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Diskutiere im Thema ADHS und Dissoziation im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #281
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: unaufmerksamen Subtypen gar keine ADS'ler ..

    Fliegerlein schreibt:
    Ich muss noch mal auf dieses Anfangsposting zurückkommen, denn das lässt mich nicht so recht los:

    Das klingt für mich ein wenig, als wären diese unaufmerksamen Subtypen gar keine ADS'ler ...
    Ich denke so einfach lässt sich das aus der Ferne nicht beantworten.

    Die Ausprägungen der ADS sind sehr unterschiedlich bzw. es kommen ja u.U. diverse "Päckchen" noch dazu....

    Die Diagnosekriterien sind an den Hauptkriterien festzumachen und dem Längsschnitt. Durchaus können sich aber Symptome überlagern. Auch könnte ich mir eben vorstellen, dass sehr empfindsame ADSler durch die massiven Reizüberflutungen und/oder persönliche Lebensgeschichte im Alarm leben* und so viele Bereiche/Gefühle dissoziieren.

    LG
    Erika

    * da blitzt das ADS dann immer mal auf, denke wir schildern erst mal das, was uns am Meisten bewegt, die für uns "normalen" Erscheinungen des ADS werden u.U. gar nicht erwähnt...

  2. #282
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3.120

    AW: Wiederspruch Reha: Will nach Bad Bevensen !

    web4health schreibt:
    Es sind nur nicht immer die von den Tiefenpsychologen bzw. Analytikern angenommenen "versauten" sexualisierte Konflikte , sondern viel banalere kleinere Sachen, die immer und immer wieder auftreten und aufgrund der hohen Sensibilität bzw. dem "Nachtreten" der Mitmenschen in der Kindergarten, Schule, Freundeskreis etc immer und immer wieder auftreten und zu geeichten Schleifen führen (Und täglich grüsst das Murmeltier). Dissoziation ist ein Schutz und ein Fluch.

    .
    ich würde inzwischen sagen nicht Schutz oder Fluch ...eher Segen... ich war in "meiner "Welt, die einigermaßen in Ordnung war... Segen deshalb, habe das Ausmaß gar nicht "wahrgenommen " und jetzt ist nix mehr in Ordnung ...es ist wie wenn der Nebel sich gelichtet hat, und jetzt die ganze Sch.... sichtbar ist , nicht nur sichtbar , auch fühlbar... so schlecht war der Nebel gar nicht ... vielleicht ist auch alles einfach noch zu sehr am Anfang , weiß ja nicht wie das dann in ein paar Monaten oder Jahren aussieht ....

  3. #283
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.633

    AW: ADHS und Dissoziation

    web4health schreibt:
    MPH bzw. Amphetamin wirken halt auch antidissoziativ. Das ist ganz schön und gut in der kurzzeitigen Anwendung bei derartigen Problemen. Daher glauben halt viele Ärzte bzw. auch Teilnehmer hier im Forum, dass sie ADHS allein mit Medikamenten beseitigen können. Aber : Gerade die Retardformen führen letztlich dazu, dass das dissoziative Phänomen eben deutlicher zum Vorschein kommt. Daher ist die Medikation für die meisten ADHS-Erwachsenen halt nur der Einstieg in die Therapie. Dann müsste man halt weitermachen.


    Nun ja, ob die Ärzte wirklich daran glauben, ist eine andere Frage. Wer könnte von sich behaupten, wirklich Einblick in ein psychiatrisches Gehirn zu haben? Sie verschreiben es, weil sie davon überzeugt sind, dass es was bringen kann. Und sie sind froh, wenn ihnen ihr Patient eine positive Rückmeldung gibt, selbst wenn sie Zweifel daran hegen, ob das stimmt. Froh sind sie jedenfalls, wenn der Patient sein MPH-Rezept wieder haben will, ohne rumzumeckern, zu zweifeln, zu greinen, das ganze in Frage zu stellen und womöglich noch nach einer ganz anderen Behandlung zu verlangen. Die Illusion MPH als Wundermittel scheint irgendwie eine Illusion zu sein, an der beide Parteien ganz gerne stricken, n`est-ce pas?

    Jedem ADHSler, der mit MPH behandelt wird sind doch zwei Dinge ganz erstaunlich klar: Erstens, was für einen großen Unterschied es macht, wenn er mit MPH und wenn er ohne unterwegs ist. Und zweitens: Wie erschreckend wenig MPH für sich genommen eigentlich bringt.

