gesund.

    Nein, AD(H)S ist es natürlich nicht allein eine Gabe, und manchmal ist diese wenig ausgeprägt oder schon im Keim erstickt worden, aber es ist auf keinen Fall nicht nur ein Nachteil. Jedenfalls nicht das AD(H)S an sich, sondern die Reaktionen, die uns in unterschiedlichem Ausmaß verletzt haben, wodurch wir krank wurden (oder vielleicht ganz extrem schwere Formen, die sich nur noch nachteilig auswirken können).

    Ich denke, es lohnt sich in jedem Fall sehr viel an die schönen Dinge des Lebens zu denken, und falls das noch nicht funktioniert, dann kann man doch zumindest beginnen, das Gespür dafür zu erlangen (mit Achtsamkeit). Mit der Zeit wird es vielleicht immer ein bisschen besser.
    Es tut nicht gut, mit aller Macht an seinen Nachteilen festzuhängen und immer nur in diese Richtung zu denken.

    Je mehr ich über das Thema „Dissoziation“ nachdenke, um so mehr glaube ich auch, dass vielleicht sogar alle Menschen gelegentlich ein ganz kleines bisschen dissoziieren.

    Wir schreiben hier oft (und das war auch richtig) über die zeitweise „kranke Dissoziation“ (weil dadurch negative Gefühle auftreten), welche in Verbindung mit einem AD(H)S sicher wesentlich häufiger und stärker vorkommt, als es durchschnittlich der Fall wäre. Wir habe ja auch mehr Bedarf dafür.
    Kann das aber vielleicht auch schon eine kleine Dissoziation sein, wenn jemand ohne ein AD(H)S von einer Reise träumt?

    Ist es vielleicht nicht sogar möglich, dass wir mit einem AD(H)S die Dissoziation im „gesunden bzw. angenehmen und unschädlichem Sinn“ auch gelegentlich besser können?

    Dazu möchte ich einmal ein Beispiel nennen, denn darüber musste ich vorgestern oft nachdenken, weil ich einer Freundin (sie hat ein ADS), von diesem Thema hier berichtete.

    Vielleicht habe ich etwas ganz falsch verstanden, und man kann es überhaupt nicht mehr Dissoziation nennen, aber wir stellten fest, dass wir gemeinsam oft tief in irgendwelche „Traumwelten“ eintauchen, und das allein schon, wenn wir zum Beispiel etwas essen (die Realität bleibt uns bewusst, aber wir vergessen sie kurz, was bei uns in dieser Form nur geht, wenn die Probleme gerade nicht zu stark drücken).
    Zum Beispiel fühlen wir uns bei einem indischen Essen in der richtigen Umgebung, mit den richtigen Aromen und Düften, Farben und der dazu passenden Musik so ähnlich, als ob wir bereits in dieses Land gereist wären (wir nehmen die vielen verschiedenen Kulturen und Szenen in unserer Stadt ganz intensiv auf und sagen dann, wie schön, dass wir nach dieser „Reise“ abends wieder in unser Bett fallen und uns der Reisestress mit dem Kofferpacken, den richtigen Zug bekommen usw. erspart geblieben ist) – oder wir mögen Feste, bei denen man aus Spaß in andere Rollen (wie beim Fasching) schlüpfen kann, bei denen alles zusammenpassen muss (die Kleidung, die Musik, die Dekoration, das Essen und die Düfte). Dabei fühlen wir uns extrem wohl, sind entspannt und zehren noch lange davon, sodass uns oft sogar noch der Alltag leichter fällt, wenn mal größere Probleme auftauchen. Zumindest reicht die Kraft dann länger.
    So etwas kennen wir von denen ohne ein AD(H)S nicht und freuen uns, dass wir das können.
    Wir integrieren sogar solche Momente in den Alltag und haben auch in unseren Wohnungen „kleine Traumwelten“ geschaffen.
    Das sind nur Beispiele, bei jedem gibt es etwas ganz anderes, aber es ist so extrem schwer auszudrücken, was ich meine.
    Vielleicht merken wir nicht einmal, dass wir so etwas im Kleinen bereits tun, weil wir es für selbstverständlich halten.
    Wenn ich andere beobachte, dann spüre ich einen deutlichen Unterschied – auch im positiven Sinn.
    Wir müssten mal in einem anderen Thema zusammentragen, was uns hilft den Alltag zu genießen. Dann gäbe es vielleicht Anregungen für den einen oder anderen und es schärft unser Bewusstsein für das Angenehme.

