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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #291
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 470

    AW: ADHS und Dissoziation

    Ich habe 'mal eine Frage zu emoflex.
    Ich hoffe, man will mich nicht dafür verhauen, dass ich sie so plump dazwischen stelle...

    Aaaaalso.
    Es passiert mir recht häufig, dass ich mir eine vermeintlich kleine Sache zur Bearbeitung aus dem Regal nehme; diese wächst dann aber nachdem ich sie isoliert in den Bearbeitungsraum gestellt habe zusehends. Es ist ein wenig so, als hätte ich nur Modelle der Dinge abgelegt, und wenn ich dann beginne mit ihnen umzugehen, werden sie zum wirklichen Ding.
    Diese wirklichen Dinge sind dann kaum zu schaffen.

    Passiert es doch, dass ich eine Sitzung erfolgreich abschließe, ist das unglaublich genial. Muss ich aber abbrechen, bevor ein Ding sich zu Ende gewandelt hat (weil die Konzentration flöten geht, weil es nicht mehr überschaubar ist, weil ich keine Kraft mehr habe), renne ich den ganzen Tag danach herum, als wäre ich nach zwei Stunden Schlaf um vier Uhr Morgens geweckt worden. In einem weiter zurück liegenden Post von ich glaube emoflex war eine wunderbare Beschreibung von der Vermischung aus Schlaf- und Wachbewusstsein.

    Ich habe auch schon probiert, die Dinge während der Bearbeitung als ich merkte, dass sie zu groß wurden aufzuteilen, das funkionierte aber nur bedingt und ließ mich dann auch in diesem Halbzustand zurück.
    Ausserdem frage ich mich, was die halb angeemoflexten Dinge da unten im Keller so treiben (glücklicherweise habe ich die wichtigste angeemoflexte Sache mit einer langen Leine versehen können).

    Vor der Regalentnahme scheint eine Aufteilung nicht wirklich möglich, da der Aufteilungsversuch die Dinge schon wachsen lässt.

    Irgendwelche Ratschläge?

  2. #292
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: ADHS und Dissoziation

    Ich würde die Dinger nicht teilen.
    Ich würde zwei auf einmal rausnehmen und sie miteinander in die Verarbeitung schieben. Das Gehirn verarbeitet zwei oder drei Formen zur gleichen Zeit viel leichter als nur eine. Mit nur einer Form zu arbeiten ist nur zum Üben.
    In diese komischen Zustände kommst Du deshalb, weil das Assoziieren der dissoziierten Elemente in einem zu kleinen Rahmen passiert, so wie Du es machst.
    Johannes

  3. #293
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: ADHS und Dissoziation

    ADHS + DISSOZIATION + HOCHBEGABUNG = ?

    Ich möchte unser Thema noch um einen weiteren Aspekt erweitern, nämlich um die Frage, welche Rolle eigentlich Hochbegabung in diesem Thema ADHS + Dissoziation spielt? Welche Auswirkungen hat eine Hochbegabung auf diese Gemengelage?

    Da scheint es mir zunächst so zu sein, dass die Hochbegabung sich „günstig“ auf die Fähigkeit zum Dissoziieren auswirkt, sodass ich also die These wagen möchte, dass der Hochbegabte in viel intensiverem Maße dissoziiert.

    Hat nicht der Hochbegabte die viel größere Chance aufgrund seiner ausgewiesen stark vorhandenen Intellektualität, die Spaltung zwischen Intellekt und Gefühlsleben wirklich komplett zu vollziehen?

    Die Intellektualität scheint dann permanent an einem Selbstbild zu arbeiten, dass naturgemäß auch sehr intellektual ausfallen wird, das Selbstbild eines beherrschten, distanzierten und wohlüberlegten Menschen.

    Umso leichter dürfte dies dem Intellekt fallen, da er sich ja bereits vom gefühlsmäßigen Erleben weit verabschiedet (abgespalten) hat und Informationen aus dieser Region ja gar nicht mehr zur Kenntnis zu nehmen braucht. Für seine – fehlgeleitete – Selbstbildgestaltung reichen die intellektuell gewinnbaren Informationen aus, anders ausgedrückt, warum sich einem Gefühl stellen, wenn es scheinbar eh keine verlässlichen Informationen liefern kann oder nur solche, die einen in die Patsche bringen oder wenn man ihnen zu sehr nachgibt, ins völlige Chaos stürzen?