    Die Leute auf die Du anspielst, und die Du auch in diesem Forum ausgemacht zu haben glaubst, nennen wir sie die Glorifizierer, sind glaube ich in der Minderheit. Oft sind sie unter den Neulingen anzutreffen, die noch keine große Erfahrung mit MPH sammeln konnten.

    Das kann man kritisieren, man kann es aber einfach auch nur verstehen. Wenn Du 173 Diagnosen über dich ergehen hast lassen und mit 20 verschiedenen Medikamenten daraufhin behandelt worden bist, die allesamt nichts gebracht haben, ist eben mit der erstmaligen Verschreibung von MPH eine hohe Erwartungssehnsucht verbunden.

    Dann macht der solchermaßen mit MPH Erstkonfrontierte auch noch die Erfahrung, dass MPH wirkt. Und zwar ganz abgesehen von der Frage ob gut oder schlecht. Es wirkt überhaupt einmal. Etwas was er von den ganzen anderen Medikamenten, die ihm im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verordnet worden sind, ja gar nicht kennt. Dass dabei jemand nicht mehr sachgerecht reagiert, sondern irgendwie als ob er den Stein der Weisen gefunden hätte, mag kritisierenswert, aber auch irgendwie verständlich sein. Du brauchst ja nur ein paar Wochen abzuwarten, dann normalisiert sich ja die Meinung i. d. R. vollständig.

    Wir wissen natürlich, dass es neben dem MPH noch anderer Stützen, Therapieformen, Coachings usw. bedarf, dass es jedenfalls, damit es aufwärts gehen kann, auch im Kopf klick machen muss, die eingefrorenen Verhaltens- und Wahrnehmungsweisen überhaupt ändern zu wollen. MPH zu futtern und die Decke dabei anzustarren, wird wahrscheinlich nicht funktionieren.

    Anderseits müssen wir bedenken, dass ja viele Leute über die Jahre und Jahrzehnte schon mit den nutzlosesten Therapieformen überzogen worden sind. Dass sich ein solchermaßen Ge- und Enttäuschter an das MPH klammert, als wäre es der Stein der Weisen oder das goldene Kalb ist m. E. verständlich.

    Dass diese Einstellung wenig produktiv ist, ist auch klar. Aber i. d. R. dauert es ja auch nicht lange, bis der Betreffende selbst zu dieser Einsicht kommt. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, dass wir in diesem Forum den Einsatz von Stimulanzien glorifizieren würden. Der Grund dafür, dass wir überhaupt so oft und intensiv auf dem Thema herumreiten, ist glaube ich einfach der, dass es halt immer wieder viele Leute gibt, die zum ersten Mal mit dieser Thematik konfrontiert sind und ihre berechtigten Fragen dazu haben. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass hier von uns das Thema ADHS bewusst auf Stimulanzien verengt würde.

  4. #284


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.808
    Blog-Einträge: 40

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo.

    Ich habe hier einige Beiträge zum Thema ADS /ADHS und Narzissmus heraus getrennt und ein separates Thema erstellt (Off-Topic):

    http://adhs-chaoten.net/ads-adhs-erw...sstoerung.html






    LG,
    Alex

  5. #285
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.742

    AW: Wiederspruch Reha: Will nach Bad Bevensen !

    Dori schreibt:
    ich würde inzwischen sagen nicht Schutz oder Fluch ...eher Segen... ich war in "meiner "Welt, die einigermaßen in Ordnung war... Segen deshalb, habe das Ausmaß gar nicht "wahrgenommen " und jetzt ist nix mehr in Ordnung ...es ist wie wenn der Nebel sich gelichtet hat, und jetzt die ganze Sch.... sichtbar ist , nicht nur sichtbar , auch fühlbar... so schlecht war der Nebel gar nicht ... vielleicht ist auch alles einfach noch zu sehr am Anfang , weiß ja nicht wie das dann in ein paar Monaten oder Jahren aussieht ....

    Ja Dori, das ist leider so...

    Es ist wie wenn man mit 10 Dioptrien plötzlich eine Brille aufsetzt: Man sieht nicht nur die Schönheit der Blumen usw. sondern auch den Dreck, der da "rumliegt".... Nur kann man die Brille nicht einfach wieder absetzen.

    Daher ist es wichtig, dass wir auf die schönen Dinge schauen, nicht nur noch den Schmutz sehen.... Falls wir das vergessen, jemanden haben, der unseren Blick darauf lenkt....