    Kurz ausgedrückt, wir sollten unsere Wahrnehmung auch ganz stark auf unsere „Wohlgefühle“ lenken und diese dadurch entstehen und wachsen lassen.

    Übrigens, wer ist eigentlich überhaupt gesund?
    Wenn man richtig beobachtet, dann haben auch sehr viele ohne ein AD(H)S allerhand Beeinträchtigungen oder psychische Probleme.
    Deren Verhalten gefällt mir auch nicht immer – eigentlich mag ich sogar fast nur Freunde mit einem AD(H)S, weil wir eher eine Wellenlänge haben und mehr Gefühle ausgedrückt werden.
    Das ist noch ein Grund, warum ich dieses Forum mag.
    Geändert von Celine (15.04.2012 um 16:06 Uhr)

  7. #337
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 676

    AW: ADHS und Dissoziation

    Volle Zustimmung !

    Wobei ich schon lange auch die Tagträumerei bzw die Fähigkeit zur Dissoziation auch als Stärke bzw. Ressource betrachte.

    Wie Piero Rossi in seiner Buchbesprechung zu Barkley ADHS-Buch schön darstellt, orientieren wir und fälschlich allein an normbestimmten Therapiezielen wie Selbstbeherrschung bzw. eben Anpassung an xyz.

    Ich finde es zwar richtig, dass man auch oder gerade die Anpassung an Anforderungen unserer Gesellschaft in Ausbildung und Beruf bzw. den Aufgaben in der Famiie berücksichtigt. Aber wie v. Hirschhausen schon feststellt : 7 Jahre Psychotherapie machen aus einem Pinguin keine Giraffe. Das gilt aber auch für MPH und andere Methoden, deren Namen ich hier nicht nennen darf.

    Was aber gelingen kann, ist wieder sowas wie Handlungsfähigkeit bzw. "Atmen" zurück zu bekommen. Leben im Sinne von Lebendigkeit, sich anpassen und nicht nur ständig auf einem Verteidigungs- oder Angriffsfeldzug sein.

    Ich glaube, dass die bisherigen VT-Programme bzw. Selbsthilfebücher vergeblich versuchen, aus ADHS-Kids "anständige" Kinder zu machen. Vergeblich deshalb, weil diese Kids ja schon anständig sind. Eher zu anständig für die Bedingungen unserer Gesellschaft.
    Sie sind anders, aber nicht verkehrt.

    Verkehrt wird es dann, wenn man sich in Schubladen zwängt, die einem nicht passen.

    Die Schwierigkeit ist sicher zu erkennen, wo man nun "aussteigen" muss bzw. bei seinem inneren Kompass bleibt bzw. wo es pure Verweigerung bzw. auch Ausweichen / Vermeidung ist. Dagegen habe ich schon was, weil es letztlich überhaupt nicht weiter führt.

    Ich hatte gestern einen Klienten zur Sitzung, den ich wegen einer Knallphobie schon länger betreue. Wir haben viel versucht und es ging irgendwie nicht so recht weiter. Er hat eine Menge Dissoziationen in sich gehabt, die dann immer wieder zu einem Zurückweichen bzw. Zurückfallen auf einen Ausgangszustand führten.

    Gestern hatte er erstmals sowas wie einen Therapieweg im Blick (bzw. vor Augen). Es war eine Strecke, die mit weichem warmen Sand begann. Dann ein Übergang zu Steinen bzw. Felsen und schliesslich am Ende Eisberge. Darunter verlief aber diese warme Sandader.