    In der Folge entscheidet sich der Organismus für die intellektuellen Einsichten und gegen das gefühlsmäßige Erleben, weil ihm das die sichereren Informationen über sich selbst zu liefern scheint. Die Logik, die dem ganzen zugrunde liegt ist eben die, dass die intellektuell gewinnbaren Informationen etwas Stetes sind, an das man sich also auch halten, an das man gedanklich anknüpfen kann, während einem ja die Gefühle die ganze Zeit höchst widersprüchliche Signale senden.

    Dem Intellekt scheint jetzt irgendwie das Licht aufzugehen, dass er besser damit fährt, intellektuell gewonnenen Informationen mehr zu trauen als den gefühlsmäßigen. In der Entscheidungsnot wählt der Intellekt sozusagen seinesgleichen und entscheidet sich gegen die widersprüchliche Information. Mit dieser Entscheidung aber ist er eingetreten in die Dissoziation.

    Je mehr das Gefühlsleben als das Andrängen einer Flut gegen einen verhältnismäßig dünnen Damm (der Intellektualität) erlebt wird, desto mehr werden sich die Bemühungen vervielfältigen, diesen Damm um jeden Preis zu verstärken. Meine These ist, dass dieser Vorgang im Hochbegabten verschärft ist, weil seine Intellektualität zu einem Großteil seine Identität bestimmt.

    Das ist wahrscheinlich auch bei einem normalen Hochbegabten der Fall. Der dissoziierte Hochbegabte unterscheidet sich aber eben darin, dass er zu seiner Gefühlswelt einen schlechten und mit Fortschreiten der Dissoziation überhaupt keinen Zugang mehr hat. Er erscheint dann als jemand, der Schach mit sich selber spielt, d.h. seine Züge aus ausschließlich rationalen Beweggründen wählt, ohne Beteiligung des Gefühlslebens, was eben zu der seltsamen, aber eigentümlichen Starrheit dieser Züge führt, wonach sich eine bestimmte Figur in einer bestimmten Situation eben nur so und nicht anders verhalten kann, der Bauer kann nur schräg schlagen, der König nur ein Feld vorrücken, das Pferd nur einen genau definierten l-förmigen Haken schlagen usw. Während doch ein normaler Mensch in seinen Handlungen nicht dermaßen idiotenhaft hölzern und starr erscheint, weil er durch seine Emotionen beim Ausführen der Handlung Informationen erhält, die ihn seinen Zug korrigieren, der Wirklichkeit anpassen lassen.

    Der Dissoziierte im fortgeschrittenen Stadium spürt den Andrang dieser Emotionen nicht mehr, im mittleren Stadium reagiert er auf das Anfluten der Emotion eben mit einer weiteren Dissoziation. Der Dissoziierte erscheint als gefühlsamputiert. Für einen Außenstehenden müsste sich das sehr seltsam ausnehmen, müsste er doch davon ausgehen, dass hier ein Mensch – aus welchen Gründen auch immer – freiwillig auf ein wichtiges Instrumentarium zur Informationsgewinnung und mithin auch zur Identitätsbildung verzichtet, sich also mit anderen Worten aus seiner eigenen persönlichen Entwicklungsgeschichte verabschiedet, um nunmehr als frei schwebender Ballon ohne Halt und Ziel durch die Lüfte zu schweben, anstatt sich und sein Selbst auf einem ordentlichen Fundament zu gründen. Und dieses Schweben in den Lüften, so meine These, scheint Hochbegabten leichter zu fallen. Eben weil es für sie ein natürlicher Vorgang ist, einen Großteil ihrer Identität aus ihrer Intellektualität zu beziehen. Was an sich noch nichts Verheerendes hätte, wenn dabei nicht die Emotionswelt komplett unintegriert außen vor bliebe.

    Ich denke nicht, dass der Betroffene eine Einsicht in die Dissoziation und ihre Technik haben muss. Ich denke aber, dass jedem solchermaßen Dissoziierten die Spaltung bewusst ist. Es ist nur die Frage, ob er darauf mit dem Versuch einer Integration antwortet oder die Spaltung vergrößert, indem er die intellektuelle Mauer um sich herum verstärkt.