    LG
    Erika

  6. #286
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: ADHS und Dissoziation

    Meine Güte! Ihr wart aber fleißig!
    Da bin ich über Ostern mal weg und schon werden hier "Bücher" geschrieben. Sehr schön!
    Ich lese mich wieder ein und schreibe diese Woche auch wieder mit.
    Viele Back-in-the-Alltag-Grüße !
    Johannes

  7. #287
    ADLer

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.384

    AW: ADHS und Dissoziation

    Hallo,

    das ist schön, wenn du *mitmischst*

    ..gerade wenn ( ich ich gelesen hab) Selbsthilfe auch eines deiner Themen ist..

    meins auf jedenfall und auch ich wart auf den richtigen Zeitpunkt um vieleicht durch das ( richtige) anwenden von Emoflex* etwas mit festeren Füssen und doch kreativ, chaotisch und*ich selnbst*

    im leben zu stehn..

    wär schön, wenn das hier durch deine Hilfe für einige ein guter Schritt ist..

    LG angela

  8. #288
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: ADHS und Dissoziation

    susi53 schreibt:
    @ emoflex: Frage:

    was unterscheidet emoflex von der Timeline-Therapie?
    Kann leider keine PN senden. (Vielleicht mangels einer Vorstellung deinerseits). Darum meine Frage hier im Thread
    Das kann ich gerne beantworten:

    Die "Timeline" ist keine Therapie, sondern ein Werkzeug, dass in verschiedenen Therapieformen (z.B. Hypno-Therapie) und sicherlich im NLP zum Einsatz gebracht wird. Im emoflex-Konzept gebrauche ich neben vielen anderen Werkzeugen, auch eine Form der Timeline.

    So brauchen wir uns zB. nur an eine "Zeitleiste" erinnern, und von da an denken wir einige Zeit lang vorwiegend in biographischen Kategorien über die Dinge nach, die uns durch den Kopf gehen. Erinnert mich jemand aber an mein "Körperschema", so denke ich von dem Augenblick an einige Zeit lang in Körperkategorien über alles nach, was mir so durch den Kopf geht. Es ist nicht nur von Belang über WAS ich nachdenke, es kommt auch darauf an, WIE ist es tue. Mit Hilfe einer Timeline komme ich also in einen Modus, in dem ich immer alles mit dem Vorher und dem Nachher vergleiche, Ursache-Wirkungsketten verfolge, ... Das bringt auf eine Weise Ordnung ins Denken. Eben eine zeitliche, lineare Ordnung. In dieser Ordnung kann ich dann mit emoflex arbeiten, oder aber auch eher ein Beratungsgespräch führen, ... Die Timeline ist ein Werkzeug unter vielen und ist in vielen Situationen hilfreich einsetzbar.

    Ich verwende häufig eine Timeline quer vor mir an der gegenüberliegenden Wand. So habe ich zu jedem Zeitpunkt meines Lebens ungefähr den selben Abstand. Des weiteren bleibe ich so eher zu meinem Hier&Jetzt assoziiert und versetzte mich nicht in meine Erinnerungen hinein, wenn ich dort nach vergangenen Ereignissen recherchiere. Aber das wird hier evtl. erstmal zu lang.
    Johannes

  9. #289
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: ADHS und Dissoziation

    Eiselein schreibt:
    Diesen Alarm erlebt der ADHSler als "Panikattacke".

    Darauf reagiert er mit den üblichen Schritten.

    1. Läuft er zum Psychiater und bekommt Benzos oder NL verschrieben. Das Problem bleibt, nur gedämpfter.

    2. Er läuft zum Psychiater und bekommt Antidepressiva verschrieben, die logischerweise gegen diese Art von Panik gar nicht wirken können.

    3. Er macht eine langwierige Psychotherapie und wundert sich, warum die Therapeutin seine angeblich diese Panik auslösenden Momente in seiner Kindheit immer noch nicht gefunden hat.

    4. Er meldet sich in einem Forum an und wundert sich, warum die langjährige Behandlung mit den üblichen Methoden und medikamentösen Verfahrensweisen bei ADHS bei ihm wenig bis nichts gebracht haben.

    Ist des korrekt zusammengefasst?
    Ja, das könnte man so sagen.
    Wir können auf zweierlei Arten "lernen":
    1.) Wir können etwas er-lernen.
    2.) Wir können etwas er-schrecken.

    Was wir er-lernt haben, können wir verlernen. Was wir aber er-schreckt haben, können wir nicht ver-LERNEN, weil wir es ja gar nicht er-lernt hatten. Bist Du noch bei mir?