    Er hat mir schön erklärt, dass letztlich viele Versuche der Veränderung nichts gebracht haben. Und er deshalb es auch so anstrengend findet, auf mehr oder weniger gut gemeinte Ratschläge von Therapeuten oder Freunden zu reagieren. Das sieht dann vielleicht wie Aufschieberitis oder Vermeidung aus. Aber er wusste, dass es nichts bringt. Er wusste aber auch nicht, was nun was bringt.

    Dann lieber nicht bewegen.

    In den Bildern erschien dann ein Männchen, dass 2 Eimer mit dem warmen Sand auf den Weg schüttete. Immer weiter. Eine irrsinnige Aufgabe, weil der Sand zwischen den Felsen versickerte. Es wird lange dauern, bis der warme Sand die Felsen und dann später den Eisberg überdeckt.

    Das frustrierte ihn. Aber er hat erstmals einen Weg gesehen.

    Was für ihn dann kam, war eine Art Trauer darüber, dass seine "Freunde" ihm nicht helfen (wobei er es auch nicht vermitteln kann, wie sie ihm helfen könnten). Statt Ratschläge geben, sollten sie einfach nur da sein.

    Auch mal den Mund halten. Aber eben aufmuntern und ihn moralisch positiv unterstützen.

    Das aber gelingt sehr selten. Und genau hier kann Selbsthilfe helfen. Weil ihr es versteht, wie es sich anfühlt, wenn man auf so einem Weg ist.

  8. #338
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS und Dissoziation

    web4health schreibt:

    Was aber gelingen kann, ist wieder sowas wie Handlungsfähigkeit bzw. "Atmen" zurück zu bekommen. Leben im Sinne von Lebendigkeit, sich anpassen und nicht nur ständig auf einem Verteidigungs- oder Angriffsfeldzug sein.
    Genau so fühle ich mich, ich handle / agiere nicht - ich reagiere.
    Das ging so weit, das ich MICH verlor. (versteht man was ich meine?)

  9. #339
    ADLer

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.384

    AW: ADHS und Dissoziation

    ..ja versteh ich..

    hatten wir heut auch an anderer Stelle..

    *das sich auflösen*


    .komm immer wieder an die 2 stellen..

    1.das Verstehen ( versuch ich grad , indem ich hier auch wieder von vorn les)

    2.Das Handeln...

    Wie und Wofür..

    kann ich etwas ändern...gibst es da eine Möglichkeit..

    gegenüber den ERklärungen..find ich die immer verschwindend gering..und da sie ( für mich) aufs Verstehen aufbaun..komm ich meist nicht an die Stelle..oder?

    lg AngeL

  10. #340
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo Alle!
    Ich bin nach dem Wochenende heir wieder bei Schnuppe, Celine und Ida wieder eingestigen und habe Altbekanntes beschrieben gefunden. Man findet sich in einer Verfassung wieder und versteht nicht warum. Man versteht, dass man alles falsch versteht und versteht es doch weiter falsch. Da ist es natürlich erstmal wichtig, den möglicher wEISE entstehenden Schaden zu begrenzen, den Mund zu halten, den Raum zu verlassen...

    Den Raum verlassen ist eine relativ große Bewegung. Das fällt auf. Und wenn etwas auffällt, muß man es womöglich erklären. Etwas erklären müssen läßt einen womöglich die Fassung verlieren... Also bin ich irgendwann dazu gekommen, möglichst kleine Bewegungen zu bevorzugen, um in der Spur zu bleiben. z.B. Nur meine Aufmerksamkeit zu bewegen, auf etwas anderes zu achten. Oder, die Tiefenschärfe zu ändern, an dem alarmauslösenden Objekt/Subjekt vorbeischauen, es unscharf machen. Diese inneren Bewegungen bewirken mitunter das selbe, wie die großen, äußeren Bewegungen, liegen aber bei den "Dickhäutern" unter der Wahrnehmungsschwelle. So kann man uU mit seinem Ringen um innere Balance inkognito bleiben.

    Johannes


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