    Eine aufkeimende Liebesbeziehung, während sie von einem normalen Menschen begrüßt würde, würde von einem solchermaßen Dissoziierten als lebensbedrohlich oder zumindest als vitale Bedrohung für das fragile System aufgefasst werden, sodass er mit Rückzug und Dissoziation reagierte. Und diese Chance, den Versuch einer Integration anzugehen, fatalerweise in den Wind schlüge. Denn eine Liebesbeziehung, eingegangen von jemand, der gar keinen Zugang zu seiner Gefühlswelt hat, wäre ja eine contradictio in adiecto.

    So eine potentiell lebensumkrempelnde Situation könnte in jedem Fall eine Chance sein, den Versuch der Integration zu wagen. Stattdessen dürften auch hier unglückseligerweise in vielen Fällen wieder die wohlvertrauten intellektuellen Rationalisierungsmuster greifen, die in ihrer Folge zu einer Vertiefung der Dissoziation führen. Es muss niemand in die tiefen Geheimnisse der Dissoziation eingeweiht sein, aber ich halte es für ausgeschlossen, dass im Betroffenen ein Bewusstsein der Spaltung nicht vorliegt.


    DISSOZIATION AM BEISPIEL EINER LITERARISCHEN FIGUR

    Zu den ganzen Überlegungen wurde ich animiert durch einen Text des Dichters Gottfried Benn, den ich an früherer Stelle hier schon einmal zitiert habe und der mir so eine Art Fachmann beim Thema Dissoziation zu sein scheint.

    Benn hat eine Figur erfunden, die er Rönne nennt und die offensichtlich an eben jener Spaltung, Intellektualität auf der einen und Gefühlserleben auf der anderen Seite leidet. Rönne leidet darunter, diese beiden Sphären nicht zu einer Deckung zu bringen, allenfalls für kurze Momente, die er als rausch- oder traumhaft erlebt, in jedem Fall als absolute Ausnahmeerscheinung. Wohingegen es bei einem normalen Menschen eigentlich selbstverständlich erscheinen müsste, dass diese beiden Sphären, wenn nicht deckungsgleich, so sich doch in einem permanenten lebendigen Austausch befinden.

    Rönne dagegen erlebt sich die meiste Zeit als tot, kalt, ohne Gefühl und versucht seine Lage auszudrücken in dem Satz: „Manchmal eine Stunde, da du bist, der Rest ist das Geschehen, manchmal die beiden Welten schlagen hoch zu einem Traum.“ Also nur manchmal, zufällig und dann wie in einem Traum erlebt er sich als ungespalten, als Identität.

    Benn kommentiert: „Wir erblicken hier einen Mann, der eine kontinuierliche Psychologie nicht mehr in sich trägt.“ An anderer Stelle schreibt er, die Identität dieses Mannes wird allenfalls noch von dem Anzug zusammengehalten, den er trägt. „Seine Existenz innerlich und äußerlich ist zwar eine einzige Wunde von Verlangen nach dieser kontinuierlichen Psychologie, aber er findet aus konstitutionellen Gründen nicht mehr zurück. Höchstens stoßweise und aus Abgründen, heraufbeschworen und in Vernichtung erkämpft. In Rönne hat die Auflösung der natürlichen Vitalität Formen angenommen, die nach Verfall aussehen.“

    Rönne selbst drückt seine Situation folgendermaßen aus (Benn nennt es sein „Irrealitätsprinzip“): „Welches war der Weg der Menschheit gewesen bis hierher? Sie hatte Ordnung herstellen wollen in etwas, das hätte Spiel bleiben sollen. Aber schließlich war es doch Spiel geblieben, denn nichts war wirklich. War er wirklich? Nein; nur alles möglich, das war er.“

    Um die Kurve zu oben zu kriegen, könnte man sagen, nur ein Ballon war er, hin und hergetrieben und verschlagen von den Winden. Jedenfalls zeigt das Beispiel für mich sehr gut, wie jemand, der sich nicht als Identität erlebt, notwendigerweise in ein Gefühlserleben hineinschlittert, wo ihm seine Umwelt als fremd erscheinen muss, weil er zu dem was ihn umgibt und was vor ihm abläuft keinen Bezug mehr herstellen kann. Er fühlt sich gleichsam als Zuschauer des Lebens, als unbeteiligter Zuschauer der anderen, aber auch seines eigenen Lebens. Oder wie Knut Hamsun das einmal sehr schön formuliert hat: als Ausländer des Daseins.