    In der Verhaltenstherapie geht es um Lernen. Lernen klappt, wenn es klappt, sehr sehr leicht. Wenn es aber nicht klappen will, bin ich eher geneigt zu glauben, dass es eben garnichts mit Lernen zu tun hat was da gerade passiert. Weder mit Lernen noch mit Verlernen.
    Das kommt mir so vor, als wenn jemand mit dem Motorboot auf eine Insel schippert, dann aber aus allen Wolken fällt, weil es nicht möglich sein soll, mit dem Auto nach Hause zu fahren.

    Wenn ich mir etwas durch "Er-schrecken" angeeignet habe, kann ich das nicht verlernen. Da brauche ich andere Strategien. Und ich muß mich intensiv damit auseinandersetzen, wie dieses Er-schrecken überhaupt funktioniert. Da kommt der ganze Organismus in einen Alarmzustand. Dieser Alarmzustand wird dann auch beim Erinnern wieder mit aktiviert. Und das Erinnern funktioniert dann auch ganz anders, als das Erinnern von Er-lerntem.

    Ich frage mich, warum das nicht in den Prüfungsordnungen auftaucht?!
    - §15 Der Prüfer hat festzustellen, ob der Prüfling stabil in einem dealarmierten Zustand bleiben kann. Wenn nicht, ist der Prüfer auszutauschen. Wenn das nicht möglich sein sollte, oder wenn der Prüferaustausch nicht den erwünschten Effekt erzielt, ist dem Prüfling ein neuer Prüfungstermin mitzuteilen.

    Man kann nicht gut Inhalte, die man in einem dealarmierten Funktionszustand er-lernt hat, in einem alarmierten Funktionszustand erinnern. Das ist rein technisch nicht möglich. Was lernen eigentlich unsere Lehrer? Warum sind diese neurowissenschaftlichen Binsenweisheiten ("Binsenweisheiten" weil das jeder Besenbinder weiß) nicht selbstverständlich Teil des Leherhandwerks und damit der Lehrerausbildung?

    Aber wir sollten uns hier nicht über das Schulsystem aufregen, sondern über Dissoziation und Alarm und wechselnde Funktionszustände unterhalten. Das mit dem Lernen fand ich nur ein gutes Beispiel um wieder mehr in die Mitte unseres Themas zu kommen.
    Johannes

  10. #290
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: ADHS und Dissoziation

    @emoflex:

    Das habe ich tausend mal gedacht, wenn ich versucht habe, Lehrer zu überzeugen:

    Was lernen eigentlich unsere Lehrer? Warum sind diese neurowissenschaftlichen Binsenweisheiten ("Binsenweisheiten" weil das jeder Besenbinder weiß) nicht selbstverständlich Teil des Leherhandwerks und damit der Lehrerausbildung?


    Danke, der Satz hat so gut getan! (Glücklicherweise gibt es aber auch gute Lehrer)

    @Eiselein:


    Zunächst sende ich einmal ein dickes Lob an dich, denn mit diesem Thema und vielen Beiträgen hier hast du sehr interessante Thesen aufgestellt, die mir zu einem großen Teil sehr logisch vorkommen und vermutlich auf viele mit einem AD(H)S zutreffen, zumindest auf diejenigen, die einen großen Leidensdruck haben.

    Du hast auch sehr gut beschrieben, wie es bei dir zum Beispiel in der Schule zu psychischen Verletzungen gekommen ist.


    Das könnte vielleicht sogar einige Eltern von AD(H)S-Kindern auf Ideen bringen, wie sie ihre Kinder besser vor solchen seelischen Schmerzen bewahren könnten.

    Mir ging es in der Schule ähnlich und ich war ebenfalls sehr sensibel.
    Doch ich habe dort nicht ganz so oft Stress gehabt, wenn ich weinen musste. Wegen meines guten Betragens (war ein freundliches, ruhiges und verträumtes Kind) wurde ich sogar noch manchmal gelobt, was sehr hilfreich war und ich konnte meine Empfindlichkeit daher bis heute behalten (sie hat nämlich auch Vorteile, weil ich mich zum Beispiel besser in andere hineindenken kann). Lob ist jedenfalls auch ganz wichtig.

    Außerdem hatte ich immer jemanden, mit dem ich über Probleme reden konnte.
    Meine Mutter meinte, dass man über alles solange reden sollte, bis es wieder gut ist - noch vor dem Einschlafen!



    Da ich meinen Stress meist noch sofort „herausweinte“, kann ich heute ohne Missempfindungen an diese Zeiten zurückdenken.
    Nach der Schulzeit hatte ich die Erlebnisse trotzdem noch einige Jahre in Träumen verarbeiten müssen.

    Später wurde ich aufgrund der Schulzeit meines Sohnes dann erneut wieder daran erinnert.