    Als Identität kann sich Rönne nicht mehr erleben. In der Folge kommt ihm deshalb alles unwirklich vor. Seine Existenz erlebt er nicht mehr als eine klar umgrenzte und definierte, so kann er zu dem Schluss kommen: „alles möglich, das war er“, also alles möglich, aber nichts Bestimmtes.

    Um zwei Eigenschaftswörter von Dr. Winkler zu gebrauchen, seine Existenz wird „weich“ und „schwammig“, seine Existenz scheint flüssig zu werden, er scheint in die ihn umgebenden Gegenstände hineinzufließen, mit ihnen zu verschmelzen. Das wäre in meiner Definition die durchlässige Grenze zur beginnenden Psychose. Es scheint mir aber doch noch einen wesentlichen Unterschied zu machen, ob ich die Wirklichkeit als fremd erlebe oder ob diese sich komplett von mir zu scheiden und aufzulösen beginnt. Ich denke da an eine Stufenleiter der Derealisation.

    Trotzdem erscheint es mir heute möglich, dass ein durchaus versierter Psychiater, der aber weder von ADHS noch von Dissoziation etwas weiß, bei einem vorliegenden Gesamtstörungsbild von ADHS und schwerer Dissoziation, unter gewissen klinischen Umständen, bei einem solchermaßen Betroffenen durchaus auf die (Fehl-)Diagnose Schizophrenie kommen kann. Und dies auch plausibel so begründen kann, als ob tatsächlich eine Psychose vorläge.

  4. #294
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Fachperson
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Prima !

    Ich habe gestern in den Kurzsitzungen mit Anorexie-Patientinnen genau das erlebt. Spasseshalber habe ich jeweils diese Gefühlskarten erstellen lassen. Bei einer Patietin war sie sehr bunt, irreal mit grellen bunten Farben. Sie verglich es mit Malerei aus dem Mittelalter von Weltkarten des weltlichen und ncihtweltlichen Welten.

    Ängste waren beispielsweise wilde Wölfe, die wir dann zum Schlafen brachten.

    Das Irrealitätsprinzip wäre hier als Lösung der Anorexie (aber eben nicht nur da) zu sehen. Asperger-Autisten und Anorexie-Patientinnen sind sich da ja irgendwie ähnlich und irgendwie konsequenter als die ADHSler :-)

    Ich habe dann aus Spass nach der Rückseite der Karte gefragt. Sie war vollgekritzelt mit Notizen und Formeln einer eher abstrakten Welt.

    So ähnlich habe ich es jetzt schon 2 oder 3 mal erlebt bei hoch sensiblen und hochbegabten Menschen.

    Und mir persönlich kommt diese Aufteilung auch innerlich irgendwie sehr vertraut vor :-(

    Der Übergang von Genie und Wahnsinn ist ja in der Literatur auch gut belegt und in der klinischen Praxis häufig.

  5. #295
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein
    in dem Sinne?
    wer weiss, dass er NICHTS weiss, weiss mehr
    als der, der nicht weiss, dass er NICHTS weiss?

    wem geht es besser?

  6. #296
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: ADHS und Dissoziation

    „Ich weiß, dass ich nichts weiß“
    nach Sokrates

    HIerzu gibt es ausreichend Literatur

    nur ein Ausschnitt von Wiki:
    Das Zitat steht bei Platon für die Entwicklung der eigenen Erkenntnis von der Entlarvung des Scheinwissens über das bewusste Nichtwissen hin zur Weisheit als Wissen um das Gute. Zieht man spätere Berichte über die ungeschriebene Lehre Platons heran, lässt sich das Wesen des Guten als identisch mit dem absoluten Einen verstehen. Das sokratische Wissen um das Nichtwissen initiiert damit einen dialektischen Weg, der zum wissenden Nichtwissen der absoluten Transzendenz führt.
    ... oder kurz gesagt, was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!

    Ich glaube, dass es sich eine Weile so ganz gut leben lässt. Aber eben nur eine Weile.... Denn wir können uns durch eine (Ab-)Spaltung auf Dauer nicht wohl fühlen. Dies hat auch Auswirkungen auf den Körper. Leben wir lange in dieser Spaltung, werden sich andere Signale melden. Leider fehlt oft der Zusammenhang und es folgen langwierige Ursachenforschungen - meist jedoch nur auf der körperlichen Ebene.

    "Verkopften" Menschen sind Gefühle immer ein Gräuel, zumindest aber unheimlich. Sie stören ihre Gedankengänge und somit ihre Handlungsfähigkeit. Handlung findet hier nach Überlegung statt. Viele Situationen werden im voraus durchdacht, Szenarien durchgespielt. Kommt nun das Gefühl in die Quere, wird es unberechenbar.

    Nicht handlungsfähig sein löst aber Alarm aus - und somit sind wir wieder in der Reaktionskette...

    Mir hilft, mit anderen Menschen mögliche Handlungsszenarien auch in Hinsicht auf Gefühle durch zuspielen. Das klingt vielleicht etwas abgehoben, hilft mir aber, meine Gefühle von außen zu betrachten und so auch annehmen zu können. Es ist eine andere Betrachtungsweise (Metaebene?) die nicht gleich Alarm auslöst.
    So lassen sich auch andere logische Handlungsmöglichkeiten sehen, die im ersten (gefühlsmäßigen) Kontakt sonst nicht möglich wären.

    So lerne ich schrittweise, meinen Gefühlen zu vertrauen. Denn dann bin ich mir meiner Grenzen bewusst, kann mich abgrenzen, kann das was andere wollen abgrenzen. Ich habe keine Angst mehr, "übermannt" zu werden, in die Ecke gedrängt, handlungsunfähig.....

    In Akutfällen hilft da eben, die Gefühle zu abstrahieren (=> emoflex), das lenkt vom eigentlichen Alarm ab, und so kann man verarbeiten - dann wieder entspannter weiterüberlegen....

    Dies in Kombination mit der Aufarbeitung der alten Baustellen macht flexibler, lässt eben andere Wege zu - das ist für mich sehr logisch und daher annehmbar...

    LG
    Erika
    Geändert von 1411erika (13.04.2012 um 09:34 Uhr) Grund: Ergänzung

  7. #297
    hirnbeiß

    Gast

    AW: ADHS und Dissoziation

    web4health schreibt:
    Prima !

    Ich habe gestern in den Kurzsitzungen mit Anorexie-Patientinnen genau das erlebt. Spasseshalber habe ich jeweils diese Gefühlskarten erstellen lassen. Bei einer Patietin war sie sehr bunt, irreal mit grellen bunten Farben. Sie verglich es mit Malerei aus dem Mittelalter von Weltkarten des weltlichen und ncihtweltlichen Welten.

    Ängste waren beispielsweise wilde Wölfe, die wir dann zum Schlafen brachten.

    Das Irrealitätsprinzip wäre hier als Lösung der Anorexie (aber eben nicht nur da) zu sehen. Asperger-Autisten und Anorexie-Patientinnen sind sich da ja irgendwie ähnlich und irgendwie konsequenter als die ADHSler :-)

    Ich habe dann aus Spass nach der Rückseite der Karte gefragt. Sie war vollgekritzelt mit Notizen und Formeln einer eher abstrakten Welt.

    So ähnlich habe ich es jetzt schon 2 oder 3 mal erlebt bei hoch sensiblen und hochbegabten Menschen.

    Und mir persönlich kommt diese Aufteilung auch innerlich irgendwie sehr vertraut vor :-(

    Der Übergang von Genie und Wahnsinn ist ja in der Literatur auch gut belegt und in der klinischen Praxis häufig.
    Naja. Eigentlich gibt es ja keinen Wahnsinn,- so richtig, als Wahnsinn meine Ich.
    Das sind einfach Welten. Schlicht und einfach andere Welten, die von anderen Weltenbewohnern so benannt werden,
    weil sie mit der Welt der "anderen" nicht zurecht kommen.
    Da werden Begriffe erfunden, damit man das Unfassbare, das Un"begreifliche" dingfest machen kann.
    Dissoziation. Neuronale Prozesse finden sich, übersetzt, in vielen Bereichen des Lebens wieder.
    Unter anderem als wirkungsvoller Schutz vor einer Gesamtkorrosion einer Psyche.
    Man kann wirklich gute Suppen kochen, die wunderbar schmecken. Nur, wenn diese Suppe perfekt abgestimmt ist,
    dann sollte man darin auch nicht mehr rumwurschteln.
    Tango.
    Bei diesem Tanz bedeutet eine Bewegung die Hingabe des "sich von einander etwas entfernen" Dissoziation.
    Diese Bewegung dauert Sekunden und es ist dem tanzenden Paar überlassen, nach diesem "Alleinflug" sich wieder zu nähern.
    In diesem Tanz wird die gesamte Philosophie so, wie sie nie niedergeschrieben werden könnte, erlebt.
    Welten aufbauen, wieder zerstören. Universen bilden und zerschmettern.
    In Sekunden Leben erleben...und zum Schluss bleibt die Dissoziation, als Schutz vor Verödung. Bewußt.
    Ein schöner Gedanke.