    Das war auch gut so, denn so konnte ich ihm besser helfen. Wenn doch nur die Lehrer etwas einsichtiger gewesen wären…..Die Ignoranz und gelegentliche Besserwisserei hatte mich dann leider oft sehr belastet.

    Dieses Thema sollte eigentlich fast eine Pflichtlektüre für Erzieher und Lehrer werden,
    damit ihnen bewusst wird, was sie anrichten können.

    Trotz allem möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass die von dir beschriebenen Auswirkungen nicht auf alle mit einem AD(H)S zutreffen müssen (auf mich zum Beispiel gar nicht oder manchmal nur ein wenig). Es wäre vielleicht besser, wenn du bei deinen sehr guten Thesen nicht so oft verallgemeinern würdest, und das Wort „jede“ vielleicht in „viele“ ersetzen könntest.


    Du schreibst zum Beispiel:


    Jedem ADHSler, der mit MPH behandelt wird sind doch zwei Dinge ganz erstaunlich klar: Erstens, was für einen großen Unterschied es macht, wenn er mit MPH und wenn er ohne unterwegs ist. Und zweitens: Wie erschreckend wenig MPH für sich genommen eigentlich bringt.


    Dabei stört mich das „Jedem“.

    Wenn es um diejenigen geht, die sich hier im Forum angemeldet haben und die anderen, welche sich aufgrund ihres AD(H)S von einem Arzt behandeln lassen, würde ich dem häufiger noch zustimmen, aber ich gehe davon aus, dass es weitaus mehr ADHS-Betroffene gibt, von denen nicht einmal alle Medikamente benötigen und die vielleicht sogar gut ohne eine Dissoziation mit dem Leben zurechtkommen.
    Ich hatte einen ähnlichen Fehler gemacht, als ich früher verallgemeinernd über die positiven Eigenschaften beim AD(H)S schrieb und an die ich immer noch glaube.


    Bei der Frage, ob es sich beim AD(H)S immer um eine Erkrankung mit schweren Auswirkungen handelt oder nicht, spielt es natürlich eine Rolle, ob man nur von den ca. 3 Prozent Diagnostizierten oder vielleicht einer viel größeren Zahl von Betroffenen ausgeht.
    Die Übergänge sind fließend und die Grenze zur Erkrankung kann wohl noch nicht so exakt gezogen werden, da es in diesem Bereich offenbar noch viele widersprüchliche Studien gibt. Dabei spielt es eine Rolle, welcher Bereich genau erforscht wurde, wie die Fragebögen aussahen, welche Gruppen getestet wurden und wie die Einstellung des Forschers ist.


    Ich könnte mir sogar gut vorstellen, dass vielleicht sogar mindestens 10 Prozent von diesem Syndrom betroffen sind und ich glaube nicht, dass AD(H)S manchmal bei Erwachsenen verschwindet. Wenn man es einmal hatte, dann behält man es vermutlich auch immer.
    Bei mir war es nach der Pubertät zunächst wesentlich besser und wurde mit den Wechseljahren wieder schlimmer. Vermutlich hatte es sich nur so weit gebessert, dass es mich nur noch leicht beeinträchtigte.

    Wahrscheinlich kommt die noch unterschiedliche Auffassung, die wir manchmal zu haben scheinen, daher, dass wir von unterschiedlichen Fallzahlen ausgehen.


    Wie ich also gerade begründet habe, nehme ich an, dass nicht alle von einem so schweren AD(H)S betroffen sein müssen, wie es hier manchmal aussieht.


    Weniger Betroffene oder die Gäste, die auch in diesem Forum lesen, sollten sich selbst, oder andere auch dann noch wiedererkennen, wenn sie selbst, ihre Bekannten oder Angehörigen, nicht so stark betroffen sein sollten.

    Ich wünsche mir, dass auch eine AD(H)S-Ausprägung und Variante wie sie bei mir zum Beispiel vorkommt, hier im Forum vertreten wird und

    finde es daher nicht so gut, wenn so oft nur die „Spitze des Eisbergs“ deutlich wird (wie auch bei Barkley).

    Auch mit geringeren Auswirkungen sind die Beeinträchtigungen vorhanden.
    Nicht-Betroffene sollten auch dafür Verständnis haben und Rücksicht auf einen nehmen.


    Das ist schon deshalb wichtig, weil man am Ende nicht noch im Erwachsenenalter aufgrund eines mangelnden Verständnisses so verletzt werden sollte, dass man sich dann doch noch in „Dissoziationen“ flüchten muss.
    Geändert von Celine (12.04.2012 um 17:45 Uhr)


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