    LG --hirnbeiß--
    Die Welt löst sich auf und verwirbelt das eigene Erleben

  8. #298
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein schreibt:
    ADHS + DISSOZIATION + HOCHBEGABUNG = ?

    Ich möchte unser Thema noch um einen weiteren Aspekt erweitern, nämlich um die Frage, welche Rolle eigentlich Hochbegabung in diesem Thema ADHS + Dissoziation spielt? Welche Auswirkungen hat eine Hochbegabung auf diese Gemengelage?

    Da scheint es mir zunächst so zu sein, dass die Hochbegabung sich „günstig“ auf die Fähigkeit zum Dissoziieren auswirkt, sodass ich also die These wagen möchte, dass der Hochbegabte in viel intensiverem Maße dissoziiert.

    .
    Eiselein schreibt hier wirklich sehr schön zum Thema!

    Hochbegabung ist meiner Erfahrung nach ein nicht so wichtiger Faktor in der Aufschlüsselung einer "Gemengelage" wie Hochsensibilität.
    Hochsensibilität gibt uns einen soliden Anfang für die Konstruktion einer Ursache-Wirkungs-Kette, einer logischen "Psycho-logie", in der ADHS und Dissoziation Plausibel werden.
    Hochbegabung ist dann eher eine zusätzliche Komplikation, ein Faktor im Wortsinne, der die Problemstellung zu potenzieren in der Lage ist.

    Was Eiselein hier schreibt, hatte ich einmal wie folgt überlegt:
    Der intellektualisierende Hochbegabte arbeitet seiner Anpassungsstörung dergestalt entgegen, dass er versucht künstlich den Moment zu verlängern. Während er lebt, beobachtet und dokumentiert er, was geschieht, reflektiert was geschehen war und konstruiert, was kommen wird. Die Möglichkeiten eines wachen, breiten Bewusstseins werden so vollständig von - nur der Betriebsführung in Anspruch genommen.
    So, als würde der Bordcomputer eines Flugzeugs dazu genutzt, jede der Nieten der Aussenhaut Sekunde für Sekunde an seinem Platz und in der rechten Spannung zu halten, damit einfach nur die pure Existenz der Karosserie gewährleistet wird. Andere, eigentlichere Aufgaben dagegen vollführt der Bordcomputer dagegen nur flüchtig.

    Wie genau dissoziativ verformte menschliche Regulationssysteme arbeiten, kann man dort deutlicher sehen, wo das Konzept "Dissoziation" auf eine besondere Art auf die Spitze getrieben wurde. Bei Autisten und bei Multiplen. Hier haben wir es häufig mit Menschen zu tun, die quasi ein Auto mit einer gläserne Karosserie fahren. Den Fahrern scheint jeder Bowdenzug, der Verlauf eines jeden Kabels, jede Niete und jede Schraube bekannt zu sein. Psychoaktive Substanzen sind dann u.U. dazu geeignet, kurzzeitig eine undurchsichtige Fußmatte in den Fußraum zu werfen, aber sehr bald schon, wird auch diese wieder durchsichtig ... und gibt den Blick frei, auf unwillkürliche Reaktionen, sich anbahnende Impulse ... etc.

    Wie kommt dies zu Stande? Wir wissen es nicht! Und wenn man nicht weiß, wie etwas zu Stande kommt, kommt man auf Sagen und Mythen. Ich erliege nun einmal der Versuchung, auch einen Mythos als Hypothese, als Versuchsgedanken, zu formulieren:
    Wie wäre es, wenn sich die Software zu unserer Hardware in den ersten 2-3 Lebensjahren erst noch zusammenfinden muß. Entlang des Gencodes bildet sich der Körper (Hardware) und entlang des Körpers/Nervensystems, ... bildet sich die Software (Regeln des menschlichen Regulationssystems. Ist diese Software mit allen Treibern fertig installiert, so erwacht das Bewusstsein und beginnt eine aktiv erinnerbare Biographie aufzuzeichnen. Soweit der erste Akt meiner Mythe.
    Jetzt kommt die tragische Variante der Geschichte:
    Das Bewusstsein (die Empfindung ICH zu sein und so eine aktiv erinnerbare Biographie zu bilden) erwacht zu früh! - Die Treiber sind noch nicht fertig installiert und ein kleines, verspieltes ICH fingert an den internen Einstellungen eines noch in der Installation befindlichen Systems herum. Die Bewusstseinsgrenze zum Unbewussten hat sich noch nicht abgesenkt und das Krabbelkind trollt sich viel zu früh in der Weihnachtsstube herum, packt halbeingepackte Geschenke wieder aus, versteckt das Tesa, wirft die Namensschildchen in den Kamin, ...

    Autisten und Multiple kennen sich oft in Bereichen ihres Selbst aus, die eigentlich weit im unbewussten Bereich liegen sollten, das Leben auf der Außenseite aber erscheint ihnen fremd. "Ups-the-wrong-Planet-Syndrome"!

    Man braucht ja keine Mythen zu erfinden, wenn man nicht nachher eine "Moral" davon ableiten will: Was ist also meine "Moral von der Geschicht"?
    Es mag sein, dass Hochsensibilität, Dissoziation und Hochbegabung einfach durch zu frühes Einschalten der Bewusstseins entstehen. Das würde alles sehr schön erklären. Sogenannte frühe Entwicklungsstörungen, Borderline, Autismus, ADHS, Zwang, Anorexie, ... irgendwie würde all dies denkbarer. Aber wie gesagt: Das ist ein Mythos, mein Traum von einem ICD-"XII" mit Backend. Herleitbare und dadurch stringend behandelbare Störungen.
    Johannes

  9. #299
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein schreibt:
    DISSOZIATION - URSZENE, DANN HYPERBELARTIGER VERLAUF (?)

    Irgendwann war es wieder einmal so weit – es muss irgendwann in der ersten Klasse gewesen sein - wo ich vielleicht wieder mit irgendetwas aufgefallen bin, sagen wir mal der Lehrer hat mich mit der vorwurfsvollen Aussage konfrontiert: „Warum hast du deine Hausaufgaben nicht gemacht?“ Ein solcher Satz reichte ja, wie ich beschrieben habe, bei mir bereits aus, dass ich begann zu schluchzen, um alsbald in Tränen auszubrechen.

    Es war also bei mir wieder einmal so weit. Aber an diesem Tag nahm der Fortgang der Dinge – deshalb sprach ich oben von einer URSZENE DER DISSOZIATION - plötzlich einen anderen Verlauf. Ich fing also gerade an, mit meinen Tränen zu kämpfen, als unvermittelt vor meinem geistigen Auge das Bild der aus Schadenfreude höhnisch spottenden Mitschüler auftauchte. Ich sah bildhaft und in aller Deutlichkeit ein Erlebnis vor mir liegend, dass ich mir ersparen wollte. Ich schluckte also die Tränen herunter, rieb mir die Augen, zog den laufenden Rotz nach oben. Und tat so, als wäre überhaupt nichts geschehen, als ginge mich die Situation überhaupt nichts an, jedenfalls als ginge mir die Situation überhaupt nicht nahe. Und ich käme ausgesprochen gut mit ihr zurecht.

    Ich glaube, das ist so eine Urszene der Dissoziation, wie sie so ähnlich jedem einmal vor dem geistigen Auge steht, der sich mit dem Thema zu beschäftigen beginnt. Es gibt diese Urszene der Dissoziation, die sich nicht unbedingt an ein traumatisches Erleben knüpfen muss, aber mit der es begann, eine mit einem bestimmten Erleben verknüpfte Emotion wegzudrücken und sozusagen unausgelebt und mit dem Versuch, sie schnellstmöglich zu vergessen, unschädlich zu machen, irgendwo abzulegen, wo man sie möglichst nicht mehr findet. Und am Anfang, sozusagen zu Beginn der Dissoziationskarriere ist dieser Ablagespeicher ja noch reichlich vorhanden. Man muss sich noch nicht die Sorge machen, dass alle weggedrückten Emotionen des Nachts plötzlich als Gespenster ihre Runden im Bewusstsein drehen.

    Was mir noch wichtig scheint zu betonen, ist, dass die Dissoziation anscheinend zu Beginn eines bewussten Aktes bedarf, d.h. eines Willens, sich einer bestimmte Emotion nicht in ihrer vollen Stärke aussetzen zu WOLLEN. Und dass interessanterweise späterhin dieser Vorgang, eingeübt über die Jahre, scheinbar völlig automatisiert und selbstverständlich abläuft, also nicht mehr bewusst vollzogen werden muss.

    Sodass ein paar Jahre später etwa der 10-jährige auf dem Gymnasium auf den Vorwurf des Lehrers: „Warum hast du deine Hausaufgaben vergessen?“ allenfalls mit dem bloßen, unausgesprochenen Gedanken „Leck mich doch am Arsch“ reagiert. ABER ohne, dass an diesem Vorgang irgendeine Form von Emotion beteiligt wäre. Anders ausgedrückt wird die Dissoziation in diesem Augenblick zu einer erfolgreichen Dissoziation, weil sie ihre Funktion nunmehr vollständig erfüllt, den Betroffenen vor einer als negativ bewerteten Emotion tatsächlich zu schützen, ihn tatsächlich davor zu bewahren. Die Frage mag nur sein, ob das wirklich gelingt und nicht noch jedenfalls doch noch etwas hängen bleibt, das zwar in seiner psychischen Gewalt nicht so groß sein mag, wie die Emotion in ihrem ursprünglich befürchteten Ausmaß, das aber mit der Zeit eben doch Spuren hinterlässt.

    Ich würde damit sagen wollen, dass man sich solchermaßen auf eine Spur (der Dissoziation) gesetzt, nicht ewig vor emotionalem Schaden bewahren kann. Am Ende sowieso nicht, wenn das ganze wie eine Welle über einem zusammenschlägt und in Burn-Out, Depression und Angststörung mündet. Aber auch unterwegs auf dieser Strasse der Dissoziation nimmt der Betroffene ja schon schweren Schaden an seiner Fähigkeit zu offenem emotionalen Erleben. Da werden ja teilweise – mit zunehmendem „Spezialistentum“ in der Dissoziation – Gefühle bereits zensuriert, die sich noch gar nicht entwickelt, die sich mithin also noch gar nicht tatsächlich als Bedrohung herausgestellt haben, weil sie aufgrund bekannter Emotionen, mit denen sie assoziiert werden, in ihrer drohenden Heftigkeit erkannt, und sozusagen mit dem Label „möglicherweise unerwünscht“ gleich im Keime erstickt werden.

    .
    An so eine Urszene kann ich mich zum Beispiel nicht erinnern... Sag mal erinnerst du dich an viele Eregnisse vor dieser Szene, die du bechreibst, die in der Klasse waren? Also hast du zu den Hänseleien mehrere Szenen im Kopf (oder sogar alle), erinnerst du alles aus den Szenen oder nur bestimmte Teile oder hast du als Szenen nur so "Beispiele", die du dir als "typischen Fall" sozusagen zurecht gelegt hast?
    Ist halt doch so unterschiedlich alles, was genau es ist und wie man es jeweils empfindet, obwohl die Bezeichnungen gleich sind und man auch in ähnlicher Weise davon erzählt, also ich würde es, wenn es sowas gegeben hätte, vielleicht ähnlich erzählen (zum Glück war ich in recht ausgeglichenen Klassen, bis zur Oberstuge auf jeden Fall), aber es wäre vielleicht ganz anders in meinem Gedächtnis, obwohl ich so erzählen würde, ich würde dazufantasieren vieloei9cht, hmmm...

  10. #300
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 671

    AW: ADHS und Dissoziation

    Das mit der Intelligenz hab ich so auch noch nicht gesehen, ich finde den Gedankengang, auch mit den Schachfiguren sehr gut nachvollziehbar...

    Könnte man Intelligenz eigentlich mit Sensibilität gleichsetzen?
    (oder wird das schon an anderer Stelle diskutiert? Hab gesehn, hier gibts einen Thread zu Hochbegabung...)

    Eine andere Frage: Welche Bedeutung hat Weinen?
    Auf Wikipedia hab ich mal gelesen, dass bestimmte Stresshormone in der Tränenflüssigkeit ausgeschieden werden. Aber hat das auch nach dem emoflex-Konzept irgendeine Rolle?


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